Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 60 (30.7.1937)
- Date
- 1937-07-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653683--31051-2685638- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 3× ep/1000834
- Judah Halevi 2× ep/1002737
- Moses Montefiore 2× ep/1006240
- Akiva ben Joseph 1× ep/1003279
- Azriel Hildesheimer 1× ep/1000007
- Eliezer Ben-Yehuda 1× ep/1025916
- Jacob Emden 1× ep/1002669
- Joseph ben Ephraim Karo 1× ep/1003009
- Maimonides 1× ep/1002614
- Max Brod 1× ep/1024844
- Moses Hess 1× ep/1025124
- Safed 1× ep/1046078
- Theodor Herzl 1× ep/1007316
- Tiberias 1× ep/1048138
OCR text
Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 60, 30. VIL 1937 » Aus der Vorgeschichte des Zionismus Von Rechtsanwalt Dr. Abraham Lob, Berlin ln dem Moment, wo der XX. Zionistenkongreß vor einer ent• scheidenden geschichtlichen Stunde steht, ist ei gut, sich, bewußt su machen, daß der Zionismus keine künstliche Konstruktion unterer Tage ist, sondern immer im jüdischen Volk lebendig war. Unser Mit• arheiter gibt hier einen Rückblick über die Vorgeschichte unserer heutigen Situation. (Red.) Als nach der Zerstörung des ersten Tempels die Juden nach Babylon verbannt wurden, waren es die Propheten Jeremiss und Ezechiel, die die Sehnsucht nach Palästina wachhielten. Als Cyrus die Erlaubnis zur Rückkehr und zum Aufbau des Tempels gab, kehrte nur ein Teil der Exulanten zurück, aber es gelang den Zurückgekehrten, durch zähe Arbeit, Mut und Ausdauer einen neuen Staat zu errichten, dem die Makkabäer die Unabhängigkeit erkämpften. Die, Römer, die die Hasmonäer in ihrem Kampfe durch ein Bündnis unterstützt hatten, benutzten dies zum Ausgangspunkt ihrer Einntischung in die inneren Angelegenheiten des zweiten Reiches und führten dessen politisches Ende im Jahre 70 n. d. gew. Zeitr. herbei, nachdem die Juden ihre Freiheit heldenmütig verteidigt hatten. Obgleich der Tempel gefallen war und Jerutalem aufgehört hatte, das staatliche Zentrum der ludenheit zu sein, genossen die Juden in Palästina bis zum Untergang des Patriarchats (423) eine gewisse nationale Autonomie. Sie wareii noch meist durch starke Betätigung in der Landwirt- Schaft mit dem Boden ihrer Väter verbunden, bis ihnen durch die Schikanen der oströmischen Kaisergesetzgebung im fünften Jahrhundert die Ausübung der Landwirtschaft unmöglich gemacht wurde. Die luden in Palästina hatten im Synhedrion und dem Patriarchat ihre autonome Spitze, und diese Institutionen wurden auch von den Gemeinden der Diaspora als die mallgebende Zentralinstanz anerkannt. Die wichtigsten Be- Schlüsse wurden überallhin durch Boten verkündet, und so der Verkehr zwischen Palästina und den Juden im Auslande aufrecht erhalten, ln mehreren Aufständen suchten die Juden ihre Selbständigkeit wicder/ugtwiiineii. Der bekannteste ist die roße Erhellung zur Zeit des Kaisers Hadrian, die von 132 is 135 dauerte und von Bar Koch ha geleitet wurde. Schon vorher war unter Trajan ein Aufstand der Juden in Aegypten, Cypcrn und Cvmic bhitig niedergeschlagen worden. Weniger bekannt sind die Aufstände gegen Gallus und (Jrsiciitius 351 bis 352 und gegen den Kaiser Heraklius 614 bis 628. Dieser letzte Aufstand iuhrie nach anfänglichen Erfolgen mit Unter- Stützung der Perser zur Einnahme Jerusalems, brach aber nach Idem Rückzug der Perser zusammen. Statt der den luden vom Kaiser zugesagten Amnestie wurden sie durch schwere Verfolgungen bedrängt, bei denen Tausende ums Leben kamen. Die große Reihe mißlungener Aufstände, die den Zweck hatten, Ziort wieder herzustellen, erweckte in den Juden allmählich den ()!anbei!, daß die politische Wiedergeburt des jüdischen Volkes nicht anders als auf übernatürlichem