Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1937)
- Date
- 1937-08-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 JODISCHF PHN5SCHAM Nr. 62, 6. VIII1937 rigcn Situation, da uns ein Legislative Council auf• erlegt werden sollte — eine Maßnahme, die eine Erstarrung unseres ganzen Werkes in Palästina hätte zur Folge haben können. Der Kongreß wußte von der Gefahr, die damals drohte, und als ich 1935 das Amt übernahm, war es klar, daß ich keine einfache Aufgabe vor mir hatte. Ich erinnere mich, daß ich damals gesagt habe, daß es mir niemals gegeben zu sein scheine, einen glatten Weg vor mir zu haben. Wahrlich, diese meine Prophezeiung sollte sich bewahrheiten. Der Vorschlag des Legislative Council wurde fallen gelassen, nicht nur, weil wir Einwände gegen ihn hatten und weil er schädlich iiir unsere Arbeit gewesen wäre, sondern weil es allgemein von beiden Häusern des britischen Parlamentes anerkannt wurde, daß der Vorschlag voreilig und wahrscheinlich auch undurchführbar war. Aber diese 1111• mittelbare Drohung verschwand erst vom Horizont, als die Kräfte der Anarchie in Palästina selbst von interessierten Einzelpersonen ermutigt und von den Behörden nicht genügend abgeschreckt, ihre Kopfe wieder erhoben und für sechs Monate ganz Palästina ihrer Sehreckcnsherr- Schaft unterworfen blieb. Aber wie dunkel diese Tage auch waren, und wie schwere Verluste wir auch beklagen, deren wir in dieser Stunde in Ehrfurcht und Trauer gedenken — wir haben in diesen Tagen auch Großes und Stolzes erlebt. Trotz Schreckensherrschaft, trotz Mangel an behördlicher Energie und der immer gegenwärtigen Drohung der Belohnung der Gewalttaten durch Unterbrechung der jüdischen Einwanderung, hielt der Jischuw seine Positionen aufrecht und widerstand allen Angriffen mit Heroismus und zugleich mit Zurückhaltung. Der jischuw in Palästina hat die erste Probe seiner Nationswerdung bestanden. Seine Disziplin und Einigkeit während dieser schweren Monate wird der Nachwelt überliefert werden als eines der glorreichsten Kapitel unserer Geschiehte. In diesen tragischen Monaten des Jahres KU6 kamen wir dazu, uns klarzumachen wie niemals zuvor, daß in dem neuen Judentyp, der in Palästina entstand, Zion wirklich durch seine Söhne gerechtfertigt war. Ich hin sicher, da fl diese Versammlung den Wunsch hat, ihre aus tiefem Herzen kommende Bew u n (I e r 11!1 g!1 ml I) a n k b a r k e i t f ii r d e 11 J i s c h u w in geeignet׳■!• i'orm Uutul/iigeben, ihm die Anerkennung auszusprechen für sauen ruhigen Mut und seine Würde in jenen dunklen Stunden und dafür, daß er durch seinen festen Widerstand und seine hartnäckige Ausdauer den gegenwattigen Bau des Nationalhcims erhalten hat. Ich bitte Sie, sich zur Ehrung derer, die ihr Lehen in diesen Unruhen lassen mußten, von den Sitzen zu erheben; i 11 r Andenken wird immer in unseren Herzen weiterleben. Hoher Kongreß! im Laufe der zwei Jahre seit dem Luzerner Kongreß hat der Jischuw in Palästina bemerkenswerte Fortschritte auf wichtigen Gebieten gemacht. Wirtschaftlich gab es viele störende Faktoren, die unsere Existenz in Palästina während dieser Periode bedrohten: es gab die allgemeine Nervosität und Unruhe, die von dem italienisch-abc-.sin!selten Krieg ihren Ausgang genommen halten, und es folgten lange Monate ununterbrochener Unruhen in Palästina seihst, in deren Verlauf die arabischen Terroristen bewußt die Zerstörung der wirtschaftlichen