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Jüdische Rundschau · 1937-06-29 · Heft 51 (29.6.1937) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 51 (29.6.1937)
Date
1937-06-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 51, 29. VI. 1937 IN ALLER KURZE Bei der Nachwahl in Cheltenham ist der Bürgermeister dieser Stadt, Daniel L. L i p s o n, als Kandidat der Unabhängigen Konservativen ins englische Unterhaus gewählt worden. Lipson ist der erste Jude, der zum Bürgermeister von Cheltenham gewählt wurde. Das Plenum des Obersten Rates der jüdischen Kultusgemeinden-Verbände der Tschechoslowakei hat den Wortlaut seiner Verfassung genehmigt, die jetzt der Regierung vorgelegt wird. Aus diesem Anlaß richtete der Oberste Hat an den Präsidenten der Republik, Dr. Eduard Benesch, ein Telegramm. Bei den Bürgermeister- und Stadtratswahlen in Proßnitz (Mähren) wurde Dr. Robert Sonnenmark, der die Jüdische Partei in der Stadtvertretung vertritt, mit großer Mehrheit zum Stadtrat gewählt. Dr. Sonnenmark ist ein bekannter Zionist. Das in Rumänien erörterte ״Gesetz zum Schutz der nationalen Arbeit“, das eine Beschränkung der Angehörigen nationaler Minderheiten auf höchstens 20 ״<> der Arbeiter und Angestellten aller Privatbetriebe vorsah, ist, wie von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, von der Regierung zunächst zurückgezogen worden. Der Generalsekretär des Internationalen Komitees für die Annäherung von Christen und Juden in Amerika, Dr. Konrad Hoffmann, schilderte in einem in Wien gehaltenen Vortrag den wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch der jüdischen Millionenbevölkerung Polens. Er erklärte, daß eine Lösung der Judenfrage in Polen nur mit internationaler Hilfe möglich sei. Zum Vorsitzenden der parlamentarischen Gruppe ״F ü r jüdische Auswanderung aus Polen“ ist der ehemalige Wojwode des Kreises Lemberg, Senator Goluchowski, gewählt worden. Die Staatsanwaltschaft hat die Untersuchung gegen eine Gruppe von Nationalradikalen, die im Zusammenhang mit der Ermordung des 26jährigen Israel Ziliich in Minsk- Mazowicck am 1. Mai 1936 verhaftet worden waren, eingestellt. Die Statuten der von Prof. Kaiaedjiev in Sofia gegründeten neuen j u de!1 feindlichen Organisation sind vom bulgarischen Innenministerium nicht genehmigt worden. Die von einer anderen judengegnerischen Vereinigung herausgegebene Propagandabroschürc wurde beschlngnahmt. Irn Tagesbefehl der griechischen Obersten Heeresleitung, der in allen Militärabteilungen vorgclescn und in der gesamten Presse G r i e c h e 11 1 a n d s veröffentlicht wurde, wird der jüdische Soldat Elijahu Schern Tow Nachmias, der den Sold mehrerer Monate für die Aktion der Luftflotte gespendet hat, besonders lobend erwähnt. In Algier starb Dr. Belkaccm Bentami, der eine der führenden Persönlichkeiten des mohammedanischen Nordafrikas war. Bentami war 11. a. einer der aktivsten Vorkampfer der jüdischarabischen Verständigung und hat sich energisch gegen die steigende Rassenverhetzung in Algerien gewandt. An seinem Grabe sprachen u. a. auch zwei jüdische Persönlichkeiten, Dr. Loufrani und Elie Gozlan. Der schwedische Reichstag hat das Gesetz angenommen, durch das Tierschlachtung ohne vorhergehende Betäubung in Schweden verboten wird. Durch dieses Gesetz wird das rituelle Schächten unmöglich gemacht. Das im Amtsblatt bereits bekanntgemachte Gesetz tritt am 1. Juli in Kraft. Rituelles