Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 56 (16.7.1937)
- Date
- 1937-07-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 56, 16. VII. 1937 Dia parlamentarische Behandlung betätigen. Dies ist ein Gesichtspunkt, der auch in dem jetzt bereits in vollem Gange befindlichen Kampf um den Peel- Bericht nicht außer acht gelassen werden sollte. Die Konturen dieses Kampfes sind bereits klar abgezeichnet. Der Wunsch der Regierung, «inen eindeutigen Parlamentsbeschluß zu erlangen, läßt darauf schließen, daß sie sich zunächst durch den scharfen Widerstand beider Parteien nicht irre machen läßt. Was die Araber betrifft, so meint man offenbar, daß es an einem Partner zur Bildung des arabischen Staates nicht fehlen werde; die ״Times1‘ macht sogar den Vorschlag, den Mufti zu beseitigen, um einem Kompromiß den Weg zu öffnen. Schwieriger liegt die Sache bei den Juden, denn deren Staat kann nicht gebildet werden, wenn die als Partnerin vorgesehene Zionistische Organisation — und naturgemäß gibt es keinen anderen jüdisehen Partner — auf ihrem Kongreß den Plan zurückweist. Wir halten es für einen Irrtum, wenn man anniinmt, daß im Falle des Scheiterns automatisch wieder der status quo (das Mandat) in Kraft träte. Es scheint uns sogar z.weifel- Haft, ob die Regierung in diesem Fall auf die sogenannten ״Alternativvorschläge“ der Kommission zurück greifen würde, denn durch ihre Entscheidung für den Teiliingsplan hat die Regierung bewiesen, daß sie sich der Meinung der Kommission anschließt, daß durch diese Palliativmittel die Probleme nicht gelöst werden können und die Lage sich unter Umständen noch zuspitzen kann. Was die Haltung der Juden betrifft, so hat sich in der einen Woche seit dem Erscheinen des Berichtes schon eine ziemlich einheitliche Argumentation ausgebildet; das ist kein Wunder, denn die Einwände, die vom jüdisehen Standpunkt gegen den Pcel-Beric'it gemacht werden müssen, liegen ja auf der Hand. Durch die jüdische Welt geht ein berechtigter Proteststurm. Die Gefahr, daß durch die häufige Wiederholung einprägsamer Schlagworte (,,Judenstaat ohne Juden'', ,,Zionismus ohne Zion“) die Wirkung sich allmählich abschwäch!, ist freilich gegeben. Alle jüdischen Kundgebungen der letzten Woche spitzen sicli auf die begründeten Beschwerdepunkte, die auch wir in unserer ersten Stellungnähme hervorgehoben haben. Was aber die Schlußfolgerungen betrifft, finden wir nicht immer den Gesichtspunkt berücksichtigt, den der Peel-Bericht an der oben zitierten Stelle in bezug auf die Unterhausdebatte betont hat. Es scheint uns wenig sinnvoll, die Argumente gegen den Peel-Bericht so zu formulieren, als ob es gar keinen arabischen Faktor in Palästina gäbe, der gleichfalls als eine der beteiligten Parfeien in Betracht kommt. Damit bestärkt man nur die These der Regierung, daß die Standpunkte der beulen Vö'ker einander u n v e r s 1> h!11 i c h g e g e n ü b e r s t e h e n. Wenn von jüdischer Seite erklärt wird, dieser Gegensatz bestünde gar nicht und es sei eine Aussöhnung der beiden Standpunkte sehr wohl möglich, indem die Araber dem jüdischen Standpunkt beilreten und das Jüdische N'ationn'.hcim bejahen, wird diesem Wunsch zwar jeder Jude zustimmen, aber es ist fraglich, ob dies als ausreichende Widerlegung der Fest- Stellung der Peel-Kommission anerkannt werden wird. Der jüdische Widerspruch, der eine Verbesserung des Projektes zugunsten der Juden anstrebt, sollte unseres Erachtens das arabische Problem nicht ignorieren, ebensowenig wie er die positiven Momente unterschätzen sollte, die in dem Projekt enthalten sind: Die Zuteilung von ganz Galiläa, darunter überwiegend arabischer Gebiete wie des Distrikts Akko—Saft'd, die Zuteilung Haifas und des wichtigsten Teiles der Küstenebene usw. Jeder, der in dieser Zeit Privatgespräche führt, weiß auch, daß der jüdische ״Mann auf