Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1937-07-30 · Heft 60 (30.7.1937) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 60 (30.7.1937)
Date
1937-07-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653625-2653683--31058-2685645
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

Nr. 60, 30. VII. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 11 Juden zwischen West und Ost Ungarische Reise-Eindrücke II.*) K. L. Budapest, im Juli 1937 Das ungarische Judentum dürfte gegenwärtig der Zahl nach etwas stärker als die Judcnheit Deutschlands sein. Mit ca. 435Ö00 Seelen stellt es unter den über 8 Millionen Be* wohnern Ungarns eine ins Gewicht fallende Gruppe dar. Allerding«; sind auch die Juden Ungarns durch die Gebietsverluste, di.e Ungarn im Frieden von Trianon auf sich nehmen mußte, Zahlenmäßig ganz gewaltig eingeschränkt worden; man darf 'wohl annehmen, daß in den abgetretenen Gebieten des chemaligen Groß-Ungarn ungefähr eine halbe Million Juden gelebt hat. Die Lage dieser jüdischen Gruppen war vielfach nicht einfach, als sic ihre Staatszugehörigkeit wechseln mußten. Sie stellten ein ßcvölkerungselement dar, das weit* gehend magvarisiert war und mußten daher befürchten, daß sie einem um so heftigeren antijüdischen Angriff seitens ihrer neuen Staatsnationen aiisyesetzt sein würden. In dieser Lage besann man sich dort — in der Hauptsache fielen die jüdisch dichter besiedelten Gegenden an die Tschechoslowakei und Rumänien — in der Zeit nach dem Kriege auf das eigene jüdische Volkstum, und der Zionismus faßte in diesen Gegenden in der breiten Masse festen Fufl, da man fühlte, daß er allein die Möglichkeit bot, sich aus den Wirren der Nationalitätenkämpfe herauszuhalten, ohne nach irgendeiner Seite hin Anstoß zu erregen, und zugleich eine würdige, selbstbewußte Haltung zu bewahren. Die Judenlieit des heutigen Ungarn ist in besonders starker weise konzentriert. Es gibt zwar auf dem flachen Lande eine erhebliche Zahl von Juden, die in kleineren Gemeinden verstreut leben, aber die Konzentration in den Städten schreitet doch immer weiter fort. Man zieht vom Lande in die Bezirksstädte und aus den Bezirksstädten in die Hauptstadt Budapest, die heute unter P! Million Einwohnern ungefähr 225 000 Juden zählt und damit nächst Warschau die zweitgrößte jüdische Siedlung Europas darstellt. Die Gründe für diese Zusammenballung sind verschiedener Natur. Es gibt unter denen, die in die Stadt bzw. in die Hauptstadt ziehen, naturgemäß einzelne, die an ihren früheren Wohnsitzen wirtschaftlich nicht reüssiert haben und in der Hoffnung, unter den vielfältigeren Möglichkeiten der Großstadt ihre Existenz zu finden, den Weg dorthin beschreiten. In der Mehrzahl der Fälle jedoch liegt der Grund für diese Konzentrationsbewegung nicht in einer schlechten ökonomischen Lage derer, die zum Wanderstab greifen, sondern viel eher im Zuge des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieges, dessen erste Etappe sehr oft in einer Landstadt vor sich ging, während man auf die höheren Stufen der gesellschaftlichen Leiter in der Metropole zu steigen hofft. Diese Bevölkerungsbewegung hat allerdings neben ihrer sozialen Seite, über die später noch zu sprechen sein wird, zu sehr bedenklichen Folgen geführt, die an die Existenz des ungarischen Judentums rühren. Wie bei vielen anderen städtischen und insbesondere großstädtischen Bcvöikerungsgruppen ist die Geburtenfreudigkeit unter den Juden