Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1937)
- Date
- 1937-07-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JODtSCHE RUNDSCHAU Nr. 57, 20. VII. 1937 211 fühlen, daß ihre Arbeit die tatsächliche Grundlage der künftigen jüdischen Volksexistenz geschaffen hat. *׳ Eine andere Anmerkung, die im Zusammenhang mit der mögliehen Gründung eines jüdischen Staates bereits in der Presse aufgetaucht ist, bezieht sich auf die Tatsache, daß auch nach Gründung des Judenstaates viele Millionen Juden in anderen Ländern leben werden, wo sie je nach der staatsrechtlichen Form ihrer Eingliederung bürgerliche Gleichberechtigung genießen, oder überdies noch die Stellung von nationalen Minderheiten haben, oder aber rechtlich sondergestellt sind. Von zionistischer Seite kann zu dieser Frage gar nicht frühzeitig genug eine völlig eindeutige Erklärung abgegeben werden: Juden in anderen Ländern bleiben selbstverständlich Staatsangehörige wie bisher, und sie denken nicht daran, ihre Pflichten gegenüber dem Staate oder die diesem zukommende Anhänglichkeit und Loyalität auch nur im geringsten zu verändern. Der Zionismus hat seit dem Tage seiner Entstehung immer gewünscht, daß Konflikte dieser Art ausgeschlossen bleiben. Tatsächlich kann man feststellen, daß dort, wo die Judenfrage zu offenem Ausbruch kam, nicht der Zionismus Anlaß dazu gegeben hat, sondern entweder die komplizierten ökonomischen und sozialen Verhältnisse, in die die Juden verstrickt sind, oder die gefühlsmäßige Judenfrage, die sich häufig aus der delikaten ku!- turellm Lage der Juden ergibt. Der Zionismus hat, gerade weil er den neuen Versuch eines politischen jüdischen Denkens darstellt, für die aus der Staatsbürgerschaft der Juden sich ergebenden Probleme immer das größte Verständnis gehabt. So wird es auch bleiben. Die Lage der Juden ist allerdings mit der keines Volkes vergleichbar, aber doch gibt es eine große Menge von Beispielen dafür, daß Volkssplitter anderer Völker in einem von einer fremden Staatsnation getragenen Staate als loyale Staatsbürger leben, auch wenn sie mit ihrem Stammvolk durch gefühlsmäßige und kulturelle Bande verbunden sind. Zu diesem in manchen Ländern akuten Problem der Minderheiten hat z. B. in diesen Tagen der ungarische Innenminister aufschlußreiche Worte gesagt. Es gibt in Amerika Iren, Griechen, Italiener tisw., die sich ganz als Amerikaner fühlen und als solche anerkannt sind, und dennoch mit ihren Heimatländern in Verbindung steilen. Die Auslandsgriechcn haben zur Gründung des griechischen Staates und seiner Institutionen materiell weit mehr beigetragen als die armen griechischen Bauern, aus denen auf engem Gebiet s. Zt. dieser Staat gegründet wurde. Hundert Jahre nach der griechischen Befreiung, mit der die Epoche der nationalen Staatsgründuiigen des neunzehnten Jahrhunderts in Europa begann, erleben wir die Ankündigung der Gründung eines Judenstaates, und würden wir in einer anderen Zeit als unserer sorgenvollen Nachkriegszeit leben, dann würde vielleicht eine Welle der Begeisterung große Teile der Welt durchziehen, wie einstmals die schwärmerische Freundschaft für die Grie- Chen. Nationen, die nicht das Glück haben, seit Jahrhunderten auf einem Territorium konzentriert zu leben, unterstehen anderen Regeln als kompakte Nationalstaaten. Der Zionismus wird seinen Wunsch, die Möglichkeit einer Kollision der Pflichten oder der Neigungen von vornherein auszuschalten, mit aller Klarheit zur Geltung bringen; dabei bleibt es die unangetastete Funktion des jüdischen Staates, als Ein w anderungszentrum für Juden, die anderswo nicht leben wollen oder können, zu wirken, eine Bewegung, die von den Juden der ganzen Welt schon im Interesse einer Erleichterung der Judenfrage materiell und moralisch unterstützt werden muß, ebenso wie die kulturelle Verbundenheit der Judenheit mit dem Zentrum in Erez Israel ein unauslöschliches Element des jüdischen Lebens sein wird. Dr. Friedrich Brodnifz verlädt Deutschland Neubesetzungen im