Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 55 (13.7.1937)
- Date
- 1937-07-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 JÖDlSCHE RUNDSCHAU Nr. 55, 13. VII. 1937 Es wird hervorgehoben, daß außer dem Kolonialminister O r m s b y - G o r c auch der neue Minister für das Herzogtum Lancaster (dies ist ein bloßer Titel ohne Ressort) Lord Winter ton die Sache der Regierung vertreten wird. Wir haben schon bei der Bildung des neuen Kabinetts Chamberlain darauf hiiigewiesen, daß der Eintritt Lord Wintertons, eines entschiedenen parlamentarischen Fürsprechers des a r a bischen Standpunkts, für die Palästinasache von Bedcutung sein kann. Es ist anzunehmen, daß Lord Winterton, ein Freund und Mitkämpfer von Oberst Lawrence, vor allem die Vorteile für die Araber bei Bildung eines größeren, Transjordanien umfassenden und mit den anderen arabischen Ländern kooperierenden arabischen Staates — eine teilweise Durchführung der Lawrencc’schen Ideen — hervorheben und im übrigen besonders die weitergehenden Ansprüche der Juden zurückweisen wird. Sonnabend wurde in London ausdrücklich betont, daß die englische Regierung mit der Aufnahme, die der Bericht der Königlichen Kommission gefunden hat, sehr z u f r i e - den ist, Die Haltung: Frankreichs Von unserem Pariser Berichterstatter K. Pari s, im Juli Frankreich hat das größte Interesse daran, daß der Konflikt um Palästina eine dauerhafte Lösung erfährt. Es ist kein Geheimnis, daß die französische Regierung über die Absichten der englischen Regierung hinsichtlich Palästinas auf dem Laufenden gehalten worden ist, sowohl aut diplomatischem Wege wie durch die Besprechungen, die Weizmann mit dem trüberen Ministerpräsidenten und jetzigen Vi/epräsideuten des französischen Kabinetts, Leon Fl! u m, geführt hat. Die offizielle Haltung der französischen Regierung hat trotz der durch die Umstände gebotenen Zurückhaltung gegenüber einer befreundeten Großmacht eine w i c h I i g e V e r ä n d e - rung des T e i 111 n g s p 1 a n c s zur Folge gehabt, die sich im jüdischen Interesse ausgewirkt hat. In den ursprünglichen Vorschlägen der Royal Commission bestand die Absicht, außer dem Korridor, der von Jerusalem zum Meere führt, noch einen zweiten — arabischen — Korridor im Norden nach Haifa zu schaffen, wodurch ein direkter Zugang־ des neuen arabischen Staates zum Meere geschaffen worden wäre. Die französische Regierung bat sich gegen diese Absicht gewandt, da durch einen solchen Korridor der neue christliche Libanon- Staat nicht mehr an den jüdischen Staat grenzen würde, der Libanon-Staat also von drei Seiten von mohammedanischen Staaten umschlossen wäre. Frankreich wünscht aber eine Anlehnung des neuen Libanon-Staates an den jüdischen Staat, um dadurch ein Gegengewicht gegen die Stärkung der mohammcdanischeii Araber durch die Souveränität Syriens und durch die Gründung Großtransjordaniens zu finden. Dieser Stellungnahme Frankreichs ist es im wesentlichen zu verdanken, daß nach dem jetzt veröffentlichten Teilungsplan ganz Galiläa an den Judenstaat fallen soll. Unter französischer Anleitung sind auch bereits in diesen Tagen Verbindungen z w i s c 11 e n j ii d i s c h e ti u n d I i b a - nesischen Kreisen angeknüpft worden, die für die Zukunft eine fruchtbare und enge Zusammenarbeit zwischen den beiden neu geschaffenen Staaten Libanon und dem Juden- Staat erwarten lassen. Die dem Zionismus freundlichen Erklärungen der maronitischen Patriarchen sowie des libanesisehen Staatspräsidenten Edde erklären sich aus diesen Zusammenhängen. Trolz der in französischen Regierungskreisen bestehenden Sympathie für die jüdische Sache darf man aber kaum eine aktive Intervention im jüdischen Interesse erwarten. Frankreich wird von seinen unmittelbaren politischen Interessen im Orient geleitet. Es legt als Schutzherr von vielen Millionen von Arabern und Mohammedanern Wert darauf, mit diesem Teile seiner kolonialen Bevölkerung in guten Beziehungen zu bleiben. Es muß heute um so mehr die Interessen seiner