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Jüdische Rundschau · 1937-07-02 · Heft 52 (2.7.1937) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 52 (2.7.1937)
Date
1937-07-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 52 2. VII. 1937׳ JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 11 Kunst-Berichte Freiluft-Konzerte in Jerusalem und in Tel Aviv Nach langer Zeit zum erstenmal wurde wieder dem schönen Brauch gehuldigt, im Amphitheater auf dem Skopus ein Orcherstcrkonzert zu veranstalten. Es fand diesmal unter dem Protektorat des High Commissioncr statt. Dirigiert wurde es von Karl Salomon, dem Leiter der Musikabteilung des Jerusalemer Radiosenders, der seinerzeit auch diese Konzerte auf dem Skopus eingeführt hatte. Diesmal stand ihm das verstärkte Radio-Orchester zur Verfügung (an der Spitze: Wolfgang Schocken und Sascha Parnes); der größte Teil des Programms wurde durch Radio übertragen. Das Programm war originell und für diese Gelegenheit besonders geeignet: Karol Rathaus’ Prelude zu Uriel Acosta“, von der Habimah her bekannt, voll spanischklassizistischer Anklänge, streng in der durchrhythmisierten Ankauf Juwelen - Uhren verkam SOMMERFELD, Berlin WB, Leipziger Straße 113 Form, aber modern in der Klanggebung. Danach folgte ein schönes altenglisches Variationenwerk: William Birds ״Wolseys Wilde“, für Orchester arrangiert von Karl Sa!omon, Mozarts 7. Divertimento in D-Dur und zuletzt Haydns witzig-melancholische ״Abschiedssymplionie“. Als im Finale ein Spider nach dem anderen seine Lampe ausknipste, sein Instrument einpacktc und verschwand, wurde man symbolisch an die momentane trübe Finanzsituatiou des Radiosenders erinnert, dem in diesen Tagen zum zweiten Male eine empfindliche Budgetkürzung seitens der Regierung auferlegt wurde. Lieber die unzuverlässigen akustischen Bedingungen des wunderschönen Amphitheaters auf dem Skopusberg haben wir wiederholt berichtet. Auch diesmal meinte der Wind es besser mit dem Toten Meer als mit den Hörern und so wurde der klangliche Eindruck vielfach erheblich beeinträchtigt. Zudem war das Orchester wieder viel zu klein. Auf diese Weise wirkte die Musik nicht sehr zentral — sie wirkte nur als eine Ausdruckskomponente innerhalb des immer wieder überwältigenden Natur-Ensembles. Das Tel-Aviver Freiluftkonzert Hans Schlesingers — des anderen ständigen Radiodirigenten — hatte ebenfalls schwierige Klangbedingungen im Renapark zu überwinden. Das Programm enthielt Beethovens ״Coriolan“-Ouverfiire, Mozarts D-Dur-Violinkonzert — von Josef Bernstein besonders in den Kantilenenstellen mit viel Ausdruck vorgetragen —, Webers ״Freischütz“-Ouvertüre und Mendelssohns ״Schottische“ Sinfonie. Es ist interessant, daß einem etwas zu didaktischer Ueberpräzision tendierenden Diriententyp wie Schlesinger gerade die Werke der deutschen omantik besonders spannungsvoll, mit straffen Steigerungen gelangen. Schlesingers Stärke liegt in der Ehrlichkeit und dem reinlichen Ernst, mit denen er seinen Respekt vor dem Werk bekundet; er wird nie etwas darstellen, was in der Musik oder in ihm selber nicht vorhanden ist. Schlesinger ist ein sympathisch-berührendes ״Probentemperament“. Die Durcharbeitung seiner Aufführungen sichert ihm die Wert- Schätzung desjenigen Hörers, dem es mehr auf das Werk an sich als auf die verändernde Darstellung des vom subjektiven Erlebnis des Interpretierenden ankommt. Alice Jacob-Loewen son Malaie-Premiere: ״Leicht zu sein ein JucT!