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Jüdische Rundschau · 1937-08-10 · Heft 63 (10.8.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 63 (10.8.1937)
Date
1937-08-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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n I Seite 6 Bedürfnisse zu tragen, sondern auch das ganze Land mitzuziehen. Wir haben versucht, das Steueraufkommen des künftigen Territoriums auszurechnen lind eilt Budget aufzustellen. Es wird kein Paradies sein, aber gehen wir davon aus, daß die Belastung pro Kopt ungefähr gleich bleibt, so können wir mit einiger Sicherheit annehmen, daß bei größter Sparsamkeit alle diese Dienste erhalten und ausgebaut werden können. Wir haben die heilige Pflicht, jede Chance zu versuchen, die unser Werk verstärken und eine große Einwanderung und Kolonisation ermöglichen kann. (Beifall.) Nach Verlesung einiger Mitteilungen schloß der Vorsitzende um 17 Uhr die Freitagssitzung und der Kongreß trat in die Schabbatpausc ein. Die dritte Sitzung; fizehak Grünbaum; Nr. 63, 10. VIII. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Gedenkrede für Nahum Sokolow Sonnabend um 21.30 Uhr nahm der Kongreß als ״Politische Kommission“ seine Arbeiten wieder auf. Der Vorsitzende Rabbi Berlin croffnete die Sitzung und erteilte in Fortführung der Debatte das Wort dem Del. Dr. Schmorak (Lemberg, Weltverband Gruppe B), der erklärt, seine Gruppe wird gegen die von der Exekutive geforderten Vollmachten sein, denn sie lehnt den Teilungsplan ab. Judenstaatspartel gegen Exekutive Del. Meir Großmann, der Führer der kleinen (jetzt wieder durch Austritt führender Mitglieder, wie Lichtheim und S os kin, verkleinerten Gruppe der ,,Judenstaatspartei“ spricht in seiner bekannten temperamentvollen Weise gegen die Peei-V'orsehlage und greift die Haltung Wcizmanns und der Exekutive scharf an. Er erklärt: Die Schwierigkeit heißt nicht: Teilung oder nicht — sie besteht darin, daß wir in gewissen Maßen prajudi ziert worden sind. Ich habe Grumt an/unchnien, daß Weizmann bereits im Prinzip dem Teil urigsp’an z 11 g e s t i in m t hat. W,ährend ven zionistischen Gremien Beschlüsse gegen die Teilung gelallt wurden, verhandelte Weizmann für die Teilung. Das ist eine doppeizüngige Politik, ob sie rinn mit oder ohne Einverständnis der anderen Mitglieder der Exekutive getrieben wird. Der Präsident gellt ohne Erlaubnis des A.-C. und des Kongresses zur Regierung und priijudi/iert uns alle. Seit Dr. Weizmann die Idee von der ,,Parität“ ausgesprochen hat, ist auch der Gedanke von der Teilung in die Welt gesetzt worden. Parität ist politische Teilung, der Pecl-Bcricht bringt eine geograpnisclie Teilung -- das ist der ganze Unterschied. Wir sind prinzipiell gegen den Teilungsplan, und zwar vom politischen, ökonomischen und moralischen Standpunkt aus. In dem Moment, da eine neue Epoche beginnt, da der Peel-Bericht die Judenstaatskonzeption an nimmt, darf man unsere Basis nicht verkleinern, sondern muß sie erweitern. Man muß die Arbeit unermüdlich auf politischem Gebiete fortsetzen, wie man es früher getan hat, man darf nicht auf die Liquidation eingehen, die hier vorgcschlagcn wird, man darf nicht zulassen, daß das vom Völkerbund bestätigte und von 52 Staaten anerkannte Mandat aufgegeben wird. Meute hat Weizmann kein Vertrauen mehr zu sich selbst, er sagt, das Mandat werde nicht durchgeführt werden, England werde uns nicht helfen, unter diesen Umständen könnten wir die Bewegung nicht weiterführen. Und nun frage ich: Wie kennt ihr Vollmachten Männern übergeben, die kein Vertrauen zum jüdischen Volk, zu England und zu den großen internationalen Körperschaften haben und kein Vertrauen zu sich selbst? Da stehen wir wie eine geschlagene