Ungarns aut einen Tiefpunkt gesunken, so daß die Ücberaltcrurig — ähnlich wie es bei den Juden Deutschlands der Fall ist — von Jahr zu Jahr zunimmt. Die Zahl der Juden Ungarns schmilzt daher fortwährend ab; schon jetzt beträgt der Sterblich keitsübersc 11 uß im Jahre 6,1 pro Mille, wozu noch ein Wanderungsvcrlust von etwa 0,5 pro Mille hlnzutritt. Aber auch von der kulturellen Seite her gehört das ungarische Judentum zu den besonders gefährdeten Gruppen der europäischen Juden heit. Mischehen mit christlichen Ungarn sind an der Tagesordnung, und man schätzt ihre Quote für Budapest gegenwärtig auf etwa 1/4 aller jüdischen *) Siche den ersten Bericht in Nr. 59. Die Glaubensbekenntnisse in Italien Ansprache des Gouverneurs von Rhodos Rhodos, im Juli. (JTA.) Der neue Gouverneur der Insel Rhodos, Conte D. Vecclii di Val C i s in o n, einer der höchsten faschistischen Würdenträger, persönlicher Freund und Mitarbeiter Mussolinis und Mitglied des Quadrumvirats, das die faschistische Bewegung gegründet hat, stattete nach seinem Amtsantritt dem Rabbinerseminar in Rhodos einen Besuch ab. In Beantwortung einer Begrüßungsansprache eines Hörers erklärte der Gouverneur; ״Ich bin an dieser Hochschule nicht nur interessiert, weil sie meiner Jurisdiktion als Gouverneur unterliegt, sondern hauptsächlich, weil sie eine religiöse Institution ist. Seihst ein zutiefst Gläubiger, empfinde ich die höchste Achtung■ für alle anderen Glaubensbekenntnisse. Die königliche Regierung und ihr hiesiger Vertreter, der Gouverneur, verfolgen ihre Arbeit mit größter Sympathie. Euch glaubenserfüllten jungen Männern kann ich versichern, daß Italien kein Imperium sein könnte, wenn es nicht Achtung hätte für alle religiösen Bekenntnisse der Völker, die unter seinem Schutz leben.“ Zigeuner Rumäniens judenfeindlich Bukarest, 26. Juli. (JTA.) Die rumänischen Zigeuner haben sich der von Prof, Cuza und Octavian G o g a geführten judenfeindlichen Nationalchristlichen Partei angeschlossen. Das Organ dieser Partei, die ״T s a r a Noastra1‘ (Unser Vaterland), hr', eine Beilage in der Zigeunersprache herausgegeben, in der der Beitritt der rumänischen Zigeuner bekanntgegeben wird. Da die Zahl der Zigeuner in Rumäriien außerordentlich groß ist, erhält die Nationalchristiiche Partei einen wesentlichen Zuwachs. Ein vor kurzem in Bukarest abgehaltener Zigeunerkongreß hat von der Regierung Maßnahmen gegen die jüdischen Musiker verlangt, durch deren Konkurrenz die Arbeitslosigkeit unter der. Zigeunern, den Vertretern der ״wahren Volksmusik“, wachse. Englisch-jüdische Jugend gegen Teilung. Aus London wird uns berichtet; Zum erstenmal in der Geschichte der englischen zionistischen Jugend fand am letzten Montag im Londoner Woburn House eine Massenversammlung samtlieber zionistischer Jugendverbände statt. Es beteiligten sich daran die Federation zionistischer Jugend, der Jung-Misrachi, Hechaluz, die Studentcn-Föderaiion und der Habonim. Das Thema des Abends war die Teilung Palästinas. Sämtliche Redner betonten die großen Gefahren, die mit der Teilung verbunden seien. Eine Resolution bestätigte, daß die Juden mit den Arabern in Frieden leben wollen und dies in ihrem Aufbauwerk bewiesen haben. Eine zweite Resolution ruft die jüdische Jugend auf, weiter am Aufbau Palästinas teil zunehmen una besonders dem Keren Kajemeth ihre Unter- Stützung zu geben. R. S. Eheschließungen. Wir wissen aus eigener Erfahrung, was dies für die Erhaltung der