Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 59 (27.7.1937)
- Date
- 1937-07-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 59, 27. JUL11937 PALÄ Zur Lage der Aerzte Arabische Aktionen Eine Denkschrift des Obersten Arabischen Komitees Das Oberste Arabische Komitee hat seine endgültige Stellungnahme zu den Vorschlägen der Kgl. Kommission 5n einem Memorandum nicdergelegt, das dem englischen Kolonienminister, dem High Comrnissioner und der Mandats- Kommission des Völkerbundes übersandt worden ist. ln diesem Memorandum erklärt das Komitee, es sei gegen die Teilung Palästinas und die Schaffung einer Zone, die weiter unter Mandatsverwaltnng bleiben soll. Obwohl das Oberste Arabische Komitee alle Schritte, die zu einein Zusammenschluß der arabischen Länder führen, begrüßt, erblicke es in der geplanten Vereinigung eines Teiles Palästinas mit Transiordanien ein ungerechtfertigtes Zugeständmis für die Schaffung des Judenstaates und die Errichtung der Mandatszone. Die einzige natürliche Lösung des Pa- Sästina-Problems sei die Beendigung des Experimentes des Nationalhei ins und der Mandats* Politik. Die Araber seien bereit, Verhandlungen in ver- Jiiinftigem Geiste zur Sicherung der legitimen britischen Interessen und zum Schutz der legitimen Rechte der jüdisehen Bevölkerung und der anderen Minderheiten aufzunehmen. (Diese Forderungen sind die nämlichen, die die Araber seit 15 Jahren der Mandatskommission alljährlich vorlegen und die stets als unvereinbar m i t dem Mandat zurückeewiescn worden sind. — A. d. R.) Eine Zuschrift Dschemal Husseinis Der Leiter der palästinensischen-arabischen Delegation, Dschemal el Husscini, hat an die Londoner Zeitschrift ״New Statesman and Nation“, die in ihrer letzten Nummer einen Artikel über ״Araber und Juden“ veröffentlicht hatte, eine Zuschrift gerichtet, in der er an dem Teilungsplan Kritik übt und auseinandersetzt, wie die Araber sich die politische Zukunft Palästinas und das Zusammenleben mit den Juden vorstellen. Dschemal Husscini erklärt, der geplante Bevölkc- Tungstransfer würde die arabisch-jüdischen Beziehungen noch mehr verschlechtern als die jüdischen Bodenkäufe es getan haben. Was die Bewässerungsaussiebten Transjordaniens, des Beer Scheba-Gebietes und des Jordantales, in dem die ausgesiedclten Araber wieder seßhaft gemacht werden sollen, betreffe, so wisse er als guter Kenner des Beer Scheba- Gebietes und des Jordantales, (laß das dort gefundene Wasser in der Regel salzhaltig war. Was England betrifft, so wolle niemand, daß es mit Sack und Pack aus Palästina herausgehe. Aber die Araber hielten es für richtig, daß England aus praktisch-politischen und moralischen Gründen das Mandat sofort beende und mit einem einheitlichen Palästina einen Bündnisvertrag nach dem Muster des anglo - irakischen und des französisch ־ syrischen Vertrages Schließe. In einem solchen Vertrag würde selbstverständlich .yprsorge für die strategischen Bedürfnisse Englands und für die ■־•■Verteidigung Palästinas getroffen sein. Er würde den Arabern nationale Unabhängigkeit geben und die demokrati- Sehen Rechte der 400 000 Juden in Palästina sichern und ihnen die Teilnahme an der Regierung des Landes in vollem Ausmaß ermöglichen. Was schließlich die Juden betrifft, schreibt Dschemal Husscini, so bin ich durchaus ein Gegner dieser Absonderungspolitik. Der Bericht bringt die von den Arabern stets behauptete Tatsache klar zum Ausdruck, daß der arabisch-jüdische Gegensatz bloß politische Ursachen hat. Vor dem Krieg hat er in Palästina nicht bestanden. Er besteht kaum heutzutage in anderen arabischen Ländern. Wir sind nicht Antisemiten. Wir anerkennen, daß wir selbst Semiten sind. Wir wollen mit den Juden in Frieden leben, aber wir glauben, daß Frieden nur kommen kann, wenn die Juden den politischen Zionismus aufgeben und bereit sind, gemeinsame