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Jüdische Rundschau · 1937-07-06 · Heft 53 (6.7.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 53 (6.7.1937)
Date
1937-07-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAD Nr. 53, 6. VII. 193? Bodenkauf in Palästina Von Hugo Herrmann, Jerusalem In einer der neu errichteten Siedlungen des Jordantales sitzt du mit ein paar Leuten an einem der Tische des Eß- Zimmers — einer primitiven Holzbaracke, in aller Hast an dem Gründlingstage aufgerichtet, wie alle Holzgebäude der Siedlung. Nach den Erfahrungen des letzten Jahres und seiner Unruhen ist inan ja dazu übergegangen, eine neue jüdische Siedlung nicht wie früher in zwei oder drei Jahren, sondern in einem Tage aufzubauen. Unsere ״Hinterwäldler“ fühlen sich an ihrem ״Punkte“ ganz sicher und ihr Gespräch verweilt kaum einen Augenblick bei der mühseligen und bedrohten Gegenwart, schweift vielmehr sogleich zu den Hoffnungen und Möglichkeiten der Zukunft, sogar einer noch recht fernen Zukunft, hinüber. Sie beschreiben dir ihre Gemarkung, den Streifen ihrer Felder, und dann kommt unweigerlich der Augenblick, wo sie_ dir die angrenzenden Bö d e n zeigen, rechts oder links, hinunter ins Tal oder den Berghang iiinaufreichend, die noch im Besitz der arabischen Nachbarn sind, ״aber sie sind uns schon angebolen, wir könnten sie alle kaufen, wenn wir nur das nötige Geld hätte n“. Angebot und Schwierigkeiten Das hörst du überall in Palästina. Im Süden in der Küstenebene und oben im Norden in den Bergen des Gaiil: Ueberal! sind uns Böden zum Kauf angeboteil, gute Böden, schlechte Beiden, ebene Buden, gebirgige Böden, sumpfige oder fruchtbare, soviel wir nur wollen. Wenn du das oft hörst, und ehr hurst es, so oft du i!1 Palästina aut das Land hinauskommst, wirst uu einigermaßen stutzig. Es wird immer so leiciit gesagt, es klingt alles so spielend, so harmlos, wenn es mit einer großzügigen Handbewegung, die über den Horizont hinfälut, ausgesprochen wird: Alles zum Kauf angeboten. Ist denn alles nur ein Märchen, was man von dem hartnäckigen Widerstand der Araber gegen den Verkant ihres Bodens sagt, von der noch hartnäckigeren Propaganda der arabischen Nationalisten gegen alle Vcrkaufsbcrcitrn, von dem wütenden '!'error, der auch vor den äußersten Mitteln nicht zuruckschreckt gegen die arabischen ״Verräter“, die dieser Propaganda entgehen wollen? Und ist auch alles das ein Märchen, was man von den großen Anstrengungen der Mandatsregiening sagt, die den armen Fellachen, den Bauern, den Pachter schü'zen will, die gegen seinen Willen seinen Grundbesitz mit den größten Sichcrungen umzäimt, ihn am Verkauf seines Bodens hindert, um ihn vor dem traurigen Lose zu schützen, das ihn erwartet, wenn er zu einem Teil des ״landlosen Proletariats in den Städten“ herabsinkt? Es ist durchaus kein Märchen, und der Tourist, der die jüdischen Siedlungen in Palästina besucht, tut sehr gut, die überall gehörten Aeußcrungen: ״Alles den Juden zum Kauf angebolen“ möglichst vorsichtig entgegenztinchmen. Die Siedler sind selbst noch nicht so überaus lange 1'n Palästina, wenigstens die in den neuen Punkten, und sie nehmen, was sie von ihren Nachharn hören, noch zu gern buchstäblich, besonders wenn es mit ihren Wünschen zusammentrifft. Der Araber, der Orientale überhaupt, in seiner großen Gastfreundlichkeit und seiner noch größeren Bereitschaft, das gesprochene Wort als etwas durchaus unverbindliches zu betrachten, bietet einem Besucher, ■dem etwa seine Stute gefällt, in überströmender