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Jüdische Rundschau · 1937-06-29 · Heft 51 (29.6.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 51 (29.6.1937)
Date
1937-06-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 51, 29. VI. 1937 Erleichterung von Unterstützungszahlungen an Juden in Neue Bestimmungen der Reichsstelle Die ״Palästina Treuhand-Stelle zur Beratung deutscher Juden G. m.b.H.“, Berlin W 35, Potsdamer Str.28, teilt urts mit: Nach den geltenden Devisenbestimmungen dürfen unter gewissen Voraussetzungen Unterstützungszahlungen nach Deutschland mit sogenannter ״R e g i s t e r m a r k“ bewirkt werden. Durch einen Erlaß der Reichsstelle für Devisen- Bewirtschaftung ist gestattet worden, daß von jüdischen Spendern zugunsten jüdischer Empfänger auch ״H a a v a r a - Mark“ für diesen Zweck verwendet werden darf. Haavara-Mark ist diejenige Mark, die von jüdischen Auswanderungswilligen auf die in Deutschland geführten Transfer-Sonderkonten der Trust 8: Transfer Office ״Haavara“ Ltd., Tel Aviv, eingezahlt wird. Die genannte Gesellschaft transfericrt unter Mitwirkung ihrer deutschen Schwestergesellschaft, der Palästina-Treuhand-Steile zur Beratung deutscher Juden G. m. b. H. (Paltreu), Berlin W35, Potsdamer Str. 28, auf Grund eines von der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung geregelten Verfahrens diese Beträge in ausländischer Währung. Die Haavara-Mark wird für Unterstützungszahlungen von den ausländischen Banken, die Registermark vertreiben, verkauft werden. Dies bedeutet, daß der ausländische Spender die Haavara-Mark, die er seinen inländischen Freunden und Verwandten zukommen lassen will, zu dem Registermarkkurs, d. h. sehr günstig erwerben kann. Die Haavara ist dadurch, daß ihr der Gegenwert der Reichsmarkspenden in ausländischer Währung zufließt, in der Lage, einer großen Anzahl der bei ihr vorgemerkten Anwärter zur Auswanderung zu verhelfen. Durch die hierauf aufgebaute Werbung im Auslände wird die Gebefreudigkeit der ausländischen Juden für ihre hiesigen Freunde und Verwandten vergrößert werden. Die Abwicklung ist sehr einfach. Der ausländische Geber zahlt bei seiner Bank den Gegenwert der von ihm bcabsichtigten Spende in Devisen ein und unterschreibt ein Formular, aus dem sich ergibt, daß es sich um eine Leistung ohne kommerziellen Gegenwert handelt. 1. Eis dürfen nur bis zu 200 RM. je Monat und Person voll in Haavara-Mark gezahlt werden. Ehepaare gelten hierbei als eine Person. In der Hausgemeinschaft lebende Kinder sind dann als Einzelpersonen anzusehen, wenn sie eine gewisse wirtschaftliche Selbständigkeit besitzen. Bei Zahlungen, die über den Betrag von 200 RM. hinausgehen, ist die Zahlung in Haavara-Mark davon abhängig, daß für die Hälfte des gesamten angewiesenen Reichsmarkbetrages Devisen für den gleichen Zeitraum und Zweck nach Deutschland gesandt werden. Deutschland — Förderung der Auswanderung 2. Darüber hinaus dürfen Geschenke bis zu weiteren 200 RM. monatlich aus folgenden Anlässen in Haavara-Mark, gezahlt werden: a) zu Peßach, Purim, Rosch Haschanah, Chamikkah; b) anläßlich von Hochzeiten, Barmizwoth, Mädcheneinseg־ nungen, silbernen und goldenen Hochzeiten; c) für Grabpflege (außer Begräbniskosten). 