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Jüdische Rundschau · 1937-07-27 · Heft 59 (27.7.1937) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 59 (27.7.1937)
Date
1937-07-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 59, 27. VII. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU S«lte 7 Von der Weltausstellung Eindrücke eines Kalifornien - Einwanderers Los Angeles, im Juli. Verschiedene Anfragen aus Europa und die Notiz in Nr. 48 der ״J. R.“ veranlassen mich, zu meinem in Nr. 26 am 1. April 1937 veröffentlichten Reisebericht — betitelt wie oben — einiges zur Information hinzuzufügen. Aus den Briefen geht immer wieder hervor, daß man eine Uebersiedlung nach Uebersee für einen Umzug hält, so, als ob man von Frankfurt a.O. nach Wilmersdorf zöge. D. h. man will dieselben Wohn-, Einkommen- und Lebensverhältnisse antreffen und am liebsten in ״ein gemachtes Bett“ kommen. Man möchte Sicherheiten nach jeder Hinsicht. Für klimatische Verhältnisse gibt es Gradmesser und man kann Schwankungen beurteilen und von Europa aus einsehen, ob 100 Grad Fahrenheit für organisch schwache Menschen eine zu hohe Temperatur bedeuten. Für wirtschaftliche Dinge ■— Lohnniveau, Miete, Grundstücks- und Warenpreise — gibt es keine stabilen Umrechnungsmöglichkeiten und Menschen, die aus- «׳andern wollen, sollten den Bleistift frühestens 6 Monate nach Aufenthalt in Uebersee in Funktion treten lassen, keineswegs aber vor der Ausreise. Nun — und wer nicht warten kann — (hier waren die Fragenden hiesige Emigranten) der soll wenigstens vor Enttäuschungen gewarnt sein. Das war eines der Hauptmotive, die mich zu einem Berieht veranlaßten, der mehr ein umfangreiches, viele Gebiete des Lebens streifendes Bild darstellen sollte als eine wirtschädliche Beratung. Spezialsachverständige pflegen ihre Dienste im Inseratenteil anzubieten. Die Redaktion hatte meinen ersten Bericht gekürzt, wodurch manches wegfiel, was zur Mentalität des Amerikaners und speziell des Kalifornien dort gesagt wurde. Er sollte dazu beitragen, nicht alles mit europäischen Augen zu sehen und zu bewerten. Der Wett- und Spieltrieb, bereits in den Schulen gepflegt, gehört hier nicht zu den schlechten, sondern hochbewerteten Eigenschaften des geschäftstüchtigen Menschen. Alles ist ״gamble“ Spiel, Einsatz, Risiko, Spekulation. Zuerst waren es die Goldfelder, heute kauft man noch ein Stück Land in der Hoffnung, daß Oel darin ist und aus 100 Dollar 10000 und mehr werden. So geht es — wenn auch solider — mit Geschäft lind Haus. Jeder neue Wirt heißt hier: Mietserhöhung. Jede neue Geschäftseröffnung bzw. Uebernahme: Preisherabsetzung der Ware. Es gibt hier keinerlei Stabilität. Niemand wundert sich, wenn sein Fahrstuhlführer 8 Tage später im Radio singt und ein Brotausfahrer einige Tage darauf ein Zahnarzt ist — und umgekehrt. Keine Hausfrau schimpft, wenn sie heute 15 Cent für eit! Pfund Kirschen bezahlt, die an derselben Stelle vor 8 Tagen 5 Cent kosteten. Sie wundert sich auch nicht, wenn es umgekehrt ist. Das ist eine Mentalität, mit der gerechnet werden muß. Wenn also die von mir erwähnten Preise für Hausbesitz und Mietsüberschuß zu ״günstig״ beurteilt wurden, so liegt das daran, daß der Bericht im Winter 1936■'37 geschrieben, im April veröffentlicht und im Mai Juni ein Leser Informationen angestellt hat. Optimismus liegt mir fern, und dies an einen! Platz, dessen jiddische Sender so oft den Schlager bringen: ״W11 nimmt man Parnosse?