Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 63 (10.8.1937)
- Date
- 1937-08-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653686--31098-2685688- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Pinsk 1× ep/1045440
OCR text
Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 63, 10. VIII. 1937 Die politische Debatte arabische Majorität, könnte man irgendeine Antwort geben, undiskutierbar aber ist der Verzicht. Wir haben kein Recht, auf Erez Israel zu verzichten, weder auf einen »größeren noch auf einen kleineren Teil. Im Zionismus ist eine tiefe Krije entstanden, Weil man verschiedene Erklärungen dafür sucht, was der Zionism u s will. Einige sprechen von humanitären Zielen, von den hungrigen Juden in Polen und den unglücklichen Juden in anderen Ländern, selbst Ussischkin begründet den Zionismus als Rechtsforderung damit, daß die Araber viel und wir wenig haben. Für uns ist der Zionismus nicht eine bloße Antwort für hungrige Juden. Wir fordern nicht Erez Israel, weil die Araber zu viel und wir Zu wenig haben, sondern weil es unser Land ist. Der Bibelsatz ״Um Zions willen werde ich nicht schweigen‘‘ ist tief in unser Herz eingetraben — wir können nicht ruhen und schweigen, wenn man rez Israel zerreißt und Jerusalem uns vofentliält. Wir müssen bereit sein, Leiden und Kämpfe für das ganze Erez Israel auf uns zu nehmen. Wir werden nicht zugeben, daß man Über die Teilung verhandelt. Es handelt sich hier nicht um Vertrauen oder Mißtrauen zu Personen, sondern um unseren erlauben, daß ganz Erez Israel unser ist und unser sein wird. Wir glauben an die Erlösung aller Teile, nicht bloß eines Teiles von Erez Israel. (Beifall.) Der nächste Redner ist ein Vertreter der Weitvereinigung der Allgemeinen Zionisten, Gruppe A, Del. Kleinbautn (Polen): Vor uns stehen zwei Fragen. Die eine ist die historische Schicksalsfrage, ob wir bereit sind, in einem Teil von Erez Israel einen juilenstaat zu errichten, die andere ist die parlamentarische Frage, ob wir der Exekutive Vollmacht zu Ver- Handlungen geben sollen, um gegen die schweren Bedingungen, die man stellt, anzukämpfen und ein lebensfähiges Land _ zu bekommen. Beide Fragen beantworten wir mit ja, das diktiert uns die Logik, das Gefühl, der Instinkt, die nationa'e intuiiion und die nationale Phantasie. Es ist logisch falsch zu sagen, Teilung oder nicht Teilung, Judenstaat oder nicht Judenstaat. Die Frage ist, ob wir den Judenstaat für den Preis der Teilung annehmen wollen oder ob es andere Möglichkeiten gibt. Die Gegner der Teilung sollen kfar sagen« welche Antwort es nach dem Nein gibt. Die Antwort findet sich im Peel-Bericht: Die zweite Alternative ist die Begrenzung der Einwanderer auf 12000 Mensehen jährlich, von der der Peel-Bericht spricht, oder die Beschränkung auf 40 w» der Bevölkerung Palästinas, wie e3 Samuel sagt. Beides bedeutet einen schweren Schlag für den Zignbntt». w'fr/fe#: ' Ihr sagt, Wenn man uns diese v&Uerna&vfeauf2winget*׳*will, müssen wir-mit *;allen Kräften geg^l( eine solche Interpretation ' kämpfcn. Ich,: meine, .wenlL#'ir kämpfen wollen, dann ist es zweckmäßiger und hat größere Chancen für den Erfolg, gegen die Verengung der Grenzen des Juden- Staates zu kämpfen. Die Chance der Verbesserung der Teilungsbediiigungen ist größer als die Chance, die Interpretation des Mandats zu ändern. Seit 20 Jahren stehen wir im Kampf gegen die Interpretation des Mandats und haben einen Mißerfolg nach dem anderen. Die Juden Polens hangen um Palästina, nicht nur wegen der Zertifikate, sondern weil sie die Verwirklichung des Zionismus ersehnen. Auch bei der Frage der Ein- Wanderung in einen Judenstaat auf einem T e i 1 gebiet haben wir für 15 bis 20 Jahre eine ungeheure Arbeit vor uns. Dann freilich werden wir die Enge spüren. Aber ich frage: Wollt ihr die Möglichkeit für eine Arbeit von 15 Jahren, auf die eine Begrenzung folgt, oder wollt ihr diese Begrenzung