Wege erfolgen könne. Seit dieser Zeit begann die mystisch-messia-!tische Bewegung. Allerdings entsprach diese Bewegung nicht der Ansicht einer Reihe von großen Gesctzeslehrern. Rabbi Akiba z. B. hatte Bar Kochba unterstützt. Mar Samuel irt Babylon gab durch seinen Ausspruch, ״daß das messianische Zeitalter sich von der Gegenwart nur dadurch unterscheiden werde, daß das jüdische Volk dann seine politische Unabhängigkeit wieder erlangt haben wird“, ebenfalls seine Abneigung deutlich gegen die mystische Richtung zu erkennen. Unter dem Banne des mystisch-messianiscbcn Gedankens betrachteten sich die Juden als Gäste in der Fremde und erwarteten nach Hause gerufen zu werden. Von Zeit zu Zeit traten dann Männer auf, die behaupteten, von Gott gesandt zu sein, um die Befreiung herbeizuführen. So war im Jahre 427 aut der Insel Kreta ein falscher Messias mit Namen Moses erschienen. Im Jahre 723 wirkte der syrische Jude Sirena in gleichem Sinne. Etwa 27 Jahre darauf sammelte ein Mann namens Aben Jsa 10 000 Juden zum bewaffneten Aufstande um sich. Im achten Jahrhundert erschien ein Werk ״Die Geheimnisse des R. Simon b. Jochni“, in welchem die baldige Erlösung vorausgesagt wurde. Im neunten Jahrhundert war im Volke das Buch Serubabe! verbreitet, welches die Wiedergebürt des jüdischen Volkes für das Jahr 106S voraussagte. Das eigentliche Zeitalter der falschen Messiassc war das zwölfte Jahrhundert. So traten in den Jahren 1117 in Cordova, 1121 in Fez und 1137, 11 iS, 1130 in anderen Städten falsche Messiasse auf. 1160 wird David Alroi in Persien tätig uncl sein Aufruf lockte große Mengen bewaffneter Juden herbei. Im Jahre 1172 erschien ein falscher ■Messias in Arabien und!110 und 1280 in Mcrane. Im Jahre 1281 verkündete Abulafia in Sizilien die baldige Befreiung des jüdischen Volkes, fit demselben Jahrhundert faßten viele angesehene Personen aus deutschen Gemeinden den Entschluß, unter Führung von R. Meier von Rothenburg nach Palästina atisziiwandcrn. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts gab sTb Jacob Alkoronso als Messias aus, an den seihst der große Philosoph Ghasdai Kreskas glaubte. In Istrien trat im Jahre 12־'׳כ der falsche Messeis Ascher Lernlain auf. Etwa 22 Jahre später nahm dessen Stelle Reubcni ein, der durch den Roman von Max Brod besonders hekannt geworden ist. Er hatte viel Anhänger unter den Marannen von Spanien, Portugal und Italien. Die Sehnsucht nach Palästina war in dieser Zeit so stark, daß Joseph Karo, der berühmte Verfasser des Schulchan Aruch, und Isaac Lprje, das Haupt der praktischen Kabbala, nach dort auswanderten. Im Talmud ist die Wiedergeburt des Volkes in Palästina eine Grundidee des Judentums. Das beweisen bekannte talmudische Aussprüche wie etwa: ״Wer in Palästina lebt, wird eins mit Gott“, ״Ein in Palästina verlebtes Jahr befreit von allen Sünden“, ״Die Luft von Erez Israel macht weise“, ״In Palästina leben ist gleichbedeutend mit der Ausübung aller Gebote Gottes“. Fm 4. Jahrhundert schließen fast alle Bücher, wes Inhalts sie auch sein mochten, mit sogen. ״Kiztm“', d. h. Berechnungen darüber, wann die Befreiungszeit des jüdischen Volkes eintreten werde. Bekannt ist, wie der berühmte Dichter Jehuda Halevi in seinen Werken Zion besungen und daß ihn die heiße Liebe zu Zion in seinem 50. Lebensjahre nach Palästina trieb, wo er den Tod fand. Seine Zionslieder (Zion!