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Jüdische Rundschau · 1937-07-20 · Heft 57 (20.7.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 57 (20.7.1937)
Date
1937-07-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ל33ז 7 27 Nr. 57 / Jahrgang 42 frei• 25 RpE JÜDISCHE RUNDSCHAU Sd!fiftl«it1u1g,V«rU2 n, AnxelgenverwaHang! Berlin W15, Melneke5tr.lt Ptrareft 919031, Telegramm-Adresse* Orjjhlp. * Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 b*w. RM 5,39. — Postschrdc - Konten der Vertriebs - /Steilung: Berlin 71573 (für Croß Berlin), Berlin 1739?. (für das übrige Reith). In Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebuhren, — Erscheint jeden Dienstag and Freitag. BERLIN י״ב אב תרצ״ז DIENSTAG, 20. JULI 1937 Gültig 1 Anssigenpreisllste Nr. 5• Die 12 gespaltene mm •Zeile 20 Rpf., für Familien Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet Gelegenheit»• anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck •Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. Armahmeschluß für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die F rcitag ־ Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien •Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das indische Volk die Schaffung einer Öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Zwei Anmerkungen Palästinas Hauptindustrien Generalversammlung der Palestine Electric Corp. In London wurde am 15. Juli die 14. ordentliche General- Versammlung der ״Palestine Electric Corporation“ abgchaltcn. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Viscount Samuel, gab bekannt, daß die Rechte, die die Corporation auf Grund der mit Zustimmung der Mandatarmacht erteilten Konzession erworben hat, in vollem Umfange gewahrt werden würden, welche politischen Aendcrungen immer eintreten sollten. Viscount Samuel erklärte, er wolle davon absehen, bei dieser Gelegenheit einen allgemeinen Uebcrblick über die Lage in Palästina zu geben. Es müsse jedoch festgestellt werden, daß in dem Bericht der Kgl. Kommission empfohlen wird, daß ״im Falle der Teilung die von der Palästina-Regierung geschlossenen Verträge über die Ent- Wicklung und Sicherheit von Industrien von den Regierungen des arabischen und jüdischen Staates übernommen und durchgeführt werden sollen. Diesbezügliche Garantien sollen in den Verträgen geleistet werden." Das Direktorium der Gesell- Schaft werde nach genauem Studium des Berichtes in jenen Teilen, die die Korporation betreffen, der Regierung Vor- Stellungen über gewisse besondere Punkte unterbreiten. Lord Samuel wandte sicli sodann der Besprechung des Geschäftsberichtes für das abgelaufene Jahr zu. Er wies darauf hin, daß trotz der ernsten Unruhen ein ununterbrochener Aufschwung der Geschäftstätigkeit zu verzeichnen war. Das Bestreben, den Strompreis nach Möglichkeit herabzusetzen, habe zu einem dauernd ansteigenden Verbrauch geführt. Die abgegebene Strommenge sei gegenüber dem vorangegangenen Jahr um 30 "0, die Bruttoeinnahme um 19 ״» gestiegen. Die Betriebskosten seien dagegen noch etwas stärker gewachsen, hauptsächlich wegen der Trockenheit, durch die die Leistung der Wasserkraftstation herabgesetzt wurde, so daß die mit Brennstott betriebenen Kraftwerke in stärkerem Maße zur Stromerzeugung herangezogen werden mußten, was mit größeren Kosten verbunden war. Die Unruhen erforderten ferner be- -sondere Ausgaben in der Höhe von 17 078 Pfund zu Lasten der Aktienprämien-Reserve. Die Amortisations-Reserve beträgt jetzt 366 854 