Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 60 (30.7.1937)
- Date
- 1937-07-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 60, 30. VII. 1937 J 0 D IS C H E RUNDSCHAU Seife 5 Weizmanns Reden Aus einer Vorrede / Von Gustav Krojanker, Jerusalem Von Basel bis Zürich Vierzig Jahre Zionistenkongreß Historische Daten von Josef F r ä n k e I I. Kongreß (29. bis 31. August 1897 in Basel). 197 Delegierte. Eröffnung durch Alterspräsident Dr. Karl Lippe. Die Begrüßungsrede wird von Dr. Theodor Herz I gehalten. Dr. Max Nordau spricht über ״Die allgemeine Lage der Juden“. Kongreßpräsidium: Herzl (Präsident), Nordau (l. Vizepriisident), Salz (2. Vizepräsident), Pineies (3. Vizepräsident); Schriftführen Ussischkin, Schauer, Tcmkin, de Haas; Beisitzer: Rabbiner Ehrenpreis, Mintz, Schnircr, Wolfsohn. Baseler Programm. Gründung der Zionistischen Weltorganisation. — Wiener Aktions-Comite: Dr. Theodor Herzl, Dr. M. T. Schnircr, Dr. O. Kokesch, Dr. Alexander Mintz, Johann Kremenetzky. II. Kongreß (28. bis 31. August 1898 in Basel). Gegen 400 Delegierte. (100 Schekelzahler wählten einen Delegierten). Vorsitzender: Dr. Th. Herzl. Nordau-Referat. Wahl eines Komitees zur Gründung der ״Jüdischen Kolonialbank“. (Wolfsohn und Kann.) Ablehnung der Infiltrationskolonisation. — Wiener A.-C: Dr. Herzl, Dr. Schnircr, Dr. Kokesch, Architekt Marmorek und J. Kremenetzky. III. Kongreß (15. bis 18. August 1899 in Basel). Vorsitzender: Dr. Th. Herzl. Formulierung des Begriffes ״Charter“. Gründung der ״Jüdischen Kolonialbank“. Bericht Herzls über Audienz in Jerusalem. Nordau-Referat. Das Aktions-Comitd (A.-C.) wird geteilt in ein Engeres A.-C. und in ein Großes A.-C. Präsident des E. A.-C.: Dr. Theodor Herzl. IV. Kongreß (13. bis 16. August 1900 in London), lieber 400 Delegierte. Vorsitzender: Dr. Herzl. Nordau-Referat. Projektvorlage über ״Jüdischen Nationaifonds“. — E. A.-C.: Dr. Herzl (Präsident), Dr. Schnircr, Dr. Kann, Dr. Kokesch, Architekt O, Marmorek. V. Kongreß (26. bis 30. Dezember 1901 in Basel). Vorsitzender: Dr. Th. Herzl. Herzl-Bericht und Nordau-Referat. Kulturdebatte und Diskussion über die Gründung einer ״Jiidisehen Hochschule“. Auftreten einer geschlossenen Opposition GiDie demokratisch-zionistische Fraktion“), geführt von Dr. Chaim Weizmann. Beschluß, daß der Kongreß einmal in zwei Jahren tage. Gründung des ״Jüdischen Nationalfonds“. Präsiaent des E. A.-C.: Dr. Herzl. Vt. Kongreß (23. bis 26. August 1903 in Basel). Vorsitzender Dr. Herzl. Uganda-Debatte, Wald eines Komitees zur Entsendüng einer Expedition. Die ״Neinsager“ (״Zione Zion“) verlassen den Kongreß. Einsetzung einer Palästina-Kommission. Herzl schließt den Kongreß mit den Worten: ״Wenn icli dein vergesse, Jerusalem, verdorre meine Rechte.“ Präsident des E. A.-C. Dr. Herzl. VII. Kongreß (27. bis 30. August 1905 in Basel). Nordau hält den Nachruf für Herzl. Beilegung des Uganda-Konfliktes. Die Territorialisteu treten aus der Zionistischen Weltorganisation aus. E. A.-C. David W 0 I f s 0 11 n (Präsident), Wartung, Kann, Ussischkin, Kahan-Berustein, Alexander Marmorek und Grcenberg. VIII. Kongreß (14. bis 21. August 1907 iin Haag). Zahl der Delegierten: 329. Zahl der Schekelzahler: 100 263. Kongreß- Präsidium: Wolfsolm und Nordau. Kampf zwischen politischen und praktischen Zionisten. Einführung eines Palästina-Ressorts im E. A.