“ Tel Aviv, im Juni 1037 Dem Verfasser und Regisseur dieser neuen Revue, f. Nosik (Jizchaki), verdankte ״Matatc“ bereits in früheren Jahren eine Reihe erfolgreicher Manuskripte und es ist 7.u begrüßen, daß es nach längerem Ausländsaufenthalt des Autors wieder zu einer Zusammenarbeit kam. Nosik übernimmt die Grundidee des Schalom Alechemschen Stückes ״Schwer zu sein ein Jud’“, das kürzlich von ״Habimah“ herausgebracht wurde: an der Figur eines ehrlich denkenden Nichtjuden, der mit einem luden für bestimmte Zeit die Rollen tauscht, die Schwierigkeiten des Jude-Seins aufzuzeigen. Während aber Handlungsort, Menschen und Probleme bei Schalom Alechem einer vergangenen Epoche angehören und nur noch dank der kunstvollen Zeichnung des Autors unser Interesse beanspruchen können, wird hier Palästina ״Aj“ (״Aj“: von den Regierungsstellen benutzte Abkürzung der hebräischen Landesbenennung ״Erez Jisrael“) zum Schauplatz, Zeit der Handlung die Gegenwart, und die beiden Helden sind nicht Studenten im zaristischen Rußland, sondern ein englischer Polizeioffizicr, der, an der syrischen Grenze stationiert, kurz vor seiner Versetzung nach Tel Aviv, einen jungen jüdischen Einwanderer die Uniform anzichci! läßt. Mit diesem Engländer ist Nosik die Schaffung einer Bühnenfigur von Format gelungen und wir bedauern nur, daß er nicht gleich konsequent in der Gestaltung weiterer größerer Rollen vorging. Das Spiel ist in zehn Bilder gegliedert und enthält insgesamt 37 (tollen, die von den neun Mitgliedern des ״Matäte“ betreut werden. Das bedeutet permanente Verwandlung der Schauspieler und ein Minutcn-Lcben der einzelnen Typen. Der Darsteller verläßt die Szene, kaum daß er sich zu entfalten begann. So geschickt die Malaie-Leute sich der technisch und darstellerisch schwierigen Aufgabe entledigen, mit wenigen Künstlern den Eindruck eines großen Ensembles zu erwecken, so sehr verliert das Manuskript durch solch flüchtige Zeichnung an Wert, bleibt kabarettistisch-revueartige Eintagserscireinung, die — gerade im Gegensatz zu Schalom Alcjchems Stück — vergessen sein wird, wenn seine Aktualitat verblaßt ist. Daß es lohnen würde, für ״Matate“ Stücke zu schaffen, die auch den Ansprüchen an einen dramaturgisch-kiinstkrischen Bau genügen und die damit — aktuell oder nicht — einen Wert an sich darstellen würden, beweist vor allem die in sich geschlossene und fein gegliederte Leistung des Schauspielers Ochsenberg, der als Mr. James Riehmond den freiwilligen Passionsweg eines Juden in ״Aj“ geht. Mit einem Seufzer der Erleichterung zieht er jedoch, nach abgelaufener Frist, seine Uniform wieder an, gerade als er in icfahr schwebt, wegen Sclbstwchr bei einem arabischen Ueberfall vor den Richter gebracht zu werden. Auch sonst fehlt es nicht an zeitgemäßen Apostrophierungen. Die Leidenschaft für Auslandsreisen, die zahlreichen Sammlungen für alle möglichen Zwecke und die mitunter befremdlichen Mcthoden der Sammler, die besonders in Tel Aviv verbreitete Unsitte, den Nachbarn nicht nur mit Grammophonmusik zu belästigen, sondern mehr noch mit dem eigenen ״Gesang“, der die Schallplatte zu übertönen bemüht ist — all dies wird in einigen schwachen, meist aber treffenden und witzigen Bi!- dern der Kritik unterzogen. Auch die eventuelle Kantonisierting des Landes steht zur Diskussion, verbunden mit dem Lösungsvorschlag, die Klagemauer nach Tel Aviv z.u versetzen. Die Krankenhausszene wirkt nicht immer ganz geschmackvoll. Ein besonderes Wort zu den Chansons, für deren scharfe Pointierung und dichterische Form Lea G o I d b e r g verantwörtlich zeichnet, während die Vertonung des Komponisten Marc L a v r i, der bei anderen Gelegenheiten sich als Begabung erwies, diesmal höchst mittelmäßig bleibt. Die bei ״Matate“ geübte Interpretation der Chansons erscheint uns falsch. Vielmehr sei der Schauspieler sparsam in Bewegung, Geste und Mimik, versuche auf keinen Fall zum ״Sänger“ z.u werden, überlasse die Melodie dem begleitenden Instrument, während er nur den Takt und Rhythmus zu übernehmen hat. Die Wirkungen des guten Chansons liegen im Wort und nur vom Wort her kann es zu einer schlagkräftigen Interpretation kommen. Der Schauspieler London ist der sympathische Gegen- Spieler des Engländers. Rudenski, der wieder zur Truppe zurückgekehrte Churgal, Laviusch, Rose Lichtenstein