3. Ferner können im Auslande lebende Juden jüdischen gemeinnützigen und wohltätigen Organisationen in Deutschland Spenden unter Verwendung von Haavara- Mark zugehen lassen. Ueber die hierbei zulässige Höchstgrenze erteilt die Paltreu im einzelnen Auskunft. Maßgebend dafür, ob der Spender und der Zahlung®־ empfänger als Juden gelten, sind die Bestimmungen des Reichsbürgergesetzes. Entscheidend ist daher nicht die Zugehörigkeit zur jüdischen Religionsgemeinschaft, sondern die jüdische Abstammung. Personen mit nur zwei jüdischen Großeiternteilen gelten aber nur dann als Juden, wenn sie der jüdischen Religionsgemeinschaft angehören, oder mit einem Volljuden, oder mit einer der jüdischen Religionsgemeinschaft angehörigen Person verheiratet sind. Vor Entgegennahme der Spende hat der Empfänger wie bei der Registermark eine Erklärung zu unterschreiben, in welcher er bestätigt, daß die an ihn von dem Spender geleistete Zahlung nicht zur Erfüllung einer rechtlichen oder vertraglichen Verpflichtung des Geldgebers oder einer anderen im Auslande wohnenden Person (z. B. auf Grund testamentarischer Bestimmungen als Rentenzahlung, für Warenlieferungen und sonstige Leistungen, für Versicherungs- Prämien, Hypothekenzinsen usw.) oder zur Einzahlung auf ein Konto zugunsten des Schenkers oder einer im Ausland wohnenden Person oder zum Erwerb von Liegenschaften oder zur Bezahlung von Schiffspassagen für eine solche Person u. a. mittelbar oder unmittelbar verwandt wird. Eine Rückvergütung des Betrages darf in keiner Form stattfinden, auch nicht durch Verzicht auf eine bestehende oder noch entstehende Forderung. Der Betrag darf vielmehr lediglich zur Bestreitung der persönlichen Ausgaben des Empfängers dienen und von ihm auch nur für solche Zwecke verwandt werden, d. h. also, daß die Unterstützungsmark nicht für Zahlungen verwandt werden darf, zu denen der Spender verpflichtet ist und gesetzlich gezwungen werden könnte. Hingegen darf der Empfänger mit dem gespendeten Geld natürlich seine eigenen Hypothekenzinsen bezahlen, seine eigenen Versicherungsprämien, rückständige Rechnungen usw. Wahlen zum Zionistenkongreß Die Wahlen zum XX, Zionistenkongreß finden, wie uns aus Prag berichtet wird, in der Tschechoslowakei in den Tagen vom 28. bis 30. Juni statt. Um die 12 auf die Tschechoslowakei entfallenden Mandate — zum letzten Kongreß waren es 11 — bewerben sich fünf Parteien: die ״Allgemeinen Zionisten“ (Weltvereinigung) mit Dr. Josef Rufeisen, Abg. Dr. Angelo Goldstein und der Vorsitzenden der tschechosl. Wizofederation Hanna Steiner, die Liste des ״Arbeitenden Erez Israel“ (Dr. A. Heller und Abg. Dr. Chajim Kugel), Misrachi (M. Goldstein), die Judenstaatspartei und Dr. Emil Margulies, der diesmal unter dem Titel ״Liste der Neinsager. Gegen die Teilung Palästinas“ kandidiert und der Weltwahlliste des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten angeschlossen ist. Bis knapp vor den Wahlen war recht wenig von einer ״Wahlstimmung“ zu verspüren. Erst im letzten Momente gab es einige Wahlver- Sammlungen, Aufrufe der Parteien u. dgl. Das Resultat wird in der Sitzung der Hauptwahlkommission vom 11. Juli festgestellt werden. י ln Amerika sind bei den Wahlen zum XX. Zionistenkongreß 110 (W) Stimmen abgegeben worden. Es entfallen auf die Allgemeinen