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Jüdische Rundschau · 1937-07-30 · Heft 60 (30.7.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 60 (30.7.1937)
Date
1937-07-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 jüdische Rundschau Nr. 60, 30. VII. 1937 Zur Frage der gemischten Agency Amerika vor dem Von unserem K< New York, Mitte Juli Wird der XX. Zionistenkongreß eine Stärkung oder die Auflösung der erweiterten Jewish Agency mit sich bringen? Das ist eine der Fragen, die jetzt die amerikanischen jüdisehen Führer beschäftigt. Dem Laien mag es scheinen, daß eine solche technische Frage gegenüber den größeren Ent* Scheidungen, die nach der Veröffentlichung des Kommissionsberichtes über die Zukunft Palästinas getroffen werden müssen, kaum ins Gewicht fallen könne. Aber bei manchen amerikani* sehen ״Nonzionists“ scheint heute die Entscheidung über die Zukunft des Jüdischen Nationalheims von geringerer unmittelbarer Bedeutung zu sein als die Erreichung der Parität in der Exekutive der Jewish Agency. Seit dem Prager Kongreß 1933 sind die amerikanischen Nonzionists unzufrieden gewesen, weil sie nicht ihre vollen 50 0/0 in der Exekutive der Jewish Agency hatten. Bei jedem der folgenden Kongresse wurde die Frage immer wieder aufgenommen und von neuem vertagt. Jetzt haben die Nonzionists eine ernste Warnung ausgesprochen — ohne Rücksicht auf die gegenwärtige Lage, in der jüdische Einigkeit wesentlich wäre —, daß sie sich von der Agency zurückziehen würden, wenn der kommende Kongreß den Nonzionists nicht unzweideutig die gleiche Mitgliederzahl in der Exekutive bewilligen würde. Diese Frage hat Verzweigungen, die sich in alle Gebiete des jüdischen Lebens erstrecken und verhüllt Entwicklungen, die sich während der letzten sechs Monate angebahnt haben. Die amerikanischen Nonzionists haben zu der Ratssitzung der Jewish Agency am 18. August keine Delegierten gewählt. Ihre Führer treffen sich privat und haben einige aus ihren Reihen als ״Beobachter“ bestimmt, die ״sich in Bereitschaff halten“, der Ratssitzung beizuwohnen, wenn der Zionistenkongreß das bestehende Abkommen über den Status quo annulliert und auf die Verteilung 50:50 in der Exekutive zurückgreift, wie sie bei der Gründung der erweiterten Agency im Jahre 1929 geplant war. Die Nonzionists rechnen damit, daß die Zionisten in der Erkenntnis, daß Einigkeit gegenüber der Mandatarmacht notwendig ist, einige Kon- Zessionen machen würden. Bei der Diskussion dieser Frage werden die zionistischen Parteien es mit einer Art Ultimatum seitens der Nonzionists zu tun haben. Diese drohen drei Dinge an: 1. Wenn die erweiterte Jewish Agency aufgelöst wird, wollen die N011zionists ihre Arbeit für Palästina fortsetzen und unter Benutzung solcher Institutionen wie der Palestine Economic Corporation, der Pica, der Palestine Pottash usw. eine neue Art systematischer wirtschaftlicher Entwicklung in Palästina schaffen. 2. Sie möchten, gestützt auf ihre eigene Wirtschaftliehe Stärke, die politische Macht der Zionistischen Organisation herausfordern, indem sie erklären, daß das jüdische Volk eigentlich hinter ihnen steht. 