schon morgen? Der Gedanke des Judenstaates hat überall gewaltige Begeisterung erweckt, auch unter Ihren Wählern, meine Herren von der Gegenseite, und diese neue Begeisterung ist fähig, Wunder zu wirken, sie kann zu einem Quell von Kräften des Aufbaus werden, die den kleinen Judenstaat zu einer mächtigen Kraft und zu einem Stützpunkt für das ganze jüdische Volk umbilden. Das ist aber nur dann möglich, wenn nicht wir seihst ihn und die ihn bauen wollen, bespötteln. Niemand sieht den Judenstaat iri den angebotenen Grenzen als die Verwirklichung des Zionismus an. Für uns ist er mir der Anfang. Auch bisher war der Weg der Verwirklichung, daß man ergriff, was man ergreifen konnte. Heute können wir eine große Etappe erlangen, morgen wird sich diese Chance vielleicht nicht mehr wiederholen. Von den großen Reden des gestrigen Tages basierte die eine (Weizmanns) auf Logik ttir die Gegenwart und Phantasie und nationalem Messianismus für die Zukunft, die zweite (Ussischkins) aber auf Logik für die Zukunft und Messianismus der Gegenwart. Wir müssen den ersten Weg wählen. W'oriiber wir heute zu entscheiden haben, ist nicht das Endziel sondern der nächste Schritt zur Verwirklichung, und der Aufhau eines Judenstaafes auch nur in einem Teil von Erez Israel ist ein ungeheurer Schritt vorwärts. Als Weiziriann gestern Vollmacht verlangte, da hörten wir in seiner Rede nicht die Stimme des Diplomaten von London und des Professors von Zürich, sondern des Juden von Pinsk. Und dieser Stimme werden wir Juden von Warschau und Przytyk und Brest folgen (Beifall). blind a priori mit Bravorufen und Händeklatschen ah zulehnen, wäre bei unserer gegenwärtigen Lage ein zu großer Luxus. Die letzte Entwicklung der Welt hat dahin geführt, daß bei den Arabern nicht nur ein politisches und nationales Bewußtsein entstanden ist, sondern ein naticnalistisches Bewußtsein und ein kämpferischer Mut, vor allem In der . Jugend, die •daran glaubt, daß sie uns mit der Wurzel ausrotten kann. Freilich — cs wird ihnen nicht gelingen, wir werden ■uns nicht ergebe», wir werden bestellen; aber der Glaube dieser Jugend macht sie intransigent. Nach dem Jahr, das wir Überständen haben, kann ein ernster Zionist nicht weitergehen, ohne abzuwägen, wo wir halten Die Araber brauchen keinen Verstand, kein Taleit, keine Gerechtigkeit, und alles geht ihnen durch — sie sind eben da. Wir aber brauchen Gerechtigkeit, Selbstüberwindung, Verstand, diplomatisches Talent, und all das reicht nicht. Die Administration ist nicht aus Schlechtigkeit für sie, sondem aus natürlicher Trägheit. Aber das Wichtigste: je mehr zionistische Aktivität wir entfalten, wir — stärken die Araber, ob wir nun wollen oder nicht. Was immer wir tun, damit stärken wir sie in jeder Hinsicht, vor allein an Geld Und dadurch, daß wir ihnen ein Muster sind an Organisation, dal» wir ihren Lebensstandard, ihre Bildung heben. Die <E n g fä n d e r haben ihr Versprechen, den Aufbau zu fördern, nicht gehalten. Wir waren auf uns selbst, auf das jüdische Volk angewiesen und das jüdische Volk — seien wir offen! -״- hat nicht in allen Teilen die gebührende Antwort gegeben. Das alles niu.stn wir uns vor Augen halten und sagen: auch ein schlechtes :Mandat ist ein .Mandat. Es gibt uns die Möglichkeit, mehr Juden ins Land zu bringen, eine Anleihe zu finden, staatliche Liiinahmsquelie:! zu eröffnen. Dürfen wir uns erlauben, eine solche Chance auszuschlagen, eine Möglichkeit, nicht bei jedem Schritt von den Arabern und von einer unfreundlichen Regierung abhängig ku sein? In unserem Staat muß Friede mit den Arabern herrschen. Der Haschomer Ha/air hält die guten Beziehungen zu den Arabern für sein Patent. Dieses Patent anerkennen wir nicht. Es ist auch kein Patent der Arbeiterbewegung, sondern der gesamten zionistischen Bewegung. Worin liegt nun die Problematik, ja die Tragik unseres Verhältnisses zu den Arabern? Darin, daß die