Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 63 (10.8.1937)
- Date
- 1937-08-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Np. 63, 10. VIII. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 גס־עהאיוחדוו נו!ז.יו,ת רו*ובנ ר.aao'uaw! 1.cn.uin ה*יוג* הראשון! llfl Il ilHItSHltl Ml t': ן□ 1 % ra*«*fw**0%sänwi וימי Abfahrt des Sonderzuges von Zürich nach Basel mH hebräischer Beschriftung. Am Fenster Mitglieder des Kongreßbüros (rechts: Dr. F. Kahn, Dr. Ullmann, Wallisch). Die Basler Erinnerungsfeier Das Abzeichen des /. Kongresses, das von Herzl selbst entworfen wurde Anläßlich der Reise der Kongreß• Delegierten und Gäste von Zürich nach Basel zur Erinnerungsfeier an den I. Kongreß gab die Direk• tion der Schweizerischen Bundesbahn eine Fahrkarte mit hebräischer Auf• Schrift für den Sonderzug heraus, die nebenstehend abgebildct ist.! וסיו1ח מיוחדת גחגיגת חיובג 3u1 oMixixn הקונגו־סהציוג• הדא״חן I 1ON0IB JUO PUB : 40 •JAHRE SFEIE» i 4. ZIONISTEN- .״I Die Erinnerungsfeier an* läßlich des 40jährigen Jubiläums der Eröffnung des I. Zionistenkongres* ses, die am Sonntag, dem 8. August, im Basler Stadtkasino abgehalten wurde, nahm — wie in unserem heutigen Leitartikel ausgeführt wird — einen besonders eindrucksvollen Verlauf. Wir werden in unserer nächsten Nummer aus* führlich über die Feier berichten und bringen heute bereits einige Bilder von der Feier selbst wie auch von der Reise der Kongreß Teilnehmer mit Sonderzug von Zürich nach Basel. Bild links: Auf dem historischen Balkon des Basler Stadtkasinos: Die Teilnehmer des l. Kongresses. Dr. Schalit (Wien) hält die zionistische Fahne. — Bild rechts: Die Fahne des I. Kongresses wird der Zionistischen Organisation übergeben. Auf der Estrade die Teilnehmer des I. Kongresses. Von rechts nach links: Dr. Braude, Dr. Kaminka, Frau Ehrenpreis, Oberrabbiner Ehrenpreis, Ussischkin, Dr. Weizmann, Dr. Schalit, Farbstein, Dr. Mever-Ebner. Fotos; Lisar Däuser i :t י ■ •M r ■' '' ■ ,Ajjf Jlfl »V ■׳ : - 8 dieser Form Nein sagen, zugleich aber müssen wir erkennen, daß es nicht nur Gefahren und Unglück in dem Plan gibt, sondern eine Idee, mit der wir uns befassen müssen, Hier ist zweierlei gegeben: zunächst der Gedanke, daß das jüdisch-arabische Problem gelöst werden soll. Wir dachten, wir seien in diesem Punkte an eine Mauer gestoßen. Nun heißt es, daß man diese Mauer beseitigen kann auf dem Wege einer besonderen territorialen Konzentrierung beider Völker in Erez Israel. Von allen Proiekten, die bisher für die Lösung des jüdisch-arabischen Problems bestanden haben, ist dies die denkbar zionistischste Regelung. Es ist eine Tatsache, daß in Ercz Israel so und so viele hunderttausend Araber leben. Dieser Tatsache müssen wir Rechnung tragen und dennoch müssen wir das Maximum leisten. Dieser Plan bedeutet: keine Assimilation, keine gegenseitige Ausbeutung, keine Beherrschung, nur territoriale Konzentration und politische Selbständigkeit. Das ist eine große Idee für die Lösung des jüdisch-arabischen Problems. Ich verkenne nicht die Schwierigkeiten und Gcfahren, die das Projekt mit sich bringt, aber dieser eine Gedanke schon, der in ihm liegt, ist eine zionistische Lösung und ein aussichtsreicher Gedanke. Der zweite Gedanke, der hier gegeben ist, ist von ungeheurer Wichtigkeit: die Zionistische Organisation ringt seit Jahrzehnten mit dem Problem, ob das Recht, die politische Selbständigkeit, die Souveränität den Vorrang hat, oder