Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 59 (27.7.1937)
- Date
- 1937-07-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 59. 27. VII. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Zur Diskussion des Peel-Berichtes An* der großen Zahl von Acußerungcn zum Peel-Berichl, die um zugekommm sind, geben wir hier einige weitere, und zwar teilweise in gekürzter Fassung, wieder. (Red.) Illusion und Wirklichkeit Erste Illusion: Endlich, nach 2000 Jahren, werden wir wieder einen eigenen jüdischen Staat haben, in dem wir nach den Gesetzen unseres nationalen Lebens werden leben können. Wirklichkeit: Der vorgeschlagene ״Judenstaat“ ohne Jerusalem wird 335 000 Juden und 420 000 Araber umfassen. Die im Bericht der Königlichen Kommission gegebene kleinere Zahl (225 000 Araber) ist zweifellos falsch. Sie rc-chnet von vornherein die arabische Bevölkerung der vier Städte Haifa, Akko, Safed und Tiberias, die vorübergehend einen Sonderstatus erhalten sollen, nicht mit (wohl aber die Juden dieser Städte!), und sie fußt augenscheinlich auf der längst veralteten Zählung von 1931. Lassen wir die vier Städte fort, so werden im ״Juden- Staate“ leben: 272 000 Juden und 347 000 Araber. Wie wir auch rechnen: Der ״J u d e n s t a a t“ e n t h ä 11 eine arabische Mehrheit. Zweite Illusion: Das arabisch-jüdische Problem wird endlich friedlich gelöst: Juden und Araber werden friedlich nebeneinander wohnen. Wirklichkeit: Das arabische Problem besteht für den ״Judenstaat“ in unverminderter, ja in vermehrter Schärfe fort. Die Araber sind die Mehrheit, mindestens aber gleich stark wie die Juden. Diese Araber sind Bürger des jüdischen Staates. Sie haben an Verwaltung und Gesetzgebung mitzuwirken. Sie werden, selbstverständlich, eine uniiberwindliehe Opposition sein, ja mehr als das, eine dauernde Irredenta, die vom arabischen Staat aus in Bewegung gesetzt und in Judenfeindschaft gehalten wird. Gegen eine solche ״Minderheit“, die Hälfte der Bevölkerung, läßt sich ein Staat nicht regieren und vor allein nicht jüdisch regieren. Durch keine vermittelnde Macht geschieden, müssen die Gegensätze zwischen Juden und Arabern im ״Judenstaat“ die allerschärfste Form, bis zum chronischen Bürgerkrieg, annehmen. Dritte Illusion: Die Bevölkerung des ״Judenstaates“ wird durch Aussiedlung der arabischen Bevölkerung rasch jüdischer werden. Wirklichkeit: Diese Aussiedlung der Araber ist ein Wunschbild, das nie Wirklichkeit werden kann. Sie kann nur zwei Formen haben: freiwillige oder gezwungene Aus- Siedlung. , Freiwillig wird kein Araber das Gebiet des ״Juden- Staates‘* verlassen. Warum sollte er? Er ist sich der Vorteile, die er von der jüdischen Entwicklung hat, wohl bewußt und erwartet im stillen für die Zukunft für sich ganz andere Chancen als im arabischen Staat. Man kann auch keinem Araber des jüdischen Gebiets gerechterweise zumuten, abzuwandern. Was soll ihn dazu reizen? Ist es für den Araber im schönen und aufblühenden Haifa eine Lockung, nach Dschenin oder Nablus zu gehen? Kann man im Ernst dem arabischen Bauern zuniuten, seine schönen Felder in Galiläa oder der Küstenebene, deren Bodemvert rapide steigt, zu verlassen, um im glühenden Jordanland, im wüsten Ostjöfdanland oder im Negew mit unsäglicher Mühe Neuland zu erschließen? Er denkt nicht daran. Keiner wird freiwillig gehen! Also bleibt nur der Zwang, und zu