“ ׳ ___________ Is ‘ H c p n e r. Zur Anwendung des Blutschutzgesetzes Nach 8 2 des BlutscluitzG. ist der außereheliche Vorkehr zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder;artverwandten Blutes verboten. Der Mann, der diesem Verbot zuwiderhandelt, wird mit Zuchthaus oder Gefängnis bestraft. Aus der Praxis des Reichsgerichts der letzten Monafe sind zu dieser Strafbestimmung der Rassenschande folgende Grundsätze wichtig: Jude im Sinne dieses Gesetzes ist auch derjenige, der nacii § 5II der 1. VO. z. Reichsbürgergesetz als Jude gilt, also der von zwei volljiidischen Großeltern abstammende Staatsangehörige jüdische Mischling, bei dem bestimmte Voraussetzungen vorliegen, z. B. daß er am 15. 9. 1935 der jüdischen Religionsgemeinschaft angehört hat oder danach in sie aufgenommen wird. Die Frage der Zugehörigkeit zur jüdischen Religionsgemeinschaft ist nach ol>- 'ektiven Merkmalen zu beurteilen. Eintragung in die isten einer Synagogengemeinde genügt für sich allein regelmäßig bereits, außer wenn eine offenkundig versehentliche Eintragung vorliegt. Das Blutschutzgesetz» schützt nicht die Rassenehre und Rassenreinheit eines Einzelnen, sondern die Rassenehre des deutschen Volkes. Deshalb kann Rassenschande vorliegen, wenn der früher mit einer deutschblütigen Frau verheiratete Jude nach der Scheidung der Ehe die geschleclitiichen Beziehungen zu ihr wieder aufniinmt. Die Frau, mit der Rassenschande begangen wird, braucht nicht erwachsen zu sein, z. B. kann auch mit einem Mädchen von elf Jahren Rasseuschande verübt werden. Ist die Tat gleichzeitig ein Sittlichkeitsverbrechen nach § 176 StGB., so ist das Blufschutzgesetz, da es die schwerere Strafandrohung enthält, anzuwenden. Ob der Täter mit Zuchthaus oder Gefängnis zu bestrafen ist, steht im Ermessen des Richters, der dabei den! Sinn und Zweck des Strafgesetzes und den Umständen des Einzel* falls Rechnung zu tragen hat. Die Absicht eines Mannes, das Mädchen zu heiraten, mit dem er Geschlechtsverkehr hatte, kann bei der Straftat der Rassenschattdc nicht als Milderungsgrund anerkannt werden, weil diese Absicht des Täters dem Grundgedanken des Blutschutzgesetzes auf uubedingte Reinhaltung des deutschen Blutes entgegengesetzt ist. Handelsgesellschaften mit arischen und jüdischen Teilhabern Liegt ein wichtiger Grund hierfür vor, kann bei offenen Handelsgesellschaften auf Antrag eines Gesellschafters die Auflösung der Gesellschaft ohne Kündigung durch gerichtliche Entscheidung ausgesprochen werden, Auf entsprechenden Antrag kann das Gericht auch den Gesellschafter ausschließen, in dessen Person ein solcher wichtiger Grund für eine Auflösung der Gesellschaft eintritt. Bei nur zwei Gesellschaftern kann das «Gericht den andern Gesellschafter für berechtigt erklären, das Geschäft ohne Liquidation zu übernehmen. Diese Bestimmung hat ein Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts vom 4. 5. 1937 (2. U. 367. 