3. Sie wollen in Amerika und vielleicht auch anderswo eine neue öffentliche Sammel- Institution errichten, um den Keren Hajessod auszuschalten. Es sei betont, daß diese dreifache Drohung kein Gerücht oder der Ausfluß der Phantasie ist, sondern die Zusammenfassung der Bedingungen, die der Leitung der Zionistischen Weltorganisation schriftlich übergeben wurden. Die Beamten des American Joint Distribution Committee haben Pläne für eine Palästina-Aktion im Jahre 1938 erörtert, die den United Palestine Appeal (der den Keren Hajessod und Keren Kajemeth repräsentiert), ersetzen soll. Was steckt hinter diesem plötzlichen Widerstand der Nonzionists? Warum haben sie gerade diese Stunde gewählt, um auf einer Aenderung der Bedingungen zu bestehen, unter denen seit 1931 gearbeitet wird? Die Antwort ist die, daß die Nonzionists jetzt erkennen, daß die Jewish Agency nicht, wie sie zuerst gemeint hatten, ein bloßes Finanzinstrument ist, sondern auch eine politische Kraft, die das Geschick des jüdischen Palästina beeinflußt. Ueberdies wissen die Nonzionists jetzt auch, daß Palästina nicht mehr ein bloßes philanthropisches Spielzeug ist, sondern ein Land mit großen Pro- ZionistenkongreO rrespondenten biemen und einer Bevölkerung, deren Zukunft das Schicksal großer jüdischer Massen bestimmt. Sie wollen daher ihre vollen 50 °/0 des politischen Einflusses haben, damit die Zionisten nicht länger in der Lage seien, die politische Linie der Jewish Agency zu bestimmen. Wenn man von den ״Nonzionists“ in Amerika spricht, so meint man in Wirklichkeit einen Mann: Felix M. War bürg. Sein Einfluß ist entscheidend. Alle die ״Beobachter“ z. B., die für die kommende Rafssitzung in Zürich ausgewählt worden sind, sind Sozialarbeiter, die mit Institutionen verknüpft sind, in denen Warburg die führende Persönlichkeit ist. Diese Funktionäre und nicht die Führer der amerikanischen Nonzionists werden der Ratssitzung beiwohnen, wenn der Kongreß das Verhältnis von 50:50 wiederhersteilen sollte, das seit so vielen Jahren im Einverständnis mit den Nonzionists in der Schwebe gelassen wurde. Unter manchen amerikanischen Zionisten herrscht der Verdacht, daß die Nonzionists auf einen Bruch hinarbeiten. Daß die Nonzionists schon lange daran denken, die Jewish Agency auszuschalten, wird nach Ansicht mancher Zionisten durch die geplante Schaffung eines ״Comite d’Entente of Philanthropie bodies“ bewiesen. Nach außen hin ist der Zweck dieses Comites die Vermeidung von Lieberschneidungen und Doppelarbeit bei den philanthropischen Aktionen. Aber andere halten es für einen Versuch, eine internationale Kontrolle über die Fonds zu gewinnen, die für jüdische Aufbauzwecke bestimmt sind. Die JCA und das JDC und die von ihnen ab* hängigen Organisationen sind der Kern dieses Komitees. Die Jewish Agency ist ausdrücklich ausgeschlossen aus dem Grunde, weil sie mehr ״politischen“ als ״wirtschaftlichen“ Charakter habe. Die Hoffnung des Comites ist, alle jüdischen Wohifahrtsarbeiten zu übernehmen, besonders seit man erkannt hat, daß der Council for German Jewry den Zionisten eine Vertretung auf gleicher Basis zugesteht. Berücksichtigt man, daß zu den Vertretern der Nonzionists irt Europa auch solche Persönlichkeiten, wie Lord Melcheft, Prof. Speyer und andere von unparteiischem Charakter gehören, so ist es zweifelhaft, ob die Forderung der amerikanischen Nonzionists deren Unterstützung finden w׳ird. Zur Zeit ist Maurice Hexter das nichtzionistische Mitglied der Exekutive und vertritt die Ansichten der amerikanischen Nonzionists. Die Funktion der Vertretung dieser Ansichten könnten auch zwei oder drei andere richtzionistische Mitglieder nicht wirksamer ausüben. Denn