Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1937)
- Date
- 1937-06-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 50 25. VI 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seils 3 Madagaskar als Siedlungsland Von Dr. W.J.H. Nyessen Wir brachten in Nr. 45 einen Bericht aus Madagaskar, wo sich fetzt die von der polnischen Regierung im Einvernehmen mit dem französischen Kolonialminister abgesandte polnisch-jüdische Expcrten-Kommission befindet, die die Frage einer Wanderung von polnischen Juden nach Madagaskar prü• fen soll. Unser Korrespondent sendet uns fetzt noch einen weiteren Bericht, der zweifellos interessant ist, obwohl er mit vielen hergebrachten Meinungen in scharfem Widerspruch steht. Wir können selbstverständ• lieh bei dem Abdruck dieser Darstellung die Verantwortung für die Anschauungen des Verfassers, die vielen zu optimistisch Vorkommen werden, nicht übernehmen, aber in der heutigen Wanderungsnot verdienen auch Anregungen solcher Art gewiß Beachtung der verantwortlichen Stellen. Eine Karle, die die Lage von Madagaskar veranschaulicht, brachten wir in Nr. 47. (Red.) Tananarive (Madagaskar), 12. Juni 1937 Die Juden sind ihrem Ursprung nach ein ״subtropisches“ Volk. Nun gibt es außerhalb der eigentlichen Subtropen, d. h. der Gebiete zwischen den gemäßigten Zonen und den Tropen noch andere ״Subtropen“, nämlich die oberhalb der Tropen. Da die Temperatur, wie bekannt, nach oben bei je hundert Meter einen halben Grad abnimmt, das sogenannte Höhenklima, haben die wenigstens 1000 m höher gelegenen Gebiete dasselbe gleichmäßige Klima wie die Tropen, aber obendrein eine viel angenehmere Temperatur, Feuchtigkeit und Luftelektrizität. Diese hochgelegenen Subtropen sind die herrlichsten und meist bevorzugten Gebiete der Weit. Wer auf Java oder Sumatra in den durch Moskitos verpesteten Niederungen leben muß, verbringt sein Wochenende im Tengger oder auf einem der vielen anderen Vulkane, denen es zu danken ist, daß die holländischen Beamten nur einmal in sechs Jahren auf Urlaub nach Europa fahren, während dieser Termin in beinahe allen anderen Kolonien bedeutend kürzer ist. Kashmir, zwischen den Schneereihen des Himalaya und I /tanze ALLIGATOR Hai sind gute L o d e r \* c 1 r c ח Qז 11 A!\, UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTEt Berlin» Tauentzienatraße 16 Hambur?, Jung־fem* *tieg 43 Köln a. Rh., Hohe Straße 115 Essen» Limbcckerstraße 10 W uppertal•Elberr Essen, Am Hauptbahnhof 10 Bochum, Kortumstraße 67 Fr ankf urt-M., RoßmarVrt IS Zentrale: Offenbach ft. M. e 1 d» Herzogstraße 36 Nacht nahe am Gefrierpunkt, in verschiedenen Teilen des Plateaus sieht man sogar Rauhreif. Die Flora: Eichen, Aepfel, Birnen, Pflaumen usw. entspricht diesem Klima. Das Klima ist kühler als das von Palästina und entspricht etwa dem von Dalmatien, was schon daraus hervorgeht, daß der bekannte Bekämpfer der Malaria, das Pyrethrum cinerarinefolium, eine Pflanze Dalmatiens, hier gut wächst und blüht (Dies ist eine Erleichterung für die Gesundmachung der niederen Gebiete Madagaskars.) Ueberdies wachsen hier Gemüse und Früchte im Ucberfluß und man hat Hühnerzucht und Milchwirtschaft, weil die Tsetse-Fliegen fehlen, so daß man sich gut ernähren kann. (Eine der größten Ursachen der Gefahr der Tropen und Subtropen ist die Unterernährung.) Die Malaria herrscht auf den hohen Plateaus in gemäßigten Formen oder gar nicht und man kann sich mittels der Pyrethrumspritze usw. genügend dagegen schützen. Die größte Gefahr der Malaria liegt nicht in der Krankheit selbst, sondern in dem zurückbleibenden anämischen Zustand, wodurch der Widerstand