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Jüdische Rundschau · 1937-07-09 · Heft 54 (9.7.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 54 (9.7.1937)
Date
1937-07-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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12 7 1937 Nr. 54 / Jahrgang 42 Preis 25 Rpl, JÜDISCHE RUNDSCHAU Sdurlftleitung, Verlag n. A milgen Verwaltung! Berlin Wt5, Melnekeatr.10 Fernruf! 91 MSI, Telegramm-Adreaae 1 Orghlp. — Bezugspreis einschließlich BeatellgeM je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM1.88 hiw. UM 5^39 _ Fost »check - Konten der Vertrieb» Abteilung! Berlin 71573 (für GroB - Berlin), Berlin 17392 (für da» übrige Reich). In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugagebühren. - Erachelnt Jeden Dienstag und Freitag. BERLIN א׳ אב תרצ״ז FREITAG, 9. JULI 1937 G&lHff! AnrelgenpreUlIM« Nr. 5, Die 12 gespaltene mm Zeile 20 RpL, für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen io bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Platzen wird keine Gewähr geleistet Gelegenheit*- anzeigen nur gegea Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9— IS Uhr. Annahmeschluß für die Dienstag Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag •Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. {Für Familien-Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Die Zukunft Palästinas Regierungs-Erklärung und Peel-Bericht veröffentlicht m Dreiteilung des Landes - Wortlaut der Vorschläge Die britische Regierungserklärung und der Peel-Bericht sind am Mittwochabend in London und Jerusalem veröffentlicht worden. Die britische Regierung hat sich den Vorschlag einer Teilung Palästinas in drei Teile zu eigen gemacht. Die Einzelheiten (Insbesondere auch die Grenzziehung) entsprechen genau den Informationen, die die ״Jüdische Rundschau“ in ihrer Dienstag« Nummer veröffentlicht hat. Gleichzeitig hat die Regierung die Einwanderung für das nächste Halbjahr bis März 1938 aut 8000 Personen einschließlich aller Kategorien festgesetzt. Die Exekutive der Jewlsh Agency hat Donnerstag früh ein Manifest erlassen, in dem sie grundsätzlich gegen den Teilungsplan und gegen die These von der Undurchführbarkeit des Mandates protestiert und insbesondere auch die Festsetzung eines politischen Maximums für die Einwanderung des laufenden Jahres zurückweist (Text siehe Seite 2). In Palästina wurde die Verkündung des Berichtes zwar mit Erregung aufgenommen, aber Unruhen oder sonstige Zwischenfälle sind nicht zu verzeichnen. Die Regierung hält Militär und Polizei in Alarmbereitschaft. Die Verkündung des Kriegsrechts für den Fall von Unruhen ist angekündigt. Die Regierungserklärung findet in der Londoner Morgenpresse fast einheitliche Zustimmung. Die Regierungs-Erklärung Das ״Statement of Policy“ (Regierungserklärung) der Britischen Regierung Uber die künftige Politik in Palästina ist am Mittwoch Abend veröffentlicht worden. Es hat folgenden Wortlaut: 1. Auf Anordnung Sr. Majestät hat die Regierung Sr. Majestät im Vereinigten Königreich den einstimmigen Bericht der Kgl. Kommission für Palästina geprüft. Sie findet sich in allgemeiner Uebereinstimmung mit den Argumenten und Schlußfolgerungen der Kommission. 2. Wie von den Kommissaren in ihrem historischen Ueberblick durchaus anerkannt wird, gingen die Regierung Sr, Majestät und ihre Vorgängerinnen seit der Uebernahme der Mandatsverpflichtungen von dem im Tenor des Mandates selbst enthaltenen Gesichtspunkt aus, daß ihre Verpflichtungen gegenüber Arabern und Juden miteinander nie 11t unvereinbar seien, in der Annahme, daß die beiden Volksstämme im Laufe der Zeit ihre nationalen Aspirationen in einer Weise anpassen würden, die die Errichtung eines einzigen Gemeinwesens unter einheitlicher Regierung ermöglichen würde. 