Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1937)
- Date
- 1937-08-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 61, 3. VIII. 1937 Von der Woche Für die Zeit, in der die Mitglieder der Exekutive der 'Jewish Agency sich in Zürich befinden, hat eine prov isorische Exekutive in Jerusalem die Oeschäfte übernommen. Sie besteht aus dem Vorsitzenden des Waad Leumi, jizchak Ben Zwi, und den Herren Bemard Joseph und Felix Rosenblüth. Die Mitglieder der provi* soriscben Exekutive haben am Freitag eine Besprechung mit dem Leiter des politischen Departements Mosche Shertok abgehalten und dann dem High Commissioner Sir Arthur Wauchope einen Besuch abgestattet. High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat eine Anzahl jüdischer Siedlungen im Schomrom besucht. Auf dieser ,Fahrt befand sich in seiner Begleitung u. 8. der Direktor der Pica, D. Wol f s o h n. Der Distriktskommissar des Süddistrikts, Crosby, hat mit Vertretern verschiedener Bevölkerungskreise über den Teilungsplan gesprochen, um die allgemeine Stimmung festzustellen. An der syrisch-palästinensischen Grenze ist ein verstärktcr Patrouillendienst eingerichtet worden. Die Patrouillen werden Tag und Nacht ausgesandt, um alle die Grenze nach Palästina überschreitenden Personen und Fahrzeuge nach Waffen zu untersuchen. Arabischen Pressemeldungen zufolge soll in dieser Woche in Damaskus eine panarabische Palästina-Konferenz als Ocgenveranstaltung gegen den XX. Zionistenkongreß in Zürich veranstaltet werden. Die Permanente Kommission für industrielle Fragen, die Von der Jewish Agency, der Anglo Palestine Bank, dem Industriellcn-Verband und der Palestine Industrial Bank geschaffen wurde und aus Vertretern dieser Institution bestellt, hat ein Memorandum ausgearbeitet, das Vorschläge zur Frage der Industrieförderung in Palästina an den XX. Kongreß enthält _ Die Ereignisse des Jahres 1936 Ein literarisches Dokument Im Verlag ״Dawar“, Tel Aviv, ist ein Buch (״Sefer Meorot Tarzaw“) erschienen, das in überaus eindrucksvoller Weise die Ereignisse des Jahres 1936 in P a I ä - Stina literarisch fcsthält. Auf 700 Seiten Großformat wird hier eine vollständige Chronologie gegeben, nicht mit der Absicht einer Polemik, sondern um cier lückenlosen Darstellung eines der erregendsten Kapitel der neuen jüdischen Geschichte willen. Neben den Peel-Bericht, der eine durchdachte Analy re der Palästina-Situation gibt, gehört dieses Buch, das nicht gedanklich an die Dinge hcrangeht, sondern crlebnishaft — ei 11 Buch, dessen entscheidende Note bestimmt ist vom Gefühl, von der Emotion, von einem unbeugsamen Willen und einem erschütternden Pathos, Dieses Buch der Leiden und Schrecken, der mutigen Bewährung und festen Entschlossenheit, liest sich wie ein Heldenepos, und das ist wohl auch der Zweck seiner Herausgabe. Der erste Abschnitt des Buches beginnt mit einer ge- Bauen Darstellung der blutigen Apriltagc in Jaffa am 19. April 1936. Es folgt dann eine Chronologie der 190 Tage der Unruhen; jeden Tag ist irgend etwas geschehen, von jedem Tage sind die Zeitungsberichte hier abgedruckt. Diese ganze Darstellung füllt 250 Seiten. Dann folgen Artikel von Moses Beilinson, dem verstorbenen Redakteur des ״Dawar“, einer der großen publizistischen Figuren Palästinas, des treuen und nie erlahmenden nationalen Kämpfers, der in seiner Zeitung mit wundem Herzen und scharfer Feder fast Tag für Tag seine Kommentare zu den Ereignissen gab, die sich