Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 54 (9.7.1937)
- Date
- 1937-07-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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jonisr'te Rundschau Nr 54, 9. VII, 1937 י־ ־ ״ c Können wir zu Arabern sprechen? Von der Woche Zufolge eines Presseberichtes sollen weitere britische Truppen ,•jus Aegypten in Palästina eiiigctroffcn sein. Zwei Mitglieder der ״Schwarzen Hand“ - Terroristen- Organisation wurden vom Haifaer Bezirksgericht zu zwölf, resp. acht Jahren Gefängnis verurteilt, weil man bei ihnen illegale Waffen fand. Später werden sie nochmals vor Gericht gestellt werden, um sich wegen ihrer Mitgliedschart an einer Terroristcnorganisatiou zu verantworten. Letzten Montag kam es zu vier Angriffen aut Araber, die von Arabern verübt wurden, In Ramleh und Dschenin wurde je eine Person getötet, in Jaffa und Nablus je eine schwer verwundet. Pressemeldungen zufolge hat sieh ein Abgesandter des Obersten Af o s I e m i s c 11 e n Rats, Etnin Bcy Temimi, nach I s t a in b u I begeben, um in den Regierungsarchiven von Konstaiitiiiopcl nach Dokumenten suchen zu lassen, aus denen sich das Eigentumsrecht des Wakf über gewisse Bodenflächen ergibt, die jetzt als Staatsbojen gelten. Etnin Key war vor dem Kriege Mitglied des türk:srher1 Parlaments. Einem Gcniclit zufolge will der Moslemische Rat auch das Eigentumsrecht an dem üenezareth-See für sich in An- Spruch nehmen. Die Tageszeitung ״Fl Liwaa“ will erfahren haben, daß eine Reihe von Gegnern des Teilttngsplanes nach Cynern oder einer anderen britischen Insel deportiert werden soll. Verlnutlich werde auch das Kriegsrecht proklamiert werden. In der Gegend von Safed und ßcisan finden tunfangreiche Truppenübungen stritt. Alle Militärlager in der Jordangegem! sind durch treue Mannschaften und Munition verstärkt worden. An der Brücke, die Mord-Palästina mit rransjordanien verbindet, soll als einem Punkt von grober strategischer Bedeutung ein starkes Militärlager errichtet werden. Auel! in der Gegend von Dschenin und den Gi'hoa-Bcrgcn sind in diesem Tagen M a 11 ö v e r abgehalten worden. Im Manien der ehe maligen Jüdischen Legionäre Palästinas, die in der englischen׳ Armee gekämpft haben, hat Dr. M. I.cvonkn eine Erklänmg vciöffentlicht, in der auf die Not» e1nli.;l;eit der Einführung des Luftschutzes i u P a I ii st 111 a hingewiesen wird. Der V e 1׳ h a n d d e r L a 11 d w i r f e hat den V'aad Leumi atifgefonkrt, seinen Beschluß betreffend Einbeziehung der H i s t a d r 11 t 11 - 8 c h u I e n in das allgemeine Erziehungssvstem rückgängig zu machen; widrigenfalls werde der Verband seine Schulen aus dem allgemeinen Schulnetz zurückziehen. Die Stadtverwaltung von Tel Aviv hat den Betrag von 201)00 Pfund für öffentliche Arbeiten ausgesetzt. Die A 11 g c m e i n e H y p o t h c k e n bank hat beschlossen, eine 3 ״״ige Dividende, wie im Finanzjahr 1035,36, zur Ausschüttung zu bringen. In Tiberias fand die feierliche Anpflanzung eines Parkes statt, der zum Andenken an Arlosoroff Gau-Chaim genannt werden soll._ Die Spaltung der Araber Die Opposilionsnartei veröffentlichte einen Bericht, in welchem sie erklärt, daß sie aus dem Arabischen Hohen Komitee a 11 s t r i 11, weil der Mufti selbständig und ohne zuerst sie zu Rate zu ziehen, handelte, als er das Land verließ, tun nach Syrien zu gehen. Als