B ii r - gerschaft mit uns in eine m unabhängigen Palästina anzunehmen. Teilung wird diesen unglücklichen Konflikt nur verstärken. Arabische Delegation für Genf Eine Abordnung der Araber Palästinas wird sich zu den Verhandlungen der Mandatskommission nach Genf begeben. Nach Pressemeldungen sollen ihr Shekib Ars! an, Auni Bey Abdul Hadi, Dsch emal Hussein i und der Christliehe Araber Alfred Rock angehören. Der Mufti, der anfänglich die Delegation nach Genf begleiten und dort ihr Wortführer sein wollte, soll diese Absicht aufgegeben haben. — Auni Bey Abdul Hadi hat sich nach Damaskus begeben, um dort mit der syrischen Regierung Verbandlungen über ihre Stellung zum Teilungsplan zu führen. Er hat sich dann im Flugzeug nach Genf begeben. Die Forderungen Nashashibis Die Nationale Verteidigungs-Partei (Nashashibi) hat an den High Comrnissioner, an das Kolonialamt und an die Ständige Mandatskommission ein Memorandum gerichtet, in dem gegen den Teilungsplan protestiert wird und die folgenden Forderungen gestellt werden: Schaffung eines sotiveränen Staates mit einem nach dem proportionalen Wahlsystem zusammengesetzten Parlament; Beschränkung der Einwanderung und Kristallisierung der jüdischen Bevölkerung, die ihren jetzigen Prozentsatz im Verhältnis zur arabischen Bevölkerung nie überschreiten soll; Verbot des Bodenverkaufs in bestimmten Teilen des Landes. Der ägyptischen Zeitung ״El Mokattam“ (Kairo) wird aus London berichtet, daß britische Araberfreunde äuf Grund der von Dschemal el Hussein! in London geführten Propaganda einen neuen Vorschlag zur Lösung des Palästina- Problems ausgearbeitet haben. Danach soll England für eine bestimmte Zeit die Herrschaft über Palästina weiter ausüben und den Status quo aufrechterhalten und nach Ablauf dieser Zeit soll Palästina unabhängig werden. Dieser Plan soll von dem Obersten Arabischen Rat grundsätzlich gebilligt worden sein. Aus Transjordanien wird gemeldet, daß die dortige Opposition gegen die Politik und die Herrschaft des Etnir Abdullah eine Genera ]Streikbewegung inszeniert hat, die von Amman und Es Salam aus das ganze Land zu erfassen drohe. Die Opposition sei mit den Anhängern des Mufti in Palästina verbündet und nutze die Unzufriedenheit der Fellachen, die unter der Dürre stark zu leiden hatten, zu einer politischen Aktion gegen den Teilungsplan aus. Die Jüdische Medizinische Gesellschaft Palästinas (״Histadruth refüith iwrith“, Tel Aviv, P, O. B. 1298) schreibt uns: Unter der Stockung der Einwanderung nach Palästina liat der Aerztestand ganz besonders gelitten. Der palästinensische Aerztestand steht vor einem so gut wie unlösbaren Problem. Mag auch die Zahl von Aerzten, die in den Listen der Regierung geführt werden, nicht völlig maßgebend sein, weil ein Teil in andere Berufe umgeschichtet hat oder gleich nach Erhalt der Lizenz das Land wieder verlassen hat, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß ein Arzt auf nicht mehr als 250 jüdische Seelen enthält, das vierfache Verhältnis dessen, was in reichlich versorgten Teilen Deutschlands zu finden ist. Die Zahl der in Palästina lebenden Aerzte nebst den von ihnen abhängigen Familienangehörigen beträgt ca. 10000 Seelen; sie steilen somit einen nicht unerheblichen Prozentsatz der Bevölkerung dar, dessen Schicksal der Oeffentlichkeit nicht gleichgiltig sein darf. Die ״Histadruth liarefüith“, der wissenschaftliche und wirtschaftliche Zusarnmenschluß der palästinensischen Aerzte, hat nicht nur theoretisch anerkannt, daß ihre Kollegen in der Galuth das gleiche Anrecht auf das Jüdische Nationalheim haben, wie diejenigen, die schon so glücklich sind, eingcwandort zu sein, sondern sie hat sich auch praktisch in ihrem Kamjrf gegen die Einschränkung der Lizenzerteilung durch die Regierung weitgehend herausgestellt. Sie hofft aber ihrerseits, daß auch die zionistische