Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 54 (9.7.1937)
- Date
- 1937-07-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 54, 9. JULI 1937 Um Kultur und Schule Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl, Tel Aviv, 1. Juli 1937 Beth Bialik Der Todestag von Herz! und Bialik, der jetzt in Paliistina gemeinsam begangen wird, brachte dieses Jahr ein besonderes Ereignis, die Eröffnung von B i a 1 i k s H aus in Tel Aviv für das Publikum. Das umfangreiche Gebäude nahe der Stadtverwaltung, in der Straße, die den Namen des Dichters trägt, war drei Jahre hindurch, seit dem Tode Bialiks, für das Publikum geschlossen. Zu seinen Lebzeiten trafen sich hier die Vertreter der hebräischen Dichtung und Literatur, die Vorkämpfer der hebräischen Sprache und führende Geister aus den verschiedensten Orten Palästinas und allen Kreisen des Jischuw. An besonderen Festtagen, insbesondere an Simchat Thora, zogen die Massen der Stadt vor das Haus des Dichters, liier wurde gesungen und getanzt, der Garten und das Haus wurden bei solchen Gelegenheiten zu einem Zentralpunkt des Lebens. Bald nach dem Tode des Dichters wurde der Plan gefaßt, das Haus als eine Art Museum dem Publikum zu übergeben. Der große Nachlaß des Dichters wurde gesichtet und alles vorbereitet, um die wertvolle Bibliothek Bialiks dem Publikum zugänglich zu machen und ein ״Beth Tarbuth“, ein Haus der Kultur, zu schaffen, in dem man sich mit den Werken Bialiks und allem, was seinem Herzen nahestand, der Pflege der hebräischen Kultur und Literatur, beschäftigen kann. Heute wird dies Bialik-Haus zum ersten Male dem Publikum zugänglich, nachdem es gestern in einer Versammlung von Männern der Feder und des Geistes eröffnet wurde. Das Bialik-Haus kann ein neues Kulturzentrum der Stadt Tel Aviv werden, und die junge Stadt braucht dringend derartige Institutionen und besitzt wenig Orte, von denen geistige Wirkung ausstrahlt. Eine Woche der hebräischen Sprache Der Herzl-Bialik-Tag ist zugleich der Beginn einer ״Woche der hebräischen Sprache", die vom Kulturdepartement des Waad Leumi proklamiert wurde und für die verschiedensten Orte ein buntes Programm von Theater- Vorführungen, Konzerten, literarischen Abenden und Vorträgen vorsieht. Es soll der Versuch gemacht werden, das Interesse für die hebräische Sprache und Kultur durch eindringliche Propaganda und neuen Anreiz in den Massen zu beleben und zugleich die Verbreitung hebräischer Bücher zu fördern. Eine solche Propaganda und Aufklärung ist dringend nötig. Jahre der starken Einwanderung sind in Palästina immer Jahre der verstärkten Gefahren für die Hegemonie des Hebräischen. Die Menschenwelle, die ins Land strömt und den Jischuw verstärkt und mit neuem Leben erfüllt, bringt auch fremde Kultur ins Land, fcW״Mischmasch von europäischen Sprachen, Unkenntnis Palästinas, des Hebräischen, der jüdischen Geschichte, Sitte und Tradition. In den Jahren 1024/20, als sich die große Immigrationswelle nach Tel Aviv ergoß, brachte sic einen wahren Einbruch des Polnischen in das damals leidlich liebraisierte Tel Aviv, ln der Welle von 1034/35 dominierte das Deutsche, wenn auch andere Sprachen daneben nicht fehlten. Und wie immer in solchen Zeiten setzt der Kampf um die Durchsetzung des Hebräischen mit vermehrter Wucht ein. Wenn die Immigration schwächer wird, haben die neuen Massen in der Regel Zeit, sich an das Hebräische zu assimilieren, und dieses tritt wieder in größerem Maße seine Herrschaft an — bis eine neue Welle von neuem gegen seine Positionen vorsclnvillt. Dieses Auf und Ab ist