Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 52 (2.7.1937)
- Date
- 1937-07-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 52, 2. VII. 1937 Einordnungs-Schwierigkeiten Daß ein Teil der aus Deutschland kommenden Neucimvanderer in Palästina sozial nicht ei »geordnet ist und unter diesem Manko leidet, steht lest. Die Frage, woran das liegt, die sich nicht gerade selten zur Frage nach der Schuld verdichtet, wird hier oder in Deutschland häufig gestellt. In dem Aufsatz von Wolfsberg ״Ein kritischer Rückblick auf vier Jahre“ (״I. R.“ Nr. 36) ist sie auch aufgeworfen worden, und der Verfasser kommt zu dem Ergebnis, daß eine Versäumnis, eine Schuld der alten Zionisten Vorlage, die nicht ernsthaft, nicht eindringlich genug an der Zionisierung der Neuen, der ״Neophiten“, gearbeitet hätten. Diese Autfassung, die die Schuld für das Vorhandensein von gesellschaftlichen Mängeln, Disharmonien nicht bei den anderen, sondern im eigenen Kreis, bei sich selber sucht, ist so sytnpathiscb und selten, daß man sie sich am liebsten ohne weiteres zu eigen machen möchte. Aber gerade weil die Frage so wichtig ist, scheint es nötig, einiges von dem, was Dr. Wolfsberg angedeutet hat, etwas mehr zu konkretisieren, selbst auf die Gefahr hin, daß man dann zu anderen Ergebnissen über Möglichkeiten and Wege der Abhilfe kommt. Es ist nicht zu verkennen, daß unter denen, denen der An- Schluß nicht glückt, auch solche sind, die sich seit Jahren zum Zionismus bekannt haben lind das auch hier, mit einem Gefühl der Enttäuschung immer wieder hervorheben. Auf der anderen Seite trifft man auf frühere Nichtzionisten, denen die innere Einordnung überraschend gut geglückt ist, die einen gesunden Bürgersinn entwickeln und sich mit dem Geschick der Gemeinschaft hier identifizieren. Der Trennungsstrich geht zweifellos nicht immer zwischen früheren Zionisten und Nichtzionisten, und ebenso klar ist es, daß man z. B. den ״alten Zionisten“ nicht den Zugang verschafft, wenn man erneut Zionisierungsversuche — und mögen sie noch so von innerem Schwung erfüllt und ehrlich sein — anstcltt. Das wird einem klar, wenn man sich einmal die Schicht dieser Unzufriedenen, im Leeren Lebenden näher ansieht. Dabei fällt etwas sofort auf: die materielle Lage ist fast niemals ausschlaggebend. Man findet gerade unter den vermögenderen Kreisen, die keine unmittelbaren Nahrungssorgen haben, verhältnismäßig viele, die völlig außerhalb stehen und Nörgler um jeden Preis sind. Es sind vor allem Menschen in mittleren Jahrgängen, verhältnismäßig viel Manner. Was ihnen fehlt, ist leicht zu erkennen: ein Wirkungskreis. Aerzte, die früher große Praxen hatten und mehr oder minder beschäftigungslos sind, gehören hierher, ebenso frühere Unternehmer, die ihren voll ausgefüllten Arbeitstag hatten und nun nicht wissen, was sie mit der Zeit anfangen sollen. Gegenüber diesen Unzufriedenen, die nicht einmal unter direkten wirtschaftlichen Nöten leiden, macht sich hier leicht eine gewisse Erbitterung fühlbar. Man hält diese Menschen für undankbar, wenn sie nörgeln, obgleich sie allen Grund zur Zufriedenheit haben müßten, da ihnen der überaus harte Kleinkampf um die Existenz doch einigermaßen erspart scheint. An diesen Vorwürfen ist gewiß etwas Richtiges, aber auf der anderen Seite liegt auch eine Verkennung der psychologischen Voraussetzungen vor, die die Einordnung dieser Einwandererschicilten