der Straße“ die prinzipielle Anerkennung der Staatsfähigkeit der palästinensischen Juden als positiv empfindet, ja manche empfinden dies als Anbruch einer neuen Epoche. Es sollte auch nicht übersehen werden, daß für einen etwaigen künftigen Judenstaat in Palästina die politischen Beziehungen zu England — und nicht minder zu den benachbarten arabischen Staaten — Faktoren von größter Bedeutung sind, ein Moment, auf das schon jetzt Rücksicht genommen werden sollte. Man vergibt sich nichts, wenn man anerkennt, daß die Kommission vor einem objektiv schwierigen Problem stand, und daß sie bemüht war, den jüdischen Standpunkt zu würdigen und die Juden nicht, wie manche wollten, ״fallen zu lassen“. Der Kampf gegen den Tcilttngsplan und gegen die die jüdischen Lebensinteressen verletzenden Einzelheiten muß mit aller Kraft, mit allem Ernst und Verantwortungsgefühl geführt werden. Zugleich aber müssen wir wissen: Jede Lösung, die jetzt erreicht wird, ist nur ein Uebergangszustarul. Zwergstaaten, wie die hier geplanten, sind in der kommenden Weit nicht lebensfähig, und als günstigste Lösung dürfte ein größerer Bundesstaat oder ein ähnliches Gebilde vorschweben. Inzwischen haben wir vor allem für die Möglichkeiten der jü lisehen Einwanderung zu kämpfen. Aber damit das jüdische Ringen erfolgversprechend ist, halten wir es für nötig, die wirklichen von den Engländern jetzt formulierten Probleme zum Ausgangspunkt seiner politischen Anstrengungen zu nehmen. Prof. Adolf Loewy, der von 1922 bis 1933 Direktor des Schweizer Forschungsinstituts für Hochgebirgsphysiologie und Tuberkuloseforschung in Davos war und dort noch lebt, wurde dieser Tage 75 Jahre alt. Als Neffe des Berliner Laryngoiogen Prof. Louis Waldenburg wurde er 1862 in Berlin geboren. Sein Jugendtraum war es, seinem früh verstorbenen Onkel nachzustreben und andere Länder wissenschaftlich zu erforschen. Neuland entdeckte er in seiner Wissenschaft als Klima-Physiologe. Seine Forschersehnsucht stieg hoch empor, bis zu den Gipfeln des Chimborasso und der Anden und bis zu den Wiisien Afrikas. Aber er mußte sich, aus Mangel an Mitteln, damit bescheiden, aut dem Monte Rosa, der Jungfrau, dem Gorner Grat und Muottas Muraigt und einmal auch im Wüstensande seine erfolgreichen Studien zu unternehmen. Auf seinen Monte-Rosa- Expeditionen bildete er sich zum Höhenklima-Physiologen aus. Neben seiner Tätigkeit als praktischer Arzt und Armenarzt in Berlin arbeitete er an der Landwirtschaftlichen Hochschule bei Geh.-Rat Zuntz, dessen geschätzter Mitarbeiter und Freund er bald wurde. Die Frucht dieser Zusammenarbeit war das grundlegende Buch: ״Höhenklima und Berg- Wanderungen in ihrer Wirkung auf den Menschen“, an dem sich auch Franz Müller und W. Caspar! beteiligt hatten. Viele Schriften über die Probleme des Stoffwechsels und der Blutgasc stammen von Loewy. Er wurde Dozent und außerordentlicher Professor an der Berliner Universität. Als 1922 das Schweizer Forschungsinstitut gegründet werden sollte, wurde Loewy zu dessen Direktor bestellt. Die Zahl der Schüler und Gelehrten aus aller Welt, die in seinem Institut in Davos unter ihm arbeiteten und zum Teil wichtige wissenschaftliche Ergebnisse zeitigten, war groß. Er selbst hat in Davos neue Apparate erfunden, z. B. einen Luftver* dünnungs-Apparat, der der Erforschung der Bergkrankheit u. a. dient. Emma Waldenburg Mittwoch Unterhaus - Debatte Die Palästina-Debatte im Unterhaus wird, wie jetzt gemeldet wird, am Mittwoch nächster Woche stattfinden. Für die Regierung wird der Staatssekretär für die Kolonien, Ormsby-Gore, den Bericht der Pcel-Kommission dem Hause unterbreiten und eine Zustimmung des Unterhauses zu der Regierungserklärung fordern. Als zweiter Redner der Regierung wird Lord Winter ton sprechen, der, ehe er Mitglied der Regierung war, in früheren Parlamcntsdebatten einer