eine natürliche Begleiterscheinung der Einwanderung. Sic wäre nur zu vermeiden, wenn cs gelänge, auch im Galutli dem Hebräischen einen gebührliehen Platz zu erobern, was bisher — außerhalb des Vorkriegs-Rußland ~ niemals ii! nennenswertem Maße der Fall war. Der Versuch des Waad Lcunn, das öffentliche Interesse für die hebräische Kultur in einer speziellen Kulturwoche anzufachcn, ist von erziehlicher Bedeutung, bcsonders da es sich nicht um die einfache Mahnung handelt, sich des Hebräischen zu bedienen, sondern um Darbietungen verschiedenster Art, die das kulturelle Interesse anregeii können. Zugleich hofft man, dc!1 Verkauf hebräischer Bücher durch diese Veranstaltungen zu fördern. Auf dem hebräischen Büchermärkte spiegelt sich die allgemeine Öko- «löinische Stagnation getreulich wieder, und das ist nicht nur ein Schaden für die Verlagsgesellschaften und alle mit ihnen Verbundenen, von den Arbeitern bis zu den Schriftstellern, sondern auch für die Entwicklung der hebraischen Literatur, die an einem großen Radius der Verlagstätigkeit interessiert ist. Die Parole: ״in jedes Haus das hebräische Buch•‘, die mit der Kulturwoche verbunden wird, hat auch kommerziell ihre Bedeutung. Die nächste Generation Gerade in der letzten Eimvanderungswelle hat man neben auffallender Unkenntnis des Hebräischen auch einen großen Lerneifer entdeckt. Das gilt besonders für die Juden aus Deutschland, die so lange ein Objekt palästinensischer Witze waren, bis Palästina eines schönen Tages mit Erstaunen feststellte, daß der und jener, und nicht nur Einzelne, sondern Hunderte das Hebräische erlernt hatten, während sich der Jischuw die Zunge zerbrach, um das zu sprechen, was seiner Meinung nach deutsch war. Niemand wird leugnen, daß die neue Einwanderung in den letzten Jahren auf dem Gebiete der Sprache gute Fortschritte gemacht hat, aber niemand wird die Tragödie verkennen dürfen, die mit dieser ״Auswanderung in eine andere Sprache“ verknüpft ist. Die Menschen, die heute ein paar Jahre im Lande sitzen, haben mit vic! Geduld es gelernt, sich zu verständigen, ihre Zeitung zu lesen (sogar den nicht punktierten Teil!), einem Vortrag zu folgen, manche auch hier und da schon selbst eine Rede zu halten. Das alles ist ein Eindringen in die Sprache, nicht aber das Eintebcrs in sie. (Vgl. hierzu den Aufsatz von Emst Simon ״Ein Leben lang lernen“ in ״J. R,“ Nr. 48 — A. d. R.) Und der Trost in dieser Situation ist: den Kindern wird alles selbstverständlich sein. Die Gener a t i o n des Verzichtes hängt ihre H o f f 11 u n g an die Generation der Verwirklichung. In dieser Gedankenrichtung liegt viel Richtiges — freilich unter einer Voraussetzung: daß dieser nächsten Generation, die nachholen soll, was die Eltern versäumt haben, die entsprechenden Lernmöglichkeiten gegeben werden. Das Lern prob I c m d c r F. Item wird z u m Schul- Problem der Kinder. Und es erhebt sich die Frage: geben wir heute in Palästina allen unseren Kindern die Möglieftkeit einer entsprechenden Schulung, sowohl vom sprachliehen wie vom allgemeinen Gesichtspunkt aus? Die Frage ist gerade im gegenwärtigen Moment außerordentlich aktuell, denn wir stehen am Abschluß des alten Schulj all res und bei der Einschreibung der Kinder für das nächste Lernjahr. Schulsorgen In den letzten Jahren bot diese Zeit für die Eltern in Tel Aviv regelmäßig viele Komplikationen. Die vorhandenen Einschulungsmöglichkeifen reichten nicht aus. Die steigende Einwanderung brachte Kinder in großen Zahlen und in verschiedenem Alter ins Land und die Stadt machte vergeblich Anstrengungen, das