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Jüdische Rundschau · 1937-08-06 · Heft 62 (6.8.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 62 (6.8.1937)
Date
1937-08-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 62, 6. VIII. 1937 Die ersten Sitzungen des Kongresses Die Er öSSnungs - Sitzung Der XX. Zionistenkongrcß ist am Dienstag, dem 3. August, jnmkt 8 Uhr abends, irn festlich geschmückten Züricher Stadttheater eröffnet worden. Lange vor dem angesetzten Beginn der Tagung begannen Saal und Galerien sich zu füllen. Das außerordentliche Interesse, das die Oeffentlichkeit aller Länder dem Kongreß entgegenbringt, kommt auch darin zum Ausdruck, daß etwa 259 Vertreter verschiedener Zeitungen den Beratungen folgen. Im Schweizer Rundfunk wurde am Montagabend ein informativer Vortrag über den Zionismus gehalten. Auch eine Anzahl nichtjüdischer Politiker und bekannte Freunde der zionistischen Bewegimg, unter ihnen der frühere britische Kolonienminister Aniery, und die Nichte Ballon rs, Mrs. Blanche Edgar Dugdale, wohnten der Eröffnungssitzung als Gäste bei. Weiter sali man den Präsidenten des Regicrungsrates des Kantons Zürich, Dr. O. Pfister, den Stadtpräsidenten Dr. IC 1 ö t i. den Charge d'Affaires der britischen Gesandtschaft, Mr. Allen, die Vertreter der Konsulate von Belgien,״ Bolivieri, Gostariea, Dänemark, Frankreich, Guatemala, Großbritannien, Jugoslawien, Litauen, Monaco, der Niederlande, Norwegen, Paraguay, Polen, Schweden, der Tschechosiovakei und der Vereinigten Staaten von Nordamerika sowie den schweizerischen Konsul in Tel Aviv. Selbstverständlich haben auch die jüdischen Vereinigungen der Scnweiz Abordinnigen zu dem Kongreß geschickt, um ihn zu begrüßen. Im Namen des Schweizer Buntlcsrates und der Züricher Kanionsregierutig begrüßte I>r. XK'cißlierg den Kongreß. Atemlose Stille folgte den drei I iammcrschlägen, mit denen der Kongreß der Ueberiieferung gemäß eröffnet wird. Von der Tribüne blickt das Bild Herzls in den Saal. Ein darüber angebrachtes Schild trägt eine dem Andenken Sokolows gewidmete Inschrift. Nach einer kurzer. Pause erscheinen, von starkem, sich initiier wieder erneuerndem Beifall begrubt, Dr. Weiz marin und die Mitglieder der Exekutive auf der Tribüne. Kongreßpräsident ist nach einem Beschluß des Aktions-Comites AI. M. IJ s s i s c 11 k i n. Nach der Eröffnungsansprache des Vorsitzenden und den Begrußungsreden beginnt Dr. Wei z mann unter stärkster Spannung von über 5(10 Delegierten und tausenden Gästen seine Ansprache, deren Wortlaut wir an anderer Stelle der heutigen Ausgabe wiedergeben. Die Darlegungen Weizinanns machten auf den Kongreß tiefen Eindruck. Eine eingehende Würdigung der Persönlichkeit und des Wirkens Nah um Sokolows gab im Anschluß daran das Mitglied der Exekutive Ji/rhak Grün ha um. Wir werden über diese Gedenkrede später referieren. Begrüßungen Unter den Begrüßungsschreiben und Telegrammen, die zu der Eröffnung des Zionistenkongresses eingetroffen sind, befanden sich auch Kundgebungen des englischen Kolon i e 11 ni i n is t c rs, des Generalsekretärs des Völkerbundes und des Direktors des lnternationalen Arbeitsamtes. Das Schreiben, das Kolonicnmiaister O.rmsby-Oore von Genf aus an den Kongreß gesandt hat, lautet: Ormsby-Gores Schreiben ״Lieber Dr. Weizmanti! Wie ich höre, ist der britische Gesandte in Bern nicht anwesend, so daß es dem diplomatischen Vertreter der Mandatarmacht für Palästina heute nicht möglich ist, Ihrem Kongreß die gewohnten Grüße zu Uberbringen, Da ich mich gerade in der Schweiz aulhalte» um vor der Ständigen Mandatskommission zu erscheinen, Übernehme ich es selbst, die Grüße auszusprechen. Ich und meine Kollegen werden natürlich die Ergebnisse Ihrer wichtigen Beratungen mit dem größten Interesse studieren. Wir haben einen Wendepunkt in der Geschichte Palästinas erreicht, und ich hoffe, daß die jetzt Im Gange befindlichen Beratungen — wenn man sie auf lange Sicht betrachtet — Frieden, Prosperität und gute Verwaltung von Palästina im Gefolge haben werden, größere Wohlfahrt für alle Landesbewohner und gute Beziehungen zwischen den Gemeinschaften, deren Interessen mit dem Heiligen Land verbunden sind. Ich bin Ihr sehr ergebener Ormsby-Gore.