36) auf eine offene Handelsgesellschaft von einem arischen und einem jüdischen Teilhaber angewandt. Hier drohte der Firma die Entziehung einer sich auf Schiffe und Freihafen beziehenden Handelserlaubnis für den Fall der weiteren Teilhaberschaft des jüdisehen Gesellschafters. Nach dem erwähnten Urteil kann, wenn sonst der Fortbestand des Geschäfts gefährdet ist, unter Umständen auch die Ausschließung des jüdischen Teilhabers und die Uebernahme des Geschäfts ohne Liquidation durch den arischen Geschäftsteilhaber im Interesse des arischen Teilhabers geboten und dem jüdischen Teilhaber zumutbar sein. Entscheidend ist hierbei aer Gesichtspunkt, daß die Verein* düng von einem Juden mit einem Arier und ihre gemeinsame wirtschaftliche Tätigkeit grundsätzlich abgelehnt wird. Unser kleiner Pavillon Paria — •lull 1937 Man kam an, sah die Internationale Ausstellung, die, als hätte es nie eine andere Ausstellung gegeben, als sei sie anderwärts überhaupt nicht möglich, beim stolzen Volk von Paris kurzweg ״l’Exposition“ heißt. Das war in den Tagen der Palästinaentsc 11 eidun g. Der jüdische Mensch war nach Paris gekommen: beladen mit der jüdischen Sorge, mit dem jüdischen Schicksal, das seinem heutigen Dasein im nichtjüdischen Raum den Inhalt und den richtunggebenden Akzent aufdrängt; bis zum Rand erfüllt auch von der erregenden Problematik• der palästinensischen Landteilung. So gellt und fährt man ja heute in die Welt: als sorgender und als hoffender Jude. Jedenfalls: als Jude. Der jüdische Aspekt bleibt zunächst auch draußen unsere optische Einstellung zur Umwelt, zum Erlebnis. Was mußte uns, derart disponiert, am meisten und zuerst interessieren? Natürlich: ״Le Pavillon des Juifs“. Man sucht ihn, findet ihn. Seine Winzigkeit, Bescheidenheit — inmitten des jubelnden Reichtums der hier paradierenden Kulturwelt — verändert jedoch fast mechanisch, ohne daß wir widerstreben könnten, unsere mitgebrachte jüdische Perspektive. Zwar haben wir uns in den Galuth-Janrhunderten daran gewöhnt, uns als Objekt zu fühlen in der politischen Welt-Apparatur, deren Motor die anderen bedienen. Aber diese letzten Jahre unserer Sezessionierung, die gewiß zunächst keine freiwillige war, haben doch in uns einen elementaren Auftrieb des Eigeiibewußtseins entfesselt. Wir haben uns, wenn auch unter äußerem Zwang, ein seelisches, geistiges, ja sogar physisches Eigendasein gezimmert. Wir machten Ernst mit der Seibstgestaltung unserer Lebenssphäre. Wir wurden aus einem Objekt der Umwelt zum subjektiven Träger einer — wenn auch noch durchaus embryonalen — Eigenwelt. Ja, wir durften in diesen Tagen der Lbndoner Palästinapublikation eine zwar auf Anhieb problematische, aber doch nachweisbare Bestätigung der in uns erlebten Wandlung als unmißverständliches historisches Faktum erfahren. Sollte man da nicht mit Recht den im Pariser Seinebogen aufgebauten Mikrokosmos ebenso gewandelt betreten? Nicht als zugelassener Outsider, sondern als zugehöriger Repräsenfant einer der hier repräsentierten Nationen? Aber dennoch: Vor unserem kleinen Pavillon, nachdem man ihn gewissermaßen im Souterrain dieser fulminanten Weltszenerie gefunden hatte, schrumpfte einigermaßen das nacii Paris verbrachte gewandelte Bewußtsein. Nicht deshalb, weil die anderen, die Großen der Welt, in Dimensionen demonstrieren und daneben wir auf schmalen Grund kaum imponieren können. Nein. Die räumlichen Relationen mögen durchaus in Ordnung sein, und es mochte uns schlecht anstehen, gerade heute, etwa größer, imposanter scheinen zu wollen, als wir in der Ver- Sammlung der Nationen in Wirklichkeit sind. Eine ganz andere, plötzlich geweckte — besser: wiedererweckte! — Erkenntnis ist’s, die am ״Pavillon des Juifs“ (so nennen ihn die Frauzosen) die jüdische Disposition — soll man sagen: den jüdisehen Nationalstolz? — ins Wanken brachte: eben die Erkenntnis, daß unsere eigene, nach Paris transponierte jüdische Haltung keineswegs aucli das jüdische Erlebnis der