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Jüdische Rundschau · 1937-08-06 · Heft 62 (6.8.1937) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 62 (6.8.1937)
Date
1937-08-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 62, 6. AUGUST 1937 Von der Woche Der Panarabische Kongreß ist für unbestimmte Zeit verschoben worden, da es seinen Organisatoren nicht gelungen ist, einen Tagungsort ausfindig zu machen. Die Regierungen von Syrien und dem Irak haben die Abhaltung des Kongresses auf ihrem Gebiet verboten. Die Vertreter des Mufti sind angeblich bemüht, die Abhaltung des Kongresses, der in dieser Woche in Damaskus eröffnet werden sollte, in einem anderen Laude 7.u ermöglichen. Eine Abordnung des arabischen Frauenkomitces, in dein Mohammedanerinnen und Christinnen vereinigt sind, hat bei dem anglikanischen Bischof Protest gegen die Rede des Erzbischofs von Canterbury bei der Palästinadeb.itte des Oberhauses erhoben. Die Abordnung sprach sich gegen den Teilungsplan aus, weil er die natürlichen Rechte und »alionalcn Bestrebungen der Araber schädige. In der Altstadt von Jerusalem wurde ein Araber in der Nähe der Grabcskirche von einer unbekannten Person nachts angeschossen, er erlag später seinen Wunden, Die Tat geschah am selben Platz, au dem am letzten Freitag Schein Ismael Najar verwundet worden war. Es verlautet, daß die italienische Regierung die Absicht habe, ein Konsulat in Transjordanien und Vizekonsulate in Jaffa und Tel Aviv zu errichten. Die bekannte Araberfreimdin Miß Newton hat sich aus Haifa nach Genf begeben, um dort die Aktion zugunsten der palästinensischen Araber zu unterstützen. Bei Beer Tuwiah, 27 km südöstlich von Rechovotli, wurde eine neue Siedlung, die den Namen Kfar Menach em erhalten hat, gegründet. Chaluzim aus Giwat Brenner .haben den Siedlungspunkt besetzt. Vor kurzem wurde mit dem Bau der neuen Chaussee von Petach Tikwah nach Kfar Syrkin begonnen. Die Brücken, die im Zuge der Straße liegen, werden von der Regierung gebaut. Bei dem Bau der 3(2 km langen Straße sind 20(1 Arbeiter beschäftigt. Wie die Tageszeitung .,Dawar“ meldet, hat die Regierung der Stadtverwaltung von Petach Tikwah einen in der Nähe gelegenen Komplex von 200 Dunain zur Errichtung einer neuen Siedlung überlassen. Die neue automatische Teiep hon zentrale in Jerusalem wird voraussichtlich im Januar den Betrieb aufnehmen. Durch diese Zentrale werden 20 000 Teilnehmer bedient werden können. In der letzten Woche sind 27 neue Unternchmun• gen mit einem Kapital von über 118 000 Pfund gegründet worden. Vier bestellende Aktiengesellschaften haben ihr Kapital von 25 000 auf 47 000 Pfund erhöht, und zwar die Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik Elit, die Union-, Bau- und fnvesticrungsgeselischaft, die Hadar Hacarmel-ßank und die Davids Ltd. Die erste zivile Luftlinie in Palästina wurde auf der Strecke zwischen Litdd und Haifa eröffnet. Der Luftdienst soll auch aut andere Linien ausgedehnt werden. Der Zentralausschuß des Jüdischen Aerzteverb a n d e s in Palästina hat an die jüdische Bevölkerung Palästinas und an den Kongreß eine Erklärung gerichtet, die lyjh. mit der Lage der jüdischen Aerzteschaft beschäftigt und die Forderungen der Aerzte zusammenfaßt. Teilung und Verständigung Eine Stellungnahme Smilanskis Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: ״Haarez“ veröffcntlicht einen Artikel von S m i 1 a n s k 1, der besonders dadurch interessant ist, daß in ihm die Problematik der Verhandhmgen behandelt wird, die vor einem Jahre während der Unruhen