Grundläge der jüdischen Bevölkerung suchten: und hierauf folgte wiederum die Unsicherheit bezüglich der Zukunft, die die Untersuchung der Kgl. Kommission begleitete. Nichtsdestoweniger, trotz alledem, ist die jüdische wirtschaftliche Struktur nicht nur unvermindert geblieben, sondern hat, wie bereits fest gestellt, einen bemerkenswerten Zuwachs von Kraft in verschiedenen Richtungen zu verzeichnen. Der Kern eines jüdischen Hafens' wurde in Tel Aviv geschaffen, 15 n e u e Siedlungen wurden gegründet und zwei alte — Chtiida und Chittin — wieder aufgebaut. Jüdische Arbeit ist mehr in der Landwirtschaft verwurzelt als jemals zuvor, wir konnten unsere Wirtschaft:',- und Finanzinstrumente stärken, z. B. die Aiiglo-Palestine-Bank, den Jewisli Colonial Trust, die Hypothekenbank, die Industriebank und das wichtige Instrument unseres Landerwerbs, die Palestine Land Development Company. Schließlich hat das Einkommen der großen nationalen Fonds, des Keren Kajemeth Lejisrael und des Keren 1 lajc-'sod, während dieser zwei Jahre ein bemerkenswertes Ansteigen gezeigt, so daß es seit dem Lnzemer Kongreß möglich gewesen ist, durch sie mehr als eine Million Pfund für Siedlungsarbeit und Entwicklung m PaläUina zu beschaffen. Und nun, verehrter Kongreß, denke ich, daß Sie wi'insehen werden, daß ich mich einen Augenblick mit der gegenwärtigen Situation beschäftige. Sie werden nicht erwarten!, daß ich in dieser Begrüßungsrede mehr tue, als kurz darauf Hinweise, Ich werde den Kongreß morgen wieder für eine aiofnhrüehe politische Darlegung in Anspruch nehmen. Die heutige Sitimtion, wie Sie wissen, ist gekcrni/( ielniet durch den B c r i c 111 der Königliehen K o :11 miss i o n und durch die V o r s c h 1 ä g e, die die Regierung Seiner Britischen Majestät sich im Prinzip zu eigen gemacht hat. Die ganze zionistische Weit, wir wissen es, ist in tiefer Erregung angesichts dieses Moments der Entscheidung. Meine Damen und Herren! Wir haben im Laufe der Jahre schon so manche Untersuchung erlebt und viele Enttäusehungen durcligemacht. Aber der Bericht der Königlichen Kommission, der am 8. Juli dieses Jahres voröffentlicht wurde, verdient, wenn wir auch naturgemäß nicht mit allem einverstanden sind und in den Vorschlägen ernste Fehler finden, unser!! größten Respekt. In seiner historischen Analyse des Probiems beweist er Sympathie und Verständnis für die jüdischen Ideale und Errungenschaften, wie sie noch nie vorher in einem solchen offiziellen Dokument kundgegeben worden ist. Trotzdem müssen wir sagen, daß nach unserer Melmng dem Bericht eine falsche Auffassung zugrunde liegt. Die Hauptthese des Berichtes ist, daß das Mandat undurchführbar ist. Dies ist ein Satz, den wir bestreiten, und wir stützen unsern Einwand auf die Errungenschaften auf fast jedem Gebiet seit dem Jahre 1922, wovon der Bericht der Kommission selbst Zeugnis ablegt. Aber die Kommission geriet in Palästina in eine Stimmung, die vergiftet war durch sechs Monate Grausamkeiten und Terror: sie begriff nicht, daß ein wirksames Eingreifen der Regierung die Unruhen hätte im Keim ersticken können, und infolge״ dessen hat sich ihr Gesichtspunkt verschoben. Die Kornmission bildete ihr Urteil im Schatten von Ereignissen, die man niemals hätte zulassen dürfen und die durch entschlossencs Handeln in den ersten Stadien der Unruhen hätten verhindert werden können. In Wirklichkeit ist es nicht das Mandat, das seinem Wesen nach