Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 55 (13.7.1937)
- Date
- 1937-07-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DP JODISCHE RUNDSCHAU _ _Nr. 55, 13. VII. 1937 Lord Peels Rundfunkrede $eito 4 standenen Schwierigkeiten, die uns von den Arabern und den Juden unterbreitet wurden, In Vorschlag bringen; sie steilen aber unserer Meinung nach nicht die Empfehlungen dar, die die uns gestellte Aufgabe und unsere Befugnisse erfordern. Alle diese Empfehlungen werden die Beschwerden nicht abstellen noch ihre Wie• derkehr verhindern. Sie sind die be ten Palliativmitte 1, die wir für die Krankheit, unter der Palästina leidet, anraten können, aber sie sind eben nur Palliat i v e. Vielleicht werden sie die Entzündung abschwächen und die Flebertemneratur herunterbringen; sre können aber die Krankheit selbst nicht heilen, die nach unserer festen Eeberzeugung so tief liegt, daß die einzige Hoffnung auf Genesung in einem chirurgischen Eingriff beruht.“ 3. Vorschlag einer Dauerlösung Nunmehr folgt der 3. Teil ״Die Möglichkeit einer I) a 11 e r - L ö s u 11 g“. Dieser Teil beginnt mit Kapitel XX ״D er Zwang der Verhältniss e“, das wir in der vorigen Nummer vollinhaltlich abgedruckt haben. Darin werden die Motive zusammengefaßt, die die Kommission bewogen haben, eine Teilung des Landes vorzuschlagen. Im XXL Kapitel ״K a n t o n i s i e r u n g“ kommt die Kommission zu einer Ablehnung aller derartigen Vorschlage. ״Sowohl bei Kantonisicrung wie bei Teilung würde eine Minorität beider Völker in einem Territorium verbleiben, das von der Majorität des anderen Volkes kontrolliert wird. Aber die Maßnahmen, die für die Behändbmg dieses Kardinalproblems unserer Meinung nach getroffen werden sollten, wären der Mühe und der Kosten, die sie erfordern, nicht wert, wenn sie nicht die Aussiebt auf eine dauernde und endgültige Lösung des Palästina-Problems eröffnen würden. Wir erhoffen das von der Teilung; wir erwarten es nicht von einer Kantonisierung.“ ״Kantoiii.sienmg ist k e i 11 e L ö s 11 n g für die Frage nationaler Selbstregierimg, Kantonale Autonomie würde auch nicht für einen Augenblick den Forderungen des arabischen Nationalismus (ieimge tun; sie würde die palästinensischen Araber nicht aut die gleiche Stufe bringen, die die Araber in den Nacliha 1l;11!׳k׳rn erreicht haben oder sehr bald erreichen werden. Sic wurde den Juden nicht die volle Freiheit geben, die sie verlangen, um ihr Nationalheim in eigener Weise und eigenem l'empo auf/tibauen, noch würde sie ihnen die Aussicht ggdieii, auch nur jemals selbst in einem kleinen Territorium all das verwirklichen zu können, was Zionisrntis bedeutet. Und im Hintergründe würde die alte Un- Sicherheit iiber das /uküiiftige und endgültige Schicksal Palästinas verbleiben. Kantonisierung, um es kurz zu sagen, schlicht alle Sein׳, ir rmkeiteu, die die Teilung bietet, in sich, ohne aber den einen Vorteil zu enthalten, den Teilung enthält — die Möglichkeit zu einem schlieBlichen Frieden.