Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1937)
- Date
- 1937-07-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 57, 20. Vit. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Se!ta 7 Der Stand der Seelahrts ־ Hachscharah Der Dichter Salman Schneur Zu seinem 50. Geburtstag Von Elias Hurwicz ״Noah Pandre“ hat Salinan Schneur dem deutsch lesenden Publikum näher gebracht. Sb ist Veranlassung gegeben, in das Schaffen dieses Schriftstellers etwas tiefer einzudringen; zumal da seine eigentliche Stärke ja doch in seinen hebräischen Werken liegt. Hier ist er vor allem ein unvergleichlicher Meister der Sprache; sein Stil ist dem Bialiks ebenbürtig; an Klarheit und lapidarem Ausdruck erreicht ihn heute kaum einer der lebenden hebräischen Schriftsteller. Durch all das hat er manches Unvergängliche geschaffen, das zuin eisernen Bestandteil der hebräischen Literatur gehören wird. Schon durch die Virtuosität und den Reichtum seiner hebräischen Sprache reiht sich sein Schaffen in unsere nationale Literatur ein. Schwieriger ist indessen die Frage zu beantworten, wieweit Schneur dem Inhalte und der Art seines Schaffens nach ein ״nationaler“ Schriftsteller ist. Das Problem des Verhäitnisses von nationalen und allgemein-menschlichen Eiementen im Schaffen verschiedener Schriftsteller ist überhaupt noch eins der schwierigster! in der Literaturgeschichte. Für unsere jüdische nationale Literatur ist cs, aus naheliegenden Gründen, noch von gesteigerter Bedeutung. In unserem Falle läßt es sich wohl am besten durch den Vergleich Schneurs mit Bialik explizieren. Bialik war in seinem dichterischen Schaffen keineswegs auf jüdische Stoffe begrenzt. Sein ״Arjebaal-guf“ — mit dem übrigens Noah Pandre starke Verwandtschaft besitzt, und nicht ohne dessen Einfluß vielleicht auch entstanden ist — hat herzlich wenig Jüdisches an sich. Das Gleiche gilt von Bialiks Natur- und Liebesdichtungen: sie sind vollkommen allgemein-menschlich, und es fällt ihm nicht ein, gleich Mendele, ״die Natur zu judaisieren“, geschweige denn die Liebe. Und dennoch hat das Volksempfmden recht, wenn ihm Bialik als ein durch und durch nationaler Dichter erscheint (und zwar nicht nur schon wegen seiner jüdischen Stoffe). Ja auch dort, wo Bialik sich fremden Stoffen gegenüber aufgeschlossen zeigt, wenn er etwa von der Schönheit Schillers oder Cervantes’ angezogen, diese über- Setzt, — haben wir das Gefühl, daß es ihm darum gellt, diese Schönheit oder diese Schätze, vermittelst des Hebräischen, auch unserer Literatur einzuverleiben. Daß Bialik selbst sich als nationaler Dichter empfand, zeigt m. E. am besten der Umstand, daß er sich Zeit seines Leben*־ als treuer Schüler Achad-Haams bekannte. Nichts war ihm so teuer und wichtig, als das Band, das die Vergangenheit unseres national-jüdischen Schaffens mit der Gegenwart verbindet (oder verbinden soll!), zu pflegen. Auch in manchem Acußeren kommt diese traditionell-nationale Triebfeder zum Ausdruck: Bialik ist z. B. einer der Hauptschöpfer des Oneg- Schabhat, — eine Rolle, in der man sich Schneur schwerlich vorstellen kann. ln der Tat ist es charakteristisch, daß denjenigen, der (wie der Schreiber dieser Zeilen) nicht nur den Dichter, sondern auch den Menschen Schneur kennt, die Analyse zwingt, einen umgekehrten Weg als bei Bialik einzusehlagen. Wohl hat Schneur — um nur von seinen größeren Werken zu sprechen — in seinem ״Vilna“-Poem ein nationales, von zarter Liebe getragenes Denkmal diesem ״Jerusalem