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Jüdische Rundschau · 1937-06-29 · Heft 51 (29.6.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 51 (29.6.1937)
Date
1937-06-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JtJDISCHE RUNDSCHAU Nr. 31, 29. VI, 1937 Von der Woche Im King David-Hotel in Jerusalem hat Ende voriger Woche unter dem Vorsitz des Oberkommandierendcn der britischen Streitkräfte in Palästina, General Dill, eine Beratung sämtlicher Militärkommandanten Pa- 1 ä s t i n a s stattgefunden. Die Beratung dauerte mehrere Stunden. fm Zusammenhang mit dem in Nr. 50 der ״J. R." gemeldeten Ueberfall aul zwei Araber in der Benjehuda- Straße sind in Jerusalem zwei junge Juden verhaftet worden, von denen einer, ein Arbeiter namens Mosche Katz, nach einigem Zeigern von den Arabern als einer der Attentäter bezeichnet wurde, der ihn mit der Faust geschlagen habe. Beide Juden sind gegen Hinterlegung einer Kautionssumme von je C 50 auf freien Fuß gesetzt worden. Sie behaupten, ihr Alibi nachweisen zu können. Ein Araber wurde in einer Vorstadt Jerusalems angeschossen und schwer verwundet; wie er angab, von einem Mann, den er ebenfalls für einen Araber hielt. Wie aus Haifa berichtet wird, hat die Polizei die Führer der arabischen Terror-Organisation ״Die schwarze Han d“, die seit längerer Zeit einen Einschüchterungsfeldzug gegen die gemäßigten Araber durchführte, die sich den Weisungen der Extremisten nicht fügen wollten, bei einer Zusammenkunft überrascht. Sämtliche Teilnehmer an der Zusammenkunft wurden verhaftet. Die arabische Tageszeitung ״El Liwaa“, das Organ des Mufti von Jerusalem, berichtet über angebliche Verhandlungen, die zwischen Vertretern der Zionisten Palästinas und einigen führenden Persönlichkeiten der Republik Libanon, unter ihnen dem Ministerpräsidenten Einin Eddeh, dem Oppositionsführer Bicharo Gari und dem Patriarchen Arida stattgefunden haben sollen. Bei diesen Verhandlungen soll die Möglichkeit jüdischer Kolonisation 1m Libanon erörtert worden sein. ״El Liwaa“ behauptet weiter, die Verhandlungen stünden im Zusammenhang mit gewissen Schritten des (jetzt stellvertretenden) französischen Ministerpräsidenten Leon Blum und der polnischen Regierung. In den nächsten Tagen werden in Palästina 250 Poliz i s t e 11 aus Aegypten erwartet, die nach dem Inkrafttreten des englisch-ägyptischen Abkommens ihres Dienstes enthoben worden sind. Das neue Polizeikorps, dessen Aufgabe die Ucberwachung der Nordgrenze Palästinas sein wird, soll in Kürze seine Tätigkeit aufnehmen. Das Korps besteht aus 200 Mann, davon 80 Juden; der Rest Engländer und Araber. Das Kommando führt ein britischer Offizier. Das Hauptquartier ist in Satecl. Die hebräische Presse kritisiert (laut ״Palcor“) den Berieht der P a 1 ä s t i 11 a ־ R e g i e r u n g a n d e 11 V ö 1 - ker bund für das Jahr 1036, der soeben veröffentlicht worden ist. Der Bericht lege eine p 1 . •arabische Tendenz an den Tag; in der Schilderung der Unruhen sei eine Anzahl empörender Verbrechen, wie die Ermordung der Krankenschwestern in Jaffa und der Mord von Kindern, nicht erwähnt worden. Der mutigen und disziplinierten Haltung des Jischuws, sowie der von den Juden der Regierung geleisteten Hilfe sei ebenfalls keine Erwähnung getan worden. In Anwesenheit des stellvertretenden Distriktskommissars Foot, des Distriktsbeamten