Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1937)
- Date
- 1937-08-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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I .1 Seite 12 Die Entwicklung der Haifa-Bay Die Siedlungen in der Haifa-Bay: Kiriath-Chaim, Kiriath- Motzkin und Kiriath-Bialik haben innerhalb weniger Jahre eine großartige Entwicklung durchgcniadit. Kiriath-Cliaim, für dessen Errichtung der KKL seinerzeit 3300 Dunam Land zur Verfügung gestellt hat, ist heute die größte Arbeitersiedlung des Landes. Die ersten Häuser wurden Anfang 1933 errichtet, heute wohnen dort mehr als 5000 Menschen, Von den 1300 in Kiriath-Chaim ansässigen Familien leben 028 in Einzelhäusern, 52 in Gemeinschaftshäusern und 300 in den fünf in Kiriath-Chaim ansässigen Kibbuzim, nämlich der Plugath-Hajaru, der Kwuzath-Hajam des Noar Owehd und den drei Kwuzoth des Schomer Hazair: Mi5chmar Zcbulun, Ejn-Hamifraz und Atrial. (Für diese drei Kwuzoth ist übrigens gerade ein für Palästina neuartiges und wichtiges Projekt, die Errichtung einer Tonziegelfabrik in der Haifa-Bay, im Entstehen.) Rund 100 Häuser sind erst in allerletzter Zeit errichtet worden. Damit ist der Ostteil Kiriath-Chaims zwischen der Chaussee Haifa—Akko und der Eisenbahn fast völlig bebaut, und der Westteil zwischen den Gleisen und dein Strand wird zur Besiedlung vorbereitet. Zu diesem Zweck wurden 193637 bereits 15 000 Pfund für Straßenbau ausgegeben, und nun stehen die ersten Bauten mit 28 Wohnungen für Eisenbalmarbeiter, 22 Wohnungen in Gemeinschaftshäusem tisw. vor dem Beginn. Auf dem Gesamtgelände in Kiriath-Chaim ist Raum für 2500 Familien in Einzelhäusern, 2800 in Gemeinschaftshäusem und 400 in den Kibbuzim. Kiriath-Chaim besitzt bereits eine Reihe öffentlieber Institutionen und Bauten: eine Schule mit 16 Klassen, 3 Kindergärten, eine Unfallstation, ein Postamt, ein Kooperativ-Restaurant und eine Kooperativ-Bäckerei, eine Verkaufsgenosscnschaft mit 6 Filialen und dem Waad, in denen insgesamt über 150 Personen beschäftigt sind. Der Etat der Siedlung 103637׳ beläuft sich auf 12 000 Pfund, von denen ein Zehntel dein Emehungswesen gewidmet ist. In Schule und Kindergärten werden über 1006 Kinder erzogen. Ohne jede Regierimgsbeihilfe wurden Straßen in einer Länge von 18 km verlegt. I)eil Wirt der öffentlichen Anlagen Kiriath- C.hainis beziffert inan mit 511000 Pfund, den Gesamtaufwand für die Siedlung bisher mit 401)000 Pfund. K i r i a t h - M 0 t z k i n, tlie hinier Kiriafh-Cliaim in der Richtung nach Akko liegende Siedlung, beging vor kurzem den dritter! Jahrestag־ ihrer Gründung.!11 Motzkin stehen heute rund 275 Häuser mit 70() Raumen (davon knapp 20 Läden). Ucber 100 Hä user davon sind erst während des letzten Jahres entstanden. Anfang 1035 wohnten in Motzkin 450 Personen, bei dir letzten Zählung Ende 1035 schon 1233, und da — wie geschildert — die Siedlung inzwischen enorm gewachsen ist, ist. auch die Zahl der Einwohner entsprechend gestiegen. Für die 276 Schiller, die Ende 1936 Mot/kins Schule besuchten, und die von 16 Unterrichts- und Hilfskräften befreut werden, wurde jetzt ein neues Schulgebäude errichtet. Geplant ist die Errichtung einer Synagoge. K i r i a t h - B i a I i k, die Siedlung der Olim aus Deutsch- Iand,_ hat ungefähr 500 Einwohner. Die Errichtung von ״Bialik B•‘ dureli die Rasco wird diese Zahl ebenfalls stark ansfelgen lassen. F'ür die Gesamtanordiiung der Haifa-Bay liegt bekanntlich ein genauer und umfassender Siedlungsplan vor, der