-C. E. A. C.: Wolfsohn (Präsident), Prof Warburg und Jakobus Kann. IX. Kongreß (6. bis 30. Dezember 1909 in Hamburg). Kongreßpräsidium: Wolfsohn und Nordau. Organisationsdebatten. Opposition gegen Wolfsohn. — Präsident des E. A.-C.: David Wolfsolm. X. Kongreß (9. bis 11. August 1911 in Basel). Kongreßpräsidium: Nordau und Wolfsolm. Scharfer Kampf zwischen praktischen und politischen Zionisten. Wolfsohn legt die Präsidentenstelle nieder, bleibt aber weiter an der Spitze der ״Jüdischen Kolonialbank“. E. A.-C.: Otto Warburg (Präsident), V. Jakobsohn, A. Hantke, Sclimarja Laviii, N. Sokolow. XI. Kongreß (2. bis 9. September 1913 in Wien), lieber 500 Delegierte. Große Festveranstaltungen. Debatte in der hebräischen Sprache über die ״Hebräische Universität‘•', Wolfsohn bleibt weiter Leiter der Bank und des ״Jüdischen Nationalfonds“. Vorsitzender des Permanenzausschusses; Dr. Ch. Weizmann. Präsident des I:. A.-C.: Otto Warburg; Vizepräsident: Dr. E. W. Tschlcnow, 1914—1918: Weltkrieg. Balfour-Deklaration (2. November 1917). Einzug der Truppen in Jerusalem (9. Dezember 1917). Englische Militärverwaltung in Palästina. 1920: San Remo und Londoner Jahreskonferenz. Wahl Weizmanns zum Präsidenten. XII. Kongreß (1. bis 14. September 1921 in Karlsbad). 540 Delegierte. 778 487 SchekelzaliSer. Eröffnung und Bericht durch Weizmann und Sokolow. Sir üeorge Clerk, der englische Botschafter in Prag, begrüßt den Kongreß. Kongreßpräsidium: Sokolow und Motzkin. Führer der Opposition: Julius Simon und de Lieme. Jabotinsky verteidigt die Exekutive. Wichtige Beschlüsse über Kolonisation, Finanzen, Mandat und Organisation. — Exekutive: Dr. Weizmann (Präsident der Welt- Organisation), Sokolow (Präsident der Exekutive), Ussischkin, Eaer, Jabotinsky, Lichtheim, Motzkin, Cowen, Roseublatt, Ruppin, Sprinzak, Pick und Soloweitschik. XIII. Kongreß (August 1923 in Karlsbad). Debatten über Erweiterung der Jewish Agency, Opposition. Beschluß, im Prinzip einen jüdischen Weltkongreß zur Erweiterung der Jewish Agency gemäß Artikel ■1 des Mandats einzuberufen, bis zu diesem Termin jedoclt die Heranziehung auf andere Weise zu versuchen. Exekutive: Weizmann, Sokolow, Soloweitschik, Cowen, Lipsky, Ruppin, Cal. Kish, van Vriesland, Pick, Spinn* zak (dazu als Vertreter des Wirtschaftsrates: Dr. Halpern, Naiditsch, Feiwel). XIV. Kongreß (August—September 1925 in Wien). Kampf um die Erweiterung der Agency. In die Exekutive werden nur Weizmann und Sokolow gewählt, die später dein A.-C. die Exekutive Vorschlägen. Das A.-C. beschließt am 21, Oktober, die vom XIII. Kongreß gewählte Exekutive und Finanz- und Wirtschaftsrat bis zum XV. Kongreß im Amt zu belassen. XV. Kongreß (August—September 1927 in Basel). Bericht über Verhandlungen mit Nichtzionisten wegen Erweiterung der Jewish Agency. Wachsen der Opposition. Beschlüsse über Ko Ionisation. Kampf um Wirtschaftslagen und Vervvaltungs״ reforin. Exekutive: Präsident: Dr. Weizmann (113 zu 54 Stirnmen), Sokolow, Dr. Eder, Lipsky, Felix Rosenbliith, Kish, Harry Sacher, Miß