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Jüdische Rundschau · 1937-08-06 · Heft 62 (6.8.1937) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 62 (6.8.1937)
Date
1937-08-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 42, 6. VIII. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seile T3 UMSCHAU Siedlungswesen / Dr. h. Ernst Die Ergebnisse der Zitrussaison 1936/37 Die Ergebnisse der verflossenen Zitrussaison sind in jeder Hinsicht als schlecht zu bezeichnen. Seit Jahren war man darauf gefaßt, daß mit dem sich steigernden Ertrag der Zitrus- Pflanzungen in Palästina die Preise für das Produkt auf dem Weltmarkt entsprechend fallen würden. Tatsächlich wurden die Preise von Jahr zu Jahr schlechter, blieben jedoch noch in der Saison 1934/35 auf einer Höhe, die den Produzenten eine recht hohe Verzinsung ihres Kapitals versprach. Sie betrugen ungefähr 4V2 Schilling pro Kiste, obwohl der Zitrusexport bereits die Zahl von 7 000 000 Kisten erreichte. Die Saison 1935/36 war für die Produzenten insofern ungünstig, als ein Teil der Ernte durch außergewöhnliche Witterungsverhältnisse vernichtet wurde, so daß der Export in der Saison auf etwa 5 000000 Kisten sank. Obwohl also die Preise ungefahr dieselben blieben, bedeutete die Mißernte für den Produzenten einen Ausfall seiner Einnahmen. Der Preissturz jedoch der verflössenen Saison (1936 37) war so groß, daß nicht einmal die besonders reiche Ernte den Schaden gutmachen konnte. Die endgültigen Abrechnungen sind noch nicht vorhanden und werden aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vor Ende August zur Verfügungstehen. Es ist jedoch schon jetzt klar, daß der Ertrag für Orangen kaum mehr als 2 Schilling pro Kiste betragen wird und die Preise für Grapefruit werden 1 Schilling pro Kiste *licht übersteigen. Die Gründe der Katastrophe Die Gründe der Katastrophe sind vielfach. Wegen der reichen Ernte kamen in der letzten Saison etwa 11000 000 Kisten zim Export. Es war besonders schwer, nach den monatelangen Unruhen und bei den unstabilen Verhältnissen den Export dieser Mengen zu bewältigen. Ungünstige Witterungsverhältnisse, Mangel an ge-!lügenden Arbeitskräften und ausreichenden Schiffsverbindungen verschärften die Lage. Schließlich erreichte die Frucht in besonders schlechtem Zustande die Märkfe, Viele Faktoren haben dam beigetragen, die Haltbarkeit der Frucht zu beeinträchtigen. Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, daß die Schuld an dieser Katastrophe nicht nur ״force majeure“, sondern in weitaus höherem Maße der mangelnden Organisation und der Fahrlässigkeit der Produzenten zuz 11 sprechen ist. Der Prozentsatz der verfaulten Frucht stieg oft auf 30—40 ",0 der exportierten Früchte an! Das bedeutete erstens einen Ausfall von etwa einem Viertel der Ernte und gleichzeitig eine große Vermehrurigder Unkosten, da die Frucht, ganz gleich ob verfault oder gesund, gepflückt, gepackt, verschifft und hei Ankunft auf den Markten noch einmal umgepackt werden mußte. Zweitens wirkte sich dieser Umstand auch psychologisch aus, da die Käufer ■das Vertrauen zu der palästinensischen Frucht verloren und die immer schlechter ankommende Ware mit größter Unlust behandelten. Der dritte Grund dieser katastrophalen Preissenkung liegt in der unregelmäßigen und chaotisch eit Art, in der spanische Orangen auf den Weltmarkt kamen. — Auch Spanien hatte eine besonders gute Ernte, und die ungeheuren Massen der Frucht, die trotz aller politischen und Transport-Schwierigkeiten zur Verschiffung kamen, drückten auf den Markt und konkurrierten rücksichtslos mit der palästinensisehen Orange. Das große Problem Die gesamte Zitrusindustrie Palästinas wurde durch diese