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Jüdische Rundschau · 1937-06-29 · Heft 51 (29.6.1937) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 51 (29.6.1937)
Date
1937-06-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 51, 29. VI. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 ״Ermüdete Nerven“ Theodor Herzl an seine Mnlter Theodor Herzl hat sich, seitdem er beschlossen, das Märchen vom Judenstaat zur Wirklichkeit zu gestalten, niemals geschont. Seinem kranken Herzen gab der Kampf um Uganda und die ״Versöhnungskonferenz‘‘ des Großen Aktions-Comites in Wien von Mitte April 1904 den Rest. Auf Weisung eines Aerztekonzils nahm er am 3. Mai in dem böhmischen Kurort Franzerisbad Aufenthalt. Aber er kannte seinen hoffnungslosen Zustand zu gut, als daß er sich gegönnt hätte, die Arbeit für Zion auch nur einen “Moment zu unterbrechen. Schrieb er doch am 6. Mai von hier mit bebender Feder an Wolffsolm: ״Machet keine Dummheiten, während ich tot bin!“ Am 9. Mai hatte Herzl noch eine hochwichtige Konferenz mit Katzencllsohn über die von Jakob Schiff in Aussicht gestellte Russenanleihe und in der Nacht darauf schrieb er das große Memorandum, das Katzenellsolin zu Plelnvc nach Petersbürg mitnehmen sollte. Und so ging die Arbeit fort, Tag um Tag. Vor der geliebten Mutter aber suchte Herzl seinen Zustand zu verschleiern. Ihre mahnenden Zuschriften, sich zu schonen, beantwortet er in beschwichtigenden Episteln. ך* -י..... <־־״"... '*■JA('**■/' k׳ 'Jv*S ״•' m . 6.1 A״.', / ÄW״« ***~~>f /iU* *-*'•** ״־־׳׳ : . 6 : *V-vAm ־>*׳״«-. »**)#י; £^nf**&**&9 €t -4* 4»׳. yL*4vt«. V W fiJL**~ ■: *xMA. ',Jj ' ׳ ־. . . 'AwZ™'* TI ״״־י־־־ א .44 4VI 3 d' ׳ J*r' ' \te A%4, * '*,׳ / , /. * י־ י W»Wu». ♦•'*4-"״4; ׳*«? JL^U%a. /.׳ ׳ «י‘^; ־ .■ . / 1; ' ־־/ , t Ww-wt/fc*, ־“Wv י''׳ י ' ■י־ ' ' ' ..jT.... ****<<«»*( Mehrere davon haben schon vor Jahren den Weg in die Oeffentlichkeit gefunden. Heute — zu Herzls Jahrzeit — möchte ich einen weiteren Beleg, seinen Bericht vom 5. Mai an die Mutter, beisteuern. Auch liier prahlt Herzl mit der unermeßlichen Langeweile, der er sich müßig hingebe und die ihm so wohl tue; auch hier zeigt er sich um Mutters Befinden freundlich besorgt. Und doch kann er den Seufzer Aus dem ungarischen Oberhaus A. F., Budapest, 25. Juni In der letzten Woche brachte der gewesene Staatssekretär Bela von Pronay während der allgemeinen Debatte im Oberhause die Judenfrage zur Rede. ״Die Pfeilkrcuzier wollen dieses Problem durch Einschlagen der Köpfe lösen“, sagte er, ״die Liberalen wieder nennen jeden, der die Existenz dieser Frage zugibt, einen Antisemiten. Beide haben unrecht. Die Mittel der Lösung liegen in den Händen der Juden selbst. Sie selbst müssen das Hineinströmen unerwünschter Elemente aus Galizien und Deutschland verhindern.“ Das Kapital, das eine egosemitische Politik betreibe, dürfe sich nicht wundern, daß das Schlagwort des Antisemitismus bei der Jugend seine Wirkung nicht verfehlt. (Zustimmung in der Mitte.) Sollte das mahnende VVort der Regierung nicht genügen, so darf mail auch vor einer gesc'.riichcn Einmengung nicht zuriickschreckcn. Die jüngsten Publikationen der sogenannten ״Dorfforschung“, ebenso die Hetze gegen den Grundbesitz (die überhaupt nicht von Juden betrieben wird — A. d. Korr.), schüren den Antisemitismus, denn man behauptet, daß die Juden einen Keil zwischen die einzelnen Schichten des Grundbesitzes treiben wollen. In ahnlicliem Sinne äußerte sich Dechant J. K e s z. 111 e 1 z i. Beiden antwortete das jüdische Oberhausmilglied Dr. Ludwig Lang. Heute werde gegen das mobile Kapital gehetzt, morgen