es ist kein Geheimnis, daß. er sich nicht der Exekutive, sondern den Führern der amerika* nischen Nonzionists verantwortlich fühlt, von denen er Wei* sungen erhält und ohne deren Instruktionen er seine Stimme nicht abgibt. Eine Spaltung in der Jewish Agency-Exckutive würde so viel wie Krieg innerhalb der jüdischen Gemeinschaft Amerikas bedeuten. Wenn der Joint zu einer separatistischen Palästina- Aktion auf rufen sollte, so würde es so peinliche Kämpfe geben, wie sie hier seit dem ״Krim-Projekt“ nicht erlebt worden sind. Die Gemeinden würden sich zu entscheiden haben, ob sie ihre Gelder für Palästina an den United Palestine Appeal oder an den Joint abliefern wollen. Andererseits haben einige Zionisten erklärt, daß, falls die Nonzionists sich in einen solchen nutzlosen Kampf einlassen sollten, sie entschlossen seien, eine neue Hilfsorganisation zu schaffen, die dem Joint ״Konkurrenz“ machen würde. Die Kenner der zionistischen Führerschaft In Amerika lauben, daß diese Männer sich nicht nach einem solchen ruderkrieg seiinen. Sie sind für Konzessionen an die Nonzionists, solange keine fundamentalen politischen Grundsätze in Frage stehen. Wer die Paliistina-Arbeit in Amerika kennt, weiß, daß die nichtzionistischcn Führer sich nur sehr wenig an ihr beteiligen. Aber sie haben die Macht, Aktionen zu stören, wenn es ihnen paßt. Eine Spaltung in der Agency würde auch die amerikanische Judenheit in zwei Lager teilen. Es würde ein aufregender Streit werden, wie immer er auch ausgeht. Das McMahon-Versprechen Zu dem Briefe McMahon s. in dem er mitteilt, daß Palästina seinerzeit nicht in die Unabhängigkeitsversprechungen an die Araber mit einbegriffen war (s. ״Jüdische Rundschau“ Nr. 59), nimmt in der ״Times“ vom 27. Juli der bekannte Araberfreund J. B. Philby Stellung. Was McMahon gemeint habe, sagt er, sei unwichtig; entscheidend sei, was er gesagt habe. Zwischen dem arabischen Text seines Briefes und dem jetzt von der Kommission gegebenen englischen Text bestelle eine erstaunliche Diskrepanz. Die wörtliche arabische Version sei folgende: ״Von Mearsina und Alexandrette und gewissen Teilen Syriens, die westlich von Damaskus, Homs, Haina und Aleppo liege, kann nicht gesagt werden, daß sie rein arabisch sind.“ Die Städte also, nicht die Distrikte waren erwähnt, und cs könne kein Zweifel darüber herrschen, daß kein Teil Palästinas innerhalb des Gebietes oder auch nur angrenzend daran liegt, das von den Versprechungen an Hussein besonders ausgenommen war. Auch sei Hussein niemals ein Grund zu der Annahme gegeben worden, daß Palästina in das McMahon-Versprechen nicht mit einbezogen weiden solle. In der gleichen Nummer der ״Times“ bezweifelt Adil Ars I an die Richtigkeit der Angaben McMahons und erwähnt, daß Hussein ihm 1922 die im Namen der englischen Regierung feschricbeiien Briefe gezeigt habe, in denen die Unabhängigeitsversprcchcn gegeben wurden, ohne Palästina auszunehmen. . Philby hat auch in einem Vortrag, den er in der Vereinigung für den Nahen und Mittleren Osten itn Unterhaus hielt, die englische Politik gegenüber den Arabern scharf kritisiert und Einwendungen gegen MacMahons Brief gemacht. Dem ״Daily T e I e g r a p h“ zufolge hat Emir A b - dullah von Transjordanien an die britische Regierung ein Memorandum gerichtet, in dem er auf Grund von Briefen, die sich in seinem Besitz befinden, und aus denen er Stellen anführt, die von Sir