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Jüdische Rundschau · 1937-08-13 · Heft 64 (13.8.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 64 (13.8.1937)
Date
1937-08-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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יוייי?י»?י Seit» 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 64, 13. VIII. 1937 Schluß der politi/chen Debatte ׳ ו I f.1 t v RW, Zürich, 11. August, Anschließend an unseren Bericht in der vorigen Nummer tragen wir noch einen Teil des Verhandlungsheriehfes der geschlossenen Sitzungen des Kongresses als ״Politischer Kommission“ nach. Das Material entnehmen wir den über die Sitzungen herausgeirb ■״*׳n offizieller! Conimuriiquds. der am Sonntag Abend-Sitzung Nachdem der Kongreß Sonntag aus B a s e I von Gedenkfeier zurückgekcnrt war, wurde die Vollsitzung Abend, 21 Uhr, wieder eröffnet. ln Fortsetzung der politischen Debatte erhielt das Wort Del. Baratz (Arbeiterpartei), der 11. a. sagt: Man spricht davon, daß Erez Israel sehr klein sein und sehr schlechte Grenzen haben wird. Die l'nx;-. des Lehens hat uns gezeigt, daß man keine Rechnungen machen kann. Als wir Degatiiah besetzten, waren wir 12 Menschen auf 300!) Dunain, heute sind es 450, und unser Boden ist noch nicht zur Gänze bearbeitet. Alle Rechnungen und alle Vergleiche haben in der Praxis von Erez Israel leinen Wert. Ich glaube nicht daran, daß die Evakuation der Araber im großen Stil durchzufiihrcn sein wird, aber die Sache selbst ist nicht neu; immer wieder haben Araber mit dem Geld, das sie von uns erhielten, sich jenseits des Jordan angesiedelt. Wir werden einen kleinen Staat mit engen Grenzen haben — gewiß, das ist nicht ohne Gefahren. Aber sind denn die verschiedenen arabischen Kleinstaaten ökoiiunisch und poli.isdi ganz gefestigt? In Serien hat es IIungerdemonstrationen gegeben, so daß sich die Regierung au Frankreich um Polizei wenden mußte. Dennoch denkt niemand in Syrien daran, die Seihstiindigkeit gegen das Mandat einzutauschen. Die großen Leistungen, die wir vollbracht haben, die Eroberung neuer Siedlungspunkte, welche in der letzten Zeit erfolgt ist, das alles läßt uns!!offen, daß wir, unabhängig von anderen, in unserer Arbeit vorwärts kommen werden. (Beifall.) Del. Rabbi Silver (USA,) : W'vi/mann hat in seiner Eröffnungsrede die Palastina-Yenvaltiing kritisiert und erklärt, daß das Mandat durchführbar sei und dal! ihm nur das Uchehvollen seitens der Verwaltung cntgegeustelie. Er hatte verlangen sollen, daß die Verantwortlichen abberufen werden — statt dessen empfiehlt auch er Teilung. Dr. Ruppin stellte uns die Schwierigkeit der Umsiedlung von 3CXi000 Arabern dar; er hatte konkludieren müssen, daß der!Man unausführbar ist - statt dessen empfiehlt er die Teilung. Ich nehme an, daß diejenigen, die die Teilung wünschen, weil sie Frieden und eine große jüdische Einwanderung wollen, vor der Alternative erschrecken. Wenn die Teilung eine dauernde Verständigung 1״ i t den Arabern garantierte, wäre sie willkommen geheißen; aber die Araber erkläre!!, daß es keinen Frieden geben wird, sie werden weiter Unruhen stiften und dem jüdischen Staat den Garaus machen. Die Umsiedlung der Araber ist u!1 d u r c 11 f ü It r - bar und moralisch nicht zu vertreten. Die Einwanderung von 2 000 000 Juden in 20 Jahren wird von allerhand Bedingungen . abhängen, deren Verwirklichung niemand garantieren kann. Wenn wir einmal auf vier Fünftel von