weiterer Grund wird angegeben, daß die kiirzlichen Terrorakte gegen sie, nämlich die Oppositionspartei, gerichtet gewesen seien. Die Oppositionspartei wird in Zukunft ihre Tätigkeit getrennt für sich fortsetzen. Nach dem Austritt der Naschasc 11 ibi -Partei aus dem Obersten Arabischen Komitee ist die Verwirrung in den arabischen Reihen noch mehr gestiegen. Es verlautet, daß auch die Führer der arabischen U 11 a l>!1 ä n g i g k e i t s - Partei (Istiklal) den Austritt aus dem Komitee erwägen. Es soll sich hierbei um einen taktischen Schritt handeln, durch den bezweckt werden soll, der Pnliistina-Regierung in einem tmNrhridenden;Moment die Möglichkeit zu nehmen, mit einer 111 aßgebenden arabischen Repräsentanz zu verhandeln. Die Bevölkerung Palästinas Das statistische B u 1 1 e t i n der P a I ii s t i!1 a ־ R c g i e r 11 11 g gibt die B e v ü I I; e r u n gs z a 11 1 P a last;- n n di:•!111 Jahre 1031 66 533 Speien umfassende Nomadenhevölkertin.g und die Angehörigen der britischen Armee nicht miteingiTi'chnet, am '31, März 1037 mit 1316 1-12 an. Die Bevölkerung bestand aus 805 173 Mohammedanern, 380 300׳ Juden, 110! 10 Christen und 1 1 433 Angehörigen sonstiger Bekenntnisse, unter ׳denen die Drusen am zahlreichsten waren. Verl! dniCnmßi.r entfallen somit auf die Mohammcda- Tier 61.2״■, auf die Juden 20.6■'״, auf die Christen 8,1׳׳״ und auf die übrigen’ O.S c,. Die Bevölkerniig.szunahtne im ersten Vierteljahr betrug schätzungsweise 15001, davon 11231 natürlicher Zuwachs und 4760 neu Eingewand e r t c. Die niohaminedaivsehe Bevölkerung hat um 8096 Perseinen /ugenonnnen,?566 durch natürlichen Zuwachs, 430 durch Zuwanderung; hei den Juden ist die Revölkenmgszahl um 531) 7!׳S07 durch natürlichen Zuwachs, 3500 durch Einwanderung) gestiegen; der Zuwachs von 1633 bei den Christen setzt sich aus 700 Personen durch Geburtenüberschuß und 843 durch Einwanderungsüberschuß zusammen. Kibbuz angesiedelt Der ans Einwanderern aus Amerika zusammengesetzte Kibbuz des Haschomer Hazair, der den Namen ״Banir“ trägt, ist auf dem ihm vom Keren Kajemeth zugewiesenen Roden in den Bergen von Samaria zwischen Mischtnar Haemek und Glieder,1 zur A n s i c d 1 u n g gekommen. Moledeth, eine Arbeitergruppe (Irgun). zusammen mit mehreren Einwanderern aus Deutschland, die seit hingerer Zeit in landwirtschaftlicher Hachscharah in Palästina stehen, sind aut Keren Kajcmeth-Boden angesiedelt worden, der nördlich von Ain Harod gelegen ist und somit eine Brücke zwischen dem Emek jesree! und dem Jordantale bildet. Die Arisledhing wurde von der Deutschen Abteilung der Jewish Agency durchgeführt. Ein Sohn Leo Motzkins befindet sich unter den Siedlern. Persönliches. Aus Haifa kommt die traurige Nachricht, daß Egon El o f f m a n n (früher Breslau) an den Folgen einer Operation verstorben ist. Vor seiner Uebersiedlung nach F.rez Israel gehörte er u. a. dem Vorstande der Breslauer Zioni-t״ elicn Vereinigung und der Leitung des Herzl-Klubs an. Die Zuverlässigkeit und Treue in seiner zionistischen Arbeit ist von allen denen, die sie kannten, außerordentlich geschätzt worden. Gerade jetzt, wo ihm auch neuer wirtschädlicher Erfolg beschieden war, ereilte den kaum Vierundvierzigjährigen der Tod. ״Ketzerische Bemerkungen1* Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht, wie uns aus Tel Aviv geschrieben wird, A. Scharon (Schwadron) im ,.Dawar“ die Fortsetzung seiner Kritik der jüdischen Haltung zur Araberfrage: Eine der Illusionen, auf die man baut, ist die innere Verbundenheit der arbeitenden Schichten der Juden und Araber. Man kann da viele optimistische Dar- Stellungen darüber lesen, wie die arabische Führerschicht unter den arbeitenden Massen des eigenen Volkes immer mehr an Boden verliert. Aber die Wirklichkeit wälirend der Unruhen sah leider ganz anders aus. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, war der Einfluß jüdischer Arbeiter auf ihre aralvschen Kollegen gleich Null. Als in Haifa, wo der Streik am schwächsten war, und die arabischen Arbeiter am besten organisiert sind, die Streikbewegung der! Hafen und die Eisenbahn zu erfassen drohte, wurde diese Gefahr nicht etwa durch Einfluß der Juden auf ihre arabischen Arheitsgenossen abgewendet. Nein, der wahre Grund war, daß die Araber fürchten mußten, im Streikt,•die ihre Arbeitsstellen an Juden zu verlieren. Es war a'so der Antagonismus zwischen den beiden Völkern, der sich hier als die entscheidende Kraft erwies. — Es ist auch eine Illusion zu meinen, daß unsere kulturschöpferische Arbeit uns von den Arabern gedankt werden würde. Gerade kulturelle lieberlegcnheT ist eher geeignet, Animosität als Freundschaft hervorzurufen. Auch die Beschäftigung 111't der Orient a 1 i s t i k wird den Juden kaum gedankt werden, hesonders wo gerade diese von den Arabern als die eigentliehe Domäne für eigene nationale Wissenschaft angesehen werden kann. — Ebensowenig aber dürften die Araber unserer sogenannten Aufklärungsarbeit zugämdich sein. Unser Argument, daß wir in vielen Ländern verfolgt werden, kann sie nicht dazu bestimmen, uns willig aufztinehmen. Natürlieh wird sich niemand gegen solche Aufklärungsversuche wenden, aber sie können keinen entscheidenden Umschwung bringen. Jeder, der sich ernsthaft mit der Araberfrage beschäftigt, muß zu dem Schlüsse kommen, daß sie weder eine ökonomisch-soziale Frage noch ein d u r c h Verhetzung hervorgerufenes P h iinomen ist. Sie ist vielmehr ihrem Wesen nach eine nation a 1 e und politische Angelegenheit, und so müssen wir ihr gegen übertreten. Die Araber haben dies Land einmal erobert, es mit Gewalt zu einem arabischen Lande gemacht, sie halten sich für die Herren dieses Landes und wollen es nicht mit einem zweiten Volke teilen, Wie schön es auch wäre, in Eintracht mit ihnen zu leben, sie zu Freunden des Zionismus zu machen, wir stehen nicht vor solchen Möglichkeiten, sondern vor der Notwendigkeit der Verteidigung. Verteidigung zusammen mit dem Aufbau während der Verteidigung — das ist eine Lage, die Opfer Ohel-Premiere: I. Singer: ״Josdie Kalb“ Tel Aviv, Ende Juni unassidisdies Milieu, beschrieben von einem ״Mitnaged“. — Wenn die hebräische Bühne vom ״Dvbuk“ bis zu ״Benjamiu III.“ über eine Fülle von Genre-Stücken verfügt, die im osfjüdischen ״Stadl’!