Zionisten 21, auf die zionistischen Arbeiter- Parteien 32, auf den Misrachi 18, auf die Frauenorganisation Hadassa 19 Mandate und auf die Judenstaatspartei ein Mandat. In Palästina sind neun Kandidatenlisten eingereicht worden. Spitzenkandidaten der zionistischen Arbeiterparteien sind Ben Gurion, Schertok, Elieser Kaplan und Berl Katznelson; Hauptkandidaten des Misrachi sind Rabbi J. L. Fischmann, Rabbi Meir Berlin und Rabbi Seew Gold. Die Liste der Judenstaatspartei führt Meir Großmann, die der Allgemeinen Zionisten, Gruppe B, Ussischkin; die fünfte Liste ist die der Jemeniten, die sechste die der Allgemeinen Zionisten, Grupne A, mit Grünbaum und Brodetsky, die siebente die der Juden aus Aden, die achte die der von Glücksohn und Salman Schocken geführten Gruppe ״Kidma“, die neunte die der Poale Misrachi. ♦ Unter dem Vorsitz von ,Dr. J. Schwarzbart (Krakau) fand eine Beratung der europäischen Zentrale des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten über Probleme des XX. Zionistenkongresses und der gegenwärtigen Lage in der Bewegung und in Palästina statt. Es wurde beschlossen, die Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten Gruppe B für den 31. Juli nach Zürich einzuberufen. Abg. Dr, Gottlieb und Ing. Landau-Lemberg wurden in die Zentrale kooptiert. brot und der Nachtruhe in die planmilßig vorgesehene Diskussion eingetreten wurde, schlief sie vor der Zeit infolge allgemeiner Unlust und Interesselosigkeit ein. Ihr Thema lautete nSmlich, da ja oft der Zufall ein großer Satiriker ist: ״Der Araber als Nachbar“. Es kam, wie es kommen mußte: Mahomed fand einen gerechten, wenn auch nicht allzu strengen "Richter und wurde von diesem dazu verurteilt, einige Monate im Ge״ längnis zu Akko zu verbringen. Es wäre zuviel gesagt, wenn man behaupten wollte, daß in der Siedlung über dieses Urteil Tränen vergossen worden seien, aber soviel ist wahr, daß man Mahomed vermißte, ja geradezu Sehnsucht nach ihm hatte und, wenn die Rede auf ihn kam, nicht müde wurde, nach Milderungsgründen für ihn zu suchen. Darin zeichnete sich sogar der Chawer, der ihn sls einziger beschuldigt, hatte, vor allen anderen aus, was er freilich auch dringend nötig hatte, denn man sah ihn so ungerecht sind die Menschen —- einfach als mitschuldig, jedenfalls aber als mitvernntw׳ortlich für die Abwesenheit des nunmehr schon wieder mit dem Prädikat ״arm, aber ehrlich“ ausgezeichneten Mahomed an. Mahomed fehlte der Siedlung, und während man über ihn sprach, über seine Hönenhaftigkeit, sein Lachen, seine Kindlichkeit und über seinen guten Appetit, den er so oft bewiesen hatte, idealisiert* man ihn, Übertrieb man Seine Bedeutung und sogar di« Bedeutung seines Kriminalfalles für das Zusammenleben mit den Arabern. Es stellte sich heraus, daß die Siedlung sich daran gewöhnt hatte, in den Besuchen Mahomeds geradezu ein Unterpfand für den jüdisch-arabischen Frieden zu sehen. Allerdings stellte sich auch die andere Tatsache heraus, daß während der Ab- Wesenheit Mahomeds nicht der geringste Diebstahl vorkam, so daß es also sicher war, daß er alle Diebstähle ausgeführt hatte. Von Zeit zu Zeit ließ sieh auch der Polizeimann wieder sehen, und man war geradezu verlegen darüber, daß man ihm, während Mahomed in Numero Sicher