zwischen jüdischen und arabischen Führern geführt wurden. Auch Dr. Magnes hat in seiner Vcröffentlicluuig in der ״New York Times“ (siehe ״Jüdische Rundschau“ Nr. 58) diese Verhandlungen erwähnt. Sinilanski meint, daß die Zionsliebe immer mit der Vorstellung in Palästina ein Mchrlieifsvolk zu werden verbunden war. Ein gesunder politischcr Instinkt habe die Juden bei dieser Vorstellung geleitet. Ungesund aber war ein anderes Produkt der langen Epoche der Zerstreuung, das Sichverstecken vor der Wirklichkeit. So hat man sich 60 Jahre lang in der Araberfrage Illusionen hingegeben. Es wäre möglich gewesen, sie in einem früheren Stadium zu mildern durch eine rechtzeitige Verstärkung unserer Positionen und durch Annäherung an die Landesbewohncr. Man hätte die Araber mit unseren wirtschaftlichen Unternehmungen enger verbinden können, man hätte mehr Rücksicht auf ihre Gefühle nehmen müssen. Wir aber haben nichts dergleichen getan und sind in unsere heutige Lage geraten. Jetzt sei nicht mehr der Zeitpunkt für Verbandhingen mit den Arabern am runden Tisch. Vor einem Jahre dachte ich mit andern, daß es unsere Pflicht sei, uns solchen Verhandlungen nicht zu entziehen, und daß man in letzter Stunde noch retten müsse, was zu retten blieb, durch beiderseitigen Verzicht. Wenn ich vor einem Jahre noch so dachte, so war cs, weil ich keinen andern Ausweg vor mir sah. Wenn wir bereit waren, die Höhe der Einwanderung bis auf 30 000 jährlich für den Zeitraum von zehn Jahren zu begrenzen, so waren wir das aus zwei Gründen: erstens weil wir in keinem Falle eine wirtschaftliche Möglichkeit für eine größere Einwanderung sahen, zweitens um Zeit zu gewinnen. Zehn Jahre Ruhe schienen uns unschätzbar. Wir dachten natürlich niemals an einen prinzipiellen Verzicht auf die Majorität im Lande. Heute würde ich solchen Bedingungen nicht mehr?»stimmen. Wir keimen jetzt einen rationaleren Weg, den Weg der T e i - 111 n g. Heute ist nicht mehr die Stunde für provisorische Lösungen, heute muH man sich mit endgültigen Regelungen befassen. Auch heute kann es Verhandlungen um den runden Tisch geben, aber auf veränderter Grundlage. Denn diesmal würden wir den Arabern als ein Mehrlieitsvolk iri eigenem Gebiete gegenübertreten. Deshalb ist heute auch nicht mehr die Stunde für den Vorschlag, der in diesen Tagen von antoritativer Seite gemacht wurde, nach dem den Juden eine namhafte Minderheit in Palästina lind Transjordanien garantiert werden solle. Dieser Gedanke hätte in einer früheren Epoche zum Segen werden können, heule ist die Möglichkeit vorzuziehen, im fruchtbarsten Teile des Landes das Mehrhciisvolk zu werden. Grenzen des Kompromisses Der Sonderkorrespondent der ״Times“ in Jerusalem, der noch vor kurzer Zeit eine stärkere Verhandlung«- bereitschaft unter den Arabern Palästinas feststellen zu können glaubte (siebe ״J. R,“ Nr. 60), schreibt in der Nummer vom 3. August, daß die Atmosphäre, die einem arabisch- Palästinas modernste Straße Zu Palästinas modernster Straße hat sieh der ״Kin gsivap“ in Haifa entwickelt. Diese Straße liegt auf dem Gebiet, das beim Bau des Hafens dem Meere abgewonnen und trockengelegt wurde und läuft sowohl parallel dem llauptkai wie der Eisenbahnlinie. Die Bebauung erfolgt einheitlich mit großen Bürohäusern, die sämtlich in den nächsten fünf Jahren zu Hochhäusern von mindestens sieben Stockwerken ״auf gestockt״ werden müssen. Eine besondere Eigenart des Baustils dieser Straße sind die!i44.it^^ 4 * 444 sigen ״Sehallenplalten", die, ohne jede Unterstützung durch Pfeiler, weil über das Trottoir