den Infektionen gegenüber vermindert wird. Dieser Zustand kann nur durch gute Nahrung überwunden werden. Um nicht den Vorwurf zu erhalten, daß wir nur das Gute von Madagaskar sagen wollen, schließen wir mit einem Brief von der Niederländisch-Indischen Lebensversicherung, die den Europäern auf Java einen ״Tropenzuschlag“ von nicht weniger als beinahe 200 0/0 bezahlen läßt (zu meiner Monatsprämie in Holland und Südafrika von 15,75 Gulden kommt ein ״Niederländisch- Indischer“ Zuschlag von 28,53 Gulden!). Die meisten anderen Gesellschaften berechnen für Afrika keinen oder nur einen Zuschlag von 5—7 % für feuchte Gebiete wie Kamerun. Ein gewaltig hoher Zuschlag ist gar nicht gerechtfertigt. Es fehlt dort aber die Konkurrenz. Dieser Fall ist ein Beispiel der schlimmsten Ausbeutung der pathologischen Tropenfurcht! Der Direktor im Haag schreibt: ״Nach Ihrer Beschrcibung sollte Madagaskar, auf jeden Fall das Plateau, ein ideales Klima haben, ausnahmsweise geeignet für Ansiedlung von Uebertrajjung Rabbi Abdimi aus Haifa sagte: Vom Tag an, da das Hcilighun zerstört worden fsf, fsl die Prophdfe den Propheten genommen und den Welsen Übergeben worden, Rabbi Jodianan sagte: Vom Tag an, da das Heiligtum zerstört worden ist, ist die Prophetie den Propheten genommen und den Wahnsinnigen und Kindern übergeben worden. b. Baba batra 1Z af. Ueber3■ v. A׳, N. Glatzcr Europäern. Gerade dieser Tage wurde uns eine Untersuehung über das Extra-Risiko zur Kenntnis gebracht, das mit dem Aufenthalt von Versicherten außerhalb Europas verbunden ist. Auf Grund des gesammelten Materials wird Madagaskar (mit nur ein paar anderen Ländern) zu den für Europäer ungesündesten bewohnbaren Gebieten der Welt gerechnet.“ Dazu ist zu bemerken, daß die hier schon viele Jahre arbeitenden britischen und französischen Gesellschaften meist selbst für ganz Madagaskar keinen Tropenzuschlag verlangen, — sicher nicht für die gesunden Plateaus. Die oben erwähnte Lebensversicherungsgescllschaft fordert den Zuschlag von 200 °,0 auch für ganz China und ganz Afrika außerhalb der Union. Auch Palästina und der Libanon, wo man im Winter Ski läuft, gehören nach ihrer Ansicht zu den Tropen. Sie stellt den Zustand Madagaskars offensichtlich nur so finster vor, um die 200 °.o Tropenzuschlag rechtfertigen zu können. Tatsächlich sind bei der Eroberung der Insel vor vierzig Jahren viele Sterbefälle zu bedauern gewesen. Dies geschah aber, weil die medizinische Versorgung und Hygiene damals versagte und die westeuropäischen Soldaten nicht an die Lebensart des Landes gewöhnt waren. Der Feldzug durch Abessinien beweist, daß es jetzt viel besser sein kann. Der Direktor des Gesundheitsdienstes General Mauchard und sein medizinischer Stab, wie auch der Direktor des Meteorologischen Dienstes Dr. Thomas waren entrüstet über diesen Brief und erklärten, daß die Plateaus von Madagaskar ebenso gesund wären wie Frankreich. Viele französische Beamten im Ruhestand lassen sich hier nieder, auch die. welche durch hohes Gehalt seht gut in Frankreich leben könnten. Das Leben in den Höhensubtropen ist weit angenehmer als in den'meisten europäischen Ländern mit ihrem unangenehmen Klima, hohen Steuern, allerlei Maßregelungen, Auto- und Flugzeuggefahr, Grippe, Bolschewismus, Kriegspsychose und vielen anderen Bedrohungen. Radio und andere Errungenschäften halten uns zu jeder Stunde in Kontakt mit der großen Welt. Es wäre zu wünschen, daß die Juden die geänderte Situation ausnützten und in den Höhensubtropen eine Einwanderungsmöglichkeit suchten, bevor andere die Plätze besetzen. Karakorum gelegen, mit seinen blauen Seen und