noch mehr erschwert. Der aus Deutschland kommende Einwanderer stammt vielfach aus Großstädten. Das Leben, das viele Juden in der Großstadt geführt haben, war zersplittert, hastig, nach außen gerichtet. Das gilt für die Zionisten ebenso wie für die Nichtzionisten. Man konnte diese Lebenshaltung verurteilen, was ja auch getan wurde, ohne daß damit viel geändert wurde. Und man kann es begrüßen, daß Palästina dieser unheilvollen Entwicklung zwangsmäßig ein Ende setzt. Aber es ist sicher, daß dieser Umschaltungsprozeß von außen naci! innen recht schmerzhaft ist und dadurch noch viel schmerzhafter wird, daß viele noch dazu die ihnen adäquate Tätigkeit entbehren müssen. Diese Unausgefülltheit ist eine der wichtigsten Quellen der Unzufriedenheit und das schwere Hindernis für die innere Einordnung. Hiergegen wird zionistische, weltanschauliche Beeinflussung allein wohl kaum ausreichend sein. Was not tut, ist die Schaffung von Betätig 11 ngsmögiiehkeiten. Ein Teil dieser Außenstehenden wäre zweifellos zufrieden, wenn er ehrenamtlich arbeiten könnte. Aber auch das ist nicht ■einfach. Ganz abgesehen von den Sprachschwierigkeitcn, die nicht bei allen mehr bestehen, ist die Situation heute noch so, daß der öffentliche Apparat noch nicht genügend ausgebaut ist, um ehrenamtliche Kräfte eingliedern zu können. Einiges in dieser Richtung könnte allerdings in den Städten, besonders auch in Tel Aviv getan werden. Daß es nicht geschieht, liegt zum Teil daran, daß man für die Sorgen dieser Einwandererschicht, die ja eigentlich keine Sorgen sind, nicht viel Verständnis aufbringt. Es wäre ein Verlust für das Land, wenn diese Menschen in ihrer negativ verbitterten Haltung beharren und dann eines Tages die Flucht ergriffen. Von einem erfreulichen Schritt hat kürzlich die Aerzte-Organisation berichtet, die im Zusammenwirken mit den Behörden und unter finanzieller Beteiligung der Aerzteschaff sozialhygienische Stellen schafft, die einer Reihe beschäftigungsloser Aerzte Betätigungsmöglichkeiten gibt. — Es wäre zu wünschen, daß man auch in bezug auf frühere Kaufleute, Fabrikanten, Anwälte usw, ähnliche Versuche zur inneren Eingliederung unternimmt, wobei es sich hier eben vielfach nicht einmal um bezahlte Stellen zu handeln braucht. Nun ist auch noch zu sagen, daß die Möglichkeit selbst zur passiven Anteilnahme an den Geschicken des Landes die der erste Schritt zur inneren Einordnung ist, nicht erade leicht ist. Auch wer die Sprache so weit beherrscht, aß er die Presse verfolgen kann, wird auf gewisse Sch wierigkeiten, Barrieren des Verständnisses stoßen. Zuerst scheint es einem so, daß zwischen der politischen Führung und der Presse und der sonstigen öffentlichen Meinung, soweit eine solche vorhanden ist, kein genügender Kontakt be» steht. Die Führung der jüdischen Politik scheint für den Jischüw völlig ungegenständlich zu sein. Bald aber entdeckt man, daß man sich geirrt hat. Es besteht schon ein Kontakt, ein weitgehendes Vertrauensverhältnis, man kann fast sagen eine ״familiäre“ Intimität zwischen den Führern und dem Jischmv. Und gerade vielleicht weil diese Beziehungen so nah, so persönlich sind, bedurfte man keines Apparates, der sonst zur Orientierung und Lenkung der öffentlichen Meinung erforderlich erscheint. Der ״Hiesige“;weiß, was sich hinter den farblosen Sätzen der Leitung verbirgt; er weiß — Irrtum Vorbehalten —. was hinter den