mohammedanischen Untertanen berücksichtigen, als die Unruhe in Nordafrika anhiilt und andere Mächte um die Gunst der Mohammedaner werben. Andererseits ist Frankreich bereit, seinem Verbündeten England bei der Herstellung des Friedens und der Sicherheit in Palästina tatkräftige Hilfe zu leisten. Die Tätigkeit des Mufti von Jerusalem in Damaskus wird auch in Frankreich mit Unruhe verfolgt, und es kann als sicher gelten, daß Frankreich eine Organisation von arabischen Banden in Syrien, die aktiv in die paläsfinensischert Verhältnisse oingreifen könnten, nicht zulassen wird. Die Zusammenarbeit zwischen dem syrischen und dem palästinensischen Grenzschutz ist durch Besprechungen der tnilitärischcn Autoritäten in den letzten Wochen ausgebaut worden. Man begrüßt es in Frankreich, daß die früher bestehenden Lücken in der englischen Grenzkontrolle jetzt geschlossen worden sind. Alles in allem ist anzunelimen, daß Frankreich in der Mandatskommission dem englischen Teilungsplan kei- Ben Widerstand entgegensetzen wird. Die französische Presse hat — im allgemeinen ohne Kommentare —- von den Vorschlägen der Royal Commission Notiz genommen. Hervorzuheben ist ein Artikel des ״Temps“, der in ziemlich skeptischer Weise die Aussichten des englischen Teilungsplanes beurteilt. Von den Aeußcrimgen der jüdischen Presse in Frankreich heben wir den Leitartikel des ״Univers Israeütc“ hervor, der gleichfalls auf die Schwierigkeiten hinweist, die sich bei der Durchführung des Teilungspfanes ergeben. Holländische Stimmen Von unserem Berichterstatter RL. Den Haag, 9. Juli Die holländische Presse räumt dem Bericht der Peel- Kommission einen breiten Raum ein. Die Leitartikel, die sich mit der Palästinafrage beschäftigen, kommen meist zu keiner deutlichen Stellungnahme, sondern begnügen sich vielfach damit, das Entstehen der heutigen kritischen Situation darzustellen und darauf hinzuweisen, daß die vorgeschlagene Lösung weder Juden noch Araber befriedigen kann. Das ״Algcmcen H a n d e ls b lad“, das eine aufschlulirciche Untersuchung von Mr. Jacob Frankel über das Palästinamandat bringt, wirft in seinem Leitartikel die Frage aut, ob der den Juden zuzuweisende Teil Palästinas ausreichende wirtschaftliche Existenzmögliehkeiten biete. ״Bietet dieses Land die wirtschaftliche Möglichkeit für weitere Einwanderung in so großem Umfange, daß praktisch die regelmäßige Ausbreitung des Nationalheims Fortgang finden kann, und daß die Juclcnfragc, die durch die jüngsten Ereignisse in Europa so brennend geworden sei, wenn nicht gelöst, so doch gemildert wird? Dies ist eine Frage praktisch er Politik, die für die Zionisten zweifellos nicht vo!1 dem grundsätzlichen Problem getrennt werden kann.“ Hauptsehriftleiter: Dr. Robert W e 111 c h, Berlin - Cliarlottenburg ß (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W 15. Anieigenieiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 15. Gültig Anieigen - Preisliite 5 vom 1. April 193S. Verlag und Anleipenverwaltung: lüditche Rundschau, Berlin W 15. Meinekestr. 10. ITA. 11/1937 30 316. — Druck: Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg. Die Haltung: der USA Die ״Times“ vom 9. Juli berichtet aus Washington über die Aufnahme des Peel-Berichtes in Amerika. Staatssekretär Hüll habe sich am 8. Juli nur ganz zurückhaltend geäußert. Er ״deutete diskret an“, daß alle Phasen der Angelegenheit schon bisher Gegenstand des Gedankcnaustausches zwischen der britischen und amerikanischen Rcgierung gewesen seien und dies auch weiter bleiben. Der Berichterstatter der ,,Times" schreibt, die entscheidende Frage sei, ob die Teilung bei ihrer Durchführung irgendwie die amerikanischen Rechte beeinflussen würde, die in dem Vertrag von 1924 garantiert seien und wirtschaftliche Gleichstellung in Palästina sicherten. Die amerikanische Regierung prüfe ohne Zweifel das Problem mit Unvoreingcnommcnheit. Mehr als ein Gesuch ist aber bereits von amerikanischen jüdischen Organisationen im Weißen Haus und im Staatsdepartement erfolgt, die