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Jüdische Rundschau · 1937-08-10 · Heft 63 (10.8.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 63 (10.8.1937)
Date
1937-08-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1 Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. «3, 10. VIII. 1937 r ו! Seite gilt. Auch die Araber halten, was man ihnen allgeboten hat, für ein Minimum. Vach meiner Auffassung ist der Judenstaat mW den optimalen Verbesserungen, die wir erreichen können, durchaus kein Aequivalent für das, was wir aufgeben, wenn wir diesen Plan annehmen. Zuerst einige Worte über die Frage der Sicherheit. Meiner Meinung nach sind die Chancen für die Sicherheit sehr gering, erstens wegen der grölten Minorität der Araber imd zweitens wegen der Grenzen, welche in einem unnatfirliehen Verhältnis zu dem Territorium stehen, das durch sie begrenzt werden sollen. Das zweite Moment ist die w i r tschaftliche Frage. Ich .möchte denen, die glauben, daß ein solcher Staat wirtschaftlich lebensfähig ist, _ empfehlen, im Peel-Bericht uach/ulesen. Entweder wird ein so verkleinertes Land versuchen müssen, Masscnemwaiuleniiig durch Industrialisierung herhei/uUihrcn, dann fehlt natürlich der landwirtschaftliche Unterbau — oder es wird die landwirtschaftliche Basis verstärken, dann kann es keine solchen Massen von Juden hereiubringen. Welches Risiko wir ohne eine landwirtschaftliche Basis laufen, brauche ich nicht darzustellen. Wenn wir hier einen Judenstaat schaffen, dann bedeutet das die Garantierung der (i r e n z e n unserer Nachbarländer. Wir müssen den arabischen Staat ebenso anerkennen, wie die Araber den unseren. Einer der großen Vorteile des Planes soll darin liegen, daß der neue Judenstaat in den Völkerbund eintritt — das bedeutet aber implicite die Anerkennung der Grenzen der Nachbarländer. Was gelren wir auf, wenn wir annehmen? Eine R e e h t s b a sti s, die alles in allem sehr gut war. Heute 11 a b e n wir ein feierliches Versprechen mit der UiiUr.'Chriit von 52 Nationen, das nur insofern nicht den Judeiotaat versprach, weil es nicht Englands, sondern unsere Sache war, ihn auf/uhaueii — das stellt der I,erb!״rieht eimiruh:; 15..״!. Diese Reclitsbasis geben wir auf, wenn wir uns einverstanden erklären, in einem wesentlich kleineren Gebiet einen Judenstaat aufzubaucn, dessen wirtschaftliche, militärische, politische Schwierigkeiten wir kennen. Unsere Situation mit dem Mandat ist so gut wie nie zuvor. Der Reel-Bericht hat mit der Legende aufgeräumt, dal! uns letztlich nicht ein Judenstaat versprochen worden wäre, und er hat die Legende um die MacMahan- Versprechungen zerstört. Darüber hinaus hat er uns noch andere Hinweise gegeben und damit komme ich zum entscheidenden Funkt׳. Aus allen Feststellungen des Peel- Berichtes geht dokumentarisch hervor, daß das Mandat nicht erfüllt wurde ~ durfte man da noch verhandeln, daß als Preis für das uns geschehene Unrecht uns noch große Gebietsteile weggenomtnen werden? Mußte nicht unsere Antwort Forderung nach Kompensation heißen, Schadenersatz. für das, was die Verwaltung angerichtet hat? Und müssen wir nicht sagen: Wenrf Ihr schuld seid, dann schafft fetzt Bedingungen für die Durchführbarkeit des .Mandates! Mit diesem Argument, das uns der Peel-Bericht an die Hand gibt, müssen wir auf die psvcbologisehe Bearbeitung des jüdischen und des englischen Volkes und des Völkerbundes ausgehen. Redner bezeichnet