Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 49 (22.6.1937)
- Date
- 1937-06-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-י ׳”:־TT t JODISCHE RUNDSCHAU PALÄSTINA-BIAT Nr. 49, 22. JUNI 1937 s, tr- מ »1 1tar m 1ti- י5 brt 1■ es 1fer er ׳e- Ml ISlie >rriooett :ren or ns S (ז »g er n- A dו ad ׳cet en es eit en :r• 1f• dt en 1er T« 00 »e- :n, ist dt *n. : n!14 1t, 1d: nci ht, le ior >in *> Schüsse, Gerüchte und Deklarationen Vbn unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel Aviv, 14. Juni 1937 Das Attentat auf den Generaiiitspektor der palästinensisehen Polizei, Spicer, das vorgestern in Jerusalem ver* sucht wurde und wobei Spicer selbst den Kugeln entging, jedoch sein Chauffeur angeschossen wurde, ist selbstverständlich Tagesgespräch. Freilich nicht in dem Maße, wie man es unter normalen Umständen bei einer solchen Tat erwartet hätte. Man muß sich, um die Bedeutung des Ereignisses zu ermessen, nochmals die näheren Umstände des Attentats vergegenwärtigen. In der Hauptstadt des Landes wird am hellen Tage auf das Auto des Chefs der Polizei, als es gerade den Platz des Poüzeiliauptquartiers verläßt, von drei Männern zugleich eine Salve von Schüssen abgegeben, so daß der Chauffeur verwundet wird und das Glas des Wagens zersplittert. Ein solcher Versuch ist wohl geeignet, das größte Aufsehen zu erregen, und noch mehr der Umstand, daß die Täter sofort das Weite suchen konnten und anscheinend bis heute nicht festgestellt wurden. Es wurden überall Durchsuchungen vorgenommen, Posten ausgestellt, Autos und Autobusse angehalten, auch Verhaftungen vorgenommen, aber es steht immer noch nicht fest, ob man wirklich den oder die Täter erwischt hat. Wenn dennoch die ganze Angelegenheit nicht übermäßig im Publikum gewirkt hat, so ist das ein neuer Beweis dafür, wie ungewöhnlich stark man sich in Palästina in die ״Psychologie des Terrors“ eingelebt hat. Wir haben bekanntlich ״Ruhe“ im Lande, aber die Ruhe ist der Art, daß nicht einmal ein Attentat auf den Chef der Polizei als besondere Sensation empfunden wird. Es ist eben im letzten Jahre zu viel und auf zu beängstigende Weise in Palästina geschossen worden, als daß die Schüsse am Russcnplatz in Jerusalem noch den Widerhall finden könnten, den sie unter normalen Bedingungen haben müßten. In diesen Tagen haben sich wieder einmal politische Gerüchte vermehrt, ohne daß irgend jemand imstande wäre, sie ernstlich auf ihre Wahrhaftigkeit abzuschätzen. Der Oberste Arabische Rat hat eine Audienz beim High Commissioncr gehabt und ihn auch über die Teilungsplane befragt. Als Antwort haben die Herren jedoch anscheinend nur die bereits stereotyp gewordene Antwort erhalten, daß bisher niemand außer den Mitgliedern der Konimission selbst wüßte, ob solche Vorschläge existierten und wie sie im Detail aussähen. Man sollte sich also vorerst nicht damit befassen. Gerade das tut man jedoch natürlicherweise immer wieder, die Ungeduld in bezug auf den Berieht steigt, zugleich aber ist man sich auch in eingeweihten Kreisen noch immer nicht über das endgültige Datum der Publikation klar, so daß man nicht weiß, wie lange das Rätselraten noch anhalten soll. Unterdessen haben die Diskussionen über die Tcilungspläne, insbesondere in arabischen Kreisen, einen neuen Anstoß durch die Rückkehr des Emir Abdullah aus London bekommen. In Transjordanien hat man ihm einen ungewöhnlieh großen Empfang bereitet, sowohl in Es-Salt, wo er durchfuhr, wie auch in Amman, seiner Hauptstadt. Der Emir hat bei dlem Fest, das zu seinem Empfange stattfand, eine Rede gehalten und die Aussprache abgeleugnet, die man ihm im Zusammenhang mit der Teilung in den letzten Tagen in derPresse in den Mund gelegt liat. (Die Blätter wußten zu melden, daß Abdullah sich bereit erklärt habe, ״die Krone von Palästina anzunehmen“, wenn man sie ihm anbiete.) In der Rede in Amman nun erklärte Abdullah, er wüßte jetzt nach seiner Rückkehr nicht mehr über die