Kanälen, Deodars und riesenhaften Platanen, mit seinem Ueberfluß von Blumen und Früchten, aber zu wenig Menschen, um davon zu genießen, würde eines der geeignetsten Gebiete für jüdische Kolonisation sein, wenn die politischen Verhältnisse es zuließen. Das Klima von Gulmar mit seiner liebliehen Alpenflora und stolzen Zedern ist so günstig, daß die Hotels ihre Gäste in Zelten unterbringen. v Amerika ist sehr reich an Höhen-Subtropen. Das Hochland von Peru, das alte Reich der Inkas, ist eines der klimatisch angenehmsten Länder, das Hochland von Anahuac in Mexiko, das Gebiet der Kultur der Azteken, ist eines der reichsten Minengebiete. Durch diese jetzt durch gute Wege geöffneten Subtropen wird der Aufenthalt in den Tropen, aer schon einen großen Teil des Schreckens verloren hat, weil überall bessere Nahrung aus den Subtropen zu bekommen ist und die meisten Krankheiten unterdrückt oder vermieden werden können, angenehmer und bequemer gemacht. Nichts aber läßt sich schwieriger heilen wie pathologische Furcht. Diese pathologische Furcht hat die Weißen Jahrhunderte zurückgehalten, in Afrika einzudringen, obwohl die Bevölkerung im großen ganzen friedliebend ist und selbst die Araber aulgenommen hat. Nun, da Afrika mehr und mehr an Kultur zunimmt, hat das Wohnen auf den hohen Plateaus, die Zentra der Zivilisation werden, stets größere Vorteile. Nicht nur entwickeln sich dort europäische Land- Wirtschaft, Minenbau, Industrie und Handel wie auf den Hochländern von Kenya, Abessinien und Rhodesia. Aber auch in den umliegenden pazifizierten Gebieten bietet sich Gelegenheit, durch Handel und Plantagenbau Erwerb zu finden. Wenn das jüdische Volk sich in dieser Beziehung frei macht von der pathologischen Tropenfurcht und jüdische Auswanderer sich auf den subtropischen Plateaus und Vulkangipfcln ansiedeln, öffnen sich große Möglichkeiten. In dieser subtropischen Richtung liegt vielleicht noch eine der besten Lösungen des jüdischen Problems, und mit jeder Verbesserung des Verkehrs und der Hygiene kommen wir ihr näher. In Kenya fanden schon viele Juden eine Heimat, Was die Lage am Rande der Tropen anbetrifft, kann man mit Mexiko das Hochland von Madagaskar vergleichen. Seine Fläche beträgt den vierten Teil der Fläche Frankreichs, Belgiens und der Niederlande zusammen. Aber statt 15 Millionen Einwohner hat es nur 11/2 Millionen. Das Klima ist ausgezeichnet, zu vergleichen mit dem von Kashmir. Um eine Vorstellung davon zu geben, führen wir die mittleren Temperaturen der Hauptstadt Tananarive (1400 m Höhe) in Zentigraden (Celsius) an. Juli Au?. Sept Okt Nov. D«t. Jan. Febr. Mart Apr. Mai Juni Jah? Max. 19.7 20.8 23.4 24.6 27.2 26.5 26.7 26.4 26.5 25.2 23.1 20.8 24.2 Min. 9.1 9.1 10.5 12.6 14.3 15.1 16.0 16.2 15.7 14.3 12.1 9.9 12.9 Mittel 14.4 15.0 17.0 18.6 208 208 21.4 21.3 22.1 198 17.6 15.4 18.6 Daraus ersieht man, daß das Maximum nur in den Monaten November bis März ungefähr 26,9 ist, dann ist es also ziemlich warm. Am Mittag ist man aber meistens im kühlen, luftigen Hause und die Wärme stört weit weniger als an einem heißen Tage in Warschau oder Berlin, wo, wie ich hier höre, die Temperatur heute im Schatten 36 Grad betragen soll. In den übrigen Monaten des Jahres ist sie sehr erträglich und man geht auch am Mittag spazieren, was z. B. in Nairobi (Kenya) nicht der Fall ist. Von viel größerer Wichtigkeit für den Aufenthalt der Europäer in den Höhen-Subtropen sind aber die Minima. Diese s'nd für den größ'en Teil des Jahres unter europäischer Z'ramer• tempci alur, werden also als kalt empfunden. Während dreier Monate selbst 9 Grade. Dies sind aber Mitteltemperaturen. Ab und zu ist es in diesen Monaten in der Der Rücktritt Leon Blums Unser Pariser K.