die bereits bestellenden Siedlungen ein bezieht und Leben und Verkehr nach den modernsten und bequemsten Gesichtspunkten regelt. Die Errichtung eines Badestrandes, von Sportplätzen und Grünflächen ist vorgesehen. Häuser, Verkelirsstraßcn und Wege sind so verteilt, daß sich die geringstmögliche Gefahr für die Einwohner und kaum eine Belästigung durch Staub und Lärm ergibt, so daß die Sied- Jungen der Haifa-Bay wirklich zu ruhigen Vor- und Erholungsorten der Stadt Haifa werden. Alfred Markus, Haifa Bankkredite Die Wirtschaftsheilage des ״Haarez“ vergleicht, wie uns aus Tel Aviv geschrieben wird, den zweiten Halbjahresbericht der Regierung über das palästinensische Kreditwesen mit dem vorausgehcmleri und kommt zu folgenden Schlüssen: Die Gcsamtkreditsiimnie von Oktober 1036 bis April 1037 ist gegenüber dem vorangehenden Halbjahr um etwa 5 °> gestiegen, aber diese Steigerung betrifft keineswegs alle Wirtschaftszweige gleichmäßig. In der Orangemvirtschaft und im Kleinhandel zeigt sich ein sehr starkes Absinken des Kredits, das aber saisonbedingt ist. Die Steigerung der Kredite für den Großhandel hat wiederum ihren Grund darin, daß die Weltmarktpreise steigen und damit auch die Tendenz herrscht, die Warenlager zu vergrößern. Dieselbe Tendenz muß natürlieh auch in der Industrie herrschen, und darum nimmt es wunder, daß der 111 dustriekredit sich in der Berichtsperiode nur um 0 ״’׳ vc:gr<)!Serte. Dazu zeigt sich hei näherer Prüfung, daß an diesem Kredit/uwachs mir die Nahrungsmittelindustrie und die Oel- und Seifenindustrie Anteil hatten. In allen anderen Industriezweigen ist der Kredit gesunken, sie haben also keinen Kredit zur Beschaffung von Rohstoffen erhalten. Gestiegen ist auch der Baukredit der Banken. Allerdings ist es hier nicht leicht, einen Uebcrhlick zu gewinnen, denn die Hypothekenbanken sind in den Bericht nicht einbezogen, ebenso nicht die privaten Geldgeber. Trotzdem läßt diese sehr erhebliche Steigerung (eine Vierfeimillion Pfund) gewisse Schlüsse zu, besonders da auch der Kredit für Bodenkaut sich um 20 011 erhöht hat, ebenso der Kredit an Privatpersonen um 17 ו, ׳, wovon sicher ein Teil der Bauwirtschaft zugute kam. Auch die gemischte Landwirtschaft «fuhr eine Kredit- Steigerung um 23 gä (£ 183 000). Zur Frage des r ndustriekredits schreibt die Wirt- Schaftszeitung ,,Hatneschek haschitufi“: Der Industriekredit wird ein immer ernsthafteres Problem. Man schätzt die Gesamtsumme des kurzfristigen Kredits auf rund eine Million Pfund. Der Kredit auf mittlere Fristen stellte lange Zeit ein ungelöstes Problem dar. Erst in den letzten Jahren wurde die Lage durch die Gründung einer speziellen Abteilung für Industriekredite an der Anglo Palcstine Bank etwas crleichtert. Diese Abteilung gibt der Industrie dreijährigen Kredit gegen Verpfändung des Inventars für Investitionen und lautende Ausgaben. Die Anleihen werden in Raten zurückgezahlt. Die Durchschnittssumme dieses Kredits belief sich in den Jahren 1034 und 1035 auf £ 17 000, im Jahre 1036 erreichte sie £ 60 000. Diese Krediterwciterung wurde durch die Hilfe der Jewisl! Agency möglich gemacht, die einen Sicherheitsfonds he reitstellte. Jetzt soll diese Kreditmöglichkeit noch durch Annahme von Waren als Pfandobjekt erweitert werden. Bei dem Absinken der Kaufkraft ist die Verpfändung der Fertigware für die Industrie die einzige Möglichkeit, über die schwierige Zeit hinwegzukommen. Auch die Beleihung der Rohstoffe wird jetzt nötig. Früher bekam die Industrie diese auf Kredit geliefert, jetzt nach der Hebung der Welfmarktlagc müssen die Gelder für den Ankauf der Rohstoffe durch hiesigen Kredit beschafft und die Rohstoffe dagegen verpfändet werden. —MAGISTER KIRSCH- Der gute llkftf Ma0iSt«r»Uk*rt**r4lc, MQnon*n VII■ Mi m bnlth. durch dl« , p• r nV#rd Bpivic, Bi1rg«tr*fie 3 / PM; Bf 43 40 Nr. 62, 6. VIII. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Fragen der Sozialarbeit Vom Sozialarbeiterinnen-Verband In den ersten Julitagen fand in Jerusalem eineZusammenkunft der beamteten Sozialarbeiterinnen Pal äst in as statt, bei der Frau Szold den neubegründeten Sozialarbeiter-Verband begrüßte. Sie forderte die Arbeiterinnen auf, über ihre Arbeitssorgen zu reden, und das Hauptthema der Aussprache wurde — mehr zufällig als geplant, aber charakterretischerweise, da es der Anfangs- und Endpunkt aller Ueberlegungen ist — die Geldbeschatfungsfrage: Stärkere Heranziehung der Regierung, der Jewish Agency, der Gemeinden, intensivere Erfassung der Öffentlichkeit tisw. Nur am Schluß hob die Vorsitzende Sinn und Ziel des Verbandes deutlich heraus und legte einen Statuten-Entwurf vor, der später in interner Sitzung näher besprochen wurde. — Nicht diese Aussprache, aber die Tat- Sache des neuen Verbandes ist bemerkenswert. Es ist hier wiederholt darüber geschrieben worden, daß der Aufbau sozialer Aemter eine Leistung der allerletzten Jahre ist. Die Arbeit, die tastend in Jerusalem begann, hat zur Schaffung eines sich immer weiter spannenden Netzes geführt — gerade in diesen Wochen eröffnet man neue Aemter in Safed und Sichron-Jakob — und die wenigen ersten Pioniere der Arbeit sind heute Glieder einer Beamten- Schaft. Allerdings auch diese Beamtenschaft ist noch nicht groß (der Verband umfaßt etwa 63 Mitglieder), und jeder einzelne hat weiter die Funktionen eines Pioniers. So trägt auch der Verband einen zwiefachen Charakter: er will die Lohn- und Urlaubsverhältnisse, das Versicherungswesen, die Arbeitsvermittlung unter den Mitgliedern ordnen lind erscheint so als Organisationsform einer in ein geordnetes Stadium getretenen Berufsgruppe. Mit dieser Begründung hat er sich der Allgemeinen Arbeiterorganisation Palästinas angcschlosscn. Dieser Anschluß war' keine ganz leicht durchzuführende Aktion. Nicht nur unter den Mitgliedern bestanden einige Bedenken (die U. a. zu Sonderbestimmungen für die Mitglieder des Misrachi führten), auch die Histadruth zögerte. Sie hatte die organisierte soziale Arbeit ideell jahrelang bekämpft und es war ihr nicht leicht, ihr Ressentiment zu überwinden und die Berufsgruppe der Sozialarbeiter mit ihren speziellen Arbeits- und Ausbildungserfordernissen als Teil der allgemeinen Arbeiterschaft zu verstehen. Diese Normalisierung der äußeren Arbeitsbedingungen als Ziel tritt aber bei der Leitung des Verbandes hinter einem zweiten zurück: der inneren Regelung der Arbeit. Die Zusammensetzung der palästinensisehen Sozialbeamtenschaft und ihr Aufgabengebiet ist von dem europäischen durchaus verschieden. Der Sozialarbeiterkreis der europäischen Länder besteht normalerweise aus einsnrachigen, einheitlich erzogenen und in sozialen Schulen für ihren Beruf speziell vorbereiteten Menschen. Der kleine palästinensische Verband umfaßt statutengemäß: Absolventinnen der sozialen Frauenschule in Jerusalem, eingewanderte Berufsfürsorgerinnen, die im Ausland soziale Schulen beendet haben, und!Menschen, die schon vor dem März 1936 mindestens zwei Jahre lang als besoldete Sozialarbeiter tätig