Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 55 (13.7.1937)
- Date
- 1937-07-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 55, 13. VII. 1937 Wie g;1'Nialie ich den Schabbat? Für Schabbat, 17. Juli Wochenabschnitt: ,,Dewarlm" (V. B. M. Kap. 1-3, 22) Aus den Vorschriften für den 9. Aw fällt der 9. Aw auf einen Schabhat (wie in diesem Jahre) oder auf Sonntag, so darf man am Schabbat Fleisch essen und Wein trinken. Sogar zur ״Ssuda schelischit“ ist alles zu esson erlaubt. AUm soll jedoch nicht in einer Gesellschaft essen, wohl aber mit seiner Familie. Fällt der 9. Aw aut einen Sdiabbat, so soll man nur solche Dinge lernen, die zu lernen am 9. Aw erlaubt sind. Man sagt also nicht die ״Sprüche der Väter“, hingegen ist es erlaubt, den Wochenabschnitt ״zweimal im Text um! einmal in der Uebersetzung“ zu lesen. Die Worte der Thora erfreuen das Herz. Deshalb ist es verboten, am 9. Ate Thora zu lernen. Erlaubt sind nur solche Themen, die das Herz traurig stimmen, wie z. B. die Unglückskapitel aus dem Buche Jirmijahu, Kapitel aus dem Buche Ijob und aus dem Midrasch llcha, aus dem Talmud diejenigen Abschnitte, die von der Zerstörung des Tempels erzählen. Am Abend geht man in die Synagoge, zieht die Schuhe aus. Man entfernt den Vorhang der Heiligen L.adc und zündet nur ein Licht an. Man betet dann das Abendgebet leise und in weinendem Tone, wie Trauernde cs tun. (Nach dem ״Kizzur Schulchan Aruch") I. E. Die Entwicklung der Aggadah (XXII) Erzähler und Maggidim Die Aggadah als volkstümliches Schaffen hat von jeher ihre besonderen Pilegcr um! Hüter gehabt, die nicht nur alte Traditionen vor dom Untergang behütet haben, sondern ebenso durch neue Schöpfungen die Volksdichtung bereicherten. Bei den Arabern und hei einer Reihe von Völkern des Orients und des < )k/ideiits gab es von jeher einen Stand von Sagen- und (nschichtcnoiv.diicni, die sieh ausschließlich der Kunst des Erzählens widmeten. Bei den Juden hatte aber die Erzahdung meistens noch einen didaktisch-religiösen Hintergrund, da sie nicht nur der Unterhaltung, sondern ebenso der Helehrung mul Erbauung diene״ wollte. Die Erzählung wurde oft zur Ausschmückung eines religiösen Vortrages benutzt. Durch eine oder mehrere in den Vortrag ei »geflochtenen Geschichten verstand der Prediger seine Rede lebendig und anschaulich zu gestalten und daraus eine moralische Lehre zu ziehen. Ls waren nicisr fahrende Prediger, besonders die, denen wir im 10. Jahrhundert und später begegnen, die von Stadt zu Stadt, von Land zu Land zogen und überallhin den Aggadahstoff trugen. Sie bewahrten überliefertes Volksgut, da neben waren sie selbst schöpferisch und schufen auch neue Er- Zählungen, Märchen mul Parabeln. Diesen populären Predigern und Volkscrzahlern begegnen wir in der Institution der Maggidim (מגיד: der Sagende, der Sprecher), die ihre rcligiös-didaktische Aufgabe in die volkstümliche aggadische Traditiou meisterhaft hineinstelltcii. Der Maggid spielt somit neben der Rolle des Predigers auch die des Erzählers. — Einer der beliebten und populären Maggidim des 18. Jalirhunderts war der ״Dubncr Maggid", R. Jaakow b. Seew Kranz, der besonders wegen seiner Gleichnisse, die dem jüdisehen Volksleben entnommen sind, bekannt ist. Einen Auszug seiner Gleichnisse hat S. S. Kantorowicz in seinen ״Mischle ha-Maggid ine-Dubnow“ (Warschau 1923) herausgegeben. Weitere Literatur über die ״Maggidim“ finden wir 1m Jüdischen Lexikon z. St. J. M. Vorn Röntgenologeu-Kongreß. Unser Wiener J. R.