der wenigen Redner war, die den arabischen Standpunkt vertreten haben. Während Ormsby- Gore 1918 Verbindungsoffizier zwischen der Heeresleitung Lord Allenbvs und der unter dem Präsidium von Dr. Weizmann stehenden, nach Palästina entsandten ״Zionist Commission" war, ist Lord Winterton ein Freund und Mitarbeiter des verstorbenen Oberst Lawrence während des arabischen ״Aufstandes in der Wüste“ unter dem Emir Fcisal gewesen. Die Regierung will auch eine Debatte im Oberhaus herbeiführen, so daß der Kolonialminister, wenn er sich zu der Sitzung der Mandatskommission am 30. Juli nach Genf begibt, Zustimmungserklärungen beider Häuser des englischen Parlaments mitbringen kann. Parlamentarier beraten Wie die ״Times“ berichtet, fand Dienstag in London eine Sitzung derjenigen Parlamentsmitglieder statt, die im vorigen Juli in einem Briet an die ״Times“ erklärt hatten, daß sie bereit seien, im Unterhaus die Interessen der Araber zu vertreten und soweit als möglich alle legitimen Aspirationen der Araber in Palästina und die Empfehlungen, die die Royal Commission zu ihren Gunsten etwa machen würde, zu sichern. Diese Gruppe hat bei ihrer dieswöchentliehen Versammlung unter dem Vorsitz von Colonel Brown beschlossen, daß das Prinzip der Teilung unterstützt werden muß, da es die einzige Möglichkeit einer Dauerlösung des Problems darstellt. Zugleich berichtet die ״Times“ von einer Sitzung von Parlamentariern, bei der Jabotinsky eine Ansprache hielt. Er habe erklärt, daß jeder Jude die Situation mit großer Enttäuschung ansehe. Eine Teilung würde einen modernen ״Nahoths Weinberg“ (vgl. 1. Buch der Könige, Kai). '2!) schaffen; die Araber würden gegenüber dem reicheren Judenstaat Neid empfinden und nie zufrieden sein, bis sie ihn ein״•: '.eckt haben. Wenn das britische Reich in Schwieri'zk׳ e1־ wäre, würde die geeignete Stunde für die Araber komien. Das von der Kommission den Juden zugcw!e?e!׳e Gebiet sei zu klein und alle Hoffnungen auf ein Nationalheim würden schwinden, wenn die Vorschläge angenommen werden. Anfragen 1m Unterhaus Im englischen Unterhaus erklärte Kolonienminister Ormsby-Gore, daß er, was die Absichten der britischen Regierung in Palästina betrifft, der gleichzeitig mit dem Peel-Bericht veröffentlichten Regierungserklärung nichts hinzu zu fügen habe. Diese Feststellung machte der Minister im Anschluß an die Beantwortung der Anfrage des konservativen Abgeordneten Somerset de Chair, ob die Regierung beabsichtige, die Empfehlungen der Kgl. Kommission in der Weise zu Der Vorderasiatische Pakt Nach einem Bericht der ״Times“ wird in der türktsehen Presse der Abschluß des Viermächtepaktes zwischen der Türkei, Iran, Irak und Afghanistan stark gefeiert. Der Präsident der Türkei Kenia! Atatiirk hat nach der Unterzeichnung des Vertrages in Teheran mit den Staats- Oberhäupter! der anderen Staaten Telegramme gewechselt. Es wird weiter mitgeteilt, daß der erste Beschluß des Rates der asiatischen Vierermächte gewesen ist, die Kandidatur der Türkei für einen dauernden Sitz im Rate des Völkerbundes aufzustellen. Gleichzeitig mit dem Besuch von Außenminister Dr. Aras in Bagdad und Teheran wird in London mitgeteiit, daß der Irak eine Anleihe von drei Millionen £ in der Londoner City aufnehmen wird. Die Befürchtungen der irakisehen Nationalisten, daß hierdurch der Irak seine Bewegungsfreiheit gegenüber England verlieren wird, seien von der Irak-Regierung als unbegründet bezeichnet worden. Bekanntlich ist die Frage des Anschlusses von Saudia und anderer arabischer Länder an den Viererpakt noch nicht entschieden. Doch ist das Verhältnis des Irak zu England auch für die Palästinafrage von Bedeutung. Zionisten Englands?egen Teilangfsplan Die Exekutive der Zionistischen Föderation für Großbritannien hat in einer einstimmig gefaßten Resolution den Teilungsvorschlag der Kgl. Kommission