“ Der Generalsekretär des Völkerbundes, M. Avenol, der sich zur Zeit auf einer Reise befindet, hatte folgendes Telegramin gesandt: ״Außerstande, Ihrer Einladung 71h Teilnahme an der Eröffnungssitzung des Zionistenkongresses Folge zu leisten, möchte ich dein aufrichtigen Wunsche Ausdruck geben, die Beratungen des Kongresses mögen an diesem wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der zionistischen Bewegung so glücklich geführt werden, daß sie 2u Ergebnissen führen, die alle Beteiligten zufrieden steilen.“ Das Schreiben des Direktors des lnternationalen Arbeitsamtes in Genf hat folgenden Wortlaut: ״Ich bitte Sie, der Exekutive und dem Präsidenten des Zionistenkongresses meine aufrichtigsten Wünsche für den vollen Erfolg der Kongreßverhandlungerl zu übermitteln. Ich weiß, welche schwerwiegenden Entscheidungen der diesjährige zionistische Weltkongreß zu treffen hat, und werde mich täglich voll Interesse über das Fortschreiten der Kongreßarbeit informieren. Ich möchte der Hoffnung Ausdruck geben, daß di« Entscheidungen des Kongresses, wie immer sie auch ausiallen mögen, das beunruhigende Palästina- Problem weiter einer Lösung entgegenbringen werden, die geeignet ist, dem gesamten arbeitsamen Volke dieses Landes Frieden und moralischen und materiellen Fortschritt zu bringen.״ Wahl des Kongreß-Präsidiums In der Mittwoch-Sitzung richtete der Kongreßpräsident, M. M. U s s is c h k i n, nach der Wahl des Kongreß-Präsidiums in einer kurzen Ansprache an die Delegierten den Appell, einig in Gesinnung und Tat ihre Beratungen zu führen und zum Abschluß zu bringen. Er hob die Bedeutung des XX. Kongresses und die Wichtigkeit der Fragen hervor, mit denen die Delegierten sich zu befassen haben werden. Dem Kongreß-Präsidium gehören außer Usslschkin neun Vizepräsidenten an, von denen zwei der Weltvcreinigung der Allgemeinen Zionisten (Gruppe A), je einer dem Weltverband (Gruppe B), dem Misrachi und der Judenstaatspartei und vier dem Arbeiterflügel angehören. Vizepräsidenten des Konresses sind: Dr. Stephen W i s e, Dr. Goldmann, Dr. Emil chmorak, Dr. J. Mac ho wer, Rabbi Meir Berlin, Berl Locker, Ing. S. Kaplansky, Ing. Anselm Reiß und Joseph S p r i n z a k. Sodann erstattete der Vorsitzende des Kongreßgerichtes, Dr. S. Gronemann, den Bericht über die Prüfling der Wahlen. Er erklärte bei dieser Gelegenheit, daß möglicherweise noch vor dem Ablauf der üblichen zweijährigen Kongreßperiode ein neuer Kongreß werde einberufen werden müssen. Sodann ergriff Dr. Weiz mann das Wort. Weizmanns politisches Referat In seiner Analyse der politischen Situation ging Dr. Weizmanu von den amtlichen Untersuchungen der Jahre 1329 und 1930 aus, bei denen behauptet worden sei, die jüdische Kolonisation bringe den Arabern wirtschaftlich Schaden. Diese Behauptung bildete die Grundlage des Weißbuch es von! Jahre 1930. (11 diesem Weißbuch war aus Gründen angeblich wirtschaftlicher Art, die nunmehr von der Kgl. Kommission als nicht stichhaltig abgelehnt worden sind, der Versuch gemacht worden, die jüdische Einwand crung und den B o d e n k a u f einzuschriinken. Außerdem wurde die Einsetzung־ eines Legislative Council vorgesehlagen. Der Brief des Ministerpräsidenten liamsav MacDonald vom