Pfund. Der Reingewinn im abgelautenen Jahre betrug 272 20S Pfund, hierzu kommt der Gewinnvortrag aus dem vorangegangenen Jahre in der Höhe von 26 353 Pfund. Nach Vornahme der notwendigen Abschreibungen und Zuführung entsprechender Beträge an die Reservefonds empfiehlt das Direktorium die Ausschüttung einer 5״<>igen steuerfreien ,Dividende, was einschließlich der bereits ausgezahlten’ Zwischendividende eine 7V2 "׳!ge V e r - z i n s u n g bedeutet. Von dem Reingewinn werden 24240 Pfund auf neue Rechnung vorgetragen. Neuinvestitionen Es wurden 1936 Neuinvestitionen im Betrage von 407 593 Pfund vorgenonuneu, und zwar für Boden, Gebäude und andere Immobilien 81 220 Pfund, für Anlagen und Maschinen 456 390 Pfund und für das Leitungsnetz 160 280 Pfund. Die Erweiterung des Kraftwerkes in Haifa ist im letzten Jahre beendet worden; zwei neue Dampfkessel werden jetzt aufgestellt. Die Arbeit an dem Reading-Kraftwerk nürdlieh von Tel Aviv wurde am 16. April begonnen und geht Gegen die Einmengung des Irak Entschiedene Abwehr in der ״Times“ Die ״Times“ wendet sich in einem Leitartikel scharf egen die Erklärung des Ministerpräsidene n vom Irak, in der die Vorschläge der Kgl. Kommission angegriffen weiden und die Meinung geäußert wird, daß kein arabischer Herrscher die Regierung des geplanten Araber- Staates in Palästina übernehmen werde. Es sei zu hoffen, daß die britische Regierung einer derartigen unverantvvortliehen Einmischung des Ministerpräsidenten eines verbündeten Staates keine Ermutigung gewähren wird. Nach der Feststellung, daß die öffentliche Meinung Engfands fast einmütig in günstigem Sinne auf den Bericht reagiert hat, heißt es in dem Aufsatz der ״Times“ weiter: ״Das britische Volk will weder eine Politik der Unterdrück ung befolgen, noch die B a 1 f ou r - De k 1 aration als einen Fetzen Papier behandeln. Der britische Geist ist realistisch genug, um die Gefahren einer Außerachtlassung harter Tatsachen zu erkennen und eine Kompromißlösung zu begrüßen. Es sei zu erwarten, daß im Pariament alle Parteien den Plan billigen werden, so daß der Kolonienminister das ganze Land hinter sich haben werde, wenn er am 30. Juli vor die Mandatskommission tritt. ln derselben Ausgabe verlangt der Jerusalemer Korrespondent der ״Times“ (der schon einige Tage zuvor die Verderbliehe Rolle des Mufti gekennzeichnet hatte, vgl. ״J. R.“ Nr. 56) offen die ״Liquidierung des Einflusses des Mufti“. Es übe eine lähmende Wirkung aut die arabische öffentliche Meinung Palästinas aus, daß der Mufti noch immer im Amt ist, von dem High Commissioner zu Rate gezogen wird, über die Mittel des Obersten Moslemischen Rates verfügt und die während des Streiks im letzten Jahre eschaffene Propaganda-Organisation leiten kann. Es bestehe ie Gefahr neuer Unruhen, und kein arabischer Politiker werde es wagen, einen Vertrag zu unterzeichnen, der die Teilung anerkennt, solange der Mufti seinen Einfluß weiter ausüben kann. Es empfehle sich daheT die Auflösung des Obersten Moslemischen Rates und die Beseitigung des Mufti. Der Korrespondent bezeichnet es als die bedeutungsvollste Tatsache der Situation, daß die Regierung nicht prompt die Andeutungen der Peel-Kommission in bezug auf schnell vorwärts. Wenn sich nicht ernste Schwierigkeiten bei der Lieferung von Material und Maschinen ergeben, ist zu erwarten, daß mit der Einrichtung der Kraftstation im kommenden Monat begonnen und sie Anfang des nächsten Jahres betriebsfertig sein wird. Nacl! der Fertigstellung des