Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1937)
- Date
- 1937-06-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653673--30905-2685482- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 50, 25. VI. 1937 Die Ernährungslage Sn Palästina Ergebnisse einer Studlenfahrt Von Heti Hörwitz-Schiller Die Verfasserin gibt nachstehend Eindrücke von einer diätetischen Studienreise wieder. Ausführlicher wird sie dieses Thema im Rahmen der in Wien erscheinenden Zeitschrift ״Palästina“ behandeln. (Red.) Die starre Fortführung unserer Eßtradition führt im Orient zu erheblichen gesundheitlichen Nachteilen; leider beweisen die immer noch zu hohen Ziffern der an Azidose und Nierensteinen Leidenden, wie sehr eine dem Lande richtig angepaßte Kost not tut. Andererseits ist anfangs weitgehende Vorsicht geboten wegen der bestehenden Infektionsgefahr durch die Nahrung und die dadurch sich entwickelnden Magen- und Darmstörungen. Länger ansässige Menschen erliegen den typischen Danninfektionen weniger leicht als Neuankömmlinge, weil sie bereits Antikörper in sich haben, die natürlichen Schutz und Immunität verleihen. Der Körper Von Neucinwanderern kann erst allmählich mit der Bildung solcher Antikörper folgen. Die in vieler Hinsicht andersartige Küchenführung erscheint mancher Hausfrau zunächst schwierig, doch bald gewohnt sie sich an alles, — auch an den Primusherd. Auf dem Markt erhält man, was man braucht. Die arabische Ware ist zwar billiger, aber schlechter gepackt und aussortiert. Da man gequetschte Früchte nicht mehr desinfizieren kann, mul) hierauf geachtet werden. Früchte, die nur einen kleinen Schnitt haben, sind bereits am nächsten Tag verdorben. Out disponieren wird deswegen zur Kardinalfrage. Da Früchte, besonders Orangen und Orapes, unvorstellbar billig sind, könnte zur Zeit der Orangenernte aus den Früchten noch viel mehr herausgeholt werden. Orangen- und ürapefruchtinarmelade wird von manchen noch nicht geschätzt; der Engländer ilit sie täglich. Selbst als Hühnerfutter bewähren sich die Orangen ausgezeichnet! Es gibt sehr viel Cha/.ilim (Auberginen) und Kussa, beides gurkenähnliche Früchte, die sehr gut schmecken und in vielerlei Abwandlungen zuzubereiten sind. Auch Oliven — billig und nährwertreich — können einer Speise immer wieder ein anderes Gesicht geben und sind in verschiedenster Form zu verwenden. Durch die Scheu, ungewohnte Landesprodukte in die Tageskost aufzunehmen■, entsteht eine gewisse Eintönigkeit in! Verpflegungsplan. Denn neben 51er Einstellung auf neue Produkte und Gerichte läßt die Hitze eine gewisse Indolenz aufkommen, aus der heraus Konserven, Backobst und Schnellgerichte, wie gebratene Leber allzuoft auftauchen. Mit einer angepaßteren Kost ist in Wirklichkeit aber gar nicht mehr Mühe verbunden; vielmehr handelt es sich um die Kenntnis und Beherrschung bestimmter technischer Einzelheiten. Die Hygiene-Institutionen der Wizo, Histadruth und Strauss-Gesundheitshäuser der Hadassah vermitteln solche Kenntnisse,- durch dje die Eingewöhnung erleichtert wird. Der landwirtschaftliche Betrieb hat naiQ'rlieh das Bestreben, die sdbstcrzeugten Produkte weitgehend zu verwenden. Man hört jedoch in Siedlungen die Mädchen klagen, daß es zur Erntezeit bestimmter Gemüse- und