als einen wesentlichen Punkt die künftige Verhinderung arabischer Einwanderung und kommt dann zum Schlüsse. Die Frage, Ermächtigung oder nicht, wird das jüdische Volk spalten, darüber müssen wir uns klar sein. Wenn wir uns einbildeu, es sei zwecklos, die englisehe Politik im Sinne der wirklichen Forderungen, die sich aus dem I’eel-Bericht ergeben, zu beeinflussen, dann ist unsere Schlacht verloren. Wenn wir uns aber darauf einigen, das unsere Antwort nur so lauten kamt, daß wir endlich Erfüllung unserer Mandatsforderungen verlangen,dann können und werden wir die Schlacht gewinnen. Nachdem noch Del. Gesang (Argentinien), Weltverband, Allg. Zion. Gruppe 11 für das industrieprojekt und für den Antrag der Exekutive gesprochen hat, nimmt Dr. W e i 1 tti 11 11 11 das Wort. Weizmanns Aenderungsvorschläge Dr. Weizmann: Es sind Klagen im Saale laut geworden, die Exekutive hätte nicht gesagt, wie sie sich die Aendertingen am Projekt des Blau-Buches denkt. Ich möchte jetzt nicht zur Debatte sprechen, die Antwort, die ich auf die hier vorgebrachte Kritik schuldig bin, wird am Schluß der Debatte gegeben werden. Ich will nur einige Bemerkungen vorausschicken. Ich befinde mich in einer gewissen Zwangslage. Um die ganze Situation wirklich zu verstehen, hätten Sie die 190 Seiten meiner Zeugenaussagen vor der Königlichen Kommis-, sion lesen müssen. Die können wir Ihnen nicht unterbreiten. Auch die Zeugenaussagen der andern Mitglieder der Exekutive müßten Sie lesen. Dort würden Sie die meisten Gründe finden, die hier vorgcbracht wurden. Die Dinge, die mein Freund Barth mit einschneidender Logik hier vorgebracht hat, haben wir, wie ich glaube, mit einer gewissen Sachkenntnis der Königlichen Kommission unterbreitet. Wir standen vor der Aufgabe, wenn ein neues Projekt, ein neuer Weg gangbar gemacht wird, darauf zu selten, daß in diesem neuen Projekt das verkörpert ist, was wir aus unserem Mandat erhofft hatten. Ich glaube, ich drücke mich klar aus, wenn ich sage: Wir sollen dazu selten, auf dem neuen Wege den größten Teil der Aspirationen des Mandats zu verwirklichen. Und wir haben uns nach schwerem Ringen zu der Ansicht durchgerungen, daß man, wenn das Projekt sehr geändert wird, vielleicht, wenn wir es gut machen, das wird erreichen können, was man durch das Mandat, wenn es gut durchgeführt würde, erreichen würde. Geehrter Kongreß, was ich jetzt sage, sage ich nicht in polemischem Ton. Denken Sie sich einmal, wir würden unsere Arbeit unter dem Mandat weiter fortsetzen, und es wäre eine grolle Immigration gekommen, eine lmitiigratiou von 60 000 jährlich, und das dauerte noch 10 bis 12 Jahre, und wir wären nach 15 Jahren eine Majorität im Lande, Auch dann wäre die Kolonisation, von der ich spreche, zumeist nur in dem Teil vor sich gegangen, der uns jetzt zugewiesen ist. Und schließlich wäre es ein Judenstaat gewesen, ebenfalls mit einer Minorität von ungefähr 450״ Arabern, und die Siedlung hätte sich natürlicherweise verteilt, hi der Küstenebene wäre eine überwiegende jüdische Majorität, im Hügellande wäre eine arabische Majorität — und die Teilung wäre entstanden, ohne daß sie ausdrücklich ausgesprochen worden wäre. Darum sagen wir uns, wenn in dem Gebiet, das uns zugesprochen werden wird, mit Aenderungen, die wir durchführen müssen, dasselbe möglich ist, so haben wir in materieller Beziehung nur etwas aufgegeben, was wir kolonisatorisch gegenwärtig nicht besitzen. Welches sind also die Aenderungen, die nach unserer Meinung notwendig sind, um das Präfekt überhaupt als Basis für eine Verhandlung ansehen können? zu Da ist zunächst der Punkt Jerusalem. 