J u d c n h e i t ist! Denn, sehen wir auf dieser Weitschau die Wirklichkeit nüchtern, aus wachen Atmen, nicht mit romantisch gefärbtem Blick: was erkennen wir? Rundheraus — und trotz der jüdischen Aktualität in Deutschland, in Polen und da und dort —: Teil haben der Juden am Völkerschaffen! Was da im weiten Paradefdd sich präsentiert und türmt, diese Hallen und Paläste, die pittoresken Fassaden, die Flächen und Kuppeln, die gigantischen Skulpturen, die bombastischen Ornamente und die burlesken Wasserspicle; erst recht aber der Inhalt der Vitrinen und Kioske und Pavilions, die technischen und artistischen Meisterstücke, deren Massierung zu dieser grandiosen internationalen Musterschau der eigentliche, der proklamierte Zweck der ״Exposition“ ist: daran ist zu einem guten Teil auch jüdische Leistung beteiiigt; genauer: Leistung von Juden. Wie gering, mindestens materiell gering ist in der Tat — neben dieser 'hochwertigen Mitarbeit englischer, französischer, amerikanischer und anderer Juden — das Spezifikum unseres Pavillons! Man hat bald das Gefühl: einerseits entfaltet sich, von Juden mitgcschaffen, in heiler Freizügigkeit eine reiche, überreiche Buntheit; andererseits unternimmt, abseits, in seiner Enge, der Nationaljude schüchtern seine ersten Gehversuche. Dieser Kontrast der Erscheimingen verstärkt sich indes noch in jenem Teil des Ge- Samtprogramms, der außerhalb der ״Exposition“ geboten wird: in den Theatern, den Konzertsälen, den Galerien. Das Wiener Burgtheatcr spielte repräsentativ, im Theatre des Cltamps Elvsees, ״Das Große Welttheater“ von Hugo von Hofmannsthal, Max Reinhardt inszeniert ״Pariser Leben“ von Offenbach; Erik Charell eine neue Operette von Werner Richard Heyniann und Sascha Guitry. in den ״Bouffes Parisiens“ triumphiert Oscar Straus mit ״Drei Walzer“. In vielen E11sembles der internationalen Gastspiele dominieren jüdische Darsteller. Zu den Attraktionen aer Konzertpodien zählen: Menuhin, Bruno Walter, Huberman, Horovitz, Lotte Schöne, Richard Tauber, Gitta Alpar. Lazard-Levy veranstaltet eine Liebermann-Aussteüung. Eine Picasso-Schau und eine neue Pascin-Ausstellung sind in Vorbereitung. Auch die russische Malerei, die kollektiv im September gezeigt werden wird, bringt jüdische Namen. Erst recht jedoch unter den Franzosen entdeckt man die bekannten jüdischen Autoren und Dar¬ Alle Ihre Btictier bvlirtritüschc und fachudssenadtajilldte jeder Art von d*r Buchhandlung am 200 Fritz Rinn Charlottenburg, Joachlmsthaler Straße 43 •44 Mitglied der jüdUdicn Gemeinde Telefon 91 6506 Zusendungnach süen Stadtteilen Die 11. Weltkonferenz des ״Welfverbandes der polnischen Juden im Auslande“ soll nach Beendigung des Zionistenkongresses vom 22. bis 25. August in Antwerpen abgehalten werden. Die bestehenden ostjiidischen bzw׳. polnischjüdischen Organisationen in den Vereinigten Staaten, Argentinien, Kanada, Mexiko, Brasilien, Palästina, Südafrika, England, Frankreich, Deutschland, Belgien, Holland, Luxemburg, Oesterreich, Schweiz und Tschechoslowakei haben ihre Teilnähme bereits zugesagt. Der Weltverband der polnischen Juden im Auslande wurde im Jahre 1935 in London bei einer Teilnahme von 76 Delegierten aus 18 Ländern gegründet und es wurden drei Exekutivabteilungen für Amerika, Europa und Palästina gebildet. Im Mittelpunkt der Konferenz wird die Frage der Emigration polnischer Juden nach Erez Israel stehen. Die Referate zu diesem Punkte wecken von palästinensischen