Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1937)
- Date
- 1937-08-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6V 3. VIII. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Vor der Eröffnung־ R. W. Zürich, Montagnachmittag (telephonisch) Die Stadt Zürich empfängt den Kongreß mit dem ganzen Zauber ihrer Kullur und ihrer liebenswürdigen Gastlichkeit. Delegierte und Gäste aus allen Ländern sind schon eingdrof* fen, und im Stadtbild ist der jüdische Einschlag deutlieh erkennbar, obwohl gerade jetzt noch andere Veranstaltungen hier stattfinden. Das Leben konzentriert sich um die Tonhalle, wo die Büros sind und wo die Vorkonferenzen stattfinden, während die Kongreßsitzungen im Stadtt h e a t e r abgehalten werden, an dessen äußerer Fassade noch Renovierungsarbeiten vorgenommen werden. (Hier ist ein Irrtum der Bildberichterstattung der letzten Nummer zu berichtigen: die Plenarsitzungen des Kongresses sind im Stadttheater, die Eröffnungssitzung in der Tonhalle.) Heute tagen den ganzen Tag die verschiedenen Fraktionen und Part e i e n. Außerdem bilden sich überall kleine Gruppen von Menschen aller Richtungen, die eindringlich die neu geschaffene politische Situation und die Einzelheiten des Peei-Berichtes debattieren. Besonderes Interesse wendet sich der Gruppe A der Allgemeinen Zionisten zu, wo Weizmann heute nachmittag ein Expose über die Lage halt. Es ist das erstemal, daß Weizmann auf diesem Kongreß spricht, als Gast der Gruppe, der er parteimäßig zugehört, wenn bei ihm überhaupt von einer Parteizugehörigkeit im engeren Sinne gesprechen werden kann. Bei der morgigen Eröffn ungs- Sitzung wird Weizmann sich in seiner Rede mit einem allgemeinen Ueberblick begnügen und noch nicht in die Details der politischen Fragen eingehen. Die wichtige politische Rede Weizmanns findet erst Mittwoch früh in der Vollsitzung des Kongresses statt. Dort wird Weizmann seine mit großer Spannring erwartete Stellungnahme zum Teilungsplan vortragen. Nach einem Beschluß des A.-C. wird dann Ussischkin sprechen, und nach einigen weiteren Reden wird der Kongreß als Ganzes sich als politische Kommission konstituieren, wo die politischen Debatten in geschlossener Sitzung stattfinden. Bei der Eröffnungssitzung wird außer Weizmanns Rede nur noch eine Trauerrede für So kolow gehalten werden. Es ist der erste Kongreß seit vielen Jahren, auf dem Sokolow nicht mehr anwesend ist. Schon zeigt sich, daß die Stellungnahme zur Teilungsfrage keine Parteisache ist. Alle Menschen fühlen, daß ein Moment von großer Verantwortung gekommen ist, wo die Parteischranken durchbrochen werden müssen und nach dem wirklichen Gehalt der Fragen geurteilt wird, weil zum ersten Male seit Jahren etwas Neues in die Diskussion geworfen wurde. Man findet bei der Abschätzung der Möglichkeiten dieselbe Haltung sehr verbreitet, die publizistisch zum ersten Maie von Dr. Siegfried Moses in seinem Artikel in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ dargestellt wmrde. Viele denken so, wagten aber bisher aus Parteigründen noch nicht, öffentlich sich positiv zu einem modifizierten Teil ungs plan zu äußern. Das realpolitische Denken erfordert, daß man im Falle einer brüsken Ablehnung des Teilungsplanes die aridere Alternative genau untersucht. So sind zahlreiche Menschen im Verlauf des Gedankenganges dazu gekommen, sich viel freundlicher zu dem Prinzip der