- den) sind in die Liturgie des 9. Aw übergegangen. Nach Jehuda Halevi werden die Pilgerfahrten ins Land der Väter unter den jüdischen Gelehrten allgemeine Sitte. Abraham ihn Esra und Alcharisi folgten seinen Spuren. Maimonides, der in Aegypten starb, ließ sich in Palästina beisetzen. Nachmanidcs (Ramban) zog als alter Mann von 70 Jahren ins heilige Land und versuchte dort an der Besserung der Lage der jüdischen Bevölkerung mitruarbeiten. fn der Zeit von 1488 bis 1521 sollen zirka 1560 jüdische Familien nach Palästina eingewandert sein. Solche Strömungen bereiteten den Boden vor für die Tätigkeit des letzten falschen Messias Sabbatai Zwi. Wie er lebte und endete, ist bekannt. Diese Bewegung konnte damals nur deshalb so groß werden, weil die Liebe zu Zion imstande war, die ganze ludenheit aufzurütteln. Man erwartete für das Jahr 1666 die Rückkehr aus dem Exil. Sabbatai Zwi endete schmachvoll, abei die Zionssehnsucht verschwand nicht mit ihm. Etwa 100 Jahre später wandert eit 1800 Juden nach Palästina aus. In dieser Zeit lebte R. Jacob Emden, der in dem von ihm herausgegebenen Gebetbuch schreibt: ״Höret meinen Rat: wenn ihr nur irgendwelche Mittel habt, bescheiden in Palästina zu leben, so fahret nach Palästina. Indem wir ruhig außerhalb Palästinas leben, glauben wir ein neues Palästina und ein anderes Jerusalem gefunden zu haben. Das ist die Ursache der großen Leiden, die uns widerfahren.“ ln der Sehnsucht nach Palästina waren sich oft die unversöhnlichsten Gegner einig wie die Anhänger des Chassidismus und die Schüler des wilnaer Gaons, welche am Ende des 18. Jahrhunderts durch Aufrufe in der ganzen Welt eine Kasse für Palästina-Arbeit gründeten. Diese dem Andenken des R. Meir ba’al haness (des Wundertäters) gewidmete Kasse besteht noch heute. Die Verteilung dieser Gelder trägt den Namen Chaluka. Die unproduktive Art der Verwendung dieser Gelder ist in neuer Zeit oft scharf kritisiert worden. Es soll aber nicht vergessen werden, daß die Chaluka jahrzehntelang den einzigen äußeren Zusammenhang der Juden mit Palästina darstellte. — Geistig verbunden waren die Juden immer mit Palästina. Davon zeugten die Gebete und Piutim ebenso wie die Erzeugnisse der Volkslyrik und die Volkssitten wie der Brauch, den Toten ein Säckchen Erde aus Erez Israel unter den Kopf zu legen und bei Verlobung und Hochzeit zum Andenken an die Zerstörung Jerusalems ein Glas zu zerbrechen. Dazu kam, daß alle Fest- und Fasttage an die nationale Vergangenheit anknüpfen, und damit die Liebe zu Zion und die Sehnsucht nach dem Lande der Väter wachgehalten wurde. Heine schöpfte aus der jüdischen Volksseele, als er sang: Und alle die Tränen tie fließen Nach Süden im stillen Verein, Sie fließen und ergießen Sich all in den Jordan hinein. Diese zionistischen Ideen konnten deswegen nicht in das Gebiet der Realität übergehen, weil die Träger keine ausreichenden praktischen Maßnahmen zur Verwirklichung verschlugen. Im 19. Jahrhundert beginnt die Zionsidee nach dieser Richtung hin, sich neue Formen zu schaffen und gerät sofort in Gegensatz zum Reformjudentum. Als die Juden Anfang des 19. Jahrhunderts, aus dem Ghetto kamen, nahmen sie die Lehren der damals geltenden Philosophensehule an. Man lehrte, die Menschheit sei eine Einheit und man lernte europäisch denken und fühlen. Die Humanitätsduselei war zur Zeit, als sie die Juden überfiel, bereits ein Anachronismus, weil diese Art der Folge der französischen Revolution damals bei den anderen Völkern überwunden war und dem erstarkenden Nationalgedanken Platz gemacht hatte. Die Rückstrahlung dieser Ideen ergriff auch viele Juden. Moses Heß, ein Zeitgenösse Gabriel Riessers, wies zuerst darauf hin, daß die Juden immer ״Gäste am fremden Tisch" sein würden. Sein Buch ״Rom und Jerusalem" ist der erste Versuch einer wissenschaftlichen Begründung der Verjüngung des jüdischen Volkes. Etwa zu gleicher Zeit begannen die Versuche, der Idee der Besiedlung Palästinas mit Juden praktische Bedeutung zu geben. Schon im Jahre 1840 war offenbar unter dem Einfluß