Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 63 (10.8.1937)
- Date
- 1937-08-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 63, 10. VIII. 1937 Neue Religionsgemeinde Jerusalem Nach fast dreijähriger reiflicher Ueberlegung hielt Dr. Kurt Wilhelm, der frühere Dortmunder Oemeinderabbiner, die Zeit für gekommen zur Gründung einer religiösen Vereinigting nach dem Muster westeuropäischer Gemeinden. Zu den Mitbegründern gehört Dr. Georg Herlitz. Wir nannten unsere Oemeinde ״Emeth W’emuna“ und begannen im Januar 1937 mit den Gottesdiensten. Als Betraum diente uns zunächst das Lokal eines Kindergartens, das für unsere Zwecke zu eng war. Es war ein auffälliger Kon־ trast zwischen der Dürftigkeit und WerktäglichKeit des Raumes und der Weihe des Gebetes. Jetzt sind wir aber schon lange im geräumigen Saale des ״Centre de Culture Frangaise“, der besonders zu 1i־en Feiertagen dicht gefüllt ist. Es •war für uns wie für unsere schon etwas ältere Schwestergcmcindc ״Beth Israel“ in Haifa keine Frage, daß Wir unserem Ootiesdienst das alte Gebetbuch zugrunde legten. Wir verwandten vornehmlich Melodien, die dem Ein- Wanderer aus Deutschland vertraut sind. Zur Unterstützung des Kantors wurde ein Knabenchor gebildet. Der Rabbiner hält nach dem Freitagabendgebet Lehrvorträge in hebräischer und deutscher Sprache. An* Schabhat-Morgen hören wir Schrifterklärungen, in denen Midrasch und Aggadah eine besondere Rolle spielen. Die Bar-Mizwah-Feier iiat Dr. Wilheim eindrucksvoll gestaltet, Die Festpredigten behandelten eindringlich das Problem Erez Israel — Oalutb. Zu den hohen Feiertagen soll von der Kanzel zu brennenden sozialen Fragen Stellung genommen werden. Wir wollen gerade in der Predigt zeigen, daß es vieles gibt, was den modernen Mensehen zur Religion bringt. Rabbiner Dr. Max Elk in Haifa hat hier neue Wege gewiesen, und wir freuen uns, daß wir diesen gedankenreichen Prediger zu Sukkoth — im Austausch mit unserem Rabbiner — hei uns haben werden. Wir ziehen die Jugend soviel als möglich zum Gottes* dlenste heran. Zu ihr wird prinzipiell hebräisch gesprochen. (Die Festpredigten bedienten sich zum größten Teile der deutschen Sprache, um den Touristen und den Alten entgegeimikoinmcii.) Die Haftarah wird häufig von Schülern vor* getragen. Als Kantor wirkt Schlomoh Weißfisch, eine bekannte Figur des palästinensischen Musiklebens, in der Oeffeutiidikeit besonders durch seine Konzerte im Jerusalemer Radio belicht. Wir halien dem Rabbineramt wieder seine ihm zukommende Steilung gegeben, indem wir Dr. Wilhelm zum Vorsitzenden des Vorstandes wählten. Besonders eifrig betätigt sich in der organisatorischen Arbeit Hermann Meyer, der ehemalige Leiter der Soncino-Gesellschaft, Berlin. Auch ein Vertreter der Jugend gehurt dem Vorstand als Mitglied an. Cs gibt auch bereits Ansätze zu einem Oemeindeleben. Aut einem Gemeinde;( bend sprach Dr. Wilhelm über ״Gemeindeleben in alter und neuer Zeit“. Ein allwöchentlicher Bibelkurs mit gutem Besuch verdient erwähnt zu werden. — Zu Lag B’omer gaben wir ein Volkskonzert mit Schlomoh Weißfisch und Frau Malka Torczyner. G unter Perl Von der Woche Einer Meldung des ״Haare?