Bereitschaft das Pferd, das vielleicht sein ganzes Vcrmögen darstellt, zum Geschenke an; er würde sich aber ganz merkwürdig Umsehen, wenn der Gast ein solches Ancrbieten ernst nähme. Im vollen Gegensatz zu diesen angeblich überall so reichlich vorliegenden Verkaufsangeboten arabischer Böden steht die Erfahrung, daß jeder wirkliche Bodenkauf in Palästina durch unzählige Scliwierigkeiten, Umstündüclik׳ i'.cn, Hemmungm, Sinnesänderungen erschvvert und fast in jedem einzelnen Falle nur durch jalirelange Verhandlungen und unermüdliche Hartnäckigkeit ermöglicht worden ist. In den ersten Stadien des jüdischen Aufbauwerks in Palästina, in der türkischen Zeit, sprach sich die Lethargie, die Gleichgültigkeit, die bis zur Stumpfheit gehende Geduld und Interesselosigkeit des arabischen Eigentümers auch noch in den politischen und rechtlichen Formen aus, innerhalb deren jede Transaktion vor sieh zu gehen hat; vor allem fehlte die überall in Europa entscheidende Voraussetzung: das Grund buch. Wenn Boden verkauft werden sollte, mußten seine Grenzen und das Recht des Eigentümers, über ihn zu verfügen, durch Zeugenaussagen fesigcstellt werden. Die ältesten Männer der benachbarten Dörfer kamen zusammen und sagten darüber aus, daß etwa der Boden dieses oder jenes Eifert dis bis an die Talsohle, oder bis an jenen graften Baum, oder bis auf jene Anhöhe, oder auch bis an den Horizont reichte. Man kaufte einen solchen Komplex, dessen Größe bloß geschätzt war, und bei der Vermessung stellte sich nachher heraus, daß man viel mehr oder viel weniger Dun,am besaß, als man bezahlt hatte. Die Vorstellung, die wir aus der europäischen Welt mitgebracht haben, ist hier völlig falsch, als oh die Fellache״, weil sie in unbeschreiblicher Armut!eben, auf das Geld furchtbar begierig wäre־!!, das sie durch den Verkauf ihrer, Bodens oder eines Teiles davon einnehmen konnten. Sie haben ein unbeschreibbares Maß von Geduld, womit sie auf dieses Geld warten können. Unter der britischen Mandatsvcrwaltung sind die tormalen Voraussetzungen für jede Bodentransaktion sehr viel einfacher geworden, viel ähnlicher den in europäischen Ländem geltenden. Aber dafür sind andere große Erschwerungen eingetreten, Während die türkische Regierung fünf gerade sein ließ, hat die britische Verwaltung den Ehrgeiz, die Araber zu beschützen und vor den Folgen ihrer eigenen Unerfahrenheit zu wahren, ln den bald zwanzig Jahren der britischen Okkupation sind die verschiedensten Experimente mit Gesetzen zum Schutze des bäuerlichen Grundbesitzes unternommen worden, ein strenges Gesetz wurde durch ein milderes, ein mildes durch ein strengeres abgclöst, der Zweck all der Maßnahmen wurde nie erreicht, aber dein Bodenkäufer, und das war immer der Jude, wurde das Leben schwer und bitter gemacht Das Bodenkaufs-Instrument Wie es nicht anders sein konnte und wie es in den Ländern des Orients überall ist, wurde der Bodenkauf zu einer Wissenschaft, fast zu einer Geheimwissenschaft, mit der sich nur ganz wenige Menschen im Lande einigermaßen ernst und erfolgreich beschäftigen können. Darum war es eine der großen Leistungen Di . R u p p i n s, als er 190* die Leitung der zionistischen Palästinaarbeit übernahm, daß er sogleich ein besonderes Bodenkaufs-Institut errichtele, die P a 1 e s t i 11 e Land Development Company (PLDC), hebräisch Chewrat Hachscharat hajisdiuw. Es dauerte viele Jahre, ehe diese Gesellschaft in die Lage kam, die Vielfalt der Aufgaben wirklich zu erfüllen, die ihrem Gründer vorschwebten. Eines verstand