des Prozesses in Damaskus in der Zeitschrift ,,Orient“ ein Brief eines Unbekannten erschienen, der die Lösung der Judenfrage in der Gründung eines Judenstaates unter Souveränität des Sultans sieht. Der große jüdische Gelehrte Prof. Luzatto in Padua rief um dieselbe Zeit zur allmählichen Besiedlung Palästinas durch jüdische Ackerbauer auf. Kurze Zeit darauf machte Sir Moses Montefiore unter Mitarbeit des französischen Ministers, A. Crcmieux, den Versuch, in Safed und Tiberias die ersten beiden landwirtschaftlichen Kolonien zu begründen. Einen neuen starken Impuls bekam die Palästina-Idee durch das im Jahre 1860 erschienene Werk des Thorner Rabbiners Hirsch Kalischer, ״Emuna jeschara", in welchem er den Beweis zu liefern suchte, daß die von allen gläubigen Juden erwartete Rettung nicht plötzlich, sondern allmählich und auf natürlichem Wege kommen werde und daß die messianische Idee durch einen langen historischen Prozeß verwirklicht werden müsse. Den Anfang der Verwirklichung sah er in der Palästina-Kolonisation, für die er eine von wohlhabenden Juden (wie Montefiore, Rothschild u. a. m.) zu gründende Bodenankaufs-Aktiengeselischaft vorschlug. Für diese Idee trat auch mit besonderer Wärme R. Esriel Hildesheimer ein. Schon damals bildeten sich Vereine zur Erlernung der hebräischen Sprache (1. B. in Brody, Tarnopol, Wien). Der Pariser Professor Halevy veröffentlichte im Jahre 1862 eine ganze Reihe von Artikeln über die Mittel zur Erlernung des Hebräischen. Auf Veranlassung der Alliance Israelite gründete Karl Netter 1870 die Ackerbauschule von Mikwe Israel. Im Jahre 167! veröffentlichte I>. Oordon in ״Hamagid“ eine Reihe von Artikeln, in denen er die Kolonisation Palästinas als Grundlage der zukünftigen politischen Verjüngung des Gesamtjudentums bezeichnet. Wie stark diese Idee die Welt damals bewegte, geht daraus hervor, daß um diese Zeit der englische Premierminister Lortl Bcaconsfield Disracli den ,,'Tankred•‘ und den ״David Alroi“ schrieb und sich mit der Absicht trug, dem Berliner Kongreß einen Plan zur Besiedlung Palästinas mit Juden vorzulegen, und daß die berühmte Schriftstellerin George Eliiot in ihren Romanen ״Daniel Dcronda“ und ״Hephep-modern“ die Verjüngung der jüdischen Nation in der alten Heimat voraussagte. Elieser Ben Jehuda, der später der Neubelebung des Hebräischen so große Dienste leisten sollte, schrieb im Jahre 1879 in ,.Haschara“ zwei Artikel, in denen er die Notwendigkeit der Kolonisation Palästinas zum Zwecke der allmählichen Zentralisation der zerstreuten Judcnheit beweist. Inzwischen war bereits eine jüdische Nationalbewegung entstanden, die auf die Tätigkeit von Perez Smolenski und des von ihm gegründeten und geleiteten Journals ״Hasdiachar" zurückführt. Der ״Haschachar“ begann im Jahre 1869 mit einem Leitartikel, in dem Smolenski davon spricht, daß die Juden einst ein selbständiges Volk sein werden, ltn Jahre 1872 erschien dann das Buch ״Am Olatn“, in dem Smolenski zu beweisen sucht, daß die Wiedergeburt des jüdischen Volkes nicht nur notwendig, sondern auch durchführbar sei. Er sah die Errettung Israels aus seiner jammervollen Lage nur in der geistig politischen Verjüngung des Volkes auf dem Boden Palästinas. Diese Ideen verkündete Smolenski noch vor dem Aufkxlern des Antisemitismus im Westen und noch vor den großen Judenpogromen in Rußland. Seine Ideen ergriffen die jüdische Jugena, die damals an den russischen Universitäten studierte und gewannen auch im Westen Anhänger. Jm ״Haschachar“ und ״Hamelitz“ verschwanden die Artikel gegen die Orthodoxie. An ihre Stelle trat die Propaganda für die jüdisch-nationale Idee und die Palästina-Kolonisation, in dieser kritischen Zeit 1882 erschien die