Reading- Kraftwerkes wird die Produktionsstärke sämtlicher Stationen 77 000 Kilowatt betragen. Lord Samuel schlug im Interesse des notwendigen Ausbaues der Kraftwerke eine Erhöhung des Gesell- Schaftskapitals von 2 500 000 auf 4 000000 Pfund durch eine neue Aktien-Emission vor. Zum Schluß stellte er fest, daß in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres eine Fort- Setzung der günstigen Gcschaftsentwickhing des vergangenen Jahres festzustcllcn war. Die bisherige gedeihliche Entwichlung werde zweifellos in vollem Umfange anhaltcn, wenn normale friedliche Verhältnisse herrschen. Berichte und Bilanz wurden von der Generalversammlung einstimmig genehmigt. Die ausscheidcnden Mitglieder des Direktoriums, Lord Mclchett und Edward S. Baron, wurden wicdergcwählt. ln einer unmittelbar im Anschluß abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung wurden die Kapitalserhöhung von zweieinhalb Millionen aut vier Millionen, sowie einige geringfügige Aenderungeii des Gesellschaftsstatuts einstimmig genehmigt. Besserung: bei Palestine Potash Verluste abgedeckt Der Jahresbericht der Palestine Potash Comp a n y stellt eine Erhöhung des Bruttogewinns von 36 851 aut 59 267 Pfund im vergangenen Jahre fest. Diese Erhöhung ist einerseits auf die wesentliche Vermehrung der Quantität und des Wertes der von der Gesellschaft verkauften Produkte, andererseits auf die Besserung der Kalipreise zurückzuführen. Sämtliche Aufträge konnten zufriedenstellend ausgeführt werden, wenn auch der Gewinn durch die Unruhen des vergangenen Jahres einigermaßen beeinträchtigt wurde. Der Reingewinn beträgt 26 880 Pfund und wird zum Ausgleich des gesamten Verlustes von 25964 Pfund der letzten drei Jahre verwendet werden. Die Bilanz für 1936 zeigt eine wesentliche Vergrößerung der technischen Anlagen. Menge und Qualität der Produkte aus der Raffinerie am Nordufer des Toten Meeres sind gestiegen. Verbesserungen führten zu einer Kostensenkung. Die Erweiterung der Anlagen am Südufer macht befriedigende Fortschritte. Im laufenden Jahre werden rund 100 000 Tonnen Rohkaiisalze, die 1936 gewonnen wurden, der Produktion zugeführt werden. Der palästinensische Bromsalz-Export betrug im abgelaufeneii Jahre 478 Tonnen im Werte von 35 097 Pfund gegenüber 403 Tonnen im Werte von 18 751 Pfund im Jahre 1935. Der Kali-Export ist mengenmäßig von 18 000 auf über 23 000 Tonnen, dem Werte nach von SO 000 aut 133 000 Pfund gestiegen. Diese Ziffern spiegeln nicht die Gesamt- Produktion der Gesellschaft wider, kennzeichnen jedoch die erhöhte Produktion des Jahres 1936. den Mufti, den diese die ״dritte Regierung Palästinas“ nennt, aufgenommen und demgemäß gehandelt hat. Die Redaktion der ״Times“ unterstreicht in ihrem ausführlichen Leitartikel gleichfalls diesen Tadel. Der Korrespondent fugt noch hinzu, daß die Behörden zwar ein wachsames Auge aut den Mufti haben und bereit sind zu handeln, wenn er den leisesten Anlaß hierfür geben sollte; aber der Mufti, der überaus schlau ist, wird sich hüten, die Grenzen zu überschreiten. Es gäbe zwar starke Vorsichtsmaßnahmen zur Aufreciiterhaltung der Sicherheit, aber dies hindere nicht eine intensive und skrupellose unterirdische Propaganda der Araber, die auf die Behauptung hinausläuft, daß die darin enthaltenen Versprechungen, ״wie alle britischen Versprechungen“, eitel seien, daß der Emir Abdu 11 ah von den Engländern und Juden gekauft sei und daß die englische Aufsicht über die Heiligen Stätten nur ein Vorwand sei, sie schließlich den Juden