Öeffentlichkeit für die schwierige Lage der Aerzte in Palästina Verständnis zeigt und mithilft, so weit Besserung zu schaffen, als dies bei dem unnatiirliehen Prozentverhältnis zwischen Arzt und Bevölkerung tnöglieh ist. Dieser Appell an das Verständnis richtet sich vor allem an die öffentlichen und halböffentlichen Institutionen der Juden in Palästina, insbesondere an das große, machtige und durchgebildete Kassenwerk der Arbeiterschaft: die K u p a t h Cholim. Allen Bewohnern Palästinas ist der Gegensatz geläufig zwischen dem überarbeiteten Kassenarzt, dessen Arbeitsleistung sich nur an wenigen Tagen im Jahr auf die vertragliehen 8 Stunden beschränkt, und den vielen arbeitshungrigen Privatärzten, die in stetigem Warten auf Patienten sich seelisch aufreiben, wirtschaftlich immer tiefer herabsinken, die Taktische Uebung verlieren und viel von ihrer guten Ausildung vergessen. Das System der festangestellten Kassenärzte, das vcrwaltungstechnisch gewisse Vorteile bieten mag, hat nach den Erfahrungen der ganzen Welt sich als dem System der freien Arztwahl unterlegen erwiesen, weil nur der — unter gewissen selbstverständlichen Voraus- Setzungen — frei gewählte Arzt dem Kranken das Vertrauen einflößt, das eine Mitvoraussetzung jeder Heilung darstellt. Aber auch wenn die Kasse die freie Arztwahl nicht einzuführen gedenkt, so könnte sie wenigstens manche Verbcsserungeti treffen, die für ihre Mitglieder einen Vorteil und für einen roßen Teil der Aerztesehaft eine erhebliche Erleichterung ihrer ituation bedeuten würden. Zu den Vorschlägen, die die Aerztesehaft in dieser Richtung gemacht hat, gehören 11. a. folgende: daß die Arbeitskraft der Krankenkassenärzte nicht so übermäßig angestrengt wird, sondern, daß eine vernünftige Herabsetzung auf das Maß erfolgt, welches ein Arzt in verantvvortungsvoiler Tätigkeit leisten kann, ohne in Massenroutine zu verfallen, ohne sich frühzeitig abzunutzen, ohne in den letzten Arbeitsstunden seine Spannkraft zu verlieren und ohne seine Fortbildung zu vernachlässigen. Das heißt also: die vorhandene Arbeit sollte nicht auf wenige Aerzte beschränkt werden, sondern durch Aufteilung in viele kleinere Teilstelien müßte einer größeren Anzahl von Aerzteri die Möglichkeit gegeben werden, sich an der ärztlichen Versorgung der Bevölkerung zu beteiligen und ihre Erfah- Eine Erklärung der Regierung (Von unserem gl.-Korrespondenten). Die Palästina-Regierung hat die Gewohnheit, Prcsseäußerungen nur wenig zu beachten und sie nimmt sich auch nicht die Mühe, falsche Behauptungen und Nachrichten (van denen es im letzten Jahre genug gegeben hat) zu dementieren. Jetzt nach der Veröffentlichung des Berichts scheint ein anderer Wind zu wehen. Vor einigen Tagen schloß die Regierung zwei arabische Tageszeitungen, weil sie eine ägyptische Nachricht über Gefahren für die arabischen Heiligen Stätten nachgedruckt hatten und veröffentlichte zugleich ein ausführliches und nachdrückliches Dementi. Jetzt wiederholt sie diese Methode. In einer Erklärung dementiert sie in scharfer Weise eine Nachrieht des ägyptischen Blattes ״El Aluatn“, daß die Administration in Jerusalem ein Gegner der Teilung sei (!) und weist in diesem Zusammenhänge nochmals auf die Rede des High Corntnissioners anläßlich der Veröffentlichung des Berichtes hin. Verhaftungen in Amman Aus Amman (der Hauptstadt Transjordaniens) wird berichtet, daß dort zwei Araber aus Jerusalem, Mitglieder der Jerusalemer arabischen Sportklubs, verhaftet wurden. Mau fand bei ihnen Revolver und einen Korb vo'l Bomben, während die dazu gehörigen Zünder sowie ein Notizbuch, das Adressen prominenter Araber Transjordaniens enthielt, im Büro eines in Amman wohnhaften Arabers (des Leiters der Ammaner Filiale der Arabischen Bank) gefunden wurden, den die Verhafteten besucht hatten. Ferner wurden zwei palästinensische Araber aus Amman