Araber uns noch nicht für einen Partner ansehgn, mit dem man verhandeln kann, so daß alle unsere ,Deklarationen, Proklamationen und Resolutionen, die hier oder hei anderen Gelegenheiten laut werden, für sie nur Schall und Ranch sind. Diese Situation wird sich radikal ändern, wenn es einen Judenstaat mit etwa 5 Millionen Dunam Land gibt. Dann werden wir einen Weg finden zu einem Frieden und zu einem Uebereinkonimen mit den Arabern. Wir hatten impter das Gefühl, daß wir stets nur nach dem Flieden schreien, während die andere Partei es überhaupt nicht zur Kenntnis nimmt. So war es, solange wir -au^fdstifl[ und,iJ"fitt..yey.ihnen ״jb,hängig waren, 400'OCHJb-igifer :elägr,'Million. Wenn ׳■wir aber, m einer politischen fCr41U*zu einer M׳ttdett, 'dann werdeayfir ־ den Weg'zum Brledeh uiid zu eiuqtn großen Uebereinkonimen finden können, den Weg,' der uns weite M ״ g 1 i c h k e i t e n schafft, wenn auch wir von unserer Seite bereit sind, große Mittel aufzubringen, große Opfer zu bringen und im Zusammenhang mit unserer weiteren Expansion den arabischen Völkern ein großes Angebot zu machen. Denn sie haben noch genug Boden und öde Flächen, sie brauchen auch die Hilfe eines anderen Faktors, und der können wir werden. Auch darin liegt eine Chance. Solange wir nicht gründlich geprüft haben, diirfen wir nicht einfach den Vorschlag annehmen oder ablehnen. Wir müssen die Exekutive beauftragen, mit voller Verantwortung jedes Deiail des Vorschlages zu prüfen, und müssen dann erst den Vorschlag einstimmig ablchnen oder einstimmig a n 11 e h m e 11. (Beifall.) Der erste Redner des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten (Gruppe B) Dr. Schwarzbari (Krakau) führte aus: Die Korrekturen, welche der proponierte Juden- Staat erhalten kann, werden wohl mehr symbolischen Cha« rakters, wirtschaftlich jedoch von keiner Bedeutung sein. Daher muß ich sagen, daß dieser kleine Staat nahezu nichts zur Lösung der Judenfrage beitragen wird. Die Vorstellung, daß die Juden aus Polen jn großer Zahl werden einwandern können, ist eine Illusion. Nach langem innerem Kampf bin ich zu der Ueber•; zeugung gekommen, daß das Minus, welches mit der Annähme des kleinen Staates für uns verbunden ist, größer iit als das Plus. Ich sehe absolut keine realpolitischen Mög-!ichkeiten, diesen kleinen Staat als ״Sprungbrett“ zu ,benützen. Uns bleibt nur ein Weg: Aktivierung des jüdischen Volkes. Wir müssen unsere politischen Kräfte potenzieren, um das Mandat unversehrt zu erhalten mit der bleibenden Hoffnung auf den jüdischen Staat in Erez Israel. Das ist ein schwerer Weg, der Weg des größeren Wider- Standes, aber es ist der einzige Weg, und ich wäre glücklieh, wollten sich unsere Verhandlungen so gestalten, daß wir weiter Zusammenarbeiten können. Den Plan der Exekutive, daß der Kongreß ihr die Vollmacht zu weiteren Verhandlungen gebe, halte ich für schlecht. Das muß dazu führen, daß vorbereitende Abmachungen getroffen werden und derartige Punkfationen zwischen Weizmann und England wird der Kongreß nicht mehr desavouieren können. Daher bleibt nur der Weg übrig, den ich aufgezeigt habe. Sitzung vom 5. August Die erste Sitzung der ״politischen Kommission“, zu der der ganze Kongreß gehört, begann unter dem Vorsitz von Ussischkin Donnerstag 5 Uhr nachmittags. Dem über die Sitzung ansgegebenen offiziellen Communiquf entnehmen wir: Der Vorsitzende teilt zunächst mit, daß der Diskussion über die politischen Fragen in der politischen Kommission, der alle Delegierten des Kongresses angeboren, vier Sitzungen, am 5. August nachmittags, am 6. von 10 Uhr vormittags bis b Uhr nachmittags und am 7. von 9 Uhr abends, schließlich am 8. von 8 Uhr abends an gewidmet sein werden. Für die Reden der [)elegierten wurden 15 Stunden bestimmt, die übrige Zeit für die :Mitglieder der Exekutive. Die Redezeit für die einzelnen Gruppen wurde nach der Anzahl ihrer Delegierten bestimmt; auf