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Jüdische Rundschau · 1937-07-30 · Heft 60 (30.7.1937) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 60 (30.7.1937)
Date
1937-07-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 60, 30. VII. 1937 Die Wirtschaftlichkeit der Kwuzoth Die Diskussion über das Problem der Kwuzah ist noch lange nicht zum Abschluß gelangt. Abgesehen von allen ideologischen Fragen ist cs immer wieder wichtig, durch statistische Untersuchungen festzustellcn, ob das Kwuzah- System wirtschaftlich zu verantworten ist oder nicht. Für eine Reihe von Kwuzoth, die iin sogenannten ״Chewer Hakwuzoth“ zusammengeschiossen sind — 1936 gehörten ihm 13 Siedhmgspunkte an, darunter 7 alte Siedlungen und 6 neue Kollektive — hat nunmehr Meir Mendel aus Kfar Hachoresch für die Jewish Agency eine Untersuchung durchgeführt, die manche interessanten Resultate zutage fördert. In den Kwuzoth, die er erfaßt hat, lebten zusammen 2751 Personen, darunter auch 163 Jugendliche aus Deutschland. Der Chewer Hakwuzoth sieht in der Einordnung <ier Alijah aus Deutschland eine wichtige Aufgäbe, die er auf zweierlei Weise erfüllt: 1. durch die Schaffung neuer Gruppen, die entweder in einer Privat- Kolonie tätig sind oder der jüdischen Arbeit anderwärts neue Möglichkeiten erobern; 2. durch Eingliederung der neuen Olim in bestehende Kwuzoth, die infolge der Intensivierung ,ihrer Eigenschaften ihre Aufnahmefähigkeit entsprechend erweitert haben. Die Schaffung neuer Gruppen erfordert Unter- Stützung von erfahrenen Menschen aus alten Siedlungen, finanzielle Unterstützung 11. dgl. Der Verfasser glaubt, daß trotz mancher Mängel der Weg zur praktischen Arbeit auf diesem Gebiet offensteht. Die Eingliederung der neuen Alijah in die bestellenden Siedlungen brachte es mit sich, daß die Anbaufläche, die jeder einzelnen .Siedlerfamilie zur Verfügung gestellt werden muß, verkleinert werden mußte. In einer aufschlußreichen Tabelle zeigt der Verfasser, daß vier zum Vergleich herange/ogene Siedlungen (Dcganiah A und B, Gewa und Hascharon) innerhalb der letzten 5 Jahre die Zahl ihrer Arbeiter verdoppelten, ohne daß (!er Gcsamturnfang des Bodens sich ändette. Diese Intensivierung der ländlichen Betriebe soll weiter ge fördert werden und kann es um so mehr, je bessere Heuasseriitigsmoglichkciten gefunden werden. Zum P r o b I e m d e r j ü d > s c h e n A r beit stellt der Verfasser fest, daß!11 den Pnvatkolonien mancherlei Schwierigkeiten zur Dnre'isei/unc; der jüdischen Arbeit bestanden, die nach 1936 allerdings dureli die Unruhen weitgehend überwnndeti Würden. Das L111 dringen der jüdischen Arbeit in die Moschawoth bereitet allerdings noch mancherlei Sorgen, doch sieht der Verfasser auch hier Möglichkeiten zu ihrer Durchsetzung. Er weist darauf hin, daß z. B. die Kwuzah Ahuka Gordonia in Paniess Clinnna im Jahre. 1936 mit einem G c w i n n u b e r s c 11 u IS von C 033 abschiielien konnte. Die in jeder Kolonie tätige Gruppe von etwa 00 Arbeitskräften konnte ein F.igetikapital in Höhe der Hälfte ihrer bilanzmäßigen Aktiven an>a1tm1cln, Diese Tatsache hält der Verfasser für symptomatisch und wegweisend. , Besondere Bedeutung gewinnt die jüdische Arbeit in den Steinbrüchen, die bis vor 'den Unruhen hauptsächlich durch arabische Arbeiter besetzt waren. Fis ist den Anstrengungen der Histadrnth und der anderen nationalen Institutionen gelungert, jüdische Arbeiter int Steinbruch unterzubringen. Auch