bestehende Schulnet/ entsprechend zu erweitern. Es entstanden eine Menge P r i - vatsciiulcn, die einen Teil der Kinder aufnahmen. Damit wurde einerseits die Lage erleichtert und die 5ffeiltliehen Schulen entlastet, andererseits besaßen die öffeutliehen Instanzen nicht die entsprechende Koiitrollmöglichkcit über die Privatschulcn. Und für den Teil der Bevölkerung, der auf freie Lernmöglichkeiten am meisten angewiesen war, also die unbemittelten Schichten, waren die Privatschulen keine Hilfe. Sie suchten die städtischen Schnlen, wo sie die Kinder umsonst oder gegen geringes Schulgeld unterbringen konnten und erhielten in nur zu vielen Fällen die Antwort: alles voll. Dabei wurden von der Stadt alle möglichen Versuche gemacht, mehr und mehr Kinder in den Unterricht einzube/iehen, die Klassen wurden bis auf die äußerste Grenze vergrößert, Parallelklassen eingerichtet usw. In manchen Fällen wurde in zwei Schichten, vormittags und nachmittags, unterrichtet und trotz allem reichte weder das Geld, noch der zur Verfügung stehende Raum, noch die Organisation aus, um die Einschulung gut durch/utiihren. lieber die Geldfrage braucht nichts gesagt zu werden. Es ist klar, daß einer solchen Vergrößerung der Aufgaben nicht die entsprechenden Mittel gegenüherstanden. Was die Organisation betrifft, so lieft sie so ziemlich alles zu wünschen übrig. Das Einschrcibcsysfem war lächeiiich kompüriert, führte dazu, daß die Eifern endlose Zeit mit Warfen verloren, keine Uebcrsicht hatten und sich in dem Netz der Maschinerie nicht zurechtfanden. Bei so manchen neuen Einwanderern begann das Mißtrauen gegen unsere öffentliehe Verwaltung hei ihren Versuchen zur Einschulung der Kinder. Es scheint, daß in dieser Beziehung dieses Jahr Wandel geschaffen ist. Die Einschreibungen sind dezentralisiert worden und man verspricht uns eine reibungslose oder ztunitulesf viel reibungslosere Abwicklung der Prozedur. Große Sorge dagegen macht auch in diesem Jahre die Raum frage. Im April dieses Jahres wurden in den Tel Aviver Volksschulen mehr als 13 30,׳ Kinder gezählt (Nota bene: Volksschulen, die höheren Schulen ebenso wie alle Privaixdiiilen sind nicht einbezogen). Man schätzt, daß im nächsten Schuljahr 3!11 neue Kinder dazukommen. Um einigermaßen anständige Unterbringung zu garantieren, wäre der Neubau von 60 Klassen nötig. Ls werden jedoch nach den bisherigeu Voranschlägen nur 23 gebaut werden, die bis zu Chanukkah, also Mitte des Winters, fertig sein sollen. 111 der Regel werden solche Termine nicht eingehalten, cs ist also zu befürchten, daß wir auch im kommenden Jahre an vielen Stellen mit zwei Schichten werden arbeiten müssen, was sowohl für Schüler wie für Lehrer eine schwere Bclasfung darstellt. Wie groß die Raumnot in den Schulen ist, läßt sich daraus ersehen, daß heute die Hälfte der bestehenden Klassen in Mietshäusern oder sogar Baracken untergebracht ist, 3t Klassen arbeiten in zwei Schichten, und wenn man das Scluilhniisproblem in seinem ganzen Umfang für die heute schulpflichtigen Kinder lösen wollte (ohne zukünftige Einwanderung in Betracht zu ziehen), so wäre der Bau von 150 neuen Klassen nötig. Kein Schulzwang Das heutige Palästina kennt bekanntlich keinen Schulzwang. Und er würde auch als administrative Maßnahme allein nicht helfen, weil cs keine genügenden Einschulungsmöglichkeiten gibt. Wir sind für Tel Aviv, das heute mindestens ein Drittel des gesamten jüdischen jischuw uinfaßt, nicht imstande anzugebeu, wieviel Kinder außerhalb der Schulen bleiben müssen, weil kein Platz für sie vorhanden ist. Es