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Jüdische Rundschau · 1937-07-16 · Heft 56 (16.7.1937) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 56 (16.7.1937)
Date
1937-07-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÖDISCHE RUNDSCHAU Nr. 56, 16. Vll. 1937 Die Diskussion beginnt Von unserem palästinensischen Korrespondenten Von der Woche Die Verteilung der Kongreßmandate in Palästina hat bei der endgültigen Festsetzung eine kleine Veränderung gegenüber der in der vorigen Nummer veröffentlichten Nachricht erfahren. Es entfallen auf die Arbeiter• partei 85, Misrachi 5, Judenstaatspartei 1, Weltverband Allgemeiner Zionisten (Ciruppe B) 7, Jemeniten 2, Poale Misrachi 13, Wdtvereinigung Allgemeiner Zionisten (Gruppe A) 4, Progressive (Kidnia) 5 Mandate. Es wurden insgesamt 117 4SI) Stimmen abgegeben, d. h. 83 0׳״ der Schekelzahler. Einem Berichte des ״Felestin“ zufolge soll der s y - rische Ministerpräsident erklärt haben, daß die Stellungnahme Syriens zum Vorschläge der Teilung Palästinas nach Beratung mit der französischen Regierung bekanntgegeben werden werde. ״Felestin“ meldet, daß ein Prediger, der in der Jaffaer Moschee gegen die Teilung und gegen den Emir Abdullah aufgetreteu ist, für drei Monate ausgewiesen wurde. Die ägyptische Presse erklärt, daß die Mehrheit der englischen hohen Beamtenschaft in Palästina gegen die Teilung sei. ״Do r M a i 0111“ (nicht zu verwechseln mit ״Doar Haiom“). e il eigens zu diesem Zwecke von der Gruppe ״B n e i Benjamin“ (Organisation der in Palästina geborenen Pflanzersöhne) in Nathania unter Schriftleitung von Ittamar Ben-Avi herausgegtihenes Eintagsblatt, begrüßt freudig den vorgeschlagenen Judenstaat. Die Teilung des Landes eröffne die Aera des dritten Judäa. Dies sei der größte Augenblick* in der Geschichte Israels seit Zerstörung des Tempels. In den Bergen um Nablus werden die Militärmanöver fortgesetzt und Befestigungsarbeiten durchgeführt. Die arabische Zeitung ,,Felestin“ rechnet sieb aus, daß die Juden fünf Millionen Dtmam von i n s g e - samt zw ö I f M! 11 io n e!1 kuit.vie; barem Boden in Palästina erhalten würden, den N'egew ausgeschlossen, während das britische Mandatsgebiet eine Million Dtmam Boden enthalten wird. Der Landes!at des ״Haschonier ilazair“ hat in einer in Haifa abgehulteiien Sitzung beschlossen, sich jedem Tei- 1 u 11 g s v o r s c 11 iag / u w i d e r s e t / e 11 und die Exekutive autzufordern, m keinerlei Verhandlungen einzutreten, die eine Aufteilung Palästinas zur Grundlage haben. Als Vertreter des Jiscliuw (Waad Leumi) bei der Tagung des Council der Jewish Agency in Zürich sind die Herren i)r. Abraham Katzenelson. Berligne, Rabbi Ostrowsky, Smilanskv, l)r. Thon und Dr. Eliasch gewählt worden. In der ״Offidal Gazette“ wurde ein Bcschlufl der Generalversammlung der Pa I e s t i n e Jewish Colonisation Association (Pica) veroffentiieht, demzufolge der § 34 der Gesellschaflsstatutcn dahin abgeändert wird, 'daß dem gegenwärtigen Vorsitzenden James Etlmond de R o 111 - schild (dem Sohn des Gründers der Pica, Baron Edmond) dieses Amt auf Lebenszeit verliehen und ihm das Recht gegeben wird, seinen Nachfolger für den Lall des Todes oder des Rücktrittes zu bestimmen. Unter den 68 jüdischen