die Gruppen des Chewer Hakwuzoth wurden dafür eingesetzt, Eine Gruppe, die ß. hei Kirjath Anawim arbeitete, strebt jetzt zu fester Ausiedlung jn dieser Gegend. — Ebenso hat sich während des letzten Jahres die jüdische Arbeit in den Häfen bzw. auf der Sec vorgeschoben. Mit der Eröffnung des Tel-Aviver Hafens begann ein neues Kapitel in der Geschichte der jüdischen Arbeit in Palästina. Der Anteil des Chewer Hakwuzoth an diesen Arbeiten allerdings war klein; dennoch gelang cs, eine Gruppe, die eine Seefalirts-Hachscharah in Gelingen absolviert hatte, in Haifa unterzubringen. Der Verfasser geht sodann auf die Wirtschaftliehen Fragen der Kwuzah ein und stellt fest, daß der Chewer Hakwuzoth im Jahre 1936 insgesamt über 26 5S2 Dunam Boden verfugte, von denen annähernd 20 000 Dtmam zum Getreidebau verwandt wurden. Das ist ein unter dem Gesichtspunkt des Bodenbesitzes und der Kolonisation gleich wichtiges Aktivum, in dein viele Entwicklungsmöglichkcitcn eingcschlossen sind. Das in den Siedlungen investierte Kapital betrug Ende 1936 ‘2 235 231, davon investierten die Kolonisafionsinstanzen annähernd 2 MO 000. Interessant ist die Tatsache, daß das eigene Kapital der Siedlungen £ 3! 27S betrug, das sind 15 ׳ aller Investitioinm. Das ist zwar kein hoher Prozentsatz, aber unter licrüeksieiitigung der Sehwieiigkeiten, mit denen die Kwu/otli zu kämpfen hatten, ist es ein giinstiges Gesamtergebnis, um so mehr als diese Entwicklung erst aus den letzten Jahrert datiert, in denen die Bemühungen, das Werk der Kwu/otli auszuhauen, Früchte zu tragen hegannen und die geinisflit-wirtsehaftlidie Kooperative den Beweis ihrer Rentabilität lieferte. Zum Schluß weist der Verfasser darauf hin, daß die Juden auch, der Siedlung in den Bergen ihr Augenmerk zuwenden müßten. Förderung der Industrie Wir erhalten folgeinle Mitteilung: Der Board of Direc* fors der Angl o -1׳ a I es t i n e B a n k Ltd., Tel Aviv, hat in seiner Ictztwöchentlieiien Sitzung beschlossen: a) sieh bei der U m w n »1 ci! u n g der Palestine Industrial Bank, Cooperative Society Ltd. (Industrie-Bank) in eine Company Ltd. mit t 25 000 eingezahltem Aktienkapital dadurch zu beteiligen, daß sie .£ 12 500 Preference Shares (Vorzugsaktien) übernimmt; b) zusammen mit der Jewish Agency for Palestine, der Manufactiirers׳ Association of Palestine (Industriellen' Vereinigung) und der Palestine Industrial Bank an der Errichtung einer Export - Förderungs* stelle mitziiwirken, die im Laufe der Zeit in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden soll. Jüdischer Bodenerwerb Das statistische Bulletin der Palästina-Regierung stellt fest, daß in den Monaten Januar bis Mai 1937 Bodentransaktionen im Umfange von rund 47 000 Dunam und im Werte von 2 114 000 C durchgeführt wurden. Der Durch• schnittspreis betrug somit 45 Pfund pro Dunam. Der Boden-?reis ist gegenüber dem gleichen Zeitraum des vergangenen ahres g e s u n k e n. Von Juden wurden in den ersten fünf Monaten 1937 rund 32000 Dunam im Werte von 1651000 C gekauft (Januar bis Mai 1936: über 3100(.) Dunam im Werte von 2 105 000 C), Verkauft wurden von Juden 21 700 Dunam (1936: 9 375) ini Werte von 1493 000 £. Von Arabern wurden 1937 bis Mai 14 000 Dunam gekauft und 24 819 verkauft, Ausländer kauften 839 und verkauften 47(1 Dunam, Stadtgemeinden und die Regierung kauften 126 und verkauften 15 Dunam. Der Nettozuwachs des jüdischen Bodenbesitzes in den ersten fünf Monaten 1937 