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Jüdische Rundschau · 1937-07-09 · Heft 54 (9.7.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 54 (9.7.1937)
Date
1937-07-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 6 JDDISCHF RUNDSCHAU Nr. 54, 9. VII. 1937 Aus dem Peel-Bericht wäre es richtiger gewesen, den Negcw — evtl, unter britlschcm Mandat — der jüdischen Kolonisation frei zu geben und den Gedanken eines ßevölkcrungsaustausches für später bereit zu halten, für die Zeit, wo schon eine betriebtliehe jüdische Bevölkerung im Negcw angesiedelt ist, die für einen Austausch — auch auf einer gewissen Wirtschaftliehen Grundlage — in Betracht kommt. Offene Fragen Viele Einzelheiten bleiben auch nach der Veröffentlichung des Berichtes noch ungeklärt. Sie sind der Stoff der künftigen V e r It a 11 d 111 n jg e ti. Wenn England nicht eine Scheinlösung anstrebt, die nur der Welt den guten Willen Englands demonstrieren soll, sondern wirklich lcbensfähige Gebilde schaffen will, dann wird sich bei der praktischen Durchführung /eigen, dafi noch so manche A b ä n d crung des jetzigen Programms notwendig ist. Die wesentlichen Fragen der künftigen Verwaltung, des Finanzwesens, Zoll und Güterverkehr, die Verteilung des gegenwärtigen palästinen- Bischen Staatsschatzes und vieles andere ist späteren Dispositioneu Vorbehalten, Die Gesetzgebung darüber ist für den Herbst zu erwarten, Als einzige kc״du!1g für die Uebergangszeit hat die Regierung eine Be sehr ä n k u n g der jüdischen Ei n- Wanderung ausgesprochen. Dies geschah gemäß den Etnpfehlungen, die der Peel •Bericht für den Fall der Nicht-Teilung macht. Die Exekutive der Jewisli Agency wendet sich in ihrer 13., ersten Antwort auf tlvri Peel-Bericht be-imders heilig gegen die- 8en Punkt. Wie vielt im u b r i g e n die provisorische Verwaltung bis zur I)urclu'üliriing des 1 ei tmgsprojektes ges al'en wird, ist noch nicht zu beurteilen. Fs wird eine Fülle von schwierigen Fragen geben, 11ml es besteht die schwere heftirrhtiintr, da!( durch die Verlängerung der Uebergangszcit tlas (ieitihl der U n s i c h e r 11 e i t, das über Palä• stina liegt und sich schon jetzt ungünstig auf die Wirtschaft auswirkt, bestärkt wird. Die für die Praxis entscheidenden Einzelheiten werden erst in den Vertrügen geregelt werden, die England mit den beiden Staaten ahschliellen soll. Dabei wird die Zionistische Organisation ,als Vertragspartner in Vertretung des künftigen jüdischen Staates in dem Bericht ofti/idl anerkannt. Ihn so schwerer ist die Verantwortung, die auf dem künftigen Zionisten-Kongreß lastet, der der Exekutive die Vollmacht zum Ab- Schluß eines solchen Vertrages geben muß. Dies ist es, wessen die Zionisten und überhaupt das jüdische Voik in diesem Moment sich bewußt werden muß. Palästina ist durch die Teilung verstümmelt, der Flächeninhalt des für jüdische Aitsiedlung in Betracht kommenden Staats- Wesens ist beschränkt, viele schwere Einwände sind zu machen und Verbesserungen vorzuschlagen; aber zugleich erhält das jüdische Volk einen Status, der es vor eine gewaltige Kraftprobe stellt. Es geht jetzt darum, die s t a a t s b i 1 d e n d e n Kräfte des jüdischen Volkes im vollen Sinne zu bewähren und zu betätigen. Dazu gehören viele Fähigkeiten, viel Sachlichkeit, Arbeitsfreude und Einsatzbereitschaft, aber vor allem ein echter Gemeinschaftssinn, gegründet auf dem