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Jüdische Rundschau · 1937-07-09 · Heft 54 (9.7.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 54 (9.7.1937)
Date
1937-07-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 54, 9. VII. 1937 Eiklärung der Exekutive Der Bericht der Royal Commission schlägt eine Reihe von ״Palliativmitteln“ vor, die ein radikales Abweichen von den internationalen Verpflichtungen der englischen Regierung, wie sie im Palästina-Mandat niedergelegt sind, bedeuten. Im Anschluß daran macht die Kommission einen endgültigen Alternativ-Vorschlag: Beendigung des Mandates von 1922 und Aufteilung des Landes. Ein gründliches Studium dieses umfangreichen und komplexen Dokumentes ist erforderlich, bevor eine wohlerwogene Stellungnahme erfolgen kann: in ein paar Stunden kann das unmöglich geschehen. Innerhalb eines Monats werden die obersten Organe der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency zusammentreten, um die Fragen, die nunmehr vor uns stehen, zu erörtern und zu entscheiden. Aber wir müssen die dem ganzen Bericht zugrunde liegende Voraussetzung, das Mandat sei von Natur unausführbar, sofort bekämpfen. Die Kommission hat mehrere Monate in Palästina zugebracht und die Untersuchung so gründlich durchgeführt, wie es in einer so kurzen Zeit nur möglich war; es gab niemals ein aufrichtigeres und ehrlicheres Bestreben, sich mit den Tatsachen der palästinensischen Situation vertraut zu machen. Aber die Kommission kam nach Palästina in einem Augenblick, als das Versagen derVerwaltung des Landes zu einem Zustand völliger Unsicherheit für Leben und Eigentum der friedliebenden Bewohner, der jüdischen sowohl wie der arabischen, geführt hatte. Man hätte niemals zulassen dürfen, daß es so weit kommt; nachdem dieser Zustand einmal eingetreten war, war es für jeden, der sich zum erstenmal mit dem Problem zu befassen hatte, nahezu unmöglich, zu erkennen, wem die Verantwortung zuzuschreiben war. Mit dem Grad von Schwäche, den die palästinensische Verwaltung in letzter Zeit an den Tag gelegt hat, kann man jedes Land in den Zustand der Anarchie zurückwerfen. Angesichts einer widerwilligen und nicht hilfsbereiten Verwaltung haben wir unser Werk in Palästina getan und Erfolge errungen. Palästina ist ein Ausnahmefall einer prosperierenden Entwicklung in der Nachkriegszeit; in deren Zuge sich der Lebensstandard seiner schnell wachsenden jüdischen und arabischen Bevölkerung wesentlich gehoben hat. Noch mehr hätte erreicht werden können für das Wohl beider Bevölkerungsteile, wenn die Politik des Mandats getreulich ausgeführt worden wäre, und wenn die Verwaltung die elementarste Pflicht jeder Regierung, f ür Sich er heit zu sorgen, furchtlos und unparteiisch erfüllt hätte. Durchdrungen von dieser Erkenntnis ist unsere Bewegung vereinigt in der Forderung, daß das Mandat loyal und konsequent durchgeführt wird. In einer einstimmigen Resolution hat das Aktions- Comitö der Zionistischen Organisation ln seiner letzten Sitzung dieser Forderung Ausdruck gegeben. Die ״Palliativmittel“, die die Royal Commission vorschlägt, sind ebenso wenig wie der Teilungsplan vereinbar mit dem Mandat von 1922. Bevor sie zur Anwendung gelangen könnten, müßte das Mandat vom Völkerbund geändert und das Palästina-Problem aufs neue international erwogen werden. Wir sehen daher mit Erstaunen, in welcher Weise die Erklärung der englischen Regierung das Prinzip der wirtschaftlichen Fassungskraft für die Regulierung der jüdischen Einwanderung Uber Bord wirft und unter Verletzung unserer Rechte, der uns gemachten Versprechen in der Vergangenheit, der höchst autoritativen Interpretationen des Mandats durch die englische Regierung, darunter vor allem des Weißbuchs von 1922, das dem Völkerbunde vor der UebertraPnß des Mandats auf England unterbreitet worden ist, nunmehr ein politisches Maximum für die Einwanderung