betrug also 10 269 Dunam, die Nettoabnahme des arabischen Bodenbesitzes 10 743 Dunam. Aus der Aufstellung ergibt sieh, daß 21703 Dunam von Juden an Ju ten verkauft wurden. .. Fragen des religiösen Lebens Von Oskar Wolfsberg, Jerusalem (Vgl. Nr. 99/1936) II. Was läßt sich über neue Keime religiösen Lebens bcrichten? Gibt es Ansätze, fruchtbares Werden? Diejenigen Leistungen, deren Charakter bekannt, deren Art fixiert und deren Entwicklung abgeschlossen oder doch ohne die Er- Wartung überraschender Momente ist, sollen heute unerörtert bleiben. Die meisten produktiven Leistungen gehören, politisch gesehen, dem ״Hapoel Hamisrachi“ an, gruppenmäßig dem chaluzischen Element, der Herkunft nach dem jungen Mensehen, die im Kibbuz Rodges beheimatet sind. Damit ist der Beweis für die schöpferische Kraft jener Bewegung geführt, die im Bachad bei uns vor Jahren ihren Anfang nahm und in ungebrochener Linie ihren 'Weg geht. Zwei Ereignisse der letzten Wocfien sind mehr als eine Genugtuung für einen kleineren oder größeren Kreis von gesetzestreuen Juden in Palästina und außerhalb, sind vielmehr vielverheißende Omina für die Zukunft des Thorajudentunis, das sich dem Gedanken der Produktivität und des Werkes erschließt: die Gründung des religiösen Jugenddorfes (Kfar Noar dati) bei Kfar Chassidi וזז und die Besiedlung von As Sara (טירת צבי) südlich von Bcth Scbean durch eine Gruppe des Kibbuz Rodges. Der skeptische Beobachter wird sagen, daß hier nichts unerhört Neues vorliegt. Jugenddörfer gibt es bereits, und die Besitzergreifung neuer Punkte, und gerade im Gebiete von Beth Schean, ist mit einer gewissen ySstematik in der letzten Zeit betrieben worden. Demgegenüber möchte ich betonen, daß die besondere Struktur des religiösen Judentums uns zwingt, zu seinen Leistungen anders Stellung zu nehmen und nicht einfach von Nachahmung zu reden. Die andersgeartete Blickrichtung dieser Gruppe, ihre starke Bindung an Vergangenheit und gegründete Gewohnheit, die damit verbun- «Jene Scheu vor Neuern, Ungewohntem, kaum Erprobtem wecken in der Brust des gesetzestreuen Menschen ganz andere Gefühle als bei von diesen Bindungen der Tradition freien Menschen. Was andere lockt und anzieht, Abenteuer und unbetretener Pfad, stößt den irn Gesetz verharrenden eher ab. Er fürchtet sich nicht in banaler Weise vor dem Unbekannten, aber das große religiöse Abenteuer, die Begegnung mit Gott und den Kündern seines Wortes liegt in weiter Vergangenheit, und er ist gewohnt, das Neuartige, das ihm entgegentritt, irgendwie aus Gewesenem, aus der Schrift .herzuleiten. Das führt zu Zaudern, Skepsis und Passivität. So bedeutet die Bereitschaft des religiösen Judentums zu so entscheidenden Taten, wie es die beiden genannten Gründuneen sind, etwas Großes; es ist wie eine Erneuerung jenes frühen Mutes, jener ״Jugendliebe״, die Jirmijahu feiert, wenn er sagt, daß Gott ihrer gedenke, jener Zeit, da das Volk Gott nachfolgte in die Wüste, in nnbesätes Land. fm Gebiete des Zeitungs- und Zeitschriftenwesens ist der Reichtum der vom Misracni und Hapoel Hamisrachi inspirierten Organe nicht überwältigend. Wir haben im wesentliehen das Wochenblatt des Hapoel Hamisrachi ״Ha-Netiwa", die Monatsschrift ״Ha-Hed“, die R. Benjamin mit großem Geschick leitet — er wird sich vielleicht dagegen wehren, daß man den ״Ha-Hed“ als misrachistisch abstempelt; aber daß er national-religiös ist und ohne den Misrachi, die Zionistische Organisation