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Jüdische Rundschau · 1937-07-09 · Heft 54 (9.7.1937) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 54 (9.7.1937)
Date
1937-07-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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» י - ■ ' f JODISCHP RUNDSCHAU Nr. 54, 9. VII. 1937 Religiös-liberale Weltkonierenz C9 ״Organisiertes religiöses Leben*‘ Von unserem Berichterstatter RL. Den Haag, 6. Juli Die Tagung des 4. Kongresses des ״Weltvcrbandes für fortschrittliches Judentum“ (Religiös-Liberale Organisation) in Amsterdam begann mit einer Kommissioiissitzung, in der die Frage behandelt wurde, ob es möglich und wiinschenswert sei, verbindliche Richtlinien auf religiösem, ethischem und liturgisch-zeremoniellem Gebiet für das freisinnige Judentum aufzustellen. Die Debatten bewegten sich um die Formulierung des Begriffes ״Tradition“ und den Grund ihrer verbindenden Kra!t. Von vielen Seiten wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Tradition des Inhalts und der Form voneinander zu scheiden. Eine Kommission von Theologen aus verschiedenen Ländern zur Bearbeitung dieser Frage soll gebildet werden. ln seiner Freitagabend-Predigt in der Amsterdamer überalen Synagoge wies Rabbiner L. J. Me hl er darauf hin, daß vor allem unter der Jugend ein starkes Verlangen nach Rückkehr zur jüdischen Tradition lebe, dal) Tradition aber nicht heim äußerlichen stellen bleiben dürfe, sondern ein Mittel zum tieferen Erleben Gottes, dem lei/.teii Ziel der jüdisehen Lehens- und Weltanschauung, sein müsse. Im Haag predigte der Londoner Rabbiner Dr. I. I. M a 11 u c k. In dem Gottesdienst, der am Srhabbntmorgen zu Ehren des Kongresses in tler bbera'en Synagoge in Amsterdam stattfand, predigte Rabbiner Dr. S a 1 7 b e r g e r (Frankfurt a. M.) über die Aufgabe des geistlichen Führers. Am Nachmittag fand ein Oneg Sdiabbat statt. Der Leiter, Rabbiner!. (1 mn ain-Lrv v aus Paris, brachte namens der ausländischen Gäste der Königin und dem Niederbind;sc!ttn Volke einen Fbrengruß. Der Vorsitzende des Verbandes liberal-religiöser Juden in Holland, L. L e v i s s o n, begrüßte die Kongreßteilnehmer in hebräischer, frauz.ösischer, e11;d1mhcr, deutscher und holländischer Sprache. Es wurde hes,׳lilossen, 11 1! ׳ lukligungstek'grain!!! an die Königin zu senden. Nach einer Begrüßungsrede des schwedischen Del'.'gierien, Admiral!» let Wollt, und Gesängen des Vorbeters der liberalen Gemeinde, Hugo II ei mann, sprach R. J. Spitz, ober ,.Reinbiamlt, Amsterdam und die Juden“. Der Reiher behandft-e Rembrnndts Verbundenheit mit der Bibel. Ha: eben stelle eine sichtbare Zuneigung zu dem Juden als Imlr, klnti.1! 1t׳׳d den Juden als Gemeinschaft, die so stark war, daß Rembraiuit es vorzog, in ihrer Mitte zu wohnen. Der Meister habe die jüdische Seele nicht nur lieb gehabt, sondern auch ganz ergründet. Am Abend sprach Prof. Dr. I. Fl bogen von der Berliner Leb!anstatt für die Wissenschaft des Judentums über ״Die Bedeutung der Amsterdamer Gemeinde für die Entwicklung des Judentums“. Die Inspiration, die von den Amsterdamer Senliardim mit ihren zahlreichen Verbindungen und ihrer Kapitalkraft ausgegangen sei, bestehe in der Niederlassung von Juden in den überseeischen Gebieten und in dein Aufkommen einer, wie er es nennen wolle, neuen Soziologie der Juden, gegründet auf ihre wirtschaftliche Nützlichkeit; eine Soziologie, die ihre Argumente dem Merkantilismus entlehne. Ein typischer Vertreter dieser Auffassung sei Manasse