undurchführbar ist: die Schwierigkeit liegt darin, daß es von einer unentschloss cnen V e r w a 11!1 n g g e 11 a n d habt worden ist, die es versäumt hat, einen wirklich ernsthaften Versuch zu machen, es durchzuführen. Das charakteristische Merkmal des Berichtes Ist also die eigentümliche Inkonsequenz zwischen seiner Analyse des Problems und seinen Schlußfolgerungen und Empfehlungen. Wie gesagt, beabsichtige ich nicht, jct/.l in Einzelheiten mich ui verbreiten über die guten oder schlechten Seiten der praktischen Vorschläge der Kommission; ich werde dazu später noch Gelegenheit haben. Ich möchte nur auf den auffallenden Widerspruch Hinweisen zwischen der An- Erkennung der Gerechtigkeit und Nützlichkeit unserer Sache, Rund um den Kongreß Zum zweiten Male tagt ein Zionistenkongreß in Zürich. Ebenso wie beim XVII. Kongreß im Jahre 1929 müssen auch diesmal einige Gebäude für den großen Apparat des Kongresses in Anspruch genommen werden. Diesmal sind es vier, also mehr als bei früheren Kongressen — muß doch für die Arbeit von mehr als 500 Delegierten Raum vorhanden sein. Wohl sind diese vier Zentralpunkte des Kongresses nicht weit voneinander entfernt, aber die Verteiluiig des Apparates auf vier Stellen schafft naturgemäß Schwierigkeiten, und die Kongreßleiter Dr. Kahn und Dr. U 11 m a 11!1 müssen ihre ganze, in langjähriger Erfahrung geübte organisatorische Begabung aufwenden, um einen glatten Lauf des Kongreßräderwerkes zu ermöglichen. Die Tonhalle, ein verkleinertes Abbild des Pariser Trocadero, hat bereits für unsere Tagungen eine gewisse Tradition, fand doch dort im Jahre 1929 die Griindungsvcr- Sammlung■ der Jewish Agency statt, und im Sommer 1936 tagte das Zionistische Aktions-Comite in der Tonhalle. Es scheint eine gewisse Schicksalsparallelitiit zwischen Trocadero und Tonkalle zu bestehen, denn ebenso wie das alte Trocadero in Paris einem modernen, imposanten Theater und Ansstelhmgsbau weichen mußte, wird wahrscheinlich in absehbarer Zeit auch der größte Teil des Zürcher Tonhallebaues der Spitzhacke zuin Opfer fallen, nur der Konzertsaal mit seiner berühmten Musikakustik soll bestehen bleiben. In diesem Konzerts aal wurde die Eröffnungssitzung des Kongresses abgehalten, dann aber mußte der größte Teil des Hauses schleunigst geräumt sein, denn vom 0. bis 13. August tagt in der Tonhalle ein Kongreß der baptistischen Jugend. So nimmt wie im Jahre 1929 das Zürcher Stadttheater den Kongreß auf. Im Stadttheater wurden Arbeitsbüros eingerichtet, Verkaufstände und Schalter geschaffen. Der KKL bringt in seinen Sl.änden das offizielle K on g r e ß a b z e i c h e n zum Verkauf, clas zum ersten Male, der Devise ״Tozereth Haarez“ entsprechend, in Erez. Israel hergcsteUt ist. Der einprägsame Entwurf stammt, wie bei den letzten Korigreßabzeichen, von Otte Wallisch (Tel Aviv). Die offiziellen Ansichtskarten des Kongresses sind diesmal zu einer Serie von zehn Stück vereinigt, welche die beiden Kongreßgebäude (Tonhalle und Stadttheatcr) enthält, ferner Aufnahmen der Kongreßstadt und überdies, den! Jubiliiumscharakter des XX. Kongresses entsprechend, ein Bild Theodor Herzls sowie eine Aufnahme des Basler Kasinos, in dem der I. Zionisten- Kongreß im Jahre 1807 stattfand. Büfetts, die ebenfalls vom KKL betrieben werden, Buchausstollungen, Reisebüro, ein Geldvechselschalter des Schweizerischen Bankvereins, ein Rauclnvarenstand, Zcitungsverkaufsstellen geben dem Foyer des