Cliizik und anderer offizieller Persönlichkeiten fand in N a t a n i a die Grundsteinlegung zu dem zweiten Haus des ״Handelszentrums“ statt, das dort errichtet wird. Gleichzeitig wurde das im ersten Haus des Handelszentrums untergebrachte Eden-Hotel, das größte Hotei des nördlichen Scharon, mit einem Bankett eröffnet. Der Handelsvertrag über den Gemüseexport aus Aegypten nach Palästina, der in letzter Zeit abgeschlossen wurde, sieht vor, daß die Regierungen beider Länder im Wege der Verhandlung die Kontingente, Gemüsegattungen und Einfuhrzeiten festzulegen haben. Demgemäß entsandte die ägyptische Regierung eine Handelsdelegation nach Palästina, die sich zirka zwei Wochen in Palästina aufhalten wird. Der Streik von 5000 Arbeitern der Irak Petroleum Company an sieben Punkten der Pipeline ist nach vierzehntägiger Dauer abgebrochen worden. Die Streikenden forderten die Einführung des achtstündigen Arbeitstages und höhere Löhne. Die Uraufführung von ״J o s c 11 e Kal h“ in hebräischer Sprache fand letzten Donnerstag unter der Leitung von Maurice Schwartz im Ohel-Theater in Tel Aviv statt. Die Vor- Stellung gestaltete sich zu einem durchschlagenden Erfolg. Was gaben Juden im Ausland aus? Schon seit Wochen wird in der palästinensischen Presse ein energischer Kampf gegen die übertriebene Anzahl der Auslandsreisen palästinensischer Juden geführt. Im Zusammenhang damit werden Betrachtungen darüber angestellt, was ein palästinensischer Jude auf einer Auslandsreise ausgibt. Bis vor Kurzem war man auf bloße Schätzungen angewiesen. Seit Februar ist das s t a t i s t i s c 11 e Amt der Regierung bemüht, die Ausgaben der Palästinenser im Ausland aufzuzeichnen, und es veröffentlicht, die Summen. Jeder Einwohner, der aus dem Ausland zurückkehrt, wird befragt, wieviel er dort ausgegehen hat. Zwar gibt es noch keine gesetzliche Bestimmung־, die ihn zur Beantwortung dieser Frage verpflichten würde, die meisten aber antworten freiwillig. Bisher sind nur die Zahlen aus zwei Wintermonaten veröffentlicht. Für den Sommer --־- die Hauptreisezeit — sind natürlich bedeutend höhere Summen anzunehmen. Nach den vorliegenden Ziffern aus den Monaten Februar und März hat jeder Jude durchschnittlich £ 23*2 im Ausland ausgegeben. Aehnlich hoch ist die Summe, die durchschnittlich auf jeden jüdischen Touristen fällt, der sich in Palästina aufhielt. Aber die Anzahl dieser Touristen ist geringer als die Anzahl der jüdischen Ausreisenden, und so haben ausländische luden in dieser Periode £ 42 000 in Palästina ausgegehen, während palästinensische Juden £ 59 000 im Ausland ausgaben. Auch aas Verhältnis bei den Arabern liegt ungünstig. Der als Gast in Palästina weilende Araber gibt im Durchschnitt £ 6 aus, der ausreisende Araber aber läßt £ 10 im Ausland. Im tanzen verzeichnet die Berichtsperiode eine Ausgabe von 52 000 durch ausreisende Araber gegenüber einer Einnähme von nur £ 20 000 durcli hier weilende arabische Gäste. Im Tagesdurchschnitt gab der jüdische Tourist hier 700 mil aus, der Araber •100, Christen 1300. Im ganzen waren die Einnahmen aus der Touristik im Februar £ 37 689, im März £ 66 005, während die Ausgaben durch Auslandsreisen im Februar £ 60 462 und im März £ 68 864 betrugen. Man muß bedenken, daß es sich hierbei um die wichtigsten Monate der Palästina-Touristik handelt. Allerdings war der Besuch in Palästina