Kulissen vor sich geht, von denen man hier gern und viel Gebrauch macht. Der Neue allerdings ist in einer weniger glücklichen Situation: er weiß nicht, woran er sich halten soll und fällt als Erster den vielen unkontrollierten Gerüchten zum Opfer, was die Einordnung noch mehr erschwert. Zum Teil ist diese Haitung der Führung die Folge der jetzigen politischen Situation. Aber das ist nicht allein der Grund, wesentlich ist vielmehr, daß der ganze politische Apparat des Jischuw noch nicht in genügendem Maße auf die grundlegenden esellschaftlichen Aenderungen reagiert hat, ie durch den raschen und starken Mcnschenzivachs, der ganz bestimmte Ansprüche stellt, eingeleitet wurden. Das ist auch gar nicht so rasch zu verlangen, da der Prozeß _dcr Ausweitung, der notwendig ein Prozeß der Entpersönlichung und Mechanisierung sein muß, keineswegs schmerzlos ist. Das sollten sich die Neucimvanderer aus Deutschland, die verbittert sind, weil sie ״draußen“ stehen, mehr als bisher klar machen. Auf der anderen Seite ist aber sicher, daß es zu diesem gesellschaftlichen Umbau kommen Wird: die Zal)I_ derer, di? abseits stehen, ist zu groß, als daß man sie ignorieren könnte. Diese Einsicht erleichtert die Erkenntnis, daß cs ein einheitliches Mittel für die Ueber- Windung der Einordnungsschwierigkeiten nicht geben kann, die viel zu komplex und zum Teil auch viel zu objektiv bedingt sind, um auf einem — ideologischen — Weg überwunden werden zu *können. Jenny Radt, Jerusalem Von der Woche Politik und Sicherheit Bei Kalkiiie hat Abdul Latif, ein Mitglied des ״Generalstabs“ Fauzi ei Kaukjis, auf eine Polizeipatrouiiie geschossen und den Polizisten Mohammed Mahmond getötet. Die Patrouillc erwiderte das Feuer und erschoß Latif. Wahrend der Unruhen hatte dieser den jüdischen Siedler Oalutman getötet. Im Laufe einer gründlichen Haussuchung in Hebron sind von der Polizei 28 Gewehre, 70 Revolver und eine beträchtliche Menge Munition gefunden worden. In letzter Zeit sind der Polizei von ihren Agenten große Quantitäten illegaler Waffen zugestelit worden, die sie in arabischen Dörfern gegen Zahlung erhielten. Die arabische Presse berichtet, daß die französische Mandatsregieriing den Rebellenführer Fauzi K a u k j i amnestiert und ihm gestattet habe, nach Syrien zurückzukehren. Kaukji befindet sich gegenwärtig irn Irak. Atis arabischer Quelle wird uns berichtet, daß der Mufti und sein Anhang dieser Tage mit großem Eifer mit der Organisation von ״P f a d f i n d 0 r s c h a r e n“ in den Dörfern und unter den Bediiincnstämmcn beschäftigt sind. An der Spitze dieser Organisation der ״H u s s e i n i - S co u t s“ stehe ein Beamter des Obersten Moslemischen Rats. Die Hauptauf gäbe der Organisation ist, dem Mufti als Werkzeug bei der Propaganda gegen die Anhänger des Emirs Abdullah und Nashashibis zu dienen. Das Tel Aviver Bezirksgericht hat die seinerzeit wegen angeblichen illegalen Waffenbesitzes im Agrobank-Viertel von Tel Aviv verhafteten jüdischen Hilfspolizisten freigesprochen. Auf Anweisung der Poli/ci/cnlrale in Jerusalem werden an allen Poli/cistatimicn des Landes Ermittlungen über die Zugehörigkeit von I* o i i / e i b e a m ten z 11 p o i i t i s eben Organisationen erhoben. Zahlreiche arabische Polizisten wurden darüber verhört, ob sie arabischen Verbänden angehören oder angehört haben, die polizeilich nicht registriert sind. Ebenso darüber, ob sie