Be• wußtsein, daß wir trotz allem einen einzigartigen Moment der jüdischen Geschichte durchleben: den Beginn des ersten jüdischen Staatswesens nach fast 1900 Jahren. Die Anforderungen an die Fähigkeiten, den Staatsbürgersiiin, und auch den Gerechtigkeitssinn der Juden werden nicht gering sein. Das jüdische Gemeinwesen wird für die künftige jüdische Einwanderung und damit für das Los einer großen Zahl Vor» Juden, besonders der Jugend, in der Diaspora direkt verantwortlich sein, es wild aber auch eine große nichtjüdische Bevölkerung umfassen und dieser gegenüber sich so verhalten müssen, wie Juden, als ,Minderheiten anderwärts lebend, behandelt sein wollen. Die schwerste Ge• fahr in diesem Moment besteht in der Neigung der Juden zu interner Diskussion und parteimäßiger Festlegung aller Meinungsverschiedenheiten. Nur ein geeinigtes, zu innerer Disziplin entschlossenes indisches Voik kann der Aufgäbe gewachsen sein. Die Art und Weise, wie wir den Anforderungen dieser Stunde gegenübertreten, wird ein Maßs t a b für di e p o I i t i s c!1 e R e i f e und der Prüfstein für unsere nationale Auferstehung sein. Aus dem Unterhaus In der Mittu och -Sst/ung des engli-chen Unterhauses (vgl. auch S. 2) wurden noch eine keilte Anfragen über Palästina beantwortet. Cul. Wedgwood stellte Fragen, die sich auf den Jahresbericht der Palästina-Verwaltung beziehen. Der Abg. Grccch Jones fragte, ob Gründe zur Bcfürchtung weiterer Unruhen in Palästina vorhanden seien, ob sich eine verstärkte a n t i b r i t i s c h e Propaganda unter der arabischen Bevölkerung bemerkbar mache und warum nach Ansicht des Ministers die Entsendung des Schlachtkreuzers ״Repulsc“ nach Haifa notwendig gewesen sei. Der Kolonien m i n i s t e r antwortete, daß ein unmittelbarer Anlaß zu Befürchtungen, soweit er informiert sei, nicht vorhanden ist und daß keine besonderen Beweise einer verstärkten antibritischen Propaganda vorliegen. Die Entsendung der ״Repulse*‘ nach Haifa erscheine als eine reine Vorsichtsmaßnahme. Einer weiteren Frage des Abgeordneten Cominatulor Flctchcr über antibritische Propaganda in Palästina wich der Minister mit dem Hinweis auf den am Abend erscheinenden Peel-Bericht aus. Schließlich antwortete der Kolonienministcr noch auf c-ine Frage des Abgeordneten Wedgwood, ob er Mitteilungen über die von der französischen Regierung in Syrien dem Rebellenführer Fauzi cl Kaukji gewährte Amnestie besitze und ob die Palästina-Regierung diese Maßnahme gebilligt habe, es sei festgestellt worden, daß die Meldungen über eine Amnestierung Kaukjis unrichtig sind. Beschleunigte Einwanderung empfohlen Das Palästina-Amt Berlin teilt mit! Es ist zur Stunde noch nicht bekannt, ob und inwieiern die palästinensischen Einwanderungsbestimmungen mit dem 3t. Juli 1937 außer Kraft treten oder Aenderungen erfahren. Gemäß einer Anregung, die wir aus Palästina erhalten haben, empfehlen wir den Einwanderern der Kategorie A und D, die Einwanderung, wenn Irgend mOglick, bis zum 31. Juli 1937 zu vollziehen. ״Der Zwang der Verhältnisse“ Wir Beben nachstehend eine Veberscfzung des 20. Kapitels des Peel-Bcrlcbtcs, das die Einleitung des 3. Teils des Berichtes bildet, der den Teilungsvarschlag formuliert. (Red.) 1. Bevor wir die Vorschläge unterbreiten, die wir ftir eine radikale Lösung machen, wollen wir kurz das Palästinaproblcm rekapitulieren, 2. Unter dein Druck des Weltkrieges machte die