JugendausschuB Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände e. V. teilt mit: Dr. Friedrich Brodnitz hat Anfang des Monats, kurz vor seiner Auswanderung, sein Amt als Vorsitzender des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände e. V. jiiedergclegt. Als Nachfolger von Ludwig Tietz hat Friedrich Brodnitz seit November 1933 die Leitung des Reichsaus- Schusses irmegehnbt und in dieser Zeit die Grundlagen für die Gemeinschaftsarbeit der jüdischen Jugend ausgebaut und vertieft. Der Führerrat des Reichsausschusscs hat Friedrich Brodnitz für seine Tätigkeit den Flank der gesamten jüdischen Jugend in Deutschland zum Ausdruck' gebracht. Der Führerrat hat als Nachfolger von Friedrich Brodnitz. zu seinem Vorsitzenden Hans Friedenthal gewählt. In den Führerrat wurde auf Vorschlag der Jüd.-N'at. Jugend ״Herzlia“ (Betar) Josef Fried aufgenommen. Die Geschäftsführurig des Reichsausschusscs der jüdischen Jugendverbände wurde nach dem Ausscheiden von Bruno Sommerfeld durch den Führerrat Hardi Srarsensky übertragen. * Durch die vorstehende Mitteilung erfährt die Oeffentlichkeit, daß Dr. Friedrich Brodnitz Deutschland verläßt. Damit verliert das jüdische Leben eine jener Figuren, die besonders geeignet waren, durch ihre überparteiliche Stellung zusammenhaltend zu wirken und denen ein großer Teil des Verdienstes zuzuschreiben ist, wenn in schwierigen Situationen die deutschen Juden nicht in schroffe Parteigruppen auseinanderfielen, sondern sicli zu gemeinsamer Arbeit vereinigten. Dr. Brodnitz, ein Sohn des im vorigen Jahr verstorbenen Vorsitzenden des Centralvereins, ist aus der C.-V.-Jugend hervorgegangen, bat aber schon zu einer Zeit, als das etwas Ungewöhnliches war, aktives Interesse und Sympathie für die nationaljüdische Bewegung an den Tag gelegt und deren fruchtbare Kräfte erkannt. Zusammen mit seinem Freunde, dem leider zu früh verstorbenen Ludwig Tietz, hat Dr. Brodnitz sich in den Dienst der Palästina-Arbeit und des Keren Hajessod gestellt und später an der Bildung der erweiterten Jewisli Agency mitgearbeitet. In der Gruppe in Deutschland, die hier die Sektion der Jewish Agency für Palästina bildete, hat Dr. Brodnitz seit deren Gründung 1929 eine führende Rolle gespielt, fn vielen Vorträgen und Kundgebungen ist er mit Entschiedenheit für das Palästinawerk eingetreten. Diese seine Stellung machte ihn auch besonders geeignet zum Vorsitzenden des Reichsverbandes jüdischer Jugendverbände, der die Jugendgruppen aller Schattierungen umfaßte. Als 1933 die Reichsvertretung der Juden in Deutschland gegründet wurde, gehörte Dr. Brodnitz zu deren leitenden Beamten und hat auf diesem Posten bis in die letzten Tage gewirkt. Wir sprechen den Wunsch aus, daß Dr. Brodnitz auch an seinem neuen Wohnsitz seine verbindenden Eigenschaften und sein aktives Interesse für Palistina in den Dienst des jüdischen Volkes stellen möge. Kundgebungen und Aeußerungen Dschemal Hussein! spricht in London In London sprach In einer von dem ״Palestine Infor• mation Centre“ veranstalteten Versammlung der Vorsitzende der Arabisch-Palästinensischen Partei (Mufti-Partei), D s c h e - in a I ei H u s s e i n i, über den Teilungsplan. Er erklärte, die Kgl. Kommission nabe die Hauptbeschwerden der Araber damit als gerechtfertigt anerkannt, daß sie das Mandat als undurchführbar bezeichnet und seine Beendigung verlangt habe. Trotzdem wolle man dieses undurchführbare Mandat mit all seinen Konflikten in einem Teil des Landes zu einem Dauermandat machen. Nach dem Teilungsplan gewinnen die Juden den besten Teil Palästinas, die Engländer den Teil, der am meisten verehrt wird, und die Araber verlieren diese beiden Teile, die sie dreizehn Jahrhunderte lang besessen haben. Als Heilmittel für die Uebel der jiidisehen Diaspora schaffe Großbritannien eine arabische Diaspora, denn die verdrängten Araber würden in dem neugegründeten arabischen Staat nicht Platz finde«. Es würde über die Nervenkraft der Araber in Palästina gehen, ruhig von ihren steinigen