-Berichterstnftcr schreibt: An der II. Tagung der ״Ocsterreichischen Gesellschaft für Röntgenkundc“, die am 101 d. M. eröffnet wurde, nimmt auch eine große Zahl jüdischer Röntgcnologen aus dem In- und Auslände teil. Im Rahmen der Eröffnung*- Sitzung wurde der österreichische Schöpfer der Röntgentheranie, Professor i)r. Leopold 1־ r e 11 n d, der Jude ist, durch Verleihung des Titels eines ״Hofrates“ ausgezeichnet. Bundesminister für soziale Fürsorge, Dr. Kesch, überreichte dem Gelehrten die Verleihmtgsiirkimde. Von den jüdischen Röntgcnologen, die Referate auf der Tagung hielten, sind hervorz.tilieben: Dozent Dr. W. Altschul, Prag, sprach über die Grenzen der Knochemiiagnostik von Knochcnerkrankungcn, Primarius Dr. Horak, der Leiter der Röntgen-Abteilung im Wiener Rotsehikbpital, referierte über seine Untersuchungen zur Frühdiagnose von Krchstochtergeschwülsten in der Wirbel- Säule. Dr. Ko pst ein gab einen Ueberbiick über die röntgenologiselicii Knochcnbcnmde bei Kreuzschmerzen. Professor S g a 1 i t z e r berichtete über die röntgenologische Pifferenzialdingnose bei verschiedenen inneren Erkrankungen, Fer- 11er referierte Dozent Fleisch ne r über die Lnngenverändcrungen, die in der Umgebung tuberkulöser Herde gefunden werden, sowie Professor K r e u z f u e h s, der auf die Bedeutung der röntgenologischen Untersuchung der Luftröhre für die Disposition zu verschiedenen Erkrankungen hinwies. Ingenieur Straus demonstrierte den von ihm erfundenen und konstruierten Meßapparat, das sogenannte T cle< ord, ein Gerät, das die Serienkurzniifnahmen von Lunge und Herz, ermöglicht und van großer Bedeutung für die Röntgentherapie ist. Beschlagnahme einer Druckschrift. Unser Wiener J. R.- Korrespondent berichtet: Das Grazer Landesgericht für Strafsachen hat über Antrag der Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme der Druckschrift ״Judenfibel — das ABC der vierhundert jährigen Jutlenfrage“ von Karl Pamngartten, einer im Verlag Leopold Stacker im Jahre 1922 erschienenen Druck- Schrift, angeordnet. Die Beschlagnahme wird mit der Anschuldigung gegen Verleger begründet, daß die Schrift ihrer ganzeit "Tendenz nach zu Feindseligkeiten gegen die jüdische Rcligionsgesellsdiaft aneifere und zu verleiten suche, sowie die Lehren der jüdischen Rcligionsgesellsdiaft herabmviirdigen trachte. Wegen Verbreitung dieser Schrift wurde der Verleger Leopold Stöcker vom Grazer Landesgericbt zu 100 Schilling Geldstrafe verurteilt. Der Autor der Schrift, Karl Paumgartten, der in Wirklichkeit Dr. Kar! Hufnagel hieß und vor einigen Jahren gestorben ist, war seinerzeit Bibliothekar der Wiener Parlamentsbibliothek. Offene Auslandsstellen (genehmigt vom Landesarbeitsamt Brandenburg), t. Gesucht wird für Florenz (Italien) ein jüdischer englischer Sprachlehrer (Anglist). — 2. Für Bogota Co 10 mb ia (Südamerika) werden gesucht: a) jüdischer Bauzeichner für Architekturbüro mit mindestens dreijähriger Büropraxis, möglichst mit spanischen Kenntnissen, Familienväter bevorzugt; b) jüdischer Gewerbelehrer für Spinnerei mit Unterrichtserfahrung an Textilschulen, spanisehe Kenntnisse erwünscht; c) jüdischer Gewerbelehrer für Weberei und Dessination, mit Untcrriclitserfahrung, spanisehe Kenntnisse erwünscht; d) jüdischer Gewerbelehrer für Textilweherei mit Untcrriclitserfahrung an Textilschulen, spanische Kenntnisse erwünscht; c) jüdischer Gewerbelehrer für Maschinenbauschule mit Unterrichtserfahrung; f) jüdischer Schweißer für autogene und elektrische Schweißung (keine Umschüler, in Frage kommen nur Fachkräfte, die im Monteur- oder Mechaniker beruf gearbeitet haben. — Ausführliche Be- Werbungen auf Dimnpapier mit Zeugnisabschriften, Lebenslauf und Paßbild werden weitergeleitet durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW 19, Lindcnstr. 