diesem haben wir kein Mittel. Der Bericht sieht keine staatliche Enteignung gegen Entschädigung vor, und kein Völkerbund, am wenigsten die bisherige Mandatsmacht, w׳ird ein solches Gesetz gegen den erbitterten Widerstand der Araber für uns schaffen. Auch wir selbst können es im ״Judenstaat“ nicht schaffen, wenn die Hälfte der Bürger, die Araber, dagegen sind. Es würde uns sofort den bewaffneten Aufstand bringen. Der Bericht deutet an, daß man zwischen den beiden entstehenden Staaten ein Abkommen über den Austausch der Bevölkerungen zustande bringen müßte, und gibt dafür das Beispiel Griechenlands und der Türkei. Wenn je ein Vergleich falsch war, ist es dieser. Dort handelte es sich für beide Staaten um große Massen der Auszutauschenden, und die siegreiche Türkei konnte ein besiegtes Griechenland zu einem solchen Vertrage zwingen. Hier aber wäre es eine einseitige Aussiedlung, dem! es gibt so gut wie gar keine Juden im arabischen Gebiet, und die wenigen, die dort sind, werden sofort nach der Teilung von selbst ins jüdische Gebiet abwandern, ohne einen Vertrag abzuwarten. Der arabische Staat wird sich hüten, sich ein soziales Problem von diesem Umfang aufzuladen, dem er gar nicht gewachsen ist. Und er will es auch nicht, weil er seinen politischen Anspruch auf das verlorene Gebiet nicht aufgeben will. Wer verkaufen will, wird verkaufen, aber zu Preisen, die so rasch und so enorm steigen werden, daß wir sie absolut nicht zahlen können; und wer nicht will, den können wir nicht zwingen. Das Ganze ist eine Illusion. Die Araber werden bleiben. Vierte Illusion: Wir werden endlich die Möglichkeit haben, durch breite Oeffnung der Tore Palästinas große Massen von Juden ins Land zu bringen. Eine Million, zwei Millionen, sagt man. Wirklichkeit: Wehe uns, wenn wir uns das vorgaukeln! Machen wir eine nüchterne Rechnung. Das Gebiet des ״Judenstaates“ umfaßt im ganzen zirka 5500 qkm (5</2 Mill. tSunam). Auf diesem Gebiet sitzt heute eine Bevölkerung von etwa 750 000 Seelen (Juden und Araber); also 136 auf den Quadratkilometer. Die Dichte der Bevölkerung ist genau dieselbe wie die Deutschlands. Nehmen wir einmal an, daß es uns in 20 Jahren gelingen könnte (eine höchst optimistische Annahme!), dem Gebiet die Dichte des dichtest bevölkerten Staates Europas zu geben, nämlich Beigiens^ 260 Einwohner auf den Quadratkilometer. Dann würde das Gebiet nach 20 Jahren eine Bevölkerung von 1 430 000 Einwohnern haben. Aber die jetzige Bevölkerung hat sich inzwischen durch ihre natürliche Vermehrung (2>4 ״/״ pro Jahr) von 750 000 auf über 1200 000 vermehrt (ungerechnet die natürliche Vermehrung der Eingewanderten). Es bleibt also nur Platz für ca. 200000 Einwanderer in 20 Jahren, um die Dichte Belgiens zu erreichen. Das heißt im Jahresdurchschnitt 10 000 Ein- Wanderer! Das ist die ״große Alijah“, die ״freie Alijah“, mit der uns der ״Judenstaat“ schmackhaft gemacht wird. Die strafweise Beschränkung der Alijah, die von der Kommission angedroht wird, wenn der Judenstaat nicht geschaffen wird, son 12000 pro Jahr umfassen. Der Judenstaat ist also keine geringere Strafe. Fünfte Illusion: Was wir heute nicht bekommen, werden wir morgen bekommen. Der Judenstaat wird sich erweitern. Wirklichkeit: Gezogene Grenzen sind sehr dauer* hafte Gebilde. Die Geschichte lehrt, daß sie fast nur durch Krieg zu verändern sind. Was wir jetzt