und ihre Organe nicht gedacht werden kann, steht außer Zweifel — und« endlich der ״Sinai״, den R. J. L. Fischmann herausgibt, ebenfalls eine Monatsschrift. Die ״Netiwa“ hat ihre große Bedeutung noch immer. Sie ist für Tausende in der Thora wa-Awoda-Bewegung das Organ, in dem die ideologischen Gedankengänge und praktischen Beschlußfassungen geformt werden. Noch hat das Blatt nicht die Höhe erreicht, zu der es berufen ist. Noch fehlt dem Publizistischen und dein Literarischen der angemessene Ort in dieser Bewegung, nicht aus Geringschätzung, sondern aus dem Konflikt cler sich drängenden Aufgaben. Die Jugend der Organisation und die Fülle der schwersten Tagesaufgaben verhindert die volle Entfaltung der Potenzen. Tatsächlich fehlt es nicht an fähigen Menschen: J. Bernstein ist ein ernster und vornehmer Autor, junge Literaten wie Sehr. Kadari haben bereits Proben ihres Talents gegeben. Mit dem Wachstum der Bewegung und der Erweiterung des Kreises der Führenden wird das Problem der Presse und Literatur sich befriedigender gestalten. Der ״Ha-Hed“ gehört zu den besten Organen des Landes. R. Benjamin (=־ Jehoschua Radler-Feldmann) ist nicht nur ein Hebraist von ungewöhnlichen Gaben — und diese kommen seinem Blatt in reichem Maße zugute; er kennt auch das Geheimnis der Formung einer Nummer. Er weiß Abwechslung init Thematik zu versöhnen. Das Moment des ״Echos , des Widerhalls (das dem Blatt den Namen gegeben hat), ist auch heute noch von Gewicht: Wichtige Meinungsäußerungen der gesetzestreuen Organe aller Länder werden hier vollständig oder im Auszug in ausgezeichnetem hebräischen Gewände dargeboten und sehr oft gründlich vom Herausgeber kommentiert. Aber daneben findet sich eine Fülle von Originalarbeiten über religiöse Probleme Erez Israels, über den Aufbau des Landes; Belletristik, Poesie, wissenschaftliche Abhandlungen. — Ich bin dem Organ gegenüber nicht unkritisch. Die Taktik, die Agudas Jistuel dadurch zu gewinnen und zu nähern, daß man ihr besonders liebevoll naht, kann ich nicht billigen. Der Erfolg dieser Bemühungen scheint mir übrigens recht problematisch. Der ״Sinai“ ist ein Neuling und hat erst drei Hefte herausgehen lassen. Nach den bisherigen Proben darf man erwarten, daß er eine wichtige Funktion erfüllen wird. Sein Aufgabengebiet umschließt Thora, Wissenschaft und Literatur. Das Organ fühlt sich dem heimgegangenen R. A. J, Kuk verbunden, dem zu Ehren der Misracni ein ״Rabbi Kuk- Institut“ ins Leben gerufen hat. In dessen Verlag — unterstützt vom ״Mossad Bialik“ der Jewish Agency — erscheint der ״Sinai“, und gleichsam programmatisch bringt bisher jede Nummer aus Manuskripten des verstorbenen Rabbiners Aufrufe, Meinungsäußerungen usw., Forschungen zum Talmud, zur rahbinisenen Literatur — auch Edierung von bisher unveröffentlichten Handschriften — zur Geschichte, zur Philo- Sophie und Ethik, Dichtung, Besprechungen, Chronik füllen die Hefte. Der Kreis der Mitarbeiter ist weit gezogen. Bisher hat es in Erez Israel, und wohl auch anderswo, 1m thoratreuen Lager kaum einen so ernsten Versuch gegeben, Leben und Forschung so energisch zu durchdringeii. Es ist zu hoffen, daß es der Zeitschrift vergönnt sein wird, alle Autoren zu sammeln, die wirklich befähigt sind, eine reiche Literatur des traditionellen Judentums zu begründen und auszubauen. Es gibt manche Beispiele und Zeugen für die ungebrochene Geisteskraft des alten Judentums; es gibt Anzeichen der wiedererstehenden: Produktivität dieses Kreises; gewiß fehlt es ihm nicht an persönlichkeitsbiltlender Kraft. Aber kaum irgendwo ist es bisher zum Zusammenhang von Tat und Judentum gekommen. Um es durch einen Vergleich zu erhellen: es ist dem thoratreuen Judentum in Erez Israel keine Gestalt erstanden, die sich A. D. Gordon vergleichen kann. Das religiöse Judentum wird seine bezwingende Kraft, seine attraktive Stärke in jenem Moment erweisen, wo ihm dieses Geschenk der Synthese zuteil wird. Alles kommt darauf an, diesen Prozeß anzubaliiten, die Vorbedingungen ,,a# schaffen, nicht ihn zu überstürzen. Vielleicht ist es leichter, im Kreise der misrachistiselien Chaluzim der Synthese eine Gasse zu bahnen als bei den Menschen, die ihre religiösen Ideale im Studium und der rituellen Praxis in die Tat umsetzen, nicht aber Beruf und profane Sphäre dem sozialreligiösen Ruf der Thora öffnen. Tischa b'Aw-Feier im Emek Zum erstenmal wurde von der Kibbuz-Bewegung der Versuch zur Neugestaltung des Tischa b’Aw unternommen. Das Seminar des Kibbuz Hameucliad hat gemeinsam mit den Siedlungen Ejn-Charod und Tel-jossef im Eßzimmer in Tel-jossef eine Feier des neunten Avv veranstaltet. Zu diesem Anlaß wurde im Druck des Kibbuz ein Sammelheft herausgebracht, das zusammengestellt ist aus Auszügen von ״Mcgilath Echo“ und ״Megilath Haesch“ von Bialik, aus Erzählungen von ״Scfcr Haagadah“ und Stellen ans Flavius Joscphus ״Jüd. Krieg“, aus Gesängen Jelmda Halevis und Gedichten von Bialik. Das war die ״Megilali“, die verlesen wurde,. sei es als Deklamation Einzelner, sei es als Sprechchor oder im Gesang des grollen Chores unter Begleitung des Kibbuz Hameucliad unter der Leitung von Jehuda Schertok. — Tabenkin begann die Feier mit einigen einleitenden Worten. Dieser Tag des Festes sei das Fest der Verteidigung, der Tag der Verneinung der Golah und ein Tag des Glaubens. Dann begann die Deklamation des Einzelnen und der Gesang des Chors, unterbrochen durch Einschaltung Badischer Melodien, die Jehuda Schertok auf der Violine spielte, und wieder ein Abschnitt aus dem ״Jüd. Krieg“ von Flavius und ein Gesang von jehuda Halevi und Kindersprechchören aus Bialiks Gedichten, bis die Feier ihren Höhepunkt erreichte in einem Chorwerk von Jehuda Schertok, dessen Text zusammengestellt ist aus Worten von Jirmijahu, Jeschajahu und Nechemia. — Nach einigen Worten der Erinnerung an die Trauer des Volkes und des Aufrufs zur Stärkung und neuen Volkswerdung von Remez (Histadruth Tel Aviv) fand die sehr gelungene Feier ihren Abschluß mit der ״Techesaknah“. Ejn-Charod, 10. Aw 5697. M. H. Der städtische Haushalt von Jerusalem und Tel Aviv Die ״Palestine Gazette“ veröffentlicht Einnahmen und Ausgaben der Städte Jerusalem und Tel Aviv, in dem am 31. März 1937 abgelaufenen Finanzjahr. Die Einnahmen von J erusalem sind mit 77 812 Pfund um rund 1000 Pfund hinter dem Voranschlag zurückgeblieben, Die tatsächlichen Ausgaben betrugen 120 962 Pfund, um 15 500 Pfund weniger als iu dem revidierten Voranschlag vorgesehen war, jedoch um 15 000 Pfund mehr als nach dem ursprünglichen Voranschlag erwartet wurde. Die Abrechnung enthält keine Angaben über die Abdeckung des 43 000 Pfund betragenden!Defizits. Es werden auch keine näheren Angaben über die 51 387 Pfund betragenden ״außerordentlichen Ausgaben“ gemacht. Die Einkünfte der Stadt Tel Aviv dagegen waren um 8000 Pfund höher als die Ziffer des Voranschlages. Sie betrugen 472 305 Pfund. Die