Armee mit feschlagenen Generälen, die bereit sind zu liquidieren, große eile des Landes abzutreten, ein gefährliches Experiment in Angriif zu nehmen. Die einzige Antwort an Weizmann kann nur sein, daß man ihm keine Vollmacht gibt und ihn nicht wieder wählt. Die Samstag-Abendsitzung wird abgeschlossen durch eine lange Rede von Ben Gurion, der eindringlich die Vorteile des Teilnngspianes darlegt. Die Exekutive müsse ermächtig( werden zu Verhandlungen, zugleich müsse unser historisches Recht auf ganz Palästina (ohne Beeinträchtigung der Araber) neuerlich feierlich proklamiert werden. Der vorgeschlagene Judenstaat sei mir ein Anfang, aber das Volk wird erkennen, es ist ׳der Anfang der Erlösung, auf die wir seit 2(>00 Jahren warten. Die nächste Plenarsitzung findet Sonntag abend statt, da Sonntag tagsüber die Jubiläumsfeier in Basel war. Sonntag abend reden Rabbi Sil ver (USA,), Gedalja Bublik (Misrachi), Grün bäum (Exekutive), F. Bernstein (Gruppe B), Dr. Stephen W i s e (USA.), der mitteilt, daß mir eine Minorität der Delegierten aus USA. seine (ablehnende) Meinung teilt, und schließlich Raw Fi sh mann (Misraclii und Fxekutive). Die Debatte wird Montag vormittag und nachmittag fortgesetzt. In der Abendsitzung will das Präsidium zur Abstimmung gelangen. Es ist aber zweifelhaft, ob das gelingen wird, ,,Erstaunlich wenig Heues“ Wie die lokale Presse auf den Ausschluß der Oeffentlichkeit reagiert, zeigt folgender Bericht der ״Neuen Züricher Zeitung“ von Freitag mittag: ,.I'ie narhinittag uni 5 Uhr begonnene allgemeine Ausspräche im /,Uai-tt'i'.konquT — der unter Auochtuß von Presse und Zuhörern al- ,poHii-rhe Kommi-dar!‘ tagte —• brachte, wie wir erfaßten, er-t.iunli( 11 wenig Wer . ho wenig, daß ein Delegierter der Linken tucli zwei Stunden aniragte, wozu man denn eigentlich die Oefier.llidikeii beseitigt halte, wenn hier nichts anderes gesagt werde, als wa־ seit Tagen in allen Gruppen, diskutiert worden sei. Darauf hat ein Mitglied der Exekutive erwidert, die geschlossene Sitzung sei nicht govün.-rh! worden, weil etwa Dinge gesagt »־erden sollten, die nicht auch öiu-ntiicli hatten gesagt werden können, sondern weil der Kongreß Gelegenheit haben sollte, sich einmal über dieses grundlegende Piobk'in der Teilung Palästinas in voller Freiheit auszusprechen. D.ivon machten auch eine Reihe von Delegierter» aller Parteien und TmJenzen Gebrauch, a'rer irgendwie neue Argumente oder T j I 1, י c 11 e n .sind dabei nicht zutage gefördert worfle 1!» Es blich bei einer Wiederholung der schon in den Gruppendtzunjen und in der jüdischen Presse erörterten Gesichtspunkte. Ein dent.< h-pal;i ,tinensischer Delegierter, der sehr energisch für den neuen Plan cintrat. sagte u. a.. es sei sonderbar, daß die schärfsten Kritiker der englisfhen Verwaltung gerade diejenigen Leute seien, die am liebsten alles heim Alten lassen möchten. Wenn man sich jetzt weigere, auf den neuen Vorschlag einzugehen, werde es die engli.sche Regierung spater leicht haben, alle Vorwürfe zuriiekzuweisen und zu crkiiiren, sie habe alles getan, um die Zustande zu verbessern, aber die Juden selbst hätten cs ja nicht anders gewollt.“ Unter ״deutsch-palästinensischen“ Delegierten versteht die ״N. Z. Z.