Broschüre des russischen Arztes Dr. L. S. Pinsker ״Autoemanzipation“, die in alle Sprachen übertragen wurde und die zionistische Bewegütig zur Entfaltung brachte. Unter dem Eindruck dieser Schrift verließ mancher Student die Universität und begann ein neues schweres Leben als Pionier der Kolonisation in Palästina. Als die starke Auswanderung der russischen Juden nach Amerika einsetzte, erschien eine Broschüre von M. L. Lienblurn unter dem Titel ״Die Wiedergeburt des jüdischen Volkes in dem heiligen Lande seiner Ahnen“, in welcher darauf hingewiesen wird, daß der einzige und richtige Ausweg die Rückkehr nach Palästina sei. Im Jahre 1884 erschien dann ein Artikel von L. O. Lewanda ״Das Wesen der sogenannten Palästina-Bewegung“, in dem er die neue nationale Bewegung theoretisch zu begründen versucht und auch darauf hinweist, daß die Ursache der Judenfrage nicht darin stecke, daß wir uns nicht der Urbevölkerung nähern wollten, sondern, daß die tirbevölkerung sich uns nicht nähern wolle. Schon ein Jahr vorher, nämlich im Jahre 1883, hatte der Memeler Rabbiner Dr. R ü 1 f, der an der Grenze das Hilfswerk für die russischen Auswanderer organisierte und Unsagbares für diese geleistet hat, die Broschüre ״Aruchas bas Ami“ erscheinen lassen. Dieses Buch ist eine flammende Kundgebung zugunsten der Errichtung eines Jüdischen Natio nalheims in Palästina durch Kolonisation. Die Bewegung bekam auch im Westen immer mehr Anhänger. Es bildete sieb in Oesterreich, Galizien, Rußland und auch in Deutschland ein Netz von Vereinen und Gesellschaften, ln Wien gründete Naihan Birnbaum (Mathias Ascher) den Verein Kadimah. Mit der Propaganda für die Kolonisation ging auch das Bestreben Hand in Hand, die Nation geistig durch Belebung der hebräischen Sprache und Gründung von Bibliotheken zu kräftigen. Hieraus entstand dann wieder die Agitation für Gründung einer Universität in Jerusalem (Schapira) und einer jüdischen Nationalbibliothek (Chasanowitzsch). inzwischen waren unter dem Eindruck der Verfolgung in Rußland die von Moses Montefiore im Jahre 1855 und von der Alliance 1870 begonnenen schwachen Versuche der landwirtschaftlichen Kolonisation fortgesetzt worden durch Gründung der Kolonien Rischon Lezion, einer Siedlung von russischen Akademikern und Studenten, Rosch Pina, Wad-el Chamin und Sichron Jaakow. Unkenntnis der Ortsbedingungen und zum Teil verfehlte Wahl des Bodens brachte anfangs die Kolonisten in eine prekäre Lage. Der erste Mann, der ihnen Hilfe gewährte, war ein Christ, Sir Lawrence Olifant. Bald jedoch entstanden an vielen Orten die Chowewc-Ziou-Vercinc und stellte auch Baron Edmund v. Rothschild seine reichen Mittel in den Dienst der guten Sache. Die einzelnen Chowewe-Zion- Vereine waren für die große Aufgabe zu schwach. Man begann auf Anregung des Vorsitzenden der Warschauer Vereine, Rabinowitz, für die Abhaltung einer Chowewe-Zion-Konfcrenz zu agitieren. Eine ähnliche Anregung ging auch von Odessa aus, und 1883 lud Pinsker den Professor Schapira (Heide!- berg), Lilienblum und Prof. Mandelbaum (Kiew) zu sich, und es wurde die Gründung eines Zentralorgans für die Kolonisation Palästinas beschlossen. Im Jahre 4884 fand dann unter dem Vorsitz Pinskers die Kattovvitzer Konferenz statt, die den Beschluß faßte, möglichst viele Kolonien in Palästina zu gründen und Odessa zum Sitz des führenden Komitees erhob. Pinsker reiste nach Berlin, Frankfurt uml anderen deutschen Städten und machte mit Erfolg Propaganda. Bcsonders starken Rückhalt gewann der Gedanke der Palästina- Arbeit auch in der deutschen Orthodoxie durch das kräftige Eintreten R. Esriel Hildesheimers und in Rußland durch die Förderung seitens des großen Rabbiners Mohilewcr. Im