festsetzt. Wir protestieren aufs schärfste gegen eine derartige Verdrehung in der Anwendung des Berichtes der Kommission. Der Bericht der Kommission erscheint in einer Zeit, wo für Millionen von verfolgten Juden Palästina die einzige Hoffnung auf Erlösung bildet. Der nächste Zionistenkongreß und der Council der Jewish Agency werden nach sorgfältiger Erwägung des Berichtes der Kommission und der Erklärung der englischen Regierung unsere Politik festzulegen und zu bestimmen haben. Inzwischen richten wir an das jüdische Volk einen Appell, Ruhe zu bewahren, an die Gerechtigkeit unserer Sache zu glauben, sich den Stolz auf unsere Errungenschaften ln Palästina zu erhalten und alle unsere Kräfte zu vereinigen zur Verteidigung unseres unveräußerlichen Rechtes auf unsere historische Heimat und unsere nationale Zukunft in Erez Israel. London, den 7. Juli 1937. Die Exekutive der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation mtoiw Die Empfehlungen Nachstehend geben wir eine Zusammenfassung (also nicht den Wortlaut) der ״Empfehlungen“, die im 22. Kapitel des Berichtes enthalten sind und 14 Druckseiten umfassen. Im Anschluß an diese Zusammenfassung bringen wir einige besonders wichtige Stellen dieses Kapitels im Wortlaut, und zwar u. a. die Einleitung, die Begründung der Grenz• Ziehung und die Bestimmungen über die Subvention des jüdischen Staates an den arabischen. Die Kommission schlügt vor: Vorteile für die Juden 3. Die Vorteile der Teilung für die Juden können!01gendermaßen zusammengefaßt werden: (1) Die Teilung sichert die Errichtung eines Jüdisehen Nationalheims und befreit es von der Möglichkeit, in Zukunft arabischer Herrschaft unterworfen zu werden. (2) Sie macht es den Juden möglich, ihr Nationalheim in vollem Sinne ihr eigen zu nennen, denn s'e verwandelt es in einen jüdischen Staat. Seine Bürger werden in der Lage sein, so viele Juden zuzulassen, wie sie glauben, daß aufgenommen werden können. Sie werden das Hauptziel des Zionismus erreichen — eine in Palästina verwurzelte jüdische Nation, die ihren Angehörigen denselben Status verleiht, wie anderen Nationen den ihrigen. Sie werden endlich aufhören, das ״Leben einer Minderheit“ zu führen. Opfer um des Friedens willen 4. Arabern und Juden bietet die Teilung die Aussicht, die unschätzbare Wohltat des Friedens zu erlangen. Es lohnt sicher ein Opfer von beiden Seiten, wenn der Kampf, der mit dem Mandat begonnen hat, mit seiner Beendigung beendet werden kann. Es ist nicht eine natürliehe oder von altersher bestehende Fehde. Ein fähiger arabischer Vertreter der arabischen Sache hat uns gesagt, daß die Araber im Laufe ihrer ganzen Geschichte nicht nur von antijüdischen Empfindungen frei waren, sondern daß sie auch bewiesen haben; daß der Geist des Kompromisses in ihrem Leben tief verwurzelt ist. Und er hat weiter sein Mitgefühl mit dem Schicksal der Juden Europas zum Ausdruck gebracht. ,,Es gibt keinen rechtlich ddhkcnden Menschen“; sagte er, ,,der nicht alles Menschenmögliche tun wollte, um die Not dieser Menschen zu lindern, vorausgesetzt, daß es nicht uin den Preis geschiebt, daß einem anderen Volk gleiches Leid zugefügt wird.“ Wenn wir berücksichtigen, was die Möglichkeit, in Palästina Zuflucht zu finden, für viele tausende von leidenden Juden bedeutet, können wir nicht glauben, daß die durch die Teilung verursachte Not, so schwer sie sein mag, schwerer ist, als arabische Großmut es ertragen kann. Und hierin, wie In so vielem, was mit Palästina in Zusammenhang steht, sind es nicht nur die Völker des Landes, die berücksichtigt werden müssen. Die Judenfrage ist nicht das geringste der vielen Probleme, die die inneren Beziehungen in dieser kritischen Zeit stören und den Weg zu Frieden und Prosperität versperren. Wenn die Araber durch ein Opfer zur Lösung dieses Problems beitragen könnten, würden sie sich die Dankbarkeit nicht nur der Juden, sondern der gesamten