“ zufolge hat die Palästina- Regierung beschlossen, der Stadt Tel Aviv das iinbeschränkte Recht zum Ausladen von Waren jeder Art an der Anlegestelle von Tel Aviv einzuräumen. Diese Entscheidung ist das Ergebnis einer Unterredung zwisehen dem High Cornmissioner, Sir Arthur Wauchope, und dem Bürgermeister von Tel Aviv, Israel Rokach. Die Polizei verhaftete 74 Araber aus einem Dorf In der Nähe von Dschenin, die verdächtig sind, an einem. Ueberfall auf amerikanisch-jüdische Touristen bei Dscherjin teilgenom* men zu haben. Der Verwalter der muselmanischen Heiligtümer in Safed, Subhi Bey e! K h a d r a, der am 17. Juli bei einer Haus- Buchung in den Räumen des Obersten Arabischen Komitees unter der Beschuldigung der Organisierung eines Aufstandes Verhaftet worden war. ist gegen Hinterlegung einer Kaution von 500 Pfund auf freien Fuß gesetzt worden. Eine jüdische Abordnung, die Hebron anläßlich des Jahrestages des Gemetzels vom August 1929 besuchte, fand den dortigen jüdischen Friedhof entweiht vor. Die Tore, die zu der gemeinsamen Grabstätte der Opfer des Massakers führen, waren zertrümmert, die Oelbäume neben den Gräbern verbrannt. Auch die Grabsteine waren entweiht und zerbrochen. Einschränkungen In Vorbereitung? Jerusalem, 5. August. (JTA.) Wie die Jüdische Tel- Agentur erfahrt, wird von der Palästina-Regierung bereits der Entwurf einer Verordnung ausgearbeitet, durch die die Pall i a t i v m n ß nahm en des Berichtes der Kgl. Kommission zur Einschränkung der jüdischen Einwanderung durchgeführt werden sollen. Nach der neuen Verordnung sollen die Einwanderer mit eigenem Kapiial von mindestens 1000 Pfund in Zukunft die Eitiwamkrungsgenehmigung direkt bei der Palästina-Regierung beantragen müssen, die Einwanderer-Kategorien der Handwerker und Intellektuelle(! mit geringerem Kapital werden abgeschafft. Die politische Höchstgrenze der Einwandening pro Monat beträgt I 000 Personen und auch diese Quote kann herabgesetzt werden, wenn sie die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit übersteigt. Die Verordnung sieht auch eine Abänderung der Palestiue Order in Council vor. Es heißt, daß auch Bestimmungen über die Einschränkung des Rechtes der Juden, Boden zu erwerben, vorbereitet werden. Der neue Oberkommandierende Generalmajor W a v e I, der, wie bereits gemeldet, zum Nachfolger von Generalleutnant John G. Dill, des bis* herigen Oberkommandierenden der palästinensischen Streitkräfte, ernannt worden ist, stellt im 54. Lebensjahr. Er hat unter! eidmarschall Lord Allenbv in Palästina gedient mul ist sein offizieller Biograph. Er hat ein Werk über die Feldzüge in Palästina verfaßt. Seit 1935 kommandiert er die zweite Division in Aldcrsliot. Bei seiner Ernennung i. J. 1933 war er der jüngste General in der englischen Armee. Das Mischpat Haschaloiti Haivri ln Jerusalem wurde am 1. August nach mehrjähriger Arbeitspause wieder eröffnet. Die vorläufige Leitung besteht aus den Herren: Eli,11111 Berligne (Vorsitzender), Dr. Richard Katzenstein und Dr. Cluiim Schmetterling (stellvertretende Vorsitzende), Dr. Friedrich Ollendorf, Dr. Ji/chak Samunow und Schalom Schwarz. Mit dem Mischpat Haschalom ist ein ständiges Schiedsgericht verbunden. Die Geschäftsräume befinden sich in Jerusalem, Ben-Jchudastr, 3, 11. Stock. Die Landessammelstelle des Keren Kajemeth Lejlsrae! In Palästina sucht alle bisher erschienenen Bände von ״Thonison: Die Palästina-Literatur“. Mitteilungen an die Zentralsammeistelle der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek, Berlin W 15, Meinekestr. 