Angehörige haben, die sich an den Terrorisfenbamkii oder an ähnlichen Formationen beteiiigt haben. Mr. Thomas M a r d y - J o n c s, der Sekretär der Parlamcnfskomniissioii fur indische Angelegenheiten, unterbrach seine Reise von Indien nach London und hielt sich kurz in Palästina auf. Die arabische Presse schrieb ihm Sympathien für arabische Angelegenheiten zu. In einer .Mitteilung an die jüdische Presse erklärt Dr. Mardy-Joncs, daß seine Aussagen in der arabischen Presse verstümmelt wiedergegeben worden wären. Er liege Bewunderung für das jüdische Werk in!,:tliistina. Chefsekretär dir Regierung Raffershill, der gegenwärtig den High Gommissioner vertritt, besuchte zum erstenmal jüdische Siedlungspimkte. Er hielt sich in den neuen Siedlungen i in Hakoreh und Massada im Beisaner Bezirk auf, wo er die Aussichtstürme bestieg und sich über die Sicherheitszustände erkundigte. Wirtschaft Ein außergewöhnlich starker Wasserzufluß, 500 Kubikmeter pro Stunde, wurde bei Bohrungen der amerikanischen Kolonie Achuzath New York in Gan Yavneh gefunden. Es ist dies die größte bisher bekannte Quelle in Süd-Judäa. Die neue, 2S km lange Straße, die Aftileh mit Beth Alpha verbindet und quer durch das östliche Etnck Jesreel führt, wurde von der Solei Boneh eine Woche vor der ursprünglich festgesetzten Zeit fertiggestellt. Es wird mitgeteilt, daß die Palästina-Regierung einen Plan zur Durchführung von K a n a 1 i s a t i o n s a r b e i t e 11 in Tel Aviv und Jaffa ausarbeitet. Die Durchführung dieses Projektes würde einen Kostenaufwand von einer lialben Million Pfund erfordern. Die Stadtverwaltung Jaffa beschloß, das Angebot einer französischen Firma, Jaffa mit Leuchtgas zu versorgen, abzulehnen. Wie aus dem Bericht des Landwirtschaftlichen Departments der Palästina-Regierung bervorgeht, sind im vergangenen Jahr in Palästina O r a n g e 11 pflanz ungen im Umfang von 20 000 Dunam neu angelegt worden. Das Pflanzungsgebict hat damit ein Gesamtausm.iß von 203 000 Dunam erreich!. Vermischtes Anläßlich der Jahrzeit vor! Herzl und Bialik fand im illuminierten Gebäude der _J e w i s h Agency in Jcrusa- J e ni eine stark besuchte Feier statt, i/chak Grünbaiini, Mitglied der Exekutive der Jewisli Agency, sprach über die Persönliciikeit Her/is, wahrend Dr. Frust Simon in seiner Anspräche Biaiiks gedndite. Da« Orchester und der Chor des Jerusalemer Railioscndus beteiligten sich an der ein drucksvollen Veranstaltung. In Tel Aviv, Haifa, sowie in anderen jüdischen Zentren sind mehrere GtdenkversammIu 11 gen für Herzl und Bialik abgehalten worden. Das Haus Biaiiks in Te! Aviv, das in ein nationales Museum umgewamklt worden, ist, wurde heute offiziell eröffnet Fünfzig Delegierte aus dreizehn zionistischen Jugend- Zentren nahmen an einer Konferenz in Jerusalem teil, die vom Keren Kajemelh einberuien wurde. Die Konferenz wählte einen Ausschuß, in dem 11 lugend-Weltorganisationen vertreten sind. Der Ausschuß wird dem Zionistenkongreß Forderungen unterbreiten, die die Stärkung der Jugendbewegung und die Entfaltung einer systematischen Erziehungstätigkeit bezwecken. In einem Steinbmch bei Haifa sind während einer Sprengung zwei Araber getötet worden. Zwei weitere arabische Arbeiter wurden verletzt. Das Gewehr eines jüdischen Jägers, der sich ln Haifa auf dem Weg mich Hadar Hacarmcl befand, entlud sich unerwarteterweise und tötete einen Araber, der gerade