Februar 1931 hat die korrekte Interpretation des Mandats wiederhergesteUt. Die Folge war «ine Periode von unerhörtem Fortschritt und Prosneritat in Palästina. Nunmehr konnte man nicht mehr gut das jüdische Aufbauwerk aus wirtschaftlichen Gründen Dekämpfen. Es begann der politische Angriff gegen dieses Werk, zunächst mit der nachdrücklich erhobenen Forderung nach dem Legislative Council, der als eine Waffe gedacht war, durch die die Bestimmungen des Mandates, die das Jüdische Nationalheim betreffen, unwirksam gemacht werden sollten. Aus diesem Grunde haben die Juden ihre Mitarbeit bei diesem Plan verweigert Die Gründe, die sie gegen die Einsetzung eines Legislative Council ins Treffen führten, wurden auch im britischen Parlament und in dem Bericht der Kgl. Kommission als zutreffend anerkannt. Die Unruhen des Jahres 1936, so führte Weizmann weiter aus, waren ein politischer Angriff, der sich direkt gegen das Mandat gerichtet hat. Die Palästinaverwaltung habe durch ihren Mangel an fester Haltung die arabischen Extremisten ermutigt und die Führer der gemäßigten Araber verhindert, zu Vereinbarungen mit den Juden zu gelangen. Weiter machte Dr. .Weizmann der Palästinaverwaltung den Vorvvurf, daß sie die Kgl. Kommission zu dem Glauben geführt habe, «Jas Mandat könne nicht verwirklicht werden. Den Truppen, die nach Palästina entsandt wurden, sei die Rolle bloßer Zuschauer bei den Unruhen zugeteilt worden. Es sei für ihn ein Rätsel, warum die Palästina- Regierung es zu gelassen habe, daß die Unruhen sechs Monate andauerten, und warum es einer Gruppe von Terroristen ermöglicht wurde, das Prestige des Britischen Reiches zu gefährden. Niemals hätte man die Dinge so weit kommen lassen dürfen. In keinem anderen Teil des Reiches wäre es möglich gewesen, daß Unruhen rin halbes Jahr dauern, ln Palästina habe die Verwaltung das Prestige Englands zugründe gerichtet. Man müsse sich fragen, warum die nach Palästina zur Unterdrückung des Aufstandes entsandten Truppen das Land verließen, ohne Ihre Aufgabe erfüllt zu haben. Die Rechnung für diese Aktion aber wurde den luden präsentiert und von ihnen beglichen. England schulde den jaden eine Antwort auf diese Frage, warum ein Teil der britischen Armee nach Palästina kam, Palästina sah, aber nichts tat. So habe die Kgl. Kommission in Palästina eine Lage vorgefunden, zu der es nie hätte kommen dürfen. Die Beurteilung der Verhältnisse durch die Kommission wurde dadurch notwendigerweise beeinflußt. Sie mußte den Ernst einer Bewegung überschätzen, die die organisierten Kräfte des Britischen Reiches anscheinend mit Erfolg herausgefordert hatte. Dies führte die Kommission zu der Schlußfolgerung, daß das Mandat undurchführbar sei. Diese These werde von den Juden abgelehnt. Der Bericht der Kgl. Kommission selbst erbringt in reichem Maße den Nachweis des Gegenteiles. Dr. Weizmann wandte sich gegen die in dem Bericht vorgeschlagenen Palliativmaßnahmen für die künftige Handhabung des Mandates und gegen die Ankiindigung in dem Statement of Policy der Britischen Regierung, daß in den nächsten Monaten nur 8000 Juden zur Einwanderung nach Palästina zugelassen werden sollen. Gegen diese Einschränkung der Einwanderung aus politischen Gründen und gegen die geplante Beschränkung des Bodenerwerbes werde die Exekutive mit aller Kraft ankämpfen. Eine solche Politik würde für die weitere Entwicklung des Nationalheims verhängnisvoll sein. Sie stehe im Widerspruch zu allen Versprechungen, auf die die Juden vertraut haben. In seinen Ausführungen erwähnte Dr. Weizmann auch, daß die Beziehungen zwischen der Pa 1 äst in a verwaltung und der Zionistischen Exekutive sich nach den Parlamentsdebatten über den Vorschlag der Einsetzung eines Legislative