“ in dem folgenden Kapitel ״Ein Tcilungsplan“ erklärt die Kommission /.unächst, warum sic aus allen diesen Gründen sich berechtigt fühlte, einen so weitreichenden Plan, der die Beendigung tles gegenwärtigen Mandates in sich schlicht, iiberhaunt vur/usclilngen. Wir haben diese E inleitung zu Kap. 22 in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ im Wortlaut abgedruckt (§§ t—3). I)cr Plan selbst bestellt aus 10 Abschnitten, denen Vorschlüge für eine Uebergangspcriode angefügt sind. Den Inhalt dieser Abschnitte haben wir bereits in der vorigen Nummer unter der Ueberschrift ״Die Empfehlungen“ wiedergegeben. Das letzte Kapitel 23 bringt die Schlußbemerkunge n. Sie wurden im Wortlaut auf der 1. und 2. Seite der vorigen Nummer veröffentlicht. Die bevorstehende Unterhaus-Debatte Entsprechend der Ankündigung des Ministerpräsidenten Chamberlai n wird die Palästina-Debatte des Unterhauses erst in der letzten Juliwoche stattfinden, also unmittelbar vor der am 3t). Juli beginnenden Tagung der Ständigen Mandatskommission. Im allgemeinen ist die Stellungnahme der drei großen englischen Parteien zu den I ianpirichtiinien des Berichtes der Kgl, Kommission, nach den Aeullertmgeii der englischen Presse zu urt älen, z 11 s t i in!11 e n d. Fs ist aber zu erwarten, dali insbes(nulerc die ()ppo.-itioiisparteien, Labour Party und Liberale, eine Reihe von V o r b e 11 a 11 e n machen werden, die sich auf einzelne Bestimmungen, insbesondere die über die Grenze des kunf Den ing.iscbcn Mandatsgebietes, iiber die Zuteilung ׳l:-s Ncgew, über den provisorischen Status von Haifa, Safe 11, Tibcrias und Akko, iiber die Rechte der jüdi sehen Bevölkerung von Jerusalem, über die Frage der jährliehen Sul'jvi isuiin an den arabischen Staat usw., beziehen. Die La In :in־ Parte hat beschlossen, eine besondere Kommission unter dem Vorsitz ihres Führers, Major Attke, ein/ih.etzvn, die ׳len Peel-Bericht studieren und einen Entwurf über die Stellungnahme der Labour Party ausarbeiten soll. Zu demselben Zweck beabsichtigt auch die Liberale Partei einen Ausschuß cin/usct/en. Im Oberhaus hat Lord S 11 e 1 1, der 1930 der Shaw- Kommission augeh ■rte und ein dissenticreades Minderheits- Votum erstattete, allgekündigt, daß er den Peel-Bericht zur Sprache bringen wird. Die Prozedur in Genf Der Generalsekretär de־ Völkerbundes, Avenol, hat den Mitgliedern 1׳ es Vöikerbundsrates den Wunsch der britischen Regierung übermittelt, daß der Bericht der Kgl. Kommission und die Regierungserklärung der Palästina-Politik der Mandatskommissiüi! in ihrer Sitzung vom 30. Jul! vorgelegt werde, da die britische Regierung die Angelegenheit in der 'S e p - t e m b e r - T a g ti n g des Vöikerbundsrates zur Sprache bringen wolle, in der britischen Note wird hervorgehoben, dali ״die Regierung Sr. Majestät im Hinblick aut die Dringlichkeit dieser Frage darauf bedacht ist, daß alle Schritte unternommen werden, um jede unnötige Verz ö g e r u!1 g zu vor m e i d e 11. Die Tatsache, daß die Stär!־ dige Mandatskommission bei ihrer bevorstehenden Tagung am 30. Juli diesen Bericht vorliegen haben wird, scheint die erfreuliche Möglichkeit zu bieten, die Prüfung der 'Sache zu beschleunigen.“ In der Note wird weiter darauf hingewiesen, daß die vorläufige Behandlung des Berichtes in diesem Monat nicht die Möglichkeit einer'!1 o c h m a f i g e n Behandlung nach der S e p t e 111 b e r - T a g u n g des Rates ausschiiefit, falls die Regierung dies als notwendig oder wünschenswert erachten sollte, _ Anläßlich der Beendigung der Konferenz des Komitees für die Annäherung von Christen und Juden (vgl. ״J. R.