Palästina verzichtet haben, so ist ein solcher Verzicht nicht mehr rückgängig zu machen. Man droht uns mit Palliativen, wenn wir die Teilung nicht annehmen, den Arabern aber wird nicht gedroht. Sie werden profitieren, ob die Teilung kommt oder nicht. Es gibt keine andere Lösung als die Sache weiter zuführen wie bisher. Laßt uns unsere Kräfte konzenfrieren, dann wird weder die Teilung noch das Palliativ Platz greifen. (Beifall.) Vorsitzender Schmorak spricht dann namens des Kongrosses Ussischkiu zu seinem 71. Geburtstag die besten Glückwünsche aus. (Der Kongreß erhebt sich und bringt dem Präsidenten Ussischkiii lang andauernde Ovationen.) Als nächster Debattenreilner kommt Delegierter Bublik (Misrachi) zu Wort, der scharf gegen Wei/niaini und gegen die Exekutive spricht. Nach einer Debatte, die die Einsetzung einer Resolufionskominission betrifft, erhält das Wort das Mitglied der Exekutive Jizchak Grünbaum, der zugunsten des Vorschlags der Exekutive spricht und darauf hiinvcist, daß die Argumente der Gegner des Vorschlages sich gegen jeden Judenstaat richten. Er fuhrt u. a. aus; Das Mandat ist unhaltbar geworden, nicht nur deshalb, weil die Engländer es nicht durchführen wollen, sondern weil das M a n d a t s s v s f e m s e i n E 11 de e r r e i c 111 hat. Palästina wäre der einzige l Yb west der A-Mandate. Wie können wir die, Engländer zwingen, das Mandat nicht aufzuheben, wenn der Völkerbund seine Zustimmung zur Auf- Hebung gibt? Das Wesentlichste aber ist etwas anderes: Ich kann mir vorstellen, daß das Mandat bleibet! wird: aber nicht das ist die Frage, sondern wie es d u r c h g e f ü 11 r t werden wird, und wir wissen bereits genau, wie es durchgeführt werden wird. Man wird erklären, daß eine Mehrheit nicht entstellen kann und darf, denn Mehrheit ist Macht, und Macht ist Judenstaat. Datier wird man die Entwicklung einer Mehrheit stören. Daraus ergibt sich: die Wahl, vor der wir stehen, ist entweder ein judenstaat in einem Teil von Erez Israel oder eine jüdische Minder!! eil in einem arabischen Staate, der Erez Israel eiusehließt — eine andere F. vent u a 11 l ä t gibt es nie 111. Daher müssen diejenigen, welche tion judenstaat ablehnen, sich fragen, ob sie eine jüdische Minderheit in einem arabischen Palästina wollen. Das ist auch der Kern dessen, was Lord Samuel sagte, und was er sagte, hat er nicht aus der Luft gegriffen. Wir müssen jetzt die Staatsgewalt bekommen, nicht nur aus äußeren, sondern auch aus inneren Gründen. Solange wir ein jischuw von 100 OOO oder 150 000 Juden waren, konnten wir auf den Grundlagen der Freiwilligkeit und des guten Willens unsere Arbeit führen. Bei der weiteren Entwicklung unseres Werkes geht es nicht mehr. Ein Staat besteht nicht aus der Fläche, die er besitzt, ein Staat bcdeutet Macht, die Möglichkeit, das Leben des Volkes durch Gesetze so zu regulieren, wie die Bedürfnisse es verlangen, ein Staat bedeutet die Möglichkeit der Seihst- Verteidigung, damit man nicht immer wieder zum High Commissioner laufen und ihn um Schutz bitten muß. letzt ist der Moment gekommen, wo wir bei uns Macht erhalten müssen, und das körnten wir nur durch einen Juden- Staat. Nur in einem Judenstaat können wir den Arabern beweisen, daß wir unser Leben nicht auf dem Ruin ihres Lebens aufbauen, sondern daß wir die Rechte, die wir für uns in allen Ländern der Diaspora verlangen, der Minderheit gewähren werden, die sich iin Judenstaat befindet. Dann wird auch ein