10, erbeten. Jugend aus Deutschland im Kibbuz ln der Broschüre ״Baderech“, die einen Ueberbtick über die Entwicklung des Kibbuz Gedera in den drei Jahren seines Bestehens gibt, ist ein besonderes Kapitel den Mitgliedern aus Deutschland gewidmet: Das Los dieser Einwanderung im Kibbuz war bisher, hinter den anderen zurückzubleiboii; dies erstens im zeitlichen Sinne, denn diese Alijali ist die letzte der großen Eiiiwanderungswelkn, die den Kibbuz erreichten, und sie fand schon konsolidierte Wirtschaften vor, die in ihrem Charakter schon bestimmt waren. Zweitens aber ist sie auch in ihrer Beziehung zum palästinensischen Arbeiterleben zurückgeblieben. Der Einwanderer aus Deutschland ist der körperlichen Arbeit und dem Leben aut dem Lande ferner, es fällt ihm schwerer, mit wenigem nuszukommen, der Wachtdienst liegt ihm fern und an das Hebräische kann er sich nicht gewöhnen. So kann er sich nicht als gleichwertig und gleichberechtigt im Kibbuz fühlen. Aus diesem Gefühl heraus kommt er zum Sichabschließen. Leider zeigte die Kibbuz-Bewegung Im allgemeinen bisher nicht die erforderliche Elastizität. Das Streben dieser Alijah, neue eigene Siedlungen zu schatten, deutete man meist als den Willen, in der Abgeschlossenheit zu verharren. So ermutigte man solche Bestrebungen nicht nur nicht, sondern behandelte sie skeptisch. Man sah die vielen potentiellen Möglichkeiten dieser Einwanderung nicht, die sich nach Ueberwindung der ersten Schwierigkeiten positiv auswirken müssen. So brachte man das Streben der Juden aus Deutschland zum Stillstand und von den wirklichen Kräften, die in diesen Einwanderern schlummern, tritt so gut wie nichts in Erscheinung. Dabei sind sie jetzt zahlenmäßig ein Drittel der K! bbuzmitglieder. Und doch treten sie nicht hervor, fühlen sich nicht gleichberechtigt, nicht dem Schicksal des Kibbuz verbunden. Sie leben unter dem Druck eines Minderwertigkeitsgefühls, und dieser Zustand birgt viele Gefahren. Anschließend behandelt der interessante Aufsatz den Anteil der Einwanderer aus Deutschland an der Entwicklung des Kibbuz Gederah. Touristik Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: Im ״Dawar״ schreibt A. C h a ז a b i: In früheren Jahren versuchten wir Juden au6 dem Ausland, zum Besuch Palästina* zu veranlassen. Jetzt begnügen wir uns mit Versuchen zu verhindern, daß die palästinensischen Juden in allzu großer Zahl ins Ausland reisen. Wichtiger als die Darlegung des Schadens, den diese Auslandsreisen anrichten, ist eine Propaganda für das. was Palästina den Reisenden zu bieten hat. Die Touristik Ist eine der wichtigsten Erwerbsquellen unseres Landes, und eigentlich sollte die Regierung wie in anderen Fremdenländern ein wachsames Auge auf sie haben. Dann wären Uebervorteilungen der Fremden, wie sie ln der Zeit der Prosperity wohl vorkamen, unmöglich. Freilich müssen zuerst bessere Vorbedingungen für eine Touristik aus dem Ausland geschaffen werden. So muß die OeldbÜrgschaff, die jeder jüdische Tourist Im Ausland hinterlegen muß, fallen. Sodann müssen die Gesellschaftsreisen ausgebaut werden; und es muß besonders für das Arrangement billiger Gesellschaftsreisen gesorgt werden. Schon von 15£ an müßte eine Palästinareise