heil Israel in der Argumentierung, mit der er Cromwel! die Wiederzulassung der Juden in England empfahl. Weiterhin nannte der Redner den Einfluß, der von der in den Niederlanden herrschenden Gewissensfreiheit ausging und schließlich den Gebrauch der Landessprache itnd die Teilnahme an der Kultur des Wo ha la mies durch die Juden, wobei die portugiesischen Juden, die ais Schein- Christen in Portugal nichts anderes gewöhnt waren und sich in den Niederlanden die Landessnraehe rasch zu eigen gemacht hatten, eine wichtige Rolle spielten. Alle diese Erscheinungen hätten ihren Einfluß beim Zustandekommen der Emanzipation geltend gemacht. Am Sonntag morgen trat der Kongreß unter Vorsitz von Heinrich Stern (Berlin) zusammen. Erster Referent zum Thema .,Organisierte Religion und modernes Leben“ war Rabbi F. Isserman (St. Louis). Fr bezeichnete es als die Aufgabe der ״rganiswten Religion, sozialer und internationaler Gerechtigkeit naeh/iistrebeti. Als zweiter Referent sprach Rabbiner I >r. Swarsritskv (Berlin); er wünscht die klassischen Grundlagen der Organisation der jüdischen Religiosität (Thora, Awoda, Oemillot Chassadim) auch für das moderne Lehen zu erhalten und den heutigen Rediirfnisseit anztipassni. Vor allein wies der Redner auf die Bedeutung einer e r ח e 11 e r t e n F. n t w 1 c k I u n g der Halacha hin. Ahdritter Referent sprach Rabbi L. Edgar aus London, der die praktischen Fragen behandelte. — In der Naclimittag.ss.t/ung fand unter Vorsitz von Dr. Matttick eine Debatte über die Referate statt, wobei vor allem von den jüngeren englischen und amerikanischen Rabbinern die Notwendigkeit betont wurde, den Nachdruck auf die soziale n Ideale des Judentums zu legen. Ana Sonntag abend wurde der Kongreß von der Haagsehen Liberalen Gemeinde im Hotel Wittebrug empfangen. Die hiesige jüdische Presse widmet der Konferenz bisher lediglich stark polenlisch gehaltene Artikel. Der Am st erdamer Oberrabbiner S a r I o 11 i s bezeichnete das liberale Judentum als höchst unerwünscht, eine Gefahr sehe er jedoch nicht darin, Uebenlies bestehe der größte Teil der der liberalen Gemeinde Angeschlossenen aus Juden aus Deutschland. Das beste Mittel zur Bekämpfung des Liberalismus sei Intensivierung der Pastoralen Arbett. Der einzige Weg zur wirklichen Belebung des Judentums sei das ernste Studium seiner Grundwahrheiten. Nachwort Zu einer Würdigung der Tagung geben wir einem Teil• nehmrr das Wort. •— (Red.) Das Treffen von Delegierten aus Deutschland. England. Amerika, Frankreich, Holland, Schweden una auch Indien konnte Ohnmacht oder Stärke einer Bewegung zeigen, deren Wert für die Entwicklung des jüdischen Volkes noch immer umstritten ist. Während auf allen zionistischen Tagungen, in denen sich die Juden der deutschen, angelsächsischen und romanischen Welt treff.!י. die praktischen Aufgaben des Palästina-Aufhaus die Gegcns Re der Mentalität der kulturellen Heimat mildern, ließ die Substanzlosigkeit des Themas ״Religion in organisierter Form und das heutige Leben“ die tiefe Kluft zweier Welten deutlich empfinden. Die englisch-amerikanischen Sprecher bemängelten die philosophisen-metaphysischen Abstraktionen der Redner aus Deutschland, während von der Gegenseite mit Bedauern der mangelnde Sinn für analytische Klärung festgestellt wurde. Ntut könnte man über diese gegenseitigen Beanstandungen zur Tagesordnung übergehen, wenn hier nicht ein grundsätzüelier Situationswandel seinen Ausdruck fände, der für die Bewertung der ganzen Bewegung Beachtung verdient. Ein