vorspringen und den Passanten auch während der heißesten Mittagsstunden Schatten gewähren. — Ein großer Teil der llaifaer Handels- und insbesondere der Schiffahrts-Firmen hat sich bereits heute am Kingswap konzentriert. Auch der neue Hauplbahnhof liegt am Kingswap. Das Bild links zeigt einen Blick auf einen Teil des ״Kingsjüdischen Kompromiß zur Vermeidung der Teilung günstig war, sich jetzt wieder zu verflüchtigen scheine. Der heftige Widersprucli gegen die Vorschläge Lord Samuels durch die Zionist*sehe <)rgamsation habe die Araber über die Grenzen belehrt, jenseits derer es für die Juden kein Kompromiß mehr gibt. Die Araber selbst weigern sich, obwohl sie an ihren vermittelnden Auffassungen noch festhalten, das Prinzip einer ständigen arabischen Mehrheit aufzugehen. In der zionistischen Entscheidung, eine solche Bedingung abzulehnen, wird nach Ansicht des Berichterstatters keine Aendmmg eintreten. Es ist auch weiterhin nach seiner Ansicht nicht m i t U n r u 11 e!1 zu r e c h n e 11, aber die arabische Entscheidung, die Teilung abziilelinen, ist docli erschwerend. Gemäß vertraucnswiirdigen Informationen würden im Norden Waffen gesammelt mit der Absicht, mit Gewalt jedem Versuch, den Plan aiiszutiihrcn, ciitgegenzutreten. Wie der Berichterstatter weiter mitteilt, wird der Ent- Wicklung des Negew jetzt besondere Aufmerksamkeit zugewandt, und eine Gruppe amerikanischer Juden arbeitet mit der Regierung zusammen, um eine völlige geologische liebersicht Uber das Gebiet zu gewinnen und fesl/ustellen, in welchem Ausmaße dort Wasser zu finden sein wird. Ls wird behauptet, daß, ob mm die Teilung verwirkliehl wird oder irgendein anderer Plan, eine ״( .'hnrtered ( schein Kapital für die Entwicklung des N Anstellung von Juden und Arabern gegi ämipany“ mit judi- ■gew sowie für die umlct werden soll. ״Die einzig sichtbare und praktische Lösung" Zu den Ve Züricher Kong: einem Leitaitik rliau des cor punkt es gen in Kongress die llaup in Weste zu wjder Ländern, der Ma wendet Zürich Miß ■dalzti. nocl!stutzen umpu s sprechen wo die Illingen der Mandats-Kommission und des ■ nimmt die ,,T i m e s“ vom 3. August in!11mg. Nach einer ausführlichen Darstellung -Kniumis'ioii veiiretenen englischen Standdas Blatt einer Schilderung der Stimmun- Line Voraussage über die I laitmig des nicht zu machen. Die Juden ,Amerikas, der zionistischen 1 oneis, und ilne Anhänger! heulen im Prinzip der Teilung Erez Israels 1. In denjenigen mittel- und o-ueuropaisdietl tische und ökonomische Lage der jiidischeu Minderheit schwierig ist, wird die Teilung nicht so ohne weiteres verurteilt. Sie bietet der jüngeren jüdischen, Generation dieser Lander eine' Hoffnung, ein neues Leben zu beginnen. Sie bietet der gesamten Judenheit die höchste moralische Genugtuung durch die Errichtung eines jüdischen souveränen Staates in dem Lunde, auf das die Juden seit der babylonischen Gefangenschaft sehnsüchtig geschaut haben. Diese beiden Vorteile habe auch Dr. Weizmann bei einer Sitzung der Allgemeinen Zionisten i!1 einer höchst staats m ä nnisch c n R e d e dargelegt. Theodor Herzl würde ein solches Angebot akzeptiert haben. Zum Schluß wendet sich das Blatt der Haltung der Araber zu, die in zwei feindliche Lager geteilt, aber in der Gegnerschaft gegen den Plan der Kommission einig seien« Der Artikel weist darauf hin, daß das arabische Memorandum der Mufti-Partei an die Mandats-Kommission ein ״rein negatives und kompromißloses Dokument“ gewesen sei. Etwas Besseres könne von Hadsch Eniin und seiner Gruppe nicht erwartet werden, und obwohl