Jahre 1890 fand in Odessa die Generalversammlung aller Vereine statt, die von 162 Delegierten besucht war. Das Komitee richtete im Laufe der nächsten 10 Jahre die Kolonien Petach Tilcwah, Rechowoth, Mischmar hajarden, Chedera, Kastinie und Gedera vollständig ein. In den 90er Jahren wurden dann die hauptsächlichsten Chowewe Zian-Gesellschtflten, nämlich das Gaiazer Komitee in Rumänien, der Verband Esra in Berlin, die Chowewe Zion Society in London, die Chowewe Zion in Amerika, der Jischtuv Erez Jisroel in Paris in einem Pariser Zentral-Komitee vereinigt. Mehr als alle verausgabte Baron Edmund v. Rothschild, der 1884 Rosch Pinah, Rischon Lezion und Sichron Jaakow übernommen, aber im Jahre 1S9S bereits 9 Kolonien unter seiner Administration hatte. Bis 1895 hatte er zirka 30 Millionen Francs in diesen Kolonien investiert. Pinsker hatte die Bewegung aus dem Gesichtspunkt der großen Idee der ZtirückfüTmtng des zerstreuten Stammes in die alte Heimat eingeleitet. Die Idee war aber immer winziger geworden. Statt der Wiedergeburt des Volkes hatte man mit vielen Millionen 15 Ackerbau-Kolonien erlangt. Aus einer großen nationalen Aufgabe wurde durch die Mitwirkung der Vorsteher der Ica, der auch die Rothschildschen Kolonien unterstellt wurden, ein Wohltätigkeitswerk und die Administration der Ica bevormundete die Kolonisten durch eine bis zur Unmöglichkeit strenge Disziplin. Durch dieses System und das im Jahre 1891 erlassene Einwanderungsverbot der türkischen Regierung für rassische und rumänische Juden wurde die weitere Entwicklung gehemmt. Alle die In der Kolonisation eine große Volkssache sahen und sie mit der Idee der Wiedergeburt des jüdischen Volkes in .Verbindung gebracht hatten, fühlten sich enttäuscht und in ihrem Stolz getroffen. So lagen die Dinge, als im Jahre 1897 der Bewe■ gttng der neue entscheidende Impuls gegeben wurde durch aas Erscheinen des ״Judenstaats“ von Theodor HerzL Unter Herzls Führung trat der Zionismus in eine ganz neue Periode ein. 432 Delegierte Jerusalem, 27. Juli. (JTA.) Nach den bisher bei def Zionistischen Exekutive gemeldeten Ergebnissen der in ver» schiedcnen Ländern zum XX. Zionistenkongreß vorgenomme* nen Delegiertenwahlen, erscheinen vorläufig 432 Dele« gierte als gewählt. Von ihnen gehören 201 Delegierte dem Arbeiterflügel an, 110 den Allgemeinen Zionisten Gruppe A (Weltvereinigung), 70 dem Misrachi, 33 den Allgemeinen Zio* nisten Gruppe B (Weltverband) und 8 der Judenstaatspartei. Zehn gewählte Delegierte haben keine bestimmte Gruppen« Zugehörigkeit. Wizo und Hechaluz Zürich, 27. Juli. (JTA.) Im Weißen Saal des Züricher Kursaals wurde am 27, Juli abends die 9. Weltkonferenz der Wizo (Weltverband zionistischer Frauen) in Anwesenheit votl Delegierten aus 12 Ländern eröffnet. Die Vorsitzende des Verband«, Frau Vera W e i 1 m a n n, forderte in ihrer Ansprache zur Verstärkung der Wizo-Arbeit im kommenden Jahre auf. In Zürich ist eine Weltberatung des Hechaluz eröffne! worden. Warnung vor Auswanderungsbetrllgern. Der Hilfsverehl der Juden in Deutschland muß wiederum vor Personen warneu, die an Angehörige von Auswanderern herantreten, um von ihnen durch Vorspiegelungen verschiedener Art und häufig unter Berufung auf den Hilfsverein oder den Joint Geld zu erlangen. Insbesondere handelt es sich hierbei um einen Schwindler, der sich Dr. Frank oder Bur nett nennt. Der Hilfsverein bittet, niemandem, der sich auf ihn beruft und sich nicht genau ausweisen kann, ohne vorherige Erkundigungen beim Hilfsverein Geld zu geben. Reinseidene Hemden , mit kleinen Fehlern ... . . ..RM # Reinseidene Sportblusen e mit kurzen oder langen Aarmein.. RM Di Im Saison• SchluB-Vorkauf Grolmanstr. 27 Kaiifln!» am Savlgnyplatz