irgendeine Form der Intervention anstreben, um das Mandat für Palästina unverändert zu erhalten, und den Vertrag von 1924 heranziehen, damit Amerika seine Macht cinsetze, um eine Aenderung zu verhindern. Es sind auch Stimmen iin Kongreß laut geworden, die verlangen, daß die USA. der englischen Regierung die NotwendigKeit einer Hinausschiebung klarmachen, bevor irgendein Entschluß über die Empfehlungen der Kommission gefaßt werde. Die extremen Elemente in der amerikanischen Judenheit machen sich zur Zeit natürlich besonders borbar, und das um so wirksamer, als die Araber in Amerika keinen Sprecher haben. Die nichtjüdische öffentliche Meinung ist vorwiegend neutral und dürfte einem Vorschlag, der ein Kompromiß zwischen Juden und Arabern sucht, gute Seiten abgewinnen. Ob das vorgeschlagene Kompromiß tatsächlich das beste ist und ob irgendeine andere Alternative für die extremen Elemente auf neiden Seiten nicht weniger unannehmbar wäre, sind Fragen, über die die Haltung der atneri- Ionischen Regierung wahrscheinlich der öffentlichen Meinung den Weg weisen wird. Eine restlose Annahme der Teilung«־ idee gibt es in den amerikanischen Blättern, die den Be* rieht bisher kommentiert haben, nicht. Die ״New York Herald Tribüne“ nennt ihn ״ein Bekenntnis des Versagens“, füfjft aber hinzu: ״Was anderes hätte man tun können?“ Die Fairness und Ausgewogenheit des Berichtes wird anerkannt. (Uebcr die Stellungnahme von ״New York Times“ haben wir schon in Nr. 54 der ״J. R.“ berichtet. — A. d. R.) Wie die Jüd. Tel.-Agentur erfährt, hat der amerl* kanische Botschafter in London, R. W. Bingham, im Aufträge der Regierung der Vereinigten Staaten am Freitag eine längere Unterredung mit Außenminister Eden über das Palästina-Problem und über die Vorschläge der Kgl. Kommission abgehalten. Der britische Botschafter in Washington hat die Instruktion erhalten, die größten Anstrengungen zu machen, uin die Zustimmung der Vereinigten Staaten zu den Vorschlägen der Kgl. Kommission zu erlangen. In einer der nächsten Sitzungen des amerikanischen Repräsentantenhauses wird die Palästina-Frage zur Sprache gebracht werden. Der Vorsitzende des Eimvanderungsausschusses Abg. ■Dickstein bereitet eine Interpellation vor. Senator Warren H. Austin aus Vermont, einer der vier amerikanischen Senatoren, die vor einiger Zeit Palästina besucht haben, kündigte an, daß er die Frage der Teilung Palästinäs im amerikanischen Senat aufrollen werde. Der Kommentar der ״Times“ fn ihrer Ausgabe vom *8. Juli nimmt, wie schon kurz gemeldet, die ״Times׳‘ zu dem Bericht der Königlichen Kommission in einem sehr ausführlichen Leitartikel Stellung, worin sie der Regierung rückhaltlos zustimmt. In dem Artikel heißt es u, a.: Die Entscheidung der Regierung beendigt eine Politik und ein Regierungssystem, die trotz früherer Hoffnungen sich ebenso für die Juden wie für die Araber als unfair erwiesen und dem Land nur geschadet haben. Beiden Gemeinschaften sei die Souveränität versprochen worden, und keine hatte eine wirkliche Chance, sie zu erlangen. Wenn nicht Juden und Araber auseinandergehen oder aber sich in einer einzigen palästinensischen Nation vereinigen, so biete ihnen das Mandat in seiner gegenwärtigen Form keine bessere Aussicht. Im Lichte der Erfahrung ist eine dieser Aussichten endgültig verschwunden. Die in offiziellen britischen Kreisen gehegte Hoffnung auf eine jüdisch-arabische Nation muß aufgegeben werden. Die jüdische Einwanderung hat fraglos den Arabern große Vorteile gebracht, aber sie hat auch den antijüdischen Gefühlen der Araber einen ungeheuren Antrieb gegeben. Diesem arabischen Nationalismus steht ein mehr demokratischer jüdischer Nationalismus gegenüber, der ständiger Anstrengungen und großer Opfer fähig ist. Was immer die Zukunft auch bringen mag, der zionistische Nationalismus ist weit besser organisiert und ausgerüstet als sein Gegner und ist der finanziellen Hilfe und moralischen Unterstützung der zerstreuten, aber einflußreichen jüdischen Gemeinschaft in der Alten