Teilungspläne als vorher, und alles, was man über seine Aussagen erzählte, würde nur von seinen Gegnern kolportiert, um ihm zu schaden. Aehnlich stehe es mit der Sache von Alexandrette und seinem Besuch in der Türkei, den er seit 1919 vorgehabt hätte, ohne bisher die Gelegenheit dazu zu haben. Es ist durchsichtig, daß der Emir mit diesen Anspielungen auf den Mufti, seinen Gegner, hinzieit und daß er sicli gerade jetzt noch nicht öffentlich festlegen will. Sicher ist, daß die Reise und die Aufnahme in London seine Stellung einerseits gehoben, andererseits den Mufti und seine Gruppe zu erneutem und verstärktem Kampf gegen den Emir angestachelt haben. Im Te! Aviver Hafen sind Erweiterungsarbeifen im Gange. Außerdem sind bei lokalen Sehiffsbauern 16 zusätzliche Leichterbarken bestellt worden. Vertrauenskrise in Im ״Bustenai“ führt M. S m i 1 a n s k i Klage über das Schwinden des Vertrauens in die palästinensische Landwirt- Schaft. Dieses Vertrauen sei neben dem religiösen Glauben ein Grundpfeiler des Zionismus gewesen. Die Vertrauenskrise hat zu einem völligen Stillstand auf dem Bodenmarkt geführt. Nur der Keren Kaiemeth führt hier die Arbeit noch fort, alle privaten Bodenkaufsgesellschaften, die von der Privatinitiative abhänjen, sind völlig stillgelegt. Der vornehmste Grund für diese Tatsache ist die mangelnde zionistische Erziehung der Massen. Natürlich treten viele äußere Gründe hinzu: Die Bodenübertragung stößt in diesem Lande auf unerhörte Schwierigkeiten. Zuweilen sind jahrelange Verhandlungcn oder gar Prozesse nötig, bis das Recht auf den ekauften Boden einwandfrei gesichert ist. Trotz all dieser ehwierigkeiten könnte unsere Tätigkeit auf diesem Gebiete um ein Vielfaches größer sein, wenn unsere seelischen Kräfte stärker wären. Diese reichen noch nicht einmal aus, um das Vorhandene auszunützen. Immer sprechen wir von unserem Mittelstand, der sich danach sehnt, auf eigenem Boden von den Früchten seiner Arbeit zu leben; und dabei gibt es jetzt in Samaria viele Parzellen inmitten der jüdischen Kolonien, die für Gemischtwirtschaft geeignet sind, es gibt dort reichlich Wasser und eine gute Chaussee zur Eisenbahn, und sie finden keine Abnehmer! Auch im unteren Galiläa gäbe es für bürgerliche Elemente noch gute Möglichkeiten, nur daß sich diese bürgerlichen Elemente nicht finden. Die Erschei- Streit um das Gruenblatt-Projekt Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel Aviv, 14. Juni 1936 Wir berichteten hier über den Gruenblatt-Plan, der die Umwandlung des natürlichen Sandstrandes von Tel Aviv in eine Promenade beabsichtigt, und über den Beginn einer Diskussion, die nach langem Schweigen in der Bürgerschaft von Tel Aviv einsefzte. In den letzten Wochen, als bekannt wurde, daß die Regierung den Plan genehmigt und die Stadtverwaltung jetzt das Recht habe, den Vertrag zu unterzeichnen, ist die Diskussion im Publikum sehr lebhaft geworden und die Gegnerschaft gegen das Projekt wird immer stärker. Zu einer Massenversammlung, die von den Gegnern des Projekts einberufen wurde, erschienen Tausende, und in der Presse hat sich ein lebhafter Streit um die Vorzüge oder Nachteile des Planes entwickelt. In der letzten Woche meldete sich beim Bürgermeister von Tel Aviv eine Delegation, die die Gefahren auseinandersetzte, die sich für die Masse der Bevölkerung aus dem Plane ergeben. Ein Memorandum an die Stadtverwaltung wird ebenfalls von der Gruppe, die diese Delegation vertritt, vorbereitet. Und cs wird an eine Petition gedacht, um die Stadtverwaltung von der Unterzeichnung des Vertrages zurückzuhalten. Selbstverständlich regen sich jetzt auch die Anhänger des Projektes. Vielleicht zum erstenmal in der Geschichte der Stadt gibt es einen scharfen Meinungsaustausch über eine völlig unpolitische, rein kommunale Frage, und die Teilung der Meinungen geht quer durch die verschiedenen Parteien. Sowohl in den Fachverbänden (Aerzte, Ingenieure, Architekten) wie