48—50. Zwei Jubilare Ludwig Fulda Am 15. Jul! feiert Ludwig Fulda seinen 75. Geburtstag. Der in Frankfurt am Main geborene Dichter ist nun wohl schon seit einem halben Jahrhundert ein eingesessener Berliner. Als junger Germanist, und noch bevor die neue Schwärmerei für das Barock ausgebrochen war, beschäftigte er sich in Dissertation und Neuausgaben mit der literarischen Entwicklung des 17. Jahrhunderts. Aber der junge Gelehrte war auch schon ein junger Dichter. Seine ersten Stücke waren von Problemen unbeschwerte Liebenswürdigkeiten; er wollte unterhaltend sein, wollte dem Theater geben, was des Theaters ist und was ihm meistens mangelt: das tägliche Brot. Der erste große Erfolg war 1892 aas Verslustspiel ״Der Talisman“ nach Andersens Märchen von des Kaisers unsichtbaren Kleidern, und auch wenn Josef Ksinz die Hauptrolle nicht getragen hätte, so wäre seiner Liebenswürdigkeit, seinem schlanken Vortrag der Triumph sicher gewesen. Der andere unter manchen war die ״Zwillingsschwestcr“, nun ein Märchen eigener Erfindung, übrigens lehrreich für dramaturgische Betrachtung. Eine Frau, aie ihren Mann zu verlieren fürchtet, gibt sich für ihre eigene unberührte Schwester aus und gewinnt ihn dadurch zurück. Das wäre an sich sehr unwalirscheinlich, aber im 17. Jahrhundert, sei es bei Shakespeare, sei es bei irgendeinem Spanier, wäre das eine gültige Voraussetzung gewesen, und auch noch im 20. naben viele Arten von Publikum an vielen Abenden auf drei Stunden gern daran geglaubt. Auch der dramatische Dichter batte zwei Triebe, den einen zum Märchen, den anderen zu einem gewissen Realismus, der, wenn auch auf leise Art und gern versöhnungsbercit, ein Problem anfaßt. Wenn Fulda gegen das Ende der achtziger Jahre zum Generalstab der Freien Bühne gehörte, so hatte er schon vorher für die Einführung des damals so gefürchteten Ibsen manches getan und sich für ihn mutig kompromittiert. Von dem modernen Probleinatiker Fulda stammt etwa die ״Sklavin“, die in die damalige Frauenbewegung eingriff, stammen auch andere dramatische Unternehmungen, die die soziale Frage streifen, und das alles im Sinn einer Humanität, die auch gern den Humor der Widersprüche zuläßt. Es ist fast überflüssig zu sagen, daß dem Jubilar ein besonderes Gedenken für seine Uebersetzungen gebührt. Sollen sie mehr als Gebrauchswerk sein, so gehört dazu sowohl ein eigenschöpferischer Mensch wie ein Kenner. Fulda hat sich die schwierigsten Aufgaben gestellt, die nur ein bedeutendes Formtalent meistern konnte. Die eine Glanzleistung war die Uebersetzung von Rostands ״Cyrano von ßergerac“, die andere das große Moli&rcwerk. Beide erinnern recht würdig an die Zeit, in der das Uebersetzen noch eine hohe und verantwortungsvolle Kunst war. Um Moliöre auf einigen tausend Seiten wiederzugeben, um dem Galopp seines Alexandriners in einer notwendig anderen Gangart zu folgen, um seinem unaufhörlichen epigrammatischen Witz Spitzen aus anderem Sprachmetall zu geben, um ihn bei allen Formschwierigkeiten so zeitecht wie zeitnab zu halten, dazu gehört wiederum ein dichterisches Ingenium. Arthur Eloesser Car! Neuberg Prof. Carl Neuberg wird am 29. Juli 60 Jahre alt. Von Schülern des Jubilars wird uns geschrieben: Virchow, dessen Assistent der 21jährige Neuberg am Pathologischen Institut der Universität Berlin war, erkannte schnell die Fähigkeiten des jungen Forschers; gleich seinem Nachfolger Orth förderte er ihn aufs wirksamste. Mit 25 Jahren habilitierte sich Neuberg an der Berliner Universität und wurde mit 28 Jahren Professor. In seiner elfjährigen Tätigkeit an der Charite ist er der chemische Lehrer ganzer Generationen von Aerzten und Naturforschem geworden. Mehr als 1000 seiner Publikationen zeugen von seiner Vielseitigkeit. Seine Untersuchungen betreffen Fragen der reinen Chemie, der Stoffwcchsellehre und Gebiete der Landwirtschaft. Grundlegende Arbeiten über die Biochernie des Tabaks, über Vorgänge bei der Krebscrkrankung, über eine Serodiagnostik der Tuberkulose (die