Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 54 (9.7.1937)
- Date
- 1937-07-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 54 9. VII. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Als Teil des vorgeschlagenen Vertragssystems soll ein Handelsvertrag mit dem Ziel der Schaltung eines gemeinsamen Zolltarifs für eine möglichst große Reihe von Einfuhrartikeln und zur Erleichterung eines mögliehst freien Güteraustauschs zwischen den drei Territorien beschlossen werden. Die Rechte aller öffentlichen Beamten, einschließlieh des Pensionsrechtes, sollen voll gewahrt werden. Potash und Ruthenberg Von der Palästina-Regierung geschlossene Abkommen über die Entwicklung und Sicherheit von Industrien, wie der Palestine Potash Company, sollen von den Regierungen des arabischen und des jüdischen Staates übernommen und durchgeführt werden, ln den Verträgen soll Garantie hierfür geleistet werden. Die Sicherheit des Kraft- Werkes in Jisr el Majani (Ruthenberg - Elektrizitätswerk — A. d. R.) soll in gleicher Weise garantiert werden. In den Verträgen soll vorgesehen sein, daß, falls arabische Bodeneigentümer im jüdischen Staat oder jüdische Eigentümer in dem arabischen Staat ihren Boden verkaufen wollen, die Regierung des betreffenden Staates verantwortlich sein soll für den Kauf zu einem Preise, der erforderlichenfalls von der Mandatarregierung fest ge- *etzt werden wird. Bevölkerungsaustausch Es soll sofort eine Untersuchung Uber die Bewisserungs- und Landentwicklungsmöglichkeiten Transjordaniens, des Bersheba-Dislrikts und des Jordantales unternommen werden. Wenn es klar wird, daß ein wesentliches Ausmaß an Boden für die Wiederansiedlung von Arabern, die in dem jüdischen Gebiet leben, bereitgestellt werden kann, dann sollen im Interesse der beiden beteiligten Parteien Anstrengungen gemacht werden, um ein Abkommen über Boden- und Bevölkerungsaustau sch herbeizuführen. Um ein solches Abkommen zu erleichtern, soll das Parlament des Vereinigten Königreiches aufgefordert werden, einen Beitrag zu den Kosten des notwendigen Entwicklungsplanes zu leisten. (JebergangsbesUmmungexi Für die Uebergangsperiode bis zum Inkrafttreten der Verträge macht die Kommission folgende Vor- Schläge: Bodenkauf mit Juden in dem arabischen Gebiet oder durch Araber in dem jüdischen Gebiet soll verboten werden. Jüdische Einwanderung in das arabische Gebiet soll nicht zugeiassen werden. Der Umfang der jüdischen Einwanderung soll bestimmt werden auf Grund der Aufnahmefähigkeit Palästinas mit Ausschluß des arabischen Gebietes. Es sollen unverzüglich Verhandlungen aufgenommen werden, um eine A b ä n d e - rung des Artikels 18 des Mandates herbeizuführen und den Außenhandel Palästinas auf eine gerechte Basis zu stellen. Der Beirat der Palästina-Regierung soll womöglich durch Ernennung von arabischen und jüdischen Vertretern erweitert werden. Das Munizipai-System soll nach den Vor- Schlägen von Fachleuten reformiert werden. Es soll eine starke Anstrengung unternommen werden, um die Zahl der arabischen Schulen zu erhöhen. ♦ Einige Abschnitte im Wortlaut Der Teilungsplan (Kap. 22, §§ 1-3) 1. Wir wenden uns nun dein Teilungsplan zu, als der einzigen Methode, die wir vorzuschlagen in der Lage sind, um an die Wurzel des Uebcis zu kommen. 