Bergen zuzusehen, wie die Juden in dem Ueberfluß schwimmen, der gestern noch den Arabern gehörte. Es gebe eine Grenze für die Unterwerfung des Menschen, selbst unter die Bajonette von Großmächten. Die Kgl. Kommission, die nach Palästina gekommen sei, um Mittel und Wege zur Wiederherstellung des Friedens zu finden, dürfte durch diesen Plan die bereits schwierigen Verhältnisse noch schwieriger gemacht haben. Ein Freund des verstorbenen Obersten Lawrence, Colonel S. F. Newcombe, legte einen Gegenvorschlag vor, von dem anzunehinen sei, daß die Araber ihn freundlich aufnehmen würden: danach sollen 1. alle jetzt in Palästina lebenden Juden in dem Lande bleiben und das zahlenmäßige Verhältnis von 30 0,0 Juden zu 70 °/0 Arabern nicht geändert werden; 2. für eine Reihe von Jahren soll das britische Regime nach den im Sudan geltenden Grundsätzen im Interesse der gegenwärtigen Landesbewobner ohne Einmischung von außen fortgesetzt werden; 3. nach dieser Zeit soll eine aut Volksvertretung beruhende Regierung gleich der im Irak unter vollem Schutz der britischen Interessen eingesetzt werden. Nach einigen Jahren, wenn die Stimmung weniger erbittert geworden ist, soll Transjordanien mit Palästina verbunden und das Bevölkerungsverhältnis von 30 °,0׳ Juden und 70 0/0 Arabern auch auf dieses Gebiet ausgedehnt werden, Sympathie~Erklär ung des Maroniteupaftriarchen (Von unserem Berichterstatter) J. K-, London, den 12. Juli Das Oberhaupt der katholischen Maroniten, dessen Gemeinde die Mehrheit der libanesischen Bevölkerung angehört, gewährte anläßlich seines Pariser Aufenthaltes dem Pariser Korrespondenten des ״Jewish Chronicle“ ein Interview. Der Patriarch sprach den Wunsch aus, zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung Palästinas Frieden zu sehen. Der Sekretär des Patriarchen, Mgr. Joseph Rahme, wies auf einen Besuch hin, den Dr. Weizmann kürzlich dem Patriarchen in Paris abgestattet hatte. Der Patriarch sei sich durchaus dessen bewußt, was die christliche Kirche den Juden schulde und wie eng die gemeinsamen Interessen seien. Der Patriarch schätze die Juden als ein fortschrittliches Element und wünsche, daß ihre nationale Identität erhalten bleibe. Auf die Frage, ob die Maroniten Möglichkeiten einer friedlichen Zusammenarbeit zwischen den Juden Palästinas und dem Libanon sähen, erklärte Mgr. Rahme, daß ein blühendes Palästina für den Fremdenverkehr und das Wirtschaftsleben des Libanon von größter Bedeutung sei. Chancellor und Rumbold für Teilung Unter dem Vorsitz des früheren High Commissioner von Aegypten, Lord Lloyd, fand in der ״Royal Central Asian Society“ in London eine Aussprache über den Peel-Bericht statt. Der frühere High Commissioner von Palästina, Oberstleutnant Sir John Chancellor, erklärte, der Vorschlag einer Teilung Palästinas biete die einzige Hoffnung auf künftigen Frieden im Lande und den Eintritt von Zuständen, die eine Selbstverwaltung der Völker Palästinas ermöglichen. Er erwartet, daß die Regierung, so weit es in ihrer Macht steht, entschlossen daran gehen wird, die Vorschläge zu verwirklichen. Wenn Unheil vermieden werden soll, müßten Juden und Araber Opfer bringen und die Vorschläge, wenn schon nicht freudig, so doch resigniert annehmen. Das Mitglied der Kgl. Kommission, Sir Horace Rumbohl, erklärte, die Kommission hätte vor der Frage gestanden, ob England immer wieder Verstärkungen zur Niederschlag ung von Aufständen entsenden solle. Man sei zu dem Schlüsse gekommen, daß ein Ausweg gefunden werden müsse. Sir Horace wandte sich gegen die Behauptung, daß England bei seiner Verwaltung des Mandats versagt habe und ein anderer Mandatar sich besser hätte bewäliren können. England habe sein Möglichstes getan. Es sei zu hoffen, daß die Vorschläge der Kommission zum Frieden führen und die beiden Völker sich vielleicht einigen und zu ihrem gemeinsamen Wohl Zusammenarbeiten werden. Vorschläge von Dr. Magnes ״Zeitlich begrenzte Abmachungen“ Der Präsident der Hebräischen Universität