saß, nicht den kleinsten Diebstahl zu melden hatte. Als kluger ״Analytiker“ hütete er sich, auf Mahomed einen Stein zu werfen, ja, er zeigte sogar selbst eine gewisse Hinneigung und Zärtlichkeit für ihn, wie das ja manchmal bei Polizeileuten gegenüber Delinquenten, deren rasche Ueberführung ihnen gelungen ist, der Fall zu sein pflegt. So erwarb sich der Polizist in der Siedlung eine Beliebtheit, die fast sn die Mahomeds heranreiohte. Er hieß Hugo — und allmählich trat dieser Name als gleichberechtigt neben den Namen Mahomeds. Auch Hugo wußte überdies mit Kindern umzugehen, und bald war er ihr Liebling und gleichsam ein Ersatz für Mahomed. Wie alles in der Welt und im Leben, 90 ging auch Mahomeds Haft vorüber. Eines Tages kam ein nalbwüchsiges Mädchen atemlos in die Siedlung zurück und erzählte, sie habe ihn gesehen. ״Hat er auch dich gesehen?“ wurde gespannt dagegen gefragt. ״Ja“, erwiderte das Mädchen, ״er hat mir gewinkt und hat gelacht.“ ״Und bist du zu ihm hingegangen? Hast du mit ihm gesprochen?“ ״Nein“, sagte das sonst ziemlich kecke Mädchen kleinlaut, ״ich hab mich vor ihm geniert und bin rasch davongelaufen.“ Dieses Verhalten des Kindes wurde allgemein verurteilt. Es fand eine große und anregende Debatte statt, in der geklärt und statuiert wurde, daß man in Mahomed einen heb aus Not und aus Zwang der wirtschaftlichen Verhältnisse zu sehen und ihm daher nicht etwa Verachtung, sondern Mitgefühl entgegenzubringen habe. Es vergingen einige Tage, da erschien Mahomed wieder in der Siedlung — freundlicher, besser gelaunt und strahlender als je. Die Kinder liefen ihm zu und begrüßten ihn jubelnd. Sie hatten es leicht, unbefangen zu sein, denn man hatte ihnen verheimlicht, warum sie ihren arabischen Freund so lange hatten entbehren müssen. Mahomed erzählte ihnen in seinem kindlichen Kauderwelsch die tollsten Geschichten von einem großen Haus, in dem er mit Räubern, Mördern und anderem märchenhaften Gesindel habe zusammenwohnen müssen. Wahrhafte, wenn auch nicht wahre Räubergeschichten tischte er den Kindern auf, die Augen und Mund aufrissen und den armen, aber ehrlichen Mahomed bedauerten und wie einen zurückgekehrten Helden anstarr* ten. Seine Beliebtheit bei ihnen wurde größer als je vorher. Bis die Erwachsenen sich ihm ebenfalls näherten, das dauerte eine Weile. Zuerst trafen ihn teils vorwurfsvolle, teils verlegene Blick«. Man ließ ihn auch einige nicht sehr schmeichelhafte Titulaturen hören. Aber das alles prallte an seiner fröhlichen Unbefangenheit ab. Er war der Alte und ließ eine neue Einstellung zu seiner Person einfach nicht zu. Schließlich brachte er es dahin, daß die Männer und Frauen der Siedlung kaum anders als die Kinder in kleinen abwechselnden Gruppen um ihn herumstanden und seinen Erzählungen über das ״große Haus“ in Akko, die zusehends phantastischer wurden, zwar nicht gläubig, aber mit großem Vergnügen zuhörten. Als nach Stunden Mahomed, gesättigt und in seine alte Position als gern gesehener Gast wieder eingesetzt, sich davontrollte, war ihm alles vergeben und vergessen, und die Meinung war allgemein, daß er durch Wiener Kunstbrlef Von unserem Berichterstatter J. R. Wien, »m Juni Das ״Jüdische Kulturtheater“, das sich gegen■ wärtig auf einer Tournee durch Lettland und Litauen