Teilung zu verhalten, als es zunächst ihrer gefühlsroäßigen Einstellung entsprochen haben mag. ־ Das Aktions-Comitö hat heute beschlossen, Ussisch- 'xl'n zum Präsidenten des Kongresses vorzuschiagen. Die Tatsache, daß Weizmann den Vorschlag eingebracht hat, zeigt, daß es sich hier um eine Demonstration der Einigkeit handelt. Ussischkin ist nach dem Tode Sokolows die ei-nzig iibriggebliebcne große Figur der alten, heroischen Zeit des Zionismus. Es ist naheliegend, ihn mit der Würde des Kongreßpräsidenten zu betrauen. Die Pikanterie — wenn man von einer solchen sprechen darf — besteht darin, daß Ussischkin in der letzten Zeit sehr aktiv politisch hervorgetreten ist an der Spitze der Gruppe, die unter allen Umständen den Teilungsplan a b 1 e h n t. Es ist aber kein Zweifel, daß seine Wahl zum Präsidenten des Kongresses eine persönliche Reverenz ist, keine Identifizierung des Kongresses mit seinen politischen Meinungen. Wenn man die Chancen abschätzen darf, so läßt sich mit aller gebotenen Vorsicht sagen, daß allem Anschein nach schon jetzt eine große Mehrheit dafür da ist, der Exekutive Vollmacht zu Verhandlun• gen auf Grund des Peel-Berichtes zu geben. Die große Mehrheit sowohl der Gruppe A als auch der Arbeiter-Fraktion scheint diesem Standpunkt zuzuneigen. Es zeigt sich wieder, daß viele Resolutionen, die früher gefaßt worden sind, so z. B. auch die scharfe Resolution der Moezah der Arbeiterpartei in Jerusalem, die wahre Stimmung der Partei nicht ganz exakt ausdrücken. Die Bedingungen, unter denen von jüdischer Seite einem Teilungsplan zugestimmt werden könnte, sind aus den Pressediskussionen der letzten Zeit bereits bekannt. Mit den Worten eines sehr prominenten Zionisten lassen sie sich wie folgt zusammenfassen: der uns angebotene Judenstaat muß zwei Bedingungen erfüllen: Er muß Raum genug haben, damit sich dort eine jüdische Kultur entfalten kann, die für die Juden und zugleich für die Welt als solche etwas bedeutet, so wie schon oft in der Geschichte von kleinen Staaten große Kulturleistungen ansgegangen sind. Und zweitens muB der Judenstaat so groß sein, daß er einen nennenswerten Beitrag zur Abhilfe der Judennot leisten kann, d. h. zur Aufnahme jüdischer Auswanderer, die in ihren jetzigen Wohnländern nicht bleiben können. Der ״ORT“ auf der Weltausstellung. Unser Pariser K.-Berichterstatter schreibt uns: In Paris ist jetzt im Rahmen der Weltausstellung ein Internationaler Pavillon eröffnet worden, der die Ncbcnaussteilungen verschiedener Länder, die in den Landespavillons keinen Platz mehr hatten, die Aus- Stellung kleiner Länder wie Albanien, sowie zwei jüdische Sonderaussteilungen, die Schau des ORT und eine noch nicht fertiggestellte Ausstellung der modernen jüdisehen Kultur enthält. Der Stand des ORT, der von dem Architekten Otto Bauer in geschickter und übersichtliche? Weise aufgebaut worden ist, gibt einen Ueberblick über die Arbeit dieser Organisation für die Verbreitung des Hand- Werks und der Landwirtschaft unter den Juden. Eine große Wandkarte zeigt die Verbreitung der Institutionen des ORT in den verschiedenen Ländern Europas, vor allem in Polen, Rußland und Rumänien. Statistiken geben in plastischer Form einen Ueberblick über die Arbeit der Organisation in den letzten Jahren. Aus ihnen geht hervor, daß der ORT im Jahre 1936 55 000 Menschen in verschiedenen Formen unterstützte und daß er in den Jahren 1930—1936 rund .140 Millionen Frcs. für seine Hilfsarbeit ausgegeben hat. An Tischen und in Vitrinen werden Arbeiten der Schiller der Berufsschulen des ORT in den verschiedensten Handwerkszweigen gezeigt, Juden zwischen West und Ost Ungarische Reise-Eindrücke HI.