“ offenbar einen aus Deutschland »lammenden palästinensischen Delegierten. Im übrigen ist diese Kritik wohl nur aut den ersten Tag der Debatte anwendbar, während die folgenden Tage interessantere Reden brachten, in denen zwar auch ״wenig Neues“, aber doch sachliches Material in bezug auf Bodenflächc. Aufnahmefähigkeit und verschiedene Verwaltungsfragen Deigebracht wurde. mim Jizchak' Grünbaum Foto: Archiv Grün bäum schilderte zunächst das äußere Bild der Epoche, in der Nahum Sokolow zu wirken begann. Als junger Mann v-on 18 Jahren kam er aus Plozk, wo er bereits als ״Iluj“, als jugendliche Leuchte jüdischer Gelehrsamkeit, weit und breit bekannt war, nach Warschau und schloß sich den ״Maskilim“ an. Er wurde ein Mitarbeiter von Slonimski, der die hebräische Tageszeitung ״Zefirah“ herausgab, und von Faltin, deni Herausgeber der polnischen Zeitschrift ״Izraelvta“. Nach kurzer Zeit übernahm er selbst die Redaktion’ der ״Zefirali“ und wurde auch im ״Izraelyta“ einer der führenden Männer. Er lernte sehr viel und drang tief in die polnische und europäische Welt ein; dabei veriieß er jedoch die jüdische Welt nicht und verbreitete unter den Juden allgemeines jüdisches Wissen. Bald brachen Pogrome in Südrußiand aus. Auch in Warschau wüteten Unruhen, aber ihr Einfluß in Polen glich nicht dem in Rußland. Sie erschütterten nicht das Gewissen, sie veränderten nicht das Weltbild der jiidisehen Intelligenz in Polen, wie cs in Rußland geschah. In der geistigen Welt und im Gedankengang des polnischen Judentums waren beinahe keine Veränderungrn eingetreten. Nur kleine Gruppen schlossen sich der Palästinabewegung an, die sich damals in Südrußland und in Litauen unter den Juden zu verbreiten begonnen hatte. Die Juden aus Litauen, welche damals in Warschau zusammenströmten, nahmen ebenfalls Anteil an dieser Bewegung, aber die breite Masse des polnischcn Judentums bewahrte ihre frühere Stellung, ja als in Polen die ersten Anzeichen eines aggressiven Antisemitismus auftraten und Redner aus den Kreisen des polnischen Kleinbürgertums und der Kaufmannschaft zur Vertreibung der Juden aus ihren Positionen aufzureizen begannen, glaubte man nicht an die Kraft dieser Bewegung. Auch Sokolow wich nicht von seiner Richtung ab. Er setzte die Arbeit in seinem Sinne fort und glaubte nicht an die Chibbath Zion. Er hielt nicht viel von den ersten waghalsigen Versuchen der Zionsfreunde, sah keine weiteren Möglichkeiten für ihren ״Sprung ins Dunkel“. Auch die weitere Entwicklung dieser kleinen Leistungen, die ihm ohne Richtung und ohne Ziel schienen, blieb ihm verborgen. Inzwischen wuchs die antisemitische Bewegung immer mehr. Die Herzen entfernten sich voneinander, der Antiscmitismus wurde durch nationale Färbung verschärft und Sokolow wurde die Zielscheibe seiner Angriffe. Sokolow begann sich zu verteidigen; aber immer mehr verstärkte sich in ihm die Empfindung, daß man ihn unaufhörlich verfolge und sich bemühe, ihn zu vernichten. Herzls Broschüre erschien, die Verkündung des Judenstaats, der große, wagemutige Plan, den Sokolow mit ganzer Seele ersehnte. Aber die gedruckten Worte übten auf ihn keine Wirkung aus, er sah hinter ihnen nicht die Personlichkeit, auch nicht die Tat, die diese Persönlichkeit auszuführen fähig ist. Daher kritisierte er, zweifelte, spöttelte sogar. Und nun geschah die erste Tat: der Kongreß wurde nach Basel einberuien. Eine große Tat, die bis dahin ihresgleichen nicht hatte — und Sokolow zweifelte noch immer; aber im Innern empfand er eine gewisse Erschütterung. Ist es vielleicht die Tat, auf die er wartet? Er ging nach Basel, hörte, beobachtete, durchdrang das Gesprochene, trat in Beziehungen zu Herzl und wurde sein Anhänger. Der große Zweifler, der die mutigen Versuche der Chibbath Zion-Bewegung gering geschätzt, ihre Kleinlichkeit verspottet, in ihr keinen entwicklungsfähigen Kern gesehen, er wurde zum Gläubigen, als er Herzl sah, seine Worte hörte und die Tiefe seiner Pläne durcliblickte. Er glaubte an Herzl, an den politischen Zionismus und an die Organisation, die auf dem 1. Zionistenkongreß gegründet wurde, er folgte Herzl und der Zionistischen Organisation, er verband das Schicksal seines Lehens mit ihrem Schicksal. Sokolow hatte nicht nur in Herzl — wir wollen