F r i e d c n s sch 1 u ß mit den Arabern möglich sein, Wahl einer politischen Resolutions-Kommission Inzwischen hat das Kongreßpräsidium beraten, und Präsident Ussischkin schlägt im Namen des Präsidiums vor, eine Politische Resolutions-Kommission zu wählen mit allen Rechten der Politischen Kommissionen bei früheren Kongressen, die Vorschläge sowohl für das hier behandelte Hauptproblem als auch für andere politische Fragen ausarbeiten soll. Dieser Kommission werden alle' erforderlichen Dokumente vorgelegt werden. Da die Aufgabe dieser Politischen Kommission diesmal eine besonders komplizierte sein wird, soll sie statt der üblichen Zahl von 24 Mitgliedern 48 Mitglieder zählen; Stellvertreter werden nicht gewählt. Die Mitglieder der Exekutive und des Kongreßpräsidiutns nehmen ex officio an der Kommission ohne Stimmrecht teil. Der Vorschlag des Präsidiums wird angenommen. Der Vorsitzende ersucht die Parteien, bis Montag, 10 Uhr vormittags, ihre Kandidaten anzugeben. Die Debatte wird nunmehr bis zum Sitzungsschluß nicht mehr unterbrochen. Das Wort erhält Del. Fritz Bernstein (Weltverband Gruppe B), der gegen den Teilungsplan spricht. Es folgt Dr. Stephen Wise (USA.), der zunächst das Telegramm des amerikanischen christlichen Predigers John Hayn cs Holmes verliest, der vor der Teilung warnt. Dann führt der Redner u. a. aus: Die Antwort des jüdischen Volkes an England darf nicht Ja oder Nein sein, sondern ״non possumus“. Was man der Mandatsmacht sagen muß, ist, daß es nach weniger als 20 Jahren zu früh ist, zu behaupten, das Mandat könne nicht erfüllt werden. Die Zeit war zu kurz dazu, und, was viel wichtiger ist, man hat nur ein Minimum von Anstrengung daran gewendet. England kann nicht für sich ins Treffen führen, daß es als Sachwalter Mißerfolge gehabt hat. Was aber leider gesagt werden darf, ist, daß England als Mandatsmacht einen wirklichen Versuch unterlassen hat, und um die volle Wahrheit zu sagen, manchmal schien es, als oh auf seiten des Sachwalters nicht nur ein Mißlingen des Versuches, sondern ein Versuch des Mißlingens vorlag. Verschließen wir unsere Augen nicht vor der Tatsache, daß der idealistische Aspekt, der dem Aufbauwerk unserer Generation Glanz gab, schwindet, wenn dieser Minimalstaat Wirklichkeit wird. Die ganze Welt •wird ärmer, wenn dieses außerordentliche Schauspiel im Reicli des ethischen und sozialen Idealismus sein Ende findet in einem von seinen üreitzen erwürgten Staat — Grenzen, die das Gegenteil von Sicherheit garantieren und keinen Platz, für den Idealismus und den Aufbauwillen des Jischuw lassen. Klar ist: Großbritannien bietet dem jüdischen Volk nicht den Judenstaat und Teilung an, sondern Teilung und einen Judenstaat, was die Versüßung der sehr, sehr bitteren Teilungspille durch einen sehr, sehr kleinen Judenstaat bedeuten soll. Die Antwort an England ist in allen Punkten klar; Teilung — nein. Palliative — nein. Judenstaat —- ja! Gewiß kann die Mandatsmaciit die Teilung dekret i e r e n. Es mag sogar sein, daß, obwohl ich es um Englands und um unseretwillen nicht hoffe, die Teilung kommen wird. Wir werden uns vielleicht der force majeure beugen müssen, aber zustimmen ist etwas ganz anderes. Friede zwischen Juden und Arabern soll eines der Hauptziele der Teilung sein. Es gibt keinen sichereren Weg, diesen Flieden zu verzögern, ihn unmöglich zu machen, als durch die Schaffung eines jüdischen Zwergstaates, in welchem die Araber den Juden zunächst an