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Jüdische Rundschau · 1937-07-13 · Heft 55 (13.7.1937) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 55 (13.7.1937)
Date
1937-07-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 55, 13• JULI 1937 Prof. Sukenik spricht in Berlin Wie wir erfahren, wird Dr. Sukenik, der Professor für Archäologie an der Hebräischen Universität in Jerusalem, am kommenden Donnerstag, 8.30 Uhr, in der Synagoge Prinz• regentenstraße im Rahmen eines großen Gemeindeabends einen Vortrag über ״Jüdische Volkskunst“ halten. Diese Nachricht wird zweifellos In weiten Kreisen des Berliner Judentums Interesse finden. Prof. Sukenik ist einer der erfolgreichsten jüdischen Wissenschaftler in Palästina, de!., es in langer Arbeit gelungen ist, durch Ausgrabungen ein Stück jüdischen Altertums wieder lebendig werden zu lassen. Vor allem sind es die großen Ausgrabungen der Synagopen in Duro-Europos, Betli-Alpha und Kapernaum, in denen es Sukenik gelungen ist, Zusammenhänge zwischen griechischen Baueinflüssen und jüdischen Synagogen der letzten vorchristlichen und •der ersten nachchristlichen Zeit aufzudccken. Zahlreiche Publikationen des Gelehrten legen von seinem Werk Zeugnis ab. Wir freuen uns, ihn in unserer Mitte begrüßen zu können und durch ihn neue Belehrung über ein wichtiges Thema aus dem Bereich des jüdischen Wissens zu erlangen. Eine Ergänzung zur Abrabanel-Ausstellung Den Bericht der ״Rundschau“ über die Abrabaitel-Aus- Stellung in Berlin habe ich mit Interesse gelesen. Es geht aus diesem Berichte nicht hervor, ob etwas von den in portugiesischer Sprache verfaßten Publikationen Abrabanels dort etwa zu finden ist. Daher erlaube icli mir auf folgendes hinzuweisen: 111 einer handschriftlichen Sammlung der Stadtbibliothek Evora befindet sich die Abschrift eines Briefes, dessen Original bisher nicht gefunden ist und der auch leider kein bestiinmfes Datum enthält, den Abrabane! in portugiesischer Sprache verfaßt und an den Grafen de Faro geschickt hat, als er um den Tod seines Schwiegervaters, des Grafen Odemira, trauerte. Eine Abschrift dieser Abschrift war in den Händen der Frau Caroline Michaelis de Vasconcellos in Oporto, die sie der Frau Jeanette Schwerin geb. Abrabanel überließ, die die Dialoge des Leone Ebrco ins Deutsche übertrug. Sie veröffentlichte diesen Brief in portugiesischer Sprache und in deutscher Uebersetzung und schrieb «ine kurze Einleitung hierzu (cf. Magazin für die Wissenschaft des Judentums cd. Hoffniann-Berimer 18 [1891], S. 133—145). Sie war die Tochter des San.-Rat Dr. Eduard Abrabane! und starb 1S09 in Berlin. Der Briefempfänger Graf de Faro ist der Sohn des Herzogs von Braganza, Ferdinand 1., der 1409 für treue Dienste in Krieg und Frieden den Grafcntitel verliehen erhielt. Er begab sich später nach Spanien und starb dort 1483, zwischen 1469 und 1183 muß also dieser Briet geschrieben sein, bür seine Echtheit spricht ein Zitat, das sich in der ״Historia Genealogien de Casa Real Portugueza“ von D. Antonio Cactano de Sueza, Bd. IX, Livr. VIII, Cap. I. pag. 199 (Lissabon 1742) findet. Der Brief ist ein typischer Trostbrief, per Inhalt sei hier kurz skizziert: I. Abrabane! habe sein Trostschreiben nicht sofort an den Leidtragenden gerichtet, da man im ersten Schmerze weder die rechten Worte, noch bei dem Trauernden das geneigte Ohr finde. Deshalb seien die Freunde Hiobs auch sieben Tage bei ihm gesessen, ohne daß sie auch nur ein Wort gesprochen hätten. 2. Den ersten Trost spenden die Erinnerungen an den Verstorbenen und sein Verhalten. 3. dazu gesellen sich die Erinnerungen a!1 seine Tugenden. 4. In diesem Falle seien Trauer und Schmerz allgemein, auch dies fördere die Tröstung. 