waren, ohne eine spezielle Ausbildung genossen zu haben. Diese Dreigliederung läßt sich Beliebig untergliedern; denn die von Frau Wronsky ins Leben gerufene Soziale Frauenschule nimmt (den Bedingungen des Landes entsprechend) sehr verschiedenartig vorgebildete und in früheren Berufen erprobte Mädchen und Frauen auf. Die eingewanderten Fürsorgerinnen kommen aus vielen Ländern (vorwiegend aus Deutschland, England, Amerika), von denen jedes sein eigenes Ausbildung*- und Arbeitssystem entwickelt hat. Noch uneinheitlicher in ihrer Vorbildung, Erfahrung und Arbeitsart sind naturgemäß die nur aus der praktischen Arbeit hervorgegangenen. Eine so vielfältige Zusammensetzung kann die Arbeit schwer hemmen; sie kann aber auch wertvoll sein, wenn es gelingt, die besonderen Kräfte der einzelnen zu regulieren, und die verschiedenartigen Ideen in der einheitlich geführten Gesamtheit fruchtbar werden zu lassen. Der Verband soll hierbei Wichtiges leisten: er faßt die Mitglieder in Arbeits- Sitzungen zusammen, veranstaltet in den lokalen Zentren Seminare und Aussprachen, wird Rundschreiben herausgeben, kontrolliert die Neuci«Stellungen und Entlassungen und gewinnt damit auch Einfluß auf den praktischen Vorbereitung*- gang der Eingewanderten und Neuausgebiideten. Marg. Turnowsky-Pintker Eine Gefahr für den Jischuw Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht, wie uns aus Tel Aviv geschrieben wird, G. Szochawitzki iin ״Haarez“ eine Darstellung der Lage der sozialen Fürsorge in Tel Aviv. Die Probleme der Hilfsbedürftigen sind in Paläsfina durch die Einwanderung besonders kompliziert. Und gerade Tel Aviv besteht in einem ganz hohen Prozentsatz aus Neucinwanderern. Die soziale Fürsorge befaßt sich nicht mit Fällen gewöhnlicher Arbeitslosigkeit, die durch Notstandsarbeiten oder durch einen wirtschaftlichen Umschwung behoben werden können. Ihr Feld ist in erster Linie die Fürsorge für Menschen, die aus verschiedenen Gründen für eine Ein* Ordnung in das wirtschaftliche Leben Palästinas an sich ungeeignet sind. Naturgemäß finden sich solche Menschen gerade unter den Einwanderern, und so ist der Zustand der sozialen Hilfsarbeit gerade in Zeiten der Hochkonjunktur mit großer Einwanderung keineswegs günstig. Eine Wirtschaftskrise aber trifft die sozial schwachen Elemente immer zuerst und am heftigsten. Augenblicklich sind bei der Abteilung für soziale Hilfe der Stadtverwaltung Tel Aviv 4000 Familien eingcschrieben, dazu kommen noch mindestens tausend Familien, mit denen die Gemeinde und die Olej Germania befaßt sind. Das sind im ganzen etwa 5000 Familien oder 20 000 Seelen. Es gibt in Tel Aviv allein 9639 Kinder, deren sich öffentliche Institutionen in irgendeiner Form annehmen müssen. Davon sind 1059 Waisen, 720 verlassen, 1724 Kinder von Arbeitsunfähigen, 2250 Kinder neuer Immigranten, die noch keine Existenz gefunden haben und 3886 Kinder Erwerbsloser. Das sind etwa 20 «o aller Kinder von Tel Aviv. Das schlimmste ist, daß die Gefahr bestellt, daß sehr viele der jetzt betreuten Menschen auch bei Besserung der Wirtschaftslage nicht mehr die Kraft haben werden, sich einzuordnen. Sehr viele von diesen sind Neueinwanderer, die ins Land kamen, ohne daß die Zionistische Organisation Einfluß auf ihre Auswahl nehmen konnte. Das gilt besonders von den Einwanderern aus orientalischen Ländern. Arbeitslosigkeit löst dort häufig die Familienbande, die Männer verlassen die Familie, die hilflos zurückbleibt. Dazu kommen noch die Fälle von Invalidität oder Tod des Ernährers. So sieht sich die soziale Abteilung einer großen Anzahl hoffnungsloser Fälle gegenüber, die sich zweifellos bei Anhalten der Krise noch vermehren werden, ohne daß zu erwarten ist, daß sie sich bei einer Besserung der Wirtschaftslage wesentlich vermindern. Nur völlig neue Methoden sozialer Arbeit mit Abbau jeder Philanthropie —־ sovygit das möglich ist — können liier Wandel schaffen. -ך!