Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 60 (30.7.1937)
- Date
- 1937-07-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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־"Seite 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nf. 60, 30. VII. 1937 IN ALLER KURZE An der historischen Stätte des im Jahre 1897 abgehaltenen ersten Zionistenkongresses, im Baseler Stadtkasino, findet am 8. August eine Erinnerungsfeier statt. Die an dieser Feier teilnehmenden Delegierten und Gäste des XX. Zicmistenkongresses begeben sich an diesem Tag von Zürich aus mit einem Sonderzug nach Basel. Der Restaurateur-Verband in Warschau hat dem polnischen Finanzminister eine Denkschrift überreicht, in der verlangt wird, an Juden keine Konzessionen mehr zu vergeben und die Eröffnung von jüdischen Gastwirtschaften im Zentrum der Hauptstadt zu verbieten. Bei den in Panciu (Rumänien) durchgeführten Gemeinde- und Bezirksratswahlen ist es zu schweren judenfeindliehen Ausschreitungen gekommen. Mehrere hundert Cuzisten durchzogen die Straßen und mißhandelten jüdische Passanten. Dreißig jüdische Läden und Privatwohnungen wurden vollkommen zerstört. Im Einvernehmen mit dern Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda veranstaltet die Gauleitung München- Oberbayern der NSDAP, zusammen mit der Landcsstelle München-Oberbayern des Reichspropagandaministeriums im Herbst dieses Jahres im Deutschen Museum in München eine politische Schau: ״Der ewige Jude״. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda hat jeglichen Vertrieb des Volksempfängers VE 301 und des DAF-Empf.ingers DAF 1011, auch von Einzelteilen, ganz gleich welcher Ausführung, für jüdische Einzel- und Großhändler ausdrücklich untersagt. Die bisherige Firma Osteroder Mühlen werke, Oebr. Gutstein, wird nunmehr als arisches Unternehmen von der Firma Albert Millenet Osteroder Mühlenwerke, Osterode (Ostpr.), weitergefulirt. In Bremen ist das Herren-Artikelgeschäft von Louis Our au in arische« Besitz übergegangen. Herr Joachim Leopold F r i e d rn a n n wurde zum Attache bei dem französischen Generalkonsulat in Palästina ernannt. Der Großrabbiner von Frankreich, Israel L 6 v i, ist von dem Seminar des jüdisch-theologischen Institutes in New York zu!״ ilocmr honoris causa ernannt worden. Pariser jiddische Autoren haben einen neuen Verlag ״Zusammen“ gegründet, dessen erste Veröffentlichungen ein palästinensischer Roman von j. S p a n n, ein Band Novellen und Reportagen von K. Benck, eine Anatolc-France-Biographie von Aron Beel; ermann und eine Geschichte der jüdischer! Arbeiterschaft in Paris bis 1914 von S. S c 11 e i k o w s k i sein werden. Rabbi Jekufie! Jeltutla Grünwald, der als hebräischer Historiker mehrfach hervorgetreten ist, veröffentlichte eine Biographie des (iaon Ephraim (toben von Wilna (161()—1678), der nach der Wilnaer Judenverfolgung nach Ungarn zog und dem das Wiederaufleben der ungarischen jüdischen Gelehrsamkeit zu danken ist. Grünwalds Biographie gibt ein Bild jener Zeit, der Zeit Sabbathai Zwis. Der Pianist Erich Länderer spielt am 29. August in einem Orchesterkonzert im Kurhaus Scheveningen. Der Komponist Herbert Fromm gab am 4. Jul! unter Mitwirkung der Pianistin Martha Eisen b erg und der Sopranistin Spiegel-Tow im New-Yorker Rundfunk ein Konzert mit eigenen Werken. Am 22. Juli sprach im Studio Bern des schweizerischen Landessenders Beromünster cand. rer. pol. J. Kühl über das Thema ״Palästina