die Arbeiterpartei entfallen 5’*! Stunden, auf die Weitvereinigung der Allgemeinen Zionisten 3'1 Stunden, auf den Misrachi 2 '׳! Stunden, auf den Weltverband der Allgemeinen Zionisten FD Stunden, auf die Judenstaatspartei I Stunde. (Es ist derselbe Vorgang, der sonst bei der ,,Generaldebatte•‘ der Kongresse üblich war, sogar der Partcischlüsscl ist beibehalten. Bei ״Kommissions״-Sit/ungen gab es diesen Parteischlüssel nie, er ist besonders sinnlos in einer Situation, in der die meisten Parteien keine einheitliche Stellung zu dem Hauptproblem der Debatte haben. — A. d. Red. ״J. R.“) Der erste Redner Et der Vertreter des Misrachi, Rabbi Meir Berlin Er führt u, a. aus: Mit dem größten Teil seiner Rede, besonders mit der scharfen Kritik gegen die englische Regierung, hat Präsident Weizmann aus’ unserem Herzen'gesproclieit. Am Schluß «einer Rede, als er zur Frage der Teilung kam, hat er zwei Kriterien aufgesteilt, von denen wir ausgelien iiüwsen. wenn wir an das Problem herantreten: Erstens die geistige Möglichkeit für die Wiederbelebung des Judentum!', zweitens die Verbesserung der Lage der Juden als teilweise Lösung der Judenfruu*. Und Präsident Weizmann erklärte, wenn die Teilung uns diese zwei Dinge sichert, so mußten wir sie akzeptieren. Im Namen des gesamten Misrachi — ich nehme an, daß darin auch der Hanoel Hamlsrnchf mit uns eini«? ist — hübe ich zu sagen, daß wir nrt diesem Grundgedanken nicht einverstanden sind. Der Zionismus ist für uns kein Erlebnis von 40 Jahren, sondern ein Ausdruck der Wünsche des jüdischen Volkes irn Laute seiner tausendjährigen Geschichte. Dieser Zionismus will _ nicht nur gewisse geistige oder materielle Bedürfnisse befriedigen. Sogar wenn die Juden unter den glänzendsten ökonomischen und politischen Verhältnissen lebten und wenn das jüdische geistige Leben auf allen Gebieten, dem der Religion, der Sprache, der Kultur, der Kunst und der Wissen- Schaft höchstem Niveau stünde, so wäre für uns — das ist unsere Ansicht — die Notwendigkeit des Aufbau» Erez Israels nicht um ein Jota geringer! Für ( uns ist der Aufbau von Erez Israel keine Antwort auf geistige oder* materielle Leiden, sondern ein inneres Bedürfnis der jüdischen Seele, das Bestreben, ein eigenes Land, unser Erez Israel zu haben, das uns zukommt, ebenso wie anderen Völkern ihre Länder zukommen. Unser Streben nach Erez Israel, unsere Arbeit für Erez Israel ג |s Judenstaat ist keine Antwort auf Leiden, sondern ein Zweck an sieh. Daher müssen wir bei unserer Entscheidung von dem höchsten Kriterium der jiidisehen Geschichte und der jüdischen Thora ausgehen, vom Aufbau Erez Israels als unser Land. Und wir müssen uns fragen: Stellt der Yorn'lilag, der uns vorliegt, im Einklang mit tlic-em Kriterium oder im Gegensatz zu unseren Bestrebunuen und Erwartungen? Zwei positive Ergebnisse enthält der Peel-Bericht: Was bisher < )effeiitlieh-rerlnlirh gesicherte Heimstätte, was Nationallieim hieß, wird mt Bericht jetzt als J u d c n s t a a t interpretiert. Und der l k rieht stellt fest, daß das ganze jüdische Volk ein Recht auf Erez Israel hat. Er macht auch eine wichtige politische Konstatierung betreffend die Araber, indem er /Um Ausdruck bringt: Von den Arabern haben ein Recht auf Palästina diejenigen, welche es bewohnen. Also nicht das arabische Volk als ganzes kann Erez Israel fordern, sondert! nur die• in Palästina lebenden Araber. Das müssen wir;11s Grundlage für unsere Forderungen festhalten. Auf Grund dieses Berichtes muß uns das Recht gegeben werden, in Palästina die Majorität zu werden. Die Araber wurden dann eine Minorität sein, ebenso wie Angehörige anderer Nationen in verschiedenen Ländern als Minoritäten leben. Immigration kann sicher nicht mit Psychologie betrieben werden — das hebt Weizmann richtig hervor. Aber Volksleben und Volkser/iehung hat sehr viel mit Psychologie zu tun. Wie wird sich die Teilung auf unsere Kinder