3. Die Regierung Sr. Majestät hat trotz mancher entmutigender Erfahrungen während der letzten 17 Jahre ihre Politik auf diese Erwartung aufgebaut und jede Gelegenheit ergriffen, um Kooperation zwischen Arabern und Juden zu ermutigen, ln dem Lichte der Erfahrung und der von der Kommission herangezogenen Argumente wird sie zu der Schlußfolgerung geführt, daß zwischen den Aspirationen der Araber und der Juden in Palästina ein nicht auszugleichender Gegensatz besteht, daß diesen Aspirationen auf Grund der Bestimmungen des gegenwärtigen Mandates nicht Genüge geschehen kann und daß ein Plan der Teilung nach den von der Kommission vorgeschlagenen allgemeinen Richtlinien die beste und hoffnungsvollste Ueberwindung des toten Punktes darstellt. Die Regierung Sr. Majestät beabsichtigt, Se. Majestät in entsprechender Weise zu beraten. 4. Die Regierung Sr. Majestät beabsichtigt daher, unter Berücksichtigung ihrer bestehenden Vertrags- Verpflichtungen auf Grund des Völkerbundspaktes und anderer internationaler Urkunden die notwendlgen und geeigneten Schritte zu unternehmen, um die Freiheit zur Verwirklichung eines Teilungsplanes zu erlangen, von dem sie ernstlich hofft, daß für ihn ein ausreichendes Maß von Zustimmung seitens der beteiligten Gemeinschaften gesichert werden kann. 5. Für die Zeit der Durchführung eines solchen Planes beabsichtigt die Regierung Sr. Majestät nicht, sich Ihrer Verantwortung für Frieden, Ordnung und gute Regierung in ganz Palästina zu entledigen. Sie stimmt im allgemeinen den Empfehlungen der Kommission in Angelegenheiten der öffentlichen Sicherheit zu. Sollten abermals ernste Unruhen ausbrechen, die militärische Intervention erfordern, dann wird das Oberkommissariat auf Grund der Palestine (Defence) Order in Council Vollmachten für das ganze Land dem kommandierenden General der militärischen Kräfte übertragen. 6. Für die unmittelbare Zukunft, während der Zeit, in der die Form eines Teilungsplanes ausgearbeitet wird, beabsichtigt die Regierung Sr. Majestät als vorläufige Maßnahme Schritte, um Bodentransaktionen zu verhindern, die einen solchen Plan beeinträchtigen könnten. Sie plant weiter im Hinblick darauf, daß die Periode der laufenden Arbeiterschedule Ende Juli zu Ende geht und für die nachfolgende Periode Vorkehrungen getroffen werden müssen, daß für den acht Monate umfassenden Zeitraum von August 1937 bis März 1938 eine j üdisc he G es amt ei n w a nd er u n g von 8000 Personen sämtlicher Kategorien zugelassen werden soll, vorausgesetzt, daß die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes dadurch nicht überschritten wird. 7. Bel ihrer Unterstützung einer Lösung des Palästina-Problems durch Teilung steht die Regierung Sr. Majestät unter dem starken Eindruck der Vorteile einer solchen Lösung für Araber und Juden. Die Araber würden nationale Unabhängigkeit erlangen und damit die Möglichkeit, mit den Arabern der Nachbarländer in der Sache der arabischen Einheit und des Fortschrittes auf gleichem Fuße zusammenzuarbeiten. Sie würden endlich von aller Furcht vor Beherrschung durch die Juden und von der durch sie zum Ausdruck gebrachten Sorge befreit werden, daß ihre Heiligen Stätten jemals unter jüdische Herrschaft kommen könnten. Der arabische Staat würde finanzielle Hilfe von der Regierung