Volkssubstanz bedeutet, da naturgemäß der Großteil der solchen Ehen entspringenden Kinder Christlieh erzogen wird und dem Judentum verloren geht. Nicht weniger bedeutsam ist die Tatsache, daß besonders unter dem Eindruck der wachsenden antisemitischen Stimmung die Zahl der T aufen, die schon einmal während der ersten antijüdischen Welle nach dem Kriege sehr zahlreich geworden waren, erheblich zunimmt. Etwa 1000 Juden treten in Ungarn im Jahre zum Christentum über — der Großteil von ihnen in Budapest —, in der Hoffnung, dadurch dem antijüdischen Angriff weniger ausgesetzt zu sein. Man beobachtet diese Erscheinungen bei den maßebenden Instanzen des ungarischen Judentums mit großer orge, ohne daß jedoch ein Weg erkennbar wäre, um wirklich durchgreifend die Tendenzen des Bevölkerungsschwundes zu bekämpfen. Allerdings darf man nicht vergessen, daß der Bevöikerungsverlust der ungarischen Judenheit infolge der Abtretung wichtiger jüdischer Zentren noch über das rein quantitative Maß hinaus, das an sich schon groß genug ist, ins Gewicht fällt. Es wurden Ja gerade solche Gebiete abgetreten, wie z. B. Karpathorußland und die Slowakei, in denen ein kulturell sehr starkes Judentum ansässig war, das den Zerfallserscheinungen viel mehr Energie entgegensetzen konnte als das großstädtische Bevölkcrungselement in Budapest. Auch heute machen sich die verschiedenen Bevölkerungstypen im ungarischen Judentum bemerkbar, sowohl in ihrer kulturellen Haltung wie auch in sozialer Beziehung. Das sogenannte ״Unterland“, das ist das nordöstliche Ungarn, beherbergt ein Judentum, das in religiöser Beziehung vielfach orthodox ist und eine jüdisch viel festere, sozial weniger gehobene Schicht darstellt, über die sich das viel mehr assimilierte, durch und durch magyarisierte ״oberländische“ Judentum lagert. Natürlich darf man diese Unterschiede nicht als starre Grenzen betrachten, da die Be- Ziehungen zwischen den Gruppen hin und her gehen; dennoch aber sind im Leben die Scheidungen vielfach zu spüren. Im Bewußtsein der ungarischen Juden spielt ihre ״m a - gyarische Herkunft“ eine erhebliche Rolle. Nach der Lieberlieferung soll einer der Stämme, die unter König Arpad Ungarn eroberten, ein chazarischer Stamm gewesen sein, und da bekanntlich die Chazaren das Judentum angcnommen hatten, folgert man daraus, daß bereits unter den cinwandernden ungarischen Stämmen die ersten Juden mit ms Land gekommen seien. In Wirklichkeit ist der Großteil des ungarischen Judentums im 19. Jahrhundert teils aus Galizien, teils aus der Slowakei und Mähren eingewandert und hat hier einen allerdings sehr tiefgehenden Prozeß der Amalgamierung mit dem Magyarentum durchgemacht.. Es wäre verfehlt, eine solche Erscheinung nicht als Tatsache anzuerkennen und etwa zu glauben, daß in manchen Aeußcrungen ungarischer Juden, über die noch zu sprechen sein wird, n u r eine verkrampfte Haltung zu sehen ist. Die Assimilation der ungarischen Juden ist nicht nur eine formalsprachliche, sondern auch i!n seelischen Bezirk ohne Zweifel weit vorgeschritten. Für den Beobachter kommt als eine weitere interessante Erscheinung hinzu, daß diese jüdische Gruppe zusammen mit dem gesamten ungarischen Volk sehr stark von der deutschen Kuitursphäre beeinflußt ist; man sucht hier instinktiv in vieler Beziehung Anlehnung an eine Weitkultur, was leicht verständlich ist, wenn man die territoriale Kleinheit des magyarischen Kulturbezirks, seine sprachliche Isolierung