Schlachten von Geflügel bleibt auch weiter erlaubt. Führende osteuropäische Rabbiner, an ihrer Spitze der Wilnaer Gaon Rabbi Chaim Oser Grodzienski, haben, wie die Weltorganisation Agudas JisrocI mitteilt, im Hinblick auf die von einigen nordischen Staaten beabsichtigte Einführung der elektrischen Betäubung vor dem Schlachten irrt Namen von S00 Rabbinern eine Erklärung veröffentlicht, in der sie feststelien, daß dieses Verfahren religionsgesetzlich unzulässig sei. Sammy Grone mann, der zur Zeit im Aufträge des Keren Kajetncth eine Propagandareise durch Frankreich macht, hielt vor einem Forum deutsch-sprechender Zionisten einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über das Thema ״Hat Her/1 gelebt?“ Der aus Wien stammende jüdische Ingenieur Dr. Karl Gold mark, ein entfernter Verwandter des berühmten Kornponisten, hat die Pläne für die größte Fernsehstation der Welt ausgearbeitet. Sie wird auf dem Christle-Gebäude in der City von N e w York errichtet. Bei dem Wcltmeistcrschafts-Bridgeturnier in Budapest haben die Vertreter Oesterreichs die Weltmeisterscliaft errungen. Wie der Verbandskapitän des österreichischen Bridgeklubs, Dr. Paul Stern, der JTA. mitteilt, waren von den zwölf österreichischen Teilnehmern am Turnier acht" Juden, zwei getaufte Juden und zwei Nichfjuden. Dr. Paul Stern selbst gilt als einer der hervorragendsten Theoretiker und Praktiker des Bridgespiels. Ueberweisung von Versorgungsbezügen Ins Ausland. Von Wesentlicher Bedeutung sind zwei neue Erlasse der Reichsstelle für Devisenbewirtschaltung 61 37 und 85 37, die sich mit der Ucbcrweisung von Versorgungsbezügen ins Ausland befassen. In dem ersten Erlaß war angeordnet, daß Versorgungsbeziige für diejenigen Versorgungsberechtigten, die ihren Wohnsitz nach dem 7. Mai 1937 ins Ausland verlegen, grundsätzlich zunächst auf ein Sonderkonto ״Versorgungsbeziige“ cinzuzahlcn sind und daß wegen der Tranferierung dieser Befrage eine besondere Genehmigung der Devisen- Stelle eirizuholen sei. Durch den zweiten Runderlaß dehnt die Reichsstelle dieses Verfahren auch auf diejenigen Bezugsberechtigten aus, die ihren Wohnsitz bereits vor dem 7. Mai 1937 ins Ausland verlegt haben. Infolgedessen ist in Zukunft ein unmittelbarer Transfer der Versorgungsbezüge durch die behördlichen Zahlstellen an den im Ausland wohnenden Empfänger nicht mehr möglich. Diese Neuregelang gilt für Bezugsberechtigte, die in europäischen Ländern wohnen mit Wirkung vom 1. Oktober 1937, für Bezugsberechtigte im außereuropäischen Ausland, also auch in Palästina, mit Wirkung vom 1. Januar 1938. Die Devisenstellen sind angewiesen worden, die Versorgungsbezüge in dem Umfang zu transferieren, in dem eine Ueberwcisung im Monat Juni 1937 stattfand. Der Nachweis ist von dem Bezugsberechtigten durch Vorlage einer entsprechenden Besdieinigung seiner Zahlstelle zu Führen. Soweit auf Sonderkonten ruhende Beträge nicht transferiert werden, kann darüber genehmigungsfrei zur Bezahlung von eigenen inländischen Verbindlichkciten des Kontoinhabers, zum Bezug von Waren für den eigenen Bedarf sowie für unentgeltliche Zuwendungen verfügt werden. Desgleichen können nicht geschäftliche inländische Reisen des Kontoinhabers, seiner Familienmitglieder und Dienstpersonals auf Kosten solcher Kontobeträge stattfinden. Darüber hinaus können auf Sonderkonto ruhende Beträge zu inländischen Anlagezwecken freigegeben werden. Dr. E. R. Musikleben in USA / New York ist oder entwickelt sich zu dem Musik- Zentrum der Welt. Alle großen und kleinen Musiker konzertieren hier. Die Möglichkeiten der Betätigung wachsen mit jeder Saison. Das erklärt sich nicht nur aus der Bevölkerungsziffer, sondern vor allem mit der freien Arbeitserlaubnis, die es in London z. B. nicht gibt. Mit der Dickstein-Bill wurde allerdings der Versuch gemacht, ״die Interessen der einheimischen Musiker zu schützen“. Danach sollte die Zahl der zuzulassenden Musiker, Schauspieler und Tänzer sich nach der in dem betreffenden Auswanderungsland beschäftigten amerikanischen Künstler richten. Das wäre praktisch einer Schließung des Marktes gleichgekommen. Washington ließ diesen Antrag fallen. Die Vitalität des amerikanischen Musiklebens wird durch das ungeheure Interesse an moderner Musik aller Nationalitäten bezeugt. So erlebte dieser Winter die Uraufführung des vierten Streichquartetts op. 37 von Arnold S c h o e n - berg, das zusammen mit einem der letzten Beethoven- Quartette gespielt wurde, die amerikanische Uraufführung des Violinkonzerts Alban Bergs, des letzten Werks des Meisters, durch das Boston Symphony Orchestra, unter Serge Kusse witzky und den Geiger Leo Krasner, der es im Londoner Rundfunk zum ersten Male spielte und als Einziger die Spielerlaubnis hat, — ferner die Uraufführung eines Balletts von Strawinsky ״Das Kartenspiel“. Ich habe es nicht gehört und kann daher nur berichten, daß man es nicht sehr enthusiastisch aufgenommen hat, was natürlich über den Wert des Werkes noch nichts sagen will. Das Boston Symphony Orchestra, eines der besten Orehester der Welt, dankt seinen hohen Standard der Erziehungsarbeit Kussewitzkys, der soeben selbst von der französischen Regierung durch Verleihung des Kreuzes der Ehrenlegion geehrt wurde. Er hat sich aus 18 verschiedenen Nationalitäten Musiker zusammengeholt, und er bietet die besten Programme mit bekannter und unbekannter Musik. Nach Boston kommen die Künstler, die in New York mit Erfolg konzertiert haben. Erwähnt sei ein Besuch Paul Hindemiths, dessen Musik auf dem Musikfest in Washington unter dem Patronat von Mrs. Coolidge gespielt wurde; Hindemith führte zusammen mit Mitgliedern des Boston-Orchesters unter Leitung Arthur Fiedlers seinen ״Schvvanendreher“ auf. ln einer Aufführung der Mathäus-Passion wirkten unter Kussewitzky Dr. V. Ernst Wolf und Fritz Lechn e r mit. Das Musikleben in anderen Städten ist ebenfalls vielfaltig. Aus Los Angeles wird über die Erziehungsarbeit Otto Klein per ers berichtet. Er leitete, um einige ״jüdische“ Nummern zu nennen, die Uraufführung des neuesten Werkes von Ernest Bloch ״Stimme in der Wüste“, brachte T oc h s Pinocchio-Ouvertiire zu Gehör; unter ihm spielte Joseph Achron ein eigenes Violinkonzert. — Pierre Monteux, ehemaliger Leiter des Bostoner Orchesters, dirigiert in San Franzisko. Myra Heß, von vielen für eine der besten Pianistinnen unserer Zeit gehalten, konzertierte wieder mit ungeheurem Erfolg. Von anderen jüdischen Künstlern gab Moritz Rosenthal, jetzt 74 Jahre alt, in New York drei Konzerte, Rudolf Serk in spielte mit dem New-Yorkcr Philharmonischen Orchester, und aus einer langen Liste seien ein paar Namen herausgegriffen: Schnabel und Huberman, Ignaz Friedmann, Ernst Silberstein, jetzt Mitglied des Pcrole-Quartetts, der sein erstes Konzert in New York gab, Piatigorsky, Nathan Milstein, Szigeti, Morin i, Strawinsky mit seinem Freund