die Wirtschaft und die Kolonisation. Auf dieses Problem wurden zu verschiedenen Zeiten verschiedene Antworten gegeben. Der politische Zionismus wollte zuerst den Charter, die rechtlich gesicherte Heimstätte, dann die Kolonisation. Das war Herzls Traum. Dann kamen wir an einen Wendepunkt. der Geschichte. Wir warteten nicht auf den Charter und fragten nicht nach politischen Rechten, wir kolonisierton Schritt für Schritt, —- schließlich mußte der politische Erfolg von selbst kommen. Weizmann hat dann eine Synthese gefunden. Jetzt steht ein neuer Weg vor uns, eine neue Möglichkeit der Erweiterung. Man sagt uns: ״Ihr seid in euren wirtschaftlichen Erfolgen so weit, daß ihr einen Sprung tun könnet. Ihr avanciert zu einer großen politischen Chance und werdet im politischen Rahmen mit neuer Wirt- Schaft auszufüllen haben.“ Das ist eine gewaltige Neuerung, etwas vollkommen Revolutionäres. Wir erhalten die Selbständigkeit, noch bevor wir Palästina konsolidiert haben. Wenn die Möglichkeit einer solchen großen Chance besteht, so wird der Kongreß und die ganze jüdische Welt trotz der schweren und großen Gefahren sagen: ״Wir sind zu diesem großen und gefährlichen Versuch gereift.“ (Beifall.) Kart Blumenfeld (Jerusalem) (Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten, Gruppe A — ״Kidma“): Viele Argumente, die sich gegen das Projekt des uns angebotenen Judenstaates wenden, richten sich prinzipiell gegen die Möglichkeit eines Judenstaates in Ercz Israel überhaupt. Denn ein Judenstaat von viel größeren Ausmaßen erhöht alle Gefahren, die diese Gegner in einem Judenstaat von kleinerem Ausmaß erblicken. Eine prinzipielle Ablehnung ist nur erlaubt, wenn man der Ueberzcugung ist, England auf den Weg der Erfüllung des Mandates zurückzwingen zu können. Nach allgemeiner Ansicht hat England nicht getan, was wir erwartet haben. Es ist zweifelhaft, daß England jetzt die Versäumnisse nachholen wird, die Aussichten dafür scheinen mir sehr ungünstig. In der Zwischenzeit ist die Zahl der Araber von 500 000 auf ungefähr 1 Million gewachsen, ebenso wuchs die Kraft ihres Nationalismus und ihrer wirtschaftlichen Stärke, ln jedem Falle drohen uns auch ohne weitere Konflikte weitere Beschränkungen bei Fortdauer des bestellenden Systems. Wir sehen, daß die wirtschaftliche Lage in Palästina schwierig ist. Wir wollen eine Mehrheit werden, und wir sehen, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Chancen für die Vermehrung der Araber größer sind ais für uns. Wie viele Millionen müssen wir aufw׳enden, um in der bisherigen Art Boden zu erwerben?! Ich glaube, unter den Bedingungen eigener Staatlichkeit sind die Chancen für uns wesentlich größer, da wird es möglich sein, eine raschere und größere Kolonisation durchzuführen. Alle Redner, die Nein sagen, meinen, daß es eine größere Zukunftsmöglichkeit gebe. Beweise dafür habe ich nicht gehört. Ich glaube, daß die Zeit gegen uns arbeitet. Immer wieder werden wir vor Zwangssituationen stehen. Gerade die schärfsten Kritiker der englischen Administration wollen die Fortdauer des bestehenden Zu- Standes. Woher das plötzliche große Vertrauen zur Mandatarmacht? Auf einmal unsere Zukunft derselben Macht anvertrauen, die uns bisher so enttäuscht hat? Der Bericht der Kgl. Kommission stellt uns eine Alternative: Man gibt uns die Möglichkeit einer eingeengten staatlichen Entwicklung, wenn wir aber nicht darauf eingelien, so werden wir eine ganz kleine