junger englischer Rabbiner forderte praktische An- Weisungen: wie solle er seine Gemeinde in die Synagoge ziehen, wie die Einhaltung der Feste fordern, kurzum, wie sie zur organisierten Religion erziehen. Der Delegation aus Deutschland genügte diese Fragestellung ad hoc und ad hunc locum nicht, ihr Führer protestierte scharf gegen die Formulierung, England, Deutschland, Amerika müßten je für sich die Lösung ihrer praktischen Probleme finden. Die Delegation aus Deutschland verfocht mit Schärfe die These des einen soziologischen Gesetzes, das über den Juden aller Länder waltet und die Juden aller Länder aus ihrer Umgebung heraushebt und untereinander zusammenschließt. Die totale Durchdringung von dieser Grunderkenntnis jüdischen Daseins solle die jüdisch-liberale Bewegung vom Zionismus lernen. Die Männer, die diese Gedanken vertraten, sind in Deutschland bekannt gewesen als die heftigsten Bekämpfer der zionistischen Bewegung aus ihrer Konzeption des liberalen Gedankens. Flat das sogenannte ״liberale“ oder besser ״fortschrittliche“ Judentum die Kinderkrankheit nun überwunden? Der Frankfurter Rabbiner Dr. Salzbcrger nannte das Judentum, das nur Körper, aber ohne Geist ist, einen Leichnam, und jenes, das nur Geist, aber ohne Körper ist, ein — Gespenst. Als solches, unheilvolles Gespenst geisterte die Reform durch das dekadente müde jüdische Volk und komplimentierte — bei Anerkennung allen guten jüdischen Willens seiner verirrten Führer — die Juden aus dem Judentum heraus. Etwas Gespenstisches haftete dieser Tagung mit ihren Problemen von organisierter Religion und heutigem Leben auch noch an. Der amerikanische hinreißende Speaker Rabbi Isserinann will die ganze Menschheit organisieren, um messianischen Zielen nacnz.ujagen, Dr. Swarsensky singt ein Loblied auf die ״Kehiiloh kedauschoh“, ohne zu bekennen, wie in ihr während der letzten schweren Jahre der Prüfung mehr und mehr zersetzende Kräfte die auf bauende Arbeit hemmen. Aber nur ein kurzes noch, und auch in der ״World Union for Progressive Judaism“ wird man sehen: dies eine jüdische Volk, das unter einem historischen Gesetz, steht, unabhängig von seiner gegenwärtigen glücklichen oder unglücklichen Lage, muß aus sich heraus auch wieder sein religiöses Lebensgesetz produzieren. Demi nicht Religion wird ״organisiert“, sondern Menschen, die aus ihrem metaphysischen Drang und aus ihrer nationalen Bcgcisterting■ die Augen in ihre Geschichte rückwärts wenden und aus der Fülle der Tradition schöpfen, was die Ewigkeit vor ihnen und nach ihnen mit dem Heute verbindet. Und wo anders werden Menschen zu einer solchen gesellschaftlichen Einheit zusammenwachsen, um nur unter dem Gesetz jüdisehen Daseins stehend — unbeirrt von Rücksichten auf ihre Umwelt — zu solcher schöpferischen Fruchtbarkeit gelangen, wenn nicht in Erez Israel?! Wie stark das Bewußtsein für die geistige Führerstellung von Erez. Israel heute schon in der World Union ist, bewies der frenetische Beifall, den das Begrüß 11 ngstelegra mm des Rabbiners D r. W ilhelm aus Jerusalem hervorrief: יבייבך די׳ מציון• Der Missionären-Kongreß Von unserem Berichterstatter J. R., Wien, 7. Juli Nach mehrtägiger Dauer fanden die Beratungen des Koinitees für die Annäherung zwischen Christen und Juden, über die wir in den letzten Ausgaben der ״jüdischen Rundschau“ berichtet haben, mit einer öffentlichen Versammlung ihren Abschluß. In dieser Versammlung, die unter dem Vorsitz des Pastors Friedrich Forell stand und an der der größte Teil der 70 Delegierten