׳ Tel Aviver Kunstbericht Tel Aviv, im Juli Im ״Oliel Schern“ veranstalteten eine Reihe Tel Aviver Künstler einen Abschieds-Abend für den Schauspieler Abraham Skiarsch, der sich nach Amerika begibt, um dort Wirkungsmöglichkeiten zu finden. Ben-Zion Jedidjah bedauerte, daß die palästinensischen Bühnen eine so starke Begabung wie Skiarsch nicht in ihr Ensemble eingegliedert hätten, obwohl es sehr an jungen, talentierten Kräften mangele. Skiarsch, ein geborener Palästinenser, der längere Zeit an Berliner Bühnen tätig war, hat sein Können im Rahmen des ״Theatron Ivri“, zuletzt in der Titelrolle von O’Neills ,,Kaiser Jones“, wiederholt unter Beweis gestellt. Bei dieser Abschiedsveranstaltung trat er mit einer Rede aus ״Othello“ und in einer Szene aus Pagnois ״Marius Ahoi!“ — assistiert von seinen Kollegen aus dem ״Theatron Ivri“ — vor das Publikum. Von den übrigen Mitwirkenden seien der ausgezeichnete Pianist Alexander Buch, die Sopranistin Lotte L a u f f e r (von Abraham Daus am Flügel begleitet) und der Bariton Mordechai Roth genannt. In Tel Aviv gastiert das Ehepaar Behal, unterstützt von dem Schauspieler Wolf Berlinski und dem Komponisten Dr. Alsberg, die sonst in Haifa die Kabarett- Kunst pflegen, Hans Behal, von den Barnowsky-Biihnen her als Schauspieler in Erinnerung, ist die Seele des kleinen Unternehmens, Conferencier, Darsteller, Textdichter; und es ist anerkennenswert, daß die Leichtigkeit seines Tons kaum darunter leidet, daß ihm die hebräische Sprache noch Schwierigkeiten bereitet. Von den Chansons gelingen die unpolitisehen am besten, und wenn wir ihm raten dürfen, möge er die Politik überhaupt aus dem Spiel lassen. Eine gewisse Eintönigkeit läßt sich bei einem Programm, das nur drei Personen bestreiten, kaum vermeiden. Frau Behal bringt ein Reise-Chanson sehr hübsch, Berlinskis Araber- und Jemeniten-Parodien sind spaßig, aber eher zur Unterhaltung eines privaten Kreises als eines Kabarett-Publikums geeignet. Das gleiche gilt von der Othello-Parodie. Im Rundfunk hörte man unter dem Titel ״Im Anfang...“ eine zweite hebräische Hörfolge von Elieser Lubrany, der auch wieder Regie führt. Der dramatische Teil des Spiels konzentriert sich auf die Schwierigkeiten, die die erste Alijah der ״Biluim“ zu überwinden hatte. Anschließend wird ein Querschnitt durch die folgenden Jahre, von der Eroberung des Bodens, vom Wachsen des jüdischen Jischuw gegeben, der sich allerdings infolge der Knappheit, die das Mikrophon verlangt, hauptsächlich darauf beschränkt, die einzelnen Phasen und ihre Jahreszahlen titclartig ansagen zu lassen. Eine Illustrierung dieser Einschnitte erfolgt durch die jeweils charakteristischen Lieder der Chaluzim. Die Wasserbohr-Szene war funkisch sehr wirksam gestaltet. Als Sprecher bewährten sich wieder die Mitglieder der Amateur-Oruppe, die bereits bei der vorigen Aufführung mitwirkten. Nur der an sich nicht unbegabte Darsteller des ״Jechiel Michels“ kopierte den Habiman-Sehauspieler Fried-!and bis zur Unerträglichkeit. — In der Kinder stunde des Jerusalemer Senders spielte das Schüler-Orchester