*) KL, Budapest, im Juli 1937 Wir haben bereits früher darauf hingewiesen, daß das ungarische Judentum trotz seiner west-östlichen Mischung der inneren Tendenz nach durchaus zum Westen hinneigt. Diese Beobachtung wird besonders in wirtschaftlicher Be- Ziehung deutlich, wenn man sich die soziale und Ökonomische Struktur des ungarischen und insbesondere des Budapester Judentums vor Augen führt. In Budapest sind über 50 ״> aller jüdischen Erwerbstätigen im Handel und Kreditwesen beschäftigt; auf Industrie und Handwerk entfallen 17,5 0/0, auf das Verkehrswesen über 8 0,ö und auf die freien Berufe etwas über 15 c/o. Der Anteil der selbständigen Unternehmer ist dabei sehr hoch. Diese Berufsgliederung stellt also eine typisch westliche Schichtung dar, bei der die vermittelnden Tätigkeiten im Vordergrund stehen und auch die freien Berufe sehr stark vertreten sind, während das östliehe Judentum in viel stärkerem Maße im Handwerk und in den physisch arbeitenden Berufen konzentriert ist, Ein Gang durch die Hauptgeschäftsstraßen von Bydapest, vorbei an den Läden der Vaczi-, der Kossuth Lajos-, der Rakoczi-Straße und über die großen Ringstraßen zeigt den bedeutenden Anteil der Juden Budapests am Einzelhandel wie am Großhandel. Nicht immer ist der jüdische Inhaber allerdings am Namen zu erkennen, da die Bewegung zur Magyarisierung der Namen hier sehr weit fortgescliritten ist. Die Eleganz der Stadt, die als Metropole eines im übrigen zum größten Teil agrarischen Landes alle Kräfte des Luxus in sich konzentriert und entfaltet zu haben scheint, steigert sich in diesen Geschäftsstraßen außerordentlich, die ebenso sehr von Paris her inspiriert zu sein scheinen wie von einer schon leicht orientalisch gefärbten Freude an Schmuck und Schönheit. Vielleicht liegt in dieser Fassade ein wenig Uebertriebenheit; mancher, der das jiidische Leben unserer Zeit vor seinem geistigen Auge Revue passieren läßt, während er durch die schönen Straßen von Budapest geht, die Geschäfte sieht, die Fülle der Auslagen, die Eleganz der Frauen und Kinder, und der weiß, dafi ein großer Prozentsatz all dessen zugleich ein Ausdruck jüdisehen Daseins ist, kann sich eines leichten Bedenkens nicht erwehren. Diese Art des Lebens, der äußeren Unbesorgtheit und Unbeschwertheit von Juden kommt ihm beinahe gespenstisch vor. Aber wie dem auch sei, ob das äußere Bild der Stadt und der Menschen angemessen oder übertrieben ist, die Juden der Hauptstadt tragen ihr Teil und noch ein wenig mehr dazu bei, daß ihr Charakter als elegante und repräsentative Metropole zu einem blendenden Ausdruck kommt. Nicht nur in den Geschäftsstraßen ist dies der Fall, auch zur Ent- Wicklung der eleganten Wohnviertel auf der Ofener Seite, die sich an den Berglehnen mitten im Grün hinziehen, haben sie sehr viel beigetragen. Allerdings darf man über dieses Bild nicht eine andere Seite des jüdischen Lebens vergessen, die nur wenige Schritt von den großen Geschäftsstraßen entfernt zu finden ist, das Budapester Ghetto, die Straßen zwischen der Trommel- und der Königsgasse, in denen die soziale Unterschicht des Budapester Judentums