er nt;111 dies von seinem Ansehen verloren hat, indem er sidt selbst in der Nähe der Omar-Moschee zum Gefangenen machte, hat er für seine Gegner in der Nationalen Verteidigungsparfe! noch nicht genug an Bedeutung verloren, tim die leiseste öffentliche Zustimmung zu dem [*!an der Kommission äußern zu der Oberfläche bleibt die arabische M im allgemeinen verwirrt und ungewiß: Elemente sind am lautesten vernehmbar, nur Forderungen wiederholen, die weder der die englische Regierung bewilligen kann, beherrscht das Feld als die ein/ ig s praktische Lösung der verfahrenen stina, und es würde wunder nehmen, wenn Aber unter ming in Palästina die Konservativen aber sie können Völkerbund noch Die Teil 11 n g i c h t b a r e u n d Situation in Pakt- Genf eine bessere entdecken würde. Unterdessen zeigt die bnti-clu• öffentliche Meinung nicht im geringsten die Neigung, zu einem System zurückzukehren, das versucht wurde und sich als mangelhaft erwiesen hat, Nashashibi für begrenzte Einwanderung Genf, 1. August. (JTA.) Der Führer Opposition in Palästina, Raghch Hey N;1 .< erklärt, die Araber würden der Schaffung nie ztistimmen, seien aber bereit, im Dille arabischen Föderation nicht nur j 1! d 1 s c rung nach Palästina, bis zu 11)״ b e v ö I k e r u n g, sondern auch f ii r d b i e t der Föderation bis zu 3* > der arabischen a s h a s h i b i, hat eines Judensmics ler Schaffung einer 11 c F i 11 w a mle• ■ d e r Ge s a tu t a s < 1 c s a m t g e - o d e r 111 ehr ivap" im Bau. Man beachte die breiten, dunklen Flächen unter den weil vorspringenden ״Schaltcnplatlen“. Das Bild rechts unten stellt eines der großen Bürohäuser am Kirtgswap dar, die in einigen Jahren zu Hochhäusern entwickelt werden müssen. Oben rechts ist das Verwaltungsgebäude der Citrus-Expart-Coaperative ״Pardvs“ zu sehen. Der Hafen von Haifa hat sich in steigendem Maße zum Ausfuhrhafen für die palästinensische Orangen- und Grapefruit- Ernte entwickelt. T.*t md Foto«: C, Z. U«et«־t, JtnuiUm zuzulassen. Die Juden würden vollständige munizipale und kulturelle Autonomie genießen. Die Araber wünschten nicht von den Juden beherrscht zu werden, wollen sie aber auch nicht beherrschen. Dies könne durch internationale Verträge gesichert werden. Irak protestiert Der Außenminister des Irak, Najial-Asil, hat durch Vermittlung des ständigen Vülkerbumlsvcrtreters an den Generalsekretär des Völkerbundes zur Weiterleitung an die Ratsmitglieder, alle Mitgliedsstaaten und den Mandatsausschuß einen Protest gegen den britischen T e i - lungsplan für Palästina gerichtet und gleichzeitig die Schaffung eines völlig unabhängigen ungeteilten Palästina vorgeschlagen. __ Die Vereinigte Palästinensische S t u d e ti« tenschaft nimmt in diesem Jahre an drei internationalen akademischen Kongressen teil: atn Pariser Kongreß der Confederation internationale des Etudiants, an der Nizzacr Konferenz des 1. S. S. (Internationalen Studenten-! llltssverk) und an der Budapester Tagung des Akademischen Weltverbandes für den Völkerbund (F.U.J.). Zum Delegierten ist Dr. Ernst Bl um ent ha! gewählt worden. Atti 1. August hat in Jerusalem der erste Vizebi'trgertneister, Daniel Auster, die Leitung der Geschäfte der Stadt- Verwaltung übernommen, da Bürgermeister Dr. K 11 a 1 i d i einen zweimonatigen Urlaub angetreten hat, den er im Libanon verbringen will. In Haifa wurde der jüdische Stadtverordnete David H. Gölten von dem Distriktskommissar zum Stellvertreter des Bürgermeisters für die Zeit seines Urlaubes ernannt,

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