5. Der Tod ist unser Schicksal; schon Seneca sage, daß er stets zu erwarten sei; daß man für eine Zeit bestimmt nicht mit seinem Erscheinen rechnen kann, sei eine Ausnahme, die wir nur aus Jesaja 38 kennen, da dem König Chiskijah die Veriängerung seines Lebens um 15 Jahre zugesagt wird. 6. Daher erinnere auch alles an den Tod, unsere Kleidung, unsere Nahrung, ja unser Leben; mit dem Tage, da wir ms Leben eintreten, gehen wir dem Tode entgegen. 7. Daher dürfe auch das Leben nicht überschätzt werden, wie schon Koheleth, Sokrates und Aristoteles oft ausgeführt haben. Was vom Leben bleibe, sei für gewisse Zeit der Ruhm glorreicher Taten und für immer vor dem Höchsten das Verdienst tugendhafter Werke. 8. Jede Trauer berge auch eine Malinung in sich, den Trost in der eigenen Größe zu finden. Rabbiner Dr. A. Posner, Jerusalem Dies •tag, den 13. Juli, 20.30 Uhr pünktlich, im Musiker-V ercinshaus, Kaiser-Wilhelm - Straße 31 Vorsitz: Dr. Franz Meyer Es sprechen: Boris Eisanatadt, Dr.Alfr. Ra bau, Dr. Josef Weise Die KfiniBiiche Nommiuion hat gesprochen - - Das wort hat das jüdische vom Jüdische Operettenkomponisten. Wenn Dr, Anneliese Landau ihre Vortragsreihe im Kulturbund über jüdische Komponisten des fn- und Auslandes mit den großen jüdischen Meistern der Operette beschließt, dabei einleitend das Küchenrezept des Wiener Librettisten Alexander Landsberger zur Her- Stellung von Operetten zitiert, in abkostendem Verweilen bei den Details den Appetit des Operettengourmand reizt, in launigem, spritzigem Plätscherten Stimmungsbilder von Landschäften, Städten, Zeitepochen entwirft, auch einen intimen Blick in die geheimen Kammern des künstlerischen Schaffens riskiert, so kann wohl bei dieser eigenen charmanten vortragliclien Darstellung die Innelialtung eines ähnlichen Rezepts konstatiert werden. Die Oper zwingt das Publikum zur Nivellierung an ihre Kunstforni, die Operette aber ist seinem Geschmack und Wünschen erbötig. Auch Anneliese Landau ist in diesem guten Sinne eine Dienerin des Publikums. Das Komplizierte des Vortragsstoff cs tritt nicht ins Bewußtsein, denn er wird mit pikanter Sauce gereicht, Wir gehen zurück auf die Anfänge der Operette, ihren eigentlichen Begründer Jacques Offenbach. Wir lernen ihn kennen als den unvergleichlichen Musiker und Satiriker, der mit starkem Schöpfungswillen, unerhörtem Aufwand an Energie und Unternehmungsgeist das Fundament zur Operette in einer ihrer schönsten Vorlagen (״Schöne Helena“ ״Orpheus׳‘) errichtet. Wir verlassen das Paris des zweiten Kaiserreiches, dem die Ironie Offenbachs galt, gehen mit ihm nach Wien. Hier in anderem Milieu verliert sich die Offcnbachsche Satire, die Operette nimmt die Züge des Wiener Menschenschlages, seiner Landschaft an. Wien wird Mittelpunkt der Operette, des Liedes, jede Gasse wird besungen, und so glückt Leo Ascher mit ״Hoheit tanzt Walzer“ die völlige Durchdringung der Operette mit all dem, was als wienerisch inauguriert ist, ebenso Edmund Eisler ‘der unvergeßliche ״Bruder Straubinger“, die Paraderolle Girardis, der Welterfolg ״Walzerträum“ Oskar Straus' Leo Fall ״Die Dollarprinzessin“, ״Der fidele Bauer“. In Ungarn ist es die Pußta, der heißblütige Puisschlag der Menschen, der den Charakter der Operette umprägt, Emmerich Kaiman ״Czardasfürstin“, ״Gräfin Maritza“, Georg Jarno ״Försterchristi“. All das wurde evident in lebendiger Schilderung, bebildert durch Einlagen der Sängerin Ruth Lehnberg, ein Operettentemperament, oft stimmlich überraschend, des versierten Max Kuttner mit dem einfühlsamen Wilhelm Altmann am Flügel, Der lange und herzliche Beifall des Publikums war zu verstehen. Dr. Jakob Schöuberg Ankündigungen BZV.