Szold (83 zu 62 Stimmen). XVI. Kongreß (28. Juli bis 11. August 1929 in Zürich). Scharfer Kampf der Opposition gegen die Erweiterung der Jewish Agencv. Beschluß, die Nichtzionisten zur Jewish Agency zuzulassen, wird mit 231 gegen 30 Stimmen angenommen. — Exekutive: Weizmann, Sokolow, Sacher, Kish, Miß Szold, Rosenbliith, Rrodetsky, Lipsky, Kaplansky, Sprinzak, Berlin, Barth und Ruppin. XVII. Kongreß (30. Juni bis 15. Juli 1931 in Basel). Vorsitzender des Kongresses: Motzkin. MucDonald-Brief. Endzieldebatte. Universitätsresolution. Abdankung Weizmanns. — Exekutive: Sokolow (Präsident), Farbstein, Newman, Arlosoroff, Brodetsky und Locker. XVIII. Kongreß (21. August bis 4. September 1933 in Prag). Kamp! um Kongreßpräsidium. Motzkin Kongreßpräsident. Wahl einer Untersuchungskommission (Arlosoroft-Mord). Weizmann wird mit der Leitung zur Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Palästina betraut. — Exekutive: Sokolow (Präsident), Ben Die ״Hitmhduth Oie G ermania" in Palästina veröffentlicht in diesen Tagen ein Buch: Chaim Weizmann, Heilen und Aufsätze. Das Buch, von Dr, Weizmann autorisiert und über .300 Seiten starl!, enthält Reden ans den Jahren 1901—1936. M ir geben nachstehend einen Teil des Vorworts wieder, das Dr. Krojanker zu dieser Autgäbe geschrieben hat. (Red.) Wenn wir das Wort Staatsmann in der großen Bedeutung des Wortes auf uns, das staatenlose Volk, anwemfpn Wolfen, so werden wir außer Herzl nur Weizmann damit bezeichnen können. Aber Herzl wußte nichts vom jüdischen Volk: weder von seiner wirklichen inneren Kraft noch von der Notwendigkeil, sie zu erwecken. Vielleicht war sein Leben zu kurz; vielleicht wäre in ihm, in dem aus dunkeln Schichten die große Vision vom Jndenstaat aufgestiegen war, auch noch das Judenvolk zum Leben erwacht, gleichviel; es war ihm fremd. Das wirklich lebendige Volk mit seinem Herkommen, seinen Träumen, seiner starken Kraft und seinen zahllosen Mängeln war kein Posten in seinem staatsmännischen Plan. Weizmann aber, bevor er Weizmann wurde, war — um mit ihm selbst zu sprechen — ein litauisches Chederjiingel, und das besagt; ein Stück eben dieses Herzl unbekannt gebliebenen Dr. Chaim Weizmann Foto: Archiv iiilisii® ׳lUt f|lfl|ÖK i. . ׳ . . Volkes. Er geht den umgekehrten Weg nach Westeuropa und wird vom Chederjüngel zum Staatsmann. Und wenn er schon in frühen Jahren die theoretische Erkenntnis von der Notwendigkeit des synthetischen Zionismiss, d. h. des politischen und praktischen zugleich, verkündet, so gibt er damit nur einen einzelnen zufälligen und zeifgebtiiidenen Ausdruck für sein Wesen überhaupt, für die entscheidende Tatsache nämlich, daß er selbst in sich aufs vollendetste die Synthese verkörpert, die die höchste und reinste Form des Zionismus darstellt. Denn Zionismus ist doch wohl beides zugleich: die Treue zum Glieder und der Abfall von ihm; die unlösbare Verbundenheit mit seinen ewigen Werten und der tiefe Abscheu vor seinen Existenz- Bedingungen mit all ihren Folgeerscheinungen. Und wenn wir auch manchen großen Geist im modernen Judentum aufzuweisen haben, der es verstand, den Geist Westeuropas im Jüdischen fruchtbar zu machen — so war es doch keinem wie ihm