Delegierten gehalten werden. ' R. L, steiler. Henri Bernsteins ״Judith“ zeigt die Comedic Fran- (,־aise als Uraufführung. Auch die Habiinah ist angekündigt, aber gleichwohl ist es so: daß das national-jüdische Element quantitativ ziiriickgedrängt wird und im Schatten bleibt. Viele jüdische AusstelUmgsbesudier betreten gar nicht unseren Paviilon. Man verläßt diesmal Paris recht nachdenklich. Man entdeckte nämlich, indem man das mikrokosmisch dargestellte Weltbild sah, indem man von ihm überrascht und zugleich enttäuscht werden konnte, daß man heute als Jude, der systematisch in eine neue jüdische Welt hiiieinlebt, leicht das Augenmaß verliert für die jüdische Situation in der Weit. Wenngleich unsere Geschichte immer wieder das einprägsame Beispiel zeigt, daß.dicht bei der Assiiniiaticmsglorie das Ghetto bereitsteilt; wenn dieses immer wieder erlebte Beispiel unseren Blick auch schärfte und uns befreite von der natürlichen Lust, die ״Errungenschaften der Assimilation“ zu überschätzen, so ist es eben doch auch eine Wahrheit: daß diese Erkenntnis immer von neuem von bunten Seidensehleiern vernebelt wird; daß wir auf dem Weg zur nationalen Lösung der Judenfrage kaum schon über den Start hinausgekommen sind. Unser kleiner Pariser Pavillon ist zwar eine Tatsache; er repräsentiert zu unserer Genugtuung Erez Israel; ebenfalls eine Wirklichkeit. Aber dorthin scheint der Weg Vielen ein Weg aus der Fülle in die Enge, aus der Gesellschaft in die Einsamkeit. Welch' ein Zeichen der Situation, daß ein Jude aus Deutschland, der jetzt in London lebt, meine Einladung in den Pavillon mit den Worten abwehrte: ״Nein. Ins Ghetto gehe ich nicht!“ Prospero. ♦ Eine Kritik Von einer Besucherin der Weltausstellung, die selbst Künstlerin ist, erhalten wir eine Kritik des Palästina- Pavillons, der wir nachstehendes entnehmen. Es wird vielleicht unsere Leser interessieren, daß sich auch in der englischen!,resse eine Diskussion über den britisehen Pavillon entiviehelt hat, wohin' sehr schar je Kritik an der Qualität der englischen Ausstellungsobjekte geübt, wurde, ll'ir brauchen uns also nicht zu genieren, nach unserersvils die ,,jüdische“ Schau zu kritisieren. (Red.) Das Thema der Pariser Weltausstellung heißt: Kunst und Technik. In imserni Pavillon hegt das ganze Gewicht auf Wirtschaft, Technik, Landwirtschaft. Von Kunst ist so gut wie gar nichts vorhanden. Hs gibt eine große Vitrine, mit Kunstgewcrbe. Hat man vergessen, daß Paris eine Hochburg des Geschmacks ist, verwöhnt und anspruchsvoll? Schon das Arrangement dieser Vitrine hatte besser sein dürfen, man hätte wohl auch teilweise eine reichere und bessere Auswahl treffen können. Herr MacKiss vom Bagdad-Museum hätte sicher gerne mit Rat und Tat geholfen. Für eine solche Aus- Stellung ist das Beste gut genug. Von Bildern und Plastik ist nichts vorhanden, das große Fresko an der Hofwand ist schlimmster Dilettantismus, die Bilder von Max Nordau, der als einziger Maler vertreten ist, sind keineswegs das, was man zu sehen wünscht, im Galuth gab und gibt es mehr als genug gute und repräsentative jüdische Maler, von Josef Israels, von Pissarro, zu Modigliani und Chagall und dem Bildhauer Kogan. Aber auch von den Malern aus Erez Israel ist niemand vertreten. Keine Radierung von Struck, kein Holzschnitt von ßudko oder Steinhardt, keine Zeichnung von Anna Ticho, die sicherlich mehr von der Eigenart des Landes vermittelt, als alle trockenen Statistiken