möglich sein. Ferner müßte dafür Sorge getragen werden, daß Besichtigungen Palästinas nicht unter 8 Tage Dauer arrangiert werden. Man müßte eine festgesetzte Saison schaffen oder besser zwei, Die Touristenzeit für die vermögenden Touristen könnte der Frühling bleiben, und dann müßte man auch mit einer Erhöhung des Preises rechnen, so wie sie auch in anderen Ländern üblich ist. Für die unvermögenden Touristen kommt meist nur die Zeit der Sommerferien in Betracht. Eine wichtige Möglichkeit zur Hebung der Touristik bietet die Veranstaltung von Kongressen. Da wäre das Problem der billigen guten Unterbringung zu iösen, denn nichts ist geeigneter, den Besucher für oder gegen ein Land einzunehmen, als ein Gelingen oder Versagen In dieser Sache. Die baldige Gründung einer Gesellschaft für die Pflege des Fremdenverkehr* wäre ein Gebot der Stunde. Dann wäre eine Körper- Schaft da, die von den Stadtverwaltungen Verordnungen erreichen könnte, die die Ruhe in der Gegend von. Hotels und Pensionen für bestimmte Tages- und Nachtstunden garantieren, und schon das wäre ein wichtiger Schritt vorwärts. Akkordarbeit im Baugewerbe Der ״Haarez“ berichtet, wie uns aus Tel A\iv geschrieben wird: Die neutrale Arbeitsverteilungsstelle für das Baugewerbe und für Öffentliche Arbeiten hat einen Aufruf er- Fassen, in dem sie erklärt, daß sie mit allen Mitteln gegen die Akkordarbeit Vorgehen werde. Die Krise hat es mit sich gebracht, daß die Ueberiiatinie von Arbeiten im Akkord zum Unterbieten und zur Unterbezalilung führt. Auch bringt die Akkordarbeit leicht Unglücksfälle una tnvalidität mit sich, verhindert eine gerechte Verteilung der vorhandenen Arbeitstage unter den Arbeitssuchenden und vergrößert so die Arbeitslosigkeit. Deshalb wurde Folgendes beschlossen: 1. Die Abschattung der Akkordarbeit im Baugewerbe und ilire Ersetzung durch Arbeit im Tageslohn; 2. Festsetzung eines Minimaltarifes für die Tageslöhne, der vier Klassen nennt: a) Bezahlung von 350—101) rriil, b) Be- Zahlung von 400 inil, c) 450 mit, d) 500—900 mil; 3. das Festhalten an der organisierten Arbeit und die gerechte Verteilurig der vorhandenen Arbeitsrnöglichkeiteii unter allen Arbeitern; 4. endgültige Auflösung der kooperaliven (truppen, die sich im Baugewerbe gebildet haben und die bestimmte Fachaibeiten im Akkord übernehmen. Um Erschütterungen zu vermeiden, ist das Inkrafttreten dieser Verordnung bis zum 10. August verschoben. Bauunternehmer und Baulustige miissen von nun an ihre Kalkulationen dem neuen Zustand anpassen. Man ist überzeugt, daß mit diesen Veränderungen nicht nur den Arbeitern, sondern auch allen am Baumarkt Interessierten gedient ist. Jerusalem, schlummernde Stadt יעקב שטינהרד רש. שלום׳ י ירושלים טירה נמה• 11 סתוהי־ עץ׳ 11 פדקי־שירה. הוצאת ד׳ר ח- לוונשסיץ׳ תליאביב (Jakob Steinhardt und Scli. Schalom, Jerusehalajim tira nama. Holzschnitte und Gediohte. Verlag Dr. H. Loewensteln, Tel Aviv.) Ein schönes und reizvolles Buch — jedes Blatt zeugt von dem Streben nach harmonischer Gestaltung. Die Lyrik von Schalom zeigt, wie stets. Tiefe, und ist erfüllt von einem kosmischen Leid, das sich mit dem sehnsüchtigen Aufwärtsstreben des Einzclmenschen mischt: ״Tief sind unsere Nächte / wie Blei versinkt in ihnen das Leben / und schlummert ein...