Litauens“ errichtet; wohl hat er in seinem großartigen tragisch-epischen Gemälde ״An den Ufern des Dnjcstr“ (in dem Prosa-Band ״Batnezor“) Pogromszenen für sein Volk und zur Schande der Menschheit verewigt, denen nur solche aus dem tinverdienterweise allzurasch vergessenen ״Gezeichneten“ Aage Madelungs zur Seite gestellt werden können; Szenen übrigens, an denen auch Schneurs dichterisches Zeichentalent m seiner iriikrou11d makroskopischen Eigenart studiert werden können (die vor dem Pogrom in den Keller geflüchteten Juden in Totenstille um ein leeres Weinfaß herum stehend, in den von der Decke Wassertropfen dröhnend herabfallen — ein unauslöschliches Bild).... Das sind nicht wegzudenkende nationale Bestandteile innerhalb des Schneursehen Gesamtwerks. Und doch ist dieses Gcsamtverk keines- Wegs durch jene Bestandteile gefärbt. Schneur ist einen anderen Weg auch in seinem äußeren Schicksal als Bialik, der inmitten der russischen Judcnheit reifte und zur letzten Vollendung gelangte, gegangen. In jungen Jahren kam er nach Paris, um Medizin zu studieren — und die große Welt hat aut ihn einen tiefgehenden Einfluß ausgeiibt. Er hat weder ihrer Schönheit noch ihrem Pessimismus widerstanden. Den besten Spiegel hierfür bietet der Gedichtband ״Gocharim“, der weitaus das Auserlesenste seines dichterischen Schaffens enthält. Seine erotischen Gedichte — er weiß es selbst — stellen etwas in der hebräischen Literatur — mit Ausnahme vielleicht der Jugendgedichte Jehiula Halevis — in ihrer Kühnheit und ihrem Naturalismus Unerhörtes dar. Sie erinnern mich stets lebhaft an Renudelaires ״Fleurs du mal“. Aber auch die metaphysische Fäulnis dieser modernen Welt hat ihn beeinflußt: Zeugnis dafür ist sein berühmtes Gedicht ״Am Ufer der Seine“ und andere mehr, die vollkommen im Zeichen des sogenannten ,,Fin de siede“ der Vorkriegszeit stehen. Zu alledem kommt immer stärker aber auch das Grundwesen Schneurs zum Ausdruck: und dieses Grundwcsen ist Subjektivismus. Hier liegt der markanteste Unterschied von Bialik, den das Judentum — als die ewige Frage an das Universum — innerlich nie losgelassen hat. Hier liegt andererseits das Gebiet der Annäherung an Tscbernichowski. Doch wieder mit dem großen Unterschied, daß Schneur in sich doch — im Gegensatz zu Tschernichowski —■ aus einem angestammten Milieu auch das Jüdisch •Traditionelle aufgenommen hat, ja daß er dem jüdischen Geist auch seine metaphysischen Gedanken verdankt, auch wo diese sich mit rinjüdisclicn oder liichtjüdischen Stoffen beschäftigen. Zwischen Biaiik und Tschernichowski — so scheint mir Schneurs Standort in der seelischen Evolution des hebräischen dichterischen Schaffens bezeichnet werden zu müssen. (Wir werden aus Anlaß von Schnöurs 50. Geburtstag, der schon in unserer Hebräischen Beilage gefeiert wurde, in der nächsten Nummer noch einen Beitrag Schneurs veröffentlichen — Red.) Sally Enoch. Ueber den in Palästina auf tragische Art aus dem Leben geschiedenen Arzt Dr. Enoch wird uns noch geschrieben: Dr. Enoch war, bevor er 1933 nach Palästina übersiedelte, etwa U4 Jahrzehnte in Osterode (Ostpr.) als Arzt tätig gewesen. Hier, wo es bis dahin keinen Zionisten gab, hat er während der ganzen Zeit unablässig für die zionistische Sache geworben und gewirkt, ohne .Rücksicht auf seine persönlichen Interessen, die er dadurch einer schweren Belastungsprobe aussetzte. Besonders hat er sich für den Keren Hajessod eingesetzt und diesem aus den Reihen der Nichtzionisten eine Anzahl von Zeichnern mit keineswegs unerheblichen Beträgen gewonnen. Dabei war er persönlich ein gütiger und stets hilfsbereiter Mensch. Anscheinend hat der narte Daseinskampf den sensiblen Mann, der sich in Osterode einer recht ansehnlichen Praxis erfreut hatte, zermürbt. Seine Freunde und Kampfgenossen, zu denen ich mich wohl zählen darf, werden ihn nicht vergessen. L e w i n (vormals Rechtsanwalt u. Notar in Dt.