vorbeiging. Es handelt sich (nach ״Paicor“) um einen reinen Unglücksfall. Die an der nördlichen Grenze errichteten 30 Radio- Stationen sind bereits in Dienst gestellt worden. Bankengesetz atgeSndert. In der ״Palestine Gazette“ wurde der Gesetzentwurf veröffentlicht, durch den das Bankengesetz in Palästina abgeändert werden soll. Zur Beseitigung unerfreulicher Erscheinungen im Bankengewerbe, die auf die Tätigkeit der Zwergbanken mit unbedeutendem Kapital zurückzuführen sind, sicht das Gesetz vor, daß zur Gründung einer Bank ein Mindestkapital von 50OCX! Pfund erforderlich ist; 23000 Pfund müssen bar eingczalilt werden. Ausländische Bankinstitute können in Palästina Niederlassungen errichten, wenn ihr Kapital mindestens 100000 Pfund beträgt. Der High Commissioner kann Ausnahmen gewähren. Kinderpflege im Kibbuz In seiner ständigen Rubrik zur Gesundheitspflege bebandelt der ״Dawar“, wie uns aus Tel Aviv geschrieben wird, das Problem der Kinderpflege in den Kibbuzim. Es seien in letzter Zeit VCrbesserungsvorschiäge auf diesem Gebiet gemacht worden, aber es erhebt sich die Frage, ob ein solcher Aufwand wirklich unbedingt nötig ist. Die Vorstellungen der Berater gehen nicht nur über die finanziellen Möglichkeiten des Kibbuz hinaus, sondern auch wohlhabende Familien in der Stadt würden sie nicht durchführen können. Ist eine hygienische Kinderpflege ohne gläserne Wände, ohne viele Vorräume, kleine Zimmer und teure Installation denn nicht denkbar? Man hat schon andere Dinge für unumgänglich nötig gehalten, die sich als entbehrlich erwiesen. Man brachte z. B. vor wenigen Jahren die Kinder aus allen Siedlungen im Jordantai in andere Orte, weil man das Klima dort für unzuträglich für sie hielt. Das scheint heute eine absurde Vorstellung. Die entscheidenden Probleme sind die Verbilligung der Ausgaben und die Vermelirung der Kinder zahl. Der Kinderarzt hat die soziale Aufgabe, sich um die Verbilligung der Pflege bei Wahrung hygienischer Bedingungen zu kümmern. Jede Arbeiterfrau in der Stadt und in der Kolonie versorgt und erzieht ihre Kinder ausreichend, und wo 50 Mütter gemeinsam leben, sollte das besser und billiger möglich sein. Das Ergebnis aber ist eine ganz erhebliche Verteuerung. Die Kinderpflege liegt ,als schwere Last auf dem Budget jedes Kibbuz, und ihre Durchführung ist überhaupt nur möglich, weil auf zwei arbeitende Menschen höchstens U/2 Kinder kommen, in den meisten Fällen aber weniger als eines. Sollten drei Kinder auf zwei Mitglieder kommen, was eigentlieh normal wäre, so würde bei dem gegenwärtigen System, hei dem eine Erwachsene in ihrer vollen Arbeitszeit drei Kinder versorgen kann, alle Mütter des Kibbuz ausschließlich in der Kinderpflege arbeiten. Ueber die Kandidatenlisten zu den Kongreßwahlen (siehe Nr. 51) wird noch berichtet: 396 Kandidaten, darunter 222 von der Arbeiterpartei, werden sich um die 124 Mandate, auf die Palästina Anrecht hat, bewerben. Führer der Arbeiterliste sind Ben-Gurion, Berl Katzenelson, Schertok, Kaplan, Snrinzak, Remez, Locker, Tabenkin, Rubaschow, laari, KaplansKv. Die Misrachi-Liste wird geführt von Rabbi nshman, Rabbi Berlin. Farbstein, sowie den Rabbinern Gold und Amiel. Hapoel Hamisraeh! stellt Shapfro, Shragai und Kestenbaum als seine Hauptkandidaten auf. Allgemeine Zionisten (Gruppe B) hat eine Liste, die von Ussischkin, Suprassky und Kottenstreich angeführt wird. Die Wcltvereinigung