Sachlage in eine äußerst schwere Lage versetzt. Dieser Zweig der Landwirt- Schaft, der jahrelang gute Rentabilität aufweisen konnte und eine günstige Anlage des Kapitals bedeutete, hörte mit einem Schlage auf, seine Rente zu geben. Dabei ist es gar nicht abzusehen, wie sich die Lage weiter gestalten wird. Die Zitruspflanzungen Palästinas haben noch lange nicht ihre höchste Ertragsfähigkeit erreicht und es ist voraiiszusehen, daß sich der Ertrag in den nächsten Jahren bis auf 25000 000 Kisten steigern wird. Wenn wir also schon heute an Absatzschwierigkeiten zu leiden haben, was wird erst werden, wenn die doppelte oder dreifache Menge auf den Markt kommen wird? Es ist nicht zu verwundern, daß besonders die interessierten Plantagenbesitzer ihrer Verzweiflung laut Ausdruck geben. Wie üblich schütten so manche ״das Kind mit dem bade aus“ und stellen die gesamte Zitrusindustrie als aussichtslos und verfehlt hin, Dabei vergißt man, daß wegen der schlechten Ergebnisse der verflossenen Saison keiner so stark zu beschuldigen ist wie die Plantageiibesitzer selbst und die für den Verkauf der Früchte verantwortlichen Institutionen, daß also bei einer gründlichen Behebung der bestehenden Mißstände sich auch die Aussichten erheblich bessern. Für denjenigen, der einigen Einblick in die Organisaliou des Orangenhandels Palästinas hat, ist es kein Geheimnis, d aß (I ie Grundläge des Uebels gerade in den Mangeln dieser Organisation besteht. Die Tatsache allein, daß es keinen oder nur einen sehr geringen Kontakt zwischen den arabischen und jüdischen Exporteuren gibt, fällt schwer ins Gewicht. Aber auch im jüdisch en Sektor gibt es keine Koordination unter den einzelnen Kooperativen und Gesellschaften, die den Export regulieren. Mehr als das, es besteht eine ständige Rivalität und oft unfaire Konkurrenz im In- und Auslände, die nicht nur einen moralischen, sondern auch einen großen materiellen Schaden zur Folge hat. Man kann ruhig sagen, daß es den palästinensischen Exporteuren gelungen ist, im Laufe der letzten Jahre systematisch den Markt zu ruinieren, und daß nichts unternommen wurde, um einer eventuellen Kalamität vorzubeugen. Es bestellt zwar in Palästina eine gemeinsame Institution aller jüdischen Exporteure, die sogenannte Citrus Exchange. Doch diese Institution erfüllt keine lebenswichtigen Funktionen, und zwar nicht deshalb, weil sie nicht dazu imstande wäre, sondern weil persönliche Rivalitäten jede gemeinsame Aktion von vornherein lahrnlegen. Es ist zu bedauern, daß die nationalen Institutionen bis jetzt nichts unternommen haben, um dieser Kopflosigkeit und Anarchie ein Ende zu setzen. Die Konsequenzen Die Folgen dieser Sorglosigkeit einerseits und der kurzsichtigen Politik andererseits sind nicht schwer zu übersehen. Die Zitrusindustrie spielt in der Wirtschaft Palästinas eine wenn auch überschätzte, so jedenfalls sehr gewichtige Rolle. Es genügt festzustellen, daß fast die gesamte Mittelstandskolonisation der letzten Jahrzehnte auf der Zitruswirtschaft aufgebaut ist. Auch in der Arbeiterkolonisation spielt diescr Zweig vielfach eine gewichtige Rolle. Wäre nun diese Arbeiter- und Mittelstands-Kolonisation unverschuldet gewesen, dann wäre das Unglück nicht so groß, denn es besteht noch immer die Hoffnung, daß bei einigen Verbesserungen der Ertrag der Zitruswirtschaft die Arbeitskosten wenigstens decken könnte. Bei der großen Verschuldung dieser Wirtschaften jedoch und bei der Notwendigkeit sie abzuzahlen bedeutet der heutige Zustand eine Katastrophe, die jedoch nicht allein von natiirliehen Umständen diktiert ist — sondern auch von grundlegenden Organisationsfelllern. Und diese können und müssen mit Energie und Mut behoben weiden. Die