sie von Anfang an: Man mußte Menschen für die unendlich komplizierte und mühselige Aufgabe der Verhandlungen über Boaenkäufe heranbildcn, wenn möglich schon herangebildete gewinnen. Das gelang auch in einem geradezu symbolhaften Falle mit dem größten Erfolg: Der erste Bodenkäufer der PLDC, Jehoshua Han kiii, bei ihrer Gründling ein junger Mann, heute ein Patriarch, hat von ihren Anfängen an alle Verhandlungen mit Religion und Leben Rabbiner Dr. Kaminka veröffentlicht einen Aufsatz, iri dem dieser über das Versagen der Orthodoxie gegenüber den Problemen des modernen jüdischen Lebens klagt. Die Beobachtung des Schabbats stößt bei der Landwirtschaft auf Schwierigkeiten, da die Kühe gemolken werden müssen. Auch die Wasser- und Stromversorgung in Stadt und Land kann am Schabbat nicht unterbrochen werden. Der Vorschlag der Orthodoxen, Nichtjuden für solche Dinge heraiizuziehcn, ist mit unserer Würde nicht vereinbar. Man maß eben auch in unserer Generation den Mut haben, das Gesetz den Erfordernissen der Stunde anz 1! passen. In den Tagen der Hasmonäer erlaubte man die Kricgsfiihrung am Sqhabbat, die vorher als streng verboten galt. So ־zog man damals nationale Notwendigkeiten in Rechnung. Auch heute sollte man nationale Notwendigkeiten höher bewerten als die Einhaltung eines jeden Paragraphen des Schulchan Aruch. Wir sind glücklich, in Palästina die Arbeitsruhe am Schabbat in einer Weise durchführen zu können, wie sie keiner Judenheit in den Ländern des Gahith zuteil wird. Die Orthodoxen wenden dagegen ein, unsere Schabbatruhe sei nur eine profane Angelegenheit. Das mag zutreffen, aber bleibt es nicht auch so eine große Sache? Völlig lebensfremd erwies sich die Orthodoxie in der Frage der Benutzung des Radio am Schabbat. Es ist ein hoher Genuß für die jüdischen Massen in Palästina und den;111grenzenden Ländern, am Freitagabend die ,,Stimme Jerusalems“ zu hören. Sie ertönt wirklicii wie eine Himmelsstimme, und es ist eine wahre Heiligung des göttlichen Namens, das hebräische Wort zu beleben, die Herzen tausender verstreuter Flörer zu vereinigen, die den religiösen Gesängen und der Verlesung des Prophetenabschnitts in der traditionellen Melodie lauschen. Es ist gar kein Zweifel, daß das eine große und heilige Sache ist und Tausende von entfremdeten Menschen, die eine Svnagoge nicht mehr betreten, nehmen hier teil an den heiligen Gütern der Ueberlieferung. Aber die Bemitzung des Radio am Schabbat soll dem Religionsgesetz widersprechen! Die Mischna erlaubt am Schabbat das Aufbrechen eines Fasses, um ihm Speisen für den Körper zu entnehmen, und eine geringfügige Tätigkeit, um sich in den Besitz geistiger Nahrung zu setzen, sollte nicht erlaubt sein? Der Verfasser betont, daß der Zweck seiner Ausführungen sei, die Anhänglichkeit an das Gesetz zu stärken, nicht etwa es aufzulicben. * Rückkehr zu den Quellen. Her misrachistische ״H a» 11 c d“ berichtet: Der Verband für die geistige Renaissance der Juden in Palästina (der vor kurzem ins Leben gerufen wurde und seinen Sitz in Jerusalem hat) hat in letzter Zeit zwei Versammlungen abgchaltcn, die der Propagierung seiner Ideen dienten. In einem Vortrag über die geistige Renaissance des jüdischen Volkes wies M. Kleinmann darauf hin, daß die Einsicht, daß eine rein weltliche Renaissance der Juden in Palästina etwas Unzulängliches sei, immer weitere Schichten erfasse. Der Verband, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, die geistige Renaissance einzuleiten und zu Fördern, soll sich nach Ansicht des