die chassidisclie Ausdrucksweise beibehalten — seinen Rabbi, sondern auch in der Zionistischen Organisation seinen staatspolitischen Boden gefunden, die Möglichkeit, ein politischcs Leben zu führen, seine politischen Fähigkeiten zu entwickeln und seine besondere Kraft und Begabung: die Massen zu erwecken, sie zu organisieren und zu Taten anzuspornen, kurz ihr Führer zu sein. Sokolow, der es bis Ussischhin bei seiner Rede gegen den Teiltmgsvorschlag Foto! Laitr Dünner dahin verstanden hatte, in den Spalten der ״Zefirah“ täglich zu seinen Lesern über allgemeine Dinge zu sprechen, über Staaten und Welt, über die kleinen Lebensfragen der Gemeinden, über den Antisemitismus, über Leistungen auf dem Gebiete der Wohlfahrt und Hilfe — er begann nun, dem Kreise seiner Leser, der sich aus allen Volksschichten zusammensetzte, die Botschaft des Zionismus zu verkünden. Durch den Zionismus kam Sokolow zum Volk. Durch den Zionismus wurde sein Horizont erweitert und seiner publizistischen Tätigkeit eine Grundlage geschaffen. Sein Stil und die Form seiner Aufklärung wurden anders, klarer und frischer, sozusagen europäischer. Seine publizistischen Fähigkeiten blühten aut und er wurde der hebräische Journalist. Dabei vergaß er doch nicht seine alten Leser, die chassidisehen und traditionellen Kreise, die ihm aus der ״Zefirah“ trotz ihrer gegnerischen Einstellung zum Zionismus treu geblieben waren. Herzl suchte Wege zu diesem Teil des Volke« und knüpfte daran viele Hoffnungen. Sokolow wendet sich daher an die Chassidim und Glaubenstreuen, an die religiösen Führer und Rabbiner in einer Reihe von Artikeln, die später in einem besonderen Band erschienen sind. Gleichzeitig aber ließ Sokolow nicht die Jungen und Intelligenzler aus den Augen. Bei den abendlichen Zusammenkünften, die in seinem Hause abgeh alten wurden, und in den Versammlungen der Univcrsitätshörer erläuterte er den Zionismus, diskutierte mit den Gegnern, behandelte die Grundlagen der zionistischen Anschauung und die Einwände, die gegen die Bewegung sich erhoben. Er verbreitete die neue Lehre und gewann viele Schüler. Sokolows Leben war mit dem Leben der zionistischen Bewegung verbunden. Noch war er nicht in der Leitung der Bewegung — er war nur ihr Herold, ihr Verkünder, der ihre Anschauungen verbreitete und sie erklärte. Ab und zu pflegte er die Begeisterung zu dämpfen, die sich auf dem Glauben an eine allzunahe Erlösung gründete, manchmal tadelte er die ungeduldigen Anhänger, die mit Sehnsucht buchstäblich ״Post aus der Türkei" erwarteten. Dann konnte man aus seinen Worten den sehr feinen Spott des Skeptikers heraushören, der seinem Führer nicht in blindem Glauben folgt, sondern aus der Erkenntnis heraus, daß seine Leine und sein Plan geeignet seien, das Leben des Volkes zu erneuern und seinen Willen zu stärken, um die geeigneten Vorkehrungen zur Erreichung des Zieles zu treffen. Aus dieser Erkenntnis heraus schloß sich Sokolow denen an, die. als Erste von der Organisation kulturelle Tätigkeit, Arbeit für die Verbreitung der hebräischen Sprache forderten. Aus dieser Erkenntnis heraus stellte er den Bestand und die Entwicklung der Organisation an die Spitze aller Sorgen und Bemühungen. Als der Zwist in der Uganda-Frage eintrat, stand Sokolow aj! der Spitze derer, die in erster Linie für die Vollständigkeit und Einigkeit der Organisation sorgten. Er wollte sich nicht in Debatten über dieses komplizierte Problem einlassen, hielt sich fern von dem scharfen Streit und von jeder Kampfhandlung während der letzten Lebenstage Herzls und auch nach seinem Tode. Er verstand es, durch seine gemäßigten und kühlen Worte die Schuldbewußten zur Besinnung zu rufen, und vor allem forderte er Einheit und Unversehrtheit der