Obstsorten diese wochenlang in gleicher Form gäbe. Hier tun die Instruktorimicn der Wizo ihr Bestes, darin allmählieh durch Unterweisung Wandel zu schaffen. Dreimal im Jahre ist verschiedenartige Gemüseernte. Um bei den einzelnen Ernten die Verwendung der Produkte des Eigenbetricbes zu demonstrieren, erscheint die Instruktorin jedes Jahr zu einer anderen Erntezeit, um alle Produkte zu erfassen. Eine Ernährungskommissiori plant auch die Errichtung von Modcllküchen in den Kwuzoth. Als das einflußreichste Werkzeug, eine nachhaltige Wirkung für die Zukunft entfalten zu können, wird aber die Schule angesehen. Was die Kinder den Müttern zu Hause zwanglos berichten, fällt am leichtesten auf aufnahmebereiten Boden. Die zur Verfügung stehenden Geld mitfei der Kwuzotli und Kibbuzim sind sehr genau eingeteilt. Was zusätzlich gekauft wird, muß sorgsam ’auskalkuliert werden, und es wird viel Ueberlegung aufgebracht, den Verpflegungsplan aufzustellen. In der Küche dominiert unbestreitbar der osijüdische Geschmack (stark gewürzt, sehr fett, viel Fleisch, Wurst, Geflügel, Konserven und Eier — und eine falsche Einstellung zu der Bedeutung von Gemüsen und Salaten). Mit dieser Küchenfülming hat man unrecht, sie ist in der heißen Zeit für den europäisch gewöhnten Magen viel zu schwer; es ist ein harter Kampf, die Notwendigkeit einer Milch-, Obst-, Gemüsekost klarzumachen. Weniger Fleisch bedeutet noch immer: ״schlecht׳‘. Nun sagen manche, daß der Schwerarbeiter Fleisch unbedingt brauche, um sich kräftig und voll arbeitsfällig zu fühlen. Maßgebende Stellen und Aerzte versichern, daß dies nach allen gesammelten Erfahrungen für palästinensisches Klima nicht zutreffend sei. Es gibt übrigens bereits mehrere vegetarisch geführte Restaurants und ein von einer Amerikanerin eingerichtetes Sanatorium, die sehr gut besucht sind. Die viel schmackhafter« Gemüsezubereitung im Dunstverfahren wird noch selten, meist nur in amerikanischen Kreisen gchandhabt; dabei 1>t sie denkbar einfach. Auch der Lebben, eine Yoghurtart, der durch seine Säurebakterien in sehr günstiger Weise die Darmflora beeinflußt und Störungen heilt, sollte in der Tageskost seinen ständigen Platz haben. Hülsenfrüchte sind in der heißen Zeit zu schwer verdauMch, und im Kibbuz deshalb im Sommer vom Küchenzettet zweckmäßig zu streichen. Da Kartoffeln importiert zu teuer sind und beim Selbstziehen viel Mühe und Wasser brauchen — das auch kostspielig ist —, könnten sie vollwertig durch Landesprodukte wie Sago, Burgul (Grütze) und dergleichen ersetzt werden. Aehnliche Verhältnisse wie die ländlichen Verpflegungsbetriebe zeigen die städtischen Massenspeisungen für Arbeiter und Studenten. Auch die Mehrzahl der städtischen Restaurants bevorzugt stark die Tendenzen einer zu stark gewürzten, fetten Fleischküche mit stiefmütterlich behandelten Ocmiisegerichten. Sie geben sich Mühe, der Verpflegung ein europäisches Gesicht aufzuprägen, und lassen nur selten und wenige palästinensische Produkte und üerichte auf der Speisenkarte erscheinen. Es ist zuzugeben, daß sie sich dabei in einer gewissen Zwangslage befinden. Wenn der größte Teil des Publikums eine solche Ernährung weiter vorzufinden wünscht, ist es für den Restaurateur ein Wagnis, sich auf eine