gegeben, diese Transplantation gerade auf politischem Feld zu vollziehen. Denn das ist das Gebiet, das uns am fernsten liegt. Hier ist kein Herkommen und kein Erbe; es ist buchstäblich ein Sprung von einer Welt in die andere. Wir verstehen noch nicht, politisch zu denken und sind an wirklichen Politikern überaus arm. Ein Politiker seines Formats aber, der gleichzeitig aus dem Herzen des Volkes selber emporgestiegen ist, stellt bei uns eine einzigartige Erseheinung dar. Er ist der erste wirklich jüdische Staatsmann, den wir aufzuweisen haben. Und es war ein ungeheures Glück für uns, daß die historische Entwicklung gerade diesen Mann gerade mit England zusammengebracht hat. Ueber Englands besonderes Verständnis für den zionistischen Gedanken braucht liier niciit gesprochen zu werden; es ist bekannt, und es wird in weizmanns Reden wiederholt erklärt. Es gilt aber auch das Umgekehrte: es gilt der Satz, daß Weizmanns politisches Denken dem englischen besonders nahe steht. Man kann es negativ ausdrücken, indem man auf der! Mangel an Doktrlnarismus, festgelegten Prinzipien und verbindlichem System hinweist. Oder positiv: als die Kunst, sich dem Augenblick anzupassen, aus der jeweils gegebenen Situation das beste zu machen und immer elastisch den jeweils möglichen Schritt zu tun. Das ist so nnjiidisch wie Politik überhaupt eine dem Juden noch kaum erschlossene Kunstgattung ist. Der Jude ist doktrinär und fanatisch; man könnte überspitzt sagen: er ist eher bereit, für eine Idee zu sterben, als für sie zu leben. Denn das Leben selbst entspricht niemals der Idee, nur das Lebensresultat kann ihr entsprechen. Ebensowenig deckt sich die kleine politische Tat des Tages, für die man mühevoll das Lehen ’einzusetzen hat, mit dem Endziel, für das man zu sterben bereit ist. Aber gerade dies: den Tag und nochmals den Tag zu gestalten und dabei den Tag aller Tage, die eigentlich treibende Kraft, gläubig in sich zu be- —MAGISTER KIRSCH- Der gute llkdr Magllter-Ukörfabrik, München VII. In Berlin aube*t8h.duroH dt* Weingroßhandlung Bernhard Brauer, Burgstraße 3/ Ruf: 5143 40 Gurion, Kaplan, Locker, Schertock, Brodetsky, Jakobsohn, Lipsky, Grünbaum und Ruppin. XIX. Kongreß (20. August bis 4. September 1935 in Luzern). 489 Delegierte. 1 200000Schekelzahler. Revisionisten liehmen nicht teil. — Exekutive: Weizmann (Präsident), Soko low (Ehrenpräsident), Ben Gurion, Schertock, Kaplan, Grünbauni, Brodetsky, Rottenstreich, Fishmann. Präsident des A.-C.: Ussischkin. XX. Kongreß (3. bis 15, August 1937 in Zürich). 1 500 000 Schekelzahler, wahren — macht das Wesen des großen Politikers aus. Es ist Weizmanns Wesen. Und es offenbart sich darin eine neue Art des jüdischen Menschen, dein es seit Jahrtausende« nicht mehr aufgegeben war, Wirklichkeit zu gestalten. Wenn man seine Reden liest, dann wird man finden, daß in ihnen von der ersten bis zur letzten Seite, unter immer verschiedenen Situationen und in immer neuen Formulierungen, stets dieser gleiche Gedanke wiederkehrt: der Gedanke von der Wirklichkeit, von den realen Gegebenheiten und der Kunst, sie jeweils zu nutzen. Vielleicht stehen wir noch zu sehr im Tageskampf, um ermessen zu können, was für eine