teilnahm, sprachen u. a. der Vizepräsident des Komitees, Pastor Birger P e r n o w, Stockholm, Universitätsprofessor Dr. Ph. K oh n stamm, Amsterdam, der Führer der judench ristl ichen Bewegung in Holland, Rev, F. Exlev aus London, Professor Walter M. Horton vom Oberlin College in Amerika und Rev. Jac. van א es aus Holland. Die Redner wiesen auf die Notwendigkeit hin, ״daß die christlichen Kirchen mit allem Nachdruck in den Kampf gegen den Antisemitismus eintreten müssen“. Die Tagung nahm Berichte über die Lage der jüdischen Gemeinschäften in den verschiedenen Ländern Europas und des Nahen Orients (Palästina) entgegen. Ueber die Lage der Juden in Palästina berichtete der angFkanische Bischof aus Jerusalem, Right Rev. G. F. Graham Brown, an dessen Bericht sich eine lebhafte Debatte knüpfte. Zur Frage der Bekämpfung des Antisemitismus wurde ein Memorandum verfaßt, dessen Vorschläge der am 12. Juli in Oxford statffindenden Wehkonferenz der protestantischen Kirchen unterbreitet werden sollen. Das Memorandum wendet sich besonders gegen den Antiscmifsmus. der die geistigen Güter jüdischen Ursprunges anzweifelt. Die Mission verliere das Recht auf ihren Bestand, wenn sie den Juden und Juden- Christen in ihrer heutigen schweren Lage nicht mit Liebe beistehen könne. Die Konferenz hat für Polen einen besonderen Ausschuß eingesetzt, der sich folgende Aufgaben gestellt hat: 1. Einleitung einer Internationalen Aktion, um dem Bevölkerung«- Überschuß, sowohl der Polen als auch der. luden eine Auswanderungsmög'ichkeit zu bieten, 2 eine Verroh ־u1׳g zwischen Juden und Christen in Polen herbeizuführen um! 3. die Christ- Hellen Kirchen und Organisationen in Polen zu einer S'׳stematischen Bekämpfung des Antisemitismus durch religiöse Er- Ziehung zu veranlassen und die Förderung des Antisemitismus, wie sie vereinzelt von christlichen Ki-chen vorkommt, zu unterdrücken. Schließlich wurden Pläne für die Ausgestaltung des ״Institutum ludaicum De'itzchianum“ in Wien, das sich hauptsächlich mit der religiösen Seite der Frage zwischen Juden und Christen befaßt, beschlossen. Mattatiahu Schocham ) Im Alter von 44 Jahren ist in Warschau der hebräische Dichter Mattatiahu Schocham (Polakiewicz) gestorhen. Die ersten Lieder Schochams, der 1893 in Warschau geboren wurde, s׳nd in der von David Frischmann redigierten ״Hatekupha“ veröffentlicht worden. Durch diese Dichtungen hat sich Schocham in die erste Reihe der Vertreter der modernen hebräischen Literatur gestellt. In der ״Hatekupha“ sind u. a. seine biblischen Dichtungen ״Jericho“ und ״Bileam“ erschienen. Vor sechs Jahren besuchte Schocham Palästina. Die Frucht dieser Reise war seine Dichtung ״Erez Israel“. 1932 erhielt er den ersten Literaturnreis der Stadtgemeinde Tel Aviv für ein dramatisches Werk, fn letzter Zeit war er der literarische Leiter des Stiebel-Vcrlags in Warschau, Er plante jetzt ein neues Drama unter dem Titel ״Maschiach“, das den Abschluß einer Trilogie darstellen sollte. Schocham war Vorsitzender des hebräischen Schriftsteller-Vereins und stellvertretender Vorsitzender des hebräischen Pen-Klubs in Polen. Seit 1934 war er auch Dozent für neuhebräische Literatur an dem Judaistischen Institut in Warschau. _ Der Oberrabbiner der Pester Hauptsynagoge, Dr. Julius Fischer, der auch den Lehrstuhl für Midrasch an der Franz-Josef-Landesrabbinerschuie inne hat, und der Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Kaposvar, Dr. Emanuel Herzog, feiern ihr SOjähriges Amtsjubiläum. Aber nicht nur derartige