Henry MacMahons veröffentlichte Erklärimg, daß Palästina nicht zu den Gebieten gehört, für die dem Sheriff von Mekka das Versprechen arabischer Unabhüngigkeit gegeben wurde, zu widerlegen sucht. Die Diskussion um den Teilungsplan Jüdische Vorschläge? Der Londoner ״Daily Hera ld“ behauptet, die jüdisehen Stellen seiet! jetzt bereif, die Teilung unter der Bedingtmg zu akzeptieren, daß in dem von der Kgl. Kominission entworfenen und von der britischen Regierung im allgemeinen angenommenen Plan für die Errichtung eines jüdischen Staates wesentliche Aenderungen vorgenommen werden. Sie verlangen, daß der von Juden erbaute und bewohnte neue Teil von Jerusalem dem jüdischen Staat angcschlosseii, $ ii d p a I ä s t i n a entweder unter britisches Mandat gestellt oder zwischen dem jüdischen und arabischen Staat aufgeteilt und dem jüdischen Staat Selbstverwaltung in möglichst kurzer Zeit gewährt werde. Bis zur Uebergabe an die Juden soll das jüdische Territorium während einer kurzen Uebcrgangszcit von einer neuen britischen Vcr- Walt u tig regiert werden. Die Kontrolle der Einwand e r u n g in das Gebiet des jüdischen Staates soll sofort der Jewish Agencv übergehen werden. Die jüdische Souveränität in dem neuen Staat soll wirklich und nicht illusorisch sein. Das bedeute Zurückziehung des Vorschlages der Kgl. Kommission, eit! zeitweiliges britisches Mandat für Haifa, Tiberias und Akko zu schaffen und Falieniassen der geplanten Subvention des neuen jüdischen Staates an den arabi- Sehen Staat. Die Ruthenberg-Kraftwerke und die Chemischen Werke am Toten Meer sollen dem jüdischen Staat angeschlossen werden. Das Zollwesen im jüdischen Staat soll in jüdischen Händen liegen und kein gemeinsamer arabischjüdischer Hafen für Jaffa und Tel Aviv geschaffen werden. ״Daily Hcrald“ fügt hinzu, daß die Bedingungen über Jerusalem und den Hafen von Tel Aviv für die Regierung nicht annehmbar sein dürften. Wie die ״Morning Post“ meldet, finden in London egenwiirtig zwischen Zionisten und Arabern gemäßigter ichtung Verhandlungen über die Möglichkeit einer gemeinsamen Palästina-Politik statt. Das Blatt hält es für möglich, daß eine gemeinsame Aussprache /.wischen den Re- Präsentanten beider Lager außerhalb Palästinas stattfinden wird.!Man glaubt, daß es zu dieser Aussprache im August in der Schweiz kommen wird, da um diese Zeit in Zürich der Zionistenkongreß statffindet und die Delegierten der Araber sich zur Sitzung der Mandatskommission des Völkerblindes in Genf befinden. Polen, Rumänien, Italien, Irak im polnisch c n R u n d f u n k ist amtlich bekanntgegebert worden, daß P o 1 c n einer Teilung Palästinas grundsätzlieh zustinunen wird. Doch werde die polnische Delegation in Gent darauf dringen, daß der geplante jüdische Staat weitere Grenzen erhält, um eine größere jüdisclie Einwanderung aufnehmen zu können. Wie die Londoner Abendzeitung ״Star“ mitteilt, hat König Carol von Rumänien während seines Aufenthaltes in London den Präsidenten der Neuzionistischen (■--- Revisionist!