Gemüsewirtschaft Palästinas Die Zitrusindustrie ist nicht die einzige, deren Lage als sorgenerregend bezeichnet werden kann. Auch die Gemüsewirtschaft hat große Schwierigkeiten zu überwinden, Schwierigkeiten sowohl fachlicher, technischer wie auch organisatorischer Natur. Wenn jedoch die Lage der Zitrusindustrie als wirklich ernst betrachtet werden kann, so sind die Schwierigkeiten, die beim Gemüsebau auftauchen, bei weitem nicht so groß. Das Problem des Gemüsebaus in Palästina ist ein Problem einer richtigen Pia* nung und organisatorischen Rege- I u n g. Da diese fehlt, leidet dieser Zweig der Landwirtschaft unter allen möglichen Mißständen. Die Hauptsdnvierigkeit, mit der der Gemüsebau in Palästina zu kämpfen hat, ist einerseifs der beschränkte Markt, andererseits die kurzsichtige Art und Weise, in der ein Gemüsezüchter in Palästina den herrschenden Psychosen unterliegt. Dazu kommen die ungenügenden Erfahrungen in bezug auf entsprechende Getnüseatien, eine ungenügende Anweisung der Züchter in bezug aut die Aussichten verschiedener Kulturen, die oft versageirde Verkaufsorganisation und der Mangel an Ausdauer und Stabilität. St» kommt es, daß zu gleicher Zeit zu große Mengen bestimmter Gemiisearten auf den Markt kommen, daß falsehe oder ungenaue Planung schlechte Ergebnisse zeitigt, daß ungenügende Kenntnis des Marktes im Ausland einer Expansion des Gemiiseexportes irn Wege steht, daß vorübergehende Mißerfolge die Züchter zu vorzeitigen Folgerungen verleiten usw. Es ist klar, daß auch auf diesem Gebiete noch sehr viel zu leisten wäre. Es gibt wenige Länder, die so gute natürliche Bedingungen für den Gemüseanbau haben wie Palästina. Viele Beispiele könnten dafür angeführt werden, daß der Gemüseanbau rentabler sein könnte als sogar die Zitrusindustrie in ihren besten Jahren. Auch die jetzige Saison liefert so manche Beweise dafür, daß bei richti• ger Erfassung der [andwirtschaftliehen und Absatzprobleme der Gemüsebau einer! hohen Grund der Rentabilität aufweist. Die flufgäben der nationalen Institutionen Die nationalen Institutionen wären in erster Reihe dazu berufen, diesen Wirtschaftszweig in feste Bahnen zu lenken. Es genügt nicht, den Züchtern das Schicksal dieses Zweiges zu überlassen, ohne die nötigen Vorbedingungen für seine Entwicklung zu schaffen. Die Unruhen von 1936 haben durch die Unterbindung der arabischen Gemüsezufuhr eine oft bedrohliehe Knappheit auf dem Markte geschaffen, ln dieser Lage haben die jüdischen Gemüse- Züchter weitgehende Initiative gezeigt. Der Boykott arabischer Gemüsehändler wurde durch eine Verdoppelung und sogar Verdreifachung der von den Juden angebauten Gemüsefläche beantwortet. Diese Initiative wurde sclbstverstündlich von allen begrüßt und es gelang sogar die nationalen Banken dam zu bewegen, größere Kredite für diesen Zweck zu bewilligen. Dadurch wäre eigentlich die Möglichkeit gegehen, eine effektive Kontrolle auf diesem Gebiete auszuüben und eine Planung durchzuführen, die die bestmöglichsten Erfolge garantieren könnte. Wenn aber eine derartige Kontrolle und Planung aus irgendwelchen Gründen unausführbar war, so hätte man dafür Sorge tragen müssen, daß die vielfachen Probleme, die mit einem derartig sprunghaften Ansteigen der Produktion notwendigerweise verbunden waren, erforscht werden. Dies konnte jedoch in den wenigen Monaten nicht getan werden, und die Unterlassungssünden der Vergangenheit rächen sich heute recht schwer. Die übermäßig angestiegene Produktion mancher Produkte, die einerseits auf mangelnde Planung, andererseits aut einen guten Erntesegen zurückzuführen ist, konnte von der jüdischen Bevölkerung nicht ganz aufgenommen werden. Denn inzwischen sank infolge der