besteht keine entsprechende ausreichende Statistik dieser Art, und wenn angegeben wird, daß gegen 2000 Kinder im vorigen Jahre zurückgewiesen werden mußten, so ist das eben nur eine reine Schätzung, denn die Kinder, die man abweist, werden bei der Einschrcibutig nicht notiert. Außerdem muß man in Betracht ziehen, daß die Zahl der abgewiesenen nur einen Bruchteil der Kinder umfaßt, die keine Schulbildung genießen. Denn die Eltern wenden sich zu einem Teil gar nicht erst an die Behörden (das gilt vor allein für einen Teil der orient a I i s c h c n Juden). Unter denjenigen Kindern jedoch, die eingescliult werden, beendigen keineswegs alle die acht Klassen der Volksschule, was man als das Minimum einer Lernzeit annchnicn muß. Wenn man sich die Frequenz in den Volksschtdklassen ansieht, so fällt auf den ersten Blick auf, daß die Anzahl in den unteren Klassen sehr viel größer ist als in den oberen. In den Tel Aviver Volksschulen wurden 1937 im ersten Schuljahr 2558 Kinder gezählt, im achten dagegen nur 542! Von der ersten bis zur achten Klasse sinkt die eingeschulte Kinderzahl in immer stärkerer Folge, so daß die Schulfrequenz sich als eine Pyramide mit breiter Basis und verhältnismäßig schmaler Spitze darsteilt. Nun muß man frei* lieh, wie immer bei Statistiken, sich vor übereilten Schlüssen hüten und nicht vergessen, daß hier verschiedene Faktoren eine Rolle spielen können. Ein Teil der Kinder wandert schon in der Mitte der Volksschule auf die verschiedenen Gymnasien ab. Bei starker Einwanderung, die Kinder in verschiedenstem Alter ins Land bringt, kann sich oft das Gesamtbild mit einem Schlage zugunsten unterer oder höherer Klassen ändern. Aber auch wenn man alle diese Korrektiven berücksichtigt, bleibt eine Tatsache bestehen, die sowohl von Schulmännern wie allen mit der sozialen Lage Vertrauten bestätigt wird: Von einem ständigen und syst e m a t i 5 c h e n B e s u c h v o 11 acht V olksschulk l a s s e n d u r 0 h alle K i n d e r v o n T e 1 Aviv (und Tel Aviv ist nur ein Beispiel für den gesam* t e n J i s e h u w) k a n n bei d e n heutigen Ver- 11 ä 1111 i s s e n keine R e d e sei n. Ein Teil wird überhaupt erst nicht angenieldct: ein anderer findet bei der Anmeldung keinen Platz: und ein dritter beginnt zwar die Schule, beendet sic aber nicht. Die Litern sind nicht imstande zu warten, bis die Kinder mit 11 Jahren ihre Schule verlassen, sie sind vorher auf ihre Hilfe, auf ihr noch so geringes Mit verdienen angewiesen, und da kein Schulzwang bestellt, so sickern die Kinder mit ln, 11, 12, 13 Jahren langsam von den Schulen ab. Daß in diesen Kreisen auch von einer minimalen Brruiöausbildimg (/um Beispiel durch geregelte Lehre fur Handwerk usw.) keine Rede ist, verstellt sich von seihst. I )ieses ist ein Sointerproblem, das oft im Lande besprochen wird, zu dessen Lösung aber die Kräfte noch weniger ansgcreicln haben wie zur Lösung der allgemeinen Schulfrage, Die Größe des Erreichten und dieGrößedes Fehlenden Läßt mau nochmals die Errungenschaften des hehriiischen Scl11il11et/es an sich vori'ibergehell, so wird man aus vollem Herzen zugcben, daß liier in einer Bemühung von Jahrzehnten ein großes Werk geschaffen worden ist. Die hebräischen Schulen entstanden wirklich aus dem Nichts, hatten innerhalb ihrer Mauern die Sprache für die modernen Bedürfnisse hernii/ub'Iden, Lehrbücher zu schaffen, imitier neue Massen von Kindern zu erziehen, die zum Teil aus anderen Sprachen lierkameu, und all das unter dauernden finanziellen Schwierigkeiten, ohne die Rückendeckung Staatlieber