abgelehnt. In der Entschließung heißt es: Die Zionisten Englands lehnen Vorschläge ab, durch die Einwanderung und Ansiedlung auf Grund des Mandats so sehr eingeschränkt werden, daß die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims unmöglich wird. Die vorgeschlagene Teilung Palästinas, die den Juden einen Staat von unbedeutendem Ausmaß anbietet, ein Gebiet, das weniger als 5 «,0 desjenige n ausmacht, für das die Balfour-Deklaration urspriinglich galt, sei abzulehnen, weil dieser Staat keine Entwicklungsmöglichkeiten habe und ihm die Merkmale vollkommener Souveränität fehlen. Diese Resolution wird auch von der englischen Tagespresse abgedruckt. (Weitere jüdische Stellungnahmen vgl. Seiten 9 und 13.) Jubiläen in Ungarn. Die ungarische Judenheit feierte den 70jährigen Bestand der ältesten, bald nach dem 1867er Ausgleich ins Leben gerufenen kulturellen jüdischen Vereinigung Ungarns, des Landesverbandes israelit i s c h e r Lehrer, in dem Volks- und Mittelschullehrer miteinander arbeiten. — Universität, ärztliche Wissenschaft und Acrzteverband huldigten anläßlich des Zentenars seiner Geburt dem Internisten und Forscher, Prof. Berthold Stiller, dessen Marmorbüste im Garten des Israelitischen Hospitals von Mitarbeitern und Schülern feierlich bekränzt wurde. — Der Direktor der Israelitischen Lehrerpräparandie, Dr. Samuel S z e m e r e, wurde vom Kultusminister mit dem jüngst geschaffenen Titel des Studienoberrates ausgezeichnet. Szemere ist philosophischer Schriftsteller, redigiert auch das Jahrbuch der Ungarischen Israelitischen Literaturgesellschaft. Dr. A. F. verwirklichen, daß die beiden geplanten Staaten, der arabische und der jüdische, aufhören, Bestandteil des britischen Reiches zu sein. Demgegenüber erklärte der Minister, daß Palästina niemals Bestandteil des britischen Reiches gewesen sei. In Beantwortung einer Frage des Abg. Oberst Nathan gab der Minister weiter bekannt, daß die Aussagen der von der KgL Kommission in geschlossener Sitzung vernommenen Zeugen der Mandatskommission nicht vorgelegt werden würden. Diese Aussagen seien ausschließlieh der Kgl. Kommission vertraulich gemacht worden und seien stets geheimgehalten worden. Aber auch die für die Veröffentlichung bestimmten Aussagen würden bis zur Tagung der Mandatskommission noch nicht gedruckt sein. Der Bericht der Kgl. Kommission aber sei so vollständig und erschöpfend, und mit allen materiellen Tatsachen ausgestatte!, daß die Vorlage des Aussagen-Protokolls überflüssig sein würde. Der Minister lehnte schließlich die von dem Abg. Nathan gegebene Anregung ab, in dem Teeraum des Parlaments eine große Reliefkarte von Palästina und Transjordanien mit den vorgeschlagenen Grenzen des jüdischen und des arabischen Maates aufstelleu zu lassen. Dadurch würden Mißverstiindnisse in einer Angelegenheit entstehen, für die nach dem Rat der Kommission eine Grenzkommission eingesetzt werden soll. Außenminister Eden erklärte, daß das vom Ministerpräsidenten Mussolini gegebene Versprechen, daß von der italienischen Regierung alles getan werden würde, um den Wünschen der britischen Regierung im Zusammenhang mit den Vorschlägen der Kgl. Kommission zu entsprechen und die Siüiat'on zu erleichtern, bisher vollständig erfüllt worden sei. Er versorach eine Untersuchung über die von den Abgeordneten Commander R. T. Fletchcr und Sir Archibald Sinc'ai׳• b״lnuotete Tatsache einzuleiten, daß von dem Sender in Bari bereits Kritik an dem Bericht der Kommission geübt worden sei. Fragen der Prozedur Der Abg. Gcoffrey Mander fragte am Mittwoch im Unterhaus, ob der Kolonienministcr eine Darstellung über die Unterbreitimg der Regierungsvorscliläge für die Zukunft Palästinas an die Mandatskommission geben wolle, weiter, ob es notwendig sein werde, vorher eine außerordentliche Tagung des Völkerbundsrates einzuberufen und