70 000 Juden in Jerusalem sind für uns von großer Bedeutung, und wir haben einen Anspruch auf die neuen, fast rein jüdischen Stadtteile Jerusalems. Der zw! Je wichtige Punkt ist die Frage der Souveränität. Ein Staat ist entweder souverän oder er ist es nicht, und wir müssen beachten, daß nicht etwas Souveränität genannt wird, was in Wirklichkeit nur ein IJebergangsstadium ist. Das Peel-Projekt beeinträchtigt die Souveränität in verschiedenen Punkten, vor allem durch die vier temporären Mandate über die Städte Safed, Akko, Haifa und Tiberias. Wir verlangten in unseren Besprechungen, daß diese Mandate, diese Inseln mitten im Judenstaat, nur für eine ganz bestimmte Zeitdauer eingerichtet werden, für 2 bis 3 Jahre, aber nicht länger. Noch etwas beeinträchtigt wesentlich die Souveränität: int Peel-Bericht heißt es, daß es wünschenswert wäre, keinen Hafen in Tel Aviv attszttbaucn, sondern daß ein gemeinsanier Hafen Jaffa—Tel Aviv unter dem Vorsitz eines Engländers eingerichtet werden solle. Wir haben erklärt, daß ein souveräner Staat einen Hafen bauen kann, wo er es für notwendig hält und sich dafür einen Präsidenten suchen kann, der ihm paßt. Ich glaube, Sie haben bemerkt, daß auch in der Parlamentsdebatte das Projekt des gemeinsamen Hafens so ziemlich fallen gelassen wurde. Die finanz i e 11 e n Fragen, wie die Kontrolle der Zölle, das Finanzwesen des Staates, die Fragen des Korridors, der temporären Mandate sind ein schwieriges Kapitel, das noch studiert werden muß. Zur Souveränität gehört auch, daß wir das I m m i g r a t i o tt s w e s e n allein leiten, und zwar müßten wir auch bereits in der Uebergaugszeit in dem Gebiet, das uns zugewiesen werden wird, weitgehende Autonomie in diesem Arbeitsbereiche haben. Nun komme ich zu territorialen Fragen. Ich will nicht die neue Entdeckung machen, daß der Juden- Staat klein ist. Das Entscheidende ist, ob er eine Antwort gibt auf die große Frage, welche das Judentum bedrückt, ob er eine nennenswerte Immigration von 50 bis 60 000 im Jahr für die nächsten 20 oder "25 Jahre bietet. Dr. Ruppin, Dr. Hcxter und aile anderen Experten, die vor der Kommission erschienen sind, haben ihre Aussagen gemacht, bevor sie wußten, daß das Projekt der Teilung aufgeworfen wird. Wir hielten es für unsere Pflicht, der Kommission nicht nur die Kritik der Vergangenheit zu unterbreiten — ich brauche ihnen nicht zu sagen, daß wir das in ausgiebigstem Maße getan haben, Sie können, wenn Sie richtig lesen, die Spuren davon deutlich im Peel-Bericht selten. Aber wir sagten uns: Es gibt eine Vergangenheit und es gibt eine Zukunft, und was sollen wir für die Zukunft der Kommission als Politik der Mandatarmacht Vorschlägen? Man hat eingehende praktische Vorschläge für Ansiedlung diskutiert. Ich glaube, sie hier richtig zusamnientassen zu können: Wir sagten uns, wenn von den 3 Millionen Dunam bewiisserbarei! Bodens des Landes, die in der Küstenebene um Beisati und im Hule-Gebict liegen, uns in den nächsten 20 Jahren eine Million Dunam zur Verfügung gestellt wird, so daß wir die Möglichkeit haben, diesen Boden ohne Be- Schränkung im Laufe von 20 Jahren zu kaufen, also 50 000 Dunam bewässerbaren Bodens im Jahr, so wäre das die Grundlage einer Tätigkeit für die nächsten 