“ Nr. 53 und 31) fand in Wien eine große öffentliche Ver- Sammlung statt, bei der auch der anglikanische Bischof von Jerusalem, Rev, Graham Brown, sprach. Er be• grüßte d e!1 T c i I u ח g s p! a 11 als einen Friedensappell der Welt den Juden gegenüber und gab der Hoffnung Ausdruck, daß dadurch das Zusammenleben vor! zwei großen Kulturvölkern, der Juden und der Araber, im Interesse des Friedens und des Fortschrittes gewährleistet werden wird. im Londoner Rundfunk gab der Vorsitzende der Kgl. Kommission, Lord Peel, einen kurzen Bericht über die Art, wie die Kommission ihre Untersuchung durchgeführt hat. ״Der Bericht“, so erklärte er, ״ist einstimmig erstattet worden; kein einziger der sechs Kommissare hat auch nur eine Zeile des Vorbehaltes hinzugefügt. Unsere Pflicht ist es gewesen, die tieferen Ursachen der Unruhen des vergangenen Jahres festzusteilen und die Durchführung des Mandates in Palästina zu untersuchen, die Beschwerden von Juden und Arabern zu prüfen und Abhilfe vorzuschlagen, wenn diese Beschwerden sich als begründet erweisen. Die Sache der Juden und die der Araber ist uns in sehr verschiedener Weise vorgetragen worden. Die Juden haben sich ungeheure Mühe genommen, ihre Sache zu organisieren und ihre Forderungen uns vornilegen. Unserem Wunsche nach Informierung ist durch hochqualifizierte Fachmänner in reichem Maße entsprochen worden. Arabische Zeugen sind eine Zeit lang nicht vor uns erschienen. Als aber das 1berste Arabische Komitee endlich beschloß, auszusagen, da wurde klar, daß cs nicht so sehr sich gegen die Handhabung von Einzelheiten des Mandates wende(, sondern die tkrechtigkeit und Autorität des Mandats selbst angreift. Der Wettbewerb war somit ungleich. Die Juden prüften peinlich genau jeden Satz der Artikel des Mandates und argumentierten, daß die Regierung aus Lässigkeit oder Gleichgültigkeit die jüdischen Rechte und Forderungen nicht voll durchgesetzt habe. Auf der anderen Seile lehnten die Araber das Mandat verächtlich ab und stellten sich auf den Standpunkt des angeborenen Rechtes der Mehrheit eines Landes, ihre Angelegenheiten in ihrer Weise zu führen. Die Araber erhoben drei Forderungen: 1. dal! die jüdisehc Einwanderung sofort aufhöre; 2. daß kein Rod •n mehr von Juden erworben werde und 3. daß sofort Vofksveitretungseinrichtungeij geschaffen werden. Bei dem Fortgang der Untersuchung, sagte Lord Peel weiter, enthüllte sich uns die Situation in ihrer wahren Tragik: ein kleines Land, nicht größer als Wales, mit einer Bevölkerung von etwa einer Million Arabern und 490000 Juden, die miteinander im Streit liegen, deren Denkweise und Verhalten, deren soziales Leben ebenso un voreinbar miteinander sind, wie ihre Aspirationen. Man hatte gehofft, daß mit der Zeit die dem Lande durch die Juden gcbrachte größere materielle P r 0 s ין e r i t ä t die Araber veranlassen würde, sich mit der gegebenen Lage zu- Ablehnende Erklärungen ״Ausgangspunkt zu weiteren Fortschritten“ Der englische Abgeordnete Colone! Josuah Wedgwood hat in einer der Jiid. Tel.