eminent erzieherische Bedeutung gerade dieser Seite von Weizmanns Tätigkeit zukommt. Aber der Historiker, der zu schildern haben wird, wie das Ghettovolk der Träumer er״ wachte und sich daran machte, sein Geschick selbst in die Hand zu nehmen, wird neben Herzls zur Tat aufrüttelndes Wort als gleichbedeutend Weizmanns die Tat bereitendes Wort stellen müssen: als das Wort des zweiten Stadiums, des Wirklichkeitsstatliiiins, ohne dessen Bewältigung der er״ weckende Aufruf leicht hätte eine einmalige aufloderndc und wieder versinkende Flamme bleiben können — wie es in unserer Geschichte nicht selten der Fall war. Dieser durch die Umstände gegebene Zwang, immer wieder zu ernüchtern, das Volk immer wieder aus der Wolke auf den Erdboden zu führen, hat eine Seite von Weizmanns Wesen, die des klar denkenden 11 iichternen Staatsmannes, ungebührlich in den Vordergrund treten lassen. Man hat sich offenbar kaum je gefragt, woher der Mann eigentlich die Kraft nimmt, diese erstaunliche Kraft, mit der er seit Jahrzehnten über die Erde jagt, handelt und predigt, kämpft und überzeugt. F.r selbst sagt'einmal: ״Ich suche, in drei Monaten die Arbeit eines Jahres zu konzentrieren, und ich suche, meine Jahre und meine Tage zu verdoppchi....“ Wie macht einer das, wenn nicht glühend eine Vision in ihm brennt, eine ganz unreale mystische Zukunftsvision, vom der man nicht oder doch nur ganz selten spricht, weil eine-Keuschheit des Herzens hindert, sie im Munde zu führen. Nur einmal hat Weizmann ganz unmittelbar davon gesprochen, in unzähligen Reden ein einziges Mal. Aber das ist von so glühender Kraft, daß es jedem itn Gedächtnis brennt, der es einmal gehört oder gelesen hat. Er schildert seinen Besuch bei Emir Eeisal: wie er da durch die Wüste reitet und wie ihn ein märchenhaftes Gefühl von dem Wunder seiner Reise uberkomnit. ״Wie der alte Abraham näherte ich mich dem Lande, das Gott seinein auserwählten Volke versprochen hat. Und wie er, kam ich durch das Land Moab, um Besitz zu ergreifen.... Und da und damals versanken zweitausend, dreitausend, viertausend Jahre. Ich fühlte, ich wußte, es war erst gestern, daß ich das Land besessen hatte; es war erst gestern, daß unser Urvafer Abraham diesen Boden betrat und sich aut den Weg seines Volkes begeben hatte unter vier Führung Gottes mit seinem Segen. Und damals fühlte ich, all die Jahre unseres Exils, all die Länder, in denen wir gewohnt, all die Leiden, die wir ertragen hatten, waren wie nichts. Der Abgrund war überbrückt. Dies war das Heim: dies war die Verheißung und die Erfüllung, dies war die Gewißheit.“ So hat er nur einmal gesprochen, aber das kann mail auch nur einmal — wie man es nur einmal erleben kann. Die Glut selbst aber, die treibende Kraft zum großen Endziel, bricht immer wieder noch in seinen nüchternsten und ernücliteriidstcn Reden durch, Gerade diese Mischung aber von Feuer und Eis, von einer verhaltenen Glut und einer ganz kühlen Einschätzung dessen, was ist, gibt seinen Reden den besonderen Zauber, dem in entscheidenden Stunden selbst seine Gegner erliegen. Gerade weil er immer so ganz schlicht, ganz plirascnlos und ganz sachlich spricht, spürt man um so stärker die Leiden- Schaft