gespannten wirtschaftlichen Lage die Kaufkraft, und mit der Beruhigung des Landes erschien auch der arabische Gemüse- Ländler auf dem Markte. Wie sollten also die überschüssigen Produkte abgesetzt werden? Es waren keine Möglichkeiten vorhanden, die überschüssigen Tomaten zu Tomatensaft zu verarbeiten, die verschiedenen Gemüsesorten zu konservieren, die Kartoffeln so zu lagern, wie es die klimatischen Bedingungen vertangen. Nichts oder nur sehr wenig war auf dem Gebiete der Erforschung ausländischer Märkte getan, und es fehlte sowohl an elementaren Kenntnissen der Forderungen, wie auch an den nötigen Handelsbeziehungen und -Verbindüngen. Es läßt sich allerdings zur Entschuldigung der kolonisatorischen Institutionen Palästinas, der Versuchsstation und der Banken sagen, daß die Vielfältigkeit der Probleme es nicht erlaubt, die nötige Lösung z.u finden, bevor sich die Schwierigkeiten einstellen. Es wäre auch ein großer Fehler — der übrigens sehr oft in letzter Zeit gemacht wird —, die Mißerfolge dieser Saison zu verallgemeinern. Bei näherer Betrachtung läßt sich leicht festste!- len, daß nur ein Teil der Gemüsezüchter durch diese Entwicklung der Dinge gelitten hat. Man ist jedoch in Palästina gewöhnt, die Dinge unter dem Aspekt des Momentes zu betrachten, und wenn die letzten zwei Monate im allgemeinen für die Gemüsezüchter schlecht waren, vergißt man nur allzu oft, daß die Gemüsesaison sich auf das ganze Jahr erstreckt. Die Regierung und die gemischte JLandwirtschaft Diese Einsteilung führt leicht zu übereilten Folgerungen und Vorschlägen. Man hat sich gewöhnt, für alle Mißstände und Mißerfolge die Regierungspolitik bzw. den Mangel einer Regierungspolitik verantwortlich zu machen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ein aktives Eingreifen der Regierung und eine vernünftige Zoll- und Schlitzpolitik für das Schicksal der gemischten Landwirtschaft Palästinas von einer oft ausschlaggebenden Wichtigkeit sind. Diese Frage der Zollschutzpolitik ist jedoch überaus kompliziert und weit davon entfernt, ein Allficilmittel zu sein. Als Beispiel dafür kann die letzte Verordnung der Regierung, die einen Zollschutz auf importiertes Geflügel geschaffen hat, angeführt werden. Wenn wir von der volkswirtschaftlichen Seite der Frage absehen, könnte dieser Schutzzoll, entsprechend auf eine Anzahl von Monaten angewendet, einen großen Ansporn für jüdische Geflügelzucht in Palästina bedeuten. In seiner jetzigen Form bedeutet er jedoch einerseits «ine Vergrößerung der Einnahmen des Fiskus, andererseits einen bedeutenden Ansporn für die arabische Geflügelzucht, die mit diesem Schutz, im Rücken den jüdischen Züchter rciederkonkurrieren kann. Zu den vornehmsten Aufgaben einer geordneten kolonisatorischen Tätigkeit gehört also auch ein genaues Studium <ler vielen Aufgaben, die die Regierung zu erfüllen hat. Die gemischte Landwirtschaft Palästinas scheint für die nächste Zukunft d i e Form der landwirtschaftlichen Kolonisation zu sein, die eine dichte landwirtschaftliche Besiedlung des Laudes ermöglichen kann. Es wäre jedoch verfehlt, sich in der Hoffnung 7.u wiegen, daß diese gemischte Land- Wirtschaft gleichbedeutend mit einer autarkischen W i r t s c I! a f t sein könnte. Bei den beschränkten Märkten des Landes, den fluktuierenden Immigrationsbediugungen und dem sprunghaften Anschwellen landwirtschaftlicher Produktion muß auch die palästinensische gemischte l and- Wirtschaft ihr Augenmerk auf die Exportmögli'chkeiten richten. Die besonders günstigen klimatischen Verhältnisse sind besonders dazu angetan, Palästina zu einer Monopolsteliung auf den europäischen Märkten zu verhelfen. Dies zu übersehen wäre ein ebenso schwerer Felder