Dushkin und viele andere ausgezeichnete Künstler, die in Europa nicht so bekannt sind. Joseph Schmidt debütierte im Radio und wurde für die nächste Saison wieder von NBC engagiert. Auf der Liste dieser Gesellschaft (Direktor der Musikabteilung ist Marks Levine) stehen die besten Namen; außer schon genannten Künstlern; Kreisler, Z im hältst, der junge Ossy R e n a r d y, Toscha Seidel, Lhevinne, Karl Ulrich Schnabel, Sabine Kalter, Victor Chenk i n 11. v. a. Wie aktiv diese Gesellschaft ist, ersieht man daraus, daß es ihr gelungen ist, Toscanini, dessen Rückkehr man nach seinem Scheiden als Leiter der New-Yorker Philharmonischen Konzerte nicht erwartet hatte, für eine lange Reihe von Radiokonzerten in der nächsten Saison zu verpflichten. Man hat zu diesem Zweck ein neues Orchester gebildet und zahlt, um die besten Musiker zu bekommen, die höchsten Gehälter. Was diese Konzerte für eine erzieherische Bedeutung für die Massen haben werden, ist gar nicht abzuselien. In den Konzerten einer anderen New-Yorker Radiogesell- Schaft spielten Arpad Sandor und Heida Hermanns. Die Aufführungen der Metropolitan-Oper wurden wie gewöhnlich von Artur Bodanzky geleitet. Dirigent der französischen Oper war Maurice de Abravanel (früher Kassel). Im Herbst beginnt Professor Curt Sachs (Musce Trocadero, Paris) an der New York Universität seine Vorlesungen über Instrumentengeschichte und Primitive Musik. Paul Becker, in den letzten Jahren Musikkritiker an der New-Yorker Staatszeitung, starb am 7. März, Die Presse, u. a. Musical Quarterly, widmete ihm Nachrufe. Max Reinhardts Aufführung des ״Eternal Read“ (״Weg der Verheißung“) wurde hier bereits besprochen. Kurt W ei 11s Musik setzte an allen großen und kleinen dramatischen Höhepunkten der Handlung ein, so daß oft Sprechen unvermittelt in Gesang überging. Weil! verwandte eine Vielfalt chorischcr und instrumentaler Formen. Durch die persönliehe, unverkennbare Diktion seiner Musik schimmerten die verschiedenartigsten Anregungen; Mahler und Barock-Musik verbanden sich für einen Abend. Der Eindruck war an einzelnen Stellen außerordentlich, an anderen schwächer. Das kann dadurch verursacht sein, daß Reinhardt das ganze Stück beträchtlich kürzte, und so vielleicht den Zusammenhang der auf das Ganze hin angelegten Musik gestört hat. Auf dem Gebiet der jüdischen Musik ist A. W. Bind e r in New York tätig. In einem Konzert führte er u. a. Schabt auf. In der Boston Public Library hielt Professor Braslawsky einen Vortrag über die Beziehungen des Gregorianischen Chorals zu Synagogälmelodicn. Italien und Palästina Anläßlich der Vorbereitungen zu der nächsten L e - vante-M esse in Bari wird in maßgebenden italienisehen Kreisen der Wunsch geäußert, daß Palästina auch diesmal wie in den vergangenen Jahren sich durch Errichtung eines eigenen Pavillon an der Aus- Stellung beteilige. Es wird betont, daß Italien ungeachtet der politischen Entwicklungen in der letzten Zeit beabsichtigt, seine wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zu dem jüdischen Jischuw in Palästina auszubauen. Die Leitung der Messe von Bari hat mit Zustimmung der Regierung beschlossen, in diesem Jahr im Rahmen der Levante-Messe eine besondere ״Giornata Palestinesc“ (Palästina-Tag) zu veranstalten, auf dem die Vertreter der palästinensischen und der italienischen Kaufmannschaft die Möglichkeiten einer Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern besprechen