Vortragenden vorerst nur solchen Aufgaben widmen, die auf die Unterstützung der Orthodoxen wie auch der Freidenkendcn rechnen können, ln der anschließenden Diskussion wurden von orthodoxer Seite Bedenken gegen die Möglichkeit einer solchen Be- Schränkung der Aufgabe vorgebracht. Eine geistige Renaissance der Juden im vollen Sinne des Wortes könne nicht die prophetische und messianische Bestimmung der Judenheit außer acht lassen. Der gegenwärtigen religiösen Zerrissenheit der Juden könne man durch Schaffung verschiedener Sektionen Rechnung tragen, so daß der Einzelne sich entsprechend seiner IJebcrzeiigung auf bestimmte Sektionen beschränken könne. Einen zweiten Vortrag hielt Dr. N. Braun. Er führte aus, daß es eine historische Notwendigkeit für die Generation der jüdischen Renaissance sei, die politische Befreiung durch Rückkehr zu den ewigen geistigen Quellen des jüdischen Volkes zu ergänzen. Diese Rückkehr würde sich auf allen Gebieten unseres politischen, ökonomischen und kulturellen Lebens auswirken. Auch diese!» Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion an. Bodenverkäufern und mit den auf diesen Böden als Bauern oder Pächter sitzenden Fellachen geführt und die ganz großen, für den Aufbau der nationalen jüdischen Siedlungen entscheidenden Kaute großer Bodcnkomplcxe, vor allem im F.mek Jisrael, verwirklicht. Es gehörte keinerlei Propaganda dazu, «nt der PLDC auf dem Gebiete des Bodenkaufs und der dazugehörigen Verhandlungen mit den arabischen Eigentümern ein nahezu unbestrittenes Monopol zu schaffen und zu erhallen; cs war und ist das Monopol des auf einem bestimmten Arbeitsgebiete einzig und allein Leistungsfähigen. Dr. Ruppin, der Gründer der PLDC, war zu seiner Initialive besonders befähigt durch die eigenartige Mischung des Theoretikers, des Gelehrten, des Prinzipienmenschen einerseits und des praktischen Kaufmanns andererseits, die er in sich verkörpert. Niemand hat größere Verdienste als er um die Verwirklichung des Nationalfonds gedank ens, der Idee, daß der Boden in Palästina in das für ewig unveräußerliche Gemeineigentum des jüdischen Volkes übergehen soll. Zugleich aber war es der Realist Ruppin. der verstand und in der Wirklichkeit der Palästina-Arbeit berücksichtigte, daß das jüdische Volk nur schrittweise zu der vollen Größe der Nationalfondsidee erzogen werden kann, und daß, wenn wir auf die Erlösung des Bodens von Erez fsrae! nicht bis 711־ den Tagen des Messias warten wollen, auch der starke Wunsch vieler Juden berücksichtigt werden muß, palästinensischen Boden ins Privateigentum zu erwerben. Dadurch wird der Nationalfonds nicht geschwächt, sondern werden im Gegenteil auch seine Ziele gefördert. Weniger rasch als die praktische Seite der Arbeit der der PLDC wurde ihre Organisation als geschäftliches Unternehmen verwirklicht. Bei ihrer Errichtung schwebten der Vision ihrer Gründer Verhältnisse vor, wie sie sich erst 25 Jahre später tatsächlich einstellten. Dann erst gewann die Aufbauarbeit ein solches Tempo und einen solchen Schwung, daß der Umsatz erworbener Böden, d. h. ihr Weg von dem arabischen Verkäufer zu der jüdischen PLDC, ihre Parzellierung, ihr Uebergang an die jüdischen Siedhmgsgesellscliaften und an die einzelnen jüdischen Siedler, sich derart rasch vollziehen konnte, daß auch die von der PLDC investierten Kapitalien in angemessener Frist wieder freigesetzt und für neue Arbeit verfügbar gemacht werden konnten. In der ersten Zeit und noch lange nach dem Kriege war es ganz anders. Jeder alte Arbeiter