teils wie Anklagen, teils wie Verherrlichungen lesen. Daran schließen sich in dem Buch eine Reihe von Artikeln anderer Autoren zu Ereignissen des Tages sowie Kundgebungen und andere Dokumente. Dieses Buch will aber alles andere sein als eine Martvriologie. In seinem zweiten Teil schildert cs die jüdische Aufbauarbeit, die trotz der Unruhen weiterging. Auch die Bilder, die dem Buche beigegeben sind, zeigen diese Wendung: auf der einen Seite brennende Häuser, Zerstörung, Leichenbegängnisse, auf der anderen Seite die Iüdischen Wächter auf ihren Posten in den Siedlungen, Neu-!au des Hafens in Tel Aviv, neue Kolonisation auf jüdischem Boden. Im Zeichen des Trotzes, des unbedingten Festhaltens an <!er Fortsetzung des Aufbauwerkes, schließt dieses Buch. Es folgt aber noch ein trauriger Anhang: die kurze Biographie aller in den Unruhen getöteten Juden nebst Bild jedes Einzelnen. Diese Chronologie ist keine ״Geschichte“ in Wissenschaftliehen־. Sinn, und doch ist sie ein Dokument, das für den Geschichtsschreiber unseres jüdischen Zeitalters unentbchrlieh sein wird. Erich Cohn wird am 9. August 50 Jahre alt. Er ist seit seiner Jugend zionistisch tätig, redigierte den ״Jüdischen Student“, den ״Jüdischen Willen‘‘, die ״Realpolitischen Blätter‘, Schrieb auch für die ״Jüdische Rundschau״ wertvolle Beiträge Und gehörte eine Zeitlang dem Geschäfts führenden Ausschuß der ZVfD. an. Sein sicheres Urteil, seine kritische Begabung, seine Konsequenz und die Fülle seiner Anregungen haben die zionistische Theorie und Praxis wesentlich gefördert. Er, der in große Gebiete der europäischen Geistes weit tief eingedrungen war, erkannte schon vor Jahrzehnten, daß die innehaltune der Distanz zur nichtjüdisohen Umwelt für die Juden in Jen Ländern der Diaspora nicht nur ein Gebot der würde, sondern eine Forderung politischer Vernunft sei. Cohn, dessen Kritik, durch Humor gemildert, in zionistischen Kreisen stets beachtet, von manchen auch gefürchtet wurde, ist nur in dieser Seite seines Wesens der Oeffentlichkeit bekannt. Die reichen Gemütswerte, die in ihm ruhen, verstand er zu verbergen. Nur seine Freunde wissen davon, und jedem von ihnen hat gerade in schweren Stunden sich seine tätige Freundschaft entfaltet. Das mag einmal bei dieser Gelegenheit — sicherlich gegen den Willen des Mannes — einem größeren Kreise gesagt werden. Wir hoffen, daß seine Gaben auch dem Jischuw zugute kommen werden. Harry Epstein Im Konservatorium Tel Aviv (Direktor Harry Blumberg) fanden die Jahresabschluß-Prüfungen statt. An dem Institut wirkten als Geigenlehrer Rudolf Bergmann, Felix Galimir, Marek Rak, Harry Blumberg, Lorand Fenivcs, Jacob Surowicz und Joseph Bernstein, als Cellolehrer Jacob Bernstein. Diese Herren, sowie die Lehrer der Bläserklassen Dr. Levitus, Bronislaw Szulc, Leon Szulc, Hans Sachs sind Sämtlich Mitglieder des Palästina-Orchesters. Die Klavierklassen leiteten Paula Sick und Gitta Misior. Unterricht in den theoretischen Fächern erteilte der Komponist Erich Walter Sternberg. Anmeldungen für das kommende Schuljahr, das am 8. September beginnt, werden auch aus dem Ausland entgegengenommen und sind zu richten an das Sekretariat Konservatorium ״Tel Aviv“, Trumpeldorstraße 40. Die Vereinigung der ehemaligen Offiziere In Eres Israel beschloß aal der letzten Landesverbands-Tagung vom 27. Juni in Tel Aviv, die Verbandsleitung nach Haifa zu verlegen. In die Verbandsleitung wurden einstimmig gewählt die Herren: W. Goldschmidt (Präsident), ferner Ing. fechiel Kischoni, Dr. Benjamin Mordechaj Weintraub, Andor Eisdor* fer, Rudolf Maier, Dr. Hans Koehler. Zum Leiter des Sckretariats wurde Alexander Rabbinowicz bestimmt. Mittelstands-Kolonisation An dieser Steile ist im Laufe der letzten Jahre auf die Probleme der mittelständischen landwirtschaftlichen Siedlung hingewiesen worden, und es wurden insbesondere die Versuche erwähnt, die auf diesem Gebiete von jüdischen Einwanderern aus Deutschland gemacht worden sind. Erst kürzlich berichteten wir über die Einweihungsfeier der Siedlung Kfar Schmarjahu, einer Siedlung der Rassco, die der Ansiedlung von Juden aus Deutschland dienen soll. Wie wir hören, plant die Rassco, die sich mit ländlicher und vorstädtischer Ansiedlung von Einwanderern aus Deutschland beschäftigt, in der nächsten Zeit 150 Familien des Mittel- Standes zur Ansiedlung zu bringen, und man hofft, im Laufe dieses Jahres davon etwa 40 —50 Familien ansässig zu machen. Die Tendenz der landwirtschaftlichen Ansiedlung ist in Palästina in den Reihen des Mittelstandes im Ansteigen begriffen, denn es hat sich herausgestellt, daß die Anlage von Kapitalien in diesem Arbeitszweig relativ sicher ist. Dies gilt besonders für die Einwanderer aus Deutschland, von denen insgesamt bisher 25 *> aut dem Lande untergebracht wurden. Die Ansiedlung erfolgt zum Teil auf privatem Boden, zum Teil aut Boden des KICL. und die Summe der Erfahrungen, die im Laufe der vergangenen Jahre gesammelt wurden, gewährleistet für die Zukunft ein weit sichereres Arbeiten. Die Hauptprinzipien, nach denen die Ansiedlung tnittelständischer Kolonisten erfolgt, sind folgende: Die Wirt- Schaft wird intensiv und gemischt aufgebaut, so daß die Gefahren der Monokultur vermieden und die Handelsbilanz Palästinas durch Unabhängigmachung von gewissen Einfuhrgutem erleichtert und die Selbstversorgung des einzelnen Siedlers weitgehend gesichert wird. Die Kolonisation muß in erschlossenen Gegenden erfolgen, wo eine gute Verbindung zur Stadt die Absatzmöglichkeiten der Produkte gewährleistet. Sie beruht auf dem Prinzip der Eigenarbeit, d. h. der Tätigkeit der Siedler und ihrer Familie, die durch genossenschaftliche Einrichtungen und eine ausreichende Instruktion in der ersten Zeit unterstützt wird. Was die Form der Ansiedlung betrifft, so hat sich gezeigt, daß eine gut organisierte Ansiedlungsinstanz erforderlich ist, um die Arbeit vorzubereiten und die Risiken des Einzelnen zu erleichtern. Zu diesem Zweck hat die Abteilung zur Ansiedlung von Juden aus Deutschland bei der Jewish Agency die Rassco gegründet, die als gemischt-wirtschaftliehe Gesellschaft tätig ist. Was die Kosten der Ansiedlung betrifft, so muß man mit durchschnittlich 1500 Pfund bei der Ansiedlung auf rivatem Boden rechnen, während die Kosten auf KKL.-Boden 150—1200 Pfund betragen. Als wichtigste Punkte, die für die Ansiedlung der neuen Familien in Frage kommen, sind Jokneam bei Mischmar Haemek, Gan Chajim und Gan Schomron bei Kerkur in Aussicht genommen. Ein weiteres Arbeitsgebiet, dem sich die Rassco widmet, ist die Errichtung von Hilfswirtschaften, die etwa 350 Pfund kosten, wofür Gelder des Council for German Jewry in London für langfristige Kredite zur Verfügung stehen, Diese Wirtschaften sollen Siedlern mit geringem Kapital die Möglichkeit geben, einen Teil ihres Unterhaltes aus der Landwirtschaft zu beziehen, während der Rest der Lebenskosten von Außenarbeit gedeckt