ausgewiesen. Protest gegen den Jahresbericht 1937 In einer zusätzlichen Denkschrift an die Ständige Mandatskommission protestiert die Jewish Agency aufs energischste gegen die irreführende Darstellung der Unruhen im Jahresbericht der Palästina-Verwaltung für das Jahr 1937. Das Memorandum unterzieht die beanstandeten Behauptungen des Berichts einer ausführlichen Analyse. Es handelt sich hier nicht um den Peel-Bericht, sondern um den Jahresbericht der Verwaltung für das Jahr 1936, deii die Palästina-Regierung wie jedes Jahr der Mandatskommission überreicht hat. Die Jewish Agency hat, wie auch aus palästinensischen Zeitungen hervorging, an der Darstellung der Unruhen Anstoß genommen, da aus dem Bericht nicht klar genug hervorgeht, daß es sich um eine von der jüdischen Bevölkerung mit größter Selbstbeherrschung ertragene arabische Terror- Aktion handelte. Nach dem Bericht besteht der Eindruck, als ob beide Völker an dem Ausbruch der Unruhen Schuld trügen. rungen und Kenntnisse zu verwerten. — Die Krankenkasse, die durch den Einheitsbeitrag an die Histadruth (der lortan eo ipso den Beitrag zur Krankenkasse neben den anderen Beiträgen für die uewerkschaftseinrichtungen enthält) eine große Anzahl Beitragszahler gewonnen hat, die früher Privatärzte aufzusuchen pflegten, muß fernerhin auch die umgekehrte Konsequenz ziehen und sich von der Versorgung von Nichtmitgliedem der Histadruth nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch fernhalten, die um so mehr als Höchsteinkommensgrenze von 20 £ monatlich für Palästina schon ein erhebliches Einkommen darstellt, das jedenfalls über dem Durchschnittseinkommen der Aerzte liegt. Die Aerztesehaft ist sich, wenn sie solche Forderungen stellt, darüber klar, daß der gute Wille der Krankenkasse, ihre Forderungen zu erfüllen, auch durch ausreichende Fonds ermöglicht werden muß und richtet daher an die übrigen Institutionen der jüdischen Bevölkerung Palästinas und der zionistischen Bewegung der Welt den Appell, die Beiträge für das Gesundheitswesen Palästinas nicht plötzlich oder in zu schnellem Maßstabe zu kürzen und andererseits auch die öffentlichen Zuschüsse zu sichern, die in allen Ländem gang und gäbe sind. Der Uebergang der Hadassah* Institutionen an den jüdischen Jischuw, der in den Zeiten der Prosperity durchführbar erschien, durfte nicht unbekümmert um den Umschwung des Pendels auch in diesen Notzeiten weitergeführt werden. An Stelle der Arbeitgeberbeitrage, die die Wirtschaft;ich noch nicht gesicherte Wirtschaft nicht hinreichend leisten kann, und an Stelle der Regierungsbeitrage, die die Regierung aus (]runden des arabisch-jüdisehen Gleichgewichts nicht geben will, müßten Zuschüsse für das Gesundheitswesen der armen Bevölkerung und der Arbeiterschaft aus anderen Quellen kommen. Die Aerztesehaft erkennt dankbar an, daß ihr in diesem Jahr aus öffentlichen Mitteln, 11. a. aus Mitteln der ,,Deutschen Abteilung der Jewish Agency“, ein nennenswerter Beitrag zu geflössen ist, damit sie unter der Verpflichtung, einen gleichen Beitrag aus ihren Reihen aufzubringen, ein konstruktives Hilfswerk für ihre notleidenden Kollegen starten kann. Die Aerztesehaft hat der Aufforderung, sich an den Sammlungen zu beteiligen, trotz der schweren Lage weitgehend Folge geleistet, und es ist bereits gelungen, eine Anzahl von Kolicgen, in — allerdings schinaldoticrte — Stellungen als Volontärärzte an Krankenhäusern, als Schul- und Fürsorgeärzte, bei wissenschaftlichen Untersuchungen miterzubringen; doch ist die Zahl derer, die keinerlei Hilfe erhalten konnten, erheblich größer. Die Aerztesehaft wird sich auch weiterhin bemühen, sich an der Aufbringung der Mittel zu beteiligen, um den notleidenden Kollegen Hilfe zu bringen, und trotz der wirtschaftlichen Sorgen, die auf jedem lasten, die wissenschaftliche Höhe und die ethische Haltung des