• sehen) Organisation, Wladimir Jabotinsky, empfangen und mit ihm die tage in Palästina eingehend besprochen. Dem Bericht des ״Star“ zufolge ist König Carol der Ansicht, daß Palästina die Lösung für das Problem der überschüssigcn j ü d i s c h e 11 Bevölkerung Rumän i e n s bietet. Er trete unter den gegebenen Umständen für ein Jüdisches Nationaiheini ein, dessen Grenzen so großzügig wie möglich gezogen sein sollen. Der italienische Sender von Bari hat in seinem in arabischer Sprache verbreiteten Nachrichtendienst erklärt, es sei bisher von dem italienischen Sender kein Kommentar zu dem Plan der Kgl. Kommission gegeben worden, da man den Beschluß des b r i t i s c 11 c n Parlaments in dieser Frage abgewartet habe. Jetzt sei sie der Mandatskommission vorelegt worden. Dort werde die Stimme Italiens gehört weren, und die Welt werde erfahren, wie tief die Sympathie Italiens f ü r d i e Mohammedaner ist. Die arabische Tageszeitung ״Feiestin“ macht darauf aufmerksam, daß die Vertreter des Irak, Aegyptens, Irans und Afghanistans im Vöikerbundsrat die neue Palästina-Politik verwerfen werden. Die ablehnende Haltung dieser Staaten sei durch ihre Eigenschaft als muselmanische Mächte bedingt. Nach einer JTA.-Meidling ist in Bagdad das Gerücht verbreitet, der Ministerpräsident des Irak beabsichtige wegen der auf ihn bezüglichen Bemerkung in der Unterhausrede Ormsby-Gorcs zurückzutreten. Im amerikanischen Repräsentantenhaus hat der Abgeordnete Ldon Sack einen Entschließungsantrag gegen die Teilun״ Palästinas ein gebracht. Der amerikanische Gewerkschaftsbund hat eine von seinem Vorsitzenden, William Green, Unterzeichnete Erklärung gegen den Plan Englands, Palästina zu teilen, veröffcntlicht und alle Amerikaner aufgefordert, dagegen zu protestieren. Eine Abordnung des Jüdischen Nationalrats Palästinas (Waad Leutni) begab sich aus Zürich nach Genf, um dort während der Tagung der Mandatskommission anwesend zu sein. Die Abordnung besteht aus den Herret\ Dr. A. Katznelson, Rabbi Usie! und M. Eiiash. ■ Trans jordanisches Dementi Der Londoner ״Exchange Telegraph“ meldet aus Jerusatcm: Die Regierung von Transjordanien veröffentlicht ein Gommuniqud, in dem sie die im Ausland erschienenen Nachrichten dementiert, wonach der britische Pian einer Teilung Palästinas in zwei unabhängige Staaten von ihr ebilligt würde. Die Regierung von Transjordanien erklärt, aß sie keinen Augenblick den neuen britischen Teilungsplan gutgeheißen habe. Inzwischen erhält Emir Abdullah unzähiige Drohbriefe, weil man allgemein annimmt, daß er mit dieser Teilung, durch die er König eines arabischen Palästina würde, einverstanden sei. Die Leibwache des Emir mußte bedeutend verstärkt werden. Dem Tel Aviver ״Haarez“ wird aus Ammen gemeldet, daß eine militärische Kommission unter dem Vorsitz von Pik Pascha eingesetzt worden ist, die die Untersuchung gegen die beiden Araber aus Jerusalem führt, die versucht hätten, den Emir zu ermorden. Die beiden sollen jedoch von einem ordentlichen Gericht abgeurteilt werden. Die Bewachung des Palastes Emir Abdullahs in Amman ist verstärkt worden. Verhandlungsbereitschaft? Der Sonderkorrespondent der ״Times“ glaubt in der Ausgäbe vom 28. Juli eine steigende Verhandlungsbereitschaft in Palästina feststellen zu können. Die Wirkung der Pariamentsdebaiten auf die Araber sei eine Verminderung der Spannung gewesen und habe die Meinungen in die Richtung von Verhandlungen über ein Abkommen mit den Juden gedrängt, das eine Teilung verhindern soll. Die Ent- Wicklung einer solchen Erörterungen günstigen Atmosphäre sei außerordentlich schnell gegangen. Die Notwendigkeit neutraler Vermittler wird anerkannt, und der Name Nuri Paschas, des irakischen Staatsmanns, stehe im Vordergrund. Der Mufti sei zwar ein Hindernis in dieser Ent- Wicklung, aber sein