und die ungarische Geschichte im Verbände der Habsburger Monarchie bedenkt. In bezug auf das ungarische Judentum drückt sich diese Erscheinung nicht zuletzt darin aus, daß cs sich in ganz besonderem Maße ais von der Judenheit Deutschlands geistig und kulturell abhängig empfindet und von ihr starke Impulse empfangen hat. (Fortsetzung folgt) ״Dr. phil. litt« yud«“ Der jüdische Lehrstuhl in Dorpat Die einzige Universität in Europa, an der man einen Doktorgrad in der jüdischen Wissenschaft erwerben kann, ist die estländische Universität Dorpat (mit dem estnischen Namen: Tartu). Auf die Existenz des jüdischen Lehr- Stuhls in Dorpat ist verschiedentlich kurz hingewiesen worden (zuletzt in der ״J. R.“ Nr. 86/1936). Es gibt an der Universität Dorpat eine Reihe ausländischer Lehrstühle; der jüdische unterscheidet sich von ihnen dadurch, daß er mit allen akademischen Rechten ausgestattet ist: cs dürfen Prüfungen abgchalten werden, und die Studenten sind gleichberechtigt. Dieser Erfolg ist der ״Gesellschaft zur Förderung der jüdischen Wissenschaft an der Universität Tartu“ mit ihrem rührigen Vorsitzenden Jakob Blumenf e 1 d an der Spitze zu verdanken — nicht weniger aber auch dem Wohlwollen der staatlichen Behörden sowie des Landesbischofs Prof. Rahamägi, die für die jüdischen Bestrebungen volles Verständnis hatten und ihnen alle Förderung zuteil werden ließen. Die Schaffung einer finanziellen Grundlage ist den tatkräftigen Bemühungen des bekannten englischen Zionisten Paul Goodman zu verdanken, der selbst aus Dorpat stammt. Der jüdische Lehrstuhl in Dorpat befindet sich im Aufbau. Prof. Lasar Gulkowitsch (früher Leipzig) vertritt die hebräische Sprachwissenschaft, und es wäre sehr zu hegrüßen, ,wenn die Arbeit in Dorpat auch auf die übrigen Gebiete jüdischer Wissenschaft ausgedehnt werden könnte. Für die jüdischen Studenten in Deutschland, insbesondere die Theologen, bietet sich hier eine Möglichkeit, ihre Studien abzuschließen. Für die jüdische Welt ist hier Gelegenheit, eine jüdische Kulturaufgabe zu stützen und zu fördern. Die Abschätzung der Rassen. Im Juli ׳August-Heft der amerikanischen Zeitschrift ״Socio! ogy and Social Research“ veröffentlicht Elsie Monjar eine soziologische Untersuchung über das Thema ״Racial Distance Reactions“, in der nach der in Amerika üblichen statistischen Methode versucht wird, die Abstufungen festzustellen, die in bezug auf die Wertung der Rassen vorhanden sind. Zum Zwecke der Feststellung dieser Tatsachen wurden 269 Personen befragt, und zwar überwiegend christliche Amerikaner aller politischen Richtungen, des Mittelstandes, Arbeiter, Studenten usw. Die Befragungen ergaben folgendes Resultat: an erster Stelle stehen die Iren mit 2,3 Punkten: an vierter Stelle folgen die Juden mit 4,8 Punkten; an letzter Stelle der Tabelle stehen die Neger mit 8,1 Punkten. Von den 269 Befragten gaben bezüglich der Juden 28 <V0 günstige, 33 ״/« ungünstige und 31 ״/o keine Antworten. Die günstigen Antworten hoben als Charakteristika hervor: geschäftliche Fähigkeit (21 mal) und Freundlichkeit (12 mal). Die Abneigung gegen die Juden wurde begründet mit; Verschlagenheit (36 mal), lärmendes Benehmen (35 mal) und Schmutz (12 mal). In einzelnen Fällen wurde auch eine Gegnerschaft aus spezifisch politischen und religiösen Gründen ausgedrückt. Das gute Land So erkenne es denn In deinem Herten, dnfc, wie ein Mann seinen Sohn, der Ewige, dein Gott, dich zGditigt. Und du sollst