werden muß. Weitere Versuche dieser Art sind geplant, die insbesondere auch älteren Kapitalisten die Möglichkeit geben sollen, Im Rahmen ihrer Arbeitskraft landwirtschaftlich tätig zu sein. Schließlich widmet man sich dem Problem der billigen Wohnungen, so daß mit Hilfe vorstädtischer Siedlungen, z. B. in Kirjath Bialik bei Haifa Jiir etwa 600 Pfund, eine Heimstätte gegründet werden kann, die neben der billigen Miete den Vorteil hat, daß die Spartätigkeit dadurch stark angeregt wird. Alles in allem kann man sagen, daß das Problem, mittelständische Elemente aufs Land zu bringen, heute als gelöst eiten kann, und daß die Einwanderer aus Deutschland dazu cigetragen haben, dieses Arbeitsgebiet in Palästina zu konsolidieren. Es ist eine Leistung von wirklich pionierhaftem Charakter, die für die Zukunft des Palästina-Aufbaus und nicht zuletzt auch für die Einwanderung aus Deutschland von allergrößter Bedeutung ist. Näheres über Möglichkeiten einer mittelständischen An- Siedlung bei der Rassco ist durch die Rasscovertretung für Deutschland, Berlin W 15, Meinekestr. 10, zu erfahren. Private Wirtschaften Probleme der llndlichen Ansiedlung Um die Lücke, die die bisherige Kenntnis der jüdischen Landwirtschaft aufwies, auszufüllen, hat das Tel-Aviver Büro des American Economic Committee for Pale« st ine itn letzten Jahre eine Untersuchung der Bedingungen und Möglichkeiten in Gemischt wirtschaften bei Einzelsiedlern vorgenommen. Die Untersuchung war notwendigerweise auf das Jahr 1935 beschränkt, das als let2te vollständige Periode einen Ueberblick über besondere Bedingungen der Entwicklung gestattet. Die Rekord-Einwamle« rting dieses Jahres hatte die Nachfrage nach landwirtsehaft« liehen Erzeugnissen gesteigert; ungenügende Versorgung durch jüdische Wirtschaften hatte ein Erzielen hoher Preise zur Folge; arabische Konkurrenz übte keine ernsthafte Beeinflussung auf die Umsätze, die recht zufriedenstellend waren, aus; maximale Eigenproduktion durch die jüdische Gemein- Schaft wurde weitgehend befürwortet, um den steigenden Lebensmittelimport auf ein Minimum zu beschränken. Alles ztisammengenommen konnte das Jahr als günstig bezeichnet werden, in bezug auf erweiterte Nachfrage, ausgezeichnete Preise, weitverbreitete und erfolgreiche Brunnenbohrung, wirksame Propaganda für intensive Betreibung der Landwirt- Schaft und die Notwendigkeit für Neueinwaiiderer, sich ein Einkommen bringendes Unternehmen zu schaffen; das alles verursachte eine rapide Erweiterung der Viehzucht und bewässerten Anpflanzungen. Der Bericht des American Economic Committee for Pale• Mine umfaßt etwa 125 Folioseiten, dazu zahlreiche Tabellen, Die Untersuchung der Lage privater jüdischer Wirtschaften im Jahre 1935 hatte drei Haupt-Objekte: 1. Information über die tatsächliche Situation in Privat* wirtschaften im Jahre 1935; 2. Kenntnis der wichtigen individuellen und sozialen Pro« bleme des Landwirts; 3. Information über Geinisclitwirtscliaft, die jetzt in ge• sammelter Form für zukünftige Siedler erhältlich ist. Die gründliche Erforschung der Erfahrungen privater jüdischer Siedler in Palästina zeigt, daß ein gewisses Minimum an Voraussetzungen genereller Natur erforderlich ist, das von der Regierung, der Jewish Agency und anderen jüdischen öffentlichen Körperschaften gegeben werden muß, abgesehen von privaten finanziellen, ökonomischen und technischen Be* rücksichtigungen. Was die palästinensische Regierung betrifft, so