Zwaiigsmacht. Daß es trotzdem gelang, das Schulweik aufzuhauen timt dauernd zu vergrößern, muß uns eher verwundern, als die vielen Mängel, die dieses Werk aufweist. Man darf auch nicht vergessen, daß dieses hebräische Schulwerk in einem orientalischen Lande geschaffen wurde, wo die Mehrheit der Bevölkerung auch heute noch tief im Analphabetentum steckt. Aber gerade die anor m a 1 c n B e d i n g u n g e n, i n d e!1 c n i n P a I ii - stina die Schule zu funktionieren hat, geben ihr eine ganz besondere Bedeutung und s t e I - len ihr größere Aufgaben als einer normalen Schule. Wenn die Schule unter normalen Umständen, in der eigenen Sprache lebt, so muß die hebräische Schule ihre Sprache erkämpfen, sic durch die Kinder in die Eltern- Häuser tragen lassen, sie erst eigentlich formen. Und was für die Sprache gilt, gilt auch für jene andere Akklmiatisation, jenes geistige Einleben in Palästina, das bei den Erwachsenen immer nur zu einem Teil gelingt, hei den Kindern aber die Grundbedingung ihrer Leistungsfähigkeit im Lande ist. Gerade weil bei uns immer mehr die Erkenntnis sich durchsetzt, daß der Uebergangsgeneration eine zweite Generation folgen muß, die sich im Lande selbstverständlich und frei fühlt, deshalb» kommt der Schule, kommt einer entsprechenden Ausbildung׳■ der Kinder (und zwar der Kinder der Masse) eine so entscheidende Bedenhing zu. Was sie lernen, wie sie lernen, wie lange sie lernen, das alles sind!־’ragen kaum zu überschätzender Wichtigkeit. So wie die Dinge heute stehen, werden wir weder im Umfang noch, in der Dualität den minimalen Anforderungen gerecht. Fs fehlen Geld und Kräfte. Gerade auf dem Gebiet des Schulwesens aber sind Versäumnisse später nur sehr langsam gutztimacheii, weil unterdessen eine Generation aufwächst, die von der ihr zuteil gewordenen Ausbildung (oder mangelnden Ausbildung) ihren Stempel mitbekommt. Wauchope wieder in Palästina High Commissioner Sir Arthur Wauchope ist am Dienstag aus London in Jerusalem eingetroffen. Er hat am Mittwoch Besprechungen mit dem Obersten Arabischen Komitee und der Exekutive der Jewish Agency über die neue Palästina-Politik der britischen Regierung abgehalten. Der Waad Lcutni hat einen Appell an den Jischuw erlassen, nach der Veröffentlichung des Berichtes der Kgl. Kommission Ruhe und Ordnung zu wahren. Das Oberste Arabische Komitee wird sofort nach der Verkündung der Regierungserklärung im Rundfunk zu einer Sitzung zusammentreten. Mufti zurückgekehrt Der M u f t i ist aus Syrien zuriickgckchrt, nachdem seine Anhänger dringend seine Rückkehr verlangt hatten. Aus Damaskus wird berichtet, daß die Bemühungen des Mufti, die Unterstützung des gegenwärtig in Syrien an der Macht stellenden Nationalen Blocks zu gewinnen, mißltingen sind. Die Partei sei dem Mufti mit Zurückhaltung begegnet, da sie eigene Probleme genug habe und habe es abgelehnt, sich in bezug auf die Teilung Palästinas irgendwie festzufegen, solange der Bericht der Kgl. Kommission nicht vorliegt. Das Oberste Arabische Komitee hielt unter Vorsitz des Mufti eine Sitzung ab, um über den Austritt der Opposition zu beraten, und veröffentlichte nachher eine Antwort auf deren Erklärung. Das Komitee ruft die Araber zur Wahrung einer nationalen Einheitsfront auf, angesichts der bevorstehenden dringenden und lebenswichtigen Entscheidungen. Was die gegen den Mufti erhobene Anklage, wonach er seinen Posten mutwillig verlassen habe, anbetrifft, so werde eine Antwort darauf zu einem späteren Zeitpunkt erteilt werden; im gegenwärtigen Augenblick seien wichtigere Probleme zu lösen.