in früheren Jahren weit stärker. Zu den Auslandsreisen der Juden werden noch folgende Ziffern angegeben; Im Jahre 1933 verreisten 9282 Juden, 1934 _ 14 787, 1935 — 25 207, 1936 - 23 838. Die Statistik der ersten Monate dieses Jahres läßt annehmen, daß auch im laufenden Jahre nicht mit einer Abnahme der Auslandsreisen zu rechnen ist. Die Araberfrage vor 40 Jahren ״Niemand wollte sie sehen“ In seinen fortlaufend im ״Bustenai“ erscheinenden Erinnerungen an Achad Haam berichtet M. Smilanski auch über seinen Gedankenaustausch mit diesem über die Araberfrage, Anläßlich dieser Erinnerungen gibt er einen Bericht über die damalige Situation: Wie alle Chowewe Zion hatte auch ich die Ansicht gehabt, vor der Achad Haam in seinem berühmten Artikel vor mehr als 45 Jahren warnte; daß ״Palästina fast ganz Wüste sei ... und die Araber Wilde“. Oder besser gesagt: ich hatte überhaupt nicht an die Araber gedacht. Wer von den Theoretikern des Zionismus wußte etwas über sie oder schrieb über sie? Als ich dann nach Jaffa kam und die arabischen städtischen Massen sah und in ihre schlauen Gesichter blickte, war ich zuerst entmutigt. Mit der Dorfbevölkerurig fand ich mich besser zurecht. Gleich im Herbst 1891 erlebte ich den ersten Zusammenstoß zwischen Juden und Arabern bei Rechowoth, dem im Winter 1891/92 ein zweiter folgte. Auch bei Chederah kam es zu ähnlichen Vorgängen. Aber nach einem Jahr war alles vergessen. Man hielt die Ereignisse für Ausbrüche primitiver Wildheit. Nationale Momente waren noch nicht erkennbar, höchstens religiöser Fanatismus. Nur zwei Männer in Galiläa wollten die Dinge nicht auf sich beruhen lassen: der Lehrer Jizchak Epstein und der Kolonisator C h. K a I v a r i s k i. In Galiläa war die Siedlungstätigkeit damals am intensivsten, Die Einwohner fürchteten, man könne sie verdrängen, und sie rührten sich. Epstein sprach auf dem VII. Kongreß 1905 und in seinen Veröffentlichungen im Haschiloach, Kalvariski versuchte durch seine persönlichen Verbindungen die öffentliehe Aufmerksamkeit auf diese Frage zu lenken. Niemand hörte sie, niemand glaubte an die Gefahr. Auch ich selbst hielt die Befürchtungen für übertrieben. Bei uns in Judäa war es ruhiger, die Araber ließen hier keine Beschwerden laut werden. Die Bodenfrage, die Epstein angeschnitten hatte, schien damals, als die Möglichkeiten intensiver Bodenbewirtschaft für Palästina noch nicht erkannt waren, unlösbar. Es schien unmöglich, daß das Land beide Völker würde ernähren können. Aber ein neues Warnungszeichen erschien. Der Wächterbund ״Haschomer“ hatte sich aufgetan. Schon die ersten Zusammenstöße dieser ersten jüdischen Wächter beim Schutz jüdischen Eigentums zeigten, daß etwas nicht in Ordnung war. Denn es war unverkennbar, daß es sich dabei nicht um einen gewöhnlichen Kampf zwischen Wächtern und Dieben handelte, sondern daß nationaler Fanatismus dabei eine große Rolle spielte. Im Jahre 1908 kam es zuin ersten Male zu einein Zusammenstoß zwischen jüdischen und arabischen jungen Leuten in den Straßen von Jaffa. Achad Haam warnte damals: ״Ich beschuldige unsere Führer in Palästina. Hätten sie nicht gefürchtet, unsern jungen Leuten zu mißfallen, sie hätten Mittel und Wege gefunden, unsere Jugend zu einem friedfertigeren Verhalten zu den Bewohnern des Landes zu veranlassen.