auch im breiten Publikum und in den Sportvereinen wird eifrig pro und contra diskutiert. In diesem Erwachen der öffentliehen Meinung gerade auf einem nicht mit Politik verbundenen Gebiet liegt ein großer Gewinn. Denn wir sind darauf angewiesen, gerade die Masse der Bevölkerung mehr und mehr an den praktischen Fragen des Tages zu intcressieren. Kooptierung zur Assefath Haniwcharim Der Waad Leumi beschloß in einer mehrstündigen Sitzung, ohne vorherige Wahl als Mitglieder der Assefath Haniwcharim zu kooptieren: 12 Vertreter jüdischer Städte und Stadtgemeinden, 12 Vertreter von Ortsvorständen und Siedlungsräten, sowie 6 von Arbeitersiedlungen. Die Oberrabbiner der aschkenasiselicn bzw. der scphardischen Gemeinde wurden ex officio zu Delegierten der Assefath Haniwcharim ernannt. Die Exekutive des Waad Leumi ist ermächtigt worden, den Zeitpunkt der Tagung der Assefath Haniwcharim für das Jahr 1937 festzusetzen. Die Kooptierung erfolgte als Ergebnis von Verhandlungen, die mehrere Jahre gedauert haben. Die Sitzungen des Kleinen A.-C. sowie des vor kurzem ins Leben gerufenen Kleinen Administrative Committee der Jewish Agency sind vom 20. aut den 21. Juni verlegt worden. der Landwirtschaft nung, daß solche Menschen die Stadt vorziehen, ist sehr leicht zu erklären. Haben wir doch bis heute noch keinen sicheren Absatz für die jüdische Gemüseproduklion unter den Juden Palästinas selbst! Ist doch die Orangenwirtschaft in einer schweren Lage! F)as Angebot ist groß, und die Nachfrage gering. Dazu tritt die handelsrechtliche Schutzlosigkeit Palästinas als Mandatsland. Aber all das wäre nicht eiltscheidend, wenn nicht innere Ursachen hinzukämen: Die Böden sind vielfach zu teuer gekauft und mit zu hohen und zu hochverzinslichen Anleihen belastet, ln solchen Fällen gibt es keine Hilfe, der Besitzer wird unter Verlust verkaufen müssen, und erst der neue Käufer, der die Plantagen zu einem vernünftigen Preis erwirbt, kann mit einer Existenz rechnen. Der Stillstand auf dem Bodenmarkt ist in keiner Weise berechtigt. Gerade das Sinken der Preise sollte zum Kauf ermutigen. Noch heute ernährt ein guter Pardeß, der zu einem vernünftigen Preis erworben worden ist, seinen Mann. Leider aber hat auch hier eine ganz unbegründete Vertrauenskrise eingesetzt. Man hat es versäumt, das Ver• trauen zu starken. Man macht sich nicht klar, daß das Versagen so vieler keine objektiven Ursachen hat, die den ge• samten Wirtschaftszweig betreffen, sondern solche, die in den ungünstigen und unpassenden Bedingungen einzelner Unter• nehmungen liegen, unter denen Einzelne ihre Arbeit aui diesem Gebiete begonnen haben. Wir müssen alles tun, um hier aufklärend zu wirken. Von der Woche Die arabische Presse Palästinas beschäftigt sich mit einem angeblich bestehenden Plan der Schaffung einer arabischen Födcrati ori bestehend aus Irak, Syrien, Transjordanien und dem arabischen Teil Palästinas unter dem Schutz Englands und Frankreichs, und zwar unter der Voraussetzung, daß die Föderation den jüdischen Staat in einem Teil Pa• lästinas anerkenne. In der Jerusalemer Altstadt wurden zwei Bomben zur Explosion gebracht, von denen eine dem Führer der arabisehen Mufti-Opposition S a 1 c h A b d o galt. Abdo blieb unverletzt; die arabischen Attentäter retteten sich durch Flucht. Der Ueberfall gab zu Gerüchten Anlaß, daß er von Juden ausgeführt worden sei, doch konnte der wahre Sachverhalt bald festgestellt werden. Die Telephonverbindung zwischen Jerusalem und Haifa wurde infolge des Durchschneidens von Drähten in der Nähe Haitas unterbrochen. Die Siedler von Beth Joseph und der in der Nähe der Siedlung lagernde Beduinenstamm haben die Schließung eines Versölmungspaktes gefeiert. Auf diese Weise wurde die Blutfehde, die aus der Tötung eines Beduinen durch jüdische Hilfspolizisten während einer Schießerei sonst hätte entstehen müssen, aus der Welt geschafft. Bei der Gerichtsverhandlung in Sachen der 1m Agro• bank-Viertcl