tatsächlichen Ausgaben machten 466 9Ö7 Pfund aus, um 22 000 Pfund weniger als die entsprechende Ziffer des Voranschlages. Etwa 10 000 Pfund wurden beim Gesundheits-, Erzichungs- und Wohlfahrtswesen eingespart, die Ausgaben für außerordentliche öffentliche Arbeiten blieben um 7700 Pfund hinter den im Voranschlag angesetzten Betrag zurück. Für das Finanzjahr 1937 38 sind Einnahmen in der Höhe v-on 548 593 Pfund vorgesehen. Mau erwartet um 80 000 Pfund höhere Einnahmen als im Finanzjahr 1936'37 aus Gemeindesteuern, Lizenzgebühren usw. Die Ausgaben werden mit 478 373 Pfund veranschlagt. Davon sollen auf den Gesundheitsdienst 122 900 Pfund, aut Erziehungswesen und Sozial״ fürsorge 141 000 Pfund entfallen. Der Betrag für Pensionen und Gratifikationen wird von ISIS auf 7850 Pfund erhöht, Vortrag über den Teilungsplari. Aus Jerusalem wird uns berichtet; In einer überfüllten Versammlung der ״Hitachduth Olej Germania“ in Jerusalem referierte der Leiter der deutschen Abteilung der Jewish Agency, Dr. Georg Landauer, über das Thema ״Wendepunkt in der zionistischen Politik (nach dem Bericht der Royal Commission)“. Georg Landauer ging davon aus, daß weite Kreise im Jischuw, von den Revisionisten bis zur linken Poale Zion, unter Zuhilfenahme ihrer alten, üblichen Parteiparolen, jedwede Diskussion über den Teilungsplan ablchnfen. Eine solche Stellungnahme —- so meinte Landauer — sei höchst einfach, aber seiner Ansicht nach unverantwortlich; man lehne mit großer Entschiedenheit jede Diskussion ab, ja verlange sogar vom Kongreß, nicht einmal das Thema ״Teilung Palästinas“ zur Debatte zu stellen — ohne irgendwelche anderen konstruktiven Vorschläge zu machen. Der Referent führte aus, daß es ein Verhängnisvoller Irrtum sei, wenn man meine, man könne die Kammission nur als Episode betrachten und nun nach diesen ״Zwischenspiel“ die alten politischen Praktiken fortsetzeit. Dies sei ausgeschlossen. Das ,.liberschriftslose Kanitel“ der zionistischen Geschichte, jener Zustand der letzten 15 Jahre, der im Zeichen der Unklarheit stand, sei endgültig abgeschlossen. Durch ״relativ freie Einwanderung“ und Bodenkauf sei die natürliche ״Elastizität“ des Landes erschöpft und es müsse nun — so oder so —- eine Stabilisierung der Verhältnisse eintreten. Es bliebe, wenn man realpolitisch denkt, dem Zionismus nur die Möglichkeit, 1!:e Politik des kleinerers Uebefs zu betreiben, und dieses kleinere Uebel sei zweifelsohne der Judenstaat, der uns wenigstens auf diesem kleinen Gebiet für 5—10 Jahre freie Einwanderung gewähre und für die bereits besiedelten Teile die Möglichkeit der Selbstverwaltung gäbe und uns zu vollwertigen Partnern anderer Staaten im Vorderen Orient mache. Landauer wies darauf hin, daß es der Regierung des Judenstaats viel eher gelingen kann, in Transjordanien und Syrien Gebiete zur An- Siedlung von Juden außerhall) des jüdischen Staates zu erlangen, als dies der Jewish Agency möglich ist. Die Heraus״ nähme Jerusalems aus dem geplanten jüdischen Staat sei zwar schmerzlich, aber nicht entscheidend, da die ״ewige trän• szendente“ Bedeutung Jerusalems unabhängig von diese« Fragen wmiterbestünde. — In der anschließenden Diskussion kamen vor allem zwei Meinungen zum Ausdruck: die radikale Ablehnung jedes Teilungsplancs und das vorsichtige Abwarten bis zu einer authentischen Interpretierung des Kommissions• berichtes. (Schluß des Palästlnateils)

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