Zahl gleichkommen und neben dem sie einen rein arabischen Staat haben werden. Das kann nicht Frieden bedeuten, auch nicht für die Mandatsmacht. Man muß sich fragen, ob der Vorschlag wirklich mehr auf Frieden abzielt, als es mit der Nichterfüllung des Mandates der Fall war. Nach 15 Jahren ewigen Hinausschiebens und dauernder Nichterfüllung verlangen wir Juden eine Möglichkeit, die uns bisher nicht gegeben wurde: ungehindert zu einer Verständigung mit den Arabern ־zu kommen. Bis heute hat die Mandatsmaciit nichts getan, sie zu erleichtern. Behauptet jemand, daß man nicht anders zur Verständiguiig mit den Arabern kommen könne als durch Unterdrikkung, so antworten wir, daß!vir niemals von England verlangt haben, es möge die Araber unterdrücken, sondern mir, daß es seine Autorität ebenso gebrauchen möge, wie es irgendeine ähnliche Situation in irgendeinem Teil des Imperiums sehr rasch beendet hätte. Gesetz und Ordnung innerhalb der Grenzen des Mandatsgebietes Ist alles, was wir gefordert haben. Gesetz und Ordnung sind nicht Unterdrikkung. Mangel an Gesetz und Ordnung ist Schwäche, ermuntert Unordnung und macht Unterdrückung nötig. Wir, der Sachwalter des jüdischen Volkes, können keinen Vertrag mit England eingehen, der der jüdischen Zukunft weniger gibt als das ganze Palästina. Die Ablehnung, die ich diesem Kongreß empfehle, enthält Risiko, ja Ocfahren, aber alles Leben ist Risiko und Gefahr. Und wenn es etwas gibt, was für uns Juden sicher ist, dann ist es das: so sicher wie die Dauer des jüdischen Volkes ist nur noch die Fortdauer des jüdischen Elends. Man braucht nicht zu betonen, daß die Einheit des jüdischen Volkes gewahrt und der Zusammenbruch der Zionistischen Organisation verhütet werden muß. Die Erhaltung־ der Zionistischen Welt- Organisation ist gesichert. Wir, die wir die Teilung ablehnen, mögen eine Minorität bleiben, aber als Juden und Demokraten werden wir Innerhalb der Organisation bleiben und ihr weiter unsere vollste Unterstützung geben. Nachdem noch Raw Fischmann (Misrachi) gegen den Teilungsplan gesprochen hat, wird die Sitrung um 12 Uhr nachts geschlossen. Die Montag: - Sitzungen In der Montag, den 9. August, vormittags begonnenen 5. Sitzung der Kommission, wurde, nachdem ein Antrag auf Beendigung der Debatte abgelehnt worden war, die politisehe Diskussion fortgesetzt. Es sprachen zunächst die Delegierten Dr. M. Ebner (Weltvereinigung), der sich für Annahme des Weizmannschen Antrages aussprach, Riffln (Haschomer Hazair), der den Teilungsplan als ansschließlieh der englischen Imperiumspoütik nützlich, dem Judentum und Zionismus aber schädlich ßezcicluiete, Dr. Rosmarin (Weltverband), Markovici (Judenstaatspartei) und Ab Goldberg (Weltvereinigung USA.), der für das Eintreten in Verhandlungen sich aussprach. Der südafrikanische Delegierte Moss Morris (Weltvereinigung) lehnte im Namen seiner Landesorganisation das Projekt ab und verlas am Schlüsse seiner Ausführungen einen Brief des Generals Smuts an die Zionistische Föderation von Südafrika. Eine weitere Rednerin des Haschomer Hazair, die Delegierte Golda Mayersohn, spricht sich ebenfalls scharf für Ablehnung des Antrages aus. Sodann ergreift daJ Wort das Mitglied der Exekutive Professor Brodetsky Brodetsky führt aus: Ais ich die wunderbare Rede von Weizmann horte, in der er zum Schluß sagte, er sei bereit, einen Pian zu diskutieren, der es uns ermöglicht, ein Drittel der zur Auswanderung gezwungenen Judenheit zu