nicht bekommen, rückt uns ferner als je. Das gilt für den Negew, für Trans- Jordanien als Kolonisationsgebiet, für das Bergland, das gilt auch für Jerusalem. Ein gutes Beispiel ist Jerusalem, das außerhalb des ״Judenstaates“ bleiben soll. Wenn dieser Vorschlag Tatsache wird, werden wir natürlich genötigt sein, unsere zentralen Institutionen aus Jerusalem zu verlegen, also die Jewish Agency, den Keren Hajessod, den Keren Kajeineth, den Waad Leumi usw. Aber auch die Universität, die nicht im ״Ausland“ bleiben kann, ihre Institute, Krankenhäuser nsw. Mit diesen Einrichtungen aber sind heute schon etwa 4— 5000 Menschen unmittelbar verbunden und wandern mit ihnen ab; und etwa die Hälfte dieser Zahl lebt indirekt von ihnen und wird ihnen folgen. Bei dem Umfang des Chalukkah-Judentums in Jerusalem bedeutet das die Abwanderung eines Fünftels der werktätigen Judenheit Jerusalems, die Stadt bekommt wieder arabische Mehrheit, und ihr nationaler und sozialer Zustand wird wieder der von 1920. Wie wollen wir bei dieser Sachlage später einen Anspruch auf Jerusalem eher durchsetzen als heute? Dieser Judenstaat, das verkleinerte Zerrbild eines wirkliehen, ist nichts als ein Gefängnis für den Gedanken der nationalen Befreiung und der Heimat für das jüdische Volk, und vielleicht seine Grabstätte. Lassen wir uns nicht durch das klingende Wort berauschen. Die furchtbare Verantwortung, die aut uns gelegt ist, muß uns stark machen, auch schwere Jahre zu durchwandern, wenn es sein muß, um dem wahren Gedanken des Zionismus treu zu bleiben. Dr. Elias Auerbach, Haifa Annehmen und nicht verzweifeln! .... Die Schaffung eines Judenstaates gewährt uns die Möglichkeit zur Anbahnung von politischen und Wirtschaftliehen Beziehungen zu allen Völkern, erlaubt uns unsere Außen- und Handelspolitik auf unsere eigenen Itifentionen und Bedürfnisse cinzustellen, deren Bewertung, Beachtung — und Vernachlässigung bisher ausschließlich in den Händen der Mandatsregierung lag. Gewiß soll man die Bedeutung dieses Judenstaates nicht übertreiben. Er ist so klein, daß er kaum seinen Namen verdient. Aber das heißt nicht, daß man an der Großartigkeit des Momentes Vorbeigehen soll. Man braucht sich nur vorzusteilen, wie begeistert die jüdische Welt gewesen wäre, wenn etwa schon die Balfour-Deklaration den Judenstaat in den jetzt vorgeschlagenen Grenzen enthalten hätte. Dem neuen Judenstaat eröffnet sich, wenn auch natürlich vorläufig nur in beschränktem Maße, ein weites Feld politischer und wirtschaftlicher Fühlungnahme mit England, mit den arabischen Nachbarstaaten und mit allen Ländern, die an der Lösung der Judenfrage und an der Existenz eines Judenstaates in diesem so bedeutungsvollen Winkel der Welt interessiert sind. Eine kluge und vorsichtige Führung seiner Politik kann dem neuen Staate nicht nur einen Ausgleich für seine gebietsmäßige Be- In etwa 14 Tagen erscheint unter Mitwirkung bekanntester, jüdischer Photographen in einer neuartigen, huchfonnigen Sammelmappe der von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland herausgegebene PAJLÄSTOTA KALEIDEB תרצ״ח 5098 Prell* RM 1,90 — Erhältlich im jüdischen Buchhandel oder direkt luzüglich t5 Rpf. Porto beim Verlag Jüdische llnndpehan Ci.m.tt. H. . Berlin W15 . Mrlneke»tr. 1« Schränkung, sondern auch die Möglichkeit bieten, aus eigener Kraft zu einer vernünftigen und harmonischen