Stadttheaters ein buntes Bild. Das dein Theater vorgelagerte Esplanadegebäude birgt das K 0 11 g r e ß p o s t ה m t, das den schon von früheren K011grossen her bekannten Sonderstempel verwendet; er bat diesmal den Aufdruck ״XX. Zionistenkongreß Zürich“. Die mit dieser Adresse versehenen Postsendungen werden im Kongreßpost,imt ausgegeben. Organisationsdenartement und Kongreßgericht haben alle Hände voll zu tun. Die Wahlen der "Delegierten zum XX. Kongreß, die in etwa 6 0 Ländern der ganzen Welt stattgefunden haben, sind erst in den allerletzten Tagen zum Abschluß gelangt. Während in einer ganzen Reihe von Ländern auf Grund von Vereinbarungen zwischen den Parteien die Mandate ohne Abstimmungen besetzt wurden, haben gerade in den größeren Ländern lebhafte Wahlen unter Massenbeteili gung stattgefunden. So sind sowohl in Amerika wie in Palästina mehr als je 100 900 Wähler zur Wahlurne gegangen. Die Sch ekelzahl für die beiden Jahre der Kongreß- Periode dürfte eine Million überschreiten. Die Organisierung der Wahlen lag in den Händen des Organisations -Departements, welches vor ungefahr einem Monat aus Jerusalem nach Zürich übersiedelte und hier das aus allen Ländern einfliellende Material bearbeitete. Zurzeit arbeitet das Kongreßgericht unter Vorsitz von R,־A. G r o 11 e 111 a n n hei starker Besetzung an der Uebcrprüfung der Wahlen und nimmt die notwendigen Erhebungen, Zeugenaussagen 11s\v. entgegen. Obwohl das Gericht seit dem 27. Juli ununterbrochen bis in die späte Nacht tagte, ist es noch immer mit der Untersuchung der Wahlen beschäftigt und arbeitet mit Anspannung aller Kräfte. Besonders stark sind an diesem Kongreß die Delegationen aus Palästina, welches den ersten Platz an Zahl dy Mandate einnimmt, sowie aus Amerika. Zum ersten Male sind diesmal viele sogenannte kleine Länder, die bei früheren Kongressen noch nicht die nötige Zahl von Schckalim aufgebracht haben, durch eigene!.)elegierte vertreten, da es ihnen gelang, ihre Schekelzahl entsprechend zu vergrößern. So kann dieser Kongreß nach jeder Richtung hin als besonders repräsentativ betrachtet werden. Die Veranstaltungen, die neben dem Kongreß und während seiner Tagungszeit stattfinden, sind diesmal auf eine Note abgestimmt: den 90jährigen Bestand der Zionis tischen Organisation, die auf dem I. Zionisten- Kongreß ihre Form erhielt. Die Weltorganisation hat, vorwiegend aus ihren Archiven, das Material für eine Aus• Stellung 40״ J a h re Zionistenkongreß“ geschöpft, die in den ersten Kongreßtagen im Esnlanadegebäude eröffnet wird. Die Leitung hat Dr. Georg Herlitz, der Leiter des Zionistischen Zentralarcliivs in Jerusalem. Das ausgestellte Material stammt zum größten Teil aus dem Zentralarchiv, einige Stücke hat die National- und Universitätshibliottrek Jerusalem aus der ihr eimerleibten Sammlung Dr. A. Schwadron zur Verfügung gestellt. Die Ausstellung gliedert sich in drei Abteilungen: 1. Die Entwicklung des Kongreßgedankens von der Zeit der Chibbath Zion bis zum I. Kongreß in Dokumenten, Bildern, Büchern und Zeitungen. 2. Die Entwicklung des Zionisten Kongresses in den vier Dezennien von 1897 bis 1937־. Diese Abteilung enthält überaus wertvolle und aufschluüreiche Originale und Reproduktionen der Publikationen der 20 Zionistenkongresse, Abzeichen, Protokolle, Drucksacken dsw., Abbildungen der Kongreßgebäude der 20 Tagungen sowie die Zusammensetzung der einzelnen Kongresse. 