Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1937)
- Date
- 1937-08-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 23 RpL Nr. 62 / Jahrgang 42 JÜDISCHE RUNDSCH GMtlg: Anzelgenprelsligte Nr« 5. Die 12 gespaltene mm - Zeile 20 Rp?., ffr Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmtoa Ausgaben oder an bestimmten PiXtzca wird keine Gewähr geleistet» Gelegenheit•» anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. AnnahmescMuß für di• Dienstag Ausgabe Montag 10 Uhr. für die Freitag » Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Fümilien-Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt fOr des jQdlsche Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) 8 «iurLftleltung, Verlag u. Anzeigen Verwaltung: Berlin W15, Melnekestr.10 Fernruf t 9190 31, Telegramm -Adresse י Orghtp. — Bezugspreis cinschHe&Kch Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75. bei Abholung RM 1.38 bzw. RM 5,39• — Postscheck *Konten der Vertriebs - Abteilung: Berlin 71573 (für Groß Berlin). Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugggebühren. — Erscheint jeden Dienstag and Freitag• BERLIN כ״ט אב תרצ״ז FREITAG, 6. AUGUST 1937 Weizmanns bedingtes Ja Der Präsident der Jewish Agency verlangt Vollmacht, Verhandlungen auf Grund des Peel-Berichtes zu führen Zürich, 4. Augusi In der ersten Arbeitssitzung des Kongresses Mittwoch vormittag hielt Dr. XVeizmann eine groß angelegte politische Rede, in der er scharfe Kritik an der palästinensischen Administration übte und sodann den Kongreß aufforderte, auf die Vorschläge des Peel-Berichtes eine im Prinzip be~ jah ende Antwort zu geben und in Verhandlungen mit England über die Gründung des Juden- Staates einzutreten. Das Ergebnis soll dem Kongreß in einer zweiten Session später zur Bestätigung vorgelegt werden. Um die Entscheidung1 RW. Z ü r i c 11, 5. August Der Kongreß steht bereits am ersten Verhandlungstage auf einem Höhepunkt. Der Bann ist gebrochen. Die ganze Zeit vor dem Kongreß schien es, als ob niemand wagte, dem vor dem Zionismus stehenden Problem ins Auge zu sehen. Auch die offiziellen Resolutionen der Gruppen, die bisher zu der Sache Stellung genommen haben, sind an der wesentlichen Fragestellung bewußt oder unbewußt vorbeigegangen. Viele würden es am liebsten noch jetzt vermieden haben, das Kind beim Namen zu nennen. Es besteht eine eigentümliche Scheu, an die Sache heranzugehen. Weizmaun hat dem Kongreß einen Dienst erwiesen, indem er klare Worte sprach. Er forderte Vollmachten, mit England über die vorgeschlagene Schaffung eines Judenstaates in einem Teilgebiet des heutigen Palästina zu verhandeln. Wenn zwei Bedingungen erfüllt sind, will er zu dem Projekt ja sagen. Die Bedingungen sind die von uns in der vorigen Nummer in unserem Vorbericht bereits genannten: erstens muß eine ausreichende materielle F u n d i e - rungfüreinejiidischeKulturdasein, also genügend Raum, auf dem sich ein wirkliches jüdisches Leben entfalten kann. Zweitens muß, wenigstens teilweise, ein Beitragzur Abhilfe der Judennot geleistet werden. Weizmaun sprach im weiteren Verlauf seiner Rede von der Notwendigkeit, zweiMillionenjungerjüdischer Menschen in den nächsten Jahren in Palästina unterzubringen und ihnen die Möglichkeiten zur Arbeit zu schaffen. Die Rede machte besonders in ihrem zweiten Teil einen sehr starken Eindruck. Weizmann bekannte sich zu den messianischen Ideen des Judentums, die nicht nur die Rückkehr Israels nach Erez Israel verkünden, sondern auch den endgültigen Sieg der höchsten Menscliheitsideale, der Gerechtigkeit und des Friedens. Das ist eine Vision für das Ende der Zeiten. Für unsere harte Wirklichkeit aber müssen wir eine Politik der Realität machen. Es wäre ein Mißbrauch messianischer Ideen, wenn man sie in die Diskussion um konkrete Dinge des Alltags herci»brächte. Nach Weizmanns Antrag ist die Entscheidung nahegerückt. Eigentlich könnte der Kongreß sofort zu einem Beschluß kommen, denn alle Argumente für und gegen sind bereits ausgesprochen, und es ist nicht zu erwarten, daß noch etwas Neues gesagt werden kann. Aber die eigentümliche Psychologie und Mechanik des Kongrosses fordern ihr Recht, und so werden zunächst immer von neuem dieselben Gedanken variiert, die Fraktionen halten nächtelange Sitzungen ab, und die Sache, die schon abstimmuiigsreif ist, wird weiter hinausgeschoben. Bei den ״Ja-Sagern“ ist wohl der Gedanke maßgebend, daß die Sache so schonungsvoll wie möglich durchgeführt werden soll, zumal da schon einige Einzelpersonen und auch kleine Gruppen Andeutungen über eine mögliche Spaltung der Organisation machen. Wir hoffen, daß das nur zum parlamentarischen Spiel gehört und nicht ernst gemeint ist. Mit Recht hat Weizmaun am Schluß seiner großen Rede daran erinnert, daß die Organisation das wertvollste Gut ist, das wir besitzen. Die mit Spannung erwartete Rede von IJssisch« kin hat enttäuscht. Erbrachte nichts Neues vor und vermochte keinerlei überzeugende Argumente zu entwickeln, denn der Appell an das Gefühl kann wohl in dieser Situation nicht als politisches Argument gelten. Auch vermochte er kein plausibles Alternativprogramm vor/11tragen, und schließlich muß doch die Exekutive von morgen wissen, was getan werden soll, wenn Englands Antrag abgelehnt wird. Ussischkin fand Beifall beim M i s r a c!1 i, aber sonst wurde wohl auch den Anhängern seiner Meinung die Schwäche seines Standpunktes aus seiner Rede offenbar. Er hat in früheren Reden in Palästina dieselbe Sache schon mit weit größerem Elan vertreten. Der Respekt, den mit Recht dieser ,Mann beim Kongreß genießt, hatte zur Folge, daß er mit großer Anteilnahme und innerer Bewegung angehört wurde. Ist doch die Sache so, daß der Riß nicht zwischen Personen und Gruppen hindurchgellt, sondern mitten durch das Herz jedes Einzelnen. Aber im gegebenen Augenblick, hei der Verantwortung, die auf dem Kongreß liegt, gilt es, das Größere gegen das Kleine richtig abz 11 w ä g e!1 und dann eine Ent- Scheidung zu treffen und die Konsequenzen zu tragen. Die nächsten Tage werden zeigen, ob der Kongreß seiner Aufgäbe gewachsen ist. Die Eröffnungssitzung des Kongresses k G Tr*•: «dp fr % י W♦*!; . . - k ׳׳ - י*!"" 3 4• *JL® ' ד. “׳■ t.A ' yj*• ־ #יי m:. יי \ * **־ 1 V '.;י ’׳ ,■־.£ ׳ifv t r ׳■ V*׳■. Jfe * - *׳'«׳סט #4? V Dr. Weizmaun bei seiner Eröffnungsrede; neben ihm die Mitglieder der Exekutive. Blick in den Saal während der Eröffnung. Foto,. u״r ־״״ם.-*