psychologisch auswirken? Solange wir hoffnungsvoll in Gebet und in Opfern für Erez Israel lebten, waren wir innig mit dem Lande verbunden, und diese Verknüpfung ward verstärkt durch die Aufbauarbeit der letzten Jahrzehnte. Auch Löschenin, auch Sichern ist ein Teil von Erez Israel und uns heilig, denn für das g a n z e Erez Israel hat man gebetet, gekämpft, das ganze f rez Israel hat man ersehnt. Wenn wir aber diese Teilung ziilasscn, vernichten wir die psycho 10gische Grundlage — die uns die Kraft zürn Aufbau gegeben hat werden wir noch nicht einmal das Recht haben, unsere Kinder zu lehren, daß auch Ttilkerem und was sonst zum arabischen Teil nach der Teilung gehören soll, ein Stück \on Erez Israel ist. Dann wird die jüdische Seele zerschnitten sein. Der Bericht selbst nennt die Teilung eine chirurgische Operation. Weizmann hat uns mit dem ״Ende der Tage“ getröstet. Wir erleben heute, daß in den Reden zionistischer Führer Töne mitklingen, die wir hei den Antizlonisten gewöhnt waren. Non Weizmann erwarten wir Führerschaft, politische Erfolge. Prophetenworte aber möge er anderen überlassen. Wir glauben an die Achrith haiamim, das Ende der Tage, aber das ist für uns kein Grund, nicht aktiv zu sein. Der Grundsatz des Misrachi ist Glaube und Tat — nicht Glaube und Untätigkeit. Wir haben das jüdische Volk gelehrt, daß kein Feuer und kein Wasser uns schrecken und abhalfen darf, unsere Pflicht zu tun und an den Aufbau von Erez Israel 'zu glauben, Und jetzt sollen wir, well man uns mit einer kleinen Einwanderung bedroht oder weil Kämpfe mit England bevorstehen, Verzicht leisten? Auf alle Schwierigkeiten des Teilungsplans, die Teilung des Landes, die große Del- Remez (Arbeiterpartei): Ich gebe zu, daß ich sehr gern ein Gegner sein möchte (Zwischenruf Dr. Weizmanns: Ich auch!), das heißt, ich wünschte die Wirklichkeit und die Wege zu sehen, welche die Gegner sehen. Hat man uns den ehrlichen Vorschlag eines Staates in einem Teil von Erez Israel gemacht unter dem Minimum von Bedingungen, die wir für unbedingt notwendig halten? Darauf muß ich mit Nein antworten. Auch Dr. weizmann hat erklärt, daß der Vorschlag im Blaubuch der Royal Commission für uns alle unakzeptabel ist. Ich bin nicht sicher, ob man uns künftighin einen Vorschlag vorlegen wird, den Weizmann und die Exekutive als akzeptabel werden arischen und mit der Empfehlung, ihn anzunehmen, vor den Kongreß werden bringen Rönnen. Sollte uns ein ernster Vorschlag gemacht werden über einen Judenstaat mit vergrößerter Immigration, über die wir zu bestimmen haben, mit vergrößerten Kolonisat(f>ns1nöglichkeiten, mit Anleihemöglichkelten, wie sie eben einem Staat zur Verfügung stehen, mit umfangreichen Arbeits- und Entwicklungsmögiichkeiten — solch einen ernsten Vorschlag Dd, Rabasctiow (Arbeiterpartei): Zur Weiterarbeit brauchen wir Vertrauen nach zwei Richtungen: Vertrauen in die schöpferische Kraft des jüdischen Volkes und Vertrauen zu England, Die Administration hat alles getan, daß wir dieses Vertrauen zu ihr nicht mehr haben können. Seit dein Erscheinen des Peel-Berichtes haben wir neue Beweise dafür und wer weiß, welche neuen Be- Schlüsse über Erschwerungen in den Schreibtischladen der englischen Beamten bereits vorbereitet liegen! Das erweckt in uns ein tiefes und tragisches Gefühl. Aber uns liegt ein konkreter Vorschlag vor: ein kleiner jüdischer Staat ohne Jerusalem, mit engen Grenzen, mit allen möglichen großen Gefahren. Der ganze Kongreß muß zu diesem Plan in Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert VV c 11 s c h, Beilin-Charl. fl (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loew enstein, Berlin W 15. Anzeioenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 15. Gültig Anzeigen ״ Preisliste 5 vom 1. April 1938. Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinekc3tr. 10. D.A. 11/1937 30 316. — Druck: Siegfried Schülern, Bcrlin-Schöneberg. ו