3. Die Entwicklung der zionistischen Institu• tionen von 1897 bis 1937 wird durch Dokumente, Bilder, Broschüren, Bücher, Statistiken dargestellt, welche über die Entstehung und den Werdegang der zionistischen Finanz* institute (1CT., KKL., APB., KH.) und kolonisatorischen Institutionen (Palästina-Amt, PLDC, Jugend-Alijah, Abteilung für die Ansiedlung von Juden aus Deutschland usw.) Aut- Schluß geben. Ferner wird auch die zionistische Propagandastelle von Prof, □oldelmann (Prag) eine Ausstellung ihrer verschiedenen für die Propaganda wichtigen Materialien veranstalten. Am Schabbat. den 7. August, findet in der Synagoge Freigutstraße ein Festgottesdienst zu Ehren des Kongresses statt, bei dem Rabbiner Dr. Taubes die Festpredigt hält. Erinnerungsfeier in Basel 1111 Mittelpunkt der Kongreßveranstaltungen steht die am 8. August stattfindende Feier zur Erinnerung an den i. Zionistenkongreß in Basel. Auf dieses Datum fällt der 1. Elul, jener denkwürdige Tag, an dem im jüdischen Jahr 5657, vor 40 Jahren, im Casino zu Basel der 1. Zionistenkongreß eröflnet wurde. Zur Erinnerungsfeier wird ein Sonderzug am 8. August früh die Teilnehmer vom Züricher Haiiptbahnhof nach Basel bringen, wo sie gegen 10 Uhr einfreflen. Der Zug wird Auf- Schriften tragen, die sich auf die Basler Feier beziehen, und die Fahrkarten werden — zum ersten Male wohl in der Geschichte des europäischen Eisenbahnwesens — auf der Rückseite eine hebräische Aufschrift über den, Zweck der Sonderfahrt tragen. :״“ Den Vorsitz bei der Erinnerungsfeier in Basel wird der Präsident des Aktions-Comites, M. AL Ussischkin, führen, der zu den Delegierten des I. Zionistenkongresses gehörte. Ussischkin hat auch das Programm der Feier entworfen. Unter Mitwirkung des Organisten Lampe! '(Tel Aviv) wird der Zürcher jüdische Gesangverein ״Hasomir“, geleitet von seinem Dirigenten Scliai cliet, jüdische Gesänge zum Vortrag bringen. Nach den Ansprachen von Us• sischkin und weizmann werden die Teilnehmer des L Zionistenkongresses das Wort ergreifen, darunter Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis (Stockholm), Dr. D. Farbstein (Zürich), Dr. A. Kaminka (Wien), Prof. Dr. Loewe (Jerusalem), der dem I. Kongreß als Delegierter aus Erez Israel beiwohnte, und der Direktor des Keren Hajessod, L. jaffe, der im Jahre 1897 Vertreter der Jugend beim I. Zionistcnkongreß war. Auch die Basler Behörden werden den Kongreß begrüßen. die auch den nichtjüdischen Einwohnern Palästinas Gutes gebracht hat, und ihren Empfehlungen, die praktisch auf eine Einschränkung der jüdischen Betätigung hinauslaufen. Diese Empfehlungen haben leider hei der Regierung ein nur zu williges Ohr gefunden. Denn die Regierung hat in ihrer Erklärung vom 8. Juli angekündigt, daß sie beabsichtige, ein politisches Maximum jüdischer Einwanderung von 8000 Personen für die nächsten acht Monate festzusetzen, ein Schritt, der in unbedingtem Widerspruch zu den Prinzipien der w i r t s c h a f 11 i c h e n Aufnahmefähigkeit erscheint, die in dem Mandat und in dem Clmrchillsclien Weißbuch von 1922 niedergelegt sind, und gegen den wir unseren energischen Protest erheben. Aber abgesehen von der Inkonsequenz ihrer SchluBfclgertmgen und von ihrer von uns bestrittenen Feststellung einer im Wesen der Sache liegenden Undurchführbarkeit des Mandates, hat diese Kommission konstruktive Anstreng urigen gemacht, um eine Lösung des Problems zu finden. Dies ist ein Thema, das auf diesem Kongreß