wie eine einseitige Einstellung nur auf den Export, wie es sonst bei Monokulturen der Fall ist. Touristik / Werner Bloch Ein paar Zahlen Von Januar bis Mai 1937 haben 42316 Touristen Palästina besucht. (Für die gleichen Monate des Jahres 1936 betrug diese Ziffer 35 710.) ln den regelmäßigen Veröffentlichungen des ״Office of Statistics“ der Palästina-Regierung wird im Rahmen dieser Statistik nur zwischen ״Juden“ und ״Nichtjuden“ unterschieden. Von den 42 316 Touristen waren 7339 Juden und 3M77 Nichtjuden. Aus diesen Zahlen ist nicht zu ersehen, wieviel arabische Touristen in diesen Monaten Palästina besucht haben. Aus anderen Unterlagen des ״Office of ,Statistics“ geht aber hervor, daß es eine ziemlich starke arabische Fluktuation an den palästinensischen Grenzen gibt. Es ist klar, daß diese arabischen Besucher aus den Nachbarländern als Touristen in der Gesamtziffer enthalten sind. Auf Grund der oben erwähnten Unterlagen kann man schätzen, daß zirka 20 ״״ der Uesamttouristik von Arabern bestritten werden. Bei Zugrundelegung dieses Schlüssels würde sich ergeben, daß von Januar bis Mai 1937 7339 Juden, 8100 Araber und 26 577 Christen das l and besucht haben. In der ״Umschau“ wurde bereits auf den bedeutenden Anteil der Christliehen Palästina-Touristik hingewiesen. Die Ziffern bestätigen diesen Eindruck, und man muH sagen, daß im Frühjahr 1937 die jüdische Touristik recht schwach gewesen ist. Während die Gesamtziffer im Jahre 1937 für di« Monate Januar bis Mai weit größer als im Jahre!936 war, ist die jüdische Touristik gegenüber dem Vorjahre (10 785) absolut und relativ zurückgegangen. Im Februar 1937 begann die Palästina-Regierung mit Erhebungen über die von den Touristen in Palästina ausgegebenen Gel! der. Die Hafenbehörden legen den abreisen« den Touristen einen Fragebogen vor, in dem der Tourist angeben soll, wieviel Tage er im Lande verbracht hat und welche Geldsumme er während seines Aufenthaltes im Lande ausgegeben hat. Der Tourist ist zur Ausfüllung des Bogens nicht verpflichtet, und so kommt es, daß von den abfahrenden Touristen nur zirka 70 0״ die erbetenen Angaben machen. Es ist dies der erste ernsthafte Versuch, sicii ein Bild darüber zu machen, welchen Kapitalimport die Touristik nach Palästina bringt. Nach den von Februar bis Mai!937 gesamnielten Unterlagen hat jeder Tourist durchschnittlich LP 12 im Lande ausgegeben. Im Rekordjahre 1935, in dem über 100(MH) Touristen Palästina besucht haben, sind somit auf diesem Wege mehr als 1,2 Millionen Pfund ins Land geflossen. Wenn man bedenkt, daß die christliche Touristik im wesentlichen wohlhabende Schichten umfaßt, so erscheint die Durchschnittssumme von 12 Pfund pro Person nicht sehr hoch. Diese Ziffer findet ihre Erklärung, wenn man die Aufenthaltsdauer des einzelnen Touristen in Palästina berücksichtigt. Es ist festgestellt worden, daß der jüdische Tourist durchschnittlich 32 Tage im Lande verbracht hat, während der christliche Be* sucher nur durchschnittlich 11 Tage in Palästina weilte. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der von der Statistik erfaßten arabischen Touristen betrug 15 Tage. Die durchschnitilichc Ausgabe pro Tag stellt sich etwa folgendermaßen dar: Juden: 0,700 Pfund; Christen: 1,200 Pfund; Araber: 0,330 Pfund. Trotz der geringen Tagvsatisgabe des jiklisehen Touristen hat dieser durch seinen lan* gen Aufenthalt das Doppelte von dem aus* gegeben, was der christliche Tourist ver* braucht hat. Der arabische Besucher hat wie« derinn ungefähr nur die Hälfte des Betrages ausgegebcu, den der christliche Tourist im Lande gelassen hat. Sommertouristik Nach einer zweijährigen Pause hat in die* sem Sommer wieder eine stärkere jüdische