des Tel Aviver Musik-Konservatoriums ״Tel Aviv“ unter Leitung seines Dirigenten Harry B1 u m b e r g Werke von Dittersdorf (besonders hervorgehoben sei die Leistung der jugendlichen Pianistin), Händel, Vivaldi, Sternberg und Nardi, sowie eine kleine, ansprechende Komposition einer 12jährigen Konservatoriums-Schülerin. Der bereits früher gewonnene Eindruck wurde bestätigt, daß Mer durch die gründliche Schulung berufener Lehrkräfte ein sehr begabter und hoffnungsvoller Orchester-Nachwuchs herangebildet wird. — Elieser Lubrany brachte zum Abschluß der Veranstaltung den jungen Hörern Persönlichkeit und Werk Marconis nahe. Manfred Geia Weltzentrum für jüdische Musik in Erez Israel Ehe musikalische Erneuerung unseres Volkes schreitet nur langsam voran. Den aufopfernden Bemühungen einzelner Musiker, der jüdischen Musik den ihr gebührenden Platz im Leben des jüdischen Volkes zu verschaffen, mußte ein durchgreifender Erfolg versagt bleiben. Hierzu bedarf es einer umfassenden Organisation, die alle Kräfte — die produktiven und reproduktiven — sammelt und diese ihrer wahren Bestimmung, am Aufbau und Neugestaiten einer ei genen Musikkultur mitzuscliaffcn, zuführt. Es stellt außer Zweifel, daß diese Arbeit nur von einer Stelle aus geleitet werden kann, die von einer einheitlichen Idee getragen wird. Erez- Israel ist der geeignetste Boden, eine derartige Bewegung auszulösen, die Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Im Oktober 1936 konstituierte sich in Jerusalem ein Initiativ-Komitee, das sich die Schaffung eines ״Weit-Zentrums für jüdische Musik in E r e z -1 s r a e 1“ zur Aufgabe gesetzt hat. Der Widerhall auf die erste Verlautbarung des Komitees war ein starker. Von der Ueberzeugung getragen, daß eine derartige Zentral-institution eine dringende Notwendigkeit geworden ist, haben viele namhafte Komponisten ihre aktive Mitarbeit zugesichert. Einige Musiker, aarunter Ernest Bloch, Milhaud, Max Ettinger, Ssaminsky, Stutschewsky haben in längeren imd ein- Musikbewegung. Als wichtige Aufgaben sind vor gesehen: Die Gründung einer eigenen Organisation, Schaffung eines jüdischen Welt-Musikverlags und einer Zeitschrift für jüdische Musik; Komitees zur Pflege und Förderung jüdischer Musik sollen ins LeBen gerufen, ein Welt-Kongreß jüdischer Mti s! k e r in Erez-Israel vorbereitet werden. Die offizielle Konstituierung des Welt-Zentrums erfolgt, nach einer Vereinbarung mit dem Waad-Leumi, zu Sukkoth. Hierzu werden alle jüdisehen Musiker Erez-Israels eingeladen. ln der richtigen Meinung, daß der Zionisten-Kongreß durch Anerkennung dieser Bestrebungen den nationalen Charakter der Bewegung unterstreichen und dadurch die Arbeit beschleimigen wird, überreicht das Initiativ-Komitee an den diesjährigen Kongreß eine kurze Musik-Resolution. Joachim Stutschewsky, Wien. Von der neuen hebrätschen Zeitschrift סיגי deren erstes Heft am 7. Juni besprochen wurde, sind inzwischen zwei weitere Hefte erschienen. Beide bringen in der Einleitung Beiträge von Oberrabbincr K u k. Der Herausgeber, Raw Fischmann, setzt seine Neuausgabe des ״Seacr Tannaim weamoraim“ fort, und beginnt eine Geschichte des Misrachi und seiner Entwicklung. Ebenso wird das Drama ״Der Tag Jerusalems“ fortgesetzt (Verfasser Ari ibn sahaw). Sehr interessant sind die Beiträge über die Verschiedenheiten der Minhagim zwischen Erez Israel und Babel (von Dr. B. M. Lewin), über den Chassidismus (von Jizchak Werfei), über die Stadt Sura (von M. Judelewitz). Rabbiner Dr, A. Posne«