Council verschlechtert hätten. Die Verwaltung habe eine kühlere Haltung gegenüber den Juden in Palästina angenommen und dadurch seien die arabischen Extremisten ermutigt worden. E» habe arabische Führer gegeben, die bereit gewesen seien, Vereinbarungen mit den Juden zu schließen, doch hätten sie das fnteresse daran verloren, als sie sahen, wie die Verwaltung die Juden behandelt Dschenin und Nablus, sagte Dr. Weizmann, haben Downing Street den Krieg erklärt, und Dschenin hat den Krieg gewonnen. In eindrucksvoller Weise richtete Dr. Weizmann an Großbritannien den Appell, mit den Juden ehrlich zu verfahren. Wir naben dies verdient, rief Weizmann aus. Möge doch die Britische Regierung den Juden offen sagen, daß ihrer Meinung nach die Zeit für ein Jüdisches Nationalheim noch nicht gekommen ist, aber sie soll nicht mit jüdischem Blut spielen, England soll mit den Juden offen reden. Trotz der Ungerechtigkeit, die den Juden in Palaltina angetan wird, sei zu hoffen, daß der Kongreß und die luaenheit der Welt nicht vergessen werden, daß die Palästinaverwaltung mit dem britischen Volk nicht identifiziert werden darf. Es sei nur natürlich, daß die Juden tief enttäuscht sind. Man könne aber England nicht für Zustände verantwortlich machen, die hauptsächlich durch Handlungen oder Unterlassungen der Palästinaverwaltu ng entstanden sind. Es gibt, Gott sei dank, noch ein anderes England, das England, das im Unterhaus und in dem House of Lords gesprochen hat. Der wahre Geist Großbritanniens sei fr■ den letzten Pariameutsdebatten zum Ausdruck gekommen. Kein Jude hätte ohne Rührung den Geist des guten Willens und der Hilfsbereitschaft feststellen können, der diese Debatten beherrschte. Er denke, sagte Dr. Weizmann, dabei nicht an Lord Melchett. Seine Worte seien für uns keine Ueberraschung gewesen. Was er gesagt habe, habe man erwartet, und man erwarte von ihm, daß er noch mehr sagen werde. Er meine auch nicht Lord Samuel. Auch seine Worte hätten keine Ueberraschung bedeutet. Vielmehr denke er an die zahlreichen Mitglieder des Parlaments aus aller! Gruppen. Weizmann führte insbesondere die Rede des Erzbischofs von Canterbury an, für die man tiefe Dankbarkeit empfinden müsse. Niemals dürften die Juden vergessen, daß die Britische Nation heute die einzige ist, die, obwohl sie selbst von vielen schweren Problemen bedrängt wird, eine aufrichtige Anstrengung gemacht hat, um wenigstens eine Teillösung fiir die nationale Not der Juden zu finden. Durch vorübergehende Schwierigkeiten dürfe man sich in dieser Beurteilung־ Englands nicht beeinflussen lassen. Mit Entschiedenheit wandte sicii Dr. Weizmann gegen den Vorschlag Viscount Samuels im Oberhaus, daß ein jüdisch-arabisches Abkommen geschlossen werden solle, demzufolge für die Juden in Palästina ein Minderheitsstatus festzulcgen wäre. Es hat mich höchst pcinlieh berührt, sagte Weizmann, daß Lord Samuel kein einziges Wort fand, um die tragische Lage der Judenlieit zu schildern. Was die Beziehungen zwischen Arabern und Juden betreffe, so repräsentieren der Mufti von Jerusalem und Fauzi el Kaukji, der Führer des Aufstandes, nicht alle Araber. Es gibt eine arabische Nation mit einer rühmreichen Ueberiieferung. Dieser Nation bieten wir unsere Hand unter einer Bedingung: sie möge ebenso wie wir ihr die Wiedererlangung ihrer Unabhängigkeit und die Verwirklichung ihrer nationalen Bestrebungen wünschen, auch anerkennen, daß wir das Recht haben, Palästina als Nationalheim wiederaufzubauen ohne jemandem Schaden zuzufügen. Wird dies anerkannt werden, dann werden wir eine gemeinsame Sprache finden. Weder der Mufti noch Kaukji werden dann einem arabisch-jüdischen Frieden irn Wege stehen können. Wie immer sind wir zu Verhandlungen