Palästina-Touristik eingesetzt. Ls handelt sich fast zu 100״״ um amerikanische Juden, die in den Monaten Juni und Juli eine Palästinareise nicht scheuen. In diesen Monaten ist es auch in großen Teilen der Vereinigten Staaten sehr warm. f>a es außerdem die allgemeine Ferien- und Urlaubszeit ist, so können sich amerikanische Juden, die im Berufs* leben stellen, nur uni diese Zeit eine Urlaubsreise gönnen. Man kann feststellen, daß die amerikanischen Touristen mit ihrem Aufenthalt im Lande durchaus zufrieden sind und nicht unter dem Klima leiden. Sie besuchen alle wichtigen Sicdlungspunkte des Landes, und die sommerliche Wärme hindert sie keineswegs, einen gründlichen Einblick in das pa« lästinensischc Leben zu nehmen. Es ist wichtig, auf diese Tatsache immer wieder hinzu* weisen, weil sich leider im Ausland die Meinung eingenistet hat, daß man Palästina nur zur Frühjahrszeit besuchen können. Touristenwerbung Das Zionistische Informationsbüro für Tou* risten und der Palestiiie k Egvpt Lloyd, Jerusalem, haben auf dem XX. Zionisienkongreß in Zürich im Rahmen des Kongreß-Reisebüros eine besondere Koje, Zum ers teil Male wird auf diese Weise die (ielegen heit des Kongross ,es benutzt, um für die Palästina -Touristik zu werben. Dabi ei hainlel t es sich nicht nur (lamm, den Kongreßteilnehmern!!!•formationen zu erteilen, sondern man will die Besucher dafür gewinnen, sich der Propaganda der Palästina-Touristik in ihren Heimatländern anzunehmen. Ans diesem Grunde hat das Zionistisehc Informationsbüro Reisevorschläge der verschiedensten Arten ,׳nisgearbeitet, um sie den Besuchern zur Verfügung /!! stellen. Die palästinensischen Hotels und Yerkehrstmternehmungen haben Prospekte und Plakate nach Zürich gesandt. Besonders soll der Versuch gemacht werden, die zionistischen Stellen des Auslandes zu veranlassen, daß sie Gruppenreisen nach Palästina aiissciircibeii und durchführen, wobei die beiden palästinensischen Institmionen tatkräftig lielfen werden. — Anlaßlieh des Kongresses ist die zweite Nummer der illustrierten Zeitschrift ״Beaufiful Palestiiie“ erschienen, die der Werbung einer Herbsttouristik nach Erez Israel gewidmet ist. Verkehrswesen Am 1. Juni 1937 ist der neue Zentral* bahnhof — unmittelbar am Hafen — in Haifa eröffnet worden. Es ist dies die erste moderne Bahnhofsanlage in Palästina, ein zweckmäßig angelegtes Gebäude von gefälligem Äusschcn. Die Bahnsteige sind nicht überdacht, obgleich der Bahnvcrwalttmg nicht entgangen sein dürfte, wie intensiv in Palästina die Sonncnstrahlung während des Sommers und der Regen im Winter zu sein pflegen. — In Tel Aviv ist ein provisorischer Per sonenbali nhof östlich der Petaeh-Tikwah- Straße errichtet worden. Ob dies der definitive Platz für den neuen Personenbahnhof der Stadt sein wird, ist noch unbestimmt. Die Stadt- Verwaltung von Tel Aviv kämpft darum, daß der zukünftige Bahnhof in der Nähe des Rothschild-Boulevards errichtet werde. Der Flughafen von L 11 d d, als zentraler palästinensischer Flugplatz, hat jetzt eine direkte, ausgehaute Autostraßcnverbindung mit Tel Aviv־. Die Flugzeuge der imperial Airwavs werden in Zukunft ebenfalls Ludd und nicht mehr Ga/a an fliegen. -. Die italienische Fluggesellschaft Ala Fittoria hat ihren Dienst nach Palästina verstärkt und läßt ihre Flugzeuge jetzt dreimal wöchentlich in jeder Riehtung verkehren. Die jüdischen Siedlungen des Emek Jesreel sind jetzt durch eine gute Autostraße miteinander verbunden. Diese Ghaussee führt von Nahalal über Raniath David, Gevatli, Sarid, üinegar nach Afule und von dort über Gewa, Ain Charod und Tel-joset nach Shatta utid Bcth Alpha. (Schluß des Palästina-Teils)

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