-Eylau) Berichtigung. In dein Nachruf auf den Habima-Schau- Spieler A vital Und in der Bildunterschrift ist ein Irrtum unterlaufen. Der Künstler hieß nicht Mosche mit Vornamen, sondern Jakob. In dem nachfolgenden Aufsatz, der ans von der Leitung des llechaluz zur Verfügung gestellt wird, wird ein Problem angeschnitten, das in der Entwicklung des jüdischen Aufhau- Werks in den kommenden Jahren zweifellos immer stärker in den Vordergrund rücken 1 vird. Es wäre zu wünschen, daß die Durchsetzung der jüdischen Arbeit auch auf dem Meere gelingen möge, nicht nur, weil auf diese 1!Vi.sc■ Tausenden von Menschen eine Beschäftigung gegeben werden kann, sondern weil ein Küstenstrich wie Palästina notwendigerweise auch das Meer in den Bereich der Wirtschaft miteinbeziehen muß. (Red.) fn diesem Bericht soll der augenblickliche Stand der Seefahrts-Hachscharah geschildert werden. Zur See fahren zur Zeit 25 Chawerim. Diese verteilen sich wie folgt: 7 Schiffsjungen, 4 Jungmanncn, 3 Matrosen, 3 Maschinenjungen, 3 Masehincnassistenten, 1 Trimmer und 2 Fischer. Die Fischerstellen sind in der Nähe von Hamburg. Die Ausbildung erfolgt auf Hochseefischkuttern mit Trawlnetzen, also auf demselben Schiffstypus, der in der palästinensischen Schifffahrt benutzt wird. Diese Steilen sind erst seit kurzem besetzt. Die Datier der Hachscharah soll mindestens zwei Jahre betragen. Die Chaiuzim lernen nicht nur mit dem Boot und den Fanggeräten umgehen, sondern auch Netze stricken und alte Netze reparieren. Einige der Schiffsjungen fahren innerhalb des ersten halben Jahres ihrer Hachscharah aut Hafen- oder Hochseeschleppern oder Baggerschiffen, zum Teil auch aut kleinen Frachtdampfern oder Küsfensegiern. Die Arbeitsbedingungen auf diesen kleinen Frachtern sind schwerer als auf großen Fracht- oder Passagierdamnfcrn. Die Mitglieder der Besatzung kommen auf diesen kleinen Schiffen an alle Arbeiten heran. Das gleiche gilt für die Jungmanncn und Matrosen. Von den Clialu/im, die an der Maschine arbeiten, fahren drei im ersten jalir als Maschinenjungen, weitere drei bereits seit längerer Zeit, die schon einen verantwortlichen Arbeitsplatz als Maschinenassisteuten innehaben. (Für diesen Beruf sind Kenntnisse als Schlosser oder Mechaniker Voraussetzung.) Die Gegebenheiten der jüdischen Schiffahrt machen es erforderlich, das Schwergewicht der Hachscharah auf die Fischerei und Ausbildung auf Segelschiffen zu verlegen, weil damit zu rechnen ist, daß Fischerei- und Küstenfahrzeuge zunächst einmal die Flotte bilden werden. Außerdem ist die Ausbildung auf diesen Schiffen eine viel bessere. Ein Schiffer, der mit Wind und Wetter vertraut ist, ein Matrose auf einem Segelboot, der nach dem Winde zu segeln versteht, wird sich auf einem Dampfer immer zurechtfinden, aber nicht umgekehrt. — Sehr wichtig ist die Frage der Erfassung und Betreuung der Chaiuzim auf großer Fahrt. In Hamburg ist ein Beth Chnluz; dort wohnen ständig diejenigen, die im Hafen arbeiten und vorübergehend diejenigen, die von großer Fahrt heimkehren. Die letzteren halten sich