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Jüdische Rundschau · 1937-08-13 · Heft 64 (13.8.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 64 (13.8.1937)
Date
1937-08-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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17. s.!537 JÜDISCHE RUNDSCHAU Sd1r!rtleH1m;,Verlagn.A11nlge0TerwaHn11gr1 Berlin W15, Melnekeetr.19 Fernrafi 919031, Telegramm»Adr•■■®* Orghip« — Bezugspreis einschließlich Bestellgeld Je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 btw. RM 5,39. — Postscheck - Konten der Vertrieb* - Abteilung- Berlin 71573 (für Groß * Berlin), Berlin 11392 (für das übrige Reich). In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. — Er» «K1 e 1 n t jaden Dianstag and Freitag. BERLIN ר אלול תרצ״ז FREITAG, 13. AUGUST 1937 Gültig? Aazetgenpreisliste Nr. 5• Die 12 gespaltene mm - Zelle 20 Rpf, fSf Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten PlStzen wird kein« Gewähr geleistet. Gelegenheit»- aozeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. Anoahmeschluß für di• Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus «rslrebt IDr das indische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Weizmann erhält Vollmacht Mehrheitsresolution in Zürich mit 300 s 158 Stimmen angenommen J?W, Zürich, 11. August. In namentlicher Abstimmung wurde heute mittag die von der politischen Kommission des Kongresses eingcbrachte Resolution angenommen, durch die die Exekutive ermächtigt wird, in informative Verhandlungen mit der britischen Regierung einzutreten, um den kon* kreten Inhalt des Vorschlages in bezug auf einen Judenstaat in Palästina festzustellen. Der endgültige Plan soll einem neu gewählten Zionistenkangreß zur Entscheidung vorgelegt werden. Die Gegenresolution der ״Neinsager“, die erklärt, daß kein Plan, der die Teilung Palästinas einschließt, die Basis ISr Verhandlungen bilden kann, erhielt nur 158 Stimmen und ist damit a b ge l e h nt. Den Wortlaut der beiden Resolutionen veröffentlichen wir im Innern des Blattes. Weizmann ist Mittwoch nachmittag nach Genf abgereist. Der Kongreß trat noch Mittwoch in die Behandlung der Wirtschaftsfragen ein. R W, Z ü r i c 11, 12. August 1937 Der erste schwere Teil des Kongresses ist vorüber. Die Entscheid u ng־ ist gefallen. Eine grolle Mehrheit des Kongresses hat der Exekutive die Vollmacht erteilt, die sie gefordert hat. Freilich wurden weitgehende Einschränkungen und Vorbehalte gemacht. Die Verbandlungen sollen nur informativer Natur sein. Sie sollen nur die Absichten Englands ״feststellen“. Die englische Regierung selbst ist ja nach dem parlamentarischen Beschluß noch nicht auf einen bestimmten Vorschlag festgelegt, und das Projekt muß, auf Grund der inzwischen gewonnenen Genfer Erfahrungen, erst im Detail ausgearbeitet werden. Die Exekutive ist berechtigt, sich an diesen Vorbereitungen durch Beratungen zu beteiligen, aber sie darf sich nicht binden. Sie muß nochmals den Kongreß befragen, und zwar nicht diesen, der vor Erscheinen des Peel-Berichts gewählt worden ist, sondern einen neuen, bei dem — wie man meint — die Wahlentscheidung schon eindeutig um das Ja oder Nein zu dem erwarteten neuen englischen Projekt gehen wird. Die Resolution der Mehrheit spricht nicht von ״Teilung“. Sie erwähnt nur die Bedingungen Englands für die Entstehung eines Judenstaates. Das ist eine Form, die Gefühle derjenigen zu schonen, für die der Gedanke einer Teilung ein großer Schmerz ist und die trotzdem aus realpolitischen oder nur aus parlamentarischen Gründen für die Resolution gestimmt haben. So entsteht der Anschein, als ob der Inhalt dieser Resolution nicht klar wäre. In Wahrheit aber weiß jeder Kongreßteilnehmer, daß es sich um den TeilungsVorschlag handelt, denn England wird einen ״Judenstaat in ganz Palästina“, von dem in manchen Reden dieses Kongresses soviel gesprochen wurde, den Juden nicht anbieten. Die Redner der Opposition haben diese Tatsache bei der Abstimmung noch dadurch unterstrichen, daß sie der Mehrheit vorwerfen, sie verschleiere ihre Meinung dadurch, daß sie das Wort Teilung nicht ausspricht. Aber ein solches Spiel mit Worten ist wohl unwichtig, denn jeder weiß, worum es sich handelt. Die Exekutive bat sich mit der vorgelegten Resolution einverstanden erklärt. Sie begnügt sich also mit den erteilten Vollmachten. Die Kongreßdebatte