gegen das immobile, heute gegen eine Konfession, morgen gegen alle positiven Religionen: er vermisse gegen solche Bestrebungen die starke Hand der Regierung. Auch andere Redner äußerten sich zur Judenfrage, darunter der evangelische Bischof Ladislaus Ravasz, der gegen jeden Extremismus sprach. Inzwischen hat der jüdische Abg. Fabian im Abgeordnetenhaus wegen verschiedener antisemitischen Vorfälle interpelliert. Solche Vorfälle ereignen sich! sowohl in der Provinz, als auch in Budapest, wo nacht* lidierweise jüdische Gebäude mit Steinen beworfen wurden« * Unser Pariser K.-Berichterstatter schreibt: Der ״T c m n s“ bringt einen ausführlichen Artikel seines ungarisehen Berichterstatters über die Lage der ungarischen Juden. Der Berichterstatter stellt fest, daß die antisemitische Welle in Ungarn in einem stetigen Wachsen begriffen ist. Der Grund sei der wirtschaftliche Aufstieg einiger jirdischer Familien der Großbourgeoisie. Die antisemitische Bewegung in Ungarn sei zersplittert; es gibt nicht weniger als 77 Gruppen, die unter den verschiedensten Bannern kiimpfen. Einige dieser Gruppen dehnen ihre Kampfbasis auch in Richtung auf die ungarischen Großgrundbesitzer aus und verlangen die Enteignung des Latifundienbesitzes über 11400 ha. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Ungarn beträgt zur Zeit 450 000, d. s. 5 0‘׳ der ungarischen Bcvölkerung. In der Flauptstadt Budapest beträgt der Anteil der jüdischen Bevölkerung 20 °0. Die Darstellung der starken wirtschaftlichcn Position der Juden in den antisemitischen Schriften sei einseitig. Wenn es einigen Familien gelungen ist, Reichtum zu erwerben, so gehört die Masse der jüdischen Bevölkerung in Ungarn dem kleinen Mittelstand oder sogar dem Proletariat an. Die ungarische Regierung habe in ihren offiziehen Erklärungen das Bestehen einer Judenfrage in Ungarn anerkannt; sie habe aber versucht, das Problem auf das richtige Ausmaß zurückzufiihren. Sie wird den Versuch unternehmen, den wirtschaftlichen Einfluß der Juden zurückzudrängen. Vor allein habe Ministerpräsident Daranyi die Absicht, ein weiteres Wachsen der jüdischen Bevölkerung durch: Einwanderung energisch zu verhindern. von den ״durch all die große Arbeit etwas ermüdeten Nerven“ nicht unterdrücken. Der lapsus calami ״Dein Brief“ statt ״Deinen Brief“ bei dem sonst so tadellosen Stilisten verrät den Grad seiner Ermüdung. Schon war der Verfallprozeß zu sehr vorgeschritten, Auch Franzeusbad konnte da nicht mehr helfen. Am 16. Mai brechen die Aufzeichnungen in Herzls Tagebuch jäh ab. Er sucht Heilung durch eine Liegekur in Wien und wird von hier nach Sanatorium Edlach gebracht, wo ihn der Tod ereilt. Die müden Nerven rissen und das hochgemute Flerz brach ... Dr. E. M. Zweig, Jerusalem Polizeistunde in Czenstochau ln Czenstochau wurde die Polizeistunde für 9 Uhr abends festgesetzt, obwohl nach den Unruhen der letzten Tage allmählich wieder normale Zustände cintreten. Auch der Verkauf alkoholischer Getränke wurde poliz c i 1 i c h verboten, ln den verwüsteten jüdischen Stadtteilen sind die Wiederherstellungsarbeiten in vollem Gange. Die jüdische Gemeinde hat bereits 400 Geschädigte registriert. Zahlreiche Personen wurden bisher verhaftet, weil in ihrem Besitz geplündertes Gut gefunden worden ist. Die Unruhen haben inzwischen auf die bei Czenstochau gelegenen Ortschäften Klobuck, Krcepice und Kamiensk übergegriffen. Viele jüdische Läden wurden demoliert. Die Zentrale der ״Judenstaatsparfei“ in Tel Aviv bittet uns in einer Zuschrift infolge von Anfragen, die die Partei aus Deutschland erhalten hat, festzustellen, daß die