“ beheimatet sind, in denen der ״Chassid“ liebevoll und höchstens mit leiser Ironie in den Mittelpunkt einer ״Idylle“ gestellt ist, wird hier der Autor zum Ankläger. Aber sein Angriff kommt kaum vom Ideologischen her, er liefert keine Abhandlung über den rechten oder den falschen Weg zu Gott, zeichnet auch nicht eigentlieh in Schwarz-weiß-Manier, sondern sieht nur die Bcscsscnhcit, die — wie ihm scheint — mißverstandene Ausdeutung der Religion, die Dehnbarkeit des Gesetzes (mit der immer wieder auftauchenden Differenzierung von ״Din“ und ״Minhag“), die Benutzung des Brauchs als Vorwand für den Mißbrauch, des Glaubens für den Aberglauben, des Mystizismus für die Pathologie. Das ist eine bedenklich einseifige Gestaltung, die mit dem ganzen Furor geladen ist, den auch umgekehrt die ״Chassidim“ gegen die ״Mitnagdim“ aufzubieten wissen und der an der Spaltung in zwei große Kamnflager letzten Endes die Schuld trägt. Maurice Schwartz’ vorübergehende Anwesenheit im Lande wurde für ״Ohe!“ Anlaß, dieses Stück zur Auffüllrung zu bringen, das unter Schwartz’ Regie und Bcarbeittmg im Ncw-Yorker jiddischen Theater großen Erfolg hafte. Die Fabel der Tragödie ist eine überaus komplizierte, und die ״epische“ Breite des Singerschen Buches ist für die Bühne leider kaum gemildert. In einer mehr als drei Stunden dauernden Aufführung rollen 28 Bilder ab, unterbrochen durch nur eine Pause. Der Personenzettel nennt •10 Figuren namentlich, zu schweigen von einer immer wieder auftau- Chemien Statisterie. Erhebliche Kürzungen wären dem Ganzeri nur förderlich. Die Einstudierung, die im wesentlichen eine Transponierung der amerikanischen Aufführung darstcllen dürfte, erfolgte in wenigen Wochen und beweist in ihrer Exaktheit, daß bei zielbewußter Führung der Schauspieler, Schulungsarbeit und soziale Fürsorge der Wizo. Vor 10 Jahren schickte die Wizo ihre ersten Wanderinstruktorinnen in die Städte und auf das Land zur Anlernung und Unterweisung in Hauswirtschaft lind Gartenbau. Auf dem Gebiet der Hauswirtschaft arbeiten heute 13 Instruktorinnen. In den Städten wurden bisher 181 Koch- und Ernährungskurse für insgesamt 6100 Teilnehmerinnen erteilt. — Ferner wurden in Kibbuzim 68 Koch-, Hauswirtsehafts- und Diätkurse abgehalten. Im Gartenbau unterrichten heute 23 Instruktorimien; die Anzahl der von ihnen bearbeiteten Gärten ist 1080. —• Neben den Gärten der Hausfrauen wurde in Schulen und Kindergärten Gartenbauunterricht erteilt. Aut dem Gebiet der Schulgarteninspektion sind von der Wizo neue Wege eingeschlagen worden, indem Sommerkurse im Gartenbau für Lehrer und Kindergärtnerinnen eingerichtet wurden. Da diese Kurse jedoch noch nicht ausreichen, schickt die Wizo ihre lnstruktorinnen in die Schulgärten im Lande, in die Dörfer und Arbeitersiedlungen. Im verflossenen Halbjahr wurden 34 Schulen und 20 Kindergärten mit zirka 4000 Kindern hesucht. Genaue Durchsprechung mit den Lehrern, gemeinsame Arbeit an der Beseitigung der Mängel, Anweisungen betreffs der Anpflanzungsperioden, Festlegung eines Anbau- und Arbeitsplanes, das sind die Mittel, die die Wizo zur Förderung der gärtnerischen Erziehung der Jugend anwendet. — Die Lehrfarm Ajanoth entläßt im Juni ihren 4. Jahrgang — 35 als Landwirtinnen ausgebildete Mädchen, die zum größtem Teil in die Kibbuzim gehen. In der Haushaltungsschule in Nac'nlath-Jizchak absolvierten in den letzten zwei Jahren 102 Mädchen den Lehrkurs. Der weitaus größte Teil von ihnen (87 ״» wandte sich hauswirtschnftlichcn Berufen zu (in Küchenbetrieben der Kibbuzim, in Anstaltsküchen, in Restaurants, in Privathaushaltungen). Der zentrale Kochkurs im Kibbuz D e I h a m i e, in dem 28 Chaweroth aus verschiedenen Kibbuzim drei Monate lang für rationelle Arbeit erfordert. Man muß auf die Schwere dieser Opfer inner* lieh vorbereitet sein. Für das Gelingen gibt es