mit den arabischen Führern, allerdings mit verant wörtlichen arabischen Führern, bereit. Wir haben immer, auf jedem Kongreß, unsere Bereitschaft zu einer solchen Verständigung zum Ausdruck gebracht. Den Rat, den Herbert Samuel im Oberhaus gegeben hat, hätte er den Arabern, nicht uns erteilen sollen. Dem Bericht der Kgl. Kommission sich zuwendend, erklärte Dr. Weizmann, daß dieser Bericht ein revolutionäres Angebot enthalte, das für die judenheit der Welt überraschend gekommen sei. ln der Form aber, wie der Teilungsplan in dem Blaubuch Umrissen wird, sei er für die Jude« unannehmbar. Dagegen , wäre er. Weizmann, bereit, über das Grundsätzliche dieses Angebotes unter der Voraussetzung zu verhandeln, (laß ein Teilungsplan aufgestcllt wird, der den Juden die Möglichkeit ihres unabhängigen nationalen Lebens gibt, und zur Lösung der judenfragein anderen Ländern beiträgt. Sollten diese beiden Hauptbedingungen erfüllt werden, dann seiner Kongreß verpflichtet, eine klare Antwort, wie sie jetzt von den Juden in Polen und anderen Ländern erwartet wird, zu geben. Er glaube, daß diese Antwort nicht nur gegeben werden känn e, sondern auch gegeben werden müsse. Die Errichtung eines Judenstaates, auch auf kleinerem Gebiet, würde für die erste Zeit Entwicklnngsmöglichkeiten in den Hauptgebieten jüdischer Siedlung unter eigener Regie!• rung bieten. Weizmann erzählte, er sei, als er der Kgl. Kommission von der tragischen Lage von sechs Millionen Juden in Europa berichtete, die genötigt sind, ihre Geburtsländer zu verlassen, von einem Kommissionsmitglied gefragt worden, ob das Nationalheim, wenn es errichtet sei, diese sechs Millionen werde aufnehmen können. Er habe darauf geantwortet, es liege ihm zunächst daran, daß zwei Millionen junge Menschen auf genommen werden können. Die übrigen würden vielleicht später ihren Weg nach Pa'ästina finden. Sollte ein _ Projekt vorgelegt werden, das die Aufnähme dieser zw׳ei Millionen Juden in Palästina ermöglicht, dann würde er persönlich nicht zögern, dazu Ja zu sagen, und er hoffe, daß auch der Kongreß es tun werde. Die Lag« sei so, daß der Kongreß zu wählen habe, zwigehen jüdischer Minderheit in ganz Palästina und einer kompakten Mehrheit in einem Teile des Landes. Der Kongreß möge zwischen messianischen Hoffnungen and Ansprüchen und aen unmittelbaren Möglichkeiten unterscheiden. Die unabänderliche Verheißung werde sich einst erfüllen, wenn die Welt nicht mehr Kanonen und Gewehre haben wird. Jetzt können wir nur der Vorsehung den Weg ebnen, und an uns liegt es, die uns gebotenen Gelegenheiten nach besten Kräften zu verwerten. Der Kongreß werde über keinen bestimmten Plan abzustimmen haben, denn endgültige Vorschläge sind von der Britischen Regierung noch nicht formuliert worden. Vielmehr soll der Kongreß eine Resolution annehmen, In der die neue E x e - kutive ermächtigt wird, mit der Britischen Regierung und mit dem Völkerbund Verbandlungen aut Grund der genannten beiden Haupt- Prinzipien aufzunchmen. Dann werde die Exekutive nochmals zum Kongreß kommen und den endgültigen Plan zur Beschlußfassung vorlegen. Es gelte die genauen Bedin- Kongreß herantritt, werde er eine klare Antwort zu §. Die -Red« Weizmanns wurde oft von stürmischem Beifall unterbrochen. Verantwortlich« Redakteur: Dr. Robert Welt sch, Berlin-Charl. 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewe« stein, Berlin W 15. Anzeigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann Finn, Berlin W 15. Gültig Anzeigen Preisliste 5 vom 1. April 1938. Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W IS, Meinekestr. 10. D.A. 11/1937 30 318. —- Druck: Siegfried Schalem, Berlin-Schöneberg.

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