“ Aber Achad-Haam sah die Sache nur von einer Seite. Wir aber wurden mit Schrecken gewahr, daß uns hier zum ersten Male vereint drei Mächte gegenüber standen: die Regierung, die Mohammedaner und die Christen. Bisher hatten uns die Mohammedaner stets den Christen vorgezogen, die ihnen wegen ihrer Bekehrungsabsichten verdiiehtig waren. Während eines längeren Aufenthalts im Ausland 1909—1911 reifte in mir die Erkenntnis, daß wir einen Friedensbund mit den Arabern anstreben müßten. Nach meiner Rückkehr durchreiste ich Palästina und Syrien, um die Lage klar zu erkennen. Ich kam gebrochen zurück. Ich hatte nicht geahnt, daß ich soviel Haß und Oegnerschaff gegen den Zionismus vorfinden würde. Ich hatte nicht gewußt, daß ein arabischer Nationalismus im Erwachen war, der deutlich chauvinistische Züge trug. In unserem Lager aber tauchte damals die Forderung nach hundertprozentiger jüdischer Arbeit zuerst auf. Im Jahre 1913 kam es wieder zu einem Zusammenstoß bei Rechowoth. Ich glaubte damals noch an die Kraft des Wortes und schrieb Briefe an alle Führer der Bewegung im Ausland, die ich kannte. Aber nur einer antwortete — Achad Haam. Einen Artikel, den ich schriebt wies die ״Hazefira“ zurück; im ״Haolam“ fand er Aufnahme. Auch mein Auftreten in Volksversammlungen fand Widerspruch; ich kam damals zum ersten Male in Konflikt mit meinen nächsten Freunden unter den Arbeitern. Die palästinensische Realität bestätigte nur die Warnung Achad Haams. Aus dem arabischen Lager Aus Syrien wird berichtet, daß der Muftf einen moslemischen Kongreß (das wäre also ein religiöser, nicht ein ״arabischer“ Kongreß — A. d. R.) einberufen habe, an dem Vertreter von Libanon, Syrien, Palästina und Trans- Jordanien teilnehmen werden und der über Maßnahmen zur Intensivierung des Kampfes gegen den Teilungsplan und gegen den Emir Abdullah beraten 8011. Der Kongreß soll in Jerusalem zusammentreten. Aus vielen arabischen Städten, insbesondere aus Nablus, wird eine Verschärfung der Beziehungen zwisehen den arabischen Parteien gemeldet, die von einer lebhaften Agitation auf beiden Seiten begleitet ist. Die Parteigänger des Mufti erblicken in dem Teilungsplan einen Versuch, seine Macht zu brechen und den Emir Abdullah zu erhöhen. Eine Konferenz der transjordanischen Opposition hat vor einigen Tagen in Tiberias stattgefunden. Die Indische Delegation Die Tel Aviver Zeitung ״Haboker“ berichtet: Wir erfahren, daß der große Plan der panindischen Delegation zugunsten der palästinensischen Araber im Kampfe gegen den Zionismus gescheitert ist. Nach der Abreise teilte sich die Delegation; ihr Führer, der bekannte indisch-moslemische Politiker Shaukat Ali, trennte sich von der Abordnung und kehrte nach Indien zurück. Die übrigen Mitglieder änderten ihr Reiseziel und begaben sich direkt nach London, um dort die eigenen indischen Interessen wahrzunchmen. Nur ein einziges Mitglied der Delegation, Abdul Rachman Sediki, begab sich nach Palästina und trat hier während seines kurzen Aufenthalts mit dem Mufti und den Mitgliedern des Obersten Arabischen Komitees zusammen, um sich sogleich nach London zu begeben. (Eine antizionistische Aeußerung von Abdul Rachman Sediki brachten wir in Nr. 47 der ״J. R.