des Mannes, die noch die kühlste Darlegung durchzittert. Ja, mitunter äußert sich diese Leidenschaft merkwürdig gebrochen: nämlich beinahe wie in einer Leidenschaft zur Desillusionierung, und wenn das doch in Wahrheit nie desilhisionierend, sondern stets mitreiBeiul wirkt, so deshalb, weil immer spürbar bleibt, daß dieser Trieb zu desilliisio» nieren ans der ewigen Bangigkeil um die große Illusion kommt, die sein Leben bedeutet. Zur Rede gehört der lebendige Mensch. Und wenn sicher noch aus dem gedruckten Wort viel von dem Ernst, der Würde lind der Warme des Mannes 711m Durchbruch kommt — ei!1 Teil geht verloren. Man muß ilui gesehen haben: man muß einmal von der durchaus königlichen Art, mit der er vor seine Hörer tritt, erfaßt worden sein. Er hat einmal davon gesprochen, daß es zwei Arten von Wurde gibt: die eine sei ״die mechanische' Würde, die sich darin ausdriickt, sich in Positur zu werfen, den Siaatsmann zu spielen,.,.•'‘; von der anderen spricht er nicht weiter, und er braucht das auch nicht. Man wird nicht umhin können, diese seine Haltung, die Wirkung, die von seiner Persönlich* Reit ausgeht, mit als Erklärung für einen historischen Akt heranzuziehen, für die Tatsache nämlich, daß wir die Balftmr* Deklaration bekamen. Es ist bekannt, daß Lloyd George ihn fragte, womit er ihn für die Dienste belohn eil könne, die er der englischen Regierung während des Krieges geleistet hatte, und daß er antwortete, er wolle nichts für sich, er wolle ein Heim für sein Volk. Das Großartige darin, das den Mann charakterisiert, liegt nicht in der Antwort selbst — die hätte mancher andere Zionist wohl auch gegeben —, es liegt in der Tatsache, daß er bekommen hat, was er wollte. Was stand schließlich hinter ihm? Imponderabilien, deren Bedeutung wir wohl kennen, die aber wenig in der Welt realer Gegebenheiten zu besagen haben. Und an realen Gegebenheiten hatte er nicht viel aiifzmveiscn. Was er als entscheidenden Faktor mit sich brachte, war eben diese seine überragende Persönlichkeit und die Wirkung, die von ihr ansgehi Er erzählt einmal die Geschichte von dem armen Bocher, der in die weite Welt ging und zu einem König kam lind 711 ihm sagte: Gib mir Deine Tochter. Und der König gab sie ihm. Er erzählt dies Märchen, tun zu sagen, daß es eben ein Märchen ist und daß die Wirklichkeit anders aussieht. Aber fast dieses Märchen hat sich an ihm selber ereignet, und er hätte eigentlich hinzufügen sollen, daß es eben doch auf den Bocher ankommt. Doch ein parlamentarischer Ausschuß? Wie der diplomatische Korrespondent des ״Daily Telegraph“ mitteilt, wird die Mandatskommission, die sich bereits mit dem Peel-Bericht vertraut gemacht tut, zunächst einen vorläufigen Bericht abfassen, auf Grund dessen sich der!111 September ziisaniinentrdende Völkerbundsrat ein Urteil bilden kann. Bei Wieder/usammentritt des Parlaments am 31. Oktober dürfte daher das Gutachten des Völkerbundes bereits vorliegen, und ■die britische Regierung würde dann auch vermutlich keine Einwendungen dagegen erheben, daß ein aus Mitgliedern beider Häuser bestehender parlamentarischer Ausschuß in eine Prüfung des Planes eintritt und etwaige Abänderungsvorschläge ausarbeitet. 1