andere Kost umzustellen — obwohl dies nicht in krasser Fonri notwendig wäre. Hier Wandel zu schaffen, heißt den Hebel vor allem am Konsumenten ansetzen. Verlangt er selbst nach leichterer, angepaßterer Kost, so muß und wird der Restaurateur folgen. Psychologische Momente sind überhaupt ein oft unüberwindliches Hindernis. Von der Lehrküche des Strauss-Hauses werden für den Herstellungspreis von 2 Piaster pro Portion die Mittagsmahlzeiten an das Ein- Das ״Kleine Politische Debatten Das Kleine A, - C., das am 21. Juni zusammentrat, ernannte zu Mitgliedern des ״Kleinen Administrative Com- ,mittee der Jewish Agency“: Vertreter derNichtzionisten: Magnes, Schioessinger, Novomeisky, Smilansky, Viteles, Julius Simon, Pinner, Ernst Kahn; Vertreter der Zionisten: Ussischkin! Dr. Bernstein, Rabbi Gold, Locker, Remez, Rubaschow, Sprinzak, Glickson, Schocken. Nach Anhörung eines politischen Referats von Schertok schritt das Kleine A.-C. zur Debatte über die politische Lage. Redner waren Ussischkin, Dr. Bernstein, Shragai, Tabcnkin und Blumenfeld. In der Nachmittagssitzung wurde die politische Debatte fortgesetzt. Redner waren Ben Zwi, Idelsohn, Farbstein, Remez, Neufeld, Bentov, Shragai, Lichtheim, Ussischkin und Schertok. Abends trat das Kleine Administrative Committee zu seiner ersten Sitzung zusammen, in der die Herren Schertok und Kaplan über die politische Lage bzw. über Finanzfragen referierten. Nach den Referaten fand eine Debatte über die politische Lage statt, an der sich die folgenden Herren beteiligten: SmiTansky, Dr. Senator, Remez, Ussischkin, Dr. Ruppin, Sprinzak, Grünbaum. Gegen Teilung des Landes Die Oberrabbiner Palästinas und eine große Reihe führender Persönlichkeiten des Jischuws haben folgenden Aufruf erlassen: , ״*Wir proklamieren unseren endgültigen festen Standpunkt gegen jeden Vorschlag, der das Gebiet Palästinas einschränkt oder verkleinert, und gegen jede Teilung des Landes. Das jüdische Volk hat während tausender Jahre der Galiflh niemals seine Rechte auf sein Vaterland aufgegeben und wird keinen Fußbreit palästinensischen Bodens aufgeben. Wir verkünden nachdrücklich die vollen ewigen Rechte des jüdischen Volkes aut sein Vaterland in seinen historischen Abdullah lobt den Zionismus Das ägyptische Blatt ״La Patrie“, das in französischer Sprache in Kairo erscheint und der ״Wafd“-Partei nahesteht, veröffentlichte — laut ״Palcor“ — die folgende Erklärung, die Emir Abdullah bei seinem gegenwärtigen Besuch in der Türkei in einer Unterhaltung mit einem türkisehen Journalisten abgegeben haben soll: ״Der Gedanke einer Teilung Palästinas — so sagte der Emir — ist nicht neu. Hätte man ihn mir vorgescnlagen, so erklärte der Emir weiter, so hätte ich ihm zugestimmt, selbstverständlich wenn die Zionisten einverstanden gewesen wären, daß ich den Thron der Könige Israels bestiege. Man muß dem Zionismus Anerkennung dawandererheim geschickt. Die liier gesammelten Beobachtungen waren recht überraschend. Während der ostjüdische Mensch sich nicht bewegen lassen will, von der altgewohnten, aber hier nicht angebrachten Zubereitungsform zu lassen, wünscht der Einwanderer aus Deutschland zäh, die ihm gewohnten und liebgewordenen Lebensmittel vollzählig vorzufmden. Rosenkohl und Kartoffeln