britische Regierung den Arabern und Juden Versprechungen, um ihre Unterstützung zu erhalten. Auf diesen Vcrsprechungen bauten beide Parteien gewisse Erwartungen auf; 3. Die Anwendung des Mandatssystems auf Palästina im allgemeinen und das spezifische!Mandat im besonderen schlossen die Auffassung in sich, daß die damit tibernommenen Verpflichtungen gegenüber Arabern und Juden im Laufe der Zeit sich als miteinander vereinbar erweisen würden dank der versöulichen Wirkung, die die wirtschaftliche Prosperität aut die palästinensischen Araber ausüben würde, weiche die jüdische Einwanderung Palästinas als Ganzem bringen würde. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt, und wir sehen keine Hoffnung für ihre Erfüllung in der Zukunft. 4. Infolgedessen kann begreiflicherweise argumentiert werden, daß England jetzt berechtigt ist, seine Verpflichtungen aufzugeben. Aber wir zweifeln nicht, daß das britische Voik einen solchen Vorschlag zurückweisen würde. Treu und Glauben (״the spirit of good faitli“) verbieten dies. Ab• gesehen von vergangenen Verpflichtungen 11:1 bei» wir eine aktuelle Pflicht zu erfüllen. Auch wenn cs keine Versprecluingen oder Hoffnungen gegeben hätte, wenn es kein Mandat gäbe, so würden die gegenwärtigen Umstände in Pa• lästina doch die tätigsten Anstrengungen erfordern, die wir machen könnten. Wir sind verantwortlich für die Wohlfahrt des Landes. Seine Regierung ist in unserer Ifand. Wir sind verpflichtet, das Aeußerste zu tun, um Gerechtigkeit walten zu lassen und Frieden herbeizuführen. 5. Welches sind die bestellenden Umstände? Ein tinüberwindlicher Konflikt hat sich zwischen den beiden nationalen Gemeinschaften innerhalb der engen Grenzen eines kleinen Landes erhoben. Ungefähr eine Million Araber stehen in otfenein oder latentem Kampf mit 400 ODO Juden, Es gibt keine gemeinsame Grundlage zwischen ihnen. Die arabische Ge■ meinscliaft ist vorwiegend asiatischen, die jüdische vorwiegend GLAS / PORZELLAN / KÜCHENGERÄTE alfred schaeffer M.d J.G Berlin, Mauerstr. 68, an der leipziger Sir europäischen Charakters. Sie unterscheiden sieh in Religion und Sprache. Ihr kulturelles und soziales Leben, ihre Denkweise und Lebensführung sind ebenso unvereinbar wie ihre nationalen Bestrebungen. Die letztgenannten sind das größte Hindernis für den Frieden. Araber und Juden könnten tnögücherwcise lernen, zusammen in Palästina zu leben und zu arbeiten, wenn sie eine echte Anstrengung machen wollten, ihre nationalen Ideale miteinander zu versöhnen und zu vereinen und so mit der Zeit eine gemeinsame ■oder zweifache Nationalität aufzubauen. Aber dies sind sie nicht Imstande. Der Krieg und seine Folgen haben alle Araber mit der Hoffnung erfüllt, in einer freien und geeinten arabischen Welt die Traditionen des arabischen goldenen Zeitalters wieder zu beleben. In gleicher Weise sind die Juden durch ihre historische Vergangenheit begeistert. Sie wollen zeigen, was die jüdische Nation leisten kann, wenn sie wieder in das Land ihrer Väter zurückversetzt ist. Nach arabischer Vorstellung könnten die Juden nur den Platz beanspruchen, den sie im arabischen Aegypten oder arabischen Spanien einst innehatten. Die Araber würden ebenso außerhalb des jiidisehen Weltbildes stehen wie die Kanaaniter im alten Land Israel. Das Nationalheim kann, wie zuvor gesagt, nicht halbnational sein. Unter diesen Umständen zu behaupten, daß die palästinensische Bürgerschaft irgendeine moralische Bedentung hat, ist ein verderbliches Vorgeben. Weder Araber noch Juden haben irgendein Gefühl für den Dienst an einem einzelncn Staat. 