ist erwiesen, daß es ihre Pflicht war, für folgendes zu sorgen: Ausreichende Sicherheit für Leben und Eigentum (um außergewöhnliche Kosten für private Wachen und Verhist durch böswillige Zerstörung zu vermeiden), Aendernng des Gesetzes, um den Landenverb zu erleichtern, baldige Formuliertmg und Ausführung eines Programms für Bewässerung- Projekte, Bau von Chausseen und Nebenstraßen, Erweiterung landwirtschaftlicher Untersuchungen, Boden für landwirtsehaft- Uche Versuche, Instruktionsdienst, finanzielle Erleichterungen und verbesserte Zollschutzbodingungen. Von der Jewish Agency wäre die Erfüllung folgen■! der sieben Forderungen 7.u> wünschen: Schaffung von Fonds für die Ansiedlung von Gruppen und Einzelsiedlern, Nutzbarn,adu1ng von KKL-Boden für Privatsiedler, Ueberlassung von erschlossenem Land mit Wasser und Reserveland an Privat- Personen für Ausdehnung und allgemeine Förderung zu mäßi• gen Preisen, Unterstützung und Anleitung privater Initiative auf dem Boden von Erez Israel. Die Aufzeichnungen des American Economic Committee for Palestine, die im Zusammenhang mit dem vom Committee gemachten Vorschlag, private Wirtschaften durch jüdische öffentliche Körperschaften zu unterstützen, gemacht wurden, zeigen, daß die unbefriedigende Lage der eingewanderten Siedler in bezug auf die Möglichkeit, ihrem Bedarf entsprechendes Land zu finden, das größte Hindernis für landwirtschaftliche Niederlassung der Mittelstandseinwanderer war, Vom Palästina-Ordiester Tel Aviv, im Juli 1937 Es sind noch mehr als drei Monate bis zum Beginn der neuen Konzertsaison und schon heute erreicht die Zahl der Mifgliedsanmeldungen zur ״Palestine Orchestra Association“ 90 »o der Gesamtzahl des Vorjahres. Die Vereinigung wird insofern ihren Wirkungskreis erweitern, als man nach Tel Avivcr Vorbild auch in Jerusalem und Haifa die Zahl der Konzerte und insbesondere, der Grundidee Hubermans treu bleibend, der Arbeiterkonzerte wesentlich erhöhen wird. Die Mitgliedsbeiträge bleiben unverändert. Um so mehr wird es begrüßt werden, daß die Mitglieder im dieser Saison eine Er• itiäßigung von 20 «0 auf die regulären Preise erhalten, gegenüber 10 °/0 im Vorjahr. Auch bei Sonderveranstaltungen sollen von nun ab den Mitgliedern ihre Stammplätze reserviert bleiben. Man darf Init Recht erwarten, daß in der kommenden Saison, die Huberman als Solist des Beethovenschen Violinkonzerts eröffnen wird, für die Toseanini, Dobrowen, Dr. Sargent, Steinberg und Taube erneut als Dirigenten verpflichtet sind, das Orchester seinen so schnell erworbenen Ruhm bestätigen und strengsten kritischen Maßstäben standhalten wird. Nicht ganz einverstanden sind wir aber mit der Entwicklung der Sommerkonzerte. Selbstverständlich ist es zu begrüßen, wenn auch leichtere Musik gepflegt wird, wenn durch volkstümliche Preise neue Schichten des Publikums ge- Wonnen werden, wenn im Lande lebenden Dirigenten, soweit sie ihre besondere Eignung beweisen können, Gelegenheit gegeben wird, am Pult zu erscheinen und wenn gleichzeitig auch der finanzielle Status des Orchesters sieh durch die Sommerkonzerte weiter verbessert. Es gilt aber sorgsam zu überprüfen, ob die eventuellen Schäden, die so dem gerade zu einer Einheit verschmolzenen Klangkörper zügefügt werden können, nicht alles bisher Erreichte bedrohen und ob nicht auch den früheren Bemühungen, das Publikum für ernste, ja schwere Musik empfänglich und verständnisreif zu machen, durch einen kurkonzertähnlichen