sollen es sein — ungeachtet ihres unverhältnismäßig hohen Preises. Gemüse der Jahreszeit kostet durchschnittlich nicht mehr als 3 Piaster (entspricht ungefähr 40 Pf.) das Rottel (ca. 3 kg). Auf ausländische Gemüse, die durch den Import wesentlich überteuert sind, zu verzichten, heißt am Import sparen helfen. Chazilim, Kussa, Kürbis, Oliven und andere billige Landesfrüchte werden durchaus noch nicht akzeptiert; und kalte, saure Gemüsesuppen, die wunderbar durststillend sind, finden betrüblicherweise auch keinen Anklang! Dafür wird gebieterisch nach Wurstwaren, Geflügel und Fleisch verlangt. Die Fleischereien — bereits durchweg mit einwandfreien Kühl- Vorrichtungen ausgestattet — bemühen sich, ebenfalls europäischen Wünschen zu entsprechen. Bei koscherer Küchenführung sind die Fleischverwendungsmöglichkeiten sogar größer als in Europa, weil das ״Hinterviertel“ auch ge- PALÄSTINA IN LICHTBILDERN Die aktuellsten Bilderder letzten Monate mit ausführlichem Baglaltyortrag von Dr. E. Mschnsr, Tal Aviv Feste — Hafenbau — Städtebau — Archttaktan — Musik und Theafar - Auf dam Land Klbbusch Awodah — Neue Siedlung (HULE) Bildbericht 5697 Nr. 4 ...... SO Bilder RM 4,- Zu bazithon g«g«n Voreinsendung de• Betrag«• durch den KEREN KAJEMETH LEJISRAEL Berlin W15, Meinekastr. 10. Postscheckkonto Berlin 282 47 kaschert wird. Hamme! ist knapp, weil er viel von Arabern gegessen wird, Kalb sehr teuer durch den Import. Nicht nur aus klimatisch-gesundheitlichen Gründen, sondern auch im Interesse einer Hebung der passiven Handelsbilanz ist der Fleischkonsum jetzt jedoch noch als viel zu hoch anzusehen. Als ״leichte“, für heißes Klima geeignete Ernährung erscheint die Iactovegetabile Kost form am zweckmäßigsten. Darunter ist zu verstehen, daß Gerichte von Gemüsen, Früchten — im eigenen Saft gedünstet —, Milcherzeugnisse aller Art, Getreideprodukte una Teigwaren im Vordergrund stehen. Die rituelle Küchenführung wäre bei dieser Verpflegungsform auch sehr erleichtert. Fleischgerichte sind gekocht resp. gedünstet besser bekömmlich als gebraten; denn jede Fettzugabe erhöht den säuernden Charakter einer Speise. Auch die stark eiweißhaltigen Nahrungsmittel — durch Fleisch, Hülsenfrüchte und Eier repräsentiert —• haben einen solchen säuernden Effekt, daneben erzeugen sie besonders viel Wärme im Körper. Sie sind also mehr Nahrungsmittel eines kälteren Klimas. Gemüse und Früchte bilden hierzu durch ihren gegensätzlichen mineralischen Gehalt den notwendigen Ausgleich; außerdem sind sie auch die Träger der Vitamine. Würzen und Pfeffern der Speisen erzeugt ein noch stärkeres Durstgefühl, als es ohnehin in der Hitze auftritt. Die Trinkfrage wird verschieden beurteilt. Durch den starken Wasserverlust braucht der Körper zweifellos viel ersetzende Flüssigkeit; auch scheint das sehr mineralhaltige Wasser die Bildung von Nierensteinen erheblich zu begünstigen. Die Getränke der Wahl sollten deshalb Tee, Lebben und Miz (das sind frisch ausgepreßte Fruchtslfte, die ganz billig sind) sein. Nicht Gasoß, aas durch seinen Kohlensäuregehalf einen Reiz auf die Magenschleimhaut ausübt. An Chamsintagen hat A.-C“ berät Grenzen und lehnen jede Zustimmung zu einer Teilung oder anderen unsere Rechte beeinträchtigenden Vorschlägen ab.