heute“. Todesfälle. Die Münchener Gemeinde beklagt den Tod von Rechtsanwalt Dr. Leo L e m 1 e. Mehr als jeder andere war er zu einem Berater und Helfer derer geworden, die Rat und Trost suchten. Die Teilnahme der Münchener Juden kam bei seinem Begräbnis zum Ausdruck. Rabbiner Dr. Leo Baerwald zeichnete ein Bildnis des Verstorbenen. Oberstlandesgerichtsrat i. R. Dr. N e u 111 c y e r schilderte die Größe des Verlustes, den jeder durch Lern!cs Heimgang erlitten hat. Ferner sprach Kommerzienrat Paul Josephthai Abschiedsgrüße. — Am Tischa b’Aw starb in Neustrelitz im 63. Lebensjahre Willy Nothmann, der von Beginn der zionistischen Bewegung an ein aktiver Förderer und Mitarbeiter im Bezirk Oberschlesien gewesen ist. Insbesondere in den Vorkriegsjnhren hat er oft an den Zionistenkongressen teilgeuomnicn um! auch wiederholt Ercz Israel besucht. Bei der Beisetzung sprach der Vorsitzende des Gruppenverbandes Oberschlesien Dankesworte im Namen der Zionistischen Organisation. Die ״Iwriat(»B&nken Im Reich Die Handelsbank Iwria Leipzig ersucht uns, darauf hinzuweisen, daß die Provinzbanken, die den Namen ״Iwria“ führen, zwar seinerzeit mit Unterstützung der Iwria, Berlin, in den Plätzen Leipzig, Stettin, Chemnitz, Breslau errichtet wurden, daß aber alle diese Banken seit Jahren in keinem materiellen Verhältnis zu der Berliner Iwria-Bank stehen. Die Provinz-hvria-Banken haben sich, wie uns weiter geschrieben wird, dank ihrer äußerst vorsichtigen Geschäftsführung zu einem kaum noch wegzudenkenden Wirtschaftsfaktor der betreffenden Gemeinde entwickelt. Herr Dir. Kareski ist, wie mitgetcilt wird, aut Grund gegenseitiger Uebereinkunft im August 1934 aus dem Aufsichtsrat der Provinzbanken ausgeschieden. Juden auf der fnternationalen Postwertzeichen-Aus- Stellung ln Paris. Auf der vom 18. bis 27. Juni in Paris abgehaltenen ״Exposition Philateliquc Internationale“ haben sich auch wieder jüdische Philatelisten in hervorragender Weise beteiligt. Sowohl in der Ausstellungs-Leitung als auch in den einzelnen französischen Bezirken und im Auslande waren Juden als Kommissare für die Ausstellung tätig, ferner wurden zahlreiche jüdische Sammler in den Ehrenausschuß berufen. Der aus den größten Kennern der Welt zusammengesetzten Jury gehörten u. a. Dr. Emilio Diena-Rom, Alfred F. Lichtenstein-New York und Konsul A. W e i n b e r g e r- Brünn an. Lehrer und Kantor Siegfried Simon- Rastatt erhielt für Briefe mit Abstempelungen aus der Zeit vor Ein• führung von Briefmarken, für Baden und sonstige seltene Ab- Stempelungen die Silberne Aledaille, Ernst Reinhardt- Berlin für Teile seiner Forschungs-Sammlung Saargebiet die Bronzene, Dr. med. A. K r o n s t e i n - Karlsruhe für Teile seiner großen Sammlung von Luftpostbriefen die Bronzene. In der Literaturklasse wurde L>r. Max Zirk er-Haifa (frühe! Berlin) fiir sein Werk über Probedrucke altdeutscher Ganz- Sachen die Silberne zuerkannt. Für bedeutende Frankreich- Sammlungen erhielten Simon Blum die Silber-Vergoldete, Jean H eidelberger und M. Block je eine Silberne, R. Rothenburger und Paul Samouel die Bronzene Medaille. Ferner bekam Rudolf Fried I-Wien fiir Großbritannien Silber, ebenso für eine Siam-Sammlung M. Glnksman-Paris für USA. Bronze, Eugene K I e i 1! - Philadelphia für Helgoland Silber-Vergoldet, Miß Louise Boyd Lieht e n s te i n New York für mehrere Sammlungen englischer Kolonien die Goldene, David B c r n h a r d - Croydon fiir Tasmanien