Prüfungskandidaten, die im Juni zur Advokatur zugelassen wurden, befinden sich auch sechs F r a 11 e n. Bekanntlich war die erste Frau, die in Palästina das Recht zur Advokatur nach langem Kampf erlangte, Frau Rosa Ginsberg, Mitglied der Pal. Wizo-Exekutive. Im Norden Tel Avivs wird demnächst ein aus 2'X) Häusern bestehendes neues Viertel für Hafenarbeiter errichtet werden. Die Kosten, die auf £ 40 000 geschätzt worden .sind, werden von der Jewish Agency und der Bizur- Gesellschaft gemeinsam getragen werden. Während der gegenwärtigen Pflanzungs-Saison sind auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds 500000 Bäume neu gepflanzt worden Insgesamt sind jetzt ca. 900׳ Dunam Boden des Keren Kajemeth bewaldet. Während der Unruhen sind von arabischen Terroristen mehr als 50 000 Bäume ausgerodet worden. In der Kolonie Rasch P i 11 a hat der vor drei Jahren aus Deutschland eingewanderte Arzt I)r. Sallv A noch, der als provisorischer Krankenkassenarzt beschäftigt war, Selbstmord durch Gift begangen. I )r. Anoch, der 45 Jahre alt geworden ist, hinterläßt eine Witwe und ein Kind. Zu der Notiz ״Emir Abdullah lobt den Zion i s m 11 s“!11 Nr. 50 der ״Jüdischen Rundschau‘• teilt uns Herr Maurice Bernstein in I s t a!1! b u I mit, daß die Quelle insofern irrtümlich angegeben ist. als der Emir ihm als Vertreter der jii'li.eheii Zeitung ״L’Aurure“ in Kairo die Erklärungen abgegeben hat. Frauen beraten Im Juni wurde in N a! 11 a!1 i a eine Rat-Sitzung (Moazah) der Vertreterinnen der 25 Ortsgruppen der palästinensischen Föderation der Wizo (Histadrutli Naschim Zionioth) abgehalten, um sich über den Stand der Arbeit und die Forderunren der Föderation an die bevorstehende Konferenz der Weltorganisation Rechenschaft zu geben. Diese interne Zusammenkunft gestaltete sieh durch den Besuch vieler Gäste und durch einen glänzenden öffentlichen Eröffnungsabend zu einer eindrucksvollen Demonstration. Die Berichte bewiesen das Verständnis der Frauen für die sozialen Probleine ihrer Gemeinden und ihre ansehnlichen Leistungen. Sie mündeten alle in die Erkenntnis, daß ״die Stärkung des Merkas“, der Zentrale, das Schlagwort der nächsten Arbeits- Periode werden muß. — Die Formulierung der Organisation«- Probleme am Erölfnungsabend war interessant und gchaltvoll. Als ״das Streben nach einem Gemeinwesen, das auf Gerechtigkeit, auf messianischeti Begriffen aufgebaut ist“, bezeichnctc sie Miß S/old, die vor etwa 2(1 Jahren die jüdischen Frauen Palästinas zur sozialen Arbeit organisierte und bis heilte ihre Wegweiserin ist. — ״Als Dienst an der Nation“ umschrieb Frau Esther Smoira, die Vorsitzende der Landesföderation, deren Sinn. Imposant war ihre Dar- Stellung der Arbeit und des Standes der Föderation: 57 soziale Institutionell, 7 09 Mitglieder, ein Budget von CP 18000 (inkl. verschiedener Subventionen von seiten der Welt-Wizo, anderer öffentlicher Stellen und der Gebühren der Nutznießerinneii der Anstalten). Die Darstellung, die Frau Hadassah Samuel, die Vorsitzende der palästinensischen Wizo- Exekutive, von den vielscifgen Leistungen der Weltorganisation im Lande gab, ergänzte das Bild der schöpferischen Anteilnahme der Frau am Aufbau von Ercz Israel. — Die Debatte wurde durch sechs Referate