“ gez. lizehak Eisik Halevi Hertzog, Oberrabbiner von Palästina; Jacob Meir, Oberrabbiner der Scfardim Palästinas; Mosche Avigdor Amiel, Oberrabbiner von Jaffa und Tel Aviv; Benzion Meir Usiel, Oberrabbiner von Jaffa und Tel Aviv; Rabbi Jacob Jehuda Halevi Hoffmann; für das Zentralkomitee des Weltmisrachi: Rabbi Seew Gold, Mosche Schapiro, Rabbi Neufeld; für das Zentralkomitee der Allgemeinen Zionisten: Jehoschua Suprasky, Dr. Cliaim Bogratschoff, Fritz Bernstein; für die Weltexekutive des Hapod Hamisrachi: Sz. Shragai, Rechtsanwalt R. Gafni, J. Grünberg; für die Weltexekutive der Judenstaatspartei: Dr. H. Rosenblum; der Präsident der sephardischen Gemeinde Jaffa- Tel Aviv: M. D. de Piectoto; der Präsident des Zentralkomitees der Jemeniten: Z. Qlusko; Bürgermeister Israel Rokach; Daniel Sirkis, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Jaffa-Tcl Aviv; Daniel Auster, Vizebürgermeister von Jerusalem; Schlomo Stamper, Bürgermeister von Petach Tikwahj Jehuda Gorodiski, Vorsitzender des Koionierates von Rechowoth; Schlomo Meirson. Vorsitzender des Kolonierate« von Chederah; Elijahu Ostschinsky, Vorsitzender des Koionierates von Kfar Saba; Abraham Krinizi, Vorsitzender des Rates von Ramat Gan; H. Farbstein, Vizepräsident des Zionistischen Aktions-Comites; Rabbi Mosche Ostrowsky, Mitglied des Waad Leumi; D. Z. Pinkas, Stadtverordneter von Tel Aviv: Dr. Max Bodenheimer; Universitätsprofessor Dr. Josef Klausner; Dr. Chaim Yasski, Direktor der Hadassah; Mordechal K. Kaspi, lettläadischer Konsul. Der Präsident des Jüdischen Nationalfonds und des Zionistischen Aktions-Comites, M. M. Ussischkin, hat eine Reise durch alle jüdischen Siedlungen des Landes unternommen, um zum Widerstand gegen die Pläne einer Zerreißung Palästinas aufzufordern. In Newe Chajim bei Chedera nahm Ussischkin an der Einweihung einer nach ihm benannten Straße teil. für ausdrücken, daß er ein wüstes Land in ein Paradies verwandelt hat.“ Zu der jüdisch-arabischen Frage in Palästina drückte der Emir sein Bedauern aus, daß die beiden Völker, die Juden und die Araber, die zur gleichen semitischen Rasse gehören, zu keiner Vereinbarung gelangen. ״Ich bin sicher, daß sich schließlich ein Weg zur Wiederherstellung des Friedens in Palästina finden wird!“ Auch das zionistische Wochenblatt ״l’Aurore“, das in Kairo erscheint, druckte diese Erklärung Emir Abdullahs mit einer weiteren Bemerkung des Emirs ab, daß Palästina zu klein sei für die Aufnahme des ganzen jüdischen Volkes; es sei jedoch im Lande Platz für weitere 2—3 Millionen Juden vorhanden. (Palcor.) man ein unendliches Trinkbedürfnis, das man nach Mög״ lichkeit mit diesen Getränken befriedigen soll. Fruchtsäfte werden von magen- und darmempfindlichen Menschen im übrigen oft besser vertragen als die ganze Frucht. In der Mittagshitze ist der Appetit oft gering; man beobachtet häufig eine günstige Umlegung der Mahlzeiten, wobei mittags nur Kaltes gereicht wird, und erst abends, wenn es bereits kühler geworden ist, die warme Hauptmahlzeit genommen wird. Gerade für eine solche Anordnung bewähren sich mittags die Sauermilch-, Salat- und Obstgerichte. Morgens wäre ein Frühstück aus dunklem Brot, Früchten, Miz, Lebben, Butter und Orangenmarmelade in heißen Tagen als bekömmlich