auszuliefern. Die Bagdadcr nationalistische Zeitung ״Istiklal“ erklärt, wenn sich eine ״niedrige Kreatur“ finden sollte, die den Thron Palästinas annimmt, werde sie es mit den Arabern zu tun bekommen. Dieselbe Zeitung berichtet, daß die Geistlichkeit Iraks sich auschickt, einen religiösen Bann über jeden Mohammedaner auszusprechen, der sicli bereit erklären sollte, den Thron Palästinas zu besteigen. (Der palästinensische Delegierte Auni Abdul Hadi befindet sich in Bagdad. Vgl. dazu S. 6 — A. d. R.) Demonstration in Bagdad Bagdad, 18. Juli. (JTA.) 50 000 Araber aller Schichten und Stände demonstrierten am 16. Juli in Bagdad gegen die vorgeschlagene Teilung Palästinas. Im Zuge wurden Transparente mit antijüdischen Aufschriften und Texten, In denen die englische Politik verurteilt wird, mitgeführt. Die Geschäfte der etwa 60 000 in Bagdad lebenden Juden waren seit dem frühen Morgen geschlossen. Um ernste Zwischenfälle zu vermeiden, hat die Regierung einen D e me n s t r a t ion s 1. u g im jüdischen Viertel verboten. Der Premierminister erließ einen Aufruf an die irakische Nation, bei den Demonstrationen Disziplin zu bewahren. Der Pofizeichef von Bagdad hat das Tragen von Waffen auch für diejenigen Personen verboten, die sonst dazu berechtigt sind Alle jüdischen Gedanken kreisen in dieser Zeit um den Peel-Bericht und das Schicksal Palästinas. Sämtliche jüdischen Zeitungen erörtern die damit zusammenhängenden Fragen, alle anderen Angelegenheiten sind weit in den Hintergrund getreten. Wenn man bedenkt, daß der Peel-Bericlit über 400 Seiten enthält und zum ersten Male das festgefahrene Geleise erstarrte Formen verläßt und die Fragen mit Offenheit und Unvoreingenommenheit neu aufrollt, daun begreift man ohne weiteres, daß reichliches Material fiir Diskussionen vorhanden ist. Audi die gesamte nichtjüdische Presse aller Länder fährt fort, sicli mit der Palästina-Frage zu neschäftigen, wobei den Berichten häufig auch eigene Meinungsäußerungeii hinzugefügt werden. In E n g I a n d Hat sich in der maßgebenden Presse mit einem Schlage ein Umschwung vollzogen. Während man bisher Jahre hindurch immer wieder betonte, daß das Mandat durchführbar und nur eine Frage der Gedukl und Staatskunst sei, wird jetzt mit aller Entschiedenheit ausgesprochen, daß eine A e 11 d e r 11 ti g der bisherigen Regierungsform u »ver m eidlich ist, und die Presse drängt auf möglichste Beschleunigung dieser Aenderungeri, denn je länger man wartet, um so verwickelter werde die Sache werden. Kommenden Mittwoch wird Palästina im eng- I i s c 11 en 1י a r 1 a m e n t behandelt, und nur zehn Tage später tritt bereits der Kolonialminister vor die Mandatskommission in Genf. Die englische Regierung verfolgt entschlossen den einmal ei 11 geschlagenen Kurs. Abgeselien von dem Prinzip der Teilung, zu dem die Argumente oft genug vorgetragen worden sind, drängen sicli auch andere Gedanken auf. Es mögen hier mir zwei Anmerkungen folgen. Die eine bezieht sieh auf die Grenzzieh.ung des vorgeschlagenen Judenstaates. Den Kern des jüdischen Gebietes bildet das, was die Juden bereits an Siedlungen im Lande besitzen; durch die unvermeidliche Abrundüng wird dann auch nichtjüdisches Land umfaßt. Man muß sich erinnern, daß dies itn Widerspruch stellt zu den urspriinglichen jüdischen Anschauungen bei Beginn der zionistisehen Bewegung. Der Zionismus hat Palästina nicht auf Grund bereits bestehender Siedlungen für sich reklamiert, sondern aus dem Grunde, weil das jüdische Volk infolge