Welf, und noch mehr in der Neuer!, sicher. Diese beiden Kräfte haben sich in Palästina gegenübergestanden und die beiden Völker zu bitteren Feinden gemacht. Die meisten Heilmittel, die von verschiedenen Anschauungen her vorgeschlagen wurden, sind nur palliativer Natur und darum unwirksam. Die vorgeschlagene Begrenzung oder Einstellung der jüdischen Einwanderung würde wahrscheinlich an Stelle der Hoffnung auf ein Nationalheim, das den Juden Sicherheit verschaffen sollte, einen ״Nationalfriedhof“ schaffen. Wenn ein europäischer Krieg während der letzten Unruhen in Palästina ausgebrochen wäre, so würden Tel Aviv und andere jüdische Siedlungen wohl das Schicksal Smyrn as erlitten haben. (Die Stadt Smyrna in Kleinasien wurde 1922 im Laufe des griechisch-türkischen Krieges zerstört und die griechisch-christliche Bevölkerung massakriert, — A. d. ״|. R.“) Die Aufrechterhaltung■ eines begrenzten Zahlenverhültnisses zwischen Juden und Arabern könnte nur versucht werden, wenn die Lage der Juden in Europa normal und statisch wäre. Die Kantonisierung geht nach Meinung der Kommission nicht weit genug und löst das Problem der Selhstregierung nicht. Die klare Scheidung ist das einzige Mittel für eine Lage, die immer schlechter werden muß, moralisch und finanziell die britische Regierung belastet und für Araber und Juden katastrophale Folgen hat. Das Blatt wägt dann die Vorteile ab, die Araber und Juden bei der Teilung hätten, und sagt bezüglich Jerusalems, daß diese Stadt niemals von den Anhängern irgendeines Glaubens monopolisiert werden könnte; zum ersten Male, seit der Tempel durch die Legionen des Titus in Flammen gesetzt wurde, erhalten die Juden Souveränität und Freiheit in ihrem eigenen Lande, unter eigener Flagge und unbeschränkter Ein wände* rung in ihren neuen Staat. Die englischen strategischen Fn* teressen in Palästina seien beschränkt auf eine Garantie einer Möglichkeit der Unterbringung für die britischen Streifkräfte in Aegypten, falls sie die Kanalzone verlassen, auf die Be* schützung der Oelleitung vom Irak bis Haifa und die Auf* rechterhaltung der bestehenden Erleichterungen für die Luft- Verbindung mit Indien. Welches auch immer die Kritik gegen den Teilungspian sein möge, er biete doch das größtmögliche Maß von Gerechtigkeit gegen* über den beiden Nationen in Palästina und gegenüber dem britischen Steuerzahler. Ben Gurion im ״Daily Telegraph“ In einer Zuschrift an den Londoner ״Daily Tele* raph“ erklärt der Vorsitzende der Exekutive der Jewish gency, David Ben G urion, der gegenwärtig in Lon* don weilt: Nicht das Mandat als solches habe versagt, son* dern die Palästina-Verwaltung, die die Aufgabe hatte, es ru verwirklichen. Es bestehe wenig Zweifel, es möglich gewesen wäre, die Mandatsverpflichtungen gegenüber den Juden und den Arabern zu erfüllen, wenn die Politik des Mandates und der Balfour-Deklaratiom ohne Zögern du rehgeführt worden wäre. Ben Gurion beschäftigt sien weiter mit dem Teilungsplan und stellt fest, daß die radikalen Vorschläge der Kommission mit dem Mandat und mit den internationalen Verpflichtungen Englands unverein bar sind. Er übt Kritik daran, daß der Negew nicht dem geplanten Judepstaat angeschlossen und Jerusalem von ihm abgetrennt werden soll. Derselbe Korridor, der Jaffa mit dem arabischen Staat verbindet, könnte auch die über 70000 Seelen zählende jüdische Bevölkerung des neuen Jerusalem mit dem jüdischen Staat verbinden. Ein Juden- Staat ohne Jerusalem als Zentrum sei unvorstellbar. Ein* leitend anerkennt Ben Gurion das ernste Bemühen der Kommission, den Dingen auf den Grund zu gehen. Weizmann bei Ormsby Gore Wie aus den Kreisen der Jewish Agency mitgeteilt wird, ist der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Weizmann, am Mittwoch nachmittag vom Kolonienminister Ormsby Gore zu einer längeren Unferredung empfangen worden. Der eiste Eindruck in Polen Von unserem Korrespondenten Warschau, 9. Juli Als am 7. Juli um 8 Uhr abends die Extfcausgaben der jüdischen Zeitungen in Warschau mit