“) Urteil einer arabischen Zeitung Im arabischen Blatte ״Arsat Luwnan“, das in Beirut erscheint, erschien eine interessante Beurteilung der Broschüre ״Juden und Araber in der Wirtschaft Palästinas“, die von der Jewish Agency herausgegeben und in arabischer Uebersetzung an viele" arabische Notabein und Orgänisationen Palästinas und der Nachbarländer verschickt worden ist. ״Die Jewish Agency hat uns — so schreibt das genannte Blatt — ein Exemplar der wertvollen Broschüre zugesandt, die sie herausgegeben hat, um den Fortschritt und das Aufblühen Palästinas in dem Zeitraum der jüdischen Einwanderung nachzuweisen. Wir haben die Broschüre mit Aufmerksamkeit gelesen und 1ms überzeugt, daß es sich um eine bedeutsame Veröffentlichung handelt, die eine Wahrheit enthält, die niemand, es sei denn ein Lügner, leugnen kann. Wir haben die Ziffern untersucht, die zeigen, daß seit der jüdischen Einwanderung sich die Zahl der Bewohner Palästinas, der Juden und der Araber, um ein Vielfaches erhöht hat, und daß ferner die Produktion Palästinas um ein Vielfaches gestiegen ist, gar nicht zu sprechen davon, daß wüste Strecken des Landes in blühende Kolonien verwandelt worden sind. Die Richtigkeit der Broschüre wird auch durch die Tat- Sache bewiesen, daß der libanesische Markt heute in einem Maße mit palästinensischen Waren überschwemmt ist, für das es in der Vergangenheit kein Gleichnis gibt. Auf der anderen Seite bildet Palästina einen Absatzmarkt für sehr viele Produkte des Libanon, so für Fleisch und Textilwaren, während vor der Einwanderung der Juden nach Palästina dieses Land von uns nur wenige Melonen und Gemüse gekauft hat.“ Am Schluß des Aufsatzes schreibt das Blatt, daß es in Kürze einige Details aus der genannten Broschüre nachdrucken werde, um den Lesern die Richtigkeit seiner Behauptungen zu beweisen. (Palcor.) Bodenerwerb bei Naharlah. Aus Palästina wird uns geschrieben: Die hebräische Tagespresse brachte vor einiger Zeit die Nachricht, daß ein Bodenkomplex von 1080 Dunam, nördlich von Akko, von Juden erworben worden sei. Dieser Boden ist jetzt endgültig okkupiert und gepflügt worden und somit praktisch in jüdischen Besitz übergegangen. Für die Siedlung Nahariah bedeutet dies eine wesentliche Erweiterungsmöglicnkeit. Berichtigung. In unserem Tel-Aviver Bericht über Kammer-Oper muß der Name der Sängerin richtig lauten: ״Hedi Schack“, Tel Aviver Ausstellung Issal Kulviansky stellt im Museum aus; diese Aus- Stellung verdient besonders gewertet zu werden, da man hier einen Maler kennenlernt, der zu den wirklichen Begabungen zählt. Der Künstler, der seit über vier Jahren hier lebt, ist bisher noch nicht an die Oeffenttichkeit getreten. Die Aus- Stellung zeigt 50 zum Teil sehr große Gemälde. Kulviansky ist dem Kunstpublikum in Deutschland nfcht unbekannt. Er lebte seit 1911 mit kurzer Unterbrechung eines Pariser Studienaufenthaltes in Berlin und war einer der Mitbegründer der Novembergruppe. Ein charakteristisches Bild seiner Frühzeit, ״Der Zimmermann“, hängt im Jüdischen Museum in Berlin. Seitdem aber hat seine Kunst eine völlige Wendling zum neuen Farbenerlebnis durchgemacht und sich zu großer Kraft entwickelt. Diese Ausstellung will noch nichts Abschließendes geben, sondern erst den Anfang eines Weges aufw׳eisen, von dem aber schon eine Strecke mit viel_ enrlichem , Streben zuriickgelegt ist. Erstaunlich ist hierbei, die überströmende Kraft, die sich zwar manchmal noch etwas wild gebärdet und bisweilen auch die Grenzen ihrer Mög« lichkeh übersteigt. Das Ueberraschende und Fesselnde ׳der Ausstellung