Jerusalem, Dr. Judah L. Magnes, hat der ״New York Times“ eine eingehende Aeußerung über die Möglichkeit einer Lösung des Pa! ä sti n a - P ro b 1 e in s zur Verfügung gestellt. Er bestreitet die Richtigkeit der Annahme der Kgl. Kommission, daß nur noch die Teilung des Landes als Ausweg aus einer unhaltbar gewordenen Situation übrig bleibe und schlägt an Stelle einer Lösung ״für immer“ zeitlieh begrenzte Abmachungen zwischen Juden und Arabern vor. Dadurch soll schrittweise die Grundlage für das künftige Zusammenleben der beiden Völker geschaffen werden. Aufgabe der Mandatarmacht müßte es sein, die Vorbedingungen für solche auf Grund ״freier, offener Verhandlungen“ zu schließende Abmachungen herzustellen. (Einzelheiten dieses Vorschlages werden wir noch wiedergeben.) 46״ % Araber“ In einer Zuschrift an den ״Jewish Chronicle“ weist der Rechtsberater der Jewish Agency, Leonard Stein, auf einige wichtige Punkte in den Vorschlägen der Kgl. Kornmission hin. Von der auf 400 000 Seelen geschätzten jüdisehen Bevölkerung fallen für den geplanten Judenstaat die 75 000 Juden in Jerusalem fort. Haifa, Akko, Tiberias und Safed bleiben ״eine Zeitlang“ unter Mandatsverwaltung. In diesen Städten leben 58 000 Juden. Jaffa, das arabisch wird, hat eine jüdische Bevölkerung von 8000 Seelen. Es sollen somit 37 0/0' der jüdischen Gesamtbevölkemng entweder außerhalb des jüdischen Staates bleiben oder wenigstens für eine Zeit außerhalb seiner Verwaltungshoheit. Damit bleiben für den Judenstaat rund 259 000 Juden neben einer arabischen Bevölkerung von 225000 oder 46 ״'*). Von einem späteren Bevölkerungsaustausch zu sprechen, scheine unangebracht, wenn 225 000 Arabern im jüdischen 1250 Juden im arabischen Gebiet gegenüberstehen. Schließ• lieh weist Leonard Stein auf die ungünstigenOren« zen hin. Im Süden stelle das geplante jüdische Gebiet einen Ung eh schmalen Korridor dar, der an manchen Stellen kaum 20 Meilen breit ist, eingeengt zwischen dem Meer und dem in fremdem Besitz befindlichen beherrschenden Bergland, ״Das Steuer herumwerfen“ Die Zeitschrift ״Great Britain and the East“ nennt den Vorschlag der Kommission eine epochemachende Ent- Scheidung. Ebenso sei die englische Regierung zu beglückwiinschen, die kühn genug war, die Empfehlungen der Kommission anzunehmen, Es sei heute leicht zu sagen, daß niemals eine palästinensische Nation aus Juden und Arabern entstehen könne; aber wenn daran erinnert werde, wie oft Sprecher der verschiedenen englischen Reicrungen im Parlament und vor dem Völkerbund erlärt haben, daß die jeweiligen Versprechungen an die Araber und Juden nicht unvereinbar miteinander seien und daß die Aussöhnung nur eine Frage der Zeit sei, so wird man verstehen, daß beträchtlicher Mut dazu gehörte, so vollständig das Steuer herum zu« werfen. Die englische Regierung habe sich jetzt entschieden und könne nicht mehr zurück. Noch stünden vor ihr verschiedene Schwierigkeiten: das Parlament, die Mandats-Kommission, der Völkerbund. Auch bedürfe der ganze Plan natürlich der arabischen und jüdischen Mitarbeit. Welche Zeit bis zur Gründung der neuen Staaten in Palästina vergehen werde, sei schwer zu schätzen; es könne drei Jahre dauern. In der Zwischenzeit wird das Land mit fester Hand verwaltet werden, und möglichst in Uebereinstimmung mit den Empfehlungen der Kommission« Weitere Pressestimmen Am 18. Juli ist gleichzeitig in dem Londoner ״Sunday Express“ und in dem Nevv-Yorker ״Journal-American“ ein Artikel Lloyd Georges erschienen, der den Bericht der Kgl. Kommission und seine Schlußfolgerungen auf das entschiedenste verurteilt. Der Palästina-Bericht, schreibt Lloyd George, ist das klägliche Ende eines der schöpferischsten und verheißungsvollsten Experimente, die durch den Weltkrieg ermöglicht worden sind. Die beiden Londoner Wochenschriften ״New States« man and Nation“ und ״S p e c t a t o r" begrüßen den Teilungsvorschlag der Kgi. Kommission. ״New Statesman and Nation“ betont, daß der arabische Nationalismus tiet eingewurzelt