Sr. Majestät und von dem jüdisehen Staat in erheblichem Umfang erhalten. Andererseits würde die Teilung die Errichtung des Jüdischen Nationalheims sichern und es von jeder Möglichkeit befreien, künftig arabischer Herr- Schaft unterworfen zu sein. Sie würde das Jüdische Nationalheim in einen Judenstaat mit voller Einwanderungskontrolle verwandeln. Seine Angehörigen würden einen Status gleich dem erlangen, den die Angehörigen anderer Länder besitzen. Die Juden würden endlich aufhören, das ״Leben einer Minderheit“ zu führen, und das Hauptziel des Zionismus würde so erreicht sein. Auf Grund der geplanten Verträge würden die Rechte der Minderheiten in beiden Staaten streng gewährleistet sein. Vor allem würde an die Stelle von Furcht und Mißtrauen ein Gefühl des Vertrauens und der Sicherheit treten, und beide Völker würden nach den Worten der Kommission ״die unschätzbare Wohltat des Friedens“ erlangen. Aus dem Bericht Wir geben aus dem Bericht der Königl. Kommission zunächst die Schlußfolgerungen (,,Conelusion“, Kapitel XXIII des Berichtes) im Wortlaut wieder. Die Zwischentitel sind zwecks größerer Uebersichtlichkeit von der Redaktion ein> gefügt, ebenso die Sperrungen. Die Schlußfolgerungen t. In Anbetracht der sowohl von den arabischen wie von den jüdischen Vertretern in ihren vor uns gemachten Aussagen angenommenen Haltung erachten wir es als u n - wahrscheinlich, daß eine der beiden Parteien mit den Vorschlägen auf den ersten Blick zufrieden sein wird. Denn Teilung bedeutet, daß keine von beiden das bekommen wird, was sie will. Sie bedeutet, daß die Araber es hinnehnten müssen, daß ein Teil des von ihnen lange bewohnten und einst beherrschten Territoriums ihrer Souveränität entzogen wird. Sie bedeutet, daß die Juden mit weniger als dem Land Israel, über das sie einst herrschten und über das wieder zu herrschen sie hofften, zufrieden sein müssen. Aber es scheint uns möglich, daß beide Parteien nach Ueberlegung zu der Erkenntnis kommen werden, daß d i e Nachteile der Teilung durch ihre Vorteile aulgewogen werden. Denn wenn sie keiner Partei alles bietet, was sie verlangt! so bietet sie doch einer jeden das, was sie am meisten verlangt, nämlich Freiheit und Sicherheit. Vorteile für die Araber 2. Die Vorteile einer Teilung in der von uns vor* geschlagenen Weise für die Araber Palästinas sind: (1) Sie erlangen nationale Unabhängigkeit und können mit den Arabern der Nachbarländer in der Sache der arabischen Einheit und des Fortschrittes auf gleichem Fuße Zusammenarbeiten. (2) Sie werden endlich von der Furcht, durch die Juden ״überflutet“ zu werden und von der Möglichkeit schließlicher Unterwerfung unter jüdische Herrschaft befreit. (3) Die endgültige Begrenzung des Jüdisehen Nationalheims innerhalb einer festgelegten Grenze und die Einführung eines neuen Mandates zum Schutze der Heiligen Stätten beseitigt die Sorge wegen jüdischer Kontrolle der Heiligen Stätten. (4) Als Entschädigung für den Verlust des Territoriums, das von den Arabern als das ihre angesehen wird, erhält der arabische Staat von dem jiidischen eine Subvention. Er wird auch im Hinblick auf die Rückständigkeit des Landes einen Beitrag von zwei Millionen Pfund erhalten und, wenn Abmachungen für einen Boden- und Bevölkerungsaustausch zustande kommen, wird ein weiterer Beitrag für die Um- Wandlung von unkultiviertem Boden des Araberstaates in produktives Land, soweit dies möglich sein sollte, geleistet werden, woraus die Landwirte und der Staat Nutzen ziehen würden. \

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