-Berichterstatter schreibt: L£on Blum war der erste Ministerpräsident Frankreichs jüdischer Abkunft. Es ist heute noch zu früh, die Leistungen der Regierung Blum zu würdigen. Der Kampf um die innere Gestaltung Frankreichs, in dem die Regierung Blum eine entscheidende Phase bedeutet, wird fortgesetzt. Auch die überzeugtesten Gegner der Ideen Ldon Blums bestreiten nicht, daß das Kabinett Blum eine jener wenigen Regierungen war, die der Entwicklung des Landes ihren dauernden Stempel aufgedrückt haben. Blum selbst, der zum erstenmal nach jahrelanger politischer Oppositionsstellung die Verantwortung der Regierung übernahm, ist an seiner Aufgabe in einem Maße gewachsen, die auch seine intimen Freunde überrascht hat. Er ist in wenigen Monaten zu einer der wichtigsten staatsmännischen Persönlichkeiten Europas geworden. Wenn Blums innerpolitische Aktion im französischen Volke heute hart umstritten ist, so hat er außenpolitisch stets die überwiegende Mehrheit des französischen Volkes vertreten. Die positive Einstellung, die Blum zu den Fragen der jüdischen Renais* sance und des Palästina-Aufbaus eingenommen hat, ist bekannt. Er hat sich naturgemäß als Ministerpräsident der französischen Republik in seiner Stellungnahme zu jü* dischen Fragen größte Zurückhaltung auferlegen müssen. Nichtsdestoweniger hatte Wcizmann in den letzten Monaten mehrfach Gelegenheit, mit Blum über die aktuellen Palästina-Probleme und insbesondere über die Teilungsplane der englischen Regierung zu sprechen und Blum hat in diesen Gesprächen gezeigt, daß sein Interesse an den Fragen Palästinas keineswegs erloschen ist. ln einem kürzlieh erschienen Buch des Professors Marc V i c h n i a c über Leon Blum wird auch seine Steilung zum Judentum beleuch* tet. Vichniac zeigt unter anderem, wie bei Leon Blum eine tiefere Durchdenkung des jüdischen Problems ihn zu einer ositiven Einstellung gegenüber der jüdischen Nationalewegung und dem Palästina-Aufbau geführt hat. Die Palästiuabewegung habe seither in Leon Blum stets einen warmherzigen Freund gefunden. Juden begrüßen die Königin f■ ־ 5״ ,rtmn**%#!... fci* 'rjyi׳?' A; ' j, 74 . Anläßlich des Besuches der Königlichen Familie in Amsterdam wurde, wie auch unser holländischer Korrespondent berichtet, im Judenviertel ein festlicher Empfang bereitet. Die Amsterdamer Zeitung ״De Courant — Het Nieuws van den Dag" bringt auf der ersten Seite in großer Aufmachung unter der Ueberschrift ״Jüdische Huldigung an Oranien" das obenstehende Bild. Es zeigt die Königin Wilhelmine mit der Thronfolgerin Kronprinzessin Julitma in dem von 4 Pferden gezogenen Wagen während des Aufenthalts auf der Jonas Daniel Meyerplein in Amsterdam, wo ein jüdischer Jugend• chor von 1200 Jungen und Mädchen unter Leitung von S. H. Engländer, dem Dirigenten des Chores der Großen Synagoge in Amsterdam, eine Huldigung darbringt. Die Zeitung bringt einen ausführlichen Bericht über den Empfang, bei dem die Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde Amsterdam und der jüdischen Organisationen vollzählig versammelt waren. lUw itindei wohd&ut aut Fragen Sie uns, wir wissen Ratl Eine Leibrenten-Versicherung kann für Sie (und IhreFrau) Ausschaltung jeder Unsicherheit bedeuten. )Um Hmu* t eichen nicht mein■ FAMILIENSCHUTZ LV. Abteilung für Altersversorgung BERLIN W8 Taubenstraße 35 Tel.: 124417 1U Xe&eHsa&end Ui uHpesuketi Schreiben Sie uns Ihr Geburtsdatum (und das Ihrer Frau) und die Höhe des zurVerfügung stehenden Betrages. Wir machen Ihnen den für Sie zweckmäßigsten Vorschlag.