sollen. Jüdische milde Stiftungen. Bezüglich der jüdischen milden Stiftungen w׳ird in einem Erlaß des Preußischen Finanzministers und des Reichsministers des Innern vom 11. Juni folgendes gesagt: ״Der § 18 des Steueranpassungsgesetzes ist durch § 29 Ziff. 4 des Einführuiigsgcsetzes zu den Real- Steuergesetzen vom 1. Dezember 1936 (RGBl. 1 S. 961/977) neu gefaßt worden. Danach sind mildtätig solche Zwecke, die ausschließlich und unmittelbar darauf gerichtet sind, bedürftige deutsche Volksgenossen zu unterstützen. Diese Be- Stimmung ist am 3. Dezember 1936 in Kraft getreten. Mit diesem Zeitpunkt haben die anerkannten jüdischen milden Stiftungen ihre Eigenschaft als solche und damit ihre persönliche Gebührenfreiheit nach § 3 der Verwaltungs- Gebührenordnung verloren. Das gleiche gilt für die Betreiung von den Gerichtsgebiihren, die jüdischen milden Stiffungen auf Grund des Preußischen Gerichtskostengesetzes bisher zugestanden hat.“ Hille! Zeitlin, der dieser Tage zwrel Jubiläen feiern durfte, seinen 65. Geburtstag und den 40. Geburtstag seines ersten Buches, ist eine der eigentümlichsten Gestalten der jüdischen Literatur und des jüdischen Lebens in Polen. Sein erstes Buch war eine hebräische Abhandlung ״Das Gute und das Böse“, es folgte eine Sammlung jiddischer Aufsätze ״Die Sehnsucht nach Schönheit“, und beide Titel sind ebenso charakteristisch für den Mann wie die beiden Sprachen seiner Werke, in denen er das Gute und das Schöne sucht und in seinem Wahrheitsforschen und Gottsuchertum ebensoviel glühendes jüdisches Herz wie leidenschaftlichen Verstand bew׳eist. In seiner reichen, pathoserfüllten, segnenden und fluchenden, streitbaren und traumerfüllten Art und in seinen vielen Wandlungen erinnert er zuweilen an Nathan Birnbaum, und wie diesem muß man auch Zeitlin die Ehrfurcht vor jeder seiner Gesinnungen zubilligen. Keine jüdische Position, die er nicht inne hatte und konsequent und streitbar verließ: er war Zionist, Territorialist, Agudist, er versuchte, eine eigene, ״unparteiische“ Partei zu schaffen, dann alle Parteien zu vereinen, und steht jetzt dem radikal nationalen und religiosen Flügel der polnischen Zionisten nahe, deren Meinungen der Warschauer ״Moment“ ausdrückt. In• seinem jüdischen Wissen und Schreiben hat er eine gewüsse Universalität, seine hebräischen und jiddischen Schriften behandeln theologische, philosophische, etnische, juristische, historische Probleme, besonders bekannt geworden sind seine Darstellungen des Chassidismus, über Optimismus und Pessimismus in der Geschichte der Philosophie, seine Arbeiten über Spinoza, Nietzsche, Brepner, Anski. Was er aber auch schreibt, lyrisch-philosophische Rhapsodien, kritische Abhandlungen oder Beschreibungen, immer verrät der Ernst und der metaphorische Reichtum seiner Sprache den bedeutenden Charakter. h« Musikstudenten für das Konservatorium ln Jerusalem. Auch in diesem Jahr ist es der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde in Berlin in Verbindung mit dem Konservatorium in Jerusalem und in Zusammenarbeit mit der Reichs- Vertretung und dem Palästina-Amt möglich, etwa 20 Musikern im Aiter von 14 bis zu 25 Jahren Studienmöglichkeiten am Konservatorium in Jerusalem (״The Palestine Conservatoire of Music and Dramatic Art“) unter vorteilhaften Bedingungen zu ermöglichen. Die Ausbildung ist für alle Streich- und Blasinstrumente, Klavier, Komposition und Ge* sang, für die