eingeleitet: lieber die Ideologie der Organisation sprach Frau Regina Zimmermann; über die Vorschläge an die Weltkonferenz Frau gl., Tel Aviv, 11. Juli 1937 Stille nach der Publikation Die äußerst gespannte Erwartung, mit der Palästina der Publikation des Peel-Berichtes entgegensah, verursachte als erste Reaktion eine auffallende Stille im Lande. Alle Aengste und Vorhersagen, die uns einen neuen Ausbruch nach diesem wicht'g 11 Termin prophezeiten, haben sich glücklicherweise als crs.cs als falsch hcrausgestellt. Es gibt inannigfache Versionen darüber, warum die Araber nach der Veröffent'iclr.“•״ sich nicht rührten und keine neue Welle der Unruhen oder des Terrors über das Land ging. Man spricht von der Scheidung im arabischen Lager als der einen l'rsache• von der Unsicherheit einer faktischen Stützung durch die Nachbarstaaten (trotz des Besuches des Muftis in Syrien) als einer zweiten; schließlich wird — und dieser Punkt muß in seinem Gewicht sehr hoch eingeschätzt werden — darauf hingewiesen, daß dieses Mal die Engländer, sowohl in den Empfehlungen des Berichtes, in der Regierungserklärung als auch in den Aeußerungcn der Administration hier keinen Zweifel darüber gelassen haben, daß eventuelle Unruhen mit allen Mitteln sofort unterdrückt werden würden. Und man nimmt überall im Lande an, daß es London und Jerusalem dieses Mal mit dieser Erklärung durchaus ernst ist. Die Stille nach der Publikation zeigte sich nicht nur in dem Fehlen von Kugeln und Bomben. Sic manifestierte sich auch in der Nachdenklichkeit der Bevölkerung, die mit sehr viel Aufmerksamkeit die Radionnchrichtcn, mit großem Interesse die Rede von Peel hörte lind sich nicht dazu entschließen konnte, sofort Partei zu ergreifen, sondern wirklieh eine Prüfung der vorgesdilagcnen Maßnahmen vornahm. Erst nach und nach kommen die Diskussionen in Fluß, sie ändern sich dauernd in ihrer Problemstellung. Die Menschen denken nach und warten auf die Aeußerungen der Führung. Die intellektuellen Kreise des Jiscliuw wandern mit dem Blaubuch unter dem Arme herum, prüfen Einzelheiten, wägen Möglichkeiten. Die Diskussion beginnt Noch hat ein großer Teil den Bericht der Kommission, der in seiner Ausführlichkeit und seiner Fü'le von Material genaues und langes Studium verlangt, nicht zu Ende gelesen, aber die Zeit drängt, die Beratungen müssen beginnen, denn bald verlassen die Delegierten und mit ihnen viele andere das Land auf dem Wege zum Kongreß. Als erste hat die Arbeiterpartei (Mapai) ihre Delegierten zu einer Moazah (Parteiral) zusaminenbcrufen. Andere Gruppen folgen nach und stufenweise intensiviert sich die Diskussion. Die Moazah der Arbeiter begann mit einem ausluhr’iclien Referat von Schcrtok, der seit etlichen Jahren für das politische Departement in Jerusalem verantwortlich zeichnet, und einem sehr langen Briet von Beil Gurion, der aus London seine Stellungnahme zu den Problemen mitteilt. Die Sitzungen sind geschlossen, und die Oeffeutlichkcit wird nur durch lakonische Bulletins unterrichtet. (Inzwischen wurde der Be- Schluß der Moazah veröffentlicht, vgl. S.9 — A.d. Red.) Aus der Art der Debatten ergibt sich eine doppelte Notwendigkeit; die Führung muß dafür sorgen, daß das Publikum die Dinge in ihrem ganzen Umfang