und das übrige Ensemble waren am Erfolg beteiligt. Für das wie immer geschmackvolle und zweckmäßige Bühnenbild zeichnet Emanuel L u f t g I a s. Manfred Ge!9 Puppenspiele in Jerusalem. Grete Krakaue r-Wolf überraschte die kleinen und großen Kinder Jerusalems kurz vor Beginn der Ferien mit einer reizenden Marionctten-Aufführung ihres künstlerischen Puppentheaters, Diesmal hatte Frau Krakauer, die nicht nur ihr Ensemble selbst herstellt, sondern auch die Verfasserin ihrer Stücke ist, eine unterhaltsame Nachdichtung des bekannten Hauffschen Märchens: ״Der kleine Muck“ gegeben. Die Musik zu der überaus gelungenen Aufführung schuf nach palästinensischen Volks- und Kinderlicdern Therese Ooithein. Es wäre z.u wiinsehen, daß das Marionettentheater, das bei den Jerusalemer Kindern sich großer Beliebtheit erfreut, auch in Tel Aviv und Haifa zu sehen wäre. Schalom Ben-Chorin Rezitationen. Manfred Geis (Tel Aviv) trat nach längerer Pause wieder als Rezitator auf. Er gab in Hassadeh, einem der jüngsten Siedlungspunkte im Ernek Ikth Schau, einen Abend, sowie gelegentlich eines viertägigen Aufenthaltes in Ejn Cliarod drei Vorlesungen. Das Publikumsinteresse war außerordentlich stark. Die Programme umfaßten Bibel- Rezitationen, klassische und moderne Dichtung. Eine historische Thorarolle. Eine interessante Zeremonie fand kürzlich in Jerusalem statt. Ein Mr. Williams aus London hat von der Sowjetregierung ein S e f e r T h o r a gekauft, welches im Jahre 1005 von der jüdischen Bevölkerung von Suvalok in der Ukraine dem Zar Nikolaus während eines Besuches in diese Stadt zum Geschenk gemacht worden ist. Da der neue Oberrabbiner von Palästina, Dr. Hertzog, in Suvalok geboren ist, hat Mr. Williams diese Thorarolle nunmehr Rabbi Hertzog geschenkt. Sie wurde nach Palästina überführt und dort feierlich installiert. Geburten-Statistik Aus den soeben veröffentlichten Statistiken über die Bevölkerungsbewegung■ in Palästina im ersten Vierteljahr 1037 ist zu ersehen, daß die Zahl der jüdischen Geburten 263Ü gegenüber 2878 in demselben Zeitraum des vorangegangenen Jahres betragen hat. Dagegen ist bei den Mob ammedanern die Geburtenzahl von 12 210 im ersten Vierteljalir 1936 auf 13 0IS im ersten Vierteljahr 1937 gestiegen. Auch bei den Christen war eine Erhöhung der Geburtenzahl von 1051 auf 1164 festzustellen. Auf je 1000 Einwohner sind in diesem Jahre bei den Juden 27,6 (im vergangenen Jahre: 32,0). bei den Mohammedanern 65,9 (63,3). bei den Christen 43,2 (39,7) Geburten entfallen. Die Zahl der Todesfälle betrug bei den Juden 8,6 (1936: 7,9), bei den Mohammedanern 22,5 (21,6), bei den Christen 13,9 (13,8) pro Mille. Der Geburten überschuß auf je 1000 Einwohner betrug im ersten Vierteljahr bei den Juden 19, bei den Mohammedanern 43,4 und bei den Christen 20,7. Jerusalemer Vorträge. In der Hitachduth Oicj Germania sprach Dr. A. Bonne über ״Die wirtschaftlichen und sozialen Umgestaltungen im Vorderen Orient". Bonne wies die Problematik auf, die der Einbruch westlich-europäischer Kulturformen, Zivjlisati-onscrrungeuschaftcn und Wirtschaftformen seit dem Weltkriege in den vorher abgeschlossenen Riesenraum des Vorderen Orients mit sich brachte. Ucber die religiösen und geistigen Grundlagen der panarabischen Welt sprach im selben Kreise Dr. J. Rivtin, Jerusalem. — In. der Zionistisch-Akademischen Vereinigung sprach Richard L i c h 111 e i m über die außenpolitische Situation des Zionisnuis. Trotz der ungeheuren Schwierigkeiten, die sich linserem Werk in den Weg stellen, besteht kein Anlaß zur Aufgäbe des Optimismus, den der Zionismus auch in den kritischsten Situationen nicht sinken ließ. Dr. Danziger, der Vorsitzende der Zionistisch-Akademischen Vereinigung, legte in einem grollen Referat die politischen Verhältnisse int Vorderen Orient dar. — Professor Dr. Martin Bit her setzte die Aussprache über religiöse Probleme der (legenwart