5. Dieser Konflikt kennzeichnete die Lage von Anfang an. Die Bestimmungen des Mandats neigten dazu, Ihn zu bestätien. Wenn die Regierung eine strengere und beständigere olitik eingeschlagen hätte, hätte sie den Konflikt für einige Zeit unterdrücken können; aber sie hätte ihn nicht lösen können. 7. Der Konflikt ist ständig ernster geworden. Er ist gekennzeichnet durch eine Reihe von fünf arabischen Aufständen, die In dem Aufstand des letzten Jahres den Höhepunkt fanden, ln früherer Zeit war die Feindschaft gegen die Juden unter den Fellachen nicht weit verbreitet, jetzt ist sie allgemein. Die ersten drei Aufstände waren ausschließlich gegen die Juden gerichtet. Die letzten beiden waren ebenso gegen die Regierung gerichtet. 8. Diese Zuspitzung des Konfliktes wird anhallen. Die trennende Macht der Umstände in Palästina wächst von Jahr zu Jahr. Die arabischen und jüdischen Erziehungs- Systeme sind Schulen des Nationalismus. Sie bestehen erst seit kurzer Zeit, aber die volle Wirkung auf die heranwachsende Generation ist schon zu spüren und ״patriotische Jugendbewegung“, ein vertrauter Zug der gegenwärtigen Politik in anderen Ländern Europas oder Asiens, sind in Paliistina im Werden. Da jede Gemeinschaft überdies anwächst, so vertieft sich die Rivalität zwischen beiden, je zahlreicher, wohlhabender und gebildeter die Araber werden, um so stärker wird ihre Forderung nach nationaler Unabhängigkeit sein und mn so schärfer ihr Haß gegen das Hindernis, das ihnen den Weg dazu versperrt. Da das Jüdische Nationalheim älter wird und immer stärker verwurzelt, so werden auch sein Selbstvertrauen und seine politischen Ambitionen wachsen. 0. Der Konflikt ist in erster Linie politisch, obgleich die Furcht vor wirtschaftlicher Unterdrückung durch die Juden auch in den arabischen Gemütern herrscht. Man nimmt an, daß das Mandat-früher oder späte»־ aufhören wird. Die Araber möchten diesen Tag beschleunigen, die Juden ihn verzögern, beide aus erklärlichen Gründen. Inzwischen hat sich die ganze Lage durch die Ungewißheit über die Zukunft verschlechtert. Der Konflikt bezieht sich in der Tat ebenso auf die Zukunft wie auf die Gegenwart. Jeder_ intclligente Araber und Jude ist gezwungen zu fragen: ״Wer wird schließlich in Palästina regieren?“ Die Ungewißheit wird zweifellos verstärkt durch die Tatsache, daß Palästina ein Mandatsland ist; aber angesichts anderer nationaler Bewegungen glauben wir nicht, daß die Lage sehr verschieden wäre, wenn Palästina eine britische Kolonie gewesen wäre. 10. Inzwischen werden die ״äußeren Faktoren“ fortfahren, die Rolle zu spielen, die sie mit ständig steigender Kraft seit Beginn gespielt haben. Auf der einen Seite sind Saudi-Arabien, Jemen, Irak und Aegypten bereits als souveräne Statten anerkannt und Transjordanien als eine ״unabhängige Regierung“. In weniger als drei Jahren werden Syrien und der Libanon ihre nationale Souveränität erhalten. Die Forderung der palästinensischen Araber, an der Freiheit des gesamten asiatischen Arabiens teilzunehmen, wird daher verstärkt werden. Vor dem Kriege waren sie Jahrhunderte hindurch mit Syrien und dem Libanon verbunden. Sie iibertreffen bereits den libanesische« Staat an Zahl. Daß sie ebenso gut zur. Selhstregicrung geeignet sind wie die Araber der benachbarten Staaten, ist zugegeben. 