von Tel Aviv wegen angeblich ungesetzlichen Waffenbesitzes verhafteten Hilfspolizisten erklärte sich das Gericht nach Anhörung der Ausführungen des Anwalts bereit, den Fall im Rahmen der üblichen Gesetzgebung, anstatt, wie ursprünglich beabsichtigt, unter Anwendung der Notstands-Bestimmungen zu behandeln. Die Konferenz der Vereinigung Allgemeiner Zionisten für Palästina schloß mit der Annahme von Beschlüssen, in denen u. a. gegen den T eilungsplan Stellung genommen wird und die Forderungen an den Kongreß aufgezählt werden. Augesichts der Meinungsdifferenzen zwischen den verschiedenen innerhalb der Vereinigung vertretenen Gruppen in bezug auf die Aufstellung der Kongreßwahlliste sowie auf die Wahl der palästinensischen Exekutive der Vereinigung, ist die Behandlung dieser beiden Fragen einem Sonderkomitee übertragen worden. Die Leitung des Waad Hakehilla von Jerusalem hat mit Vertretern des Waad Leumi eine Besprechung abgehalten, hei der beschlossen wurde, die fällige Neuwahl der jüdischen Gemeinderepräsentanz auf ein Jahr zu verschieben, weil die gegenwärtigen politischen Verhältnisse die Durchführung von Wahlen nicht angezeigt erscheinen lassen. Am 1. Oktober wird in Haifa eine von der Palästina- Regierung errichtete technische Lehranstalt, an der ausschließlich Araber unterrichtet werden sollen, eröffnet werden. Die Anstalt, die aus drei Schulklassen besteht, sieht ein« dreijährige Lehrzeit vor. Nachdem die Mitte! für die Fertigstellung des neuen Hauses der Ha bim ah in Tel Aviv zum größten Teil aufgebracht sind, wird in den nächsten Tagen mit der Fortführung •der Bauarbeiten begonnen w׳erden. Die Eröffnungsvorstellung in dem neuen Hause wird voraussichtlich im Dezember stattfinden. Nach Verhandlungen, die das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Jizchak Grünbaum, Dr. S a 1 h e i m e r und der Vizepräsident der Polnisch-Palästinensischen Clearing-Kommission, Dr. H i n d e s, mit den zuständigen Behörden geführt haben, sind die Schwierigkeiten, die das Funktionieren des am 1. Mai in Kraft getretenen polnisch-palästinensischcn Clearing-Abkommens verhinderten, beseitigt worden. Den Geld- und Warentransfer hat die von der Jewish Agency und der Anglo-Palestine Bank gegründete Gesellschaft ״ri a 1 i f i n“ übernommen. Der Rat des palästinensischen Oberrabblnats hat in Tel Aviv eine Sitzung abgehalten, an der auch die Oberrabbiner von Tel Aviv, Jaffa und Petach Tikwah teilnahmen. Es wurde beschlossen, an alle Gemeinden den Aufruf zu richten, gewisse Aenderungen reformistisehen Charakters in den Synagogen, wie sie in einigen neuen Kolonien eingeführt worden sind, zu bekämpfen. Der hebräische Publizist Benzion K a t z erhielt von der Palästina-Regierung die Erlaubnis, eine hebräische Zeitung herauszugeben. Die neue Zeitung, die den Namen ״Chadaschot“ tragen wird, soll zweimal täglich erscheinen. Wauchopes Reise Die arabische Presse widmet der Reise des High Comm is s i o n er nach England größte Aufmerksamkeit. ״Felestin״ laubt darin ein Anzeichen dafür erblicken zu können, daß er Teilungsplan abgeändert würde, während der Vorschlag, die Einwanderung und die Bodenkäufe zu normieren und einen Gesetzgebenden Rat zu schaffen, wieder in Betracht gezogen werden soll, wobei cs sich um die Ver« größerung des Jischuws um 30 Prozent handle. Die arabische Tageszeitung ״Adifaa“ gibt vor zu wissen, daß Sir Arthur Wauchope nach Verkündung der neuen Palästina-Politik Englands im September zurücktreten wird. Grundsteinlegung des religiösen Jugenddorfes bei Kfar Chassidim WfWT 1• ''ft&i Am 10. Juni wurde, wie wir in Nr. 45 berichteten, das religiöse Jugenddorf bei Kfar Chassidim eingeweiht. Unser Bild links zeigt Dr. Ernst Simon bei der Verlesung der Megillah, die dann in den Grundslein eingemauert wurde. Rechts neben ihm Oberrabbiner Hcrtzog, Miß Szold und Dr. Ahron Barth. Das Bild rechts gibt die ersten Baracken des Dorfes wieder. gatott d,. Gi4*l