in Hamburg nur einige Tage auf; sie suchen sich meistens ein anderes Schiff und setzen dann ihre Reise fort. Erwähnenswert ist, daß fast alle Chaiuzim aut Seefahrts-Hachscharah regulär verdienen. Diese Hachscharah ist nur zu einem kleinen Teil Ztischtiß-Hachscharah. Die Kosten des Hamburger Beth Chaluz werden zum Teil aus den Verdiensten der Seefahrer bestritten. Mit den Kameraden, die auf großer Fahrt sind, haben wir nur hin und wieder Verbindung, wenn sie einmal in Der iS» Aw Im Bewußtsein des jüdischen Volkes ist der Monat Aw untrennbar mit dem großen nationalen Trauertag des 9. Aw verbunden, an dem der Tempel zerstört und damit die Heimatlosigkeit des Volkes eingeleitet wurde. Ueber diesem gewaltigen und an Bedeutung nicht zu überschätzenden Tage aber hat man vergessen, daß es nicht weit entfernt von jenem Datum einen Tag gibt, der einmal in Palästina als Volksfest eine besondere Weibe hatte: den 15. Aw. Fs ist ein Tag, der in seiner ganzen Struktur eine gewisse Aelinlichkeit mit dem Wasserschöpffest zu Sukkoth hatte, wenn er auch nicht in solchem Umfange zum Freudentaumel fiir das Volk wurde. Im 2. Buch des ״Jüdischen Krieges“ (Kap. 17) erwähnt Flavius Josephus das ״Fest der Xylop hören“, und er erklärt, daß es seinen Namen daher habe, daß man Holz zum Tempel bringe, um das Feuer während des ganzen Jahres wachzuhalten. Dieser Tag, von dem Josephus spricht, ist der 15. Aw, einer der merkwürdigsten Feiertage des jiidisehen Kalenders. Der Talmudtraktat Taanaitli enthält eine längere Dis■ kussion über den 15. Aw, in der mancherlei Erklärungsversuche angestellt werden und aus der wir einiges über die Gestaltung des Festes erfahren. Es heißt dort: ״Rabbi Schimon ben Gamliel sagte: Israel hatte keine fröhlicheren Festtage als den 15 Aw und den Versölmungstag. Jawohl, den Versöhnungstag, weil dieser ein Tag der Ver• gebung und der Versöhnung ist und an ihm auch die zweiten Gesetzestafeln gegeben wurden. Welches Bewenden aber hat es mit dem 15. Aw? R. jehuda erwiderte im Namen Schmuels: Es ist der Tag, an dem die Verbindung der Stämme miteinander erlaubt wurde ... R. Joseph erklärte im Namen R. Naclunans: An diesem Tage wurde erlaubt, den Stamm Benjamin in die Gemeinde aufzunchmen, denn es heißt: ,Keiner von uns darf seine Tochter an einen Benjamiten zur Frau geben ...' Rabba bar Ghana erklärte im Namen R. Jochanans: An diesem Tage hörte das Sterben der Wüstengeneration auf. Der Meister sagte nämlich: Solange die Wüstengeneration noch nicht ausgestorben war, hatte Mosche keine Unterredung mit Gott, denn es heißt: ,... und als alle kriegstiiehtigen Männer ausgestorben waren, da redete der Herr mit mir‘.“ In dieser Art werden noch eine Reihe von Erklärungen gegeben, von denen die letzte lautet: am 15. Aw habe das Holzfällen fiir den Altar aufgehört, weil R. Elieser gesagt hatte: ״Vom 15. Aw an ist die Kraft der Sonne gebrochen; von da ab hörte man auf, Holz für das Altarfeuer zu fällen, weil es nicht mehr trocknet.