sogenannte ״staatszionistische Partei“ keine wie immer geartete Verbindung weder organisatorischer noch ideologischer Natur mit der Judenstaatspartei hat. Die äußerliche Aehnlichkeit des Namens habe zu vielen Mißverständnissen geführt. Die ״Judenstaatspartei“, die 1933 (nach der Abspaltung vom Re- Visionismus) gegründet wurde, ist ein integraler Bestandteil der Zionistischen Weltorganisation und in allen Gremien derselben vertreten und betrachtet sich, wie die Zuschrift weiter ausführt, als die ״einzige organisierte Opposition innerhalb der Zionistischen Weltorganisation“. Sie führt aber ihren Kampf ״innerhalb der Bewegung, anerkennt die Rechte der Majorität, beteiligt sich an der Durchführung der Kongreßbeschlüsse und bekämpft jede separatistische Tendenz“. Notizen aus Holland Von unserem Berichterstatter RL. Den Haag, 27. Juni In den ersten Juüfagen findet in Amsterdam der inter* nationale Kongreß der ״World Union 101 Progressive Judaistn' statt, zu dein Vertreter des liberal-religiösen Judentums aus England, Britisch-Indicn, Frankreich, Schwellen, Deutschland, Danzig, Oesterreich, den Vereinigten Staaten und Holland Zusammenkommen sollen. Haupttliema der Verhandlungen ist die Frage der organisierten Religion im modernen Leben. Die ]üdische jugendföderatiem, in der die zionistische Jugend Hollands organisiert ist — die Mitglicderzahl__ beträgt etwa 1700 — veranstaltete in Amersfoort ihren 15. Landtag, an dem mehr als 1090 Jugendliche versammelt waren. Es wurde u.a. ein Theaterstück ״Wenn ihr Jerusalem verlaßt“ unter Regie von Erich Schönlank aufgeführt. Der JNF.• Kommissar Dr. A. van Raalte überreichte den JNF.-Wimpel, der jeweils der Gruppe zusteht, die die besten Leistungen für den JNF. aufzuweisen hat, dem ״Hannoar“ in׳ Amsterdam. Die Jüdische Jugendföderation veranstaltet auch in diesem Sommer wieder Camps für Jungen und Mädchen, Der neue Oberrabbiner des Ressorts Nordholland wurde in Haarlem in Gegenwart eines Vertreters des Kommissars der Königin und zweier Stadträte von Haarlem in feierlicher Sitzung und anschließendem Gottesdienst in sein Amt eingeführt. Anwesend waren alle holländischen Oberrabbincr und Vertreter der Ned.-Isr. Kerkgenootschap. Oberrabbiner Ph. Frank, der jüngste der Rabbiner Hollands, bekannte sich in seiner Antrittsrede zur traditionellen jüdisehen Lebensform und verlangte Vertiefung des jüdischen Lebens. Der bedeutende Elektrotechniker Prof. Clarence Feldmann wurde gelegentlich seines Rücktritts vom Amt des Professors ari der Technischen Hochschule in Delft, an die er im Jahre 1905 aus Darmstadt berufen worden war, von den Vertretern der Wissenschaft und Technik außerordentlich geehrt, und auch die holländische Presse feierte seine Bedeutiiiig für die Elektrotechnik. Prof. Feldmann wurde in New York als Sohn aus Deutschland stammender Juden geboren und in Deutschland erzogen und ausgebildct. Der Dieb Einer wahren Begebenheit frei nadierziihlt Von Hermann Sinslicimer Die jüdische Siedlung, von der hier die Rede ist, liegt mitten im ״Arabischen“. Kleine, brave Leute sind diese Araber, arme Fellachen, die von der Hand in den Mund leben. Die Hand aber, die Mund und Magen zu versorgen hat, unterscheidet meist nicht lange, ob sie dies durch ehrliche Arbeit tun soll oder durch unehrliches Zugreifen, das schließlich und endlich auch eine Art von Arbeit ist ־und oft nicht weniger schwer als jene, die sieh ehrlich nennt. Denn es ist gar nicht so einfach, zwischen Tag und Dunkel sich durch den Wald zu stehlen bis zu den Hausern der jüdischen Siedlung, hier dem oder den Wächtern ein Schnippchen zu schlagen, in