Silber-Vergoldet. Paul P. L i n d e n b e r g "דפים" Hebräische Lese- und Lernhefte. Der Mangel an aktuellem hebräischen Lese- und Lernstoff veranlaßte das Tarbuth-Dezernat der ZVfD. Lesehefte unter dem Titel "דפים, (Dapim) tierauszugeben. Der Stoff ist aus verschiedenen hebräischen Zeitungen und Zeitschriften zusammengcstellt (punktiert und unpunktiert) und ist fiir Lese- und Lernzwecke fiir Erwachsene und Jugendliche, die die ersten Kenntnisse der Sprache (etwa nach 6—8 Monaten Unterrieht) erworben haben, geeignet. Das erste Heft, das soeben im Druck erschienen ist (l(i Seiten großes Format), enthält neben einem Chronikteil lind aktuellen Notizen aus dem jüdischen Leben eine Reihe von Aufsätzen, Erzählungen und Gedichten wie: ״Der Zionistcnkongrcß“ von Herzl; Abschnitt aus der preisgekrönten Idylle ״Mazcwa“ von Schimonowicz; ״Zwei Hirten“, Erzählung von Jcrachmicl; ״Atis dem Leben der Beduinen“ von Baer; ״Herr Gabriel und der Wassersdiöpfcr Katriel“, Erzählung von Bcn-Zion; ״Gesang der Erde“, Gedicht von Fichmann; ״Mit Chaluzim nach Erez Israel“ von Assael; ״Im Jugendzeit“ von Fuhrmann; ״Jemenitische Kinder“, Erzählung von Gloßinann u. a. Ferner enthält das Heft ein Vokabularium. Preis: 0,25 RM zuzüglich Porto. — Für die Schuljugend ist ein vollpunktiertes Heft ״Herzl“ (8 Seiten großes Format) erschienen, das neben dem Märchen *דבורה תחת החמר, eine kurze Herzl-Biographie, Gedichte und Skizzen enthält. Preis: 0,20 RM zuzüglich Porto. — Bestellungen sind an das Tarbuth-Dezernat der ZVfD,, Berlin W15, Meinekestr. 10, zu richten. Weitere Hefte werden zum Druck vorbereitet. ANTWORTEN DER REDAKTION Benno Kerstecker, Köln. Die Substantivbildung ״lelibin“, die Sie bei Wolfskehl und auch bei Werfel finden, ist ein Versuch der Uebersetzung des hebräischen ׳ אהיה das gemäß II. Buch Moses, Kapitel 3, Vers 14 im Dornbusch zu Moses gesprochen wurde, als er nach dem Namen dessen fragte, der ihn schickt. Briefe an die Redaktion Verhandlungen mit Arabern? Verehrte Redaktion! s. Gravenliage, 25. Juli Mit grollten! I11tere-.se habe ich in Nr. 58 der ,Jiidisrhen Rundschau“ vom 23! Juli 1937 die Vorschläge von Dr. Magnes studieit, Dr. Magnes geht von dem Grundsätze aus: ״Olm« Lösung der arabisch-jüdischen Frage bleibt das ganze Aufbauwerk auf schwankenden Grundlagen'‘. Wer nicht — wie Dr. Magnes — schon immer diese Ein-tcllung zur paläsiinensischen Politik hatte, der hat jetzt durch die Geschehnisse der \ergangenen Zeit auf eine bittere Weise stell von der Wahrheit dieses Fttmlamenlal-atzes ״!!erzeugen können. Obwohl ich Dr. Magnes jrtindsät?.lieh voll und ganz zustimme, linde ich in seiner praktischen Darlegung eine starke!.ticke. Nirgends ist die Rede davon, wie Verhandlungen ermöglicht werdet! sollen mit einem Partner, der gar nicht verhandeln will, der fiir alle Verhaiiillung.Yorsi •hinge nur ein unbeugsames Nein oder ein verächtliches Lachen hat. Dr. Magnes spricht nicht darüber, ob die lictuige politische Rcpiiispntanz der palästinensischen Araber in Wahrheit eine Vertretung ihres Volkes ist oder ob hier eine fanatische Minderheit eine Mehr- Beamte fiir Stettin, im Juli Sehr geehrte Redaktion! Die Ergänzung des .Artikels ״Funktionäre“ von Am llaarrz durch die Zuschrift von Kioskelitte (Palis) betrifft einen sehr wichtigen!,unk! unserer net! zu leidenden Arbeit in Frcz ]statt!. Diese Beamtenhuiibaim ist in i’a-t allen Ländern der Galtiih aus den versrhieden-tcu Fr- Sachen, die z. T. auch in