“ Diese Talmudstelle enthält, wie man sieht, eine Anzahl homiletischer Deutungen des Festes; von einer realen Be• Ziehung zur Wirklichkeit werden wir aber wohl nur bei der letzten Erklärung zu sprechen haben, aus der offenbar eine Lebenserfahrung spricht. Den 15. Aw also schien man bei den alten Juden als die Sommersonnenwende, den höchsten Punkt der Sonnenbahn, anzusehen. Manche Forscher wollen aus dieser Auffassung folgern, daß der 15. Aw eine Art Sommersonnenwendefest gewesen sei. Ein Beweis hierfür läßt sich freilich kaum erbringen. Immerhin gibt es manche Anzeichen, die dafür sprechen. So ist aus dem oben zitierten Talmudtraktat bekannt, daß die Mädchen Jerusalems am 15. Aw weißgekleidet auf die Weinberge zogen und Reigentänze auffüürten. Es ist ferner bekannt, daß in der Nacht vom 14. zum 15. Aw Freudenfeuer angezündet wurden. All dies legt die Vermutung nahe, daß es sich um eine alte Volkssitte handelt; aber der Zusammenhang mit der Sommersonnenwende ist damit noch nicht erwiesen. Hamburg sincL Gerade in einem fremden Milieu ist die Gefahr einer Entfremdung sehr groß. Irgendwelche Möglichkeiten einer gesellschaftlichen oder kulturellen Tätigkeit oder Hebräisch zu lernen, sind nicht vorhanden oder aus Zeitgründen nicht durchführbar. Eine Lösung dieser Schwierigkeiten kann nur ein eigenes Schiff bringen, ein Haehseharah-Kibbuz auf dem Wasser. Wir glauben,' daß dieser Plan, ein eigenes Schiff zu besitzen, den wir schon lange hegen, sich doch verwirklichen läßt, und daß wir nach einigen Jahren dieses mit einer ausgebildeten Mannschaft nach Palästina bringen können. Alle zur Alijah vorgesehenen Chawerim würden das letzte halbe Jahr ihrer Fahrzeit dann auf unserm Schiffe fahren. Wir halten das Fahren auf einem Segelschiffe für eine Ergänzung der Ausbildung; außerdem wäre dann die bisher fehlende notwendige gesellschaftliche und tarbutlimiiliige Konzentration gegeben. Die Forderung nach einem eigenen Schiff wird um so dringender, wenn man berücksichtigt, daß in Zukunft mir Chaiuzim mit dem Hüchstaltcr von 18 Jahren zur Seefahrts-Hachscharah gebracht werden sollen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß man dem Berufe des Seefahrers nicht als Umschichtier gerecht werden kann, sondern daß er von Grund auf erlernt werden!miß. Besonders die Chawerim der Mittlcren-Hachscharah bringen der Seefahrt sehr viel Interesse entgegen. Man kann diese jungen Menschen nicht auf Schiffe bringen, auf denen sie als Einzelgänger fahren und unkontrollicrbaren Einflüssen ausgesetzt sind. Wir planen für die Mittleren-Hachsdiarah ein Fische* r e i ־ H a c 11 s c 11 a r a h - Z c 111 r 11 111 in einem außerdeutscheu Lande, mit dessen Aufbau bereits begonnen wurde. Die Ausbildung soll zwei Jahre betragen und wird sich erstrecken auf Fischfang, Netze stricken und reparieren, Lischriiucherci, Bootsbedienung usw. Hand in Hand mit der praktischen Ausbildung soll eine theoretische Ausbildung erfolgen. Besonders befähigte Chawerim sollen als Ab- Schluß dieser Lehrzeit das Patent als Schiffer für K 1 e i n f a!ו r t erwerben,!)er Führer dieser Mittlercn-Oruppe ist ein Chawer, der außer den Voraussetzungen für die Führung einer Gruppe junger Menschen auch bereits eine längere Fahrzeit hinter sich hat. Wir wissen, daß cs mit der Ausbildung von Seeleuten allein nicht getan ist und daß in das Aufgabengebiet der Maohlcketh Hajam auch noch die Ausbildung von Hafenarbeitern, wie von Schau erleiden, Kranführern, Bootsführern, Schiffszimmcrlcutcn, Schiffsliaiicru usw. gehört. Diese Hachscharah in Hamburg durchzuftihren, ist uns un* möglich. Unsere Bemühungen gehen deshalb schon seit langem um die Schaffung dieser Arbeitsplätze in ausländisehen Häfen. Jedoch die technischen Schwierigkeiten, wie Arbeits'- und Aufenthaltserlaubnis, 11:1 heu bisher noch alle Pläne vereitelt. Was wird aus all den Menschen, die ausgebildet werden? Hierauf ist zu sagen, daß bereits die Pluga, welche auch einen großen Teil der Hafenarbeiter in