“ — ״Was die Himmel zur Aufbewahrung versenkt haben / in die Tiefen unseres Blutes, eingehüllt in Trauer — / laßt uns aufbauen damit unsere andere Welt ' flarnmenträchtig und geeint im Schauen...“ Ein religiöser Hauch umweht seine Gedichte: ״Nimm mich wie eine Wolke in deine Hand, daß ich ruhe / grausam wie du, und erhaben und heilig / ... Laß mich antworten, wenn dich anrufen / mein Herz und mein Fleisch in Schauer und Sang." Jedoch findet sich in seinen Liedern keine Resignation*־ Stimmung. Im Gegenteil, Lebensbejahung herrscht in ihnen, Lebetisbejahung im Leide: ״Ein Ufer ist er, das uns alle ruft, doch uns allen verborgen ist. / Tausend und aber tausend streben ihm zu und wissen es nicht. / Viele irrten in den Wäldern, viele in den Tempeln / viele verbrannten lebend, und viele starben au einem Gotteskuß — / und sie alle meinten nur ihn allein.“ Von den Liedern ausgehend könnte man die Holzschnitte Jakob Steinhardts eine Ergänzung der Verse von Schalom nennen. Denn auch sie sind von jenem tiefen Leid erfüllt, doch Überwiegen die helleren Töne, es iiberwiegt der Glaube an Sieg des Uchtes. Wer nun das Buch von den Bildwerken her betrachtet, wird wiederum Schalom* Gedichte als Ergänzung von Steinhardts Holzschnitten bezeichnen. Dem Buch ist eine deutsche und englische Uebersetzung beigegeben. Dr. Nach um Lewin, Jerusalem Thomsens Palästina-Bibliographie Die Palästina-Literatur. Eine internationale Bibliographie in systematischer Ordnung mit Autoren- und Sachregister. . Unter Mitwirkung von J. de Groot und A• Oustavs bearbeitet von Professor D. Dr. Peter Thomsen, Dresden. 5. Band: Die Literatur der Jahre 1925—1934. Liderung lt (S. 225-464), gr. SL Preis RM. 15,—. (J. C. Hinrichs Verlag, Leipzig C 1.) In der ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 102/103 (1936) haben wir mitgcteilt, daß der 5. Band des bibliographischen Werkes über die Palästina• Literatur von Peter Thomsen . zu er• scheinen begonnen hat. Nunmehr ist die zweite Lieferung ausgegeben worden, umfassend die Seiten 225—464 des 5. Bandes. Dieser Teil enthält den Schluß des Abschnittes ,,Geschichte“ (Nr. 3066—4535) einschließlich der Krieg*• literatur über Palästina und eines Teils der Nachkriegs• eschichte, wobei aber die zionistische Literatur noch nicht eriicksiclitigt ist. Den Hauptteil der zweiten Lieferung bildet der Anfang des Gebietes ״Archäologie“ (Nr. 4534—62(11), der wieder in Unterabteilungen eingeteilt ist. Hier finden wir wichtige Zusammenstellungen von Literatur über das alte Palästina, u. a. auch über Sprache, Schrift und In* Schriften; auch Darstellungen der hebräischen Sprache. Ueber den Wert des Werkes von Prof. Thomsen haben wir uns bereits in der hier einleitend erwähnten Notiz geäußert. Ein abschließendes Urteil über den 5. Band wird noch hinzuzufügen sein, wenn die restliche Lieferung vorliegt, die u. a. auch die Literatur des heutigen Palästinas umfassen wird. Palästinensisches Recht Das Wechsel- und Scheckrecht Palästinas. Deutsche Ueber- Setzung des amtlichen Textes der palästinensischen Wechsel• Ordnung mit Erläuterungen herausgegeben von Dr. J. Sufi״ mann, Tel Aviv — Nekudah-Vcrfag, Mukacevo 1637. -׳''“ Der Verfasser kommt mit der Herausgabe der Schrift einem tiefen Bedürfnis der Handclswelt Palästinas entgegen. Der Einwanderer aus Deutschland 1*t in der Regel