Lösung des Problems seines Verhältnisses zu seinen arabischen Nachbarn zu kommen. Die Möglichkeiten, die sich hier einer großzügigen, verantwortungsbewußten und instinktsicheren jüdischen Nationalpoiitik eröffnen, so bescheiden sie auch am Anfänge sein mögen, sollten als ausreichend betrachtet werden, die Vor- Schläge der Königlichen Kommission anzunehmen. Dieselbe Betrachtungsweise, die uns zu einer kühnen Auffassung von den politischen Chancen des neuen jüdischen Staates veranlaßt, zwingt uns zu einer vorsichtigen und kritisehen Beurteilung der Konsequenzen einer Ablehnung dieser Vorschläge durch nns. Selbstverständlich muß alles versucht werden, um die Vorschläge zu verbessern und sie erträglicher zu machen, als sie in ihrer jetzigen Form sind. Es mag stark bezweifelt werden, ob Entrüsturigsresoiutionen oder gar Trauerkundgebungen die richtige Methode für einen solchen Versuch darstellen. Wer den Bericht, der in seiner Art ein Meisterwerk ist, aufmerksam gelesen hat, wird kaum zu der Meinung kommen, daß eine nochmalige Berufung auf Deklarationen, Versprechungen und Briefe ausreicht, 11m England zu einer anderen Auffassung seiner Mandatsverpflichtungen zu veranlassen, als der Bericht sie enthält. Der Bericht ist einstimmig gefaßt und betont in fast jeder Zeile, daß größeres Entgegenkommen gegenüber den Forderungen der Juden zu schweren kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Arabern führen müßte. Der Bericht spricht offen aus, daß England nicht gewillt ist, für diesen Zweck weitere Blutopfer zu bringen. Die britische Regierung hat den Bericht in seinen Orundzügen genehmigt und wird zweifellos alles daransetzen, um die Genehmigung des Völkerbundes dazu zu erlangen. Ist es aussichtsvoll, ist es auch nur ratsam, wenn die Juden eine Kampfposition dazu beziehen? Ist gerade jetzt ihre Stellung in der Welt so mächtig, daß sie England zur Aufgabe eines Standpunktes zwingen könnte, der mit so viel Aplomb, aber auch mit so viel Festigkeit eingenommen wunde? Riskieren wir in diesem Kampf nicht zu viel? Etwa die Verewigung des Status quo, aber dann einem endgültig feindlichen England und einer Verwaltung gegenüber, die den Bericht als eine schwere Beeinträchtigung ihres Prestige betrachten muß und auf die darin an ihr geübte Kritik voraussichtlich mit noch stärkerer Sabotage des Mandates reagieren dürfte. Der Bericht enthält eine geradezu glänzende Begutachtung des jüdischen Aufbauwerks in Erez Israel und eine prinzipielle Anerkennung unserer nationalen Forderungen, wie sie in dieser Klarheit und mit solcher Autorität kein politisches Dokument seit dem Untergang der Hasmonäer ausgesprochen hat. Mit diesen Bekundungen und ihren darauf aufgebauten Möglichkeiten ist zweifellos ein Start möglich, der nicht gewagter, aber viel verheißungsvoller erscheint als der, den uns die Balfour-Deklaration eröffnet hat. Damals hat das jüdische Volk die ihm gebotenen Möglichkeiten keineswegs in dem Maße erfüllt, wie die Situation es verlangte. Und die Umstände, die zu dem Bericht der Königlichen Kommission geführt haben, sind nicht zum mindesten darauf zurückzuführen, daß das jüdische Volk anfangs nur sehr langsam dem Rufe gefolgt ist, der an es erging. Soll eine übertriebene, sentimental überreizte und allzu leidenschaftliche Kritik dazu führen, daß das jüdische Volk dem Ruf zur Schaffung des Judenstaates