Haifa stellt, mit zwei Hochsee-Fischkuttern die Arbeit aufgenommen hat. Die Zahl der Fischkutter soll in den nächsten Jahren bis auf zehn erhöht werden. Außerdem hat die Gesellschaft ״Nach,schon“ ein Schiff gekauft, welches vorerst von Haifa nach Tel Aviv fährt und den Zement fiir den Neubau des Ruthenbergwerkes am Jarkon transportiert. Positiv wissen wir nur aus dem Buche Nechemia (10,35), daß Lose über die Holzspende ausgeworfen wurden, durch die offenbar bestimmte Familien zu bestimmten Zeiten verpflichtet wurden, das Holz für den Altar a!1 den Tempel abzuliefern. Wenn nun die allgemeine Ansicht war, daß nach dem 15. Aw das Holz nicht mehr trockene, man also die Lieferung einstellte, so lag es nahe, diese Beendigung einer Pflicht durch eine Feier zu begehen. Daß bei der Gestaltung einer solchen Feier auch Volkshräiicltc und alte lieberliefcrimgen mit hineinverwoben wurden, ist nicht von der Hand zu weisen. Jedenfalls ersehen wir aus den Quellen, daß der 15, Aw früher in großem Stile begangen worden ist. Die Tatsache andererseits, daß man später dieses Fest nicht mehr unter die jüdischen Feste mit aufgenommen hat, läßt den Schluß zu, daß mau den Stil dieses Feiertages als nicht völlig jüdisch empfand. In der Tat hat man den Eindruck, daß sein־ vieles von diesen Brauchen von außen übernommen worden ist und das Geistesprodukt der heidnischen Welt war. Das Dunkel, das heute noch über dem 15. Aw schwebt, machte es aber gerade zu einer reizvollen Aufgabe, das, was wir über ihn wissen, znsammenzufassen und damit einen Einblick in die unerschöpfliche Reiclihalfigkeit des jüdischer! Volkslebens zur Zeit seiner Ungebroclienheit zu geben. G e r 11 a r d t N e 1! m a n if Abraham Corainik Im Alter von 54 Jahren ist in New York der jil« dische Publizist Dr. Abraham Corainik gestorben. Dr. Corainik, der 1SS3 in IJman (Ukraine) geboren war, genoß eine gründliche jüdische Erziehung und studiert« später nach Absolvierung des Gymnasiums an den Universi« täten Kiew, Florenz, Berlin, Bonn und Wien, wo er das Doktorat der Philosophie erwarb. Seine journalistische Laufbahn begann Corainik als Mitarbeiter des zionistischen Zen• tralorgans ״D i e W e 11“ und der Wiener Tageszeitung ״Die Zeit“. Später arbeitete er an verschiedenen in deutscher und russischer Sprache herausgegebenen Zeitungen mit, und trat 1915 in die Redaktion der New-Yorkcr Tageszeitung ״Der Tog“ ein. Corainik gehört zu jener Gruppe jüdischer Publizisten, die östliche und westliche Bildung vereinigten und so — neben der literarischen Befruchtung der aus den Anfängen zu weiteren Horizonten strebenden jungen jüdischen Nationalbewegung — auch ein verbindendes Element zwischen ost- und westjüdischen Kreisen darstellen. Coralnik war eine Bohemien-Natur, aber auch ein Mann von ernsten philosophischen und literarischen Neigungen. Auch in Europa werden viele Freunde, die in der Vorkriegszeit in Wien und Berlin oft mit ihm zusammen waren, den Hingang dieses Menschen, der in seiner Art auch für jene romantische Epoche charakteristisch war, schmerzlich bedauern. Französische Schnötn-Ausgabe Im Verlag der Nouvelle Revue Framjaise in Paris erscheint demnächst ein Teil von Salman Schneurs großem Napoleon-Roman ״Der Kaiser und der Rabbi“ unter dem Titel ״Der Morgen Napoleons“ in französischer Uebertragung. Der gleiche Verlag hat kürzlich Salman Schneurs Roman ״Noah Pandre“ französisch herausgebracht, dessen deutsche Ausgabe zuerst in der ״Jüdischen Rundschau‘‘ erschien.