2. Zur Zeit unserer Ernennung, als der Ernst der Situation in Palästina bis zu einem gewissen Ausmaß, wenn auch noch nicht in seinem vollen Ausmaß in England erkannt wurde, wurde, so glauben wir, die Fortsetzung des M a n d a t s allgemein als selbstverständlich betrachtet, und unser Auftrag schloß die Hoffnung in sich, daß wir in der Lage sein würden, Empfehlungen zu geben, die, wenn sie angenommen würden, es nach unserer Meinung möglich machen würden, eine dauernde Regehmgohne Aufgabe des Mandats zu schaffen. Aber mit dem Fortschreiten unserer Untersuchung gewannen wir mehr und mehr die Ueberzeugung, daß bei einer Fortdauer des Mandats wenig Hoffnung aut dauernden Frieden in Palästina bestellt, und bei Abschluß unserer Arbeit waren wir überzeugt, daß cs überhaupt keinen ibt. Es war uns klar, daß nur drastische Methoden, as Problem anzupacken, eine Aussicht auf Erfolg boten, und daß eine von den Methoden, so schwierig sie offenkundig Wie Palästina geteilt werden soll Kartenskizze zum Peel •Vorschlag / sein mag, nicht als unmöglich betrachtet werden sollte. Unter diesen Umständen würden wir es für eine Pflichtversäumnis halten, wenn wir nichts anderes täten als zu zeigen, wie wir es in den früheren Kapiteln dieses Berichts versucht haben, daß die Situation in Palästina ausweglos geworden ist. Wir glauben, daß S. M. Regierung von uns Vorschläge erwartet, wie dieser tote Punkt möglicherweise tiberwunden werden könnte. Es ist richtig, daß die meisten Aussagen* die wir hörten, sich nicht direkt mit der Teilung beschäftigten; aber angesichts der Tatsache, daß die meisten direkt oder indirekt dazu halfen, ein Urteil über diesen Punkt zu bilden, und im Lichte der übrigen Informationen, die wir über die vergangenen und gegenwärtigen Zustände in Palästina erhalten haben, fühlen wir uns berechtigt zu empfehlen, daß S. M. Regierung die geeigneten Schritte für die Beendigütig des gegenwärtigen Mandats auf der Basis der Teilung unternehmen möge. 3. Obwohl wir nicht glauben, daß S. M. Regierung von uns erwartet, daft wir eine neue ausführliche Untersuchung beginnen, die für die Ausarbeitung eines T e i 111 n g s - planes in allen Details notwendig ist, wäre es doch müßig, das Prinzip der Teilung zu befürworten und nicht diesem Vorschlag irgendeine konkrete Form zu geben. Wir müssen deutlich zeigen, daß ein wirklicher Plan erdacht werden kann, der den I laupterfordernissen des Falles gerecht wird. Es scheinen uns drei wesentliche Merkmale eines solchen Planes zu bestellen. Er muß ausführbar sein; er muß mit unseren Verpflichtungen übereinstimmen; er muß den Arabern und den Juden üerechtigk c i t widerfahren lassen. Die GrenZfZiefiliRy (Wortlaut des § 22 von Kap. 22) Wir machen in bezug auf dTe' galante Grenze und die sich daraus ergebenden Fragen folgende"-,Vorscliläge: 1. Es kann keine (iren/e gezogen werde!!, die alle Arrdier und alles in arabischem Besitz befindliche l.änj v״״ allen Juden und allem in jüdischem Besitz befind.iciieit Lai.,'1 trennt. 