dem Inhalt des Kommissionsbcrichtes und der englischen Regierungserklärung erschienen, sammelten sich auf den Straften der jüdischen Viertel große Menschenmengen, die lebhaft das historische Dokument aufnahmeii und besprachen. Es gibt hier wohl keinen einzigen Juden, welcher interesselos •der neuen Gestaltung der Dinge in Palästina gegenüberstände, und cs gibt auch sehr viele Nichtjuden, die mit Aufmerksamkeit diese Meldungen begleiten. Welches ist der erste Eindruck bei den polnischen Juden? Die Nachricht der Konstituierung eines Judenstaates in Palästina, die Anerkennung der Juden als eines ״staatsfähigen" Volkes ruft Genugtuung hervor, insbesondere in zionistischen Kreisen, die darin einen Sieg der zionistischen Staatsidee und den Beginn der Verwirklichung des Herzischen Traumes erblicken. Aber sowohl die Einzelheiten des Berichtes bewirken, daß in dem Lande der größten jüdischen Massensicdlung und der tragischsten jüdischen Not auch die Proklamicrung eines jüdischen Staatswesens, die unter anderen Bedingungen jauchzende Freude ausgelöst hätte, diesmal keinen Enthusiasmus hervorrief. Die Einschränkung der Grenzen des jüdischen Palästina, die Begrenzung der Expansions- und damit auch der Alijah-Möglichkeiten, und auch der Ton des Berichtes, wirkten hier im ersten Augenblick deprimierend und enttäuschend. Die Aeußerungen der Presse und der Parteiführer ergeben folgendes Bild: Von der ״Agudah“ bis zur zionistisehen Linken wird eine ablehnende Stellung eingenommen, wenn auch dem vor der Peel-Kommission proklamierten Grundsatz der Schaffung eines Judenstaates oeigestimmt wird. Einmütig wird hervorgehoben, daß die Kommission unrichtig die Behauptung aufstellt, daß das Mandat 1:1 seinen bisherigen Bestimmungen undurchführbar sei. Es wird scharfer Protest gegen die vorgcschlagenen Grenzen, gegen die an den arabischen Staat zu zahlende Subvention und gegen die Alijahbestimmungen in der Uebergangszeit erhoben. Die Massen werden zu Ruhe, Geduld und Wachsamkeit, zu Disziplin und Gehorsamkeit den autoritativen zionistischen Instanzen gegenüber aufgefordert. Es wird auf den bevorstehenden XX. Kongreß ningewiesen, der entscheidende und wohlüberlegte Beschlüsse wird fassen müssen. Von den zwei englischen Eventualitäten: Beharren beim Mandat und Forderung seiner vollen Durchführung oder Plan der Royal Commission, aber mit Kampf um wesentliche Aenderung der Grenzen und mehrerer anderer für uns wichtiger Bestimmungen — spricht sich einer der Führer der Vereinigung der Allg. Zionisten in Polen, Dr. Klein bäum, für die zweite Eventualität aus. Sämtliche zionistischen Parteien haben sich auf einer Beratung solidarisch erklärt im Protest und Kampf gegen den Bericht in der vorliegenden Fassung. Die gemeinsame Protestaktion soll demnächst das ganze Land umfassen. Leider gelang es in Kongreß-Polen bis zur Stunde noch nicht, die zionistischen Parteien dazu zu bewegen, den für den 11. Juli angesetzten Wahlkampf zum Kongreß im Wege einer friedlichen Vereinbarung, wie es in West- und Ostgalizien geschah, zu vermeiden. In ganz Polen sind leider infolge der verschlimmerten materiellen Bedingungen und anderer Ursachen vornehmlich psychologischer Natur in diesein Jahre um mehr als ein Viertel Scnekalim weniger verkauft worden als vor zwei Jahren, und dementsprechend wird die Zahl der Mandate in Kongreß-Polen allein um 24 weniger als zum XIX, Kongreß ausmachen. Das Kräfteverhältnis innerhalb der zionistischen Parteien hat sich u. E. nicht bedeutend verändert, vielleicht etwas zugunsten der Allgemeinen Zionisten. Der Wahlkampf ist also bei den gegenwärtigen Umständen nutzlos und sogar schädlich. Die polnische Presse widmet dem Peel-Bericht viel Aufmerksamkeit und bespricht die Empfehlungen der Kommission hauptsächlich vom Standpunkte des bekannten polnischen Auswanderungs-Programms. Demzufolge wird der Bericht kritisiert und die Frage aufgeworfen, ob die polnische Regierung nicht berufen wäre, in Genf die jüdischen Postulate kräftigst zu unterstützen.