Organisation. Die erste russische Revolution, die die hebräische Prej|| in Rußland und Polen vernichtete, war Anlaß für Sokolow, Warschau zu verlassen. ״Hazefirah" hörte zu erscheinen auf. Sokolow übersiedelte nach Köln und übernahm dort die Funktion eines Generalsekretäre der Leitung unter Wolffsohn. In Köln gründete er die Zeitung ״Haolam“, die ihm gewissermaßen die ״Zefirah“ ersetzen sollte; doch Sokolow hatte wenig Zeit mehr für literarische Tätigkeit — der Schriftsteller und Journalist, der täglich zu seinem Leserpublikum gesprochen, wurde durch den Politiker, durch den Führer der Zionistischen Organisation, verdrängt. Sokolow unterstützte Wolffsohn in seiner politischen Tätigkeit, die nach dem Siege der türkischen Revolution und der Machtergreifung der Jungtürken neuerlich aufgenommen wurde. Er ging nach Konstantinopel, beteiligte sich an den Verhandlungen mit den neuen türkischen Machthabern und trug die Botschaft des Zionismus in die Reihen der spaniolischen Judenschaft. Doch bald verließ Sokolow diesen Posten, übereiedelte nach Berlin und wurde einer der Führer der zionistischen Opposition, Zum ersten und zum letzten Male in seinem Leben gehörte Sokolow zur Opposition und beteiligte sich an ihrem Kampf, aber auch in diesen schweren Tagen bewahrte er seine Mäßigkeit und Vorsicht. Die ganze Zeit hindurch, die ihm sehr schwer fiel, verließ ihn nicht die Geduld. Dieselbe Gentleman-Art bewahrte er auch in den schwersten Augenblicken seines Lebens, als er sich bis ins Innerste tödlich getroffen fühlte. Die Opposition siegte. Wolffsohn zog sich von der Leitung freiwillig zurück und Sokolow wurde in die Leitung gewählt, in dasselbe Engere Aktions-Comite in Berlin, welches das schöne Blatt in der Geschichte der zionistischen Bewegung schrieb, das Blatt über die Vorherrschaft der hebräischen Sprache in den Schulen des . ' ' ' ' ' " ' ‘ ' ' verlassen, lind die Entwicklungsstadiem der zionistischen Bewegung und ihres Fortschrittes fallen zusammen mit den Ent- Wicklungsstadien im Leben Sokolows. Der Weltkrieg brach aus. In allen Kreisen der Bewegung, besondere in den Kreisen der Leitung, empfand man die Nähe einer großen Entscheidung. Sokolow übersiedelte nach London und beginnt im Verein mit Weizmann und Tschlenow die Aufklärungsarbeit für die Gewinnung der Herzen und der Gesinnung der maßgebenden und einflußreichen Männer der britischen Regierung, sowie aus den Reihen der Juden, um die erforderlichen Bedingungen für die Verwirklichung des Zionismus zu schaffen. Noch ist die Zeit nicht gekommen, die Bestrebungen jener Tage zu bewerten und den Platz und die Aufgabe jedes unserer Führer und Brandcis׳ in Amerika bei der Vorbereitung dieses Wunders, das den Namen Balfour-Dek 1 a r a t i o n trägt, einzuscliätzen. Und doch war die Balfour- Deklaration nichts anderes als der Anfang heroischer Bestrebungen auf dem Gebiete des politischen Kampfes, der kolonisatorischen Tätigkeit und der Bereitstellung der großen, für diesen Zweck erforderlichen Mittel. Sokolow׳ nimmt an allen diesen Dingen bedeutenden Anteil. Er bereist die Hauptstädte Westeuropas und Nordamerikas, Paris, Rom, Washington, New York, verhandelt mit den Regierungen, erhält von ihnen Deklarationen, Zu- Stimmungen zur Schaffung des Nationalheims, zum Mandat und dessen Restimmungen, welche die Schaffung des Nationalheims gewährleisten. Nachher begibt er sich auf Reisen nach Europa, Amerika und Afrika, um in diesen Ländern Anhänger für den Zionismus und Mittel für die Realisierung der zuonistischen Idee zu gewinnen. So wird er bei allen jüdischen Gruppen in der ganzen Welt heimisch, ein Bürger des jüdischen Volkes in allen Ländern der Zer- Streuung.

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