betrachten kann, ohne Vorurteile nach dieser oder jener Seite, und daß es so rasch wie inöglicli alles Material in die Hand bekommt, um sich ein gesundes Urteil zu bilden. Es gibt nämlieh bereits zwei nebeneinanderlaufende Auscinanelcrsetzungen. Die eine ist prinzipieller Natur und lautet für oder gegen Teilung. Und die zweite Auseinandersetzung, die nicht ohne genaue Kenntnis der bestehenden Vorschläge und aller ihrer Konsequenzen geführt werden kann, fragt: Nanny Margulies; über die Verantwortung der Frauen gegenüber Tozereti! Haarez Frau Rosa Jewnin; über ihre Verpflichtung gegenüber der Erlösung des Bodens Frau Tai her; über den sozialen Gedanken in der Kinderver- Sicherung Herr Muntschik und über die Jung-W'izo Frau Gutt mann. Die eineinhalb Tage wälirende Debatte beschaftigte sich mit Fragen der Stärkung der Organisation. Sie miihte sich um die Erkenntnis neuer Wege zur Hilfe für die Neueingewanderte, zur Arbeitsbeschaffung für die Frau, zur Aufbringung von Mitteln, zum Ausbau der Institutionen, und sie erwartet von der diesjährigen Konterenz eine verständnisvolle Unterstützung. Die Frage der Verbesserung der Tozereth Haarez-Propaganda nahm auch einen großen Raum in der Debatte ein. — Die Resolut i o 11 e n am Schluß der Tagung fanden fast alle einstimmige Annahme. Unter den Beschlüssen seien liervorgehoben: die Forderungen an die Wizo-Konferenz um Bewilligung von Mitteln zur Weiterentwicklung der Organisation der Palästina-Föderation und der Jung-wizo; und um ihr Eintreten für eine Vertretung der Wizo am Zionistenkongreß und Mitbestimmung in den leitenden zionistischen Körperschäften: schließlich um Bewilligung eines Anleihefonds zu konstruktiver Wirtschaftshilfe für die Neueinwandernden; an den Igud Lema’an Tozereth Haarez wurde die Forderung gerichtet um die Vertretung und Mitbestimmung der Frau in seinem Zentralkomitee; an die Nationalversammlung um einheitliche Erziehung der Schuljugend und Einbeziehung der sozialen Fürsorge in ihren Wirkungskreis. Während der Konferenzperiode 1935 37 erhielt die Wizo 320 Zertifikate für Schülerinnen ihrer Anstalten. Von den ״Zertifikats-Mädchen“ stammten 135 aus Polen, 104 aus Deutschland, 21 aus Rumänien, 12 aus Litauen, 9 aus Bulgarien und 26 aus verschiedenen anderen Ländern. 30 «0 der Schülerinnen aller Institutionen waren Palästineuserinnen. Die Mädchenlehrfarmen (Mischkoj Poaloth) sind nicht reine Unterrichtsinstitutionen, sondern auch auf der Mitverantwortung der Lernenden für den möglichsten Ertrag der einzelnen Wirtschaftszweige aufgebaut. Die Bilanzen ergeben, daß die Bruttoeinnahmen für das Jahr 1935:36 (per 30. September) in Ajanoth CP 3560, die Ausgaben £P 2484 betrugen, also ein Ueberschuß sich ergab von CP 1076 zur Ergänzung der Unterhaltskosten der Schiilerinnen und zur Bezahlung der Instruktion. Verteilt auf 66 Schülerinnen ergibt das, daß sie durch ihre Arbeit CP 16,259 des Unterhalts selbst gedeckt haben. Die durchschnittlichen Kosten per Schülerin waren CP 39,750; die Differenz von CP 23,500 wurde durch die Subvention der Wizo gedeckt. Famillen-Nachrlchten. Herr Hermann Gutfeld, Tel Aviv, Josef- Israels-Sti. 6, begeht am 26. Juli den 60. Geburtstag. Teilung, in welchen Grenzen oder welchen Bedingungen? Ein