mit noch weniger Vertrauen antworten wird als seinerzeit dem Aufruf zur Gründung der Nationalen Heimstätte? Welche Begeisterung, welche Hingabe, welche ideelle und materielle Beteiligung an der Schaffung des Judenstaates wäre möglich, und wie könnte er davon befruchtet und über die Schwierigkeit des Anfanges hinweggeleitet werden! Aber es besteht die Gefahr, daß all dieses und damit wirklich die ganze Zukunft zerschlagen wird, weil wieder einmal Romantik über politische Weisheit, Mangel an Vertrauen in die Fähigkeit des jüdischen Volkes über seinen unbeirrbaren Glauben an die Erfüllung seines Schicksals zu siegen droht. Man soll verhandeln, aber man muß annehmen! Julius Berger, Jerusalem. Judenstaat oder Minderheiten Romantik darf uns den Sinn für die Realitäten des Lebens nicht nehmen. Wenn wir jede Art von Teilung ablehnen, schütten wir das Kind mit dem Bade aus. England wird gegen unser leidenschaftliches Sträuben uns diese Teilung nicht aufzwingen, zumal auch die Araber sic nicht wollen. Ben Zwi, der Präsident des Waad Leumi, hat gesagt, was nns droht, wenn wir, ohne 1ms in Verhandlungen einzulassen, von vornherein ablchnen. Der Peelbericht macht daraus kein Geheimnis. Uns droht die Einschränkung der Einwanderung auf ein Minimum, die Einsetzung eines Gesetzgebenden Rates mit selbstredend arabischer Mehrheit, also das Leben einer Minderheit für unabsehbare Zeit. Kleiner Judenstaat oder dauerndes Minoritätentum -. «lies ist die Frage. Man muß daher den Weg der Verhandlungen betreten —• mit der feierlichen R e c h i s v e r w a h r 11 ח g gegen die Verlctzung der Balfourdcklarafion und des vom Völkerbund England übertragenen Mandates. Den v o r g e s c h I a g e n e n jüdischeu Zwergstaat lehnen wir ab. ich glaube aber nicht, daß die Mandatarmaclit mit dem Vorschläge der Peelkommission ihr letztes Wort gesprochen hat. Notwendig aber ist ein geeinigtes Judentum, und töricht wäre es, nur Klagelieder anzustiimnen. Genug der Klagen. Bauen wir wie rindere Völker unser Schicksal mit mannhafter Tat, mit dem Schweiß der Arbeit und mit auf Opfer eiagestelltem chaluzischem Kapital. Nein-Sagen ist leicht. Es enthebt von jeder tieferen Durchdringung des Problems, es gibt die Gloriole des kompromißlosen ideologentnms, aber es enthebt nicht der Verantwortung für das Schicksal unseres unglücklichen Volkes. Aber wie auch immer man sich zum Problem steiler! wird, muß man sich dieser hohen Verantwortung bewußt sein. Wer einer Teilung— allerdings unter besseren Bedingungen — zustimmt, präjudiziert nicht kommenden Geschlechtern. Man schließt nicht Verträge für die Ewigkeit. Es gibt nur ein Recht und dies ist das Recht auf Leben, und es gibt nur eine Macht und sie ist die Kraft, sich zu behaupten, und auch das jüdische Volk wird, solange es lebt — und es wird leben —, um seinen Lebensraum kämpfen. Nicht dieser Generation ist die völlige Lösung der Judenfrage Vorbehalten, aber weil schon diese Generation für sich und für ihre Kinder diesen heiligen Lebensraum braucht und nicht warten kann darauf, was in der Zeiten Hintergründe schlummert, müssen wir m i t v o 11 e r Rechtsverwahrung und mit wohlbegründeten Forderungen dem zur Diskussion gestellten Projekt der Teilung nähertreten. Auf den Schultern Weizmanns liegt eine schwere Last. Man muß sie ihm tragen helfen. Ein Präsident Weizmann kann wie ein