der jüdischen Mentalität begründet liegen, von verhältnismäßig nur sehr wenigen Juden beschritten worden, am geringsten aber die Laufbahn des mittleren Beninton, der aber einen sehr wichligen Faktor bildet, und zahlenmäßig tlas größte Kontingent beansprucht. liier muß so schnell wie möglich eine systematische Heranbildung erfolgen. Die höhere Bcn111<e111;H1f!),1hn ist wohl etwas stärker besetzt, fast nirgends aber z. B. in der Polizei. Bezeichnenderweise war der Unterzeichnete vor und kurz nach dem Weltkiirgc der einzige jiidisehe Studierende an der Vervaitungdio.-bsehiile in Köln, mit 11er Ab-irht. in die kommunale Verwaltung iilrerzugehen. Um das angestrebto Zic 1 2U erreichen, wird es sich zunächst empfehlen, aus Facbhcamten.die von Grund auf mit dieser Maheit terrorisiert, und ־was zu tun wäre, um hier Acnderung zu schal feit. Wenn die Kommission nicht verlangt hat, Näheres, über das konstruktive Programm zu erfahret!, das von ״einigen Arabern und einigen Juden“ aufgestellt vordcti ist, liegt das darin nicht auch daran, daß es sich dabei um Privatpersonen handelte und daß uns ein solches Programm — »o bedeutsam es als menschliches Dokument ist — praktisch «olange nicht helfen kann, als es nicht von der jrolit isciien Vertretutig der beiden Völker entwor* fen wird? Mit Recht sagt Dr. Magnes, es sei wichtiger, »ich mit den politischen Fragen von heute und morgen zu befassen als denen der nächsten Generation. Aber die zentrale Frage von 'heute ist nicht nur: Konzentiation der zionisti- .schon Politik auf die jiidisch-arabische Frage, sondern auch: Was kann, was muß getan werden, um die ,Aiaber verhannluugsbereit zu finden, uni ״jene arabischen Staatsmänner von genügendem Format“, die Dr. Magnes auch in Palästina vorhanden glaubt, an die Stelle der jetzigen intrgnsigetiten Führerschicht treten ZI) lassen. Sehalom! Dr. Ed. L o w 1 n s k t Erez Israel terie vertraut sind, einen Au•• schuß zu bilden, der die Methoilen zur lleranbildimg der vcisrhiedeucn Ilcamtcnkategoriei» in den maligcheml.-lcn!.ändern saldiert־ und dann einen sorgfällig unserem Fand und unseren Mens, 'hen;1'!gepaßten Vorschlag zur : *H'ha Mune einer Beamtenschalt ma rht . Audi (1 ie Univer- 5ihit in Icru-a!cn1 k. jniue ihr Teil zu < 1er Bewältigimg dieser Aufgabe beitragen durch Krrichtung eines Lehrstuhles für Staatliehe, kommunale und soziale Verwaltung zur Heranbildung für die höhere Bcamtciilaiubahn. An besonderen Kursen könnte auch die mittlere Beamtenschaft beteiügt werden. Der Ausschuß wird sich ferner der Gewiniiung vo!1 geeigneten Bewerbern zuwenden müssen. Es wäre hier, liei auch denkbar,'Chaluzim, die fiir eine solche Tätigkeit gut geeignet sind, bis zur Schaffung spezieller Ausbildungsstätien zunächst einer mittleren oder Groß» gemeinde zur Frlcrimng der notwendigen buch- und Verwaltung»■ tcehni-ehen Arbeiten znzuweisen. Es wird sielt auf das dringend.te empfehlen, daß der Kongreß sich mit dieser nicht timt ichligen Frage belaßt und jetzt schon zur Wahl dieses Aussrlius.-c.s schreitet. J. Peise* Die Londoner Abteilung des Central Bureau for the Settlement of German Jews in Palästina bittet, alle Zu• Schriften während der Zeit vom 1. bis 20. August wie folgt zu adressieren: Dr. Martin Rosenblüth, Büro des XX. Zionisten- Kongresses, Postfach Fraumünster, Zürich (Schweiz). iilcl• Fofoatelier In Berlin sucht. jUd. Mädfcd mr praktischen Ausbildung. 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