drittes Moment, das sich bereits jetzt aus den Debatten ergibt, ist zweitrangig, aber deswegen doch von äußerster Bedeutung: es ist die Frage der Taktik, die Frage nach dem politischen Wege, auf dem man bestimmte Ziele erreichen kann. Allerlei Kuriosa Während, wie geschildert, die überwältigende Mehrheit mit großer Besonnenheit und Ueberlegung auf den Bericht reagiert, hat es auch nicht an ״sensationellen“ Aeußerungen gefehlt. Hier ist die Stellungnahme Ben Awis für die Teilung zu erwähnen, die in einer speziellen Sonderzeitung verbreitet wurde. Das Blatt begrüßt den Judenstaat, als die Erfüllung der zionistischen Träume und ergeht sich in den weitgehendsten Kombinationen, schreckt nicht einmal davor zurück, das ״erste jüdische Ministerium“ zusammenzustellen. Solche Extratouren werden charakteristischerweise von keiner Seite wirklich ernst genommen, weil das Publikum spürt, daß man die Dinge jetzt nicht ungebührlicherweise simplifizieren darf und daß wir augenblicklich andere Sorgen haben als Ministerien zusammenzustellen. Auch manche Nachrichten aus der Diaspora sind verwirrend. So z. B. berichtete man am ersten Tag, die großen jiidisehen Tageszeitungen in Polen hätten sich (unter bestimmteil Kautelen) für die Teilung ausgesnrochen; am Tage danach wird eine völlige Wendung derselben Presse gemeldet. Es scheint eine Aufgabe der Führung, die Bemühungen um eine Klärung der Situation besonnen fortzusetzen. Die arabische Welt Unter den Arabern scheint die Situation ähnlich zu liegen wie unter den Juden. Auch dort setzt nach und nach die Diskussion schärfer ein, auch dort beraten die verschiedenen Gruppen. Charakteristisch für clie von den Arabern eingescblagene Linie ist das Manifest des Obersten Rates, das sich sofort an die P r i n z e n und Könige der Arabischen Welt wandte, mit der Bitte, in der gegenwärtigen Situation ihre Meinung zu äußern und die palästinensischen Araber zu unterstützen. Hier ist der Wunsch lebendig, ein Gegengewicht gegen die Jewish Agency 2u schaffen und außenpalästinensische K-äfte mit ins Spiel zu ziehen. Freilich haben sich gegenüber dem Vorjahre die Verhältnisse insoweit geändert, daß der Emir Abdullah bekanntlich für den Teilungsplan eintritt und sich auch bereits dazu bekannt hat. Der syrische nationale Block hat seinem Protest gegen die Teilung Ausdruck gegeben; vom Libanon dagegen kommen zustirnmemk׳ F 1;!ärungen fiir die Errichtung des benachbarten Judenstaule . Einen wirklich klaren Eindruck über die Stimmung unter den Arabern nach dem Bericht zu bekommen, ist nicht leicht, sowohl deshalb, weil es nur bis zu einem bestimmten Grade eine freie M e i n u n g s ä u ß e - rung gibt, als auch, weil man von einer fundierten Ein- Stellung dort noch ebensowenig sprechen kann wie bei den Juden. Man erzählt von Zufriedenheit in Jaffa, von positiven Stimmen vor allem unter den Anhängern Abdullahs. Man berichtet andererseits von einer Delegation der Araber im Norden des Landes an den Obersten Rat in Jerusalem, die schwerste Gegnerschaft gegen ihre vorgeschlagene Einbeziehung in den Judcnsta.1t geäußert haben soll. Ohne Frage werden auch unter den Arabern die weiteren Beratungen manches klären. Es ist jedoch bereits als ein großes Plus zu verzeichnen, daß alle diese Diskussionen bisher ohne die Begleitung schwirrender Kugeln und platzender Bomben geführt werden. Die Alijah aus Deutschland und die hebrä sche Sprache Anläßlich des Ersehei um: einer T. •׳eszeitung in deutscher Sprache (Hamaschkif) in Palästina bringt, wie uns aus Tel Aviv geschrieben wird, d:: ״Haarez.