die Gebote des Ewigen, deines Gottes, wahren, daß du in seinen Wegen wandelst und Ihn lOrditest. Denn der Ewige, dein Gott, bringt dldi In ein gutes Land, In ein Land mit WasserbSchen, mit Quellen und Fluten, die in der Ebene und im Gebirge entspringen. In ein Land des Weltens und der Gcrsle, des Weins und der Felge und Granate, In ein Land der Oelbeere und des Honigs, ln ein Land, darin du nidit kümmerlich Brot essen wirst, darin dir nichts tehlen wird, in ein Land, dessen Steine Eisen sind, und aus dessen Bergen du Err haust. Und du wirst essen und satt werden und den Ewigen, deinen Gott, preisen für das gute Land, das er dir gegeben. Aus dem Wochenabschnitt für ■Schabbat, den 31. Juli S.B. M., Kap. 8, l’ers S-10. Uebers. v. Harry Torcsynet Salzburger Theaterbrief J.R., Wien, 25. Juü Zum siebzehnten Male nahmen im umgebauten Festspielhaus die diesjährigen Salzburger Festspiele in Anwesenheit des Unterrichtsministers Dr. Pernter mit der Aufführung von Beethovens ״F i d e I i o“ in der Inszenierung Lothar Wallersteins mit T o s c 3 n i 11 i als Dirigenten und Alexander K i p n i s als Rocco ihren Anfang. Unter den Festspiclgästcn befinden sich u. a. die Mutter des Präsidenten Roosevelt und sein jüngster Sohn, der Herzog von Windsor mit Gattin, die Familie Vanderbilt. Vor wenigen Tagen ist aus Amerika kommend Max Reinhardt, einer der Mitschöpfer der Salzburger Fcstspielidce, eingetroffen. Auch heuer werden die Aufführungen von Hoffmannsthals ״Jedermann“ und Goethes ״Faust" von Max Reinhardt in Szene 6' junger Wiener Bühnenbildner, darstellen, der von Reinhardt im vorigen Jahr nach Amerika mitgenommen, dort nach den Entwürfen des Amerikaners Bel Gedds die Bühnenbilder für Franz Werfels ,,Der Weg der Verheißung“ ausgearbeitet hat. Der Regisseur der Wiener Staatsoper, Regierungsrat Dr. Lothar Wailerstein (Sohn des verdienstvollen Gesangspädagogen und ehern. Kantors der Mciscl-Synagoge in Prag, Moritz Wallerstein), hat bei den diesjährigen Festspielen Inszenierungen von ״Fidclio“, ״Eurvnnthe“ und ״Elektra“ inne. In der Musikregic wird auch der seit einigen Jahren mit großem Erfolg als Opernregisscur in Amerika wirkende Dr. Herbert Graf, ein Sohn des Wiener Musikkritikers Professor Max Graf, des Präsidenten des ״Vereines zur Förderung moderner jüdischer Musik“ tätig sein. Schließlich seien noch die heuer zum ersten Male stattfindenden Operetten• Festspiele erwähnt, hei denen u. a. Emmerich Kalman die ״Csärdäsfiirstin“ und der Nestor der Wiener Operette, Edmund Eysler, die ״Goldene Meisterin“ dirigieren wird. Max Reinhardt begibt sich nach den Festspielen, im September, wieder nach Amerika. Er hat das Drehbuch für Dostojewskis ״Der Spieler“ fertiggemacht, der demnächst von den Warner Brothers herausgebracht werden soll. Als Mitwirkende an diesem Film hat sich Reinhardt den berühmten französischen Filmdarsteller Charles Boyer, ferner die Schauspieler Wladimir Sokoloff und Kurt Bois ausgexvähit. Der Pariser Bevölkerungskongreß. Unser Pariser K.