20 Jahre. Die Rechnung kennen Sie: 50 000 Dunam bedeuten 2500 Fainilien auf dem Boden, 7500 Familien in der Stadt, zusammen also 10 000 Familien oder 50 000 Menschen, Lias war die Grundlage in sehr großen Zügen. Als der T e il u n gs p 1 a n der Kommission kam, mußte ich sagen: In kolonisatorischer Beziehung sehe ich nicht nur keinen Nachteil Im Vergleich mit dem filr Geltung des Mandates entworfenen Plan, sondern Ich sehe gewisse Vorteile: mehr als eine Million Dunam, zu Hause sein, und die M6g» lichkeit der Umsiedlung. Dr. Weizmann bespricht dann ausführlich eine Reihe von territorialen und sachlichen Problemen, die mit dem Teilungsplan Zusammenhängen und beschließt seine Ausführungen wie folgt: Ich will jetzt nicht über die Vor- und Nachteile des Planes sprechen, das werde ich am Schluß der Debatte tun. Ich will nur sagen: Jetzt eröffnen sich größere Chancen für den Frieden mit den Arabern als je z 11 v o r. Bis jetzt hatten wir ihnen nicht viel zu bieten, zum ersten Male werden wir eine gewisse Kraft bedeuten, und wir werden ihnen für ein Entgegenkommen etwas zu bieten ltahcn. Und das ist die erste Grundlage für friedliche Verhandlungen zwischen Völkern. Das ist u. a. einer der wesentlichen Vorzüge des ganzen Projektes. (Lebiiafter Beifall.) Züricher Bilderbogen Kongreß im Kreis Z ü rieh, •f. August 11S. Was an Volkes durch d::!1 soll, das steht in von dem notiert jüdischem ( jcmcIi!, den ersten Bin k um. Der H i p. t e r Milieu, die'-iT den Vnrsclium gesiedelten St Schaft und sU Städtische hin: Kultur, sie p< Tor und (icw dieser Stadt, sch wisierhehes Absicht, Wille und Tat des jüdischen Kongreß gezeigt und demonstriert werden den Verliamdlungsheiichlen. Hier sei einiges und nadigezeiclmet, was der Kongreß an an bc Volkes auf sehen darbietet. rund mit ׳.׳leidis;;׳ /Wochen idt Zürich, igi zugleich in. Sie ist eilt auf da ilbc in die man 11en> lognonne unse I fluciitigcm Hins pricht natürlich dabei, mit: Das :m zarter Kraft einer städtebauendie Berge und tun den See hemm Sie gründet tief in einer La mlkühn ins europäisch und weltlich 1it und neu, prangt von Natur und י Schweizerische und ist trotzdem Welt. La lebt und wirkt etwas in etwas Schwesterliches, Ge- Verbrüderung einer Genieinpaar Wochen zusammenfnidct, zulassender Fröhlichkeit entnute e das de Schaft, die sich liier für ein frei und mit gelassener und gegenkommt. Auch das Wetter — warum nicht vom Wetter sprechen, da es ja Licht und Luft der ״Kongreßbühne“ mitbestimmt? — hatte das Seinige getan: die Sonne hob sich aus den Bergen über den See hell und heiß, wie um den Vielen, die aus südöstlichen Bezirken gekommen sind, zu zeigen, was sie auch hier noch, im Südwestlichen, vermag. Und sie gab dem jüdischen Antlitz jede Chance, sich in seiner unverwechselbaren Natur- und Artgeboreuheit zu zeigen. Unter also äußerlich günstigen Umständen geschah dein Kongreß, was jedem Kongreß zu geschehen pflegt: er wurde ״c r ö t f 11 e t“. Am Dienstagabend drängten sich die Tausende, die gekommen waren, um die Tonhalle, ein mehr großer als imposanter Saalblock, der dem Pariser Trocadero naeligcbiklet ist. Diese Tonhalle also besticht nicht durch ihre äußeren Vorzüge. Ihre Fassungskraft und wer oder was sie füllt, mußte der ,,Eröffnung“ den Rang geben. Den Zionisten der Welt war freies Spiel gegeben. Und sie nützten es mit eindrucksvoller Würde. Sie zeigten in der Art, wie sie auf- und antraien, daß sie der