11. Andererseits werden die Redrängungen und Bcfürch• tungen der Juden in E 11 r o p a wahrscheinlich in der nachsten Zukunft nicht geringer werden. Der Druck auf Palästina wird anhaltcu und kann zu jeder Zeit sich stärker äußern. Der Appell an den guten Willen und die Menschlichkeit des britischen Volkes wird nichts von seiner Kraft verlieren. Die Mandatarmacht wird unaufhörlicli gedrängt werden, so viele Juden nach Palästina hincinzulnsscn, wie das National• heim wirtschaftlich aufnehmen kann, und sie zu beschützen, wenn sie von Arabern angegriffen werden. 12. Daher ist es aus inneren und äußeren Gründen wahr• scheinlich, daß die Lage, so schlecht wie sie jetzt ist, noch schlechter werden wird. Der Konflikt wird weitergehen und die Kluft zwischen Juden und Arabern sich erweitern. 13. Es bleibt die Stellung der dri Iten Partei ln dieser Angelegenheit zu betrachten — der Alan cl a t a r m a c h t und ihrer Vertreter in Palästina. Die Regierung in Palästina ist von dem Typ der Kronkolonie, ungeeignet, unter normalen Umstünden gebildete Araber oder demokratische Juden zu regieren. Aber sie kann sich nicht wie anderswo zu einem System der Selbstregierung entwickeln, da es kein System gibt, das sowohl den Arabern wie den Juden Gerechtigkeit sichert oder an dem sowohl Juden und Araber freiwillig teilnchnien würden. Die Ein• richtung eines Legislative Council oder selbst einer beratenden Körperschaft, in der beide Völker mitarbeitet» sollen, ist daher u n d u r c h f ü h r b a r. Es sind auch keine anderen Methoden der Beratung und der Mitarbeit mit den Vertretern beider Völker durch führ bar. Fs ist richtig, daß die jüdische Mitarbeit im Mandat vorgeschrieben ist und sie bestellt zuweilen bis zu einem unangenehmen Ausmaß. Aber die arabische Mitarbeit in irgendeiner regulären lind bestän* digen Form ist nicht erhältlich. So muß eine biirokra• tische Regierung weiter arbeiten, unkontrolliert durch irgendwelche repräsentativen Einrichtungen auf nationaler Ba* sis, und unfähig, die beunruhigenden Beschwerden der unzu• friedenen und unverantwortlichen Gemeinschaften, die sie beherrscht, zu zerstreuen. Audi ist die Regierung nicht in der Lage, sich auf irgendeine innere Anhänglichkeit an die Krone zu verlassen. Die nationalen Führer, und nicht die Mandatarregierung erheben den ersten An• Spruch auf die Loyalität ihrer Volksgenossen. 14. Unter diesen Umständen sind wir überzeugt, daß Frieden und Ordnung und eine gute Verwaltung in Palästina für die Dauer nur aufrecht erhalten werden können durch ein strenges System der Unterdrückung. In dem ganzen Bericht sind wir darauf bedacht gewesen, die Tat׳ Sachen, wie wir sie sehen, nicht zu übertreiben: aber eine Unterschätzung wäre nicht weniger falsch; und wir würden unsere Pflicht vernachlässigen, wenn wir irgend etwas sagten, das einen hoffnungsvollen Ausblick für den künftigen Frieden Palästinas unter dem gegenwärtigen System oder irgendeinem diesem verwandten ermutigen würde. Der Op• timismus, der natürlich bei dem Beginn des Untemeh• mens vorherrschte, ist durch die Serie der arabischen Unruhen enttäuscht worden, aber allerdings niemals erloschen. In jedem Fall erwachte er bald wieder, und in jedem Falle erwies er sich als falsch. Die Erfahrung reicht aus, und niemand wird, wie wir