Allgemeiner Zionisten (Gruppe A) nennt als ihre Kandidaten Grünbaum, Professor Brodetskv, Zuchovitzky, Davidson und Kolodny. Die Gruppe ״Kidma“,’ die der Weltvereinigung angeschlossen ist, stellt eine Sonderliste auf, auf der die Namen Glickson, B1 u - menfeld, Schocken und Berligne an führender Stelle erscheinen. Führer der Liste der Judenstaatspartei sind Großmann und Licht heim. Der Untergang der Beduinen Der palästinensische Journalist M. Assaf berichtet über eine Begegnung, die er im Jordantale mit einem Beduinen hatte. Der Beduine (Nomade) sah schon halb wie ein Fellache (seßhafier Bauer) aus. Als er erfuhr, daß das Auto aus Tel Aviv kam, begann er von seinen Reisen zu erzählen. Er hatte schon Vergnügungsreisen nach Beirut, Damaskus, Jerusalem und Jaffa gemacht. Nur in Tel Aviv war er noch nicht gewesen, aber er beabsichtigte das naclizuholen. Er bat dann die Insassen des Autos, ihn nach Bet-Schan (Beisan) mitzunehmen. Unterwegs sprach er anfangs mit großem Stolz von den Beduinenstämmen. Sein Stamm zähle tausend Zelte. Sie haben einen Geistlichen und jeden Freitag versammeln sich 400 Männer zum Gebet. Auch die Kiriclererzieluing mache Fortschritte. Die Kinder lernen in Bet-Schan und einige sogar in Jerusalem. Jedes Jahr gibt es mehr, die lesen und schreiben können. Der Scheich bekommt regelmäßig eine Zeitung aus Jaffa. Aber als er weiter erzählte, änderte sieh die Stimmung des Mannes. Der Beduine, meinte er, verachte jetzt nicht mehr die Steinhäuser und schrecke auch nicht mehr vor Handwerk und sonstiger Arbeit zurück. Das Leben des Fellachen erscheine ihm nicht mehr so verächtlich wie früher. Und noch viel weniger das Stadtleben. Ein Verwandter von ihm besitze ein zweistöckiges Haus in der Stadt, das £ 500 gekostet habe. Die Unmöglichkeit der Ratibzüge ist eben das Ende des Beduinen. Was ist dem Beduinen geblieben, nachdem man ihn nicht mehr in Scharen herumstreifen läßt, wenn er nicht von Zeit zu Zeit der Gefahr und dem Heldentum leben kann, wenn er sich nicht als Beherrscher von Menschen fühlt, die vor seinem Schwerte knien? Ohne Raubzug ist der Beduine ein erbärmliches Geschöpf, der ärmlichste der Menschen. Das Leben des Fellachen ist unendlich besser als das eines Beduinen ohne den Raubzug. Er hat keinen Boden, keine Herden und kein Futter für seine Pferde. Je näher er der Stadt kam, desto bitterer wurde der Mann. Früher war der Beduine stolz auf seine Lebensform, jetzt aber will er sie ändern und seßhaft werden. Nicht*Jeder hat freilich die Kraft, mit der Tradition zu brechen und die Scheiche halten auch aus eigensüchtigen Gründen an ihr fest. Aber niemand wird den Lauf der Geschichte ändern können, der den Stand der Beduinen erbarmungslos zerstört. Jeder, der Initiative hat, geht nach Möglichkeit in die Stadt, und wer sie nicht hat, hungert und leidet Mangel. ״Ist es nicht besser, Lastträger in der Stadt zu sein, als ein elender Beduinenhirte in der Wüste?“ Niedergedrückt trennte sich der Beduine von der Reisegesellschaft. Technische Zeitschriften. Das Hebräische Technikum in Haifa bittet um die Spende kompletter Jahrgänge der Zeitschriften: Zement, Bauingenieur, Beton und Eisen, Bau* teehnik, Schweizerische Bauzeitung, Oesterreichische Ing.- und Arch.-Zeitung; neuere Jahrgänge der E. T. Z. und V. D.J. Spenden nimmt die Zentralsammelstelle, Berlin W15, Metnekestr. 10, Tel 91 9031 (Hausapp. 75), entgegen,