retten, da taten mir nicht nur die restlichen zwei Drittel leid, sondern ich war nicht überzeugt, ob in den nächsten 15 oder 20 Jahren wirklich 2 Millionen Juden nach Palästina kommen können. Zwei Millionen Menschen bedeutet 1000 Menschen pro Quadratmeile — wo gibt es ein solches Land auf der Welt? Und wenn die zwei Millionen Juden schon da sind, werden drei Viertel von ihnen von der Industrie leben müssen —• wo ist der Markt dafür? Das eigentliche Problem ist: Wir haben in den letzten 20 Jahren versucht, eine jüdische Majorität in Erez. Israel zu erzielen und haben in den letzten Jahren einen gewissen Fortschritt erzielt. Es entsteht die Frage, ob weitere Versuche, die Mehrheit in Eie/. Israel zu erzielen, erfolgreich sein werden oder ob wir den Teil annehmen sollen, in dem wir schnell eine Majorität liaben, und dann uns über ganz Erez Israel ausbreiten. Betrachten wir den Effekt des Peel-Berichtes in England. Als die 40 Millionen Engländer im Radio hörten, was im Bericht der Kommission steht, da atmeten 40 Millionen Engländer auf, denn sie sind das Joch los, das sie nicht weiter tragen können. Auch die englische Presse war nicht um unseretwillen für ein jüdisches Palästina, nur ein paar Zeihingen, die dem jüdischen Volke wirklich freundlich gesinnt sind, setzten sich für uns ein; fast die ganze Presse sagte, es gehe keinen Ausweg für die Engländer, um das Joch loszuwerden, welches England nicht tragen kann. Wenn wir jetzt den Vorschlag rundweg ablehnen, so wird unsere Position in Erez. Israel in der Zukunft unmöglieh sein. Wir genießen jetzt in England große Sympathien, die aus zwei Quellen stammen: einer negativen, nämlich unserer Lage in einigen Ländern Europas und einer positiven, unserer Leistung in Erez Israel. Diese Sympathien aber würden wir im Falle einer unbedingten Ablehnung verlieren, und die Mandatspolitik Englands würde noch viel schlimmer werden, als sie bisher gewesen ist. Ich hin der Ansicht, daß der Plan in seiner heutigen Form keine Grundlage fiir unsere künftige Existenz sein kann, aber inan muß doch irgendwie aus der Sackgasse herauskommen. Daher muß man meiner Meinung nach einer Exekutive die Möglichkeit geben zu verhandeln. Wir können tun, was das englische Parlament getan hat: die Sache aufschieben und, bis wir zu einem neuen Kongreß kommen, sie durchdiskutieren. Ich kann keinem Zionisten und keinem Mitglied der Exekutive erlauben, die Schwierigkeiten, die der Vorschlag in sich birgt, als leicht 11 i n zu s t e 11 e n. Zunächst weise ich den Gedanken zurück, daß man der Gegenwart zuliebe etwas tun kann, was die Zukunft des jüdischen Volkes berührt׳ (Beifall). Als Kriterium für einen Staat gibt es für mich einen Grundgedanken: Ein Volk muß R a u m haben. Wie die Dinge liegen, sehe ich nur einen Weg: Ja sagen können wir nicht, wir müssen den Vorschlag der Royal Commission ablehnen und unsere Rechte fordern. Unsere Antwort muß zwei Teile haben: Wir lehnen die Palliative ab, und wir lehnen den Vorschlag des Judenstaates ab, aber wir geben der Exekutive die Möglichkeit zu verhandeln. Doch für diese Verhandlungen müssen wir ihr ein wenig die Hände binden — das bedeutet, die Direktive, daß wir einen Juden- Staat mit genügend Raum haben müssen. Ich will mindestens die Hälfte von Erez Israel haben. Der beste Weg ist, zu einem neuen Kongreß mit ehiem praktischen Vorschlag zu kommen, den wir vertreten können. Ich glaube, daß dies der Standpunkt des größten Teiles