schicksalhaften Wende, die sieh durch diesen Kongreß vorbereiten muß und wird, bewußt sind. Die palästinensische Jugend, ״chawerisch“ oder auch europäisch gekleidet, gab dem Gewimmel der Gestallen und Laute das Gepräge. Aus gebräunten Gesichtern, aus guten, starken Augen und — nicht zuletzt — aus den knappen Iwrith-Sätzen ergab sich das, was nun mit einem Menschenalter indisches Wesen heißt, und was, setzen wir hinzu: so Gott will, für Jahrhunderte von nun an jüdisches Wesen heißen und bedeuten wird. Ja, die Jungen fallen zuerst auf, aber sogleich auch zwischen ihnen die Alten. Sieht man genau hin, so scheint die mittlere Generation schwächer vertreten zu sein. Gleich neben dem dichten, bis fast in die Augen hinein übervollen Haar zeigt sich die beginnende oder schon recht komplette — Glatze. Darin drückt sich so etwas wie zionistische Geschichte aus. Die Alten, die von der ersten und zweiten Äliiah, haben über die Söhne hinweg nach den Enkeln gegriffen und sie zu sich herangeholt. Wohl dir, daß du ein Enkel bist!... Die Väter, leider, haben ״Herlinge gegessen“. Das ist die leise hintergründige Tragik, die in diesem dichten und bunten Bild der ״Eröffnung“ die Atmosphäre mitbestimmt. Mein Gott — die Eröffnung! Kein Platz ist frei in dem großen Saal. Die Juden aller Länder, aller Stände grüßen und erkennen einander. Ein grüßendes und erkennendes Lachen geht durch die Reihen — nicht laut, nicht auftrunipfend, sondern aus dem fast kindlichen, kindhaften Bewußtsein kommend: ״Wir sind da, wir sind beisammen und gesammelt. Wir sind Volk.“ So auch, mit diesem heiter stimmenden Bewußtsein, spreche ich mit einem Juden aus Tirol zur Linken, mit einem bulgarischen Delegierten *zur Rechten, und vor uns sitzt einer aus Tunis, ein Journalist, der, tvie er uns auf französisch mitteilt, ein bißchen matt ist von der Reise und ein bißchen trunken von der Ankunft. Sind die persönlichen Dinge besprochen und erledigt, dann tritt — immer wieder, bis die drei Hammerschläge Herzlscher Tradition ertönen — das große dunkle Gespenst in unser Gespräch und artikuliert, auch ein taktierender Hammer, den ewigen Refrain: Peel-Bericht — Peel-Bcricht — Pcel-Bericht. Er spricht, ob du willst oder nicht, das erste, das zweite und das dritte Wort der Eröffnung, Mein Gott — die Eröffnung! Es wird nicht gebetet und nicht gesungen, kein Dirigent ist da und keine erste Geige! Dieser Kongreß eröffnet sich sozusagen von seihst. Man stattet seinen ersten Abend nicht aus — nicht mit Feierlichkeit und nicht mit tieferer Bedeutung. Wir sind ja kein Verein und kein Verband, wir sind ja ״nur“ ein Volk, und zwar ein recht altes, und sind daher skeptisch gegen ״Er- Öffnungen“. Aber wenn dann — die drei Hammerschläge haben sich inzwischen mehrere Male wiederholt — der eine Marin aufsteht und leise spricht, dann ist plötzlich der Dirigent da und die erste Geige, und fast Könnte man auch sagen: so etwas wie stummes Beten und Singen. Denn dieser Mann im Frack, dieser blasse, leise und wohl auch etwas müde Mann ist der, in dem sich heute alle Hoffnung und Leistung, die zum jüdischen Volk hingeht, klar und fast ohne Rest manifestiert und personifiziert: denn der Mann heißt C 11 a i m Weizmann. Er wird herzlich, wenn auch nicht mit lautem Sturm begrüßt. Er ist eben der Stern in Israel, aber kein Star. Wollte man ihn dazu machen, so, würde sich wohl seine eigene Skepsis und Welfweisheit dagegen wehren. Er ist der