-Agentur übergebenen Erklärung als das Schlimmste an den Vorschlägen der Kgl. Kommission die vollständige Außerachtlassung der Bedürfnisse der Juden bezeichnet. Der Teilungsplan sei unfair, weil er das jüdische Gebiet, noch mehr als cs notwendig wäre, einschränkt. ״Ich hoffe“, sagte Colonel Wedgwood, ״daß die Juden .die Teilung, wenn sie angenommen und verwirklicht werden sollte, nur als Ausgangspunkt zu weiteren Fortschritten bctrachten werden, Es besteht, glaube ich, wenig Zweifel daran, daß sich ein starker Widerstand dagegen erheben wird, daß wir zwei Millionen an T r a n s j o r d a n i e n zahlen sollen. Wenn das Mandat geändert wird, warum dann nicht in der Weise, daß eine Kronkolonie- Regierung und eine Verwaltung vorgesehen wird, die bereit ist, die Regierungsgewalt auszuüben. Die jetzt voreschiagene Politik ist feige lind für unser Prestige verängnisvoll. Wir haben viel schwierigere Probleme in Indien, in Kenya und in Westindien gemeistert, wo der Gegensatz zwischen zwei Rassen bedeutend größer war, als der zwisehen Arabern und Juden in Palästina. Was wir anderwärts erfolgreich durchgeführt haben, konnte geschehen, weil die britischen Beamten es wollten Und einen Erfolg anstrebten. In Palästina ist es nur mißlungen, weil es von den Beamten sabotiert wurde; das könnte sicher gutgeinacht werden durch starke Regierung und Festigkeit beim englischen Volk.“ ״Wir sind betrogen“, erklärte der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Dr. Stephen S. W i s c, anläßlich der Veröffentlichung des Peel-Berichtes: ״Wir haben unser Vertrauen in England gesetzt, jetzt erhalten wir den Lolin f!ir dieses Vertrauen. Keine tausend Cominand Papers werden die Entscheidung der Regierung zum Gesetz machen. Die Völker, nicht nur der Völkerbund, werden über die Teilung gehört werden.“ Dr. Wise bezeichnete den Teilungsplan als ״ein furchtsames A!1 s w c i c h e n der Regierung, die niemals gescheitert ist, weil sie niemals versucht hat, die Durchführung des Mandates zu erzwingen.“ Dem England von heute fehle ein Lord Balfour. Jabotinskys ״unbedingtes Nein“ Der Präsident der ״Netizionisfisclien (Revisionistischen) Organisation“, Jabotinsky, bat einen Aufruf erlassen. In dem es heißt: ״Das von der Mandata!macht veröffentlichte Dokument enthält zwei wesentliche Merkmale: den Judenstaats-Gedanken und den Tcilungsplan. Das erste ist ein unwiderrufliches Eingeständnis, daß das Jüdische Nationalheim nur den Judenstaat bedeutet und daß dies der Sinn des Mandates ist. Dieses Eingeständnis wird bestehen bleiben. Aber das zweite, der Versuch, das Gebiet des Juden- Staates von dem im Mandat beabsichtigten 1(10 090 Quadratkilometern aut 3900 Quadratkilometer herabzusetzen, bedeutet die Vernichtung des humanitären Kerns des Zionismus, der in der Repatriierung von Millionen heimstloser Juden liegt. Der Verlust dieser einzigen Hoffnung für die jüdischen Massen vieler Länder würde diese zur Verzwciflung treiben und droht, die Judenfeindschaft zur anerkannten Politik einer Anzahl von Regierungen zu machen. Ein Nationalheim ohne eine Nation zu errichten, bedeutet einen Hohn auf die Ideale des Zionismus und einen Beweis für die Menschen, daß kein feierliches Versprechen angesichts vor. Gewalt erfüllt werden kann und daß die Erfüllung feierlich übernommener Verpflichtungen immer zugunsten behelfsmäßiger Regelungen geopfert 'werden wird.“ Es heißt dann weiter: ״Unser jüdisches ,Nein‘ muß einmütig und unbedingt sein. Es darf nicht einen Protest bedeuten, sondern muß die Verweigerung der Zusammenarbeit mit jeglicher jüdischer Körperschaft einschlicßen, die bereit ist, auch unter Protest mit der britischen Regierung zu kooperieren.