Ansehen habe durch seine Furcht vor Verhaftung bereits gelitten. Die Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs neuer Unruhen bezeichnet der Berichterstatter als sehr gering — erstens, weil die Ansichten der Araber im allgemeinen heute gemäßigter seien, und zweitens, weil man aas Kriegsrecbt fürchte. Eine Abordnung, bestehend aus den Vertretern aller jüdischen religiösen und kulturellen Vereinigungen, hat dem britischen Generalkonsul in Algier eine Denkschrift zur Weiterleitung an den britischen Ministerpräsidenten überreicht, in der im Namen der Judenheit Algiers gegen die geplante Teilung Palästinas protestiert wird. ״«lüdisclie Pässe“ Zur Frage des präsumptiven jüdischen Staates nimmt ln einem Brief an die ״Times“ vom 26. Juli Lord Renn eil das Wort. Die Juden, schreibt er, seien meist gute Bürger der Länder ihrer Wahl gewesen, mit deren Interessen und sozialer Entwicklung sie sich identifiziert haben. Aber in gewissen Ländern, besonders in denen während der letzten Jahre ein starker Zufluß von Juden, die mit der eingeborenen Bevölkerung konkurrierten, bemerkbar war, hat das jüdische Problem eine akute Form angenommen. Bei Erörterung dieser Frage in solchen Ländern mit maßgebenden Personen habe der Schreiber erfahren, daß ihre Haltung gegenüber den Juden folgende sei: Juden, die aus dem Ausland kommen, brauchen keine Beeinträchtigung ihrer Geschäfte zu befürchten, aber was die starke Gegnerschaft hervorrufe, sei die Erwerbung oder der Genuß der Staatsbürgerschaft durch diejenigen, deren Vergangenheit und Bindüngen fremd seien, und deren soziale . Auffassungen . abweichend und zuweilen umstürzlerisch seien. Diejenigen jedoch, die mit Pässen eines anderen Staates kämen, würden genau so empfangen werden wie jeder Bürger jenes Staates. Das Ideal eines Nationalhcims für die Juden müsse nicht notwendig eine extensive Einwanderung in das beschränkte palästinensische Gebiet bedeuten, das jedoch eine beschränkte Anzahl Juden aufnehmen könnte. Die Vorschläge der Kommission bieten nach Ansicht des Schreibers nicht nur eine Gelegenheit zur Schaffung eines jüdischen Kultur- und Tra* ditionszentrums, sondern auch einer vollständigen staatlichen Organisation, die die Heimatlosen und Ausgebürgerten als Bürger registrieren könnte, zwar nicht um beständige Einwohner zu werden, aber doch ihnen einen nationalen Status zu geben, der sie zur Führung eines Passes berechtigt, der vom jüdischen Staat ausgegeben und allgemein anerkannt würde. Wenn diese Auffassung des Natiohaiheims, so schreibt Lord Rcnnell, für die Juden annehmbar wäre, denen sie größere Vorteile als ein paar zusätzliehe Quadratkilometer Bodens bieten würde, so könnte ihre Bejahung des Berichts die Vorurteile der Araber zerstreuen, die in ihrem Streben nach völliger Selbständigkeit auch mit dem Wunsch der Juden, einen legalen Status für ihre Volksgenossen zu schaffen, sympathisieren sollten. Aus der Reichsvertretung. Wie die Reichsvertretung der Juden in Deutschland inifteilf, hat Dr. Franz Meyer als Nachfolger von Dr. Brodnitz, der durch Auswanderung aus* geschieden ist, das Pressereferat bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland übernommen. Berichtigung. Bei der Aufzählung der Diskussionsredner bei der Lanaesvorstandssitzung in Nr. 59 wurde der Name von Dr. Josef Burg versehentlich falsch wiedergegeben.

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