2. Die Juden haben große Teile Landes in der (ia/a-ti'.’ene und bei Beerscluwa gekauft und Optionen auf den Kai;{ anderer Ländereien in diesem (iebict erworben. Eie vorgeschlagenc (iren/e würde die N'ut/img solcher Ländereien für die südliche Ausdehnung des jüdischen Nationalheims verhindern. Andererseits wurden, wie bereits früher aimgeführt, die jüdischen L,:1!1«k:rc'icn in (ialiläa, insbesonde!e das Hule- Gebiet (das, wie bereits in einem anderen Kapitel atisgefüiiit, eine bemerkenswerte Gelegenheit für Entwicklung und Kolonisation bietet) im jüdischen Gebiet liegen, 3. Die vorgescliiagene (iren/e macht es notwendig, irt das jüdische (ichict das gnliiüische Hochland /wischen Safcd und der Akko-Ebene eiii/usciißcßen. Man darf daran erinnern, daß dies der Teil Palästinas ist, m dem die Juden fast, wenn nicht völlig ohne Unterbrechung seit Beginn der Diaspora bis heule ansässig waren und daß das (ieftihl der ganzen Judenlieit eng verknüpft ist mit den ״heiligen Städten“ Safcd und Tiberias. Bis vor kurzem haßen die Juden in Galiläa in Freundschaft mit ihren arabischen Nachbarn gelebt, und während der ganzen Serie von Unruhen haben sich die Fellachen in Galiläa weniger zugänglich für politische Aufrei/ung erwdesei! als diejenigen in Samaria und Judäa, wo die Zentren des arabischen Nationalismus hegen. In '1 iberias andererseits (das G150 Juden und!330 Araber hat) und in Safcd (das 2000 Juden und 7000 Araber hat), hat der Ausbrueh der vorjährigen Unruhen zu einer ernsten Spannung geführt. Es gab auch Unruhen, obgleich sie nicht so akirt waren, in den zwei anderen .,gemischten" Städten im jiidisehen Gebiet — Haifa (ungefähr 0:1 30־!) Juden und •18 000 Araber) und Akko (8350 Araber und 23(1 Juden). Es würde unserer Meinung nach außerordentlich die erfolgreiche Bcwcrkstelligung der Teilung in ihren ersten Stadien fördern und insbesondere dazu beitragen, die Ausführung der Vertragsgarantien über die Besclnttzung der ,Minderheiten sichern, wenn diese vier Städte für eine gewisse Zeit unter Mandatar- Verwaltung gestellt würden. •!. Jj a f f a ist eine im wesentlichen arabische Stadt, in der die jüdische Minorität in der letzten Zeit verschwindet. Wir schlagen vor, daß es einen Teil des arabischen Staates bilden soll. Die Frage seiner Verbindung mit diesem bietet keine Schwierigkeit, da der Verkehr durch den Korridor Jaffa— Jerusalem allen offen wäre. Der Korridor verlangt andererseits seinen eigenen Zugang /um Meer und zu diesem Zweck soll ein schmaler Streifen Land erworben und an der Nord- und Südseite der Stadt freigemacht werden. Dies wurde audi das vielfach als unlösbar angesehene Problem lösen, das durch die Nähe von Jaffa zu Tel Aviv im Norden und die entstehende jüdische Stark im Süden erweichst. Wenn nötig, könnte M a n d a t s p o i i z e i auf diesem l.aiulsf reif נוס stationiert werden. Diese Regelung mag künstlich erscheinen, aber sie ist sicher durchführbar. Zwischenstaatliche Subvention (§§ 23,24) Wie wir bereits in einem früheren Kapitel erklärt haben, tragen die Juden pro Kopf zu den Einnahmen Palästinas mehr bei als die Araber, und die Regierung wurde hierdurch in den Stand gesetzt, die öf!‘entliehen Dienste für die Araber auf einem höheren Niveau zu halten, als es sonst möglich gewesen wäre. Ein» Teilung würde einerseits bedeuten, daß das arabische Gebiet nicht mehr den Vorteil der Steucrkrsft des jüdischen Gebiets mitgenießen könnte. Andererseits würden 1. die Juden ein neues Souveiämtatsreeht im jüdischen Gebiet erwerben; 2. dieses Gebiet, wie wir es abgegrenzt nimiMlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllinnilllMIIIIIIIIIIHIIIinilllllllllllllllllllllllM Sir Arthur Wauchupe, Von Balfour zu Peel Die Schöpfer des neuen Judenstaates Lord Balfour in Jahre 1917 Lord Peel, Foto*: Archiv