ob der Bericht der Kgl. Kommission und die politische Erklärung der Regierung den Vereinigten Staaten offiziell unterbreitet worden seien. Der Minister erwiderte, eine Auskunft in Form von Frage und Antwort würde nicht nützlich sein. Er werde anläßlich der Debatte über den Palästina-Bericht in der nächsten Woche auf verschiedene Fragen der Proz e d u r eingehen. Als der Abgeordnete seine Frage wiederholte, ob der Bericht und die politische Entscheidung der Regierung den Vereinigten Staaten vorgelegt worden seien, erklärte der Minister, daß England auf Grund des Abkommens vom Dezember 1924 verpflichtet sei, alle Palästina betreffenden Dokumente der Regierung der Vereinigten Staaten vorzulegen; dies sei selbstverstandlicn geschehen. IN ALLER KURZE Der polnische Botschafter in London, Graf Raczynski, hat Dr. Weizmann empfangen und mit ihm eine längere Unterredung über den Plan der Teilung Palästinas geführt. In einem dem Pariser JTA.-Vertreter gewährten Interview sprach sich der frühere Minister Senator Justin Oodart, Vorsitzender des Cornite France-Palcstine entschieden gegen den Teilungsvorschlag der Kgl. Kommission aus. Es sei unzweifelhaft, daß die Vorschläge der Kommission Wortlaut und Geist des Mandates verletzen. England sollte entweder die Mandatspolitik durchführen oder das Mandat auf• geben. In der Wilriaer Zeitung ״Slowo“ fordert der polnische konservative Politiker Studnicki, daß Polen, Ungarn und Rumänien gegen den Teilungsplan protestieren sollen, weil diese Länder sehr daran interessiert sind, daß ihre Juden auswandern. Studnicki meint, daß dieser Protest von den Vereinigten Staaten und von den Juden in der Welt unterstützt werden würde. Er verlangt, daß Polen das Palästina-Mandat erhalte. Anläßlich des 25jährigen Bestehens der Großen Syn• agoge in Triest fand in Anwesenheit des neugewählten Gemeindevorstandes mit seinem Vorsitzenden Oberst Levi- Bianchini an der Spitze ein Festgottesdienst statt. Ober• rabbiner Professor Zolli gab in seiner Ansprache einen Ueberblick über die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Triest. Die Synagoge steht als ״künstlerisches Baudenkmal“ unter staatlichem Schutz. In Hammonton (New Jersey, USA.) wurde für die aus 18 Familien bestehende jüdische Bevölkerung eine Syn* agoge eröffnet, deren Bau hauptsächlich durch Spenden der christlichen Bevölkerung ermöglicht worden war. Der Einweihungsfeier wohnten zahlreiche Nichtjuden, unter ihnen die Vertreter der städtischen Behörden und fünf Priester, bei, die die Sammlungen für den Synagogenfonds organisiert hatten. Zwanzig bekannte polnische Schriftsteller und Gelehrte haben einen scharfen Protest gegen Judenpogrome veröffentlicht, Ende Juni fand in Paris eine Tagung des fran• zösischen Rabbinats statt, auf der die Schaffung eines Erziehungsbeirates von 30 Mitgliedern für Frankreich beschlossen wurde. Eia bekannter Ingenieur, Anton Moor, hat in Bukarest Selbstmord verübt. Er hat ein Schreiben hinterlassen, in dem er erklärt, er habe die Tat begangen, weil er, obwohl Christ, allgemein als Jude gegolten habe. Der Selbstmörder beschreibt die Demütigungen, denen er infolge dieses Irrtums ausgesetzt war. In Krefeld wurde das ehemalige Herrenbekleidungsgeschäft L. Spanier unter arischer Leitung dieser Tage neu eröffnet. — In Königsberg wird der ehemalige ״Bazar Goetz“ jetzt von der Firma Butsch & Kilfus wcitergeluhrt. Ein bedeutender jüdischer Industrieller Dänemarks, Beni Dessau, slarb in Kopenhagen im Alter von 69 Jahren. Hauptschrittleiter: Dt. Robert Wcltsch, Berlin - Charlottenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loe« er.stein, Berlin W 15. Anzeigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1930. Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, Meinekestr. 10. D.A. 11/1937 30 316. — Druck: Siegfried Scholen!, Bcrlin-Schöneberg.