können. Statistiken überfliegen die durchschnittlichen Besucher, sie lassen kalt; was fesselt, was sich einprägt, ist Erlebnis als Bild, als Wort, als Ton. Wir haben Riesenansichten von Tel Aviv, die die Größe dieser jüdischen Stadt zeigen. Das ist berechtigt. Wir haben nichts, was die Schönheit, den Fortschritt eines in Palästina neu entstehenden Stiles vorführt, nicht das Keren Kajcmeth- Gebäude, nicht die neue Synagoge gegenüber, nicht die hebräischc Universität oder das Auditorium maximum mit dem berühmten Blick über die Wüste, nicht die Villen und Gärten von Rchaviah oder das Polytechnikum von Haifa, nicht den Speisesaal von Dcganiah und unzähliges andere. Vom Theater, von der Habimah ist so gut wie nichts da, die wenigen und schlechten Bühnenbilder im Hof sind ungeniigend. Das Palästina-Orchester, flubermans Schöpfung, ist nicht einmal erwähnt! Warum wurden nicht einige der schönen Photographiert, die vor einiger Zeit bei Billiet-Worins ausgestellt waren, una ein für den Durchschnittsbesuclier lebendigeres Bild gaben, ausgewählt. Warum belebt und verschönert man so eine Aus- Stellung nicht mit den oft phantastischen und exotischen Ansichten, die unser ans aller Weit ziisanimengckommenes Volk* lein bietet, den jemenitischen Handwerkern bei der Arbeit, beim Sinichas T110ra-Ta7״, den Buchara! in ihren prächtigstolzen Trachten, den nordafrikanischen und persischen Juden in der Fülle ihrer Früchte auf dem Markt, all den tausenderlei Möglichkeiten, die sich dem Sehenden auf Schritt und Tritt bieten. Sic fesseln den DurchschniUsbesticher sicher mehr als die Photos von einem Dutzend amerikanischer Leghornhühner in Lebensgröße! So wohltuend das von Tamir erbaute schöne Haus, die harmonische und ruhige Gesamtwirkimg ist, man hat kein Er« lebnis, es!aßt kalt. Sfteuerbeireite Auswanderung Die Pflicht zur Zahlung der Reichsfluchtsteuer tritt nicht ein, wenn die Auswanderung aus Volkswirtschaft« lieh gerechtfertigten Gründen erfolgt. Ob solche maßgebend waren, ist nach der Rechtsprechung des Reichsfinanzhofs eine Frage der tatsächlichen Beurteilung des Einzelfalls, namentlich der Persönlichkeit der Steuerpflichtigen, der Stelhing des Auswandernden im Wirtschaftsleben und der voa ihm übernommenen Tätigkeit im Ausland. Eine Betätigung, durch die ein Steuerpflichtiger die deutsche Wirtschaft im Ausland fördern will, führt zur Steuerbefreiung, wenn sie die wesentliche Triebfeder für die Auswanderung war. Eine derartige Tätigkeit kann nur ein Steuerpflichtiger entwickeln, der hierzu nach seiner Vorbildung, seinem Werdegang, seiner geschäftlichen Erfahrung, seinen Beziehungen zu den maßgebenden ausländischen Stellen usw. in der Lage ist. Diese Voraussetzungen für ei nc steuerbetreitc Auswanderung wurden in einem Urteil des Reichsfinanz• hofs vorn 10. 6. 1937 — Hl. A. 99. 37 — bei der Auswanderung einer 24jährigen Referee,darin ׳—meint, die als Nichtarierin aus dem Staatsdienst ausgeschieden war und der ihr vermögender Vater durch Schenkung und Transferierung eines Kapitals im Auslande eine Lebensstellung ermöglichen wollte, Daß der Vater seine Stellung im Wirtschaftsleben und seine ausländischen Beziehungen hierbei verwertete und bei der Beteiligung an ausländischen Unternehmungen den Kauf von Maschinen in Deutschland zur Bedingung machte, führte nicht dazu, volkswirtschaftlich gerechtfertigte Gründe für eine Auswanderung anzuerkennen.

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