des Zionismus erinnert sich nicht ohne eine gewisse Beschämung daran, wie man damals die Aktien der PLDC ausbot, als wäre es eine Spende, um die man warb, wie man nur bescheidene Summen a׳n Aktienkapital auf brachte, wie diese Summen von dem ersten größeren Bodenkauf verschlungen wurden und wie man dann viele Jalire warten mußte, ehe man wieder die Möglichkeit zu einem neuen großen Schritt gewann. Die Böden, die man damals für ein Butterbrot ausbot und nicht an den Mann bringen konnte, sind heute zu Millionenwerten geworden; die Aktien der PLDC, deren Käufer damals das Gefühl haften, eine Spende zu geben, tragen heute 8 °/0 Zinsen und gehören zu den besten und gesündesten Wertpapieren nicht nur auf dem palästinensischen Markt. Der Keren Kajemeth, der den Boden in nationales Eigentum der Juden bringt, wächst, seine Eiitnahmen steigen von Jahr zu Jahr, seine Popularität und sein Ansehen gewinnen immer mehr; die Palestine Land Developnient Company, einst schwach und unbeholfen, verfügt heute über ein Betriebskapital von £P 400000 (£P 300 000 Aktienkapital und £P 100 000 Reserven). Wir dürfen hoffen, daß es den vereinten Anstrengungen dieser beiden Institute gelingen wird, auch der ״Challenge“ dieser bisher schwierigsten Periode der palästinensischen Entwicklung die wirksame ״Response“ entgegenzusetzen. Die Kammermusikalische Vereinigung in Tel Aviv hat, wie uns geschrieben wird, die erste Saison abgeschlossen, Das Interesse dokumentiert sich nicht nur in ständig wachsendem Besuch, sondern auch in den steigenden Mitgliederzahlen. Jedes Konzert brachte instrumentale und vokale Werke eines Komponisten zur Aufführung: Beethoven, Brahms, Schumann, Tschatkowski und — Höhepunkt und Abschluß der Saison — Schubert. Die Ausführenden waren das P o 1 i s c h u k - Quartett (Polischuk, Grünschlag, Odnoposof. Hammerschlag, alle Mitglieder des Huberman-Orchesters), die Pianistin Alice Schmuckler-Hcß und im vokalen Teil Mitglieder des Gillis-Studios. Für moderne Musik scheint l>eim Publikum noch kein rechtes Bedürfnis vor/uliegen. Die Kammermusikalische Vereinigung wird es sich angelegen sein lassen, das Interesse für moderne Musik durch Vorträge, kleinere Veranstaltungen usw. zu wecken. — Erwähnt zu werden verdient, daß eine Anzahl von Hauskomerten in den verschiedenen Kreisen des Jischuw arrangiert wurden. Sehr intensiv ist die Arbeit in der Organisierung von Kammerkonzerten in den Moschawotb, wo das Interesse für güte Musik sehr lebendig ist, Verschwenderische Volkswirtschaft In der Wirtschaftsbeilage der ״Haarez“ wird, wie uns aus Tel Aviv geschrieben wird, über die große Einfuhr fremden Mehls Klage geführt. Allein Tel Aviv kauft jährlich für 240 000 Pfund amerikanisches Mehl. Die jüdische Weizenproduktion Palästinas beträgt 60 000 Tonnen und könnte den Bedarf der Juden in Palästina leicht decken. Die Lage der jüdischen Landwirtschaft ist nicht so gut, daß sie auf den heimischen Markt verzichten kann, und der Jischuw kann die Abgabe so hoher Summen an das Ausland nicht rechtfertigen. Dabei ist der Preis des ausländischen Weizens weit höher als der des heimischen. Allein die Mehrausgabe, die Tel Aviv durch den Bezug des ausländischen Mehls erwächst, beträgt 06 000 Pfund. Während der jüdische Bedarf in Palästina dem Weizen der jüdischen Wirtschaften einen anständigen Preis sichern könnte, wobei noch große Ersparnisse erzielt werden könnten, zwingt der jetzige Zustand den jüdischeii Produzenten, seine Erzeugnisse zu Schleuderpreisen abzugeben, denn anders kann er