parlamentarischer Minister aus den! Sturm der Opposition Konsequenzen ziehen und gehen. Der Führer Weizmanu aber muß wie sein großer Vorgänger Theodor Herzl für alle Fälle ausharren, und er muß es verstehen, den Sturm zu beschwören und den Kongreß auf die Höhe seiner Erkenntnis zu heben. Viele um ihn, die wie er bedächtig und verantwortungsbewußt denken, werden nicht wie die Nein-Sager von heute alles auf eine Karte setzen — namentlich nicht, wenn sie vielleicht gar die letzte ist. Es wird sich im Wege der Verhandlungen der Umfang des jüdischen Staates wesentlich vergrößern lassen. Es ist wahrscheinlich, daß der Negew, unsere Bodenreserve, die politische Reserve der Mandatarniacht ist, von vornherein dazu bestimmt, uns für das Projekt der Teilung zu gewinnen. Auch die anderen Bedingungen werden sich verbessern lassen. Wir müssen uns aber darüber klar sein, daß der Kongreß nicht vor die fertige Tatsache der Teilung gestellt sein wird, gegen die cs nur zu protestieren gilt. Der Kongreß wird vor die bittere Alternative gestellt werden: Teilung oder Resignation, Judenstaat oder dauerndes Minoritätentum. I n dieser Alternative liegt die V e r g e w a 11 i g un g. Sie minder schmerzlich zu machen, darauf muß die politische Kunst unserer Führer gerichtet sein. l)r, Mayer Ebner (Ccrnauti). Wenn heine Teilung — was dann? Im nachfolgenden soll zuerst versucht werden zu zeigen, welche politischen Situationen überhaupt denkbar sind, um dem unvoreingenommen Suchenden einen Anhalt zu geben; zum Schluß werden die sich daraus ergebenden Folgerungen gezogen. Die erste Möglichkeit ist die, daß beide Seiten, d. 11. Zio nistische Organisation und arabische Parteien, sich trotz des anfänglichen ״Nein“ doch noch zu einem (evtl, modifizierten) Teilungsplan positiv stellen, entsprechend dem Motto der Kommission: ״Ein halber Laib ist besser als gar kein Brot!“ — Diese Wendung ist nicht völlig ausgeschlossen, aber im Augenblick unwahrscheinlich. Die zweite Möglichkeit ist, daß England —■ nach Zustir.1mung des Völkerhundsrates ־— trotz der Proteste von beiden Seiten den T ei I u ti g s p! a n d u r c h 7. u f ii 11 r e n sucht in der Hoffnung, daß mau sich mit den Tatsachen abfinden wird und daß auf beiden Seiten Gruppen vorhanden sind, die der Teilung positiv gegenüber stehen; hierbei denkt man wohl auf jüdischer Seite in erster Linie an die Hitachduth Ha~!kkurim, (Pflanzer-Verband) und die ßne-Benjamin, auf arabischer Seite an die Nashashibi-Gruppe (trotz ihrer, wie mir scheint mehr taktischen, Ablehnung des Teilungsplancs). Die dritte Möglichkeit ist, daß die Regierung darauf verzichtet, den Teilungsplan gegen den geschlossen«! Widerstand des überwiegenden Teiles der Bevölkerung durchzuführen. Was ist dann zu erwarten? Oder zuerst, was ist nicht zu erwarten? Nicht zu erwarten ist, um dies vorweg zu nehmen, daß alles so bleibt, wie es ist, oder daß gar die Regierung, um die jüdischen Wünsche stärker wie früher, wenn nötig sogar unter Anwendung von Gcwaltmaßnahmen gegen die Araber, durchführen wird, im Gegenteil: wie bereits im Kommissionsbericht für diesen Fall vorgesehen wurde, kommen die politische Beschränkung der Alijah, die weitere Einschränkung des Bodenkaufs (wenigstens in bestimmten Zonen) und manchcs andere, was unsere Situation wesentlich verschlechtern würde; gar nicht zu reden von der auch dann noch weiter be»