lebt. Dort wohnen und arbeiten Juden kaum anders als in Warschau oder in anderen jüdischen Groß- Siedlungen des Ostens, in engen Höfen, den für Budapest so charakteristischen Galeriehäusern, mit wenig Licht und Luft und ohne Grün in dieser mit der Natur so eng verbundenen Stadt. .Hier gibt es zahlreiche Synagogen und Gebetstuben aller religiösen Richtungen, Gasthäuser und hebräische Buchhandlungen, kurz, das so wohlbekannte Bild jüdischer Gassen, hier und da belebt durch Männer mit Kaftan und Schläfenlocken, die jedoch nicht allzu häufig sind. Die hebräischen Aufschriften an den Geschäften und Gasthäusern sind allerdings auf einen Wunsch der Stadtverwaltung hin in den *) Siehe die Berichte in Nr. 59 und 60. letzten Wochen zum größten Teil entfernt worden, und nur einige wenige Standhafte haben sie beibehalten, während sonst die Aufschrift ״orthodox — koscher“ an ihre Stelle getreten ist. Hier in diesen Gassen gibt es naturgemäß auch eine verbreitete Hilfsbedürftigkeit unter den Juden. Etwa 15 000 Menschen werden in verschiedenen Formen von den Budapester üemeindeinstitutionen sozial betreut, wofür ein Etat von 4 Millionen Pengö im Jahr zur Verfügung steht. Allerdings setzt sich der Großteil dieser Hilfsbedürftigen aus alten oder an sich sozial gefährdeten Personen zusammen, während die Masse auch der Bevölkerung dieser Judengassen die Möglichkeit des sozialen Aufstieges wenigstens bis vor kurzer Zeit noch vor sich sah. So mancher, der heute in_ den vornehmen Straßen des Ofener Westens lebt, ist in diesen Gassen aufgewachsen, die eine Art Klärbecken für die aus der Provinz zu gezogenen Juden bilden und nicht, wie ip manchen anderen Judensiedlungen der Welt, nur ein Ort des Verkümmerns sind. Hier wird man auch auf den jüdischen Hand wer״ ker aufmerksam, der im ungarischen Judentum einen ge״ achteten Platz einniimnt und dessen Ruf in der Welt außerordentlich gut ist. Auch in Palästina genießen aus Ungarn eingewanderte Handwerker Ansehen, da sie über eine besonders gute technische Tradition verfügen und im Gegensatz zu den jüdischen Handwerkern aus Polen die Möglichkeit einer gründlichen Ausbildung besitzen. Im allgemeinen geht es dem jüdischen Handwerkerstand hier relativ gut. — Wenn man die b e r u f I i c he G! i c d eru n g der ungarisehen Juden ins Auge faßt und die Frage stellt, wie tief sie in der ungarischen Wirtschaft verwurzelt sind — eine Frage, die naturgemäß für die Beurteilung des Problems wichtig ist, wie groß ihre Gefährdung durch antijüdische Forderungen auf dem Gebiete der Wirtschaft erscheint —, so muß man ihre Stellung im Finanz w c s e n und in der Industrie berücksichtigen. Während in westlichen Ländern die Bcteiligung der Juden an der Industrie zumeist relativ gering ist und sich in der Hauptsache auf die verarbeitende Industrie, in erster Linie die Konfektion, erstreckt, liegen die Dinge hier in Ungarn anders. Ungarn ist überhaupt erst Verhältnismäßig spät zur Entwicklung einer eigenen Industrie übergegangen, die insbesondere auf Budapest und seine Umgebung konzentriert ist. Auch heute spielt das Problem, inwieweit das Agrarland Ungarn zugleich Industrieland sein soll und kann, in der Diskussion eine Rolle. Bei der Entwicklung des industriellen Sektors nun haben besonders die Budapester Juden teils auf Grund ihrer Stellung im Finanzwesen, teils von der Seite clcs Handels und Großhandels her