befindet, beschloß jetzt das zweite Jahr seiner künstlerischen Tätigkeit. Diese letzte Winterspielzeit 1936/37, die sowohl in bezug auf die künstlerische Leistung als auch auf die programmatisch- .. und technischen Unzulänglichkeiten einen beachtenswerten Rang sowohl im Wiener Theaterleben, als auch im jüdischkulturellen Raum dieser Stadt gesichert. Das Theater hat nach anfänglichen Suchen — es gab, wie dies nicht anders wohl zu vermeiden war, auch manchen künstlerischen und ideologischen Versager — heute bereits in stark sichtbaren Konturen den Weg zu einem jüdisch-künstlerischen Programm gefunden: den Weg der künstlerischen Vermittlung jüdisch• kultureller Werte und der künstlerischen Mitgestaltung jtidisehen kulturellen Lebens. Im besonderen aber will es eine Pflegestätte auch der jiddische« Literatur durch Vermittlung ihrer Volksstücke in deutscher Uebertragung werden. In der Galerie W ü r t h 1 e im I. Bezirk steilen jetzt die bekannten palästinensischen Photobildner J. Gai-Ezer Herusalem) und Z. Kluger (Tel Aviv) ihre künstlerischen Photos aus dem neuen Palästina aus, nachdem diese Bilderschau bereits die Reise durch Paris, London, Amsterdam gemacht hat. Die sehr interessante Ausstellung wurde dieser Tage durch Kultuspräsident Dr. Desider Friedmann eröffnet. Es ist eine reiche Auslese aus dem palästinensischen Leben, seinem Alltag und seiner Feierstunde. Ob es sich um Bilder vom schwer arbeitenden Pionier oder einer berauschend schönen Landschaft, ob es sich um die Kontrastzeichnung und Gegenüberstellung von versumpfter Hule-Landschaft und der blühenden, lachenden Garten- und Blütenpracht Daganiahs handelt, ob Kluger das harte Antlitz des Traktorzieners in der Jesreei-Ebene nachzeichnet oder uns die fröhliche Kindergruppe im Schatten der Zypressen von Mischmar Haemek vorrührt, ob er den jüdischen Schmied in der Stadt oder den Feldarbeiter in der Farm, oder die tanzenden, schlanken Mädchen in weiten Gewändern beim Chag Habikurim zeigt, ob Gal Ezer uns die tränkenden Büffel imHulesee sehen läßt, ob er uns mit dem schönen bucharischen Brautpaar in Festkleidung bekannt macht, oder ob er einen Ausschnitt aus der Landschaft von Safed bietet, immer ist es ein Stück palästinensischer Wirklichkeit, in die uns diese Bilder führen. Als eines der glanzvollsten Konzerte im Rahmen der Wiener Festwochen kann man wohl den Konzertabend bezeichnen, der unter Leitung des Dirigenten Fritz Stiedry Arnold Schönbergs Melodrama ״Pierrot lunaire“ zu einer hinreißenden und stürmisch akklamierten Aufführung brachte. Schönberg hat seinen ״Pierrot“ vor 25 Jahren komponiert. Das Werk ist seit der Zeit erst jetzt wieder aufgeführt worden. Die Wiener Kritik, die Schönberg als den Künder der atonalen Musik lange ablehnte, würdigt heute Musik in positivem Sinne. Sitzung des zionistischen Partei-Rates für Polen. Der Parteirat der Zionistischen Organisation in Polen hat unter Beteiligung von 70 Delegierten aus dem ganzen Lande eine Sitzung abgehalten. Dr. Klein bäum erstattete ein Referat über die Stellung des Zionistischen Zentralkomitees Polens zum XX. Kongreß. Der Kongreß müsse die Behandlung der politischen Kardinalfragen über das Schicksal Palästinas ermöglichen und dürfe keine Zeit mit der Diskussion von