Betrieb wieder die Wirkung genommen wird. Mag sein, daß im Winter nichts davon spürbar sein wird, aber diese Bedenken meldeten sich besonders stark bei einem Konzert, das unter Leitung des Orchester-Mitglieds Bronislaw Schulz stand. Das Programm: Orpheus-Ouvertiire, Schöne blaue Donau, Liszts 2. Rhapsodie, Tschaikowskyg Capricco Italien und Kaukasische Rhythmen von Ippolotiff- Ivanoff hätte Freunden unbeschwerter Musik einen genußvollen Abend bereiten können. Aber die manierierte Art zu dirigieren und die willkürlichen Entstellungen der Werke ließen nur tiefe Mißstimmung aufkommen. Einzig die Vio• linen- bzw׳. Bratschensoli von Andreas Weißgerber und Harry Blumberg trösteten ein wenig über den verunglückten Abend, Im vorangehenden Konzert berührte es eigenartig, daß das Orchester selbst mir mit zwei Stücken vertreten war, während der erste längere Teil von Gesängen der vereinigten Chöre ״Hasamir“ Te! Aviv lind Raananah unter dem Dirigen• ten Leo Low bestritten wurde. Welche Bindungen mit dem Palästina-Orchester bestehen, ist nicht ersichtlich, zumal der etwa 150 Personen starke Chor keine Qualifikation besitzt, dem Orchester bei etwa zukünftigen Aufführungen großer Oratorien- oder Symphonie-Werke zu assistieren, falls man das nach der einer! Probe aus ״Judas Maccabeus“ und nach der stimmlichen soxvie gestalterischen Gesamtleistung beurteilen sollte. Geradezu unverständlich ist es, daß man diesem ersten Teil, der fast ausschließlich Volkslieder enthielt, nach der Pause Beethovens 2. Symphonie, mit der ״Sakimtala-Ouver• tiire von Goldmark als Vorspann, folgen ließ! Der Dirigent dieses Orchesterteils Otto Sei berg war um eine objek• tive, dem Werk dienende Wiedergabe bemüht. Manfred Geis Katalog hebräischer Literatur. In ״ZrorMichtawi m״, dem Organ des Kibbuz Meucha d, findet sich ein Bericht der Kulturabteilung des Kibbuz über die Ausarbeitung eines Katalogs hebräischer Bücher für Anfänger. Das Bedürfnis danach ist sehr groß. Die meisten der Ein• Wanderer aus Deutschland, die im Kibbuz leben, pflegen noch nicht zum hebräischen Buch zu greifen. Auch viele von denen, die aus anderen Ländern stammen, lesen nicht hebräisch. Für all diese gilt es Bücher namhaft zu machen, die in einem leichten Hebräisch geschrieben sind, punktiert sind und auch dem Inhalt nach passen. Die Bibliothekare der verschiedenen Siedlungspunkte sind oft nicht in der Lage, in solchen Fällen die richtigen Bücher zu empfehlen. Der Katalog soll den Bibliothekaren, den hebräischen Lehrern und den Lesenden selbst zur Hilfe kommen. Der Katalog soll auch eine Grundlage für Anschaffungen für die einzelnen Bibliotheken abgeben. Da nicht jeder Siedhmgspunkt in der Lage sein wird, alle empfohlenen Bücher anzuschaffen, wer• den drei Verzeichnisse in verschiedenen Preislagen zusammen• estellt. Die Verzeichnisse sind auch nach dem Gesichtspunkt er Herkunftsländer der Anfänger untergeteilt. Westjuden und Ostjuden finden besondere Berücksichtigung. Die Haupt• Schwierigkeit ist, daß fast gar keine Literatur existiert, die speziell für den Anfänger publiziert worden ist. Man ist deshalb gezwungen, Kinder- und Jugendliteratur zur Hilfe zu nehmen und aus ihr diejenigen Bücher auszuwähleti, die für Erwachsenen passen. Für die Juden aus Deutschland werden besonders Bücher jüdischen Inhalts empfohlen. Birmlzwih-Termin 1 Am 7. August (30. Aw): Ralph Sichel, Sohn wn Julius Sichel, zur Zeit H.111.1. (Schluß de! Palästinateils)