im Kreise der Studentenschaft der Universität fort. — Die Dichterin Else L a s k e r - S e 11 it I e r ist in Palästina eingetroffen und beabsichtigt, in den Städten und Kolonien Vorlesungen aus ihren Dichtungen zu halten. S. B. C, Kinder in den Unruhen. Das kürzlich erschienene Sammelbuch von Aufsätzen palästinensischer Kinder, die die Unruhen zum Thema haben, wird in der literarischen Zeitschritt ״Giljonoth“ durch S. J. Pineies besprochen: Der Kritiker hält das Buch in seiner Anlage für verfehlt. Es kann die Reaktion der Kinder nicht unbefangen aufzeigen, denn diese Aufsätze sind für die Schule, also für Erwachsene geschrieben, und die Kinder schrieben dort eben das, was Eltern und Erzieher sie gelehrt hatten und was sie zu hören wünschten. So erklärt sich, daß in den Kindern ״die Ideale der Propheten“ zu leben scheinen, wie der Herausgeber es rühmend hervorbebt. Wer den wahren verheerenden Einfluß der Unruhen auf die Kinder kennen lernen will, braucht nur ihre Spiele zti beobachten. Diese Wirklichkeit ist für uns ein Schlag ins Gesicht und sie hat einen ganz, anderen Inhalt als die Kindcraufsätze. Da organisieren Kinder eine Bande; nach Muster der arabischen Banden versenden sie Drohbriefe mit der Post au verschiedene Leute. Sie drohen mit Mord, sie bedienen sich fürchterlicher Schimpfworte und häßlicher Ausdrücke, sie unterzeichnen ״die schwarze Hand“ und zeichnen daneben eine Hand, die einen Dolch hält. Man kann einwenden, das alles sei nur ein Spiel und ein Spaß. Aber wer etwas von Kinderspielen versteht, weiß, wie in ihnen das Stumme lebendig wird und daß die Eicheln, die die Kinder als Bomben benutzen, in keiner Weise ״primitiv“ und ״ungefährlich“ sind. Wer den Animismus des Kindes kennt, wird nicht von ungefährlichen harmlosen Scherzen reden. Das Sprachenproblem in Palästina. Die Zeitschrift ״Great Britain and the East“ vom 24. Juni veröffentlicht einen Aufsatz von Elisabeth Monroe über das Sprachenproblcm in Palästina, das die Verfasserin als die eigentliche Scheidewand zwischen Araitem und den Juden betrachtet. Die Verfasserin schreib‘, daß das erstaunliche Anwachsen der hebräischen Sprache in Palästina nicht voraus/usehen gewesen sei und daß tlie Sprache heute bereits so entwickelt sei, daß sie sogar den wissenschaftlichen Anforderungen der Universität entsprechen könne. So bewundernswert eher fanatische Wille der Zionisten zur Wiederbching der hebräischen Sprache auch sei, so halte er aber doch nicht zur Harmonie in Palästina heigetragen, sondern die zionistisehe Exklusivität gefördert, die eine der Haupt- Ursachen der Unruhen sei. Juden und Araber konnten sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auch heute noch nicht sprachlich verständigen. Es gebe zwei Lösungen dieses Problems: entweder die Trennung durch Teilung oder Kantonisierting des Landes oder der Versuch, beide Sprachen den beiden Bevölkerimgsteilen zu eigen zu machen. Dies sei allerdings keine leichte Aufgabe. (Schluß des Palästina-Teils) «IMIIIIIi!lllll(ll!ll!lllllll!IIIIIIIIIIIilllll(lllllllllllllll!m1lll(llllllllllllllllill!tlllll1n1lllllllt!IIIIIIIIIIIIIIIM^^ Am Südende des Toten Meeres / lm biblisdien Sodom iiliiiS 'mßm SrG»« iSfp*•1 'י'־';ilto -■‘•0 Am Südende des Teten Meeres besteht eine Arbeitsgruppe des Kibbuz Meuchad, die an der Anlage für Pottaschgewinnung tätig ist. Es arbeiten zur Zeit dort ca. 150 Menschen. Nach 24 Tagen Arbeit erhält jeder 6 Tage Urlaub. Das Bild ganz links zeigt das Arbmterlager am Berge Sodom, das zweite Bild den kleinen Hajen, wo Baumaterial, Maschinen und Lebensmittel ausgeladen werden. Es folgt eine Abbildung des Beckens, in das aas Wasser des Toten Meeres durch eine Schleuse läuft und wo sich das Salz durch Verdunsten absetzl. Das Bild ganz rechts zeigt Arbeiter mit Gästen auf der Fahrt zu den Fabrikanlagen. Foto«: Gideon

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