vorzuschlagen. Es empfiehlt sich, die gesamte Ernährung kalorisch mäßig zu halten; hierfür gibt es selbstverständlich keine Norm, sondern es muß die Tätigkeit des Einzelnen dabei berücksichtigt werden. Je schlichter die Tageskost außerdem estaltet wird, um so weniger Störungen werden auftreten, a dem Körper dadurch stoffwechselmäßig weniger Arbeit zugemutet wird. Mit einer derart eingestellten Ernährung kann man gut leben, genau so wie in Europa. Sie ist nicht kompliziert, sondern will im Gegenteil zur Schlichtheit zurückfinden und ist deshalb ln gleicher Weise als Kinderkost geeignet. Sie ist der Diätform nicht unähnlich, die als ״Schonkost“ bezekhnet wird; und ich möchte annehmen, daß eine so schlichte Ernährungsform nicht nur in kranken Tagen geübt werden, sondern täglich den Körper schonen sollte. So könnte der Zustand erledigt werden, daß fast jeder Dritte an irgendwelchen stoffwechselmäßigen Störungen laboriert. Die Brotfrage erscheint bisher noch ungenügend elöst. Erst jetzt beginnt man dunkles, unausgemahlenes rot auf den Markt zu bringen, das vollwertiger und sättigender ist als helles. Vom Schwerarbeiter sollte es deshalb ständig konsumiert werden. Wenn statt des Weizens Roggen oder wenigstens eine Halbmischung mit Roggen verbacken werden würde, wäre eine nennenswerte Importersparnis zu erzielen. Neben einem reinen Roggen- oder Weizenroggen־ mischbrot ließe sich eine große Nährwertaufbesserung des Brotes erreichen, wenn man eine neue Backform wählt, die als gesäuertes Hefebrot neben der Billigkeit den Vorzug hat, viel weniger schnell alt zu werden, nahrhafter und sättigender zu sein; der Geschmack ist tadellos. Dazu wäre eine 7 %ige Zugabe von Maismehl erforderlich (das zu 4 °/0 abgebrüht sein muß!) und 10% Sojamehl. Mir scheint nach Rücksprache mit maßgebenden Stellen die Einfuhr des Sojamehls eine wesentliche Hilfe zu bedeuten. Sie würde sich nicht nur auf das Budget erstrecken — das nach ungefährer Schätzung bei importierten 1200 t für £ 30000 um zirka eine Viertel Million £ erleichtert würde —, sondern würde auch nährstoffmäßig eine bedeutende Aufbesserung der Kost darstellen und die säuernden Lebensmittel in günstigem Sinne ergänzen. Durch seinen hohen Fett- und Eiweißehalt vermag Sojamehl in der Industrie und im Haushalt ett, Fleisch, Eier, auch Zucker zu einem beträchtlichen Teil vollwertig zu ersetzen. Die Verpflegung für den Einzelnen verbilligt sich dabei. Seine praktischen Möglichkeiten werden an anderer Stelle dargestellt. Bei planvoll konsumierten Landesprodukten und entsprechend gestalteter Ernährung könnten in der Handelsbilanz erhebliche Summen eingespart werden, ohne daß dies für den Einzelverbraucher ins Gewicht fiele. Die nicht unbedingt notwendigen Nahrungsmittel kosten das Land Geld, für das ln* vestifionsgiiter erworben werden könnten. Die Lösung der Ernährungsprobleme erscheint deshalb für das Land und für das Individuum sehr dringend; bei der palästinensischen Körperbeanspruchung ist sie die Voraus- Setzung für gesunde, arbeitsfähige Menschen, (SchluB des Pallstinatells) TRATTNER-SCHUH . Der elegante Schuh, auch für empfindliche FOBe BERLIN W15, Kn esebeckstr. 43/44 (1 Minute von Dobrin) Ruf: 916993 Nach Maß u. fertig Auch Reparaturen Solide Preise