“ einen Leitartikel, der dies Unternehmen angria t irul das Verhalten der Ein־ wanderer zur hebräischen Sprache und Kultur einer Kritik unterzieht: Die ganzen Jahre habei wir uns nicht der tragischen Lage der Einwanderer aus l)״utschland verschlossen, die vom Leben des Landes durch ihre Unkenntn s unserer nationalen Sprache abget ennt s'nd. Wir wußten, daß wir gebildete Menschen vor uns haben, die nicht abseits vom Leben des Tages stellen können und wollen. Wir hatten Mitgefühl mit den alten Zionisten unter ihnen, die sich dem Lande so eng verbunden fühlen und das Bedürfnis fühlen, auf dem laufenden zu sein. Aber diese Alijah kann sich nicht darüber beklagen, daß de׳• lischuw ihr das langsame Aufgehen in unserer Kultur erschwert hätte. Keine Alijah hat eine solche Berücksichtigung ii der Sprachenfrage erfahren. Es gab Schulen für Erwachsene, Abendkurse', die zentralen Organisationen versagten ihre Unterstützung nicht. Die Zeitungen brachten vokalis'erte Rubriken, und der Jischuxv ließ sich auch die Versammlungen in deutscher Sprache gefallen, die bis heute foHdanern. Das alles war in den ersten Jahren verständlich. Wie aber läßt sich das Erscheinen einer Zeitung in deutscher Sprache im fünften Jahre der Einwanderung aus Deutschland rechtfertigen? Hat sich wirklich in aß diesen Jahren nichts verändert, haben die Einwanderer wirklich kein Hebräisch gelernt? Aber es gibt auch Versammlungen, wo Juden aus Deutschland hebräische Vorträge halten und hebräisch diskutieren. Die Behnuntuug, daß diese Alijah zum Abgetrenntsein von hebräischer Sprache ind Kultur von vornherein verurteilt sei, ist nur eine Ausrede. Es gibt unter ihnen wie unter den Einwanderern aus anderen Ländern natürlich auch solche, die sich wegen ihres Alters oder aus anderen Gründen nicht mehr an da« ’-,״!r.vsche gewöhnen können, aber ein großer Teil van ihnen;st doch schon ins Lager der Hebräer hinübergewechselt. Man kann den Nachteil einer aus Deutschland eingeführt1;׳ Zeitung, die hier verspätet eintrifft, nicht mit dem Schaden vergleichen, den eine hier erscheinende Tageszeitung in Deutsch anrichtet. Denn sie macht die hebräische Tageszeitung überflüssig, die das beste Werkzeug zur schnellen Erlernung des Hebräischen ist, weil sie, wenn sie die einzige Quelle bleibt, den Leser, der auf dem laufenden sein will, jeden Morgen zwingt, zu ihr zu greifen. Auf die Dauer wird freilich die hebräische Zeitung sicher siegen. Denn die kommende Generation entscheidet, und sie ist sicher hebräisch. Inzwischen aber haben die Organisationen der Einwanderer aus Deutschland das Wort und sie werden sicher nicht versagen. (Schluß des Palästinateils) LSNAHAHIIM *Br Treppen, LBden, Anschlag« keetenlos GroBes Lager In Cocos-, Mllwldllll Zimmer und KOchen 1■ Refer./Gegr-1892 Bouclöu. VelourlSufern Fritz Stoehr Memhardstr. 18 frühere MUnzatr. 1? Ruf: 51 1t M - •?

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