eine bedeutende Rolle gespielt. So ist cs dazu gekommen, daß die Beteiligung der Juden an der Industrie in Ungarn nicht allein auf die Herstellung von Kleidern und ähnlichen Artikeln des täglichen Bedarfs beschränkt geblieben ist, sondern daß sie auch in der Textilindustrie, in der chemischen und in der Schwerindustrie eine bedeutsame Position innehaben. Iri der Leitung der Unternehmungen wie auch in ihrer Verwaltung, d. h. unter der Angestelltenschaft, ist ihr Anteil erheblich. Die Diskussionen in der Presse und im Parlament, die über die Frage der Unterbringung der Jugend des christlichen Mittelstandes geführt werden, haben das Augenmerk der Oeffentüchkeit auf dieses Gebiet gelenkt, das naturgemäß das besondere Interesse der antijüdischen Kreise im Lande findet. Auch in der Provinz ist die Situation der Juden In wirtschaftlicher Hinsicht einigermaßen analog den Budapester Verhältnissen gelagert, wenn auch mit starken örtlichen Korrekturen. Hier macht sich in letzter Zeit zum Teil die Konkurrenz christlicher Kooperativen im Handel bemerkbar, die mit deutlich judenfeindlicher Spitze geschaffen wurden und dem jüdischen Kaufmann besonders auf dem Lande des Lebens erschweren. In bezug auf das Gebiet des Wirtschaftliehen Konkurrenzkampfes wird ja gegenwärtig in Ungarn die Diskussion über die Judenfrage in erster Linie geführt, so daß Juden wie Nichtjuden und besonders auch die Presse diesem Problem ihr Augenmerk fortlaufend zmvenden. (Fortsetzung folgt) Polenreise Weizmanns? Zürich, 1. August (JTA.) Wie die Jüd. Telegraphen- Agentur von zuverlässiger Seite erfährt, wird Dr. Chaim weizmann sich Ende August nach Polen begeben, um mit Vertretern der Regierung die Stellungnahme Polens zudem Teilungsplan zu erörtern. Er wird auch eine Reihe weiterer Probleme besprechen. Nachspiel zum ״Erlösuttgsnt&rscli*‘ Warschau, 30. Juli (JTA.). Der Führer des ״Erlösungsmarsches der Zehntausend“ nach Palästina, Adv. Wilhelm R y p p e 1, ist von einem Warschauer Amtsgericht wegen Wachebeleidigung zu 300 Zloty Geldstrafe oder 15 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Der Angeklagte gab zu, beleidigende Aeußerungen gregen die Polizei getan zu haben, als sein Zug 16km von Warschau entfernt aufgelöst wurde. Dies sei arier in Erregung geschehen, als er sah, daß seine Leute mißhandelt wurden. Auf Fragen der Verteidiger erklärte Ryppel, er habe zwar keine schriftliche Erlaubnis zu der Veranstaltung des Marsches gehabt, jedoch geglaubt, daß eine solche nicht erforderlich sei. Der Kegierungskomtnissar sei über alle Einzelheiten unterrichtet gewesen und auch dem Ministerpräsidenten habe er seine Absichten in einer dreiviertelstündigen Audienz dargelegt. Nach der Zeugenvernehmung beantragte der öffentliehe Ankläger eine zweijährige Gefängnisstrafe mit der Begründung, es sei nicht anzunehmen, daß Ryppel an die Durch• führbarkeit seines Unternehmens geglaubt hat. Die jungen Menschen seien durch ihn irregeleitet worden. Der Vertcldiger wies demgegenüber darauf hin, daß Ryppel nur dem von allen Seiten ausgesprochenen Wunsch nach jüdischer Auswanderung entsprechen wollte. Ryppel selbst erklärte im Schlußwort, die von ihm gebildete ״Jiingjüdische Front“ habe die Aufgabe gehabt, die Juden zu einem freien Leben auf eigenem Boden zu führen und die Umwelt zu bewegen, sie mit anderen Augen zu betrachten, als es heute geschieht. Antisemitismus in Frankreich. Unser Pariser K.