seiner unhaltbaren Lage unter den Völkern eine Natio• n a 1 e H e i m s t ä t te braucht und weil als Ort einer ״Satnmlung der Zerstreuten“ nur Palästina in Betracht kommt, und zwar einesteils aus historischen und Gefühlsgründen, andererseits weil das Land hei entsprechender Bewirtschaftung genug Raum zu bieten vermag. Viele Zionisten waren — schon vor dem Kriege, aber auch zur Zeit der Balfour-Deklaration vor zwanzig Jahren und später — der Meinung, der Zionismus müsse von jeder praktischen Siedlungsarbeit in Palästina absehen, solange er nicht vollständige politische Garantien, den Charter für einen Judenstaat, erhalten habe. Der Anspruch bliebe also nach dieser Konzeption auch dann aufrecht, wenn die jüdische Siedlung noch nicht begonnen hätte. Realistischere Politiker haben eingesehen, daß keine Zeit zu verlieren ist und daß die politische Situation des Zionismus um so stärker wird, je mehr wirtschaftliche Positionen die Juden im Lande haben und je größer ihre Zahl ist. Besonders nach dem Kriege, als durch den llebergang Palästinas in den englischen Machtbereich eine völlige Reform der Verwaltung gegeben war, schien cs sicher, daß, falls die Juden ausbleiben, andere Elemente von den Positionen l’aiästinas Besitz ergreifen werden und daß auch die einheimische Bevölkerung unter dem Einfluß der englischen Erziehung rasch zu nationaiem Bewußtsein aufsteigen wird. Im Verlaufe der letzten zwanzig Jahre ist öfter von jüdischen Politikern, die sicli für besonders radikal hielten, eine Art ״nrm-cooperation“ mit England, d. h. eine Verweigerung der Zusammenarbeit mit der Mandatarmacht und Einstellung der jüdischen Aufbauarbeit, empfohlen worden. In diesem Falle wäre im heutigen entscheidenden Moment die jüdische Siedlung noch klciner als sie ist. Auf der anderen Seite muß man sicli vorstellen, welches Ergebnis erzielt worden wäre, wenn wirklich das gesamte jüdische Volk seine Kräfte auf den Aufbau des Nationalheims konzentriert hätte. Große öffentliche jüdisclie Gelder wurden zum Teil für Zwecke ausgegeben, die sich als völlig ephemer erwiesen, ganz zu schweigen von privaten jüdischen Geldern, die für Zwecke ausgegeben wurden, durch die der Geber manchmal nur innerhalb einer nichtjüdischen Umwelt seine Eitelkeit befriedigen wollte. Hätten diese jüdischen Kapitalien bei Bodenkauf und Landesentwicklung Palästinas stärker mitgewirkt, dann wäre jetzt auch das Gebiet des Judcnstaates anders bemessen worden, und auch die Araber hätten davon gewiß keinen Schaden gehabt. Schon 1920 ist bei der Abgrenzung Palästinas gegen Syrien auf die nördlichen jüdischen Kolonien Mctuila und Kfar Giladi Rücksicht genommen worden, ähnliche Motive können wir heute beobachten, und der Ausschluß der wenigen unmittelbar an der Grenze jenseits des Jordans gelegenen Siedlungen (Däganiah und andere) ist ein bedauerliches Ab• weichen von diesem Grundsatz — diktiert vielleicht von dem Wunsche, wenigstens irgendwo auch kleine jüdische Enkiaven im arabischen Gebiet zu lassen (insgesamt 1250 Seelen), da doch 225 000 Araber in dem vorgeschlagenen jüdischen Gebiet leben. Die Grenzziehung beruht also den Juden gegen* über ungefähr auf dem Prinzip der tatsächlichen Besiedlung, den Arabern gegenüber aber nicht. Für die Menschen, die mit ihrer Hingabe und ihrer Arbeit den jüdischen Boden wieder urbar gemacht und im Bewußtsein eines höheren historischen Sinnes besiedelt haben, wird es eine große Genugtuung sein,

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