-Gruppe Hermannplalz. Am 13. Juli Vorführung der ncue-ten I’af!a(ina-M(jnau־chau. Der Kibbuz der Junggruppen der BZV. in Klar Saba benötigt dringend eine Bohrmaschine für 220 Volt, Wechsel״trum, ferner Haushallungsgegemtiinde, sowie Werkzeuge, Beil- und Tischwäsche jeder Art, desgleichen Schallplatte!! und .Musikinstrumente. Jüdische» Lehrhaus. S|1rucl1ku1ac: Fulgrnde Antiingerkurse finden statt: Englisch: Montag und Donnerstag von 20—21.30 Uhr, Mittwoch von 20—21.30 Uhr, Spanisch: Dienstag voll 20—21.30 Uhr. Portugiesisch: Montag und Donnerstag ruft 18—19.30 Uhr. Sun!'liehe Kurse Marburger Str. 5, 111. — Kaumjanp.ischei linghsch: Donneistag von 20—21.30 Uhr, .Marburger btr. 5, III. Monatliche Gebühr 4 RM. — Englische Stenog!a|!11ie: Beginn am 3. August, Meitickestr. 22. — Imensiv-Kursus für Englisch: Neuer Kursus am 2 August. Vortragsänderung im Kulturbund. Am 20. Juli wird in der Josef- Lehmann-Schule statt des angckümligle!» Vortrages von Dr. Alfred Hirschberg sprechen: Dr. Hans Frieden th.nl über ,,U Überwindung seelischer Schwierigkeiten durch kOrpediche Erziehung, — Erfahrungen in der jüdischen Jugendarbeit.'' Kulturbund-Spielplan der Woche. Theater in der Kointnandantcnstr. 20.15 Uhr: ״Czardastiirstm": 19. 7. Abt. 0. 10. 20. 7. Abt. 25, 35, 21. 7. Abt. 28, 38, 22. 7■ Abt. 27, 37. 25. 7, Ab!. 20. 30. Am 20. 7. Vortrag Dr. Han־ Friedcnthal um 20.15 U'!1r, ]״achmudiaier Strafte 13. Jüdischer Kulturbund. In der Aulfiih״ );״!!־׳Die C-:1rd.!־lür>tiu'' alternieren in der Titelrolle Rita Atla.-z und 111 0!- V 11.un׳■«.-hu; m der Rolle der Stasi Edith Eisenbeiiiier um] Rütli Ue;.nbc!g. und in der Rulle des Grafen Boni Julius Kutliau und A!:u.4׳ Lichnm-icin, Familien-Nachrichten Die Wohltah! tspflegcrin Paula Bend it - S! h w c r .י e n z begeht am 1. August ihr 25j,dinge» ]dienstjuloiauns bei de!■ Jüdischen Genteinde zu Berlin. Frau Berta Daniel, X 54, Dr,!(;!!!!-du■■ Heimat hau!■, Gonmmnstrafte 3, begeht am 8. ,׳\ngUst de!! 8t). b>ei,!!!■!-!ag. Herr Mayer Hecht., Schulstr. 74, begr-lit -un 18. Juli den 94. Geburtstag. Bsrmizwah-T ermin! Am 24, Juli (10. A\v): Manfred Mordccluti Ij e n c d y k t, Sohn vjm liiiscli B! nedyk t, AHonäcr Str, 17, ״Alltag fn Palästina“ in Wort und Bild vermittelte die Wizo in einer Abendveranstaltung in der Joseph Lehmanii-Schule. Zunächst wurden in zwei Bildstreifen Arbeit lind Werden, städtische Berufs,׳uishihluiig der Mädchen durch die Wizo in Stadt und Land gezeigt. Dann sprach Frau Elfride Bergel-Gronemann über den Alltag iti Palästina. Die Rednerin führte aus, daß der Zusammenprall von ideal und Wirklichkeit unvermeidlich zu Enttäuschungen führen muß. Und gerade in Palästina finden wir ein besonders hartes Aufeiiiandertreffen von idealer Forderung und Realität. Entscheidend, ob aus Palästina Erez Israel wird, ist, wieviel wir Juden von unseren Idealen, die wir unzweifelhaft in die Realität des dortigen Existenzkampfes —• nicht nur Existenzkampf um das tägliche Leben, sondern Kampf um die Existenz eines Volkes, um die Existenz eines Landes — Umsetzern Alltag als überpcrsönliche Aufgabe, das ist ein Teil des großen Werdungsprozesses, der drüben vor sich geht. Ein Erlebnis ist es besonders, was uns hilft, den Alltag als iiberpersöniiehe Aufgabe in Palästina zu erfassen, das ist das Erlebnis des Volkstums. Die Vorführung des sehr lebendigen und wirkungsvollen Schekel— films bedeutete eine Illustration des Gehörten und verstärkte das Gefühl der innerlichen Bereitschaft für Palästina. W. M. F. KUNDGEBUNG BZW Altpapier Adolf Naftaniel N 65, Am Nordhafen 5/46 26 Q5 {tauft mit Einstampf Garantie I Asphaltierungen 4!||fc Pf/asierungi-n HB *»•toert Welf*r• U/J5, KuTtÜTsUmüümm 4SI49 Ruf .’ 92 4? 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