Einwanderung haben. Die Regierung glaubt mit ihrem Vorschlag ihre Pflicht erfüllt zu haben und hat durchaus nicht die Absicht, wenn wir ihn ablehnen, besondere Anstrengungen zugunsten der Juden zu machen. Das müssen sich die grundsätzlichen Neinsager vor Augen halten. An welche Mächte werden wir nachher appellieren? Man könnte fragen: warum sind dieselben Menschen, welche durch das Wort ,,Judenstaat“ nie geblendet wurden und immer realpolitisch dachten, heute für diesen Judenstaat? Weil dies heute eine realpolitische Antwort auf die gegebene Situation ist. Die da glauben, der Zionismus sei nichts anderes als eine Sache der Propaganda und der Aufputschung der Massen, können sagen: wir lehnen ab, wer aber glaubt, daß der Zionismus die Aufgabe hat, eine Wirklichkeit zu schaffen, muß anders sprechen. Wenn wir heute Rückschau halten, wenn wir die differierenden Berichte und dm letzten Bericht, den der Kgl. Kommission, lesen, so haben wir ein Recht zu sagen, man habe uns enttäuscht. Aber es gibt ein paar Stellen im Bericht, bei denen wir auch uns etwas zu sagen haben, nämlich: wären mehr Menschen ins Land gekommen, das Land wäre unser. Das jüdische Kapital —■ ich meine da die wirklichen Kapl* talisicn, nicht die von uns dazu ernannten — hat den Weg nach Palästina nicht gefunden, fast alles, was wir geschaffen haben, mußten wir mit öffentlichen Mitteln schaffen, <f Es gibt gewiß eine Fülle negativer Seiten und Unzu* länglichkeiten, die sich nachweisen ließen — wenn wir trotzdem ja sagen, dann ist cs ein Ja aus innerer Berechnung. An den ״Reichtum‘' des jüdischen Staates glaube ich nicht. Fs wird ein sehr armer St a a t sein. Bei sorgfältigster Verwaltung wird er Mühe haben, seine Angelegenheiten zu bcso'gen und wird die Hilfe der jüdischen. Welt brauchen. Gewiß, wir haben neue Chancen, eine staatliche Anleihe zu bekommen — aber dann werden wir erst recht die Hilfe der jüdischen Welt brauchen. Es wäre ein Verrat am Zionismus, wenn wir ohne Entscheidung Weggehen, wenn wir erklären, die Sache tauge nichts und sei lächerlich. Glauben Sie, daß eine solche Chance wieder kommen wird? Der Zionismus ist vierzig Jahre alt und er braucht etwas Neues. Diese Chance kann unser Schicksal im guten Sinne werden. Niederlagen in Siege zu verwandeln, war immer ein Charakterzug der jüdischen Geschichte. Jetzt heißt es, die Frage der Wirtschaft wirklich ernst- Haft zu behandeln, die Kolonisation neu anzupr.cken und. endlich die Frage ״Kibbusch Haam“, die Eroberung des Volkes, wirklich zu beantworten — so kann diese Stunde die Geburtsstunde der zionistischen Geschichte werden, (Lebhafter Beifall.) Sciiluß der Sitzung 9 Uhr abends. Die Freitag-Sitzung der Politischen Kommission, Freitag, den 6. Aug. 1937, Vorsitz Ing. Kaplansky, beginnt 10'2 (ihr. Die politisehe Debatte wird fortgesetzt, als erster Redner spricht Dr. A. Barth (Misrachi): Die Exekutive hätte bei Eröffnung der Debatte darlegen müssen, was sie als optimale Chance der von ihr beabsichtigten Verhandlungen ansseht, dann erst könnte die Frage der Vollmacht beantwortet werden. Wir müssen uns vorerst darüber klar sein, was an Verbesserung des Vorschlags überhaupt theoretisch erreichbar ist. England hat es ja nicht nur mit einem Partner, sondern mit zwei Partnern zu tun. Die sich in einen falschen Optimismus hineinreden, vergessen vollkommen, daß die Meinung, durch Hände! und Verhandeln eine Besserung zu erzielen, auch für die arabische t