glauben, jetzt ver« suchen, zu behaupten, daß das bestehende Sy« stem irgendeine wirkliche Hoffnung auf eine Versöhnung zwischen Arabern und Juden bietet. Daher steht die Regierung■ der unerfreulichen Notwendigkeit der Aufrechterhaitimg teurer Sichcrhcitsvorkeh« rungen gegenüber mit dem Erfolg, da ß sie nicht in der Lage ist, die Dienste zu verbessern und auszudehnen, die sie der Wohlfahrt und Entwicklung der Bevölkerung schuldig ist, die mit den Worten des Völkerbundspaktes ihr ״heilige anver* traute Aufgabe“ bilden, ja sie sogar kürzen müßte, Wenn ferner Unruhen in gleicher Weise wie im letzten Jahre wiederkommen sollten, müssen die militärischen Kosten die Einnahmen Palästinas erschöpfen und schließlich den britisehen Staatsschatz in unvoraussehbarem Maße in Anspruch nehmen. Die moralischen Einwände gegen die Aufrechterhai• tung eines Regierungssystems beständiger Unterdrückung leuchten von selber ein. Es ist nicht notwendig, die unerwünschten Reaktionen eines solchen politischen Kurses auf die Meinung außerhalb Palästinas zu betonen, 15. Das schlimmste von allem ist, daß solch eine Politik nirgendwohin führt. Wie streng und konsequent sie auch aufrecht erhalten sei, sie wird das Problem nicht lösen. Sie wird den Streit zwischen Arabern und Juden nicht besänftigen, sondern vertiefen. Die Errichtung eines einheitlichen, sich sclbstregicrcndcn Palästina wird ebenso undurchführbar bleiben, wie sie es jetzt ist. Es ist nicht leicht, den dunklen Weg der Unterdrückung weiter zu verfolgen, ohne das Dämmern eines guten Endes dieses Weges zu scheu. 16. Dies sind nach unserer Meinung die Verhältnisse, denen S. M. Regierung in Palästina gegenüberstchen. Wir wollen natürlich durch nichts, was gesagt würde, behaupten, daß das britische Volk zurückweichen würde vor der Bürde, Palästina unter dem gegenwärtigen System zu regieren, wenn es in Ehren verpflichtet wäre, dies zu tragen. Weder fehlt ihm dazu die Macht noch der Wille. Aber es würde mit Recht tragen, ob es keinen anderen Weg gibt, auf dem diese Pflicht erfüllt werden kann. 17. Wir behaupten auch nicht, daß die Verpflichtungen, die England vor 20 Jahren gegenüber Arabern und Juden übernommen hat, an moralischem oder gesetzlichem Gewicht verloren haben durch das, was sich seither ereignet hat. Die Schwierigkeit ist, daß sie sich als unvereinbar mit• einander erwiesen haben, und, soweit wir sehen, müssen sie weiter zu Konflikten führen. Um es in einem Satz zu sagen, wir können in Palästina, wie es jetzt ist, nicht den arabischen Anspruch aul Selhstregicrung gewähren und zugleich die Errichtung des Jüdischen Nationalheims sichern. Und dieser Konflikt zwischen den beiden Verpflichtungen ist um so schlimmer, weil jede von ihnen für sich genommen mit den britischen Gefüh« len und Interessen übereinstimmt. Einerseits war die Einfüh• rung des Mandatssystems in einem arabischen Palästina als ein Mittel, zur Selbstrcgicrung zu gelangen, in lieberem- Stimmung mit britischen Grundsätzen — denselben Grund• siitzen, wie sie seit dem Kriege unter verschiedenen Umständen in Indien, Irak und Aegypten in die Praxis unigesetzt worden sind. Die britische öffentliche Meinung steht den arabischen Wünschen auf ein neues Zeitalter der Einigkeit und des Glückes in der arabischen Welt mit voller Sympathie gegenüber. Umgekehrt ist die Aufgabe, ohne «4t

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