westliehen Welt erwerben. Das unabhängige Arabien 5. Es «ab eine Zeit, da die arabischen Staatsmänner bereit waren, das kleine Palästina den Juden zu überlassen, vorausgesetzt, daß das übrige arabische Asien frei wird. Diese Bedingung wurde damals nicht erfüllt, aber sie steht jetzt am Beginn der Erfüllung. In weniger als drei Jahren wird das gesamte arabische Gebiet außerhalb Palästinas zwischen Mittelmeer und Indischem Ozean unabhängig sein, und wenn die Teilung angenommen wird, wird auch der größere Teil Palästina s unabhängig sein. Vorteile für England 6. Es ist nicht notwendig, die Vorteile einer Bereinigung in Palästina für das britische Volk zu betonen. Wir müssen die Verpflichtungen, die wir in der Notzeit des Krieges Arabern und Juden gegenüber übernommen haben, bis zum Aeußersten erfüllen. Als diese Verpflichtungen im Mandat verankert wurden, haben wir die Schwierigkeiten der uns übertragenen Aufgabe nicht voll erkannt. Wir haben versucht, sie zu überwinden, nicht immer mit Erfolg. Sie sind dauernd größer geworden, bis sie jetzt fast u n übe r s t e i g b a r erscheinen. Die Teilung bietet die Möglichkeit, eine endgültige Lösung des Problems zu finden, eine Lösung, die den Rechten und Aspirationen von Arabern und Juden gerecht wird und die Verpflichtungen, die wir von zwanzig Jahren ihnen gegenüber übernommen haben, in dem unter den gegenwärtigen Umständen größtmöglichen Al aß erfüllt. — und für die Welt 7. Es sind auch nicht nur das britische Volk und nicht nur die Nationen, die das Mandat übertragen oder es gebilligt haben, die von dem, was in Palästina geschah und geschieht, betroffen sind. Zahllose Männer und Frauen in der ganzen Welt würden tiefe Erleichterung empfinden, wenn dem Kampf und Blutvergießen in dem dreifach Heiligen Land ein Ende gemacht werden könnte. Ein Weißbuch bevorstehend ln der am 7. Juli abgehalienen Sitzung des englischen Unterhauses kündigte Ministerpräsident Nevilie Chamberlain die Veröffentlichung eines Weißbuches der britischen Regierung über die neue Palästina- Politik an. Der Abgeordnete Leckic hatte an den Ministerpräsidenten die Anfrage gerichtet, ob dem Hause Gelegenheit geboten werden würde, den Bericht der Kgl. Kommission für Palästina und die Ansichten der Regierung hierüber zu diskutieren, bevor die Vorschläge dem Völkerbund zur Bestätigung vorgelegt werden. Ministerpräsident Chamberlain antwortete: Die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes tritt zur Erörterung der palästinensischen Angelegenheiten am 30. Juli zusammen. Während der Debatte über das Budget des Colonial Office hat der Kolonienininister angedeutet, daß nochmals Gelegenheit sein wird, über dieses noch offene Budget zu debattieren. Die Paliiatinafrage kann bei dieser Gelegenheit zur Sprache gebracht werden. Abg. Attlee: Darf ich fragen, ob uns die Stellungnähme der Regierung zu diesem Bericht vorliegen wird, bevor die Sache vor den Völkerbund gebracht wird? Der Ministerpräsident: Jawohl. Abg. Attlee: Bei welcher Gelegenheit? Ministerpräsident Chamberlain: Sie wird in Form eines Weißbuches veröffentlicht werden. Beendigung des Mandats Das Palästina-Mandat soll beendet und durch ein Vertragssystem entsprechend der früheren Regelung im Irak und in Syrien ersetzt werden. Auf Grund von Verträgen, über die von der Mandatarmacht mit der Regierung Transjordaniens und Vertretern Palästinas einerseits und mit der Zionistischen Organisation andererseits verhandelt werden soll, soll erklärt werden, daß binnen kurzem zwei souveräne unabhängige Staaten errichtet werden sollen: (1) Ein Ar aber Staat, bestehend aus Transjordanien, das mit dem den Arabern zugewiesenen Teil Palästinas vereinigt wird, (2) ein Juden- Staat, bestehend aus dem den Juden zugewiesenen Teil Palästinas. Die Mandatarmacht würde sich verpflichten, Gesuche der Regierungen des arabischen und des jüdischen Staates um Zulassung