“ Schließlich fordert Jahotinsky die Einberufung einer ״durch allgemeine Wahlen gebildeten“ jüdischen Natlonalversammlung. _ Von den in Genf lebenden arabischen Kreisen wird be• haupfet, daß zu der bevorstehenden Sitzung der Ständigen Mandatskommission eine starke arabische Abordnung in Genf eintreffen wird. Dieser Abordnung werde vermutlieh auch der Mufti von Jerusalem angehören, friedenzugeben. Bedauerlicherweise aber hat sich der Gegensalz zwischen den beiden Volksstämmen erweitert und vertieft. Die Leute sind Araber oder Juden: der Gedanke einer gemeinsamen Loyalität für palästinensisches Bürgertum wird täglich hoffnungsloser. Wir haben uns sehr bem ii h t, Mittel zur Abhilfe i rn R a 11 m e n 1׳ e s M a ndates zu finden. Aber wir wurden zu der Ucberzeugung gezwungen, daß unsere Vorschläge nicht an' die Wurzel des Uebels rührten und daß das Mandat selbst revidiert oder auf gegeben und eine neue Regierungsform gcschaffen werden muß.“ Lord Peel umriß sodann die von der Kommission vorgeschlagene Lösung gemäß der schon aus dem Bericht selbst bekannten Darlegung und schloß: ״Wir sind tief davon überzeugt, daß das jetzige System mit einer K a - tastrophe enden n! u ß. Wir sind der Regierung dankbar für ihre schnelle Entscheidurig, die alle Gefahren der Ungewißheit und der Verzögerung vermieden hat. Wir haben den festen Glauben, daß die Verpflichtung, die dieses Land den Arabern und den Juden gegenüber eingegangen ist, in anderer Form erfüllt werden wird. Wir appellieren an die beiden Gemeinschaften in Palästina, uns guten Willen bei dem Studium unseres Berichtes entgegenzubringen und anzuerkennen, daß wir uns ehrlich, ohne Furcht oder Gunst, bemüht haben, Heilung zu bringen für jene tief eingewurzelten Unzufriedenheiten, jene Rivalitäten und Ambitionen, die dein Geiste des Heiligen Landes so fremd sein sollten.“ Das Protokoll der Peel -Vernehmungen Kolonienminister Ormsby Gore gab auf eine Anfrage des Abgeordneten Oberst Nathan bekannt, daß das Protokoll der öffentlichen Vernehmungen durch die Kgl. Kommission 1tn Druck sei und als ein nichtparlamentarlsches Dokument veröffentlicht werden wird. Das Protofco!I dürfte nicht früher als mindestens in einem Monat fertiggestellt sein. Die englische Staatsdruckerei gibt bekannt, dal! die erste Auflage des Berichtes der Kgl. Kommission nusverkauft ist. Von der Veröffentlichung an zeigte sich eine ungeheure Nachfrage nach den Exemplaren, die zu einem Preise von 6/6 Shilling verkauft wurden. Die zweite Auflage ist in Vorbereitung, Keine Verhandlungen? Ein Spezialkorrcsnondent der Londoner ״S u 11 d a y Tinies“ erklärt, daß die Grenzziehung der geplanten Staaten in Palästina nicht Gegenstand von Verhandiungen sein werde. Wenn der Völkerbund die Vorschläge der Kommission billigt, dann werde die Grenzziehung durch eine Kommission, wie sie von Lord Peel und seinen Kollegen vorgeschlagen wird, vorgenammen werden. Die Grenzkommission werde sich nach den bei der Untersuchung an Ort und Stelle vorgetroffenen Untersuchungen richten. In der ״S u n d a y Times“ unterzieht ferner ״Scrut a f 0 r“ (־- Herbert Sulcbotham) den Teilungsvorschlag einer vernichtenden Kritik. Wer den Aufstand von Juda Makk a b ä 11 s studiert hat, so schreibt er u. a., kann eine Teilung nicht gutheißen, die die strategisch wichtigen Oejiirgc in der Hand der Araber beläßt. Gibt es nach dem Tode ״A. 11 e n b v s niemand, der