mit dein Fellachen nicht konkurrieren. Und nicht nur für ihn wibe der Bezug palästinensisehen Mehls wichtig. Auch der Veibraucher würde ein bedeutend billigeres Brot erhalten, wenn unser billigeres Mehl verbacken werden würde. An Nährwert würde dieses Brot nicht hinter dem jetzt auf den Markt gebrachten zurückstehen. Freilich ist das Brot nicht so leicht und nicht so gefällig in der Form wie das aus amerikanischem Mehl. Aber das Bewußtsein, die eigene Produktion zu unterstützen, wird dazu beitragen, einheimisches Brot bei unseren Massen populär zu machen. Es gibt Dinge wie Eisen, Hol*, Maschinen, die wir unbedingt einfünren müssen. Aber Dinge die wir selbst ausreichend erzeugen, dürfen wir nicht einfihren. Wenn wir m nächster Zeit mit der Ausnutzung des Hub-Gebietes beginnen werden, wird sich unsere Weizetiprodukfion noch steigern. Wir müssen daraus dieselben Konsequenzci ziehen wie jedes andere normale und selbständige Volk. Die Wirtschaftskommission von Tel Aviv müßte es sich ztn Pflicht machen, den weiteren Import von amerikanischem Wezen nach Kräften zu verhindern. Musik in Rechowofk Es war ein schöner Gedanke der Wiio-Gruppe in Rechowoth, ein Dilettantenorchester, zusammengesetzt aus Kindern aus Bon-Schemen und einer Anzahl Chawerim aus den Kibbuzim in der Umgebung Rechowoths, vie Giwath- Brenner, Gederah, Naan, dem Rechowothcr Piblikum vorzustellen. Wußten doch nur wenige, daß sich hier junge Menschen nach schwerer körperlicher Tagesarbut zu gemeinsamem Musizieren vereint naben und in Chanai Eisenstaedt (früher Frankfurt a. M.) einen Dirigente! besitzen, der seit einigen Jahren in Ben-Schemen in leidens-haftlicher Hingabe musikalische Aufbauarbeit leistet. Das frogramm enthielt: Haydns Kindersymphonie, Trachtentänze, enstudiert von der Tanzgruppe Ben Schemen, und schließjch die selten gehörte Bauernkantate für Orchester, Soli uid Chor von J. S. Bach. Die Haydnscfie Komposition hnterläßt immer wieder eine starke Wirkung. Die präzisai Einsätze durch die Kinder bewiesen, daß Eisensiaedts gründliehe Probenarbeit von Erfolg begleitet war. Dit späte Aufführung der Bauernkantate litt unter der sichtlichen Ermiidting der Mitwirkenden. Die Solopartien waren durch Nissim Rösentha! (Bariton) und Edith Bo ros »lick (Sopran) vertreten. Den Höhepunkt des Abends billeten zweifellos die Trachtentänze; insbesondere der holländische, polnische und russische Tanz begeisterten das Publikum, das zahlreich erschienen war, um dem ״Kccn- Hajeled“ (Kinderfonds) der ״Wizo“ sein Scherflein leizutragen. Nach langer Pause gab Frau Nadja Reicher. Eitingon wieder einen Klavierabend, zu dem Dr. Gun. ders sein Heim zur Verfügung gestellt hatte. Die Künst lerin, die seit Jahren in den großen Musikzentren Europa! Erez Israel vertritt und zuweilen auch seiner Musik zu! Durchsetzung verhilft. spielte Werke von Bach, Brahms, Mozart, Chopin, Rachmarunoff, Debussy, Granadas u. a. Wer Frau Reichert-Eitingon vor ihrer Äuslandstoumee gehört hatte, war freudig überrascht, festzustellen, wie nunmehr ihre hohe künstlerische Reife etwa bei der Interpretation der Chopin-Sonate in Ff-Moll zum Ausdruck kam, Ihr Spiel ist entmaterialisierter geworden, der Ton schlackenfreier, der Anschlag leichter (1. B. im Walzer von Brahms). Seew Eis ner Familien - Nachrichten Herr Louis Katzenstein und Frau Martha, geb. Kugeimann (früher Kassel), Tel Aviv, 10, Rechov Frishmann, begehen am 31• Jul( die silberne Hochzeit. (Schluß des PalSstinateils)

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