aber ist, daß sie das Erlebnis der Farbe, die sinnliehe Glut ihrer unmittelbaren Erscheinung, ihrer formzerstörenden und in ihrer Art selbst wieder Form aufbauenden Ktaft, so stark empfinden läßt. Kulviansky arbeitet ganz aus der Intuition, aus einem momentanen Impuls, wie wir es z. B. bei Corinth, dem großen Farbenerwecker, erlebt haben. Er hat viel von ihm gelernt und kann in mancher Beziehung als sein direkter Schüler bezeichnet werden. Chorinth war allerdings noch gewaltiger, robuster und vor allem genialer. Kulviansky malt den Farbenrausch duftender Blumen, das visioneile Auftauchen von Gestalten und das Verströmen halbdunkler Töne einer traurigen, schweren nordischen Landschaft. Kulviansky ist Litauer, und die Atmosphäre der Heimat gelingt ihm am besten. Das Licht Palästinas erscheint bei ihm noch nicht echt. Er läßt Sonnenflecken hüpfen, Schatten manches zudecken und ver* sinken, Bewegungen vorbeihuschen. Alles ist Bewegung, Vision. In zwei anderen Sälen findet zu Ehren des 50. Geburt«• tages von Jakob Steinhardt eine Ausstellung seines Holzschnittwerkes statt. Die 50 Holzschnitte, deren Ent- Stellung die Zeit von 1911—1937, also 26 Jahre, umfaßt, zeigen die Eindringlichkeit und Einheit der Steinhardtsdien Kunst, die das Stärkste sind, was die jüdische Graphik au{« zuweiser, hat. Neben einigen belanglosen Ausstellungen der Galerie Bach Ist noch die im Kunstsalon Masskit hervorzuheben, wo die Kunstgewerbestätte ״A n a k“- Jerusalem ihre neue Prodttk* tion zeigt. Das Streben nach einem neuen palästinensischen Sffl Im Sinne einer Volkskunst führte den Metallkünstler SchlomoH Ries zum Studium des Dekorativen auf Grund alter Motive! Hieraus versucht er etwas Neues, Modernes zu schaffen! Die orientalische Kunst hat immer reiches Dekor bevorzugt und sich mehr in ihm als in der reinen Form ausgedrückt; sie ist mehr malerisch als tektonisch, liebt das Farbige und unterstreicht dies überall. Viele Motive lassen sich hier künst« lerisch verwerten, sowohl alte, direkt aus der jüdischen Tradition stammende, als auch solche, die aus der Natur abzu« leiten sind und typisch Palästinensisches darstellen. Ries bemüht sich, eine ״farbige“ Metallkunst zu entwickeln, d. h. er schmückt seine Metallarbeitern Schalen, Vasen, Schmuckstücke usw., mit lasierten und geätzten Mustern, die in gemeinsamer Arbeit mit seinem Mitarbeiter Rosenberg entstehen. De Anfänge sind vielversprechend und interessant, wenn man auch vorläufig erst von Versuchen sprechen kann! Eine wichtige Rolle spielt auch die Verwendung der hebrl« isehen Schrift, deren Duktus sich, wie die Proben von Sch. Schechter beweisen, zu künstlerisch eigenartigen Satzbildern ab wandeln lassen. Dr. Karl Schwarz Haifa. In den Räumen der ״Agudath Achim“ sprach Architekt Dipl.-Ing. Kurt Lewinsky über ״Kunst und Kul* tur am Mittelmeer, mit jüdischen Augen gesehen“. Eine Aus« wähl von Lichtbildern aus der bekannten Sammlung des ver* storbenen Prof. Dr. Julius Hülsen ergänzte diesen Vortrag. Die herrlichen Lichtbilder veranschaulichten den Weg Israels durch die Kulturen Sumeriens, Babyloniens, Aegyptens bis zur eigenen Staatsbildung in Palästina, und weiter durch die Länder der Oaluth, das Alexandrinische und Römische Weltreich bis zur Gegenwart in einzigartiger Weise. (Schluß des Palästina-Teils)

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