keine Garantie. Die Grundlage unseres Zionismus ist die Tatsache, daß er von der Notwendigkeit bestimmt ist; gerade in unserer Zwangslage liegt eine große Kraft. Die arabische Zeitschrift Im ״Pinkeß“, dem Organ der jüdischen Beamtenorganisafion, findet sich ein Bericht über das nach den Unruhen von der jüdischen Arb: i erschaff begonnene Werk der Presseatifklärung unter den Arabern durch eine eigene arabische Zeitschrift: Bei der Gründling unserer Zeitschrift ״Chakikat el Amr (״Das Wort der Wahrheit“) schien uns das Problem der Verbreitung das schwierigste. Fiir die erste Nummer war eine Auflage von 1000 Exemplaren beschlossen. Aber dieser Beschluß mußte sofort revidiert werden und die Nummer erschien in einer Auflage von 2300 Exemplaren, und am Tage des Erscheinens mußten noch 1300 nachgedruckt werden. Die Auflage der nächsten Nummer war schon 4000, die der folgenden 4530. Durch ein rationelleres Verteilungssystem konnten wieder 500 Exemplare eingespart werden, so daß die Auflage jetzt wieder 4300 Stück beträgt. Dabei sind noch hingst nient alle Müg'ichk iten der Verbreitung in den Kolonien und durch Kibbuzim, die arabische Nachbarn linben, voll ausgenützt. Mindestens 1000 wehere Exemp'are könnten verteilt werden. Eine große innere Schwierigkeit betrifft die Richtung der Zeitung, die sich nicht an eine homogene Adresse wendet. Ihre Leser sind Fellachen, gemäßigte, gebildete Araber, arabische Fiihrcrkreise und sch'i ״Mich oricnta'ische Juden. Erst die Reaktion der Leserschaft kann diese Frage völlig klären. Fürs erste hat man es sich zur Richtschnur gemacht, religiöse Fragen nicht zu berühren und jeden persönlichen Angriff aut arabische Führer zu unterlassen. Dagegen läßt man es an sachlicher Kritik der Politik der arabi• sehen Führer nicht fehlen. Die Zeitschrift ist in einem starken und stolzen Ton geschrieben, aber sie läßt keine Gelegenheit vorübergehen, um die Friedensbereitschaff der Juden zu betonen. Die Reaktion der arabischen Lescrschaft war im ganzen ermutigen d. Natürlich wird ein Druck von Extremisten auf die Araber ausgeübt, die Zeitung zu boykottieren. Aber das Interesse der arabischen Leserschaft drückt sich in vielen Forderungen an die Redaktion aus. Sie wird gebeten, mehr Nachrichten zu bringen, kulturellen und gesellschaftlichen Fragen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, eine Witzecke anzufügen und über die Freilicitsbewcgimgen ariderer Völker zu berichten. Die arabische Presse hat die neue Zeitung natürlich heftig angegriffen. Seit dem Erscheinen der Zeitung haben schon arabische Fellachen aus fünf verschiedenen Orten sich an die Histadruth gewandt und sie um organisatorische Hilfe ersucht. Leider stehen der betreffenden Abteilung der Histadruth nur wenig Mittel zur Verfügung. Aber das muß bald geändert werden. von denen mehrere hier ״wei, drei, ja vier Rollen zu verkörpern haben, die Vorbereitungsarbeit keineswegs, wie sonst üblich, viele Monate dauern muß. Schwartz beschwört eine ganze chassidische Welt herauf mit dem ״Bctli Hamidrasch“ und dein ״Stiib’l“, mit ״Tech'noth“ sagenden, ״Z'ena U'rena“ zitierenden Frauen, den Männern, denen Gebete und Tehilim wie die Werke der Kabbala ״tägliches Brot“ geworden sind, mit Beschwörungen gegen; das ״Ajin Hara“, den bösen Bück, mit dem Scheeren der Braut vor der Hochzeit, mit dem Aussprechen des ״Cherem# in