Neubcrg-Klopstock-Probe) und vor allem seine zahlreichen Entdeckungen auf den Gebieten der Gärungserscheinungen haben seinem Namen internationale Geltung verschafft. Er wurde 1916 außerordentlicher, 1919 ordentlichcr Honorar-Professor an der Universität, 1921 ordentlicher Professor an der landwirtschaftlichen Hochschule. Im Jahre 1913 berief ihn die Kaiser-Wilhelm-Oesellschaft zunächst als wissenschaftliches Mitglied und 1919 zum zweiten Direktor des Dahlemer Kaiser-Wilheirn-Instituts für experimentelle Therapie. An jüdischen Dingen nimmt der Jubilar lebhaften Anteil. Er gehörte dem vorbereitenden Komitee zur Gründung der Universität Jerusalem an, wo er vor zwei Jahren ebenso wie in Rcchowoth als Ciast Weizmanns Vorträge gehalten hat. Foto: Archiv Briefe <lh die Redaktion Psychologische Momente London, 10. Juli Sehr geehrte Redaktion! Peinigende Sorge um Ercz Israel, dessen Bürger ich bin, bewegen mich, einige Zeilen an Sie zu richten. Ich bin überzeugt, die cigentliehe Gefährlichkeit der in jenem Bericht vorgcsrhlagcncn Politik liegt, darin, daß sie auf seiner Oberfläche nirgends recht aufscheint, vielmehr sich für den außenstehenden, noch so scharfsichtigen Beobachter, aber auch für breite jüdische Schichten hinter einer irreführenden Lockseitc verbirgt. Nur wer eine deutliche Vorstellung gewonnen hac vom Geheimnis der Werbekraft des Zionismus, von seiner Psvchologie und Magie, wird mit mir überzeugt sein, daß dieser Vorschlag ihn mitten ins Leben trifft. Es mag ja recht wohl sein, daß auch, wenn alles bliebe wie jetzt, die Gegend um Nablus und Tulkarcm oder die weiten Landstriche um das Tote Meer niemals von Juden besiedelt .sein würden. Aber gleichwohl wird jedes jüdische und noch viel mehr jedes palästinensische Kind sie als sein eigen empfinden, weil sie zu seiner Heimat gehören, nicht aus ihr wegzudenken sind. Sic werden be* deutungsvoll, ia geheiligt als Teile des Gesamtbegriffs Palästina, von dem allein aller Zau* her auf jüdische Herten ausgeht. Wird auch Galiläa mit dem angohängten Küsten."treifen diese Magic entfalten? Die Mehrzahl all der geschichtsgeweihten Orte, von denen die Kinder Palästinas in der Heimatskunde gelernt haben, an denen sich ihre Ilchnatslicbe entzündet, würden sie in ihrer ״Heimat‘‘ rächt finden, jeder Ausflug von mehr als zwei Stunden Dauer würde ins ,,Ausland“ fülucn. Die leistungsfähigste Phantasie wäre nicht mehr im* stände, diese armselige Wirklichkeit mit dem Zauber Palä* stinas zu umkleiden. Damit aber wäre dem Zionismus seine eigentliche Lebensquclle versiegt, seine Macht über Phantasie und Gemüt der Juden; er wäre ein geschorener Simscm ohne die einstige Kraft. Nicht um einen politischen Vorschlag zu machen, sondern um Wesentliches auszudrücken sage ich: eine kräftige. verhältnismäßig wachsende Minderheit im ungeteilten Palästina, ja selbst unter einem arabisehen König, würde auf die Dauer immer noch mehr zionisti.se he Warme ausstrahien, als ein geschichtlich sinnlos 2usammcngeschnciderter Zwergstaat. Das Einzige, was diesem psychologischen Gebrechen vielleicht einigermaßen hätte abhelfen können, wäre die Zuteilixng des Ncgew gewesen; hier sind noch Möglichkeiten, deren Ende nicht auszurcchncn ist. mit der Uhr in der Hand, hier hätte die Hoffnung nach eine Perspektive. Aber auch diese schneidet uns der Bericht grausam ab. Bei seiner Annahme würden wir handgreifliche Vorteile einiger Jahre mit schweren psychologischen Einbußen der jüdischen Nalionalbewegung be* zahlen. Ihr sehr ergebener Dr. Friedrich Korner Was sind Jeckes? (Vgl. Nr. 53 u. 51) Laupheim (Wiirtt.), 9. Juli 1937 Sehr geehrte Redaktion! Volksetymologien, deren Begriff, inhaltcn letzten Endes Affektionen zugrunde liegen, sind meistens falsch. Nicht viel besser ist es 11m die