zum Völkerbund zu unterstützen. Die Verträge würden strenge Garantien zum Schutze der Minderheiten enthalten. M i lit ärkon ve nt Ionen würden den Verträgen angeschlossen werden. Die Enklave Jerusalem Zur Durchführung des Auftrages, die Heiligkeit von Jerusalem und Bethlehem aufrechtzuerhalten, und freien, sicheren Zutritt zu diesen Stätten für die ganze Welt zu sichern, soll ein neues Mandat errichtet werden. Es soll eine von einem Punkt nördlich von Jerusalem bis zu einem Punkt südlich von Bethlehem reichende Enklave abgegrenzt werden, für die dieses Mandat Anwendung findet, und durch einen Korridor von Jerusalem nach Jaffa soll der Zutritt zum Meer gewährleistet werden. D i e Politik der Balfour-Deklar ation würde in dem Mandatgebiet keine Anwendung finden. Der Mandatarmacht soll auch die Verwaltung von Naz a r e t h anvertraut werden mit der Vollmacht zum Schutze der Helligkeit der Gewässer und Küste des Tiberias-Sees und des Schutzes religiöser Einrichtungen und von Gebäuden, Monumenten und Plätzen in dem arabischen und in dem jüdischen Staat, die den Juden und den Arabern heilig sind. Hauptschrihlelter! Dr. Robert W e 11 9 c h, Berlin - Charlnttenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewuutein, Berlin \V 15. Anzeigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i 0 n, Berlin W 15. Gültig Ameigen - Preisliste 5 vom 1. April 1938. Verlag und Anzeipenverwaltung! Jüdiacbe Rundschau, Berlin W 15, Melnekeatr. 10. D.A. 11/1937 30 31S, — Druck: Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg. Die Grenzen des Judenstaates Es wird folgende Grenze zwischen dem arabischen und dem jüdischen Staat vorgeschlagen: Beginnend bei Ras ei Nakura folgt sie der bestehenden Nord- und Ostgrenze Palästinas bis zum Tiberias-See, durchschneidet ihn bis zum Ausfluß des Jordan und folgt dem Fluß bis zu einem Punkt nördlich von Beisan. Sie durchschneidet dann die Beisan-Ebene und verläuft längs des Südrandes der Jesreel- Ebene bis zu einem Punkt bei Megiddo und kreuzt dann den Kamm des Karmel in der Nähe der Megiddo-Straße. Hierauf verläuft sie nach Süden längs des Ostrandes der KUstenebene, biegt nach Westen auf, um Tulkeretn zu umgehen und erreicht den Korridor Jerusalem—Jaffa bei Lydda. Im Süden des Korridors geht sie weiter längs des Randes der Ebene bis zu einem Punkt etwa zehn Meilen weit von Rechowoth und verläuft dann nach Westen zum Meer. Haifa, Tiberlas, Safed und A k k 0 sollen eine Z e i 11 a n g unter Atandatsverwaltung bleiben. Jaffa soll einen abgesondert liegenden Teil des arabischen Staates bilden, schmale Landstreifen 1m Norden und Süden der Stadt sollen erworben werden, um dem unter Mandatsverwaltung stehenden Korridor den Zugang zum Meer zu verschaffen. Der jüdische Vertrag soll freien Güter-Transltverkehr unter Zollverschluß zwischen dem arabischen Staat und Haifa vorsehen. Mit Rücksicht auf mögliche Handelsentwicklungen in der Zukunft soll eine Enklave an der NordwestkUste des Golfs von Akaba unter Mandatsverwaltung bleiben, und der arabische Vertrag soll freien Güter-Transltverkehr zwischen dem jüdischen Staat und dieser Enklave sowie zur ägyptischen Grenze in Rafah vorsehen. Ebensolche Erleichterungen sollen in dem Vertrag für den Güter- Transitverkehr zwischen dem Mandatsgebiet und Haifa, Rafah und dem Golf von Akaba vorgesehen sein. Jüdische Zahlung an den Araber-Staat Der jüdische Staat soll dem arabischen Staat eine Subvention bezahlen. Eine Finanzkommission soll eingesetzt werden, um über die Höhe und Verteilung der Öffentlichen Schuld Palästinas und andere Finanzfragen Rat- Schläge zu erteilen. Im Hinblick auf den rückständigen Zustand Trans- Jordaniens soll vom britischen Parlament ein Zuschuß von zwei Millionen Pfund für den Araberstaat verlangt werden. 81877444750246741188566301091694957339904409531524740671871030

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