palästinensischen Arztes zu erhalten. Aber trotz aller Anstrengung in den genannten Richtungen wird das g r o t e s k e Z a h 1 e n v e r 11 ä ft n i s der Aerzte zur allgemeinen Bevölkerung eine wirtschaftliche Sicherung aller Aerzte nicht erreichen lassen und so bleibt nur — wenn nicht eine unerwartet, große Einwanderung die Lösung bringen sollte — die Uebcrleitung der Uinsch'ich* tungsfähigen in andere Berufe und unter diesen an erster Stelle — trotz bisher nicht gerade hervorragender Ergebnisse — die Uebcrleitung in die land Wirtschaftliehe Siedlung. Die Erhaltung des für die Entwicklung des Landes wesentliehen Standes der jüdischen Aerzte mit seiner in der ganzen Welt geachteten Tradition ist eine schwere aber notwendige Aufgabe der Zeit, und darum hält sich die Vertretung der palästinensischen Aerztesehaft auch für berechtigt, ihre Sorgen und Forderungen der Öeffentlichkeit zu unterbreiten gerade in diesem Moment schwerwiegender Entscheidungen und —• last not least — vor der Eröffnung des Zionisten-Kongresses. Der neunte Aw an der Klagemauer (Von unserem palästinensischen Korrespondenten). gl. Tel Aviv. 18. Juli 1937. ״Wenn ich Jerusalem vergesse....“ das war der Leitsatz der jüdischen Öeffentlichkeit in Palästina am neunten Aw. ln den Artikeln der [,resse wiederholte sich das Zitat. Unbckannte Hände hatten ihn quer über Fassaden der I Liuser in den Hauptstraßen geschrieben, in einer Bekräftigung dieser Tendenz begab sich in Jerusalem eine Menge, die auf mehr als Zehntausend geschätzt wurde, durch die engen Straßen der Altstadt nach der Klagemauer, um vor den grauen Steinen schweigend vorbei zu ziehen. Der Gang zur Westmauer des Tempels am Vorabend des neunten Aw, dem Jahrestag der Tcmpelzerstörwng, ist seit vielen Jahren ein Volksbrauch. In diesem Jahre, wo die politischen Fragen Jerusalem und der Mauer eine besondere Bedeutung verliehen haben, war die Prozession besonders groß und umfaßte hauptsächlich Jugend. Die Polizei und ein spezieller Ordncnlienst wiesen den Tausenden, die einzeln ans Jaffator kamen, den Weg durch die geschlängelten Gassen der Altstadt. Aus der Masse der Einzelnen wurde durch das Gedränge in den engen Straßen eine dichte Prozession. Die arabischen Ladenbesitzer der Altstadt saßen vor ihren Gewölben und sahen dem Zuge zu. Die Disziplin der Besucher war ausgezeichnet und die Stunden des Umzugs gingen ohne den geringsten Zwischenfall vorüber, so daß die umfangreichen Vorbereitungen der Polizei nicht in Anspruch genommen werden mußten. Am Vorabend des Tages hatten Revisionisten in Jerusalem Anschläge veröffentlicht, die zur Demonstration der jüdischen Loyalität gegenüber der Klagemauer und zum Kampf gegen die Teilung aufforderten. Die Polizei ließ die Plakate abnehmen und stellte das verantwortliche Komitee unter Polizeiaufsicht. Sowohl in Jerusalem wie in Tel Aviv war der neunte Aw in stärkerem Maße spürbar als in früheren Jahren. Alle Restaurants, Cafes, Ki«o.s, Theater, waren geschlossen, der Verkehr auf den Straßen ganz, gering, die Beleuchtung vermindert. Die öffentlichen Institute blieben geschlossen. Gegen übertriebene Rationalisierung Das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Dr. Rottenstreich, wendet sich in einem Artikel gegen schädliche Rationalisierung der Wirtschaft. Dies sei nicht die geeignete Zeit zur Rationalisierung von Wirtschaftsbetrieben, die erst vor kurzem errichtet worden sind. Wir können uns den Luxus übertriebener Modernisierung und Technisierung nicht erlauben. Unsere Pflicht ist es, das jüdisehe Vermögen zu schonen, ob es sich nun um palastincnsisches Vermögen handelt oder um das Vermögen ausländischer Juden. Wir dürfen das Vertrauen des jüdischen Transferenten nicht enttäuschen. Durch den Erwerb unnötiger neuer Maschinen zehren wir das jüdische Volksvermögen in unwirtschaftlicher Weise auf.