in letzter Zeit versuchten Erklärungen der Bezeichnung ״Jeckes“!»stellt. Der Ausdruck stammt aus dem deutschen Sprachkreis und ist vom Jiddischen in der ursprüngliehen Bedeutung übernommen worden. So wird z. B. in einer aus dem Jahre 1689 stammenden Streitschrift gegen den Sonnenkönig Ludwig XIV., wclche den langatmigen Titel trägt ״Der Französische und das Heilige Röm. Reich verderbende grausame Greuel, und Abgott Ludewig der Vierzehende, An dem sieh Teutschland hat so lange Zeit vergaffet, allein durch denselben nunmehr so helft iglich (fest raffet worden“, mit folgenden Worten gegen den in Deutschland überhandnehmenden französischen Lebensstil angckämpft: ״Wir reden, wir schreiben, wir singen, wir tanzen, Wir spielen, wir kleiden, wir fressen wie Franzcn, Und dennoch so wollen w ir J ä c k c n 11;;s sper- 1en, Dem Franzmann zu dienen als unserem Herren.“ Vielleicht regt dieser Hinweis einen Philologen der jiddischen Sprache zu einer Untersuchung der Wortgeschichte von ״Jacke“ an! Hochachtungsvoll Rabb. Dr. L. Wallach Die blaue Büchse Karlsbad, am 8. Juli Sohr geehrte Redaktion! Der in Nr. 53 der ״J. R.“ abgedruckte Brief des Herrn Leopold Abraham betreffend der ,,Blauen Büchse Geburtsstunde“ erfordert eine Ergänzung. Als irh vor jetzt 33 Jahren die Leitung des Jüdischen Nationalion >s dir ])eutsrhhnd übernommen hatte, gab es noch keine Sammelbüchsen. Das Wort ,.Leitung“ ist allerdings etwas euphemistisch zu nehmen, da in meiner Person der ganze JXF. in Deutschland verkörpert war und meine Sonnt»gebest׳■häftigung bildete durch Jahre die Registrierung und Zusammenstellung der zahlreichen Snmmelzweige, die ich alsdann als druckreifes Verzeichnis dem damaligen Redakteur der ,.Jüdischen Rundschau“, meinem alten Freund Prof. Heinrich Löwe übergeben mußte. Von einer Büchse war damals noch keine Rede. Der erste Dirck!or des JNF., der verstorbene Johann Kremencl'zW in Wien, kam öfters nach Derlin, um mit mir über die Propaganda in Deutschland zu konfeileren. Bei einer solchen Konferenz fiel zum ersten Male das Wort von einer blau-weißen Büchse. Ich hatte den Auftrag, hei verschiedenen Fabriken in Bedin und Brandenburg Muster 7.u bestellen und dasjenige einer Brandenburger Firma wurde akzeptiert. Die Firma hat dann im Laufe von Jahrzehnten httnderttausende solcher Büchsen unter meiner Aufsicht hergestdlt und von diesen sind heute noch viele tausende im Gebrauch. Sehalom Max Wollsteine* Sammelt Handwerkszeug! Olgiate-Comasco (Como), 7. 7. Sehr geehrte Redaktion! In der Aufbauarbeit für Erez Israel scheint, mir eine mit etwas Tatkraft und gutem Willen überbriiekbare Lücke zu sein: W ir haben den KKL, der Geld für den Bodcnka.11[ sammelt, es fehlt nicht an der Samme'.stelle fiir Bücher, wo aber sind die Stehen, die sich mit der Haus- Sammlung oder Entgegennahme von Handwerkszeug a 1 - ler Art befassen? Mancher hatte einen Garten — heute liegen ihm die Geräte als Gerümpel auf dem Halse; manche Witwe hat einen kompletten llandwcrkskasten — für sie unverwendbar. So ließen sich Htmderte von Beispielen anführen! Gebt uns Chaluzim all dieses für den augenblicklichen Besitzer nutzlose Handwerkszeug, schafft in allen Ländern die fehlenden Sammelzentren für Handwerkszeug und Maschinen! Erspart den Kibbuzim vermeidbare An- Schaffungen.... Sehalom Nathan Arnheim PPM u \ 3־j§» i׳v. ( iw. -T י' י. . ׳v .^י- "ג׳ ■י׳..»**( <>■■■>';*׳ ' a. r י' יי \־-V י . : k יי •י V* ׳. Blick in eine zionistische Massenversammlung in Krakau während der Kongreßwahlen, in Westgalizien wurde, wie uns das Landes-Komitee mitteilt, eine Einheitsliste aller Parteien auf gestellt, und in alten größeren Ortschaften wurden 'ManifestationsverSammlungen abgehalten, an denen sich alle Parteien beteiligten. Foto; l. Locher, Kr.i.u