seiner grausamen Formulierung׳, mit der Geißelung des vom ״Bösen“ Besessenen, mit dem ״Bcth Din“ vor 70 Rabbi-, nen, mit der Zeichnung von Zeloten und Epikureern, nicht zuletzt mit Tänzen, die Schwartz auf Grund der in Amerika geschaffenen, großartigen Choreographie von Lilian Schapiro meisterhaft mit den Oliel-Leuten einstudiert hat. Er stellt Bilder, von denen einige Rembrandtsches oder ürecosches Gepräge haben. Neben hervorragend Gekonntem dann wieder billigste, armselige Effekthascherei, besonders gefährlieh dort, wo der Autor selbst hart die Grenze des Kitschigen streift: etwa wenn die Gewitterszene im Walde hinter Gaze gesetzt wird, begleitet von Meclierneni Theater-Donner, von Blitzen, die zum Takte der Musik aufleuchten, wenn man sich bei einer Brandstiftungsszene nicht mit dem ״Widerschein züngelnder Flammen“' begnügt, sondern auf der Bühne auch noch Rauch entwickeln läßt, der die Luft im Parkett nicht gerade verbessert. Durch diese Welt geht Josche Kalb (Einstein), sün» dig geworden und unbegnadigt, weil unfähig zu bekennen, unstät und flüchtig — ein Kaspar Hauser; gehen der biutvolle Rabbi Mel een (C e c h o v a 1) und sein Antipode (S i 1b e r g), geht die naive, gläubige Scrcle (Schoscliana Perlmutter) und die revoltierende, triebhafte Malkele (Chaja Sankowski). Sie alle werden von Schwartz mit sicherer Hand geführt. Aus der langen Reihe der Chargen blieben vor allem die Leistungen von Frau Schlonsky, C h a 1 f i, Margalit und Popoch haften. Das Bühneribi'd besorgte 1. Frenkel, die hebräische Uebertragung Salman S c h n e u r. Manfred Geis in den kibbuzischen Großküchenbetricben ausgebildet wurden, wurde Ende Mai abgeschlossen. — Neben den bekam!- ten Schulen, Lehrfarmen und Mischkej Hapoaloth der Wizo erstreckt sieh ihre Tätigkeit auf sozialem und pädagogisehen! Gebiet noch auf insgesamt 63 lnstilutionen, und zwar: 12 Säuglingsfürsorgestellen, 9 Kinderkrippen, 0 Kmdergärten, 5 Schiilerkiubs, 4 Spielplätze, 1 Ferienheim auf dem Karmel und 4 Ferienlager in verschiedenen Moschawoth, 2 Berufsschulen, 1 Kleiderverteiiungsstelle, Milchverteilungsstellen in vier Städten, Kinderspeisungen in ׳sechs Orten. — Eine neue Einrichtung der Wizo sind die Milchkioske, die sie zu* sammen mit der Tmivnh in Tel Aviv aufgestellt hat und an denen täglich 1250 Liter eisgekühlte Milch an zirka P’00 Mütter zu einem Fünftel des gewöhnlichen Preises (1 Mil. pro Glas) abgegeben werden. M. Aus dem Geschäftsbericht der Ellern’s Bank, Limited, geht hervor, daß trotz der Unruhen des Jahres 1936 der Geschäftsumfang erweitert werden konnte; fast alle Posten zeigen eine Erhöhung um zirka 50 ״«. Die Lage der Bank itn lokalen Geschäft erfuhr eine weitere Stärkung. Auch die ausländischen Geschäftsverbindungen wurden ausgebaut. Eine ausgiebige Reserve wurde vor Verteilung des Gewinnes für eventuelle Verluste zuriickgestellt. Anfang 1937 wurde eine Repräsentanz in Jerusalem in der Person des Herrn Kurt Ottensooser eingesetzt. Die Tochtergesellschaft Pacit (Palestine Investment Trust Ltd.) hat sich weiter entwickelt. Die Tätigkeit der Gesellschaft, nämlich hauptsächlich die Finanzierung von Abzahlungsgeschäften, erweitert sich mehr und mehr. Auch die Alijah Land Development Co. Ltd. zeigt für 1936 ein zufriedenstellendes Ergebnis. Eine Divi* d e n d e von 6 «,0 wird auch für das Jahr 1936 ausgeschüttet werden.