Dirigent, der auf sein Orchester angewiesen ist, so wie dieses auf ihn. Er ist. wenn ntan auf die Bemerkungen hört, die ihn grüßend empfangen, unser aller ״großer Bruder Chaim“. bchalom! Und dann ist auch diese unfeierliche Eröffnung vorüber, Man hat die ״Größen“ und Prominenten gesehen, auch einige Diplomaten, Offizielle mul Ehrengäste — 'darunter auch Lord Balfours Nichte und unter den Delegierten auch, den sehr englischen Lord Melchclt; aber schon stellt man draußen in der Nacht, und was tut sich da, was tanzt sich da? Horrah natürlich. Ein tanzender Kreis — es ist wie ein Symbol. Sich auf diesen Kreis, der keine Lücke kennt und zuläßt, und du siehst: Volk! Volk, das sich bewegt, indem es singt — Volle, das singen und sich bewegen kann und muß, weil cs seiner neuen Jugend bewußt geworden ist. Damit schließt die ״Eröffnung“. Der Kongreß kann beginnen. Gesang und Tanz im geschlossenen Kreis haben das gute, das beste Zeichen dazu gegeben. Am nächsten Morgen, im S t a d 11 h ea t er, an dessen Decke sich die hellenische Mythologie tummelt, versammelt sich im Parkett und in den Rängen bis zu jener Decke hinaut das jttdäische Volk, Präsident Ussisehkin, Berichterstatter (des Kongreßgeriehtes) Gronemann — zwei junge Alte, jeder mit wenig Feierlichkeit und mit viel Ironie gewappnet, wissen, was ein Zionistenkongreß ist lind was sie ihm schulden, und deuten schon, nur so unter der Hand, aber ״allerband“ an, was da kommen wird an Rede and Gegenrede. Es ist, wie wenn draußen über dem Ziiriclisee der Fölm steht und mit einem ersten leisen Pfeifen sich ankümiigt. Nun, man wird ja sehen. Ussischkins Ruudscliädel, askenasisch bis zum Wirbel, sagt dem, der Augen hat zu sehen, auch wenn die Ohren nicht aller Iwrith* verstehen, schon genug. Zu dicken Wänden, die eingerannt werden müssen (oder nicht?) gehören dicke Schädel. Hier ist einer. Sehaiom, Ussisehkin, wir kennen dich, so wie Wallenstein seine Pappenheimer kennt.... Und dann sieht wieder Chaim Weizmann da, um den erwarteten politischen Bericht zu erstatten. Die Gunst der Umstände hat den Schreiber dieser Zeilen ganz in seine Nähe geführt, so daß er ihm die Worte von den Lippen und die Stimmung aus der Seele ahlesen kann. Dieses jüdische Gesicht, d a s jüdische Gesicht vor uns — beenden wir ttnsern Bericht. Das jiidäisdie Volk hört und spricht zugleich. Droben an der Decke scheint die hellenische Mythologie noch starrer geworden zu sein, als sie hier im Bilde eh* und je ist. Politik weiß nichts von Mythologie. Politik ist Realität, ist Entzauberung. Ihr anderer Zauber liegt im Atem, im Sehen, in der Bewegung. Draußen scheitelt die Sonne hoch über dem Zürichsee, Aber wenn wir den Blick von ihr zurtickvenden zur Erde, steht ttnd geht neben uns ein ... Arabcrschcich, europäisch verkleidet. Nicht erschrecken, denn dieser Mann sieht nur so aus wie ein Scheich. In Wirklichkeit ist er der Vertreter der jemenitischen Juden aus F.rez Israel. Weit spannt sich der Kreis unseres Volkes. Der Jemenite gurgelt sein Iwrith. Aber gleich wird er übertönt von zwei polnischen Brüdern, die jiddisch sprechen. Es klingt wie Gesang. Es ist das ״Kongreß-Deutsch!“. Rasch einen Kreis bilden und Horrah tanzen: kleines Volk ums kleine Land! Unsere Hoffnung liegt im Kreis, im Kreisenden. Das ist auch der Ruf und der Reiz dieses Kongresses, — «■> ״K **®Mt«. 5» »'■wkiÄ5■ : ז*» ***$“!־.-,«•

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