ein Haus oder ein Magazin einzusteigen und dann, alle Hände voll — nämlich voll ־von Konserven, Fleischwaren oder auch einem Säckchen Mehl —, wieder in die heimische Hütte ungestört zurückzufinden. Diebstahl? Hat Allah nicht alles für alle geschaffen? Und haben die jüdischen Siedler, auch ohne jene paar Konservenbüchsen, Fleischstüeke oder paar Pfurid Mehl, nicht immer noch genug? Unter den Arabern war einer, Mahomed mit Namen, den die Leute in der Siedlung alle gern hatten, insbesondere die Kinder. Mahomed war ein sUiinmiger Bursche, etwa ,um die Dreißig herum, athletisch, gutmütig, selbst ein großes Kind, immer guter Laune, auch an den nicht eben seltenen Tagen, wo er nichts zu arbeiten und infolgedessen auch nichts zu essen hatte. Dann eben pflegte er in die Siedlung zu kommen und ׳zuzuschauen, wie dort alle, jeder an seinem Platz, arbeiteten, und natürlich auch zu schauen, ob für ihn nicht etwas Eßbares abfiel. Auch daran ließ er es nicht fehlen, sich zur Mitarbeit anzubieten, aber man hatte ja jüdische Kräfte genug, und man ließ sich zwar den immer fröhlichen und freundlichen Mahomed als Schlachtenbummler und Zuschauer gefallen, auch als gelegen(.- liehen Gast beim Essen und Trinken, aber Arbeit, regelmäßige und bezahlte Arbeit hatte man nicht für ihn. Dabei stieg der häufige und interessierte Besucher in den Rang eines Lieblings der Siedlung auf, Man hatte und sah ihn gern, und es gab zwischen ihm und den jüdischen Siedlern keine nationale oder religiöse ״Frage“. Mahomed war eben Mahomed — arm, aber ehrlich, ein Hüne, aber arbeitslos. Den Kindern zeigte er gern seine Kräfte und allerhand primitive Künste; sie lernten von ihtn einige arabische und er von ihnen ein paar hebräische Brocken. Wie er mit der Zeit sieh sein eigenes Arabo-Iwrith aneignete, das für fast tiefsinnige Unterhaltungen hinreichte, mußte den Reiz, seiner Persönlichkeit nur noch erhöhen. Den Kindern war er der große Freund, den F.rwachsenen geradezu die Verkörperung des von allen so heiß ersehnten guten uncl freundnachbarlichen Einvernehmens mit den Arabern. Aber mit der Zeit stellte sieh auch noch ein weiteres mit immer unverkennbarerer Deutlichkeit und Regelmäßigkeil heraus: war Mahomed am Tag da, dann wurde gewohnlich in einer der folgenden Nächte die .Siedlung von einem Dieb heinigesucht. Gewiß, cs wurde nicht viel und nichts Großes gestohlen, aber schließlich häuften sich die Diebstähle, und man war genötigt oder sogar verpflichtet, die Polizei mobil zu machen — itn Interesse der allgemeinen Sicherheit. Als ein Chawer, und vollends derjenige, der am bereitwilligsten und häufigsten sein Essen mit Mahomed zu teilen pflegte, zum erstenmal den Verdacht aussprach, daß dieser vielleicht der Dieb sein könnte, stieß er auf allgemeinen Unglauben und sogar Unwillen. Der arme, aber ehrliche Mahomed ein Dieb? Unmöglich! Es kamen ja noch andere Araber gelegentlich in die Siedlung, andere und ganz anders geartete als ״unser“ Mahomed, der, wie ein Chawer aus Berlin beteuerte, so ״goldrichtig“ war. Diese anderen natürlich kanten, um Gelegenheiten zum Stehlen zu erkunden, denen mußte man sich auf die Fersen setzen und auf die Finger sehen — aber Mahomed? Ausgeschlossen! Gleichviel — eines Tages kam (gerufen, ungerufen?) ein Mann von der Polizei. Er hatte, obwohl er in der ersten Blütezeit seines Lebens einmal Chemie hatte studieren wollen, seinen Beruf ganz und gar nicht verfehlt. Denn sein bloßes Erscheinen, schon die Art seines Auftretens, die Bestimmtheit und Zielsicherheit seiner Fragen und seiner gesamten Auskundschaftung war geeignet, ein Gefühl der Sicherheit