ist zwar abgeschlossen, aber nun beginnt erst die Debatte über alle Einzelheiten, die im Laufe der nächsten Monate auftauchen dürften. Die Zionistische Organisation verlangt, wenn sie überhaupt dem Teilungsplan näher treten soll, wichtige Abänderungen, ln diesem Punkte sind alle Zionisten einig. Aber auch von anderer Seite wird Einfluß geltend gemacht, und viele Fragen, besonders solche militärischer, finanzieller und wirtschaftlicher Natur, sind bisher überhaupt nicht erörtert worden. Es wird also noch viel Diskussionsstoff geben, nachdem der Kongreß auseinandergegangen ist. Aber richtig ist auch, was viele Redner auf dem Kongreß sagten: ein Staat kann nicht durch Debatten gebaut werden. Es wird noch viel Arbeit und Opfer kosten, Kampf und Einsatzbereitschaft, es ist der schwerere Weg. Wichtig ist zunächst auch, daß die Integrität der Zionistischen Organisation gewahrt bleibt, ln den langen Deklarationen, die nach der Abstimmung von den einzelnen Gruppen abgegeben wurden, ist wohl der wichtigste Passus der, der besagt, daß sie ihren Kampf ״innerhalb der Z ionistischen Organisation“ weiter führen wollen. Damit ist dem Gerede über Spaltungen die Spitze abgebrochen. Daß Kräfte am Werk sind, die auf Spaltung abzielcn, geht schon daraus hervor, daß Jabot inskv in Zürich war und den Versuch machte, die Grossmann- Gruppe zu sich herüberzuziehen, was aber nicht gelungen ist. Auch diese kleine Oppositionspartei innerhalb der Zionistischen Organisation ist sich darüber klar, daß die Einheit und Geschlossenheit der Bewegung ein hohes Gut ist, insbesondere in dem Moment, in dem das jüdische Volk als solches zum erstenmal praktisch staatsbürgerliche Eigenschaften zu erweisen haben wird. * Für die Mehrheitsresolution stimmten auch einige Gegner des Teilungsprinzips, besonders in der Arheiter-Partci, die mit einigen Enthaltungen geschlossen für den Entwurf stimmte. Diese sind gegen den Teilungsplan, sehen aber ein, daß man der Exekutive wenigstens die Möglichkeit zu weiteren Besprechungen gehen muß. Im übrigen sind die Neinsager eine etwas heterogene Gruppe, Wie lassen sich die radikalsten Gruppen des Kongresses, Misrachi und Juden Staatspartei, die unbekümmert um alle politischen Tatsachen den Juden- Staat für ganz Palästina proklamieren, vor einen Wagen spannen mit dem Haschomer Hazair, der die Teilung des Landes in der einzig logischen Form, niimlieh durch Bejahung des binationalen Staats abwenden will? (Jeher diesen Gedanken sind wir verpflichtet, ein Wort zu sagen, da auch die ״Jüdische Rundschau“ ihn oft vertreten hat. Angesichts der in Palästina gegebenen Tat- Sachen (Weizmann nannte sie ״eiserne Tatsachen“) waren wir immer der Meinung, daß die einzige Möglichkeit einer Realisierung des Zionismus in ganz Palästina in einer j üd i s c h ■ a r a b i s c h e n Verständigung auf der Grundlage des binationalen Staates liegt. Auch heute scheint uns dies die einzig denkbare Alternative zu sein, und darum haben wir noch in den letzten Monaten, als im April das Actions-Comiie zusammentrat, und ebenso vor dem Kongreß, an die jüdischen Vertreter appelliert, in letzter Stunde eine Einigung mit den Arabern zur Verhütung der Zerreißung des Landes zu versuchen. Aber wir mußten uns sagen, daß dieser'Weg eine Illusion ist, und die Erfahrungen haben dies bestätigt. Denn es wäre unsinnig, von diesem Kongreß eine derartige Stellungnahme zu erwarten; nur ein winziger Prozentsatz war dafür zu gewinnen. Wenn aber schon auf jüdischer Seite jede psychologische Voraussetzung dafür fehlt, was will nfan dann von den Arabern erwarten, die naturgemäß auch weit weniger Interesse an einer solchen Einigung haben als wir? Darum gibt es diesen Ausweg eines binationalen Staats praktisch nicht, wie auch die Peel-Kommission ganz richtig eingesehen hat. Wenn der Hasehomer Hazair, auf dieser Illusion fußend, gegen die offizielle Resolution stimme, so erzeuge er damit nach außenhin den falschen Eindruck, daß eine größere Anzahl von Delegierten aus nationalem Radikaiismus gegen die Teilung ist, als es in Wahrheit der Fall ist. Dies mag auch der Grund sein, warum der vielleicht einzige bürgerliche Delegierte, der Anhänger des binationalen Gedankens ist, nämlich Professor Be ntwich, nicht gegen die Resolution stimmte, sondern sich der Stimme enthalten hat. Letzte Meldung Beginn der Wirtschaftsreferafe RW. Zürich, 