des Kongresses ist. Die Rede Mesche Schertoks Zum Worte kommt sodann das Mitglied der Exekutive Mosche Schcrtok: Er führt 11. a. aus: Man hat die Frage der Teilung und die Schaffung eines Judenstaates in einen! Teil Erez Israels so scharf in den Vordergrund gestellt, daß der Eindruck entstanden ist, als ob es die einzige Tatsache wäre, welche unsere Lage kennzeichnet. Wie tief erschütternd auch das Erlebnis sein mag, so meine ich, daß nicht darin allein der Schwerpunkt unserer gegenwärtigen Situation liegt — er liegt vielmehr darin, daß unsere ganze Entwicklung in Erez. Israel an einem Wendepunkt angelangt ist. Als wir nach 2000 Jahren in unser Land zurück kehrte*!!, wußten wir, daß es nicht leer, sondern ziemlich dicht bevölkert sei, bevölkert von einer recht hochentwickelten Nation, welche individuelles und kollektives Sclbstbewußtsein hat. Der Druck dieser Tatsache auf unsere Lage und auf unsere Arbcits- Möglichkeit ist direkt und indirekt in der ganzen Welt ständig gewachsen. Wir wußten, daß eine sehr kritische Stunde kommen kann, nämlich die Gefahr, daß es uns nicht gelingen wird, die parlamentarische Entwicklung im Lande auf/uhaiten, oder die Gefahr, daß nach Abschaffung der anderen A-Mandate auch Erez Israel an die Reihe kommt. Ueberdies sammelten sich schwere Wolken am politischen Welthorizont, und wir sahen die Gefahr des Ausbruchs internationaler Stürme, die auch Erez Israel erfassen würden. Welche Form diese Wende auch annehmen mag — jeder von uns wüßte, daß die Jahre ungestörter Arbeit in Erez Israel gezählt sind. Wir arbeiteten mit der einen Hand am Bau, mit der anderen hielten wir die Uhr der Geschichte. Zwei unserer Mitkämpfer und Führer, die uns in den letzten Jahren entrissen wurden, Arlosoroff und Jacobson, haben die letzten Jahre ihres Lebens in einer Stimmung tiefer Unruhe wegen unseres Schicksals in Erez Israel verbracht. Denn sie, die ständig den nahen und weiten politischen Horizont unserer Arbeit überwachten, sahen die kritische Stunde näherkommen. Ich weiß nicht, ob jetzt bereits der entscheidende Wendepunkt da ist, aber daß es ein Wendepunkt ist, davon bin ich tiet überzeugt. Die Diskussion darüber, ob die Ereignisse von 1936 zu vermeiden waren oder nicht, ist nicht eine rein akademische, das ist eine sehr wichtige Frage fiir unsere Zukunft. Es ist auch keine akademische Diskussion, ob der Ausbruch des Weltkrieges im Jahre 1914 zu vermeiden war oder nicht, auch das ist eine ernsthafte Frage, die die Menschheit beschäftigen muß, denn die Menschheit muß aus der Erfahrung lernen, uin zu wissen, wie sie einen neuen Weltkrieg vermeiden soll. Aber wenn man zu dem Schluß kommt, daß der Weltkrieg nicht zu vermeiden war, so bedeutet das nicht, daß man den Weltkrieg als eine Episode betrachten kann. Es wäre unverantwortlich und unernst, anzunehmen, der Weltkrieg habe keine gründlich neue Situation geschaffen, und der seichten Hoffnung Ausdruck zu geben, als könnte man die früheren Zustände bald wieder Herstellen- Verantwortlicher Redakteur! Dr. Robert W e 11 s c h, Berlin-Charl, fl (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W 16 Anzcigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 18. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1930. Verlag und Anzeigenverwaltung! Jüdische Rundschau, Berlin W15, Meinekestr. 10. D.A. 11/1837 30 316. — Drucks Siegfried Scholem, Berlin-Schäneberg.

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