-Berichterstatter schreibt: Unter den zahlreichen Kongressen, die im Zusammenhang mit der Weltausstellung in Paris stattfinden, ist der Internationale Bevölkerungskongreß (Congr&s International de la Population) hervorzuheben. Dieser Kongreß, der von der ״Union Internationale pour l'etude scientifique des problemes de la population“ veranstaltet wird, ist vom jüdischen Standpunkt aus in verschiedener Weise interessant. Einmal nehmen an ihm eine Anzahl bedeutender jüdischer Gelehrter aus allen Weltteilen teil und es werden, eine Anzahl von Themen behandelt, die jüdische Bevölkerungsfragen betreffen. So spricht in der historischen Sektion der Bevölkerungskunde Prof. Chairn Schaiom H alevy über jüdische Bevölkerungsprobleme in Palästina; in der statistischen Sektion behandelt Jacques Weulersee (Damaskus) die konfessionelle Teilung der Bevölkerung des Vorderen Orients und Prof. Samuel F o g e I s o n die polnischen Wanderungsprobleme. Besonderes Interesse auf jüdischer Seite werden jedoch die Verhandlungen über Rassefrageti finden. Hier sind vom jüdischen Gesichtspunkt Referate von Julius Brut z kus (Kaunas) über die Biutsgruppen unter der jüdischen Bevölkerung, von Franz Boas (New York) über ״Rasse und Umgebung“ und von Dr. 1. Zollschan (Prägt über die ״Bedeutung des Rassenfaktors für die Kuiturgenese‘‘ hervorzuheben. Neuwahlen im Libanon. Wie aus ßeyriith mitgeteiit wird, bat sich der libanesische Staatspräsident angesichts der schwierigen innerpolitischen Lage im neuen Libanonstaat entschlossen, das Parlament aufzuinsen und Neuwahlen auszuschreiben. Im bisherigen Parlament standen sich die beiden großen Parteien der christlichen und mohammedanisehen Libanesen bis auf eine Stimme mit gleicher Stärke gegenüber, was die Regierungsarbeit außerordentlich erschwerte. Staatspräsident E d d e, der soeben aus Paris zurückgekehrt ist, hat es unter diesen Umständen vorgezogen, das Parlament bereits einige Monate vor dem Schluß der Sitzungsperiode aufzulösen und die Neuwahlen zum 24. Oktober 1937 auszuschreiben. Wie die Regierung mitteilt, ist sie entschlossen, die freie Durchführung der Wahlen zu sichern. Persönliches, in Dangavpiis (früher Dwinsk) verschied plötzlich im Alter von 66 Jahren der in Lettland bekannte Gesinnungsgenosse Abram Elijahu Storch. Er stand im Dienste der zionistischen Bewegung über 50 Jahre, gehörte noch den Chowewe Zion an und war der Begründer des Keren Kajemeth in seiner Stadt. Seltene Herzensgüte, Uneigenmitzigkeit, Pflichterfüllung und Bescheidenheit bildeten die Haupteigenschaften des Verstorbenen. Er stand seit 35 Jahren an der Spitze einer Kooperativbank (III. Dangavpiler Vorschuß- und Sparkasse) und suchte in dieser Steilung mit allen Mitteln die Hilfesuchenden zu stützen. Auch beteiligte er sich aktiv in sämtlichen philanthropischen jüdischen Gesellschaften Dangavpiis. Die gesamte jüdische Bevölkerung Dangavpiis gab ihm das letzte Geleit. Dipl.-Ing. M. Sapira Offene Auslandsstellen (zur Besetzung genehmigt vom Landesarbeitsamt Brandenburg). 1. Für Südafrika werden zwei perfekte jüdische Knopfarbeiter gesucht. Umschichtler kommen nicht in Frage. — 2. Für Danzig wird eine jüdische Laborantin gesucht, die Kleesaaten usw. analysieren, * Keimkraft feststellen und sämtliche für ein Saatengeschäft erforderlichen Untersuchungen selbständig und zuverlässig vornehmen kann. — 3. Für eine Kunstseiden-Bandweberei in Polen wird ein jüdischer, möglichst unverheirateter Fachmann gesucht. Der Bewerber muß mit allen Phasen der Erzeugung vertraut sein, insbesondere mit dem Färben der Kunstseide und Appretur. Er muß befähigt sein, auch als Meister den Betrieb zu leiten. — Ausführliche Bewerbungen auf Dünn- Papier mit Zeugnisabschriften, Lebenslauf und Paßbild werden weitergeleitet durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW 19, Lindenstr. 48/50.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.