im einzelnen diskutiert werden wird; was ich jetzt dazu sagen will, ist nur das eine: Eine neue Note ist angeschlagen worden und eine neue Kote, die — wie auch immer die Antwort ausfallen möge, die der Kongreß geben wird — Töne auslöst, die herüberklingen aus der Zeit vor 40 Jahren, aus der Zeit von Herzls großem Traum von einem Judenstaat. Wir werden uns dieser Besonderheit des XX. Kongresses bewußt bleiben müssen, wie hitzig und erregt auch die Debatten dieses Kongresses sein werden. Wir fühlen alle, daß die Entscheidung, die wir zu fällen haben, an die Wurzel SCHALTERSTUNDEN der Annahmestelle in unserem Verlagshause MEINEKESTRÄSSE 10 Montag bis Freitag 9—18 Uhr Sonnabend und Sonntag geschlossen JÜDISCHE RUNDSCHAU unserer Existenz und an den Kern unserer Bewegung greift. Eine große Verantwortung ruht aut u!1s. Möge der Kongreß sich ihr gewachsen zeigen! Der XX. Zionistenkoiigreß ist eröffnet. Die Wirtschaft Syriens und Palästinas Die palästinensische Wirtschafts Zeitschrift ,.Hameschek haschituf“ bringt eine Darstellung der Wirtschaft Syriens von S. Abramovitch. Der Verfasser vergleicht die Entwickltingslinie Syriens mit der Palästinas: Arabische Nationalisten haben häufig an Syrien exemplifiziert, daß ein wirtschaftiicher Aufschwung eines arabischen Landes und eine Entwicklung seiner Industrie ohne jüdische Hilfe durchaus möglich ist. Aber diese Argumentation geht fehl. Nicht eigene Kräfte haben die Entwicklung in Syrier! zustande gebracht, sondern das Einströmen fremden Kapitals spielt dabei eine große Rolle. Es kam nach Syrien französisches Kapital, Kapital arabischer Rückwanderer aus den Ucberseeländern, es kamen auch fremde Facharbeiter: Armenier und arabische Rückwanderer. Fremdes Geld und fremde Facharbeiter hätten natürlich auch ohne jüdische Einwanderung in Palästina zu ähnlichen Ergebnissen führen können, aber ohne das wäre die Wirtschaft hier rückständig geblieben. Aber Palästina hat, bevor die Juden es entwickelten, überhaupt keine An- Ziehungskraft für Kapital oder Einwanderer gehabt. Es fehlte ihm der Anreiz anderer Kolonialländer: wichtige Rohstoffe und Verbrauchermassen. Palästina hatte 7(50 000 arme Bewohner, nicht wie Syrien und der Libanon eine dichte Handel und Klcinindustric betreibende Bevölkerung. Auch war die Zahl der palästinensischen Auswanderer nach Uebcrsee nicht groß genug, als daß die Rückwanderung eine ähnlich belebende Rolle wie in Syrien hätte spielen können. Die ״Rückwanderer“ Palästinas sind eben die jüdischen Einwanderer. Noch wichtiger aber ist, daß ein großer Teil des in Syrien arbeitenden Kapitals französisches Industriekapital ist, das aus dem Lande Profite herausziehen will. Es gibt also nur einen Anstoß zur Entwicklung, hemmt die Entwicklung aber andererseits durch Herausziehen der Gewinne aus dein Lande, das ein fortgesetzter Aderlaß am Land ist. Die Rolle des jüdischen Kapitals in Palästina ist eine ganz andere. Nicht nur also wäre es in Palästina ohne die Juden nicht zu einer industrielkn Entwicklung gekommen, die an Umfang weit über die syrische hinausgeht, sondern Palästina hat auch noch' den Vorteil, vor den Schäden eines Kolonialkapitalismus bewahrt worden zu sein. So kam es auch hier nicht zu einer Schaffung־ von Industrieproletariat und einer Arbeiterreserve, sondern der moderne Kapitalismus der jüdischen Einwänderung brachte eine Erhöhung der Löhne und eine Erhöhung des Lebensstandards mit sich.