platonische Liebeserklärungen bezeugen den Wandel der Einstellung des religiösen Liberalismus zu Erez Israel, sondern die aufgeschlossene Haltung, in der das Plenum den Palästinabericht Dr. Dienemanns (Offenbach) über die Arbeit von Dr. Elk in Haifa und Dr. Wilhelm in Jerusalem enlgegerniahrn und sofort tatkräftige Unterstützung des religiösen Aufbauwerkes beschloß. Auch auf zionistischer Seite wird man diesem Wandel mit einer neuen Antwort begegnen müssen. Die Ressentiments, die viele Zionisten bei Nennung der liberalen Bewegung beherrschten, müssen einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Gedanken einer fortschrittlichen Entwicklung jüdischer Religion weichen. Für die verheerenden Verluste, die das Judentum unter liberaler Führung in dor Vergangenheit erlitten hat, ist nicht der Liberalismus als religiöse Konzeption verantwörtlich zu machen, sondern sein Schrittmacher, der Individualismus, der mit zentrifugaler Kraft den Juden in die Welt hinaus — weg vom Mittelpunkt jüdischer Konzentration — schleuderte, um dort allzu vertrauend auf die eigene isolierte Kraft ihn der Assimilation und dem Verfall zu opfern. So wesensverbunden Individualismus und Liberalismus auch sein mögen, unser jüdisches Kernproblem lautet: Fortschritt oder Rückschritt? Darum darf der Name ״Lilieralismus“ fallen und durch ״Fortschritt“ ersetzt werden. Wie wir wissen, daß alle Erscheinungen unserer jüdischen Existenz dem Gesetz des Wandeins unterworfen sind, sei cs Politik, Wirtschaft, Kunst usw., so verlangt auch der Wandel des religiösen Bewußtseins eine neue Einstellung zum religiösen Traditionsgut. Die zionistische Bewegung, die mutig die Gesetzmäßigkeit jüdischen Schicksalsverlaufes erkannte und anerkannte, kann an dem zentralen Anliegen der menschlichen Seele nicht achtlos vorbeischreiten, an der Religion, zumal der religiöse Genius die Größe des jüdischen Volksgeistes konstituiert und die Achtung der gesamten Kulturweft vor unserem Volk begründet hat. Kein Geringerer als Moses Heß war der Bannerträger einer religiösen Reformation gewesen, der im Gegensatz zu den Reformen seiner Zeit die ״harte Schale der Orthodoxie“ nicht zu zertrümmern wagte, um das Judentum nicht auseinanderbrechen zu scheu, weil auch er die ״Religion in organisierter Form“, nämlich das Religionsgcsctz, als ein letztes Mittel ansah, die Judenheit zu binden. Aber auf dem Boden von Erez Israel, wo die Erneuerung der jüdischen Gesellschaft erfolgt, war es auch für Moses Heß an der Zeit, die Religion als Grundlage jüdischer Kultur zu erneuern. Ein altes neues Volk, ein alter neuer Glaube! Aber kein Volk, das nur bioiogisch-materiell als Volk ohne geistige Verpflichtung neu ersteht, denn das wäre ein Körper ohne Geist, ein — Leichnam. Aber auch keine abstrakte Religinn, die ohne Achtung au( das Anliegen des Volkes über den Köpfen schwebt; das wäre ein Geist ohne Körper, ein — Gespenst. Sondern ein Vo'k mit Sehnsucht nach seinen! ewigen Ziel — am jissrael! י?1ראל DJ?. r * Dr. M. Rosenberg (bisher Worms) Von der Weltausstellung Von unserem Pariser K.