die Regierung in solchen Fragen berät? Jej2j müsse man sich auf eine Verbesserung der (Iren- 7. e 11 konzentrieren, um mehr Raum für einwandernde Juden zu schaffen. Die Moral für die Zionisten sei. ihre Arbeit fortzusetzen. Die Moral für England ist die Einsicht, daß ohne Phantasie und Tatkraft kein konstruktives Werk gelingt. Stimmen der Wiener Presse Von unserem Berichterstatter J. R., Wien, 11. Juli Die gesamte Wiener!1resse, einschließlich der kathofischen ״Rcichspost“ und den national-betonten ״Wiener Neuesten Nachrichten“, veröffentlichte sowohl in den Morgenals auch in den Abend-Ausgaben des 8. Juli in größter Aufmachung und ari leitender Stelle die Berichte über den englischen Teüungsplan Palästinas. Die großen Tagesblätter widmeten den! Ereignis die erste Seite und den Leitartikel, wobei das Positive einer Installierung eines Judenstaates in historischer, moralischer, wie in praktischer Beziehung besonders unterstrichen wird. Mit Ausnahme tles ״Neuen Wiener Tagblattes“ das in seinem Kommentar nebst der uneingeschränkten Würdigung der großartigen jüdischen Arbeit in Palästina gegen England und dessen Paiästina-Administration den Vorwurf erhebt, den extremen arabischen Tendenzen im Lande gegenüber eine schwächliche Politik betrieben zu haben, finden die anderen Blätter Worte der Anerkcnming für die Loyalität und den ehrlichen Willen Eng- Lands, in der Palästina-Frage einen gerechten Ausweg gegenüber Juden und Arabern zt! suchen. Die katholische ״Reichspost“ schiebt die Schwierigkeiten in Palästina in erster Linie den Juden zu, im übrigen aber findet das Blatt, das ja auch als ein Sprachorgan des Vatikans angesprochen werden kann, insbesondere den Plan eines Mandates über die heiligen Stätten durch England als begrüßenswerte Lösung, die von der christlichen Welt nur gutgeheißen werden kann. Eine entschieden ablehnende Stellungnahme bezieht die Wiener zionistische Presse, und zwar sowohl das offizielle Organ des Landeskomitees ״Die Stimme“ als auch die oppositionelle (Judenstaatspartei) ״Neue W e i t“. Das Blatt der Wiener ״Israelitischen Union“ schreibt u. a.: ״Einer nicht existierenden Nation will England ein nationales Heim schaffen.“ Die Begründung eines jüdischen Zwergstaates unter scheinbarer Souveränität sei ein Unglück für die Juden der ganzen Welt. In einem Artikel der ärmlichen ״Wiener Zeitung“ wird auch die Stellungnahme der Wiener Unionisten in wenig schmeichelhafter Weise verzeichnet. ״Drei jüdische Gruppen“ Das Londoner Sonntagsblatt ״Observer“ berichtet aus Jerusalem, daß unter den Juden drei Gruppen zu unterscheiden seien. Die erste, sehr gering an Zahl, sei für die Teilung. Die zweite Gruppe ist gegen jede Teilung und entschlossen, dies auf dem kommenden Zionistcukongreß durchzukämpfeu. Diese Gruppe sei stark und mächtig und geführt von bekannten zionistischen Führern. Die dritte und größte Gruppe sei im Prinzip für die Teilung, aber wenn der vorgeschlagene judenstaat nicht vergrö- Bert wird, wird diese Gruppe auch einheitlich ins Oppositionslager übergehen. Genaue Beobachter — so fügt ״Ob- Server“ hinzu — glauben, daß die Möglichkeit für Verhandlungen mit dieser letzteren Gruppe gegeben sind. Eine Erweiterung der Grenzen des jüdischen Staates könnte viel dazu beitragen, die dritte Gruppe auf den! bevor- Stehenden Zionistenkongreß zu stärken.