schon erliebliche Schwierigkeiten, Hebräisch richtig zu erlernen und zu sprechen, auf gutes utiu juristisches Englisch wird daher von (Ion Olim weniger Werl gelegt, und die Folge sind erhebliehe Enttäuschungen und materielle Einbußen im Handelsverkehr. Hinweise auf palästinensisches Wechsel- und Scheckrecht hat es in deutscher Sprache zwar schon früher gegeben, ln der Schrift von Walter Klein (Fiba-Verlag, Wien) umfassen sie aber gerade drei Zeilen, während in der Schriftenreihe dar Hitachduth Olej Germania der Aufsatz von Hans Kaufmann, notgedrungen und mit Rücksicht darauf, daß er sich an ein breites Laienpublikunt wende!, allgemein gehalten ist. Die Arbeit l)r. Sußmanns hingegen ist ein in vorbildliches Deutsch übertragener Text des zur Zeit in Palästina geltenden Scheck- und weolisdrechfs nebst den Stempelvorschriften. Sämtliche 95 Artikel des Gesetzes sind, soweit dies für das Verständnis erforderlich schien, in klar verständlicher, knapper und doch präziser Weise erläutert, und zwar unter Anfüll• rung der einschlägigen, bis in die neueste Zeit hinein verfolgten Judikatur, so daß der Kommentar auch für denjenigen, der zum Verständnis auf den Gebrauch der deutschen Sprache nicht angewiesen ist, ein unentbehrlicher und jedenfalls der modernste Helfer in vorkommenden Zweifelsfragen des Wechsel- sowie des Schcckrechts werden dürfte. Dr. Manfred Lehmann Archäologischer Vortrag in Jerusalem. Zu einem interessanten Vortrage, der viele Hörer angezogen hatte, hatte der ״Verein zur Erforschung Palästinas und seiner Altertümer“ eingeladen, um über die neuesten Ausgrabungen in Beth Scherim (in Untergaliläa; arabisch Scheich Abrck) zu berichten. Einleitende Worte sprach Ben Zewi, der an den Ausgrabungen beteiligt war. Die Fülle der Zitate, die er anführte, waren eine gute Vorbereitung für die Ausführungen des Hauptredners, Dr. B. M a i s i e r, dem Prof. S i u s c h das Wort erteilte. IJr, Maisler berichtete, daß man bereits vor über hundert Jahren Ausgrabungen veranstaltet hatte, daß man diesen Ort aber vergebens suchte und daher alle mögliehen Vermutungen ausgesprochen habe. Man glaubte, es sei eine Gräberstätte römischer Veteranen, früherer Christen usw. Jetzt habe man deutlich erkannt, daß es sich um einen Zentralfriedhof für Juden handle, in dem jüdische Leichen mindestens von 200—100 unserer Zeitrechnung ihre letzte Ruhe gefunden hatten. Die Anlage der Gräber fasse sich mit den Katakomben vergleichen. Von einem langen Korridor führen Wege in einzelne Kammern oder größere Räume, die in den Fels eingehauen wurden, und die Leichen in Stein-, Holz- oder Tongräbern aufnahmen. Neben den Felsen finden sich Inschriften, meist zweisprachig, aramäisch oder hebräisch, und dazu lateinisch, griechisch oder je nach dem Herkunftslande des Begrabenen. Einen eigenen Platz hatten die Gelehrten und auch die Kohanirn; auch Familiengräber ab csu Neben den geometrischen Ornamenten treten jüi&che Symbole, wie Lulab, Ethrog und an erster Stelle der siebenarmige Leuchter auf. Einmal begegnet uns eine Mannesflgur, über ihr der siebenarmige Leuchter; das ist besonders interessant, weil dieses Motiv — Mann und Leuchter, allerdings nicht ein siebenarmiger — auch in den Katakomben von Pompeji zu finden ist. Rabbiner Dr. A. P o s ה e r (Schluß des PalBstlnateils)