-Berichterstatter schreibt uns: Kürzlich fanden zwei große öffentliehe Veranstaltungen in Paris statt. Die LIGA veranstaltete eine Versammlung, in der verschiedene nichtjüdische Redner gegen die antisemitische Bewegung in Frankreich Stellung nahmen. Von den Rednern sind der katholische Schriftsteiler und Politiker Marc S a g n i e r, der Vorsitzende des internationalen Büros für das Asylrecht Paul P e r r i n, der Senator des Seinedepartements Fieurot, der katholische Geistliche Pater Mangold und der Vorsitzende der radikalsozialistischen Partei, Cudenet, hervorzuheben. In der zweiten Versammlung, die wenige Tage später stattfand, wurde die antisemitische Bewegung in den französischen Kolonien, vor allem in Nordafrika, behandelt. U. a. sprach Professor Hadamard vom Institut de France. IN ALLER KÜRZE In Kattowitz fand vor kurzem eine Tagung der Verbände öffentlicher Angestellter aus ganz Polen statt. Die Nationaldemokraten harten zu dieser Tagung umfassende Vorbcrei« tungen getroffen in der Absicht, die Annahme des Arier- Paragraphen durchzusetzcn. Der Antrag wurde jedoch mit überwältigender Mehrheit a b g e! e h!11. An der Spitze der Gruppe, die gegen die Einführung des Arier-Paragraphen gestimmt hat, stand der Wojwodc Grazynski. Der polnische Ministerpräsident General Dr. SlawoJ Skladkowski hat dem Vorsitzenden des Jüdischen Parlamentsklubs, Ahg. Dr. Emil Sommerstcin, versichert, daß die polnische Regierung die Einführung von Ghettos auf den öffentlichen Märkten nicht dulden werde. An der in Antwerpen vom 22. bis 25 August stattfinden« den zweiten Konferenz des Welt verba 11 des der pol« n i s c h e 11 Juden im Auslande werden Vertreter a us 16 Ländern teil nehmen. Die Konferenz wird sich mit den Problemen befassen, die sich aus der rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Lage der polnischen Judcnhcit ergeben. Die Frage der Auswanderung polnischer Juden und ihre An- Siedlung in Palästina wird in den Beratungen einen breiten Raum einnehmen. Ministerpräsident Mussolini hat den Oberrabbiner von Rom, Prof. Davide Prato, empfangen und ihm versichert, daß die Juden Italiens durchaus berechtigt seien, sich auf dem Zionistenkongreß in Zürich vertreten zu lassen und an ihm teilzimehmen. Die Mitglieder der amerikanischen Abteilung der Jewislr Agency for Palestine, Felix M. Warburg, Dr. Morris K a rp f und Dr. S. Lowenstcin traten am 31. Juli an Bord des Dampfers ״Brftannic“ die Uebcrfahrt nach Europa an, um an der Tagung des Council der Jewish Agency teilzunehmen. Bei der Eröffnung des Internationalen Philosophiekongresses in Paris wurde ein Begrüßungs. schreiben des Ehrenpräsidenten des Kongresses, Henri Berg• son, verlesen. Lord Samuel begrüßte den Kongreß im Namen des ״British Institute of Philosophv“. Prof. Leon Brunschvicg sprach über die neueren Bestrebungen deT französischen Philosophen, die Tradition von Dcscartes fortzusetzen. Der Paulus-Bund, Vereinigung nichtarischer Christen e. V., trägt nach einer Anordnung des Reichsknlturwalters Hinkel künftig den Namen ״Vereinigung 1937 e. V.“ Das Kaufhaus Eisenstein in Gütersloh ist in den Besitz der Firma Klara jakubeit übergegangen. Am 28. Juli wurde vor der Prager Alt-Neuschu! ein Moses-Denkmal aufgestellt. Dr. Jacob Diner, einer der hervorragendsten Pharmakologen Amerikas, ist in New York im Alter von 67 Jahren gestorben.