-Berichterstatter Mit der fortschreitenden Fertigstellung der Pariser Weltausstellung hat sich die Beteiligung der jüdischen Institutionen an dieser internationalen Schau erhöht. Neben dem P a 1 ä s t i 11 a - P a v i 11 0 n ist die Sektion des ״O r t“ zu nennen, der in dem Internationalen Palais am Champs de Mars Arbeiten der professionellen Schulen der Organisation sowie Statistiken über die Entwicklung der landwirtschaftlichen und! handwerklichen Institution der Gesellschaft ausstellt. Im Pavillon des Unterrichfsvvesens befindet sich ein Stand der ״Alliance Israel ite“, der einen Ucberblick über das Schulwesen der ״Alliance“ gewährt. Die ״Aliiance“ ist auch im Palästina-Pavillon mit einer Darstellung der Entwicklung von ״Mikweh Israel“ vertreten. In dem Gebäude ״Frau, Kind und Familie“ ist unter Leitung von Madame Schreiber- Crömieux ein Stand der jüdischen Kinderpflege in Frankreich errichtet worden, der u. a. die Arbeit der Ferienkolonie Berck-Plage, der Pariser Klinik usw. zeigt. Schließlich sollen noch im Rahmen eines internationalen Kongresses eine Sektion des ״Ose“ eingerichtet werden, die über die Fortschritte der jüdischen Hygiene Auskunft erteilt, sowie eine Aus- Stellung der jüdischen Kunst eröffnet werden. Zur Organisation dieser Kunstausstellung ist ein provisorisches Komitee g” "י . der Ausgestaltung der verschiedenen Pavillons der Ausstellung beteiligt gewesen, so z. B. der Bildhauer Arons on am Pavillon der französischen Kolonien und am Trocaddro. Andere jüdische Künstler wie Chagall, Kisling, Chanah O r 1 o f ff Zatkine und der verstorbene große Maler Modigliani stellen in der großen französischen Kunstausstellung aus, die kürzlich im ״Kleinen Palais“ eröffnet wurde. — Der bekannte jüdische Komponist Darius Milhaud hat für die Nacht- Veranstaltungen der Weltausstellung eine Festmusik geschrieben. ״Arbeit für alle“ In einer Versammlung־, die die Nationale Bauernpartei Rumäniens in Kischinew abhielt, äußerte sich der stellvertretende Vorsitzende dieser Partei, Dr. Nicolae Lupu, auch zur Judenfrage. Die cuzistische (antisemitische) Propaganda, sagte der Redner, ist eine große Gefahr. Der Aufstand im Jahre 1907 hat damit begonnen, daß die Bauern zur Plünderung des Eigentums jüdischer Pächter aufgestachelt wurden. Zu spät haben die Liberalen einen Front- Wechsel gegen die Extremisten vollzogen. Wir verstehen das nationale Problem, und wir stellen fest, daß für samtliehe Intellektuellen ohne Unterschied der ethnischen Herkunft in diesem Lande Beschäftigung gefunden werden kann. Wir haben 10 000 Dörfer ohne Aerztc, wir haben viele Gegenden ohne Weg und Steg. Wir haben also Arbeit für alle und haben es nicht nötig, Chauvinisten zu sein, am wenigsten gegenüber den Juden. Die Juden sind die den Rumänen ain nächsten stehende Minderheit und bedeuten für uns keinerlei Gefahr. Verband JQdficher Frauen in Ralfen. Die ״Associazione Donne Ebree in Italia“ (Verband jüdischer Frauen in Italien) hat in Rom seine diesjährige Generalversammlung abgehalten, an der 15(1 Delegierte tcilnahmcn. Die Vor* sitzende des Verbandes, Frau Vittoria Cantoni-Pisa, wies in ihrem Bericht darauf hin, daß der Verband jüdischer Frauen in den nunmehr zehn Jahren seines Be- Stehens eine umfangreiche Tätigkeit auf sozialem, kul• furellem und philanthropischem Gebiet entfaltet hat. Während er im Jahre seiner Gründung vier Ortsgruppen mit 117 Mitgliedern zählte, umfaßt er heute 17 Ortsgruppen mit 1331 Mitgliedern. Der Verband hat insbesondere Fürsorge* arbeit zugunsten der armen jüdischen Bevölkerung von Tripolis geleistet, er hat dort ״Nähschulen“ eingerichtet, um der weiblichen Jugend eine selbständige Existenz zu verschaffen, er hat, insbesondere in Padua, wo es un* bemittelte ausländische jüdische Studenten in größerer Zahl gibt, Mittagstische für diese organisiert und die jetzt in Italien bestehenden Hachscharah-Stellen unterstützt.

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