zu erzeugen. Er machte kein Gesicht, wie man es von Detektiven in amerikanischen Filmen gewohnt ist, er runzelte auch nicht, wie diese, die Stirn, hob nicht den zur Protokollierung von Zeugenaussagen gezückten Bleistift nachdenklich an die Lippen, sondern tat von allem Anfang an so, als ob der, bzw. die Diebstähle längst aufgeklärt wären und er eigentlich nur zu dem Zwecke gekommen sei, uni dieser Aufklärung sozusagen den polizeiamtlichen Sternpel aufzudrücken. Jeder von den Chawerim hatte seinen Sonderverdacht und sprach ihn vor dem Beamten aus. Der Name Mahomeds fiel dabei zwar besonders häufig, aber nur um den netten und gewissenhaften Funktionär der öffentlichen Ordnung und Sicherheit davor zu warnen, eine todsicher falsche Spur zu verfolgen. Jener eine Chawer, der kürzlich den häßlichen Verdacht gegen den armen, aber ehrlichen Mahomed geäußert halte, tat das Beste, was er tun konnte: er schwieg! Um so seltsamer wirkte es, daß der Beamte gerade ihn bat, ihn bis zum nächsten Araberdorf zu begleiten und ihm, wenn cs notwendig sein sollte, die Hilfe zu leisten, zu der jeder ordentliche Bürger der Polizei gegenüber verpflichtet ist. Die Mißbilligung dieser Wahl des Beamten war allgemein, denn jeder fürchtete nun, daß sein höchst persönlicher Verdacht, den er natürlich für den allein begründeten hielt, nicht genügend berücksichtigt werden und somit der Dich unentdeckt bleiben könnte. Auch argwohnte der eine oder andere, es könnten dem armen, aber ehrlichen Mahomed Unannehmlichkeiten entstehen. Aber schließlich einigte man sich darauf, daß ein Blick auf seine so vertrauenswürdige Erscheinung genügen würde, um den so vertrauenswürdigen Beamten von seiner Unschuld zu überzeugen. Dieser kriminalistisch geschulte Mann war ja nicht von heute oder gestern und wußte gewiß sofort, woran er war mit dem guten Mahomed, so wie man es ja auch selber wußte... Also ließ man den Dingen ihren Lauf und ging zurück an die Arbeit. — Da diese Geschichte nicht den Ehrgeiz hat, zum spannenden Genre der Kriminalliteratur zu gehören, weiß bereits jeder Leser, was für eine Ucberraschung der Siedlung am Abend bevorstand, als der Begleiter des Polizeimannes von seinem Hilfsdienst zurückkehrte: Mahomed w׳ar nicht nur der Diebstähle schlüssig überführt, sondern auch geständig. Eis waren in seiner armseligen Behausung noch allerlei Reste von gestohlenem Gut gefunden und es war auch sogar festgestcllt worden, daß er mit der Beute, nach Stillung seiner eigenen Notdurft, einen wenn auch kümmerlichen Handel getrieben hatte, d. 11., 11m genau zu sein und den armen, aber ehrlichen Mahomed nicht schlechter zu machen, als er war: den Handel hatte seine Mutter getrieben, die Aerniste unter den Armen — um eines Notgroschens und Zehrpfennigs willens. Der tüchtige Beamte, als einstmals angehender Chemiker mit Analysen, auch solchen von Charakteren, nicht unvertraut, hatte die halbblinde Mutter in Ruhe gelassen, Mahomed aber fürsorglich mitgenommen, um den zur Gänze geklärten Fall zur alsbaldigen Aburteilung vor den Richter zu bringen. Dem Chawer, der dies alles erzählte, nicht ohne dabei den Triumph des Rechtgehabthabens auszukosten, wurde wenig Ehre und Anerkennung für seinen polizeilichen Hilfsdienst und seine gute kriminalistische Nase zuteil. Wie sonderbar nun einmal die Menschen sind, wandten sich die Sympathien fast ungeteilt dem wenn nun auch nicht mehr als ganz arm und ehrlich erkannten Mahomed zu und seinem Mütterchen, von dem er manchmal so rührend zu erzählen gewußt hatte. Als dann zwischen dem Abend-

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