Orchester- und Dirigentenklasse und im Schul* tmisiklehrer-Seminar bei hochqualifizierten Lehrkräften möglieh. Die Aufnahmeprüfung wird voraussichtlich Anfang Juli in Berlin durch die Musikkommission der Kiinstlerhilfe in An* Wesenheit des Leiters des Konservatoriums Jerusalem, Prof. Hauser, stattfinden. Reisekosten werden nicht erstattet. Interessenten w01׳ien sich nur schriftlich unter Bei* fiigung eines Lebenslaufes, einer ausführlicher! Darstellung des bisherigen Studienganges und fachmännischer Refercnzen bei der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin, Charlottenburg 2, Kantstr. 159, melden, die über Ort und Zeit der Prüfung Mitteilungen ergehen lassen wird. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß telephonische Auskünfte nicht erteilt werden. Vierte Hebräische Sommerschule vom 2. bis 28. August im slowakischen Badeorte Stubnianske Teplice, CSR. Der hebräische Unterricht wird von erstklassigen Kräften abgehalten werden, und zw׳ar in Anfänger-, Mittelkursen und Kursen für Fortgeschrittene. Ständige Möglichkeit zur hebräischen Konversation. Veranstaltung von hebräischen Sichoth, hebräischen Vorträgen, Liederabenden usw. Den Teilnehmern wird es freigestellt, Verpflegung und Wohnung nach ihren Ansprüchen zu wählen. Anmeldung bis 15. Juli an die Tarbut- Organisation, Praha-Podoli, Doudova 316. Telephon 604 61. Der Keren Thora wa’Awoda (Ortskomm. Hamburg) gibt folgende neue Büro- und Telegrammadresse bekannt: Hambürg 13, Klosterallee 9, pt. r.; Telephon: 44 42 34. Konten: Postscheck: 40 523, Giro: Hamburger Sparkasse von 1827 unter Nr. S0/1265. Beide Konten unter: Manfred van Son. Persönliches. Aus München w׳ird uns geschrieben: Anfang Juni ist Paul Grün bäum nach Erez Israel ausgewandert. Die Ortsgruppe verliert mit ihm einen ihrer ältesten und aktivsten Mitarbeiter. In einer Zeit, als das Hebräischlernen noch keinesfalls populär war, schuf er mit einigen wenigen Getreuen die Hebräische Sprachschule. Grünbäum leitete die Zweigstelle München des Palästina-Amtes und zeigte sich stets als hilfsbereiter Berater. Der zionistisehen Fraktion des Gemeindegremiums gehörte er seit Jahren an. Mit großer Hingabe widmete sich Paul Grünbaum der Chaluzimfürsorge, richtete vor Jahren bereits den Bahnhofsdienst ein. Mögen ihm glückliche Jahre in Erez Israel bevor״ stehen! M, St, Sterbfifall- Bankdirektor i. R. Isidor Frankel ist am 24. Juni in Breslau im 65. Lebensjahr gestorben. Direktor Frankel stand jahrzehntelang im Dienste der Dresdener Bank, die er auch als Aufsichtsratsmitglied in zahlreichen fndustriegesellschaften vertrat. Berliner Kulturbund-Vorträge Juli, 20.15 Uhr: Nr. 1: Dr. Alfred Hirschberg: Grundlagen jüdischen Lcbensgelühls, am 20. Juli, Joseph-Lehmann-Schule. — Nr. 2 fällt aus. Bereits lusgegcbeno Karten werden für andere Vorträge umgetauscht. — Nr. 3: Dr. Anneliese Landau: Jüdische Mu-iker VI und VII: Die Meister der Operette, Nr. VI: Paris—Wien—Budapest (Satire und Walzer), mit Ruth Lehrsberg, Max Kuttner (Gesang), und Wilhelm Altmann (Klavier), am 1. Juli, Briidervereinshaus, 1. Vortrag: grüne Marken, am 6. Juli im Theater, 2. Vortrag: rote Marken. — Nr, 4: Leo Merten (Menter): Besinnung und Aufbruch, Rezitationen aus neuer jüdischer Dichtung, am 27. Juli. Joseph-Lehmann-Schule. — Nr. 5: Alfred Auerbach: Jüdischer Humor (Rezitationen), am 29. Juli, Briidervereinshaus. mm

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