und weit verbreitet ist, so daß nicht angenommen werden könne, daß er schnell zusammetigebrochen wäre, wenn England eine feste Hand bewiesen hätte. Vom britischem Standpunkt aus sei die Teilung mit allen ihren Mängeln die fairste und hoffnungsvollste Art, die in Palästina sorglos übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. ״Spectator“ nimmt die Palästina-Regierurig gegen den Vorwurt der Partei- Iichkeit in Schutz und ist der Ansicht, daß die amerika» nische Regierung sich von der amerikanischen Judenheit nicht dazu bewegen lassen wird, einen Druck gegen die Annahme des Berichtes auszuüben. Zum Schluß wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die britische Regierung auch weiterhin die Verantwortung dafür übernehmen wird, daß der neue Bau feste Grundlagen erhält. ״E v e n i n g Standard“ berichtet, die Palästina-Verwaltung habe der britischen Regierung eine Denkschrift überreicht, in der an den Vorschlägen der Kgl. Kommission scharfe Kritik geübt wird. Insbesondere werde da- J’ " " ''' " ' - .- Wauchopes und seiner Kollegen stützten sich aut die von ihnen erwarteten Schwierigkeiten einer Ueberführung eines großen Teiles der arabischen Bevölkerung aus Galiläa nach Transjordanien und auf die eindringlichen Vorstellungen der Herrscher der arabischen Staaten. (Die Nachricht ist mit Vor« sicht aufzunehmen — Red.) Die Polnische Telegraphen-Agentur meldet aus Jerusalem, in arabischen Kreisen herrsche die Ueber- Zeugung, daß nach der Annahme des Teilungsplanes durch Araber und Juden die Frage der Vereinigung Palä* stinas und Transjordaniens mit Syrien aktuell werden wird. Es sei zu erwarten, daß dieser Plan dazu benutzt werden wird, arabische Gebiete für das jü» d i s c 11 e Territorium als Kompensationsobjekt zu erlangen. Der vor einigen Wochen in London unterbreitete Plan des ägyptischen Regenten Muchamed Ali über einen Zusainnienschluß von Palästina mit Syrien soll schon vorher die Zustimmung Englands erhalten haben und auch Frankreich soll über ihn informiert worden sein. Die Londoner ״Times“ berichtet auch, daß ein Punkt, gegen den sich die Hauptopposition der Juden richtete, die vorgesehene Regelung der Jerusalem-Frage ist. Der Berichterstatter erwähnt in diesem Zusammenhang die Vor« schlage, die diesbezüglich einer Korrektur dieses Punktes gemacht wurden, insbesondere der westlichen Vor« orte Jerusalems an den jüdischen Staat, ferner die Ver• Wandlung des jüdischen Viertels der Altstadt auf dem Zions« berg mit der Klagemauer in eine religiöse Stiftung, die der Verwaltung des Judenstaates unterstellt wird. An dieser Stelle, so meint das Blatt, könne später einmal wieder der Tempel aufgebaut werden. Diese Aussicht mache zwar Eindruck auf die orthodoxen luden, den modernen luden aber liege das Schicksal der Universität auf dem Skopus mehr am Herzen. Der Korrespondent führt als einen Gesichtspunkt von praktischem Gewicht die Tatsache an, daß durch die Abtrennung der 70 000 Juden Jerusalems der künftige jüdische Staat einer wesentlichen Steuer« quelle beraubt wäre. In einer Zuschrift an die ״Times“ spricht Albert M. Hy• amson (ein englischer Zionist, der viele Jahre Beamter der Palästinaverwaltung war) die Meinung aus, daß unter der Drohung der Zerreißung des Landes doch noch ein modus vivendi zwischen den gemäßigten Gruppen der Juden und Araber gefunden werden könnte. Er schlägt daher vor, die endgültige Teilung sechs Monate aufzuschieben, um Juden und Arabern die Möglichkeit der Verhandlungen über eine Verständigung zu bieten. HaupUchriftleiter: Dr. Robert Weltsch, Berlin - Charlottenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter« Kurt Loewtauein. Berlin \V 15. Anzeigenleiter und verantwortlieh iiir den Inhalt der Anseigen: Hermann F i n n, Berlin VV 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 6 vom 1. April 1930. Verlag und An- «igenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinelcestr. 10. D.A. 11/1937 30 310. — Druck; Siegiried Schalem, Berliu-Schäncbcxg.