12. August, nachmittags (telephonisch) Mittwoch nachmittag fand zunächst die Totenfeier statt. Reverend Goldbloom gedachte der Verstorbenen der Bewegung, insbesondere des Bürgermeisters von Tel Aviv, Dizengott. Es folgten dann die Wirtschafts- Tcf crate. Zunächst hielt l)r. Ruppin sein Referat, dessen Inhalt wir nachtragen werden. Donnerstag vormittag sprach Elieser Kaplan über Finanz- und Wirtschaftsfragen. Nach seinem zweistündigen Referat sprachen über wirtschaftliche Spezialfragen noch Agronom Wilkansky, Harzfeld, Rotten streich und Kurt Blum e n f e 1 d. Donnerstag nachmittag fanden Konimissionssitzungen statt. Der Hinweis auf die gegebenen Tatsachen hat in die* ser Debatte überhaupt nicht die Rolle gespielt, die ihm zukommt. In einer geschlossenen Debatte, bei der man nicht zu furchten braucht, daß jedes Wort in der Oeffent* liclikeit mißdeutet wird, härte inan die Möglichkeit dazu gehabt, die gegebene Lage genau zu analysieren. In Wahr* heit wurde die meiste Zeit dazu benutzt, rein ideo* logische Debatten zu führen, die wenig mit der Wirklichkeit zu tun haben. Die Mitglieder der Exekutive hüben vielleicht als einzige intnier wieder versucht, die Debatte auf den Boden der Wirklichkeit hitiüberzuziehen. Besonders Mosche Schertok hat es eindrucksvoll getan. Weizmann hat die entscheidenden Argumente for* •miiliert: daß wir heute die Wahl haben zwischen einem Judenstaat und einer Minderheitsposition in einem arabi* selten Staat. Das ist die wahre Alternative. Darauf hat keiner der Gegenredner eine Antwort gegeben, am wenigsten Dr. Stephen W i s e, der bei der Abstimmung nochmals demonstrativ das Bekenntnis der Neinsager ab* legte. Er wäre verpflichtet gewesen zu sagen, wie er sich dieser Alternative gegenüber verhält; dazu wäre es vielleicht erforderlich gewesen, daß die Problemstellung in der Debatte noch deutlicher hervorgetreten wäre. Vielleicht hätten dann viele der Neinsager sich die Schwere der Entscheidung nochmals überlegt. Denn wenn der eng* lisehe Antrag, der ja auch in Genf großen Schwierigkeiten begegnet, zurückgezogen wird, wenn vielleicht gar die kühle Aufnahme seitens der Juden einen hemmenden Einfluß ausübt, dann besteht die Gef a 11 r, d a li Palästina z 11 e i n e in A r a h erst a a t w i rcl. Jede Form einer Staatliehen Selbständigkeit des Landes in den nächsten 10 oder 13 Jahren würde Palästina zu einem arabischen Staat mit jüdischer Minderheit machen. Diejenigen, die sogar einen binationalen Staat mit Entrüstung abgclchut haben, körineu doch dies nicht wollen! Was also bleibt übrig? Wie könnet! gerade diese bei nüchterner DeberJegung für eine unbedingte Ablehnung des Vorschlages sogar ohne jede Verhandlung eintreteii? Es ist schade, daß dieser springende Punkt, den Weizmann Ussischkin vorhiclt, in der Debatte nicht deutlich genug hervorgetreten ist. Denn er ist der entscheidende und daherder einzige Punkt. Alle Vor- und Nachteile des Projekts, wie sie sich die Befürworter und die Gegner ausrnalen, weiß man schon genau. Es handelt sich darum, aus der Fülle dieser Argumente das entscheidende hcraus/ustellen. Der Kongroß hat durch eine politische Debatte, die nicht sehr nützlich war, sehr viel Zeit verloren. Ls war unnötig, durch den Ausschluß der Oeffentlichkeit noch den Eindruck der Nervosität zu geben. Aber nun darf man amichmcn, daß — obwohl es nicht deutlich ausgesprochen wurde — durch die Annahme der Resolution zunächst die Situation geklärt ist, Dieser Abschnitt des Kongresses ist zu Ende. Es beginnt der zweite Teil, die Wirtschaft. Es ist jedem klar, daß der Judenstaat als Formel nichts ist, es kommt auf den Inhalt an. Inhalt aber heißt Wirtschaftliehe Positionen. Darüber ist nun zu sprechen. Nach der Schabbat-Pause sollen bereits die Berichte der Kommissionen und die Abstimmung beginnen, und nach den bishörigen Dispositionen soll der Kongreß Sonntag abendzu Ende sein. Erfahrungsgemäß darf man wohl amichmcn, daß dieser Termin nicht eingehalten werden wird, und daß es mindestens Dienstag werden wird. Inzwischen wird auch Dr. Weizmann, der nach Genf abgereist ist, in Zürich zurückerwartet. Weizmann wird in Genf der Mandats-Kommission von dem Beschluß des Kongresses Mitteilung machen. Damit wird angezeigt, daß die Türen offen sind. Die Verhandlungen können jetzt schon in Genf beginnen.

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