Gruppen- und Parteiinteressen verlieren. Ueber die Lage der Juden in Polen sprach Adv. Hart? gl aß. Er begründete die Gegnerschaft des Zionistischen Zentralkomitees gegenüber einer ״jüdischen Repräsentanz“, an der sich die gegenwärtigen jüdischen Parlamentarier beteiligen (das Zionistische Zentralkomitee hatte sich bekanntlieh gegen die Kandidatur jüdischer Vertreter auf Grund der neuen Sejmwahlordnung ausgesprochen). Andererseits tritt das Zentralkomitee für die Bildung einer durch einen Kongreß des polnischen Judentums gewählten Repräsentanz ein. die Strafe endgültig gebessert und in Zukunft nichts mehr von ihm zu befürchten sei. Nun kam er wieder fast täglich. Wo er den Chawerim bei der Arbeit helfen konnte, tat er es. Er drängte sieh förmlich dazu, hier ein schweres Rad, dort einen mächtigen Stamm zu heben, auch Gänge zu besorgen und innerhalb der weitläufigen Siedlung den Verbindungsmann zwischen den Arbeitenden zu machen. Er lag, sozusagen, immer auf der Lauer und im Hinterhalt, wo sich eine Lücke auftat, um einzuspringen und sie auszufilllen. Schließlich wurde er für die Kwuzah zu einem Problem, und dieses wurde eines Abends in einer Diskussion über ״Innere Fragen“ aufs Tapet gebracht: ״Was geschieht mit Mahomed?“ Einige wollten ihn in Arbeit und Lohn genommen sehen — als Ausnahme. Aber die Mehrheit entschied dagegen, worauf die Parole ausgegeben wurde, den ״Liebling“ zwar nach wie vor zu dulden, aber seine freiwillige Mitarbeit tunlichst einzuschränken. Es war, als ob Mahomed diese geheime Abmachung gerochen hätte. Denn er schien nun noch eifriger, noch freundlicher, noch bescheidener zu werden. Dies aber rief den Widerstand der Chawerim hervor. Sie ließen es an harten, abweisenden Worten nicht fehlen, und der Rat: ״Spiel mit den Kindern, Mahomed!“ wurde fast zum geflügelten Wort. Und Mahomed spielte mit den Kindern und ließ von ihnen mit sich spielen. Fast wie ein Märtyrer tat er, der Bärenstarke, diesen nutzlosen Dienst, aber immer lachend und guter Dinge. Mit großen Augen sah er von ferne auf die im Schweiß ihres Angesichts Arbeitenden. Es war rührend, wie seine stämmigen Beine und seine mächtigen Arme und Hände brachgelegt waren und nichts als spielen durften. Seine Besuche wurden etwas seltener, er selbst wurde einsilbiger. Und allen wurde im Unterbewußtsein klar, ohne daß sie darüber redeten, daß das Problem Mahomed nichts weniger als gelöst war. Es wäre nur dadurch zu lösen gewesen, daß man ihm das Betreten der Siedlung verboten hätte. Aber das wagte man nicht, dazu konnte man sich nicht entschließen, obwohl der polizeiliche ״Analytiker“ dazu riet. Auch er natürlich ließ sich von Zeit zu Zeit sehen. Er traf auch mit Mahomed zusammen, und jedesmal begrüßten sich die beiden wie alte Freunde. Wurde der Polizeimann mit Tee und dergleichen bewirtet, so ließ er davon seinem arabischen Freund, den er wie einen vertrauten Klienten behandelte, etwas zukommen. Sie tauschten auch oft ihre Meinungen und Erfahrungen über jenes Haus in Akko miteinander aus. Mahomed erzählte seine ״Memoiren“ aus der bewußten Zeit, und der Polizist bemühte sich schonend, sie einigermaßen mit der objektiven Wahrheit in Uebereinstimmung zu bringen. (Schluß folgt)

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